Ausgabe 
13.1.1902 Zweites Blatt
 
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nttb übergab die Trophäe dem Admiral v- Köster, welcher sie im Namen des Kaisers an den Inspekteur des Bildungs­wesens der Marine Vizeadmiral v. Arnim zür Ueberw-eisung an das Marinemuseum übergab- Der kleine Kreuzer Gazelle" ist heute vormittag nach Venezuela in See gegangen.

Elberfeld, 11. Jan .DieElberfeld. Ztg." bringt einen längeren Bericht über die unglaubliche Behandlung eines unschuldig Verdächtigten, die, wie wir bereits mit­teilten, im preußischen Landtage zur Sprache kommen wird- Der Vertreter einer großen süddeutschen chemischen Fabrik, C- G. Kulenkampff, erhielt vor etwa zwei Monaten eine Vorladung vor die Kriminalpolizei, bei der es sich um Erkundigung nach einem von der Staatsanwaltschaft in Neu-Ruppin wegen verschiedener Betrügereien gesuchten Manne handelte, der indes Keulenkamp heißt und ein ganz anderes Aussehen hat- Trotzdem wurde K. am 2. Januar in seiner Wohnung, ohne daß auf seinen kranken Fuß Rück­sicht genommen wurde, von zwei Kriminalbeamten auf einen Verhaftungsbefehl der Neuruppiner Staatsanwaltschaft hin festgenommen, zunächst nach dem Amtsgericht und von dort, nach kurzem Verhör durch den Amtsrichter Dr. Gerte, zum Gefängnis in Bendahl gebracht. Sowohl die die Ver­haftung vollziehenden Polizeibeamten wie der Amtsrichter Dr. G., sollen davon überzeugt gewesen sein, daß er ittcht der Gesuchte sein könne. Im Gefängnis wurden Kulenkamps die Wertsachen abgenommen, dann zwang man ihn, im Waschraum sich zu entkleiden sowie Sträflingshemd und Strümpfe anzuziehen, und sperrte ihn mit vier bereits verurteilten Sträflingen zusammen ut eine sogenannte Zu­gangszelle. Bei diesen Vorgängen sollen die Bitten des K., Rücksicht auf seinen kranken Fuß zu nehmen, nur dem Spott der Unterbeamten begegnet sein- Nach verschiedenen anderen unerquicklichen Prozeduren wurde K- endlich um 7 Uhr abends entlassen, nachdem sein Alibi für die Neu­ruppiner Strafthaten .durch ein Telegramm seiner süd­deutschen Firma festgestellt worden war.

München, 12- Jan. Der Justizminister erklärte im Ausschuß der Reichsratskammer: Es sei nicht richjtig, wenn gesagt würde, daß jüdische Richter nur in größeren Städten angestellt wurden- Bei der Justizverwaltung sei schon seit längerer Zeit darauf Bedacht genommen, jüdische Richter auch auf dem Land unterzubrcngen. Wo es ge­schehen sei, seien noch keine Klagen laut geworden- Auch habe er von keiner Seite gehört, daß man Anstoß genommen habe- Man habe jetzt unter etwa 2400 Justizbeamken 51 Juden, was einem Prozentsatz von 2,8 entspreche- Würde man in Zukunft nach dem m der Kammer der Abgeord­neten gefaßten Beschluß bei Anstellung jüdischer Richter verfahren, also Israeliten nur im Verhältnis der Zähl ihrer Glaubensgenossen zur Gesamtbevölterung verwenden, so könnten in den nächsten 10 bis 12 Jahren keine Juden mehr Anstellung finden- Er wolle noch bemerken, daß die jüdischen Staatsdienstaspiranten in der Regel sehr tüchtig und daß sie ausnahmslos mit sehr guten Zeugnissen und Roten versehen seien- Sie seien sehr brauchbar und be­sondere Klagen habe er über sie niemals vernommen. Unter diesen Umständen glaube er, daß vielleicht der Ausschuß der Kammer der Reichsräte empfehlen könnte, im Hinblick auf die Erklärung des Staatsministers in der Kammer der Abgeordneten vom 29. November über den Antrag Dr- Heim zur Tagesordnung überzugehen. Dies geschah dann auch.

