Ausgabe 
12.7.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 161 Erstes Blatt. 152. Jahrgang

Samstag 12. Juli LAOS

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Giehener Zamllien- dlätter viermal in der Woche beigelegt

Rotationsdruck u. Ver­lag bi B r ü h l'sche Untoerl. Buch-u.Stei. biucter (Pietsch Erben) (Keöah i Expedrtio.. un. Druckerei:

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Siehener Anzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bezugspreis: monatlich7bPs., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2. viertel jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf* auswärts 20 Psg.

Verantwortlich: für den polit u. allgem. Teil: P. Wittko: für »Stadt und 2anb* und Gerichtssaal": Curt Plato; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Erster Pferde- und Fohlenmarkt zu Alsfeld.

Am Montag, 28. Juli 1902 findet zu Alsfeld zum ersten Male der neu gegründete Pferde- und Fohlenmarkt statt. Der Landespferdezuchtverein veranstaltet hierbei in Ge­meinschaft mit der Großh. Bürgermeisterei der Stadt Alsfeld und dem landwirtschaftlichen Bezirksoerein Alsfeld eine Prä- miiruug von Pferden und Fohlen der Wagen- und Arbeitsschläge im Besitz hessischer und auswärtiger Pferdezüchter, sowie von Händlerpferden. Zur Prämiirung stehen im Ganzen ca. 1000 Mark zur Verfügung. Die Prämiirung beginnt vormittags 8 Uhr auf dem Lindenplatz zu Alsfeld'.

Prämiirungs-Plau.

A. Prämien für Stuten und Fohlen beider Schläge,

gegeben von der Stadt Alsfeld, dem landwirtschaftlichen Ver­ein für die Provinz Oberhessen, den: landwirtschaftlichen Be­zirksverein Alsfeld, dem Landespferdezuchtverein und von Freunden der Pferdezucht.

1. Mutterstuten mit Fohlen

a. Wagenschläge 3 Preise: 30, 25, 25 Mk.

b. Arbeitsschläge 3 30, 25, 25

2. Dreijährige (1899 geb.) Hengst- Stut- und Wallach­

fohlen

a. Wagenschläge 3 Preise: 25, 20, 20 Mk.

b. Arbeitsschläge 3 , 25, 20, 20 ,

3. Zweijährige (1900 geb.) Hengst-, Stut- und Wallach­

fohlen

a. Wagenschläge 3 Preise:

b. Arbeitsschläge 3 ,

4. Jährlinge (1901 geb.)

a. Wagenschläge 3 Preise:

b. Arbeitsschläge 3 ,

6. Saugfohlen

a. Wagenschläge 5

b. Arbeitsschläge 5 ,

zusammen 650

25, 20, 15 Mk.

25, 20, 15

20, 20, 15 ,

20, 20, 15 ,

15, 15, 15, 10, 10 Mk.

15, 15, 15, 10, 10

Mk,

B Prämien sür Pferde von Händlern, ca. 200 M ark.

Sämtliche Preise sind übertragbar. Es können nur fehlerfreie Tiere prämiiert werden. Kreuzungs-Produkte sind von jeder Prämie ausgeschlossen. Jinportirte Fohlen rangieren bei den Fohlen ihrer Altersklassen. Deck-, Geburts, bezw. Körscheine sind vorzulegen,

Anmeldungen (auf Postkarten) für Stuten und Fohlen find mit Angabe von Alter, Farbe, Geschlecht, Abstammung, ob selbst gezogen, importiert oder gekauft, bis 20. Juli an Herrn Georg Kurtz jr. 1. Beigeordneter, in Alsfeld zu richten, desgleichen auch die Anmeldungen für Händlerpferde (siehe Anmerkung).

Zum Besuche dieses am 28. Juli zum ersten Male in Alsfeld stattfindenden Pferde- und Fohleumarktes wird freundlichst eingeladen, insbesondere werden alle Pferdezüchter, -Käufer- und -Verkäufer gebeten, den Markt mit Pferden und Fohle« zahlreich zu beschicken und zu besuchen.

Darmstadt und Alsfeld, den 25. Juni 1903.

