Nr. 187 Erstes Blatt.
ISS. Jahrgang
Dienstag IS.August 1902
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Politische Tagesschau.
Der vielerörterte Konflikt der Würzburger Professoren mit dem verflossenen Kultusminister Dr. v. Lcmdmann hat mit einer Niederlage der Hochschullehrer geendet. Die unmittelbar nach Schluß des bayerischen Landtages getroffene Entscheidung wurde uns gestern bereits telegraphisch übermittelt. Sie lautet wörtlich:
München, 11. Aug. Nachdem am 26. v. M. der einverlangte Rechtfertigungsbericht des Senats der Universität Würzburg beim Kultusminister eingetroffen war, wurde durch Ministerialentschließung vom 9. d. M. die vom Rektor und von neun Mitgliedern des Senats abgegebene Protest-Erklärung nach Form und Inhalt als ungehörig erkannt und ebenso wie die Veröffentlichung, für welche der Senat ausdrücklich die Verantwortung übernommen hat, ernstlich ge- mihbilligt. Bezüglich des Enthebungsgesuchs des Rektors und der beteiligten Senatsmitglieder wurde in gleicher Entschließung ausgesprochen, daß dasselbe aus dienstlichen Gründen sich zurVertretung an Aller- Aöchster Stelle nicht eigne.
" Es bleibt abzuwarten, ob die Würzburger Professoren sich hierbei beruhigen werden. Sachlich ist ihr Enthebungsgesuch inzwischen durch Ablauf des Universitätsjahres erledigt, und durch die Entlassung des von ihnen befehdeten Kultusministers ist ihnen immerhin eine gewisse Genug- thuung bereitet worden. Auch hierüber ist jetzt die end- giltige Entscheidung gefallen. Wir teilten gleichfalls bereits gestern mit, daß Prinz-Regent Luitpold das vom Kultusminister Dr. von Landmann eingereichte Entlassungsgesuch unter wärmster Anerkennung seiner mit regstem Pflichteifer und Hingebung geleisteten treuen Dienste genehmigt und den Minister unter Einreihung in die Zahl der Staatsräte im außerordentlichen Dienst bis auf weiteres in den Ruhestand versetzt. Gleichzeitig wurde der bayerische Gesandte in Wien Frhr. von Podewils-Dürniz zum Staatsrat im außerordentlichen Dienst und zum Kultus- minister ernannt.
Die neue Taktik des Bundes der Landwirte.
Tas Vorhandensein verschiedener Auffassungen über die Taktik innerhalb der Leitung des Bundes der Landwirte wird jetzt von Herrn Edmund Klapper in einem Artikel in der „Zukunft", der die Gründe des demnächstigen Rücktritts des Herrn v. Wangenheim von dem Vorsitze des Bundes auseinandersetzt, zugestanden. Aus dieser Darstellung geht hervor, daß Herr v. Wangenheim einer Verständigung mit der Regierung, so weit dies irgend möglich gewesen wäre, das Wort geredet hat. Diese Tendenz ist auch eine Zeit lang von den übrigen Mitgliedern des engeren Vorstandes gebilligt worden. Erst in letzter Zeit hat sich dann ein Umschwung vollzogen. Klapper läßt durchblicken, daß schließlich auch Herr von Wangenheim die Ueberzeugung gewonnen hat, daß der Weg der Verständigutng ungangbar sei, und daß der Bund nunmehr den von Anfang an von Dr. Roesicke und Tr. Hahn empfohlenen Weg einschjlagen müsse, „es mit der rücksichtslosen politischen Machtesttfaltung des deutschen Bauernstandes" zu versuchen.
„Wenn also der Freiherr v. Wangenheim jetzt zurücktreten will, so deduciert Herr Klapper, so läge darin keineswegs der Ausdruck einer etwa entstandenen Gegen
sätzlichkeit seiner politischen Auffassung zu den Tendenzen der Bundesmehrheit, sondern man könnte daraus nur schließen, er habe sich selbst vollkommen überzeugt, daß auf dem Wege einer Verständigung mit der Regierung heute nichts zu erreichen ist. Er halte darum jetzt den anderen Weg für notwendig, glaube aber vielleicht, daß er persönlich die hierfür erforderliche Kampfnatur nicht besitze. In der Auffassung der Tagespresse nimmt man die Absicht des Rücktrittes als Beweis einer Gegensätzlichkeit in den Tendenzen. In Wahrheit beweist sie nur, daß über die Aussichtslosigkeit jedes Verständigungsver- suches jetzt wieder volle Uebereinstimmung im Bunde herrscht und daß daher die Beschreitung des anderen Weges auf allen Seiten für erforderlich erachtet wird."
