Deutsches Reich.
93erlitt, 11. Juli. Aus Odde wird gemeldet: Der Kaiser empfing heute den früheren französischen Mi- ttlsterpräsidenten Waldeck-Rousseau, der gestern abend, an Bord der „Ariane" Hier angekommen war. Wäldeck- Rousseau, der Eigentümer der 9)od)± „Ariane^" Menier und die übrige auf der Yacht befindliche französische Gesellschaft wurden zur Abendtafel auf der Yacht ,^ohenzollern" geloben.
— In London ist aus Berlin die Nachricht eingelaufen, daß Kaiser Wilhelm, falls die Gesundheit des Königs Eduard es erlaube, mit ihm auf hoher See in der Nähe der Insel Wight am 3. August auf der Rückkehr von der Nordlandsfahrt Zusammentreffen werde.
Zu der Berufung des Generals B u d d e an die Spitze des neuen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten ist nach einer hiesigen Korrespondenz ausdrücklich die Kana l- Vortag e als eine der e r st e n und wichtig st en Aufgaben seiner ministeriellen Thätigkeit bezeichnet worden.
— Die Zollkommission nahm die Positionen 586 bis 593, Geflechte und Flechtwaren aus pflanzlichen Stossen mit Ausnahme von Gesvinnstwaren nach der Vorlage au. Nur Pos. 589 Korbflechtwaren, andere Flechit- waren, grobe, roh oder gefärbt, gebeizt, gefirnißt, aus ungeschälten oder geschälten Ruthen, Rohr, Peddig oder Holz- spahn wurde auf Antrag Wallenborns von 3 auf 4 Mr. erhöht. Ebenso wurden die Pos. 594 bis 599: Besen, Bür sten, Pinsel, Siebwaren nach der Vorlage an- ■genümmen. ‘ Von dem daraus beratenen 10. Abschnitt betr. Waren aus tierischen oder pflanzlichen Schnitz- oder Former st offen werden aus Absatz a, Waren aus tierischen Schnitzstoffen, Pos. 600 bis 607 ebenfalls nach der Vorlage angenommen. Abg. Gras Kanitz erklärte, daß er einen neuen Handelsvertrag mit Oe st erreich für im höchsten Maße unwahrscheinlich halte.
— Eine von sozialdemokratischen Vertrauensleuten von Berlin und Umgegend gestern abend einberufene öffentliche Protest Versammlung, in welcher der Reichstags-Abg. Ledebour über „Die Greuelthaten des Zarismus" einen längeren Vortrag _ hielt, wurde von dem überwachenden Polizeileutnant auf Grund des Vereinsgesetzes aufgelöst. Die Versammlung war von etwa 1800 Personen beiderlei Geschlechts, darunter auch Studentinnen, besucht.
'— Eine Ges amtorganisation der deutschen Juden soll, anstatt des allseitig abgelehnten Iudentages, ins Leben gerufen werden. Der vorbereitende Ausschuß hat eine Umfrage über die Notwendigkeit einer solchen Organisation unter den jüdischen Gemeinden, wie unter den Rabbinern veranstaltet. 227 Gemeinden haben unbedingt, 7 bedingt dem Plane zugeftimmt. Doch fehlt es dem Projekte auch nicht an Gegnern. So erklärte die große Juden- gemeinde F r a n k f u r r a. M. sich entschieden gegen den Plan mit dem Bemerken: So weit politische Interessen im engeren Sinne in Betracht kommen, erachten wir eine Organisation der Juden nicht für empfehlenswert, sondern für schädlich" Von 219 Rabbinern haben sich 92, darunter die Rabbiner der größten deutschen Kultusgemeinden u. a auch Berlins für die Schaffung einer solchen Organisation ausgesprochen. Ein großer Teil der 1553 dem Deutsch- Israelitischen Gemcindebunde angeschlossenen Gemeinden hat überhaupt nnch zu der Frage keine Stellung genommen. tDer Ausschuß leitet inzwischen eine lebhafte Agitation ein, um die Gemeinden, ohne Unterschied ihrer Mitgliederzahl, chrer Bundesstaatszugehörigkeit und ihrer religiösen Richtung, zur Befürwortung des Organisationsprojektes zu bewegen.
— Durch einen von dem Bundesrat in seiner letzten Sitzung gefaßten Beschluß wird Dresden demnächst eine Reichsbank Haupt stelle erhalten. Im Königreich Sachsen gab es bisher nur in der Stadt Leipzig eine Reichsbankhauptstelle . Mit Dresden wird es fortan 18 Steugd« hankhauptstellen im Deutschen Reiche geben.
Ausland.
