Donnerstag 13. März LOOT
153. Jahrgang
Zweites Blatt
GietzenerAnzeiger
M General-Anzeiger v '**'
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Nr 61
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Zamilicil- HMer viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Untvers.-Buch- u.Slein- druckereilPiclsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:
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Ale Dcukige Mmmer nmfaßi 10 Seite»-
DeKauntmachullg.
6etr.: Das Stellvertreterwesen int Gast- und Schankmirt- schaftsgewerbe.
Unter Bezugnahme auf die nachstehend abgcbriuftc, vom Gcoßh. Ureisaint Gießen erlassene Polizei-Verordnung rubr. Betreffs fordern wir hiermit alle Inhaber von Wirtschafts- konzefsionen bezw. deren gesetzliche Vertreter auf, innerhalb acht Tagen den Namen eines etwaigen Stellvertreters bei und anzumelden. Weiterhin ist ein Seunuinb§» zeugnis desselben und falls der Stellvertretungsvertrag schriftlich abgeschlossen sein sollte, eine Abschrift der Urkunde vor- zulegen.
Gießen, den 12. März 1902.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Hechler.
Polizei-Berovdnung, betreffend das Stellvcrtieterwcsen in Gast- und Schcmk- wirtschaften.
3ur Ausführung der §§ 45 und 46 der Geiverbeordnung wird hiermit auf Grmnd des Art. 78 der Kreisordnung mit Zustimmung des Kreisausschusses und mit Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 29. Nov. 1901 zu Nr. M. d. I. II[ 5880 folgendes bestimmt:
§1.
Wird das Gast- oder Schankwirtschaftsgemerbe durch einen Stellvertreter ausgeübt, so hat in den Fällen de§ § 45 der Gewerbeordnung der Konzessionsinhaber, in den Fällen des § 46 der Gewerbeordnung derjenige, für dessen Rechnung da§ Gewerbe betrieben wird, oder der gesetzliche Vertreter desselben innerhalb 8 Tagen nach Beginn der Stellvertretung der Bürgermeisterei (oder besonders bestellten staatlichen Polizcivenvaltung) unter Angabe der Personen des Stellvertreters hiervon Anzeige zu machen.
Der Anzeige ist cm Leumundszeugnis des Stellvertreters, und, falls ein schriftlicher Stellvertretungsvertrag abgeschlossen wurde, eine Abschrift desselben beizufügen.
. §2’
Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften in § 1 werden mit Geldstrafe bis zu 30 Mark bestraft.
_ §3.
Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung in Straft.
Gießen, 8. März 1902.
Großherzogliches Kreisamt Gießen- . __v- Bechtold.__________
Wie es auriidUd)a!Tt.
Aus Berlin, 12. März, wird uns geschrieben:
Die Ausnahme, welche die Rede des Staatssekretärs Frhrri. v. Richthofen über die „Schonung der englischen Empfindlichkeit" in England gefunden hat, erscheint nach den offiziösen Auszügen im ganzen anerkennender, ja freudig bewegter Art. Nur wird von der „Morning Post", dem Organ Salisburys, der Ausdruck des Erstaunens über die Erklärung erwähnt, da doch die Ueberzeugung von der Notwciidigkeit gegenseitiger freundschaftlicher Beziehungeil durch S^anbünigcn der deutschen Regierung mid syste- mansche englandfeindliche Propaganda in Deutschland er- schuttert worden sei. Nach Privatberichten äußert sich auch „Darly Graphic" weniger beifällig über Richthofens Rede. ?U"b bic versucht einen Gegensatzzu Eonftnricncn zwischen den Anschauungen des Staatssekretärs und denjenigen des Reich s k a n z l e r s. „Herr v. RülMofen kennt ..Jeut Werk, welchen Vorteil sein Chef nicht bescht." Im übrigen hält das Blatt, das außerhcllb Ena- lands noch immer vielfacl) als das führende der Londoner Presse gili, die Ausiuhrungen für „persönliche Höflichkeiten ohne politliche Bedeutung." Das ist nicht gerade d^ Don der Erkenntlichkeit