Ausland.

Krakau, 11. Jan. Der Redakteur des national­polnischen BlattesPolak" Namens W o j n a k wurde durch Beschluß des Offizier - Ehrenrates der Offiziers- Charge für verlustig erklärt, weil er als natio­nal-polnischer Agitator sich nach Rußland be­geben und dort verbotene Schriften verbreitet hat, wobei er mit den russischen Behörden in Konflikt geriet.

Lemberg, 12. Jan. Hier findet demnächst eine Konferenz angesehener Persönlichkeiten statt, in welcher der Beschluß gefaßt werden soll, in Lemberg und anderen Städten Galiziens Vereine zur Einleitung einer größeren Aktion gegen d a s D u e l l zu gründen.

Triest, 12. Jan. Die hier wohnhaften, Buchdrucker­gehilfe Anton Giraldi, Handlungskommis Humbert Cosetti und Studeni Humbert Pittony wurden wegen anarchisti­scher Propaganda verhaftet. Alle drei sind geständig.

Peking, 12. Jan. Ein sehr kostspieliges Vergnügen ist für die Unterthanen des Sohnes des Himmels die Reise des kaiserlichen Hofes nach Peking gewesen. Trotz der vor kurzem veröffentlichten kaiserlichen Willenskund­gebung über Vereinfachungen und Ersparnisse in der Staatsverwaltung, hat die Rückreise des Hofes wegen des riesigen Gefolges für weite Gebiete schwere Schädigungen zur Folge gehabt, namentlich durch die von den Eunuchen verübten räuberischen Erpressungen. In Tschili erpreßten btc Eunuchen 100.000, in Honau 250 000 Taels. Die der Provinz Tschili durch den Unterhalt des Hofes verursachten Kosten werden auf drei Millionen Taels geschätzt: die anderen Provinzen hatten noch höhere Kosten, da Tschili sich durch seine Eisenbahnen in günstigerer Lage befand. Die Kosten für die im Triumph erfolgte Rückkehr des Hofes würden genügen, um für ein Jahr den Zinsendienst de^ von China zu. zahlenden Entschädigungssumme zu

Dem Vernehmen nach werden die Gesandten m einigen Tagen in Audienz empfangen werden. In dieser Zeit würden wahrscheinlich die Schwierigkeiten in befriedigender Weise behoben sein, die durch die Weiger­ung des französischen Gesandten Beau, sein Be­glaubigungsschreiben zu überreichen, ent* Itanöen sind. Das Vorgehen Beau's ist in der Absicht geichehe^ das französissche Protektorat über die katho- liichen Missionen, in Verbindung mit der vor kurzem erfolgten Ermordung von zwei Missionaren in Kansu und der noch nicht geregelten Frage des Missionswesens tn der Mandschurei, zu vertreten.

Aus Stadt und Lauö.

Nachrichten von allgemeinem Interesse finö uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.

Gießen, den 13. Januar 1902.

" Der Finanz-Ausschuß der 2. Kammer hat am Samstag ieme Beratungen abgebrochen und wird sie am Mittwoch in Gemeinschaft mit den Regierungsvertretern fortsetzen. __ Es

wurden allerdings Stimmen gegen eine Steuererhöhung aut, doch kam es nicht zu Beschlüssen. Der 2. Gesetzqeb- mgsausschuß wird am Dienstag unter dem Vorsitz des Herrn

Brentano feine Beratungen wieder beginnen.