London, 11. Juli. Amtlicher Mitteilun g zufolge findet die Krönung zwischen dem 8. und 12. August statt. Tas genaue Datum wird demnächst bekannt gegeben. Tie Prozession des Königs nach dem Krönungstage ist aufgegeben worden. „Reuters Bureau" erfährt, es werde keine amtliche Einladung an die fremden Höfe zur Krönung ergehen.
Paris, 11. Juli. Deputiertenkammer. In der Abendsitzung bringt Aynard eine Interpellation betr. den Erlaß des Ministerpräsidenten über den Schluß der K o n g r e g a n i st e n s ch u l c n ein. Ministerpräsident Corn- bes verlangt, daß diese Interpellation erst nach Erledigung der Tagesoronung beiaien werde. Aynard erhebt dagegen Widerspruch und erklärt, die Interpellation werde, wenn sie hinausgeschoben würde, gegenstandslos werden, da sie dann vor einem fait accompli stünde. 2500 freie Schulen würden dann geschlossen sein. Redner wird während seiner .Ausführungen von der Linken heftig durch Schlagen auf die Pultdeckel unterbrochen. Er ist sehr erregt und nennt das Vorgehen der Regierung drakonisch und ein solches, wie es bei gesitteten Völkern unbekannt sei. (Lebhafte Bewegung.) Ministerpräsident Combes will sodann unter dem Beifall der Linken das Wort ergreifen, der Lärm wird jedoch so stark, daß Eombes nicht zu Wort kommen kann uni) die Rednertribüne wieder verläßt. Der Lärm im Saale wird jetzt unbeschreiblich. Präsident Guillain bedeckt sich und erklärt die Sitzung für aus geh oben. Der Tumult dauert fort und droht in Thätlich leiten auszuarten. Schließlich werden die Tribünen geräumt, nur die Deputierten bleiben noch im Saale zurück, Nach Wiederaufnahme der Sitzung um Vsll Uhr beantragt der Vorsitzende die Verhängung der Zensur über den Abg. d'Aufsray, welcher Eombes insultiert hatte. Auffray erklärt, er ziehe seine Worte zurück, halte aber aufrecht, daß der M i n i st e r p r ä s i d e n t einen verbrecherischen Alt begangen habe. Die Zensur wird beschlossen und Combes besteigt wieder die Rednertribüne. Sofort fängt die Rechte ihr Pultdeckelkonzert an. Die Reckfte protestiert gegen die Abstimmung über die Interpellation Aynard. Der Vorsitzende giebt zu, übersehen zu haben, daß ein Antrag auf namentliche Abstimmung vorlag. Scl)licßlich wird nach Mitternacht die Vertagung der Jnterpellaiion beschlossen.
Bloemfontein,11. Juli. Eine Anzahl von Suren» Offizieren und Beamten der früheren Regierung hat sich g eweigert, den Treueid, der in sehr bindenden Ausdrücken abgefaßt ist, zu leisten, wenige ober erhoben Widerspruch dagegen, eine Lillärmrg zu uvterzeichnen, in der König Eduard ouestarurt wikd.
Vancouver, 11. Juli. Hi»r sirr getroffene Postnachrichten aus Australien nNtbe«, die Eing^h openen der Salomon-Inseln beabsichtigen, wlle Weißen .auf
der Insel zu ermorden, weil ihnen verboten worden sei, auf den Zucker-Plantagen zu arbeiten. Sie hätten bereits drei Personen ermordet, den Kapitän eines Handelsschiffes, ein en Missionär und seine Frau._________________________
Ans Stadl und Land.
Gießen, den 12. Juli 1902.
— Auszeichnungen. Der Großherzog hat verliehen: dem General-Oberarzt der 15. Division Dr. Lindemann, seither Oberstabsarzt un 2. Dragoner-Regiment (Leib-Dra- goner-Regiment) Nr. 24, das Ritterkreuz 1. Klasse und dem Kasernen-Jnspector a. D. Balser, seckher bei der Garnison- Verwaltung Darmstadt, das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen.
** Auszeichnung. Dem Stationsverwalter in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschast Konrad Faust zu Ober-Ramstadt ist aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen worden.
** Personalien. Der Gerichtsschreiber bei dem Amts- gericht Wöllstein Karl Seitz ist zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Wimpfen, der Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Groß-Umstadt Adam Weimar zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Gernsheim und der Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Ortenberg Nikolaus Distel zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Wöllstein ernannt worden.
** Geheimrat Professor Oncken beabsichtigt laut Anschlag am schwarzen Brett seine Vorlesungen am Montag und Dienstag wieder aufzunehmen.