Die Sozialdemokraten
Gießens haben, wie wir bereits gestern mitteilten, wie immer als Erste auf den Plan des Landtags-Wahlkampfes sich begeben. Sie wollen, wie sie sagen, in allen hessischen Wahlkreisen eigene Kandidaten aufstellen und sind, allem Anschein nach, recht siegesgewiß Tie bürgerlichen Parteien werden gut thun, sich auch bei Zeiten zu rühren. Als Reichstagskandidaten haben die Sozialisten den Stadtv. Krumm in Aussicht genommen. Im übrigen scheinen sie von dem in ihrem eigenen Parteiorgan gemachten Vorschläge eines Kartells mit den liberalen Parteien recht wenig zu halten; allenfalls bei Stichwahlen könne diese Frage in wohlwollende Erwägung gezogen werden. Tie liberalen Parteien aber werden hier wohl auch ebenso wenig wie anderswo besondere Geneigtheit zu einem Kartell mit den Sozialisten zeigen. Im Königreich Sachsen wollen bekanntlich die Ordnungsparteien bei den nächsten Reichstagswahlen in Kreisen, die durch die Sozialdemokratie gefährdet sind, gerade gegen diese gemeinschaftliche Sache machen. Das Trennende soll für die Zeit der Wahl vergessen sein, und trotz aller eigenen inneren Gegnerschaft will man Arm in Arm gegen die Sozialdemokraten ankämpfen. Auch die antisemitische Partei ist dabei, und die Kartellmacher glaubten, das Zentrum werde ihnen die Hand reichen. Damit ist es jedoch nichts. Das Dresdener Zentrumsorgan nennt diese Erwartung geradezu „naiD". Bei uns in Hessen liegen ja freilich die Verhältnisse wesentlich anders.
Heer und Flöte.
Zur Begnadigung des Oberleutnants Hildebrandt, der bekanntlich den Leutnant Blaskowitz int Duell erschoß, schreibt die „Welt am Montag":
„Auch wir würden gewiß keinen Anstand nehmen, unsere Meinung über eine solche Begnadigungspraxis unumwunden auszusprechen, wenn wir nicht zufällig neuerdings von bestunterrichteter Seite darüber aufgeklärt worden wären, daß die Vorgeschichte des Jnsterburger Duells sich doch nicht ganz so verhielt, wie dies seinerzeit in der Presse dargestellt wurde. Schon der Umstand, daß Hildebrandt zu dem gesetzlich zulässigen Mindeststrafmaß verurteilt wurde, legte die Vermutung nahe, daß der Gerichtshof, wenn auch nicht durch die Beweisaufnahme, so doch auf Umwegen Kenntnis von Einzelheiten erlangt hatte, die das Vorgehen des Angeklagten in anderer Beleuchtung erscheinen ließen, als es nach den bekannt gewordenen
Thatsachen erscheinen mußte. Diese eigenartigen Begleitumstände sind natürlich auch zur Kenntnis des Kaisers gelangt; das Volk aber kennt sie nicht, und so ist es denn durchaus erklärlich, daß der Begnadigungsakt hier eine starke Verstimmung erzeugt hat. Die erwähnten Umstände sind nicht danach angethan, daß wir sie zum Gegenstand öffentlicher Besprechung machen könnten. Vielleicht geschieht dies aber dennoch; der Monarch hätte daran nicht zuletzt ein ziemlich starkes Interesse." Das klingt recht geheimnisvoll. Wie übrigens das „Ostpr. Tagebl." meldet, fand am 7. d. M. in Insterburg ein Abschiedsessen für den Oberleutnant Hildebrandt statt, an dem auch die Kommandeure der 2. Kavalleriebrigade, Generalmajor v. Willich und der 2. Feldartilleriebrigade, Generalmajor Gronau teilnahmen.
Aolonialpost.
