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13.1.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 10

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Erstes Blatt.

15Ä. Jahrgang

Montag 13. Januar 1902

BietzenerAnzeiger

** General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bezugspreis: monatlich 75 Pf., viertel- sährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Akk. 2. viertel- lährl. ausschl. Bestellg. Innahme von Anzeigen ir die Tagesnummer . i§ vormittags 10 U^. ^eUenpreis: lokal 12Pf^ auswärts 20 Psg. verantwortlich: ür den polit. u. aNgem. Teil: P. Wittko; für Stadt und Land" und Gerichtssaal":R.Ditt- mann; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Nolitische Wochenschau.

Nach eitler kurzen Zeit der tiefsten Stille auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens hat der Wiederbeginn der Reichstagsarbeiten, mit denen zugleich auch der Zusammentritt des preußischen Landtags erfolgte, uns ,mit einem Schlage auf den Höhepunkt der parlamen­tarischen und damit auch der politischen Erörterungen gebracht- Die mancherlei Fragen, von deren Lösung zu einem guten Teil dre Zukunft des Reiches abhängt, be­ginnen nunmehr akut zu werden, und es muß sich allmählich zeigen, nach welcher Richtung hin sich, die staats­männische Weisheit unserer leitenden Kreise bethättgen tritt) Bislang bestand darüber noch nicht sonderlich viel Klarheit, und sie besteht auch heute noch nicht. In der Zolltariffrage hat schon die erste Kommissionssitzung erkennen lassen, tote wett man noch von irgend einem bestimmten Ziele entfernt ist-

Die Reichsfinanzen haben in der Etatsdebatte Natürlich eine unangenehm wichtige Rolle gespielt. Die Erhöhung der Mcttrikularbeiträge bringt die Finanzen der Einzelstaaten in Unordnung und arge Bedrängnis. Die Zusch ust-An lei he erregt ebenfalls Bedenken. Für neue Ein­nahmequellen aus Bier undTabak, wie sie der Reichs­schatzsekretär sich denkt, kann sich erst recht niemand erwärmen, und eine Reichseinkommen- und Vermögens­steuer würde die Einzelstaaten auch nicht sonderlich er­freuen- Unter solchen Umständen klammert man sich an Worte, und setzt seine Hoffnung aus die Reichsfinanz^- reform, mtt der man angesichts der geplanten Zollerhöh­ungen zu einem guten Ende zu kommen gedenkt. Vor­läufig haben wir das Weitere abzuwarten. Wer kann wissen, was bei dem neuen Zolltarif herauskomntt- Das Zentrum wünscht die Mehrerträgnisse für eine Witwen- und Waisenversorgung der Arbeiter festgelegt zu sehen-

Einen ziemlich nüchternen Eindruck hinterließ die den preußischen Landtag eröffnende Thronrede, etwa wie ein kaufmännisches Zirkular, das dem p- t. Publikum des Königreichs Preußen unter einem Rückblick auf die vorjährige Ernte" Waren der verschiedensten Quantitäten und Qualitäten ankündigt. Ein neuer Beweis, für die Schwächezustände, an denen das gegenwärtige preu­ßische Regime leidet- Die preußische Regierung scheint mtt der Kanalvorlage ihr Glück nicht wieder versuchen zu wollen, und vertröstet auf gelegene Zett-

