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12.12.1902 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt. 152. Jahrgang Freitag 12. Dezember 1SVS

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Aniverl.-Buch-u.Stein- U 0 _ , M M Zeilenvreis:lokal 12Pf.

dructereilPietjchErben) tX^ * Ji ttldt auswärts 20 Psg.

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und Druckerei: v w den polit. u. allgem. Teik

-LL'L Amis- und Anzeigeblatt für den Ureis Stehen MW

F'rnlprechanlchluß')rr 51 VW 1 KP zeigenteil: HanS Beck.

Die Heutige Kummer umfaßt 12 Seiten. Iwird die dritte Lesung, der großeZoll-Kehraus", ' | ftattfinden.

Aas Dossschifi im Kcfen!

Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 11. Dezember:

Dom Reichskanzler eine Rede zum Zolltarif nu hören, war heute mancher in den Reichstag gekommen. Wollte fick die Regierung auch nicht in den häuslichen Streit der Parteien, in den Kampf um die Geschäftsordnung ein­mischen, so hatte man doch erwartet, Graf Bülow werde daS Einverständnis mit dem Antrag Kardorff durch Volttische Gründe zu rechtfertigen suchen. In der ungefähr fünf Minuten beanspruchenden Erklärung des Grafen Bülow zum Antrag Kardorff war von solchen politischen Momenten, obwohl sie nahe lagen, nichts enthalten. Heiterkeit erregte und mußte erregen auf feiten der Linken, daß Graf Bülow verhieß, die verbündeten Regierungen würden den Antrag Kardorff in ernste und wohlwollende Erwägung ziehen. Als ob das Kompromiß nicht schon längst sich desSegens" der Regierung erfreute. Diese.Erwägung" wird den Bundesrat zur gegebenen Zeit nicht lange aufhalten. Abg. Bassermann (nl.) hatte den Reichskanzler zu der Er­klärungangelegt", aber sie wäre erfolgt mich ohne eine solche Anregung. Es nimmt sich nur feierlicher aus.

Wenn es die Absicht der Sozialdemokraten war, durch Üeberweisung eines ganzen Bandes von Abänderungs­anträgen die hohe Versammlung zu verblüffen, so haben sie diese Absicht vollkommen erreicht. Nicht weniger als 1V2 Stunden währte die Verlesung des Mcnstückes durch die Schriftführer. In solchem Umfange ist die Lungen- kraft der Herren vom Bureau des Hauses noch nie in An­spruch genommen worden. Tie Anstrengung war für die vorlesenden Schriftführer, die Abg. Pauli (Rp.) und Ce- gielski (Polei, um so größer, als sie gegen das Stimm* aewirr im Parkett anzukämpfen hatten. Von dem Inhalt der Anttäge nahm der überwiegende Teil der Parlamentarier

136 Stimmen Ä Schlussel nm ~ hin. Er Eonir. > eigentlich int v

keinerlei Notiz. Die im Zollkartell Verbündeten ttieben frisch-fröhlicheObstruktion", indem sie die Uebermittelung der Abänderungsanttäge einfach niederkonversierten. Sie Kütten das gar nicht einmal nötig gehabt, denn die mit soviel Mühe bewerkstelligte Aktion der äußersten Linken er­wies sich als ein Schlag ins Wasser. Tie Antragsteller hatten merkwürdigerweise verabsäumt, ein zweites für die Drucklegung bestimmtes Exemplar des Anttags-Sammel- Werkes herstellen zu lassen. Aber selbst wenn dies zweite Exemplar vorhanden gewesen wäre, dann hätten sich der Vervielfältigung desselben durch den Truck technische Schwier igkeiten in den Weg gestellt. Präsident Graf Balle st rem konstatierte, daß die Drucklegung des Sammelwerks" in der ReichAdruckerei dreißig Stunden in Anspruch nehmen würde. Selbst eine mit 50 Setzern arbei­tende Druckerei müßte 78 Stunden zur Herstellung be­nötigen.9ITfo ich werde die Anträge nicht drucken lassen" entschied bestimmten Tones Graf Ballestrem. Da ihm in solchem Falle die Geschäftsordnung zur Seite steht, war das Schicksal der Anträge besiegelt. Sie finden eine Statt ledig­lich im Sitzungspvotokoll. Selbstverständlich hätte man auch nicht zugelassen, daß sie in der DiskussionSchaden an­richteten", daß sie die Fahrt des ZollschiffeS hemmten.

