Ausgabe 
13.3.1902 Zweites Blatt
 
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DerPost" ßuvolge wird der Reichskanzler Gras Bülow seinen bicgjcüjrigen Osterurlaub in Italien verbringen und etwa am 28. d. M. Berlin verlassen.

Die ,FÄln. Ztg." meldet aus Berlin: Im mili­tärischen Kreisen hält man die Nachsicht, nach welcher Prinz Friedrich Leopold von Preußen demnächst das Kommarxdo über eins der neu zu besetzenden Armee­korps erhalten soll, für thatsachlich unbegründet und voll­ständig unwahrscheinlich. Die Neubesetzung der zahlreichen hohen militärischen Stellen wird, wie alljährlich, zum 22. März erwartet.

Im Namen Kaiser Wilhelms geschahen, dem B. T." zufolge, dieser Tage Schritte, um die Erhebung des Erzbischofs Sim ar von Köln zum Kardinal zu be­schleunigen. Die Angelegenheit, die dem Kaiser persönlich sehr am Herzen liege, wiä> auch vom Kardinal Kopp unter­stützt werden, der im April in Rom eintrifft. Die Er­nennung des neuen deutschen Kardinals erscheint namentlich im Hinblick auf ein künftiges Konklave geboten.

Der Militärschriftsteller Fritz H o e n i g ist heute früh in Halberstadt gestorben.

Eine außerordentliche Ehrung durch den Kaiser erfuhr der Postassistent Otto Finger ans Frei- burg i. S. Finger nahm seinertzeit als Einjahrig-Frei­williger der Marineinfanterie an der Besitzergreifung von Kiautschou teil tu.nd wurde später nach Rückkehr in die Heimat wieder nach Tsingtau berufen, woselbst er noch jetzt weilt und mit der Einrichtung von Telegraphenlinien beschäftigt ist. Fürseine großen Verdienste um das Aus­landswohl des Deutschen Reiches" hat ihn jetzt der Kaiser zum Leutnant der Reserve der Marine-Infanterie befördert.

DerNat.-Ztg." zufolge ist in hiesigen unterrich­teten Kreise ix nichts davon bekannt, daß die Re­gierung den Zolltarif-Entwurf zurückziehen will.

Der Antrag der preuß. Konservativen und des Zentrums über die Erhöhung der Getreidezölle hegt nunmehr gedruckt vor. Er ist unterzeichnet von 142 Konservativen und von 90 Mitgliedern der Zentrumsfrak- tion. Das ist die Mehrheit des Abgeordnetenhauses. Der Vorsitzende des Rheinischen Bauernvereins, Graf v. Spee, hat den Antrag unterzeichnet. Von Zentrumsobgg. hoben den Antrag nicht unterzeichnet: Gras v. Ballestrem, Breuer, Cahensly, Faltin, Hodler, Letocha, Dr. Lieber, Stützet, Dr. Am Zehnhoff. Freiherr v. Wangenheim hat ebenfalls nicht unterzeichnet.

Ausland.

Stockholm, 12. Mrz. Die Regierung legte einen Gesetzentwurf vor betr. die Ausdehnung des poli­tischen Stimmrechts. Hiernach soll jeder, der das 25. Lebensjahr erreicht hat, das kommunale Stimmrecht ?>aben, ausgenommen diejenigen, welche staatliche oder ommunale Steuer in den letzten zwei Jahren nicht bezahlt haben, sowie Wehrpflichtige vor Ablauf der Dienstzeit. Verheiratete Personen und solche über 40 Jahre sollen zwei Stimmen haben.

Paris, 12. März.Echo de ParLS" berichtet aus London, im englischen llnterhause sei gestern davon die Rede gewesen, daß der deutsche Kaiser aus diploma­tischem Wege versuche, den Präsidenten Loubet zu bewegen, gelegentlich dessen Reise nach Rußland Deutsch­land zu berühren. (?) Das Blatt bemerkt hierzu, es wäre von hoher politischer Bedeutung, wenn sich Kaiser Wilhelm auch nur eine Minute mit dem Präsidenten Loubet aus deutschem Boden unterhalten würde.