Dagegen wirkte erfrischend und befreiend das Extra­tänzchen, baS, der Herr Graf Bülow mit dem skrupel­losen Herrn Chamberlain wagte- So elegant weg­werfend ist noch fetten ein englischer Minister von dem leitenden Staatsmann einer befteundeten Nation behandelt worden! Trotzdem war der deutsche Kanzler so klug Und höflich, ihn gegen die ungeschickten Ausfälle des Herrn Liebermann von Sonnenberg in Schutz zu nehmen Und bei diesem Anlaß unsere offiziell herzlichen Be­ziehungen zu England ins rechte Licht zu setzen, was freilich im Auslande schwer mißverständen und unbegreiflicherweise als ein Rückzug des Grafen Bülow gedeutet worden ist, der ganz gewiß nicht be­absichtigt war. Auch über den T r e i b u n d hat GrsftBülow gesprochen und diese Gelegenheit wahrgenommen, dem Auslande und den italienischen Dreibundgegnern vor allem zu Gemüte zu führen, daß Deutschland dieses Bundes entbehren kann, wenn es sein müßte, daß er heute durchaus nicht mehr derart zur absoluten Not­wendigkeit gehört, wie es vor zwanzig Jahren der Fall war. Auf solche Reflexionen war man allerdings nicht gefaßt, was wunder also, daß sie allenthalben, im Jn- lande sowohl wie draußen im Auslande Auffehen er­regten und lebhaft kommentiert wurden- An und für sich könnte man es ja begreiflich finden, daß Graf Bülow sich zu solchen Anschauungen durchgerungen hat, denn viel Freude haben unsere Verbündeten ihm in der letzten Zett wahrlich nicht bereitet. Die slavischen Preußen-und deutschfeindlichen Demonstrationen in Oesterreich, das Lieb­äugeln Italiens mit Frankreich und England, und dio Kundgebungen, die aus beiden Ländern gegen die neuere deutsche Zollpolitik gerichtet wurden, könnten schon ge­eignet sein, dort Verstimmung und Gereiztheit aufkommen zu lassen, wo die Fäden unserer internationalen Be­ziehungen zusammenlaufen- Die nächste Zeit wird es ausweisen, wie es mit dem Dreibünde steht, da unser Bündnisverhältnis mit Italien in diesem Jahre abläuft und erneuert werden muß, wenn der Dreibund nicht zum Zweibund zwischen Oesterreich und Deutschland wer­den soll. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß Graf Bülow durchaus recht hatte, wenn er erklärte, Deutschland stehe derart stark und gefertigt da, daß es den Blind entbehren könnte, wünschenswert aber bleibt er doch! Die Weltpolitik ist es, die nach Ansicht des Grafen Bülow die Spannung in Europa vermindert und den Dreibund einigermaßen entbehrlich gemacht hat- Thatsüchlich hat die Weltpolitik die Aufmerksamkeit, den Ehrgeiz und den Thatendrang Frankreichs und Rußlands von Europa abgelenkt und Deutschland Mittel in die Hand gegeben, seine Beziehungen zu diesen Mächten freundlicher zu gestalten- Wir haben an mehr Orten den Finger in der Pastete", wir haben mehr mitzureden und wenn wir auch freckich eher in Konflikte geraten können, so haben wir auch mehr Gelegenheit, unsere Freundschaft wertvoll und unsere Gegnerschaft gefährlich zu machen- Das stellt höhere Anforderungen an unsere Diplomatie, aber wenn sie ihnen gewachsen ist, vermag sie vielleicht auch ohne den Dreibund eine bedenkliche Isolierung zu vermeiden. Das Wort des großen Ephesers: Alles fließt!" gilt auch für die internationale Politik. Und namentlich mit des nichtsnutzigen' italienischen Par­lamentarismus Mächtenist kein ewiger Bund zu flechten!"

In I t a lien scheint man indessen Vorsorge zu treffen, unter Umständen etwas anderes an die Stelle des Bündnisses mtt Deutschland und Oesterreich setzen zu können- Die Extratour Italiens mit Frankreich ist von so wirbeln­der Flotthett, daß die beiden Länder bereits Gebiete aus- getauscht haben, die ihnen gar nicht gehören- Italien bat Frankreich bereitwillig M a r o c c o überlassen, während bas galante Gallien als Aequivcttent Tripolis dar- brachte, das zu besetzen Italien sich angeblich vorbereitet- Aber die Frau, die sich von einem flatterhaften Cour­macher durch die Aussicht auf gleißende Geschenke den Kopf verdrehen läßt, läuft Gefahr, sich auf eine sehr verhängnisvolle schiefe Ebene zu begeben- Man sollte doch meinen, daß die italienischen Staatsmänner aus der Tunis-Frage und aus dem Kriege mit Abessinien einige gute Lehren gezogen hätten-