* * Tagesordnung für die Sitzung der Stadtver- MLe^r^-BersLmmilung Donnerstag den 16. Januar,

nachmittags 23/* Uhr pünktlich. 1. Diensteinführung und Verpflichtung der neugewählten Stadtverordneten. 2. Mitteilungen. 3. Auslosung von Schuldverschreibungen des 1896er Anlehens zur Rückzahlung. 4. Baugesuch des W. Nachtigall für die Weserstraße; hier: Dispens. 5. Desgl. der Firma Klein u. Dömling für die Crednerstraße. 6. Aus­bau der StraßeWetzlarer Weg". 7. Verbreiterung der Rodheimerstraße. 8. Verwertung von Gelände am Alten Steinweg. 9. Gesuch des PH. Pfeffer 111. von Annerod um Ueberlassung eines Lagerplatzes an der Steinrutsche. 10. Dekre- tur von Kostenrechnungen. 11. Herstellung eines Verbindungs­weges zwischen Bahnhofstraße und Hammstraße. 12. Die Straßenbeleuchtung; hier: der Landgrafenstraße und der Wall- thorstraße nächst der Abzweigung am Asterweg. 13. Wirt- schastsplan für die Waldungen der Stadt Gießen für 1902/03. 14. Antrag auf Versteigerung des Brennholzes in größeren Mengen. 15. Festsetzung der Coakspreise. 16. Die Städte­ausstellung in Dresden im Jahre 1903. Auf Anordnung des Kreisamts ftndet um 3 Uhr nachmittags die Wahl von vier Kreistagsmitgliedern durch den Stadtvorstand statt. Es scheiden aus die Mitglieder des Kreistages: Beigeordneter Georgi und Stadtverordneter Dr. Schäfer, die aber beide wieder wählbar sind. Erledigt und durch Neuwahlen zu er­gänzen sind die beiden Mandate zum Kreistag, die als Ober­bürgermeister Finanzminister Gnauth und der verstorbene Stadtverordnete Scheel innehatten.

** Rotstaudsarbeiten. An den Notstandsarbeiten haben sich in der vergangenen Woche in unserer Stadt 75 teils jüngere teils ältere Personen beteiligt. Die Löhne bewegen sich zwischen 18 und 25 Pfg. pro Stunde bei einer Arbeits­zeit von täglich 8 Stunden. Täglich bleiben von den Leuten einige fort, andere kommen hinzu und zwar so, daß die Gesamtzahl der Arbeiter, welche beschäftigt sein wollten, von Tag zu Tag langsam zunahm. Ein großer Prozentsatz der Leute besteht aus Handwerkern, nur ganz wenige sind mi: Erdarbeiten, womit man die Arbeitslosen beschäftigt, vertraut. Beschäftigt werden diese Arbeiter bei der in der Ausführung begriffenen Verbreiterung der Rodheimerstraße, zur Planierung und Ausbesserung der alten Marburgerstraße, zu Erd- und Planierungsarbeiten auf dem neuen Friedhof und an der Roonstraße, wo vor dem Ausbau der Straße der wertvolle Mutterboden abgehoben wird. Es wird auf allen vier Ar­beitsstellen von morgens halb acht bis abends 5 Uhr mi einer halben Stunde Frühstück- und einer Stunde Mittags­pause gearbeitet. Wer ohne Voreingenommenheit diese soge­nannten Notstandsarbeiter bei ihrer Hantierung beobachtet, wird ja wahrnehmen, daß er Menschen vor sich hat, die mit Hacke und Schippe umzugehen nicht gewohnt sind, man muß aber anerkennen, daß mit geringen Ausnahmen jeder bestreb ist, für den kargen Lohn auch wirklich zu schaffen. Nur ganz vereinzelt hat man den Eindruck, als wenn unter den Männern sich sogenannte Drückeberger befinden, und diesen fitzen, wie man sich überzeugen kann, die Vorarbeiter gehörig auf dem Nacken. Man muß sagen, daß bei der Anstellung der Arbeiter an den einzelnen Arbeiterstellen human verfahren wird, und zwar in der Weise, daß man schwächlicheren leich­tere Arbeit und stärkeren Personen die schwereren Arbeiten auszuführen überträgt. Es wird uns übrigens mitgeteilt, daß die Zahl der Arbeiter, die bei den Notstandsarbeiten Beschäftigung suchen, tn unserer Stadt wohl vorerst noch steigen dürfte. Doch wird eine größere Anzahl bei den Arbeiten für den Bahnhofsumbau, mit denen noch im Laufe dieses Monats begonnen werden wird, Beschäftigung finden.