Madrid, 12. März. Der Finanzminister llrgaiz erklärte, daß bei seinem Scheiden aus dem Amt das Schatz­amt über genügende Mittel verfüge, um den Aprilcoupon der auswärtigen Schuld einzulösen und daß er zwei mit der Bank von Spanien geführte Kreditkonti in Höhe von 100 bezw. 50 Millionen beglichen habe. Der Minister glaubt, daß die Krisis sich aus einen Wechsel in der Pechön des Finanzministers beschränken werde.

Zwischen den Senatoren Lanchez und Almarez kam es gestern abend infolge eines Wortwechsels zu Thä t- lichkeiteu. Es fand ein Zeugenaustausch statt. Infolge der Bemühungen des Senatspräsidenten ist der Konflikt auf gütlichem Wege beigelegt worden.

Rom, 12. März. Ter Pap st empfing heute den preu­ßischen Gesandten Freiherrn v. Rotenhan, welcher Hand­schreiben der Großherzöge von Baden und Hessen überreichte.

B u d a p e st, 12. März. Der Unterrichtsminister er­klärte heute in Beantwortung einer Interpellation, daß ergegendieAbschaffungdesdeutschenSprach- unterrichts in den Kommunalschulen im Sinne der Gesetze nichts thun könne . An allen Mittelschulen jedoch werde dieser Unterricht unbedingt aufrecht erhalten.

Lemberg, 12. März. Polenblättern zufolge wurde infolge der Weigerung polnischer Gymnasiasten in Lublin in der Kathedrale die russische Zarenhymne zu fingen, eine Untersuchung eingeleitet wegen des Verdachts einer geheimen Organisation der Gymnasiasten. Ferner sind zwei polnische Hörer reichsdeutscher Anstalten verhaftet, die in die T h o r n e r undPo jener Schüler- Prozesse verwickelt waren, aber infolge ihrer Abreise nach Lublin und Lodz von den preußischen Behörden nicht mehr verhaftet werden konnten.

Ion der Niederlage <£oxb Metyuens sind außer den schon mitgeteilten Taten fernere Einzel­heiten von Lord Kitchener nicht berichtet worden. In London scheint man geneigt zu sein, den Grund der ver­schiedenen Mißgeschicke, welche die englischen Truppen in letzter Zeit betroffen haben, in einer Ueberlastung Kit- cheners zu suchen. Dort verlautet, Kitchener solle der administrativen Arbeit, die ihn an persönlicher Führung der Truppen sehr behindert, zum Teil ent­hoben werden, wodurch chm ermöglicht werden soll, sich an die Spitze eines großen, berittenen Armeekorps zu stellen. Seine Operationen sollen sich dann hauptsächlich gegen de Wet richten. Kitcheners Verlustliste giebt keine Aufklärung über 326 von Riethuens 1200 Mann. Es gilt als selbstverständlich, daß gegen Methuen, sobald er seine Freiheit wiedererlangt hat, eine militärische Untersuchung eingeleitet wird, und daß er kein Kom­mando wieder erhält.

An der Londoner Börse wurde gestern das Gerücht wiederholt, daß die Kolonne des Obersten Green- fells, der sich mit der Kolonne Methuens vereinigen sollte, ebenso von Delorey angegriffen und nieder- gemetzelt wurde. Es entstand deshalb an der Börse eine Panik, doch ist das Gerücht auch heute noch nicht be­stätigt. Auch in Amsterdam zirkulieren Gerüchte von eurer neuen englischen Niederlage am 10. d. M.

Es heißt jetzt, Dewet und Steijn überschritten vor zwei Tagen die Haupteisenbahnlinie, fünf Meilen nörd­lich von Wolvehoek, auf dem Marsche nach Westen.

Wie verlautet, hat Kitchener um sofortige Ab­sendung von 5000 Mann berittener Truppen gebeten.