** Aenderung der Ferientage. Infolge einer Anordnung des Ministeriums des Innern (Schulabteilung) haben die Gymnasien allen Eltern ihrer Schüler die Frage vorzulegen, ob sie 1. die bisherige Ferienlage (Anfang an dem dem 15. August nächstgelegenen Sonntag, 5 Wochen, eine Woche Pfingst-, drei Wochen Osterferien), oder aber ob sie die daneben zur Wahl gestellte Ferienlage vorziehen, daß 2. die Sommerferien Anfang August beginnen (6 Wochen), Ostern zwei und Psingsten eine Woche Ferien bringen. Den Eltern ist ein entsprechendes Formular zur Ausfüllung zugegangen.
** In der Gemälde-Ausstellung im Turmhause am Brand sind zwei Gemälde, Portrait, von Helene Oncken, neu ausgestellt. Die zirka 80 ausgestellten Gemälde bleiben nur noch acht Tage, einschließlich zweier Sonntage, ausgestellt.
* • Das Promenaden-Konzert fällt morgen aus.
* * Die Kapelle des 2. Garde-Dragoner-Regiments wird, wie aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, am Dienstag den 15. d. Mts. in Steins Garten zwei Konzerte geben. Ueber die Leistmigen dieser Kapelle schreibt die „Saarb. Ztg." u. a.:
„Was die Kapelle bot, war so sorgsältig einstudiert, so ktang- schön zum Vortrag gebracht, daß die Zuhörer nach jeder Nummer des Programms der Musik mit lebhaftem Beifall kaufte. Wir wollen besonders ein Solo des Herrn Peschke hervorheben, das die seltene Begabung des beliebten Kapellmeisters im schönsten Lichte 1 zeigte. Wie Gesang erklangen die weichen, glockenreine Töne der Trompete, die Begleitung des Liedes war übrigens geradezu musterhaft dezent und sich der führenden Stimme anschmiegend."
* * Der Zirkus Walles beabsichtigt am Mittwoch hier in Oswalds Garten eine Anzahl von Vorstellungen zu eröffnen. Er verweilte bisher in Frankfurt und hat sich dort, nach uns vorliegenden Preßstimmen, in hohem Maße die Gunst des Publikums zu erringen gewußt. Gerühmt werden eine Pferde-, Esel-, Hunde- und Ochsendreffuren.
!? Besitzwechsel. Die Hofraite des Oberpostassistenten Karl Sehrt, Liebigstraße 57, wurde von der Firma Katzenstein u. Seipp, für 56 000 Mk. erworben.
!? Bahnhofs-Umbau. Die jetzt bereits crufge- schlagenen eisernen Hallen auf dem Ober hessischen Bahnhof lassen erkennen, daß, wenn die Ueberdachung der Bahnsteige erst fertiggestellt sind, diese ganze Anlage überaus praktisch und vornehm ausschauen wird.
!? Der Vetzberg, Die Schwesterburg unseres Gleibergs befindet sich in reckst trauriger Verfassung. Nicht nur daß die wenigen Reste der Ruine, welche unsere Landschaft in Verbindung mit Der Ruine der Burg Gleiberg malerisch beleben, dem gänzlichen Verfall preisgegeben sind, sondern es führt auch kein passierbarer Weg bis zum Gipfel des Berges,' von wo sich dem staunenden Wanderer ein herrlicher Rundblick darbietet. Es wird uns mitgeteilt, daß von einflußreicher Stelle hier Wandel geschaffen werden soll und daß wegen der Zugänglichmachung Dieses wundervollen Aussichtspunktes in Bälde die nötigen Schritte unternommen werden.