** Radaubrüder. Zwei hiesige rauflustige junge Burschen tarnen in der Nacht vom Freitag zum Samstag, mit dicken Knütteln bewaffnet, in ein Wirtschaftslokal in der Bahnhof- traße. Sie wurden wegen ihres rüpelhaften Benehmens vom Wirt aus dem Lokale gewiesen. Auf der Straße verursachten ie ruhestörenden Lärm und schlugen mit ihren Knüppeln gegen die Thüre des Lokals. Dann begaben sie sich in die Westanlage, wo sie ohne Veranlassung Passanten belästigten. Beim Erscheinen der Polizet ergriffen sie die Flucht. Sie wurden jedoch erkannt und zur Anzeige gebracht. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag kam es in der Bahnhof- traße zwischen jungen Leuten zu einer Schlägerei, wobei Körperverletzungen oorkamen. Anzeige ist erhoben. In der- elben Nacht wurden auf dem Marktplatze zwei Studenten von vier bekannten Raufbolden von hier angerempelt und geschlagen. Die Thäter wurden ermittelt und zur Anzeige gebracht.

Unfug. In der Brandgaffe mürbe an einem Wirt­schaftslokale eine große Glasscheibe zertrümmert. Die Per- 'onalien des Thäters wurden alsbald festgestellt und er selbst wegen Sachbeschädigung zur Anzeige gebracht. Aehnliche Dummejungenstreiche wurden in der Sonnenstraße verübt, wo Fensterscheiben zertrümmert wurden, und in der Alieestraße, wo ein Firmenschild krumm gebogen wurde, desgleichen in der Ludwigstraße, wo an verschiedenen Häusern die Druckknöpfe der elekrischen Leitungen gewaltsam abgerissen mürben.

** Ruhestörer. Gestern früh verursachten mehrere Stu­denten auf dem Kreuzplatze einen derartigen Lärm, daß die Anwohner erheblich dadurch belästigt wurden. Die Ruhe- törer wurden an Ort und Stelle arretiert und zur Anzeige gebracht. Gestern abend fuhr eine Anzahl Studenten in einem Wagen durch die Stadt, wobei sie m verschiedenen Straßen großen Radau machten. Da sie trotz zweimaliger Verwarnung der Schlitzleute, die sie zur Ruhe aufforderten, ortfuhren zu lärmen, mürben sie ausgeschrieben. Des­gleichen würben in ber vergangenen Nacht mehrere Stubenten wegen Ruhestörung am Seltersthor notiert.

Dec 1. Preis der Darmstädter Künstlerkolonie-Lotterie im Werte von Mk. 10 000 ist einem Darmstädter Kollekteur zugefallen, dem über 1000 Lose unverkauft liegen blieben. Der Gewinn, eine Wohnungseinrichtung in- modernem Style, ist in einem Laden in Darmstadt zum Verkaufe ausgestellt; doch behaupten Sachverständige, daß kaum die Hälfte des Gewinn-Ansatzes zu erreichen fein wird.

Aus dem Theaterbureau. Arn Dienstag wird Brieux' effektvolles SchauspielDie rote Robe", welches vor acht Tagen mt Theaterverein mit großem Erfolge zur Aufführung gelangte, wiederholt. DenMouzand" spielte diesmal Herr Schneider. Diese Voritellung findet der hohen Honorarkosten wegen bei erhöhten Preisen statt. Abonnementsbillets haben mit Zuzahlung Gültigkeit.