Krüger erhielt zahlreiche Glückwunschtelegramme aus Deutschland, Rußland, Frankreich und sogar aus den Vereinigten Staaten. Das belgische Unterstützungskomitee für die Buren sandte dem Präsidenten ein Glückwunsch­telegramm, worin der Wunsch ausgesprochen wird, er möge Lord Methuen hinrichten lassen, falls Kru- itzinger von den Engländern erschossen werden sollte.

Aus"bludt und Laut.

Gießen, 13. März 1902.

- Das Regierungsblatt Nr. 10 enthält: Bekanntmachung, die Ausgabe von Schuldverschreibungen auf den Inhaber durch die Stadt Bad-Nauheim betreffend.

* * Gewerbliches Schutzwesen. Die Mitbenutzung eines Gebrauchsmusters ist straffällig, wie folgender Fall beweist: Wegen Verletzung eines Gebrauchsmusters war die Verurteilung ausgesprochen, weil der Beklagte seine ihm als Gebrauchs­muster geschützte und mit besonderer Einrichtung am Ober­teil versehene Leiter mit einer am Fuße der Leiter an­gebrachten einem Anderen als Gebrauchsmuster geschützten Feststellvorrichtung versehen hatte. Aufklärung jim gewerb­lichen Schuhwesen erteilt das Patentbureau Sack in Leipzig.

* * Der Kinematograph auf Oswaldsgarten hatte sich gestern eines recht regen Besuches zu erfreuen, was gewiß der beste Beweis für die Güte dessen ist, was er bietet. Und wenn sich das, was er leistet, auch nicht mit den in unseren großen Städten gezeigten Kinematographen messen kann, so kann man denen, die eine solche Vorführung noch nicht gesehen haben, seinen Besuch immerhin empfehlen.

** Hessen und der deutsche Schulverein. Die in einer Interpellation im öftere. Abgeordnetenhaufe (vgl. unser gestrigesAusland") zum Ausdruck gebrachte Be­hauptung, die hessische Regierung habe dem Deutschen Schulverein 200 000 Mk. für deutsche Schulzwecke inOesteü- reich zur Verfügung gestellt, ist nach unseren Erkundig­ungen salsck. Bekannt ist dagegen, daß unser Groß­herzog, der seit langen Jahren Mitglied des Schul­vereins ist, an denselben auch im letzten Jahre seinen üb­lichen Beitrag von 50 Mk. abgesührt hat. Da in letzter Zeit schon ähnliche Enten an der Donau aufgeflattert sind, so wird man in der Annahme nicht fehl gehen, daß wir es hier mit der Thätigkeit einer planmäßigen Drei­bundfeindlichen Agitation zu thun haben; von amtlicher wie nichtamtlicher Seite sollte man diesen inter­essanten Spuren näher nachgehen.

** Wernin g'sche Kriegsfestspiele. In der gestrigen Sitzung des Gefarntausschusses wurde die Schluß­rechnung über die kürzlich veranstalteten Kriegsfestspiele vorgelegt. Der Rechnungsprüfungsansschuß beantragte auf Grund der vorgenommenen Prüfung, dem Rechner Entlastung zu ertellen; dementsprechend wurde beim auch beschlossen. Die Einnahme betrug Mk. 8406,33, die Ausgabe Mk. 5525,56 Mark. Zuzüglich der inzwischen erwachsenen Bankzinsen und einiger Geschenke kommen Mk. 2934,60 zur Verteilung. Jedem Verein wurden Mk. 733,65 bar ausbezahlt. Von dem Kriegervereine sind aus dem chm überwiesenen Betrag bereits Mk. 90, von dem Veteranen­verein Mk. 100, von der Kriegerkameradschaft Mk. 12 zur Unterstützung verwendet und die Ausgaben vorlagsweise aus der Vereinskasse bestritten worden.