Tie Kosten der Diskussion über den Anttag Kardorff fangen natürlich Vertreter der Linken. Die Abg. Bebel (Soz.), Müller-Meiningen (freis. Bolksp. l und G o t h e i n (freif. Ver.) bekämpften mit aller Energie den Anttag Kar­dorff und das widerspruchsvolle Verhalten der Kompro­mißler. Bon den rein sachlichen Ausführungen war das Bedauern des Abg. Müller-Meiningen bemerkenswert, daß die deutsche Presse sich so wenig rührig gezeigt habe in der Agitation gegen die Erhöhung der Papierzölle. Gegen den Anttag Kardorff erklärte sich auch Abg. Liebermann von Sonnenberg (Antis.), weil er die Interessen der Landwirffchaft und Gärtnerei nicht genügend berücksichtigt glaubt. Wenn Abg. v. Liebermann der Mehrheit seinen Dank abstattete, daß sie ihn, als Mitglied einer kleinen Fraktion, hatte zu Wort kommen lassen, so hatte er guten Grund dazu. Denn alsbald ttat derOberregisseur", Abg. Dr Spahn (Zentt.), in Aktion mit einem Antrag auf Schluß der Tiskussion. 195 Abgeordnete unterstütz­ten frerrn Spahn, 113 stimmten gegen seinen Antrag. Ter Minderheit war also das Wort kurz abgeschnitten. Ter Unmut hierüber machte sich in kräftigen Worten Luft; den Abg Roesicke-Tessau (fr. Ver.), der den Mehrhetts- parteien Brutalität vorwarf, ereilte ein Ordnungsruf. Unter 2r Spahns Führung beförderte alsdann das Zollkartell alle zum Antrag Kardorff gestellten Anttäge mit 202 gegen 119 Stimmenin den Orkus".

Eine eigenartige Laune des Zufalls fugte es, daß die Abstimmung über den Antrag Kardorff selbst also über: dre Formel zur Lösung des Zollratsels^dre h u n d e r t st e Ab - immung nach der Aichbichler-Methode war. Tie froh­lockende Zollmehrheit ließ zur Feier dreffs Ereignisses einen Blumenstrauß zum Präsidententisch tragen, doch Graf Balle­strem lehnte für seine Person diese Ehre ab und wres dem Boukett einen Platz auf dem Schriftführerpult an. Ter Antrag Kardorff wurde mit 184 gegen lob Stimmen, also mit einer Mehrheit von nur 48 Stim­men, angenommen. 9 Abgeordnete, darunter wohl einige Konservative, enthielten sich des Votums, ^m ganzen mögen etwa 17 Kons-rvative sich gegen den Antrag erklärt haben. Ter grundlegende Paragraph des Zoll- tarifgesehes mit dem Tarif in der Form des Antrages Kardorff fand alsdann in zweiter L'sung mit 182 gegen 'n na firne. Graf Bülow, der bis znrn

! . lächelte stillzufrieden vor sich i ; f,im; hatte er doch gesiegt, ohne . i n zu s in. Am Samstag bereits

Der Konflikt mit Venezuela.