und Rührung. Es war gewiß alles Möa- liche bau em deutscher Staatsmann üt dem Augenblick wo die Oeffentlichkert unter dem Eindruck des Sieges Dela- rey s stand, der englischen Nation Trost zusprach, und Anteilnahme an der Verwundung des Lord M e t b u e n Dieses Maß von Güte hätte höher bewertet werden können auf englischer Seite; bann würde man auch dort einmal den aufrichtigen Willen bemerkt haben; die Beziehungen m normale Bahnen zurückzuführen. Ganz unbegründet ist die Annahme, daß Frhr. v. Richthofen gewissermaßen aus dem Stegreif England „persönliche Höflichkeiten" erzeigte Wahrscheinlich irrt, wer in dem Glauben sich befindet, Herrn v. RichthosenS Rede sei für den Grafen v. Bülow eine' lieber*» Eichung gewesen. Graf Bülow vermochte während seiner Erkrankung die laufenden Geschäfte zu erledigen, und es ist anzunehmen, daß die Erklärung des Fchrn. v. Richthofen in den Grurü^ügen mit voller Billigung des Reichs- cmi-lers erfolgte. Auch die „Nationalztg." schreibt soeben- „D i e U e b e r e i n st i m m u n g in der Auffassung der inter» natwnalen Verhältnisse zwischen dem Reichskanzler und dem Staatssekretär gilt in unterrichteten Kreisen als eine voll- Kndige." Auch wir nehmen nicht an, daß die Rede eine Veränderung tn dem deutsch-englischen Verhältnis bekunden sollte. Der hauptsächlichste Anlaß zu der Erklärung dürfte rn dem Wunsch zu erblicken sein, der englischen Regierluna
blS bem „Burenhilfsbund" gewährten Konzessionen etwas Augenchmes zu sagen. Frhr. v. Richthofen, der nicht so tote Gras Bülow das Warme mit dem Kalten zu mischen
weiß, in für die Oeffentlichkeit bestimmten diplomatischen Ausführungen, ist im Ton und in Einzelheiten vielleicht ein wenig zu weit den „Vettern" entgegengekommen. Die „Times" spricht von einem „gänzlich beispiellosen Ausdruck der amtlichen deutschen Stimmung" und zollt Herrn von Richthofeu „persönlich keinen kleinen Teil der Anerkennung". Daraus geht eine gewisse Verblüffung über die Wärme der Kundgebung hervor. Und das ist ein Zeichen, daß auch in diesem Falle weniger zwar nicht mehr, aber angebrachter gewesen wäre."
^raf HoeuSvroech in München
In den Münchener Blättern liegen jetzt ausführliche Briefe über die bereits gemelbeteii Vorgänge im Münchener Kindl-Ketter vor gelegentlich einer Versammlung des jungliberalen VereiiiS. Danach handelte es sich offenbar um einen von vornherein vorbereiteten Versuch, die Versammlung zu sprengen. So schildert ein Blatt die Vorgänge folgendermaßen :
„In ganz geschickter Weise hatten sie ihre einzelnen Vorposten auf alle Ecken des Saales verteilt, die durch laute Schluß- R u f e, P f i f s e, G e g r ö h l e und g r e l l e s L a ch e n über die Köpfe der v'elhunbertfachen liberalen Zuhörerschaft mit einander korrespondierten und wie auf ganz bestimmte Signale hin Einer den Änberen ablösten. Denn kaum ivar von den immer gereizter werdenden liberalen Teilnehmern an einer Ecke des weilen Saales einer dieser Radaubruder mundtot gemacht oder schließlich gar mit Gewalt aus dem Saal entfernt worden, so erhoo sich in einer anderen Ecke der Lärm von neuem, um dort ebenfalls Vju der energischen, aber freilich nun auch ebenso lauten und ruhestorenden Abwehr von selten der Liberalen zu führen. So kam es, daß ebenso der Vorsitzende des einladenden Vereins, Rechtsanwalt Goldschmitt, wie Graf Hoensbroech nur in ganz kurzen Intervallen sich Gehör verschaffen konnten, und daß schließlich unten im Saal der Wirt des Münchener Kindl-Kellers und einige jüngere Versammlungs- orbner bald hierhin, bald dorthin eilen mußten, um die immer wieder aufflackernden Lärmszenen zu bämpfen."