England, das im Norden Afrikas erheblich inter­essiert ist, sieht einstweilen ruhig zu; vielleicht wett es sich in Südafrika gebunden fühlt, vielleicht auch, um von der italienisch-ftanzösischen Freundschaft auch einigen dkutzen zu ziehen, denn es fühlt sich der Freunde sehr bedürftig, nachdem es eingesehen hat, daß es mit den Deutschen unter den obwaltenden Umständen vorerst eine wirllich intime Anfreundung schwerlich erreichen wird- Solange die brttische Gewaltpolitik, wie sie den Buren gegenüber praktisch bethätigt wird und den Engländern noch immer bittere Erfahrungen bringt, beibehalten wird, ist auf die Freundschaft des deutschen Volkes nicht zu rechnen, und selbst die Boykottversuche der deutschen In­dustrie gegenüber, die gegenwärtig von England aus ge­macht werden sollen, vermögen darin keine Wandlung herbeizuführen. Es ist nun einmal ein eigenartiger Saft, der in den deutschen Adern fließt, ein Saft, der durchaus nicht den Verdickungsprozeß an sich erfahren hat, der­bem englischen Blute zu tett wurde-

Im übrigen bietet sich seit Beginn des neuen Jahres die Weltlage unverändert var- Zwar kamen vom Bal­kan Nachrichten, die von einem klipp und klar ausge­arbeiteten Aufteilungsplan bezüglich der türkischen Erb­schaft zu berichte:: wußten, aber es zeigte sich bald, daß es wohl nur ein vorzeitiger Fastnachtsscherz war- Noch ist derkranke Mann" gesund genug, seine Besitz­tümer selbst zu verwalten. In China hat der Hof wieder von Peking und die ränkesüchtige alte Kwa-si von der Herrschaft Besitz ergriffen- In Venezuela aber be­ginnt man endlich, gute Miene zum bösen Spiele zu machen, bevor das deutsche Ultimatum präsentiert wird, doch scheint es den dortigen Machthabern außerordentlich schwer zu fallen, und wenn die Mündungen der deutschen Schiffskanonen nicht in zu gefährlicher Nähe drohten, würden sie sich wohl kaum bewogen fühlen, ihren Ver­pflichtungen nachzukömmen- Man kommt wie der Fall beweist auch mit Langmut zum Ziele und das ist gut so. Es wäre ein ungleich Ding, wenn sich der Adler mtt dem Sperling zausen wollte.

Politische Tagesschau.

Die Polen in Preußen. x

Heute steht im preußischen Abgeordnetenhausc die von nationallibcraler Seite eingebrachte Poleninterpellation zu­sammen mit der von der Polenfrage eingebrachten Inter­pellation über die Vorgänge in Wreschen auf der Tagesord­nung. Diese beiden Interpellationen werden wahrscheinlich 2 Tage in Anspruch nehmen. Das allgemeine Interesse, das man der polnischen Frage entgegenbringt, veranlaßt uns, eine klare Uebersicht über die Wohnsitze und Stärke der polnischen Bevölkerung im Königreich Preußen zu geben.