ch. Lollar, 12. März. Zur Feier eines seltenen Festes hatten sich die Kameraden des Veteranen- u. Krieger­vereinsLudwig zur Treue" am Dienstag abeud im Vereinslokale zahlreich versammelt. Galt es doch, das 25- jährige Amtsjubiläum unseres tüchtigen und beivährten Vereinsrechners, Polizeidieners Karl Schmidt III. würdig zu begehen. Der 1. Vorsitzende Heibertshaufen eröffnete die Feier mit einer Begrüßungsansprache und dankte für die rege Beteiligung. Bezirksvorsteher Bruchhäuser- Gießen überreichte sodann nach einer markigen Ansprache dem Jubi­lar ein von dem Hassiapräsidium gestiftetes Ehren- diplom für langjährige treue Pflichterfüllung im Amte und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und den Groß­herzog. Der Jubilar dankte für die ihm erwiesenen Ehrungen und gelobte, auch in Zukunft seine Pflicht als Vereinsrechner voll und ganz erfüllen zu wollen. Jn- genieur Feller sprach darauf dem Jubilar Dank aus für die großen Opfer, die er in den 25 Jahren dem Vereine gebracht, und schloß mit einem Hoch auf ihn. Sodann wurde ein Glückwunschtelegramm des Ehrenvorsitzenden M. Baumann -Köln verlesen, an der ein von Bürgermeister Nies verlesenes, von sämtlichen Anwesenden unterzeich­netes Dankschreiben abgesandt wurde. Bürgermeister Nies betonte ganz besonders die großen Verdienste, welche sich Bezirksvorsteher Bruchhäuser für das Kriegervereinswesen erworben habe, und brachte ihm ein Hoch aus. Singen pa­triotischer Lieder und die schönen Klaviervorträge des Veteranen Neuhahn verschönten die Feier bedeutend und so werden diese frohen Stunden den Kameraden gewiß recht lange in der Erinnerung bleiben.

E. Wißmar, 13. Febr. Unsere Gemeinde beabsichtigt, ein Elektrizitätswerk zu errichten. Auf Ver­anlassung einiger Interessenten hielt am Sonntag In­genieur Muhlert aus Gießen vor einer stark besuchten Versammlung im Saale des Gastwirt Schneider einen Vortrag über die Versorgung ländlicher Ortschaften mit elektrischer Energie. An der Hand von Zeichnungen und Bildern erläuterte er die zur Licht- und Krafterzeugung erforderlichen Maschinen und Apparate, und deren Ver­wendbarkeit. Der Preis für die Kilowattstunde ist vorläufig mit 50 Pfennig angesetzt, es ist aber Aussicht vorhanden, daß fiel) dieser Preis noch ermäßigt; die Lampenbrenn- stunde einer 16 fertigen Glühlampe kostet etwa 1,5 Pfg., der Kraftbetrieb etwa 20 Pfg. Die Ausführung des Werkes wurde Herrn Muhlert übertragen.

el. Laug-Göns. 12. März. Gestern feierten unser lang­jähriges Gemeinderatsmitglied und jetziger Ortsgerichtsmann Frey und seine Ehefrau im Kreise ihrer Familienangehörigen das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Viele Glück­wünsche und Geschenke liefen bei dem Jubelpaare ein. Der Großherzog verlieh ihnen fein Bild mit eigenhändiger Namens Unterschrift. Die Feier sand durch ein kleines Festmahl ihren Abschluß. Auch wir wünschen dem Jubel­paare, daß es ihm vergönnt fein möge, noch manches Jahr miteinander in der herzlichen Liebe, die es bisher vereinte, zu verleben.

-e- Bad-Nanheim, 12. März. Die Million cn - An - leihe unserer Stadt ist nunmehr vom Kreisamt Friedberg, sowie vom Ministerium in Darmstadt genehmigt worden.