Ter Verkauf eines Königreiches. Im Aw» zeigenteil des amtlichen „Ttsch Kolonialbl." findet sich eine interessante Versteigcrungsbekänntmachung, aus der ersichtlich ist, wie leicht man in der Südsee „Jnselkönig" werden kann. Am 28. Oktober 1896 starb auf Ponape der Südseeforscher Johann Stanislaus Kubary, und jetzt wird sein Nachlaß an den Meistbietenden versteigert, das heißt erst am 18. April 1903, vormittags 9 Uhr, im Amtsgebäude des kaiserlichen Bezirksamtes in Ponape, Jnselgebiet der Ostkarolinen. Ter Landbesitz besteht aus der Insel Taatik (Mangroveninsel), an der Südseite des Hafens von Lionger gelegen, wertvoll nur für den Holzschlag, zu Ansiedelungen nicht geeignet, Schätzungswert 500 Mark, etwa 80 Hektar groß; der Insel Japutik (Tschaputik) oder Paitik, im Norden des Hafens von Langer gelegen, etwa 6 Hektar groß, zur Anlage einer Handelsniederlassung geeignet, Schätzungswert 1000 Mk., drittens dem Land Mpomp, einem etwa 1000 Meter breiten und tief in das Innere der Insel Ponape sich erstreckenden Laudstreifen, etwa 800 bis 900 Hektar groß, im Norden von dem schiffbaren Flusse Jokola begrenzt, einen Kilometer von der Regierungsnioderlassung entfernt, zu Pflanzungszwecken geeignet. Tas Land ist unbewohnt und noch nickst vermessen. Der Schätzungswert beträgt 15 000 Mk. Das Ausschreiben giebt alle sonstigen Bedingungen bekannt, doch ist es zweifelhaft, ob sich an dem genannten Termine in Ponape viele Bieter einsinden werden, obwohl sie sich durch dritte Personen vertreten lassen können, die aber mit gerichtlicher oder notarieller Vollmacht versehen sein müssen. Der Weg nach den Karolinen ist weit, die Schiffsverbindung sehr schlecht, ein Kabel noch nicht vorhanden, und so wird der Wettbewerb um das Jnseleigen- tum wohl nicht sehr lebhaft werden.
Ans Stadt und Kand.
Gießen, 12. August 1902.
♦* Dünsberg-Wettturnen. Sonntag den 7. September findet auf dem Dünsberge das diesjährige Wettturnen statt. Dieses ist ähnlich dem Feldbergfeste vor einigen Jahren eingerichtet worden und erfreut sich bereits großer Beliebtheit besonders in Turnerkreisen. Es findet nur Wettturnen in volkstümlichen Uebungen statt und zwar in Freihoch Freiweitspringen, zweiarmig Stemmen und Steinstoßen. Alle Turner, die zwanzig und mehr Punkte erreichen, haben Anspruch auf Preise. Außer
Feuilleton.
— Menschenfresserei im Herzen Afrikas. Die „Beiträge aur Kolonialpolitik und Kolonialwirtschaft" beginnen mit Veröffentlichung von Aussätzen des vor kurzem heimgekehrten Afrika- sorschers Dr. Richard Kandt. Unter den Bildern von Land und Kiwusee giebt er ein Beispiel eines geradezu greulichen Falles von Kannibalismus. In der Nähe unseres heutigen Lagers, so schreibt er, mitten unter den Bananen, machten wir einen greulichen Fund. Da lag der Kopf eines höchstens vor zwei Tagen geschlachteten Menschen. Die Ohren, Sippen und das Fleisch von Wangen, Hals unb Kinn waren weggeschnitten, die großen Röhrenknochen hatte man zerschlagen, offenbar um Blut und Matt auszusaugen. Die Feuerstelle mit der Asche war noch vorhanden, der blutige Schurz aus Rindenstoff, die Stroh- und Drahtringe des Geschlachteten lagen rings zerstreut im Grase. Ich rief die Führer, sie kannten den Mann; sie sagten, wenn wir suchen wollten, würden wir noch viel andere solcher Reste finden; aber ich verspürte keine Lust dazu. In den „Fliegenden" lesen sich die Kannibalenwitze sehr amüsant, aber die Wirklichkeit ist so ekel- und grauenerregend, daß einem für einige Zeit die Freude an diesen Scherzen vergeht. Ta die unteren Lider