Die Polen bewohnen die, der russischen Grenze benach­barten Gebiete und sind besonders stark in der Provinz Posen, dann in Westpreußen und Schlesien vettreten. Sie bilden in Posen 59,8°/0, in Westpreußen 30,8%, in Schlesien 23%, in Ostpreußen 11%, der Gesamtbevölkerung. Nach Regierungsbezirken geordnet, finden wir die stärkste, polnische Bevölkerung in Posen (65%) und Oppeln (58%), dann in Vromberg (50%), Marienwerder (38%), Danzig (27%), Gumbinnen (18%) und Königsberg (15%), wobei Masuren und Cassuben mitgerechnet sind. Für ganz Preußen ergab die Zählung vom Jahre 1890 ohne die 102,941 (in Ost­preußen 100,126), meist evangelischen Masuren 2,765,101 Polen, und insgesamt ist ihre Zahl wohl auf 15,000,000 zu veranschlagen, von denen der größte Teil in Rußland, vor­nehmlich natürlich in Russisch-Polen, wo 1884 nicht weniger als 5,670,000 Einwohner polnischer Abkunft d. h. 73,4% der Gesamtbevölkerung lebten, seine Wohnsitze hatte. In Oesterreich sind sie hauptsächlich in Galizien zu finden, wo sie 1890 mit 3,505,183 Köpfen 59,34% der Provinzial­bevölkerung ausmachten. Auch in Oesterreich-Schlesien sind sie stark vertreten. 1890 wurden dort 178,114 Polen ge­zählt, die fast den dritten Teil der Bevölkerung ausmachten. In keinem der vorgenannten Länder kann man die Polen als mustcrgillige Staatsangehörige bezeichnen. Sie haben sich vielmehr oft genug als ausgesprochene Reichsfcinde er­wiesen, und sich daher die regierungsseitig gegen sie zur An­wendung gebrachten Maßregeln selbst zuzuschreiben. Bei allen Neichsangebörigen deutscher Nationalität aber wird man* cs mit Freuden begrüßen, daß die preußische Regierung den festen Willen hat, in den polnisch durchsetzten Gebieten den in der Minderzahl vorhandenen, unter den Ile6ergriffen der Polen schwer leidenden Deutschen gesetzlichen Schutz zn gewähren, und allen unberechtigten Ansprüchen der polnischen Bevölkerung mit Entschiedenhett entgegenzutreten.

Der österreichische Reichsratsabgeordnete Wolf.

Das Ausscheiden des einflußreichsten und rastlosesten Führers der Alldeutschen Partei Oesterreichs, Karl Hermann Wolf, aus der Pattei und die ihm aufgenötigte Niederlegung sefner Mandate für den österreichischen Reichsrat und den böhmischen Landtag hat, nachdem Wolf auf das Drängen seiner Freunde hin wieder eine Kandidatur in Trautenau an­genommen hat, zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen ihm und seinen Gegnern gefühtt. Die Anschuldigungen des Trautenauer Wochenbl." versucht Wolf in derOstd. Rund­schau" durch eine Gegenerklärung zu paralysieren, die auf die präzisen Anschuldigungen nicht eingeht. Durch dietttter- liche Genugthuung", die er Seydl gab, hält Wolf die Sache für erledigt. Er schreibt:

' »Ich habe keine Lust, aus lauter hier übel angebrachter Rück­sicht mich politisch und als Mensch vernichten zu lassen durch ein Vorgehen eines rachsüchtigen Gegners, welches nahezu an Erpressung grenzt. Ich muß es Psychologen von Fach überlaffeu, zu erklären, durch welche Mittel ein Mann seiner Frau Geständnisse solcher Art zu entlocken vermag, die zweckloser- und unsinnigerweise Unglück und leider nicht nur über die Schuldigen, sondern, Gott sei es ge­klagt, über viele Unschuldigen bringen. Der Psychopatholog aber muß herbei, um zu erkunden, wie eine Frau zu Mitteilungen völlig erdichteter Dinge gebracht werden kann, und wie ein Mann seine Frau veranlassen mag, einen derartigen, sür eine politische Ver­einigung, also für die weiteste Oeffentlichkeit bestimmten 9rief mit solchen gewiß auch ihrem Ansehen nicht besonders förderlichenGe­ständnissen" mit ihrer Unterschrift zu versehen. Ich denke trotz des Fehlers, den ich in einer Sache begangen habe, worin wir alle sterblich sind natürlich außer den Pharisäern den ich aber zu sühnen suche (l), und dessen Folgen ich tragen werde, trotz dieser von mir keineswegs beschönigten Versündigung ivirb niemand von denen, die mich kennen, mich für fähig halten, daß ich mich durch eine Lüge den Folgen einer begangenen Thal feige entziehen möchte. Und so erkläre ich denn alle von feiten meines Gegners in die Oeffentlichkeit gebrachten Angaben, welche daraus abzielen, der ganzen Angelegenheit eine meiner Honorigkeit abträgliche Fär­bung (!) zu geben, für unwahr, und erachte jeden, der diese Mischung von psychopathischer Eisersucht und Hysterie gegen mich als Waffen gebrauchen will, für einen ehrlosen S chust. Hätte ich in der so folgenschweren Angelegenheit an meiner Honorigkeit Schaden ae- litten, und wäre das wahr, was mein Gegner behauptet, so lebte ich heute nicht mehr. K. H. Wolf."