Die Gelder, welche von der Million jetzt noch nicht benutzt werden, sollen eine verzinsliche Anlage finden. Es dürste sich aber bald Verwendung dafür finden. Auch die Er­richtung einer zw eiten Apotheke ist nunmehr sicher; diese wird freilich erst am 1. Januar 1903 im Schulhaus eröffnet werden, das inzwischen durch den großen Schul-Neubau frei wird. Gemäß einem Ansschreiben des Ministeriums wurde» für die Nauheimer Volksschule Schulärzte angestellt. Die Eröffnung des neuen Friedhofes erfolgt durch eine Feier am Oster - Dienstag; es werden sich daran alle Kon­fessionen beteiligen. Im Gemeinderat ist man sich indessen noch nicht einig darüber, wie lange die Famlliengräber auf dem alten Friedhof noch benutzt werden sollen. Eingaben aus der Bürgerschaft verlangen eine Frist von 10 Jahren. Hier wurde einVerkehrs-Bureau" errichtet, das der Verkehrs-Kommission untersteht. Diese setzt sich zusammen aus Mitgliedern der Kurverwaltung, des Stadtvorstandes, des Gemeinderats, des Aerzteoereins, des Kur- und Ver­schönerungsvereins, des Vereins zur Hebung des Fremden­verkehrs und des Bürgervereins. Vom 1. April ab wird das Verkehrs-Bureau^ im Badehaus 6 untergebracht werden.

d. Nidda, 12. März. Zu dem von uns gemeldeten Gelddiebstahl in dem benachbarten Ulfa erfahren wir noch, daß der gestohlene Geldbeutel mit der Regt- mentsnummer 116 gestern in einem Reisighaufen Ijinter der Kirche leer aufgefunden wurde.

Darmstadt, 12. März. Die Handelskammer Darmstadt beschloß in ihrer Sitzung vom 10. März gegen die Maß­nahme der Eisenbahndirektion Mainz, den Schluß der Annahmezeit für Frachtstückgüter von 7 auf 6 Uhr abends zu verlegen, Verwahrung einzulegen, da es den Kaufleuten und Industriellen oft nicht möglich sei, die Sen­dungen, welche an einem bestimmten Tage abgesandt werden müßten, vor 6 Uhr abends zur Bahn zu bringen.

Offenbach, 12. März. Wie dieOffenb. Ztg." hört, scheint mit der kürzlich erfolgten Verurteilung des früheren Sparkassenrechners Maier diese leidige An­gelegenheit noch nicht abgetan, zu sein, da es sich, wie wir hören, neuerdings her ausgestellt hat, daß Maier be­reits längere Zeit vor seiner Flucht sich Verfehl­ungen zum Nachteil der Sparkasse mau spricht von 5000 Mark hat zu Schulden kommen lassen. Die Unter­suchung darüber ist noch im Gange.

fc Bingen, 13. März. (Telegr. des Gieß. Anz.) Die beiden Kroaten, die dieser Tage vom Schwurgericht Neuwied zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt wurden, sind nach Mainz gebracht worden, weil sie verdächtig sind, den Raubmordversuch in Kempten (Kreis Bingen) ausgeführt zu haben. Zeugen aus Kempten haben die Kroaten bestimmt als Thäter wieder erkannt.

fc. Frankfurt a. M., 12. März. Im Haufe chres Schwiegersohnes, des Kammerherrn v. Bochmer, wo sie zu Besuch weilte, starb im Alter von 59 Jahren Freifrau Dor ette v. Schenck zu Schweinsberg, bekannt durch ihre Thätigkeit als Leiterin der wirtschaftlichen Frauenschule zu Nieder-Ofleiden i. O.

Frankfurt, 11. MÄH. Der Finanzausschuß der Stadtverordnetenversammlung erstattet soeben seinen Bericht über den Haush a ltsplan, der bekannllich mit einem Defizit von 190 000 Mk. abschließt. Dem Ausschuß ist es gelungen, durch Erhöhungen von Einnahmeposrtionen und Streichungen an den Ausgaben den Etat um etwa 260 000 Mark zu verbessern, sodaß man nicht, wie vorge­schlagen, unseren Ausgleichsfonds heranzuziehen braucht.