und die Wangen entfernt waren, lagen die Höhlen der Augen und des Mulides bloß und die nackten, von Fliegen umschwärmten Augäpfel boten zusammen mit dem bis zum letzten Backenzahn sichtbaren Gebiß den fürchterlichen Anblick eines so schrecklichen Gttnsens, daß ich alle meine ärztlichen (Snmterungen zu Hilfe nehmen mußte, um dieses Bild zu ertragen. Die Führer erzählen, daß vor 4—5 Monaten Mounye das Land überfallen hätte. Was nicht fliehen konnte, sei geschlachtet worden. Die Wahunde hatten immer, wenn ich sie fragte, protestiert, sie seien keine Kannibalen. Ich glaubte es ihnen auch, weil der Körper des von meinen Askaris im Dickicht Getöteten noch nach Tagen unberühtt war. Auch heute wehren sich die beiden Wahunde, die mir Mounye gab, gegen diesen Verdacht, aber sie können nicht mehr leugnen, daß ihre Landsleute, die Waregga. Menschenfresser sind. Ich frage die Kameronseführer, wie der Getötete hierher- gekommen ist, und sie antworten, daß sich eine Anzahl Leute wieder eingefunden hätte, um versuchsweise ihre alte Heimat zu besiedeln. Aber sie seien vor wenigen Tagen, während ich in Kalunga war, von den Waregga überfallen und fast alle o e r ^ehrt worden. Auch 100 Rinder seien den Räubern m die Hande gefallen. Was diese Leute zum Kannibalismus verführt, dafür fehlt mir jede Kenntnis unb jedes Verständnis. Ich vermute, daß viel Aberglaube im Spiel ist. Ihre sämtlichen Nachbarn verachten sie grenzenlos deswegen, sie behaupten aber auch, daß viele Wahunde
demselben Laster stöhnen. Vielleicht wirkt da eine Art psychischer Ansteckung mit.
Daß Menschenfresserei einst über weite Strecken Amerikas hin herrschte, geht schon aus der Bezeichnung „Kannibale" hervor, die nur für eine andere Form von Camba oder Eariba, der Bezeichnung für die Urbewohner der Earidischen Inseln, gehalten wird, wo die Spanier bei der Entdeckung menschliche Gliedmaßen in der Sonne trocknen sahen, die als Nahrung verspeist werden sollten. Bis in die jüngste Zeit war, mehr als befarnu sein dürfte, in Zentralamerika und Mexiko Kannibalismus üblich, wenn auch mehr bei Opfern für die Götter, als aus Geschmack an dieser Nahrung. Im Allgemeinen aber sind gegenwärtig die Kannibalenstämme verschwunden, und auch der letzte und der gefürchtetste Kannibalenstamm in den vereinigten Staaten, die Tonkawas, werden in einigen Jahren verschivunden fein. Die Tonkawas waren die schlimmsten Kannibalen, die selbst bis zum heutigen Tage bei allen anderen Stämmen einfach die ,,Menschenfresser" heißen. Es waren ttesenhafte Männer, gute Jäger und unverbesserliche Räuber. Sie hatten eine Uebertieferung, daß ihr Urahn ein Wolf gewesen und daß sie gleich diesem stets umberftreifen und ihren Lebensunterhalt so geroinnen müßten. Andere Indianer verkehrten nicht mit ihnen, sie waren ein ausgestoßener Stamm unter allen ihren roten Brüdern. Als die texanischen Missionen tm Beginn des 18. Jahrhunderts errichtet wurden, da waren auch einige Tonkawasstämme unter denjenigen, die sich in San Jost zusammen- fandsn. Aber zu Beginn des 19. Jahrhundetts vernahm man wieder Kunde von ihren kannibalischeii Gewohnheiten. Als tue Amerikaner Texas besetzten, dienten ihnen die Tonkowas als Spione gegen andere Stämme, im Jahre 1849 werden sie als etwa 700 gänzlich verlotterte Vagabondeii geschildert. Im Jahre 1857 sammelte die amerikanische Regierung die Reste einiger kleiner Stamme, darunter die Tonkawas und siedelte sie in emer Reservation am oberen Brazosflusse an. Aber die Texaner verjagten sie. Dann kam der große Bürgerkrieg, und