Die Gestaltung der Dinge an der nördlichen Käste Süd­amerikas nimmt einen immer ernsteren Charakter an, sowohl im Hinblick auf die Notwendigkeit eines weiteren bewaffneten Einschreitens von Deutschland und England, wie auch hin­sichtlich der Stellungnahme der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Wie aus Washington gemeldet wird, stimmt das Staatsdepartement mit der deutschen und englischen Diplomatie Überein in der Ansicht, daß die Verhaftung der Unterthanen beider Mächte in Caracas durch den Vräsidenten Castro einen Bruch des Völkerrechts bedeute, der einer verbrcherischen Handlung gleichkommt. Das StaatSdepattement glaubt aber nicht, daß Castro sich zu be­waffnetem Vorgehen entschließen wird, da er weiß, daß ein bewaffnetes Vorgehen seinerseits die Landung von Streit­kräften und die Beschießung der venezolanischen Häfen zur Folge haben würde. Die venezolanischen Aufständischen be­absichtigen, bei Deutschland und Großbritannien die Aner­kennung als kriegführende Macht nachzusuchen, da sie nach der Wegnahme der venezolanischen Flotte hoffen, Castro gegenüber siegreich zu bleiben.

Im Senat soll einer weiteren Meldung zufolge Senator Cullom, Vorsitzer des auswättigen Komitees des Senats, be­dauert haben, daß die Mächte venezolanische Kriegsschiffe zerstörten. Diese Schiffe würden sich den deutsch-englischen nicht widersetzt haben und ihre Zerstörung möge die Schaden­ersatzfrage komplizieren. Weiter legte Repräsentant Shafroth eine gemeinsame Resolution vor, die den Präsidenten er­mächtigt, Deutschland und England vorzuschlagen, die Aktion einzustellen, ihre Ansprüche einem Schiedsgericht zu unterbreiten und den zugebilligten Betrag durch die Ver­einigten Staaten zu garantieren. Es muß als ausge­schloffen gelten, daß diese Vorschläge im Ernste den beiden Großmächten seitens der Unionsregierung zur Annahme em­pfohlen werden könnten. Die weiteren Nachrichten lauten:

New-Pork, 11. Dez. Der amerikanische Gesandte Bowen erlangte anscheinend von siebenundneunzig verhafteten Deutschen die Freilassung nur beS Konsuls Blohm und des Dr. Köhler. Letzterer ist Arzt. Die Gattin des deutschen Gesandten, welche seit zwei Monaten bettlägerig ist, hatte infolge des Sturmes eines Volkshaufens auf die Gesandtschaft entsetzliche Momente auszustehen, indessen konnte die Diener­schaft die Thüren und Fenster rechtzeitig verbarrikadieren, sodaß der Pöbel nicht einbringen konnte. Ein gewaltiger Steinhagel flog inbefien gegen bie Fenster, ebenso wie gegen daS Konsulat, baS Hotel Klinbt und ben beutschen Klub. Den letzten Nachrichten zufolge lanbeten Truppen in ber Nähe beS Zollhauses von La Guayra.

New-Pork, 11. Dez. Eine Depesche aus Kingstown besagt der »Frkf. Ztg.* zufolge: Die britische Kriegsschaluppe »Alert* faperte das venezolanische TruppenschiffZamora* und den TranSportdampferMayo*.Vineta* und »Retribution* sind gestern abend 6 Uhr von La Guayra ab» gedampft. Man nimmt an, daß sie die Antwott Venezuelas auf die Forderung der beiden Mächte an Bord haben. In La Guayra sind 18 Geschütze auS Caracas eingetroffen. Die Munition wurde nach Fort Laoigia geschafft. Die Wegnahme des »Bolivar* hat große Aufregung heroorgerufen. Außer ben 2000 Mann, bie hier unter Kriegsminister Ferrer ein­getroffen finb, werden heute noch 800 unter dem Befehl eines Bruders des Präsidenten erwartet.

New-Port, 11. Dezbr. Der »Sun* erklärt, die Bundesregierung fei durch Deutschland und England ge­täuscht, da die Mächte venezolanische Schiffe zum Versinken brachten. Den Vereinigten Staaten von Amerika sei erklärt worden, lediglich die Saisirung von Zollhäusern fei beabsich­tigt. Die Abendblätter erklären das Versinken der Schiffe für ungerechtfertigt.