Die Nummer derOstd. Rundschau", in der Wolfs Erklärung wiedergegeben war, wurde mit Beschlag belegt, weil sie auch eine satittsche Schilderung einer Weihnachts- bescheerung enthielt, der Mitglieder des Kaiserhauses beige­wohnt hatten. Wolf veranlaßte eine zweite Ausgabe, die aber die Post versäumte. Jungst ist nun, wie wir bereits am Samstag mitteilten, in derOstd. Rundschau" ein sechs Spalten langer Attikel mit einem Briefe von der Mutter der Frau Seidl erschienen, in dem geschildert wird, wie Frau Seidl in einer heiligen Stunde dem Gatten ihr Geheimnis anvertraut, Wolf scharf anklagt, um sich selbst zu entschul­digen, und die Hand bietet, zu einer unerhötten Handlungs­weise.Das Monströseste von allem" heißt es darin ist das angebotene Ehrengettcht mit der Frau als Be­lastungszeugin gegen Wolf. Wem schauett da nicht die Haut? Welche Rolle kann Wolf beim Ehrengettcht spielen? Kann er ihr entgegentreten, ihre Beschuldigung durch die nackte Schilderung des wirklichen Sachverhalts entkräften? Niemals kann er das! Der Brief Frau Sophie Tschans, der Mutter der Frau Seidl, erteilt derOstd. Rundschau" das Recht, die Thatsache zu veröffentlichen, daß die Alldeutsche Pattei an die Familie das Ansinnen stellte, sie solle Wolf zum Selb st mord zwingen. Auch teilt sie mit, Professor Seidl habe am Hochzeitstage das ganze Vermögen der jungen Frau geschenkt verlangt, worauf aber die Eltern nicht eingegangen seien. Die Eltern sind nunmehr bemüht, ihre Tochter aus den Händen Seidls zu befreien; dies sei jedoch schwer, wett sie sein willenloses Werkzeug geworden sei.

Aus Wien wird vom 11. d. M. gemeldet: Wolf kam heute Morgen im Hauptort seines Wahlbezirks, Trautenau, an. Auf dem Bahnhof wurde er von persönlichen Freunden und Anhängern festlich empfangen. Das bekannte Memo­randum gegen Wolf wird durch Flugblätter masfenhaft ver­breitet. Am Vormittag fuhr Wolf nach dem nahen Hohen- elbe, wo er von der ganzen alldeutschen Stadtoettretung fest­lich empfangen wurde. Am Abend sprach er dort vor der Wählerschaft. Wolf ettlätte, das Mandat trotz der Angriffe seiner früheren Patteigenossen annehmen zu wollen.

Aortragskurs für praktische Landwirte.

(Originalbericht desGieß. Auz.")

IV.

N- Gieße n, 10. Januar.

Auch am letzten Vortragstage hatten sich zahlreiche Besucher eingefunden. Reg.-Baumeister Schilfer-Ber­lin fetzte feinen Vortrag überlandwirtschaftliche Ma­ch in en und Geräte" fort. Im besonderen ging Redner auf. die M a s ch i n e n zur Heubereitung ein. Bekannt- ich erreicht das Gras nach einer ganz bestimmten Zeit einen höchsten Wert. Je länger es über diese Zeit steht, umsomehr verliert es an Wert. Die Mähmaschinen, die das Zehnfache der Menschenarbeit leisten, beruhen auf bemi eiben Prinzip. Die Bewegung der Räder überträgt sich mittels Kette ober Kegelräder auf eine senkrecht stehende Axe, an deren unterem Ende ein verschieden (bis 1,50 Meter) langes Messer befestigt ist. Im höchsten Grade bedauerlich ist es, daß diese Maschinen von deutschen Fa­briken fast gar nicht gebaut werden. Alljährlich werden sür 8 Mül. Mark Maschinen eingeführt. Um nun , die