* * Hütten an der Hardt. Wie uns heute mit- geteilt wird, hat derBerschönerungsvereinin seiner letzten Sitzung beschlossen, am Rande der Hardt eine Schutzhütte zu errichten, und zwar rechts, seitwärts des zum Gleiberg führenden Weges, gegenüber dem Bichlerschen Gnts- hofe. Die Stelle war bereits seither durch Aufstellung einer Ruhebank als Aussichtspunkt gewürdigt, und gern hemmt der Wanderer den Schritt, versunken in den Anblick des lieblichen Landschaftsbildes. Die Mittel für den Bau sind zum großen Teck durch Spenden Hochherziber NaturfreunDe aufgebracht; die Arbeiten werden unverzüglich in Angriff genommen, sodaß die Vollendung schon Anfang August erwartet werden darf. Die geräumige Doppelhalle, in gefälliger Form in Fachwerk aus Gälischen Verblendern aufgeführt, wird mit ausreichenden Sitzplätzen versehen. Die Gelegenheit, in dem geschützten Staunte nach dem steilen Aufstieg kurze Rast bei behaglicher Umschau zu halten, ist sicher nicht allein zahlreichen Besuchern unseres Gleibergs willkommen, auch Die mehr der Bequemlichkeit huldigenden Spaziergänger dürften jetzt häufiger ihre Schritte nach diesem Punkte lenken, da die gastliche Hardtterrasse zu seiner nächsten Nachbarschaft zählt. Angesichts dieses neuen Beweises ersprießlicher Thätigkeit können wir unseren gestrigen Wunsch nur wiederholen, es möchten recht viele unserer Mitbürger die gernemnurigen Bestrebungen des Verschöne- rttngsvereins durch chren Beitritt dauernd unterstützen. — Gleichzeitig erfahren wir, daß der Verein Hundes Port für den anzulegenden Sportplatz auf Terrors Terrasse, über den wir bereite beric^eten, aus hellgelben Berblendsteinen ganz nach dem Modell in zoologischen Gärten ein Raub- zeughaus hat Herrichten lassen und Darin bereits fün Füchse und zwei Dachse untergebracht hat. Für Tierfreunde bietet sich dadurch Gelegenheit, den schlauen Meister Reinecke ungsstört zu beobacksten.
* * Patentamtlicher. Dem Zahnarzt Schwalm hier wurde unter Nr. 138 594 ein Deutsches Reichs-Patent erteil unter der Bezeichnung , Zahnärztliche Bohrmaschine." Die
Maschine ist dadurch gekennzeichnet, daß sämtliche zur Be- arbeckung erforderliche Werkzeuge, wie Bohr-, Fräse-, Schleif-, Polier- und Reinigungsvorrichtungen auf concentrisch zu einer gemeinsamen ideellen Achse gelagerten Wellen derart angebracht sind, daß die Werkzeuge ohne Veränderung der Lage und Spannung der Triebschnur einzeln d. h. unabhängig von einander oder mrch gleichzeitig von der hohen Antriebswelle aus m Thätigkeit gesetzt werden können. (Mitgeteilt vom Patentbureau Jack, Leipzig.)
** Die Enteignung des Geländes für die Klinik» bauten. Unserem gestrigen Artikel über das vorstehende Thema Ügen wir auf Wunsch des Rechtsanwalts Grünewald noch hinzu, daß dieser hinsichtlich des von ihm empfohlenen Geländes nicht von „Klinikbauten in Tannenwäldern" gesprochen hat, sondern nur hervorgehoben hat, daß das Terrain gegen Nordoslen durch Hügel, Stadt und Gärten geschützt sei."
x Heuchelheim, 11. Juli. Wer heute in Heuchelheim war, staunte über die kolossale Vorbereitung zur Kirchweih. Außer bei den Metzgern wurden in jeder Wirt- chaft 1 bis 2 Schweine und 1 Rind geschlachtet, ferner wurden Berge von Kuchen gebacken. In den Gartenwirt- chaften sind überall Tische aufgestellt und große Zelte errichtet worden; zum Teck ist auch elektrische Beleuchtung eingerichtet worden.
§ Butzbach, 11. Juli. Der infolge eines WortstreiteS gestern abend von seinem Gegner mittels Taschenmessers ebensgefährlich verletzte Soldat von hiesiger Leibkompagnie wurde in das Johanniterspital verbracht, während der Thäter, ein Elsässer, in Untersuchungsarrest sich befindet.
Bad Nauheim, 11. Juli. Immer wieder wird von Fremden darüber geklagt, daß hier den Katholiken nur ein kleines ärmliches Gotteshaus zur Verfügung steht, doch soll noch in diesem Jahr mit dem Bau einer neuen Kirche begonnen werden. Vermögenden katholischen Kurgästen ist hier Gelegenheit geboten, ein Scherflein dazu beizutragen. Augenblicklich sind viele katholische Priester hier, sodaß jeden Morgen von 5% bis 8 Uhr ununterbrochen Messen gelesen werden. Jeden Dienstag Abend ist gemüthliche Zusammenkunft katholischer Kurgäste, die jedoch nicht zahlreich besucht wird.
*) Ober-Bessingen, 10. Juli. Nachdem die 5te* gierung eine bedeutende Summe bewilligt hatte, finden noch weitere Bohrversuche nach Quellen für die geplante Wasserleitung statt. — In dem benachbarten Ettingshausen hat man bereits definitive Beschlüsse über die dort ebenfalls geplante Wasserleitung gefaßt. Als Quellen hat man die außerordentlich wasserreichen Wiesen bei der Sommersmühle bei Queckborn gewählt. Noch im Laufe dieses Jahres soll mit den Arbeiten der Leitung begonnen werden.