Allein diese Versuche waren vergeblich. Die Leidenschaften maren nicht mehr zu besänftigen. Hatte man den Grafen Hoensbroech bereits bei seinem Erscheinen mit faulen Eiern beworfen, so griff man jetzt zu Maß trügen, Stühlen und Tischen. Gn Augenzeuge schildert die Szene folgendermaßen:
„Gras Hoensbroech begann; kaum hatte er die ersten Worten gesprochen — zum eigentlichen Thema hat er nur gesagt: Sie wissen ja alle, daß im Reichstag von der größten Fraktion, dem Zentrum, ein Antrag eingebracht wurde, der sogen. Toleranzantraa .... da setzte wie auf Kommando links der Lärm ein, ES gab ein Bedünge, mehrere Personen wurden h a n d g e m e : n. Da flog von links der erste Maßkrng herüber und der gab das Signal zu einer regelrechten Rauferei. Gleich flog ein M a ß k r u g zurück, dann kam noch ein halbes Dutzend M a ß k r ü g e hinterdrein, und zwar zum Teil gefüllt. Der eine zerbrach klirrend an dem Pfeiler, und Scherben und Inhalt fielen aus die Streitenden herab. Sogar von der Tribüne wurde ein Maßkrng geschleudert. Dazwischen wurden Stühle in die Höhe gehoben und geschleudert, Tische umgeworfen; Emer hob sogar emeit der schweren Tische und warf ihn nach bent Gebränge hin. Einem bet Herrn, ber still an ber Rebner- tribüne saß, flog ein Krugscherben an die Stirn unb schlug bie Ader burch. Er würbe mit Mühe hinausgebracht, um sich verbinben zu lassen."
Einem Stubenten, ber an ben Hänbeln ganz unbeteiligt gewesen war unb eben bezahlen wollte, flog ein Maßkrug an ben Kopf. Blutüberströmt brach ber junge Mann zusammen. Unter ben erheblich Verletzten befinben sich ferner, wie wir heute kurz melbeten, ein Ob erlaub esgerichts rat unb ein Registrator, bie beibe als Zuhörer bem Vortrage anwohnen wollten. Der Erstere erhielt eine Quetschwunbe an ber rechten Schläfe, letzterer eine Quetschwunbe an ber rechten Stirnseite unb an ber Wange. Die Wtmben finb hervorgerufen burch Maßkrugsplitter. Die beiben Herren würben in bas Krankenhaus verbracht, worauf sie sich jeboch nach Anlegung eines Verbandes nach Hause begeben konnten.
Die „Kölnische Volkszeitung" erklärt jetzt: „Die Behauptung ber liberalen Presse, ber Skanbal sei burch bie Zentrumsvereine organisiert worben, ist unwahr. Thatsache ist, baß bie betreffenben Flugblätter vorn Führer ber Antisemiten ausgingen." Dagegen heißt es in einem anberen Bericht: „Ein geistlicher Herr in ber Soutane ftanb mitten int Saal, rief bem Grafen Schmähworte zu unb pfiff zwischen hinein burch bie Finger wie ein Viehtreiber." Ein anberer sagt: „Es ist festgestellt, baß bie Angehörigen ber katholischen Gesellenvereine, selbst Lehrbuben zwischen 15 unb 18 Jahren fommanbiert waren, um bie Toleranz ber ultramontanen Kreise bet ber Diskussion bes Toleranzantrags feierlich zu befunben. Die Mitwirkung verschiebener Geistlicher ist zweifellos festgestellt. Dafür finb Zeugen vor- hcmbcn. Die geistlichen Herren waren in gerabezu schamloser Weise bemüht, ben Kampf nicht nur burch belebenbe Psiffe, sonbern auch burch allerlei Anweisimgen zur Organisation zu förbern." Em junger Arzt eilte zu einem Verwunbeten; sofort würbe mit Fingern auf ihn gebeutet: „Der ist ein Jungliberaler" hieß es und ein Bombardement von Stein- krügen wurde alsbald gegen ihn eröffnet.