Im en glischen Unterhaus teilte Lord Cranborne in Beantwortung einer Anfrage die neuesten amtlichen Nach­richten aus Venezuela mit: Er bestätigt die Beschlagnahme der drei venezolanischen Schiffe in La Guaira durch Boote der englischen und deutschen Kriegsschiffe und erwähnt ferner, daß ein viertes Schiff kampfunfähig gemacht worden fei, daS venezolanische Kanonenboot »Bolivar* sei ebenfalls beschlag­nahmt. Zwei Prisen, die vom deutschen Kommodore ge­nommen seien, wurden versenkt. Die Freigabe der britischen und deutschen Untetthanen sei geforbert, bie Forderung aber, soweit bekannt, bisher unerftittt geblieben. Ferner werde be­richtet, der englische Konsul in Caracas sei verhaftet worden. Es sei aber nicht bekannt, ob der Bericht der Thatsache ent­spreche. Der englische Vizekonsul in La Guaira fei mit einigen Frauen und Kindern von einem britischen Kriegs­schiff aufgenommen worden. ES verlautet, Castro behalte bie beutschen und englischen Unter­thanen als Geiseln zurück. Nach dem letzten Bericht, der vergangene Nacht von Sa Guaira abging, seien die englischen Untetthanen, obgleich in Haft, doch so­weit unversehrt.

* *

Von La Guayra enttoar6 Dr. A. Olinda, der sich längere Zeit in Venezuela aufgehalten hat, in einem im Feuilleton derFrankfurter Zeitung" vom 9. Januar b. I. veröffent­

lichten Artikel folgende Schilderung: Ter von Europa kom­mende Fremde landet in der Regel in La Guayra. Diese etwa 12 000 Einwohner zahlende Hafenstadt zieht sich an einem schmalen Saume ebenen Landes, den hohe Berge zwischen ihr und dem Meere übrig lassen, hin und erinnert durch ihre schroffe Felsnatur an die Umgebung von Mar­seille. Freilich, in ber Bucht von Marseille sind die 23erae lange nicht so hoch, treten auch nicht so nahe an die Küste heran, wie hier. Ten Aufenthalt in ber Stadt verleiden dem Europäer die engen, staubigen Gassen, bie schwüle, erstickend haiße Lust, die vielen verfallen und verwahrlost aussehenben Häuser. Ter eben an gebeutet en Schattenseiten La Guahras wegen ziehen es viele der bartigen Kaufleute vor, ihren Wohnsitz in dem einige Kilometer östlich gelegenen Seebabe Mocuto aufzuschlagen, bas per Bahn in einer Viertelstunde bequem zu erreichen ist. Cs ist ein kleines Paradies in stiller, idyllischer Natur. Unter rauschenden Kokospalmen, unter dem Blätterbaldachin weitästiger Mangobäume, in der Schatten kühle eines schönen Parke-, umfächelt von dem erfrischenden Meerwinde kann man hier in einer von dem Wohlgeruch ttopischer Blumen er­füllten Luft, den Blick versenkt in ben wetten MeereS- horizoitt und umbraust von ben mächtigen Orgeltönen der Brandimg, schöne Stunden verleben. Und scheut man nicht die Anstrengung, etwas höher in die Berge hinauf­zuklimmen, wo allerlei farbiges, kaum bekleidetes Volk, das von dem harten Kampf ums Dasein in unseren nordi­schen Zonen nichts weiß, vom Ertrage einer kleinen MaiS- unb Bananenpflanzung ohne Sorge dahinlebt und sich seines Daseins freut, so bat man hier Landschaftsbiiber vor sich, die in Bezug auf die Farben glut, in bie sie getaucht sind, an Italien und Griechenland erinnern.

Von La Guayra führt nach der .Hauptstadt Caracas eine 37 Kilometer lange Gebirgsbahn, doch ist es wohl ausgeschlossen, daß bie fremden Truppen soweit Vorbringen würden. Von Caracas fühtt bie von ber Berliner Diskontv- gesellschaft gebauteGroße venezolanische Eisenbahn" nach der zweitgrößten Stadt des Landes, Valencia (40 000 Ein­wohner), deren erstes Drittel den ausgesprochenen Charakter einer Gebirgsbahn trägt. Die Strecke von Caracas nach Valencia ist 185 Klm. lang und es mußten 60 Tunnels und ebensoviele Diadutte und Brücken gebaut werden. In der Nähe von Valencia liegt der große Tacarigna- ober Valenciasee in einem reichbebauten Thalkessel. Von Va­lencia führt mitten durch das Gebirge, zum Teil mit Zahn­radbetrieb ein Schienenweg nach der bedeutenden Handels­stadt Puerto Cabello, das sehr schön Hegt

Politische Tagesschau.