Vermischtes.

Brüssel, 12. März. Die hiesige Polizei ver­haftete heute Nachmittag den Mörder des jungen Mädchens, dessen geschändete Leiche vor 3 Tagen in Paris im Montmartre-Viertel aufgefunden wurde. Der Mörder heißt Dueoque und war bei einem hiesigen Freunde abge- ftiegen; bei der sofortigen Vernehmung protestierte er heftig gegen den ihm zur Last gelegten Mord.

* Gin amtsmüder Herrscher. Aus Budapest wird gemeldet: Beim letzten Hosdiuer sprach Kaiser Franz Joses beim Cercle u. a. auch mit dem gewesenen zweiten Präsidenten der k. Kurie, Felix Szorda. Das Ge­spräch drehte sich um Szordas vor kurzem erfolgte Pensio­nierung. Im Laufe der Unterhaltung bemerkte der Kaiser lächelnd:A u ch ichmöchteschon gern in b e n Ruhe­stand treten." Das Wort hat in Oesterreich-Ungarn allgemeines Aufsehen erregt.

Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Darmstädter Bank. Die Bank arbeitet im großen Stil, und hat bis jetzt eine Durchschnittsdividende 7, 5, 8 Prozent gezahlt, doch die 4 Prozent von 1901 find das magerste Resultat. Die Ver­luste, die das Institut im vergangenen Jahr erlitten hat, stammen hauptsächlich aus der Verbindung desselben mit Herrn Leo Hanaus Gründungen und aus dem Terlindenschen Zusammenbruch. Weiter hat die Bank Schaden gelitten durch die Rheinische Bank und durch ihre Beteiligung bei dem Bergwerk Dannenbaum. Auch das un­günstige Resultat der Commandite Robert Warschauer u. Eie. hat das Verlustkonto vergrößert. Ron dem neuen Geschäftsjahr ver- et man sich alles blute. Es wird darauf hingewiesen, daß die bereits größere Geschäfte eingeleitet hat: Wie die Umwand­lung der Chotoladenfabrik Stollwerk u. A.Auch darf man an­nehmen", so heißt es in einem Bericht, daß von den großen Rück­stellungen, die das Institut öorgenoimnen hat, infolge der Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse ein nicht unerheblicher Teil bereits frei geworden ist und man darf endlich annehmen, daß die Bank durch ihre neuen Beziehungen, durch die Neube­gründung zweier Filialen und die Errichtung einer weiteren Depo­sitenkasse einen erheblichen Geschäftszuwachs erhalten hat, der erst im neuen Jahre eigentlich mitwerbend werden wird." -- Ein viel­versprechendes Geschäft ist die Fusion der Breslauer Dis- kontobank mit der Darmstädter Bank, die perfekt geworden ist. Wir haben unseren Lesern von der Thatsache bereits Mit- teillmg gemacht und sie auch von dem Wesentlichen der Be­dingungen unterrichtet. Folgendes ist noch nachzulragen: Die Mk. 20 Mill., um die das Kapital der Breslauer Diskontobank ge­kürzt wird, zahlt die Darmstädter Bank den Aktionären der Bres­lauer Diskontobank and dem Liquidationserlös der Berliner Filiale zu 91 Prozent in baar aus, und zwar je zur Hälfte am 1. Juli und am 1. November. Die Darmstädter Bank nimmt eine entsprechende Kapital-Erhöhung vor und zwar soll diese Er- höhivig 20 Mill. Mk. betragen.

Preußische Eentral-Bodenkredit-Akticu-Gesellschaft. Gestern hat eine Sitzung des Verwaltungsrats der Gesellschaft slatt- gefunden, in welcher beschlossen wurde, der Generalversammlung die Verteiliiiig einer Dividende von 9 Prozent für 1901 vor- zuschlagen. $ie Generalversammlung wird auf den 15. April ein» berufen werden und vom 24. März ab der Jahresbericht zur Ver­teilung gelangen.