3>ie angebliche Kuellrcdc des Kaisers vor Gericht.
Wir haben bereits in unserem heutigen Morgenblatt das in diesem Prozesse gefällte Urteil mitgeteilt. Es interessieren jedoch auch die folgenden Angaben über den Verblauf der Verhandlung und die näheren persönlichen Umstände der Auge klagten.
Geh. RechnungSrat Steinbach ist 1843 geboren. Er hat den letzten Krieg als Jutendanturrat mitgemacht und ist
mit bem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, worden. Er sagt u. a. aus: Am 7. Dezember v. I. würbe im Lokal von Menzel die Frage aufgetoorfen, welchen Kummer es Seiner Majestät bereiten müsse, wenn einmal ein Full wie in Instar bürg, im 1. Garberegiment Vorkommen würbe. — Bors,: Sie sollen zum Schluß, als sich die Herren trennen wollten, gesagt haben: Bleiben Sie doch noch, ich Hube Ihnen noch etwas Interessantes zu erzählen. — Angell.: Dessen vermag ich mich nicht zu erinnern. Ich muß erklären, daß ich weder die Offiziere im allgemeinen noch int speziellen im Äuge gehabt habe. Eine Ahficht, wie sie mir unterstellt wird, habe ich in keiner Weise gehabt.
Der Angeklagte. St e i-n, ber damalige Mitverleger der „Potsb. Zgt.", hat den Artikel inhaltlich in die Zeitung gebracht. Er. erklärt, die Mitteilung fei seiner Zeitung anonym zugegangen. Er, habe deshalb fein Bedenken bei ber Veröffentlichung getragen, als er dieselbe Sache schon abends vorher genau so habe im Cafe Sanssouci erzählen hören. Das Manuskript konnte noch mit genauer Not in die betreffende Nummer aufgenommen werden. Er habe nur seine Pflicht erfüllt. Er giebt zu, den damaligen Chefredakteur und Mitinhaber Berger nicht mehr gefragt zu haben.
Der Angeklagte Groll ist verantwortlicher Redakteur für ben Allgemeinen Teil der „Potsd. Zkg." — Angell.: Ich hatte keinen Zweifel, daß bie Nachricht nicht richtig ge- wesen wäre. Reben des Kaisers waren nicht ungewöhnlich Beleidigung der beiden Offiziere lag mir völlig fern.
Zeuge Berger giebt an: Es wäre Sache bes Herrn Stein gewesen, mich sofort zu benachrichtigen, nachdem die Notiz eingegangen war. Mit meinem Wissen und Willen wäre bie Mitteilung nicht in die Zeitung gekommen.
Großes Interesse hat die Vernehmung des Kommandeurs des 1. Garberegiments, des Obersten Frhrn. von Plettenberg. Se. Majestät kam sehr häufig unangesagt nach der Kirche ins Kasino. Alt bem in Betracht kommenden Tage waren zu s all kg gerade zehn Herren an» wesend. Ich war im Dienstanzug, weil ich nach dem- Neueit Palais mußte. Tas hat vielleicht zu der Auffassung Anlaß gegeben, als ob es sich um eine dienstliche Angelegenheit handle. Von den in der Zeitung berührten Fragen ist überhaupt nicht mit einem Wort die Rede gewesen. Soviel ich weiß, war Leutnant von Goßler überhaupt nicht anwesend. Lt. v. Kessel kam erst im letzten Augenblick. Auch bie Väter beider Angeklagten waren nicht anwesend. Jedenfalls hat Majestät auch den Leutnant v. Kessel nicht angesprochen. — Vors.: War vielleicht'in früheren Monaten etwas Aehnliches vorgelommen? — Zeuge: Niemals. Ich habe auch die Leutnants von Goßler und Kessel gesprochen: Es ist völlig ausgeschlossen, daß etwas ähnliches passiert sein kann.