Hessische Landeö-Lottene. Al^LiechunLZtage für-

die demnächst beginnende 6. Kläffe der 4. Großh. Hess. Lcmdesloiterie sind nunmehr festgesetzt der 24., 25., 28., 29., 30 und 31. Januar, sowie der 1. und der 4. Februar. Der Losabsatz ist fortwährend gut.

* * Die höheren Bürgerschulen des Großherzogtums Hessen. In Hessen giebt es gegenwärtig 29 höhere Bürgerschulen mit staatlicher Unterstützung. Neu errichtet wurden solche in Schlitz in Oberhessen und in Groß-Biberau im Odenwald. Die höhere Bürgerschule zu Reichelsheim in der Wetterau wirb am 1. April eingehen.

* * Schon wieder ein Frühlingsbote. Heute vormittag brachte uns ein Leser unseres Blattes ein Schächtelchen auf die Redaktion. Ws wir es öffneten, entflog ihm ein Schmetterling, und zwar ein Kohlweißling, der lustig in unseren Redaktionsräumen umherflatterte. Wie uns der Ueberbringer mitteilte, hat er das Tierchen in der Mhe der hohen Warte auf einem Strauch sitzend gefunden.

* * Revision. In der Sache der aus Stammheint gebürtigen Witwe Schneider und deren Sohn August wegen Mordes, deren Freisprechung durch die Ge­schworenen s. Zt. allgemeine Sensation hervorgerufen hat, steht am 20. Januar vor dem Reichsgericht Termin an. Staatsanwalt Zimmermann hatte gegen das Urteil Re­vision eingelegt, und die Aushebung desselben besonders damit begründet, daß der Ersatz-Geschworene bei der Zu­rückziehung der Geschworenen zur Urteilsberatung mit in deren Beratungszimmer eingetreten sei. (Er that dies, um seinen Hut zu holen, da er sofort abreisen wollte.)

x Klein Linden, 13. Jan. Unter zahlreicher Beteiligung der hiesigen Bewohner brachte man heute den Schlosser Philipp Jung zur letzten Ruhe. Ein schrecklicher Unglücks­fall hat seinem Leben ein plötzliches Ende gemacht. Der Verunglückte, der von hier gebürtig ist, war als Maschinen- Schlosser auf dem Hüttenwerk zu Wetzlar thätig. Am Freitag verunglückte er bei der Arbeit derart, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Gestern wurde die Leiche nach Klein-Linden übergeführt. Der Verstorbene ist kaum 25 Jahre alt, und hinterläßt eine Frau und ein Kind. Er galt als ein ge- ivifsenhafter Arbeiter.

]?[ Lang-Göns, 11. Jan. Gestern Abend fand hier eine vom Bund der Landwirte einberufene Versammlung statt, in der das Mitglied des Bundes, der Landwirt Klein sprach. Er erntete aber keinen Beifall und gewann auch keine Mit­glieder. Hier besteht eine Ortsgruppe des hessischen Bauern­bundes, die 130 Mitglieder zählt. Ein hiesiger Landwirt Konr. Wilh. Müller fand auf feinem Felde dieser Tage lebende Maikäfer.

u Mendorf a. d. Lahn, 12. Jan. Der hiesige Krieger­verein hielt gestern seine Jahresversammlung ab. Nach Erledigung der Tagesordnung, die mit einem Hoch auf den Kaiser und unseren Landesfürsten geschlossen wurde, brachte der Vorsitzende auch die Burenfrage in Erwähnung. Es wurde eine Sammlung veranstaltet, an der sich auch einige Mitglieder des hiesigen Gesangvereins beteiligten und die Summe von 7 Mk. 70 Pfg. ergab.

+ Griedel, 12. Jan. Hier ist die Tochter des Lehrers Meyer vor Schreck über den plötzlichen Tod ihrer Mutter so schwer erkrankt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird.