Großh. Bürgermeisterei Alsfeld,

Arnold.

Der Vorstand des Landespferdezuchtsvereius, v. Westerweller. Naegels.

Anmerkung: Diejenigen Pferdezüchter im Großher- -zogtum, welche Stuten und Fohlen per Bahn zum Pferde­markt nach Alsfeld verbringen wollen, werden ersucht, die vorgeschriebenen Anmeldungen direkt an die Geschäftsstelle des Landes-Pferdezuchtoereins, Darmstadt, Neckarstraße 10, zu richten mit genauer Angabe, auf welcher Bahnstation die Ver­ladung stattfindet. Die Herren Besitzer solcher Tiere erhalten alsdann von der Geschäftsstelle in Darmstadt Frachtermäßi- gungsscheine zugestellt.

Gießen, den 8. Juli 1902. Betr.: Gebühren bei Invalidenrente.

Das Groscher;ogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des «Kreises.

Wie uns soeben mitgeteilt wird, ist es in jüngster Zeit vorgekommen, daß eine Bürgermeisterei für die Beglaubigung von Unterschriften auf den Quittungen der Invaliden- usw. Renten eine Gebühr von 20 Pfg. erhoben hat.

Ein solches Verfahren ist unstatthaft und gesetzlich un­zulässig.

Gemäß § 171 des J.-V.-G. find alle zur Abwickelung von Jnvaltdenversicherungs-Angelegenheiten dienenden Ver­handlungen, Urkunden und insbesondere auch amtliche Be­scheinigungen gebühren- und stempelfrei, und wollen Sie ins­künftig solches strengstens im Auge behalten.

I. V.: Dr. Wagner.

Bekanntmachung.

Heute vormittag wurde in der Nähe von Heuchelheim ein roth- und weiß geschecktes Rind mit weißer Stirne herrenlos angetroffen.

Eigentumsansprüche sind innerhalb 3 Tagen bei uns gellend zu machen.

Gießen, 11. Juli 1902.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. ________________ Hechler.___________________

Der Schluß des hessischen Landtages.

^.Schluß aus Blatt 2.)

Der von Sr. Exz. dem Staatsminister Dr. R o t h e be­kannt gegebene Landtags-Abschied hat folgenden Wortlaut:

Ernst Ludwig von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen und bei Rhein rc. rc. Auf Grund der Vorträge, welche Uns über das Ergebnis der Verhandlungen des durch Unser Edttt vom 9. Dezember 1899 einberusenen Landtages er­stattet worden sind, erteilen Wir Unsere Landesherrlichen Entschließungen auf die von beiden Kammern der Stände gefaßten Beschlüsse wie folgt:

A. Beschlüsse der Kammern über die den­selben zugegangenen Regierungsvorlagen.

§ 1 und 2. Gesetzentwürfe. (Diese werden der Reihe nach! namhaft gemacht.) Es hat Uns zur besonderen Be­friedigung gereicht, daß bezüglich der genannten Gesetz­entwürfe übereinstimmende Beschlüsse gefaßt worden send, auf Grund welcher der demnächstige Erlaß der betroffen- den Gesetze in Aussicht genommen werden kann. § 3. Be­treffend : 1) Nachtragsforderungen zu dem auf das Jahr 1900/01 erstreckten Hauptvoranschlag der Staats-Einnahmen und -Ausgaben in den Jahren 1897/98 bis 1899/1900; 2) Hauptvoranschlag der Staats-Einnahmen und -Ausgaben im Etatsjahre 1901/02; 3) Hauptvoranschlag der Staats­im Etatsjahre 1901/02; 3) Hauptvoranschlag der Staats-Ein­nahmen und -Ausgaben im Etatsjahre 1902/03. Die ge­dachten Nachtragsforderungen und Hauptvoranschläge haben in der Fassung, in welcher aus den ständischen Beratungen hervorgegangen sind, nebst den nachträglich erfolgten Be- wililgungen einzelner Posten Unsere Genehmigung gefunden. Zugleich haben Wir die zugehörigen Finanzgesetze in der Gestalt, welche dieselben in den ständischen Verhandlungen erhalten haben, vollzogen und verkünden lassen. § 4. Betreffend: Nachweisungen über die Einnahmen und Aus­gaben an Domanial- und Staatsvermügen und über die Verwendung staatlicher Gelder in der Finanz-Periode 1894/97, die Ergebnisse der Verwaltung des Fonds zur Ergänzung des Familieneigentums des Großherzoglichen Hauses in der Finanzperiode 1894/97, sowie die summarische Uebersicht über die Einnahmen unfb Ausgaben der Landeskreditkasse in der Finanzperiode 1894/97. Es war Uns angenehm, daß die gedachten Nachweisungen und Verwaltungsergebnisse von Unseren getreuen Ständen als gerechtfertigt anerkannt wor­den sind. § 5 und 6. Vorlagen. (Auch diese werden einzeln aufgezähll.) Wegen Verwendung der von Unseren getreuen Ständen für gedachte Zwecke bewilligten Mittel wird, soweit dies nicht bereits geschehen, das Erforderliche angeordnet werden. B. AnträgeundWünscheder Kamm er. § 7. Die Aenderung des Gesetzes über die, landständische Geschäftsordnung vom 17. Juni 1874 betr. Wir haben den Gesetzentwurf vollzogen und im Regierungs­blatt veröffentlichen lassen. § 8. Die Erleichterung und Einquartierungslast sür die um Mainz liegenden Ortschaften durch Erbauung von Baracken und die Vergütung der zur Verpflegung der Mannschaften erforderlichen Zuschüsse aus der Reichstasse betreffend. Die gewünschten Verhandlungen mit der Neichsregierung werden fortgesetzt werden. § 9. Ermittelungen, die Ausführbarkeit einer obligatorischen, staatlichen Mobiliarversicherung betteffend. Zufolge des ge­stellten Ersuchens werden Erhebungen veranlaßt werden, nach deren Abschluß Wir das Geeignete werden verfügen lassen. § 10. Die Ausbildung und Anstellung der israelü- tischen Religionslehrer betreffend. Die Regelung dieser Ma­terie werden Wir in Erwägung ziehen lassen. § 11. Die Errichtung eines Amtsgerichts mit dem Sitze in Lampert­heim betressend. Das von Unseren getreuen Ständen hier­über gestellte Ersuchen werden Wir bei Aufstellung des nächsten Staatsbudgets in Erwägung ziehen lassen. § 12. Die Vergütung der Steuerkommissariatsgehilfen bett. Den Anträgen Unserer getreuen Stände ist bereits Rech­nung getragen worden. § 13. Die Verwendung des Er­löses aus dem Verkauf der Wormser Schiffbrücke zur Be­schaffung von Trajektverbindungen in Gernsheim und Oppenheim betreffend. Der Erlös ist unter den Asservaten der Hauptstaatskasse in Einnahme gestellt. Wir werden die von Unseren getreuen Ständen geäußerten Wünsche in Erwägung ziehen lassen. § 14. Die 'Aushebung desBrücken- geldes im Großherzogtum betreffend. Zufolge des ge­stellten Ersuchens sind mit den Beteiligten die erforderlichen Verhandlungen eingeleitet worden, die jedoch zu Unserem Bedauern an der ablehnenden Stellungnahme der Betei­ligten gescheitert sind. § 15. Die Arbeiterverhältnisse in den Staatsbetrieben bettessend. Zufolge des gestellten Er­suchens sind Erhebungen veranlaßt worden, nach, deren Ab­schluß Wir das Geeignete verfügen lassen werden. C. In Betreff derjenigen Gegenstände, hinsichtlich welcher Wir Unsere Entschließungen auf die im verfassungsmäßigen Wege Uns vorgelegten oder noch an Uns gelangenden Be­schlüsse der beiden Kammern in dem gegenwärtigen Land- lagsabschied noch nicht verkünden können, bemerken Wir un Allgemeinen, daß Wir gedachte Beschlüsse in reifliche Er­wägung ziehen und daraus nach Befund das Geeignete ver­fügen werden. Indem Wir hiermtt die gegenwärtige Stäude- versammlung schließen, bleiben Wir Unseren Lieben und Getteuen, den Ständen des Großherzogtums, mit Landes- sürstlicher Huld und Gnade stets wohlgewogen.