Garnisonverwaltungs-Kontroleur Winter: Er sei am Abende des 1. Dezember 1901 im Restaurant Menzel gewesen. Geh. Rat Steinbach habe erzählt: 'Se. Majestät sei heute nach beendetem Gottesdienst in der Garnisonkirche in Husaren-Uniform in das Offizierkasino des Ersten Garde- Regiments gegangen und habe sich dort den Offizieren gegenüber sehr miMllig über das Duell geäußert; ganz besonders zwei jungen Offizieren gegenüber gesagt: er würde, wenn ein Offizier sein Duellverbot nicht befolgte, denselben ohne weiteres mit schlichtem Abschied entlassen, auck) wenn der Vater desselben sich bie höchsten Verbienste erworben hätte. — Vors.: Hat Steinbach Namen genannt? — Zeuge: Soweit ich mich erinnere, ist bies nicht geschehen. — Kassierer Oehlhardt: .Er sei ebenfalls im Restaurant Menzel gewesen. Steinbach habe erzählt: Ter Kaiser habe im Offizier-Kasino des 1. Garderegimeuts sich gegen die Leutnants von Goßler unb von Kessel sehr mißfällig über bie Bemerkungen betreffs bes Duells geäußert, und dabei auf die Jugendlichkeit der beiden Offiziere hingewiesen und zu ben anwesenden Reserve-Offizieren gesagt: M. H., Sie sind zumeist Juristen, sorgen Sie in Ihren Kreisen dafür, daß der Duellunfug anfyöre. Steinbach hatte ferner gesagt: Mein Sohn HanS, ber Referendar sei, habe ihm das erzählt." — Vors.: Können Sie bas, was Sie jetzt gesagt haben, mit gutem Gewissen beschwören? — Angell.: Gewiß.
Ter Staatsanwalt beantragte gegen Stein sechs Monate, gegen den Redakteur Groll vier Monate unb gegen Geh. Regieruugsrat Steinbach zwei Monate Gefängnis. Tie Verteibiger Plaid irren für Freifprechung ber Angeklagten ober milbe Gelbstrafen.
Deutsches Deich.
Berlin, 12. März. Ter Kaiser besichtigte heute vormittag in Wilhelmshaven nochmals eingehend die Werft unb später den Neubau des Offizierkasinos. Mittags nahm der Kaiser an der Frühstückstafel beim Admiral Thomsen teil. Das Linienschiff „Kaiser Wilhelm II." mit dem Kaiser an Bord ist bann unter dem Salut der Geschütze in Begleitung des Kreuzers „Hela" unb zweier Torpedoboote nach Helgoland in See gegangen und dort am Abend eingetroffen.
— In einem von heute aus Wilhelmshaven datierten Kaiserlichen Erlaß wird dem ersten, zweiten und dritten Seebatainou zur bleibenden Erinnerung an die kriegerischen Ereignisse in China daS Fahnenbanb ber China - Denkmünze verliehen. In dem Erlasse spricht ber Kaiser den Bataillonen das Vertrauen aus daß dieses besondere Zeichen seiner kaiserlichen Gnade denselben em Ansporn sein werde, sich feilte Zufriedenheit in alle Zukunft zu bewahren.
— In Cuxhaven fit das Schulschiff „Charlotte" mit dem Prinzen Adalbert an Bord heute nacht wvhl^ behalten eingetroffen.