+ Lich, 11. Jan. Gestern waren es 25 Jahre, daß der Stiftsdechant Klingelhöffer hier seine Thätigkeit als Pfarrer begann. Leider war der Tag des Jubiläums zu spät bekannt geworden, sodaß eine der Beliebtheit des Jubi­lars angemessene Feier nicht mehr veranstaltet werden konnte. Am Nachmittag sprach der Kirchenvorstand dem Jubilar seine Glückwünsche aus, und am Abend brachte der Cäcilienverein dem verehrten Geistlichen ein Ständchen, wobei der Vor­sitzende Schmidt eine Ansprache hielt.

§ Butzbach, 12. Jan. Gegenwärtig kommt in unseren Schulen eine größe Anzahl von Exeniplaren des deutschen Tierschutzkalenders für 1902 als Geschenk des Butzbacher Tierschutzvereins zur Verteilung.

st. Butzbach, 11. Jan. In einer der letzten Gemeinde­ratssitzungen wurde beschlossen, daß Butzbach zu den Kosten der projektierten Bahn Butzbach-Lich eine Summe von 200 000 Mk beisteuert. Im Lustgarten wird gegenüber dem Exerzierhaus ein Wohnhaus für verheiratete Unter­offiziere gebaut. Bereits erheben sich die Grundmauern, mit denen wegen des weichen Bodens mehrere Meter tief gegangen werden mußte, über den Boden. Der stattliche Bau dürfte im Herbst bezogen werden können. Die Vor­bereitungen für den vom Turnverein geplanten Maskenball schreiten rüstig fort. Das Fest soll in Gestalt einer Bauew- kirmes mit den dabei vorkommenden Vergnügungen durch­geführt werden. Das neue Realschulgebäude ist nunmehr fertig unter Doch gebracht. Das Gebäude macht einen impo­santen Eindruck.

A. Ober-Schmitten bei Nidda, 12. Jan. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich heute Morgen auf der hiesigen Staffel'schen Papierfabrik, indem ein daselbst beschäftigter Ar­beiter in den Siedekessel fiel. Der Bedauernswerte wurde am ganzen Körper schwer verbrüht, und es ist zweifelhaft, ob er mit dem Leben davon kommt. Am Nachniittag wurde der Verletzte in die Klinik nach Gießen verbracht.

Groß-Zimmcrn, 11. Jan. Dem fahrenden Publikum bietet sich auf der Bahnstrecke zwischen hier und Dieburg ein, ür diese Zeit wenigstens ungewöhnlicher Anblick, nämlich ein großer, noch vollständig bestandener Kartoffelacker. Die Kartoffeln sind von der vortrefflichen Sorte der magnum bonuni, noch größtenteils gesund und brauchbar, allein noch niemand übte fein Eigentumsrecht bis jetzt aus.

8. Darmstadt, 12. Jan. Heute Abend gegen 6 Uhr brach auf dem Großh. Hofmeiereigut Kranichstein, das dem Großh. Jagdschlösse benachbart ist, Feuer aus. Es brannten ein großer hölzerner Schuppen, in dem Futtervorräte lagerten, oroie eine 25 30 Meter breite, massiv in Stein ausgeführte Scheune mit Stall nieder, in deren unteren Räumen 15 Kühe untergebracht waren; die Scheune war mit Stroh, Heu :c. gefüllt. Die Kühe konnten gerettet werden, während die ge- amten Vorräte im Werte von nahezu 10 000 Mk. ein Raub der Flammen wurden. Die rasch herbeigeeilte Feuerwehr konnte nur das Feuer auf feinen Herd beschränken und die Nachbar- gebäude, die ausgeräumt wurden, schützen. Dieselbe Scheune ist im Jahre 1893 schon einmal abgebrannt. Man vermutet Brandstiftung, da beide Gebäude gleichzeitig in Brand gerieten. Ein unverheirateter Herr in angenehmer Stel­lung, der von einer allerdings nicht im besten-Rufe stehendem