8ck. Darmstadt, 11. Juli. Se. Königl. Hoheit der Großherzog übernachtet heute im Refidenzschloß und wird am Samstag nach Schluß der Audienzen und Vorträge wieder nach Wolfs garten zurückkehren.
Offenbach, 11. Juli. Gelegentlich der letztens Millionen-Anleihe hatten sich die Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft gegen die Befreiung Offenbachs von der Einreichung eines Prospekts ausgesprochen und zwar wegen der angeblich zu hohen Beschuldung der Stadt, in der auf den Kopf 450 Mark Schulden kämen. Oberbürgermeister Brink erklärte nun in der gestrigen Stadtverordneten- Versammlung, er habe es für seine Aufgabe gehalten, festzustellen, wie die Aeltesten zu dieser falschen Ansicht gekommen seien. Die Antwort lautete dahin, daß irrtümlicherweise die Einwohnerzahl Offenbachs mit 40 000 statt circa 53 000 angenommen worden fei; bei der letzteren Zahl würden also nur 340 Mk. auf den Kopf kommen. Der Oberbürgermeister hat darauf geantwortet, daß nach hiesigen Be- red/nungen ca. 350 Mk. für den Kopf angenommen werden, und zugleich angefragt, was die Aeltesten zu thun gedächten, um den durch den Jrrthum etwa angerichteten Nachteck wieder gut zu machen. Daraufhin schreiben jene nunmehr, daß sie beabsichtigen, den richtigen Sachverhalt den Zeitungen zu übergeben und ihn auch in ihrer Korrespondenz zu veröffentlichen, sowie dem Minister davon Mitteilung zu machen. — Weiterhin wurden in der Stadtv.-Versammlung zur: Beschäftigung von Arbeitslosen weitere 5000 Mk. bewilligt; trotz der günstigen Jahreszeit haben sich nämlich die Arbeitslosen hier nicht vermindert, sondern es ist deren Zahl von 65 im vorigen Monat auf 70 in diesem Monat gestiegen.
Bon am es, 11. Juli. Wie wir gestern bereits tele- graphisch meldeten, ist auf der Liegenschaft des Kaufmanns Heß ein Brand ausgebrochen, der infolge des herrschenden starken Südwestwindes eine gefahrdrohende Ausdehnung annahm. Den vereinten Anstrengungen der Feuerwehren von Bonames und aus der ganzen Umgegend gelang es aber, den Brand zu lokalisieren, sodaß gegen 11 Uhr vormittags die Gefahr als beseitigt angesehen werden konnte, wenn auch das Feuer noch nicht völlig gelöscht war. Total eingeäschert sind zwei Scheuern und einige Stallgebäude, dagegen ist es den Feuerwehren, die mit sechs Spritzen arbeiteten, gelungen, die benachbarten Wohngebäude zu halten. Personen sind bei dem Brande nicht zu Schaden gekommen; auch über Viehverluste ist nichts bekannt geworden. Die abgebrannten Gebäude sind zum Teil bei der Frankfurter „Providentia" versichert. Der Brandschaden dürfte recht beträchtlich fein.
Wetzlar, 11. Juni. Auf dem Tierschaufeft der Lokalabteilung Wetzlar erhielten für hervorragende Züchtungen u. a. Preise: Gemeinde Wißmar einen 2. Staatspreis (100 Mk.), Georg Bepler-Kinzenbach einen Preis von 20 Mk., Wilh. Mohr, Karl Schäfer, Schulth. Petry, Wilh. Althee, Wilh. Rühl und Karl Stroh-Reiskirchen je einen Preis von 10 Mk., Phil. Debus, K. Schiefer- stein, Heinrich Pf aff -Launsbach einen Preis von je 6 Mk., Johann Müller-Dutenhofen einen Preis von 10 Mk. — Nach Ansicht der Preisrichter hat die Zucht des Vogelsberger Rindes im Kreise Wetzlar wesentliche Fortschritte gemacht.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Im kommenden Jahr findet der 15. Deutsche Feuerwehrtag in Mainz statt. Mit dem Feuerwehrtag wird eine Ausstellung von Feuerwehrgerätschaften verbunden werden. — Das kleine Kind, welches in Albig bei Alzey von einem Kindermädchen mit Schwefelsäure vergiftet worden ist, ist an den erlittenen Brandwunden verschieden. DaS Kindermädchen, welches verhaftet worden war, ist wieder auf freien Fuß gefetzt worden, woraus heroorgeht, daß das