Abgesandte der beiden einander bekämpfenden Parteien kamen auch zu den Indianern, um sie sirr ihre Sache zu gewinnen. Die Tonkawas gehörten aber zu denen, die die Anerbietungen zurückwiesen. Sie verblieben an Ort und Stelle am Washita. Jetzt nun war jur ihre Feinde die Gelegenheit gekommen, an ihnen Rache zu nehmen dafür, daß „ihre Verwandten ihr Grab in den Magen der Tonkawas gefunden batten". In der Nacht des 22. Oktober 1862 überfielen die übrigen Jndianer- ftämme die Tonkawas, bei denen auch noch emige Weiße, hauptsächlich Beamte der Regierung, sich befanden. Hierbei kamen 137 Tonkawas, fast die Hälfte des Stammes, um, ebenso die Weißen bis auf einen eiiuigen, den Kommissar Dr. Sturm, der auch die einzige Quelle für inefe Ueberiieferung ist. Auf der Flucht
der Tonkawas enthüllte sich ein scheußliches Schauspiel. Die gefangenen Feinde wurden abgeschlachtet und ihr Fleisch in einem Kessel zur Kanidalenmahlzeit gekocht. Von diesem Schlage konnten sich die Tonkawas nie wieder erholen. Sie waren nun heimatlose Flüchtlinge und zogen so herum, bis sie im Jahre 1874 unter den Mauern von Fort Griffin Schutz und Ruhe fanden. Damals betrug ihre Gesamtzahl noch 119. Im Jahre 1882 wurde ein besonderer Agent für sie ernannt, und zwei Jahre später brachte man sie in eine Reservation im Jndianerterritormm. Damals waren es noch 92 heruntergekommene Individuen, die sich unter Zelten und in Strohhütten ansiedelten. Im Jahre 1892 zählten die Tonkawas noch 66 Köpfe, 1898 waren sie auf 53 Seelen zusammen- geschmolzen, darunter 13 Krieger, heute beträgt ihre Anzahl noch weniger, und nach einigen weiteren Jahren wird auch dieser letzte amerikanische Kanibalenstamm verschwunden sein.
— Der Kampf um das volle Vereinsrecht der Frauen wird vom Bunde deutscher Frauenvereine im bevorstehenden Winter von neuem aufgenommen werden. Die Frauen verlangen eine einheitliche Regelung des preußischen Vereins- und Versammlungsrechtes. Während bekanntlich bei uns in Hessen, wie auch in Baden, Sachsen u. s. w., in Bezug auf die Zulassung zu politischen Vereinen und Versammlungen kein Unterschied des Geschlechts besteht, sind in Preußen und Bayern die Frauen direkt von nichtöffentlichen politischen Versammlungen ausgeschlossen.
Sott der Campanile von Venedig wieder aufgebaut werden? Diese Frage hat das „Giornale d' Italia" einer Anzahl Künstlern und Kunstkennern vorgelegt, unter denen übrigens Deutsche sich nicht befinden. Entschieden dagegen sind die großen modernen Niederländer Meunier, Van der ©tappen und Knopfs. Meunier sagt, es wäre unmöglich, dem Neubau die Patina des Alters zu geben, und dann werden die Architekten doch sicherlich „offizielle", also des göttlichen Funkens entbehrende Künstler fein. Von der ©tappen schreibt die lapidaren Worte: „Dian kopiert keinen alten Baum. Man verjüngt keine alten Menschen. Man baut kein Monument der Vergangenheü neu auf. An Stelle des Campanile würde ich ein Denkmal Sansovinos errichten." Knopff meint: „Der Campanile ist unwiderruflich „tobt." Nach einem solchen Ende „ä la b ieme acte“ darf man ihn keinem neuen Dasein aussetzen. Tann aber würde auch die neue Architektur mit den kostbaren und edlen Monumenten, die ihn umgeben, nicht harmonieren. Weder Stil noch Baumaterialien würden zu demEnsemble stimmen. Auch Italiens größter lebender Dicheer, C a r b u c c i, ist entschieden gegen den Wiederaufbau, der indeffen bereits beschloffene^ache ist. — Die Königin-Wittwe Margherita spendete 20000 Lire zum Wiederaufbau des Glockenturmes der Mattuskircoe.