Graf Bülow und der Anttag Kardorff.

Reichskanzler Graf Bülow hat, tote auS unserem heutigen Reichstagsbericht zu ersehen, im Namen der ver­bündeten Regierungen eine Erklärung zum Anttag Kardorff abgegeben, die in der Presse eine sehr verschiedene Beur­teilung findet. Wir geben nachstehend die hauptsächlichsten! der bereits vorliegenden Urteile wieder. Bon den Organen der Rechten äußert sich bieKreuzzeitung" in einem kurzen Referat: Nur schwachen Beifall erntete der Reichs­kanzler, und ein Gefühl des Staunens beherrschte das HauS, daß die Hauptrebe (bie des Abgeordneten Bassermann) und die Erklärung bet Regierung sich in einer reichlichen Viertelstunbe abgewickelt hatten. DieDeutsche Tageszeitung" bemerkt: Wenn ber Reichskanzler an­gesichts ber Sachlage und tu diesem Stadium der Be­ratungen nichts anderes zu sagen hatte, bann hätte er füglich schweigen können. Die Zusage, daß die verbündeten Regie­rungen bie Herabsetzung ber Jndusttiezölle in wohlwollenbe Erwägung ziehen würden, mußte geradezu wie Hohn wirken. Tie Erklärung über die Biehzölle und bie Grenzsperre ist so allgemein und inhaltlos, daß diejenigen, welche im Ver­trauen auf diese Erklärung bie Brücke der sogenannten Verständigung betreten hatten, tief enttäuscht und ziemlich überrascht waren. TieVossische Zeitung" erklärt, ein derart peinliches Gefühl, welches die Rede des Reichs­kanzlers bei denen hervorrief, bie ihm keineswegs feindlich gegenüberstehen, hat schwerlich je zuvor im deutschen Reichs^ tage geherrscht. Auf aller Lippen lag die Frage, wie hätte in dieser Lage Fürst Bismarck gehandelt. Auch Msmarck hätte den Tarif durchgesetzt, aber wie er es that, hätte auch dem Gegner imponiert, heute aber imponierte Graf Bülow nicht einmal seinen Parteien, geschweige dem Aus­lände. TasBerliner Tageblatt" schreibt: Mit eleganter Wendung ging Graf Bülow über die nicht ab- zuleugnende Thatsache hinweg, daß bie Kommission den ohnedies hockischutzzöllnerischen Zolltarif der Regierung noch weiter zum Teil in geradezu ungeheuerlicher Weise erhöht hat. DieGermania" äußert sich dagegen über bie Rede ziemlich zufrieden. Sie sagt, bie Erklärung des Reichs­kanzlers gebe besonders in Betreff ber Vieh- und Fleisch­zölle befriebigenbe Zusicherungen. TieVolkszt g." meint, bie Erklärung des Reichskanzlers wird dem deutschen Volke mit erdrückender Deutlichkeit zum Bewußtsein bringen, daß es thatsächlich neue ungeheure Opfer im Betrage von Hunderten von MMionen zu bringen haben werde. Tie 33erl. Ztg." meint, weniger habe der Reichskanzler un­möglich sprechen können. Nach dieser Erklärung werde e5 denjenigen Mehrheitsparteien, die ihren Wählern goldene Berge über die Regierungsvorlage hinaus versprochen hatten, noch schwerer werden, bad ein gegangene Kompromiß zu rechtfertigen.

Der gesichttte Zolltarif.

Tas unttrdlich schwierige Werk des Zolltarifs ist auf Grund ber gestrigen Annahme bes Antrags Kardorff in zweiter Lesung gesichert. Die Annahme des letzteren er-