Gegeben Darmstadt, den 11. Juli 1902.

(L. L) (gez.) Ernst Ludwig.

(gegengez.) Roche.

lieber das Festmahl meldet unser.-Korrespondent noch folgendes:

In der Mitte der Tafel saß S. K. H. der Großherzog, zu seiner Rechten hatten Platz genommen: Graf von Schlitz, Fürst au Solms-Lich, Graf Solms-Rödelheim, Erbgraf Erbach-Sckön- oerg, Staatsminister a. D. Finger, Geh. Rai Emmerling, Geh. Kom.-Rat Lauteren, Ministerialrat Frhr. v. Biegeleben, die Land- tags-Aba. Dr. Gutfleisch, Euler, Korell, Schlenger, Ministerialrat Dr. Becker, die Landtags-Abgg. Dr. Frenay, Brauer, Koch, Horn, Weidner.

Zur Linken des Großherzogs folgten: Graf zu Erbacb» Fürstenau, Graf zu Erbach-Erbach, Erbprinz zu Leiningen, Ero- marschall Frhr. v. Riedesel zu Eisenbach, Geh. Staatsrat v. Krug, Geh. Kom.-Rat Frhr. v. Heyl, Ministerialrat Dr. Braun, Geh. Justizrat Prof. Dr. Schmidt, die Landtags-Abgg. Backes, Molthan, Pennrich, Geh. Ober-Juslizrat Lohrbacher, die Landtags-Abgg. Bähr, Diehl, Seelinger, Köhler-Langsdorf, Joutz, Frhr. v. Werner.

Dem Großherzog gegenüber saß Staatsminister Dr. Rothe. Zur Rechten schlossen sich an die Herren: Präsident Haas, Justizminister Dr. Tittmar, Oberstallmeister Freiherr Riedesel z. E., Geh. Rat Professor Dr. Kitller, Minist. Rat Puckel, Geh. Kommerzienrat Michel, Minist. Rat Dr. Breidert, Freiherr Alb. Riedesel, Landtagsabg. Schönfeld, Landtagsabg. Erck, Land- tagabg. Weich, Landtagsabg. Schill, Hofjägermeister Frhr. v.d. Hopp, Laiidtagsabg. v. Brentano, Landtagsabg. Schmalbach, Landtagsabg. Lang, Landtagsabg. Ripper.

Zur Linken des Staatsministers Dr. Rothe saßen: 2. Präsident Schmitt, Finanzminister Dr. Gimuth, Wirkt. Geh. Rat von Knorr, Generalmajor von Herff, 3. Präsiderit Reinhart, Minist. Rat Mil­brand, Geh. Kommerzienrat Buderus, Minist. Rat Ewald, Land» tagsabg. Graf Oriola, SÖHnift Rat Dr. Best, die Landtagsabgeord­neten Jockel, Leun, Ohl, Kammerherr Frhr. von Rotsmann, Landtagsabg. Breimer, Geh. Kabinettsrat Römheld, Kammerherr Frhr. v. Schenk, Ministerialsekretär Weber.

An den Enden der Tafel saßen einerseits Oberkammerherr Fl.-Adj. Rittmeister Kränrer und Hoffunker Frhr. E. v. Heul, atidererseits Kammerherr Frhr. v. Bellersheim, Kammerherr Frhr. o. Leonhardt und Ord.-Osffzier Lt. v. Hundelshausen.

Es f e h l t e n die Abgg. der Zweiten Kammer der Stände: Berthold, Cramer, Dr. David, Guntrum, Haas-Mamz, Heidenreich, Köhler-Darmstadt, Möllinger, Morneweg, Noack, Pitthan, Rau, Schöliberger, Ulrich, Wolf und Zinser.

Bei der Tafel tranf S. K. H. der Großherzog auf das WoHl des Hessenlandes und seiner getreuen Stände. Graf Görz zu Schlitz brachte ein Hoch auf S. K. H. den Großherzog aus. Präsident Haas toastete auf das Wobl des Großherzoglichen Hauses und dessen Angehörige.

Das Menu bestand aus Spargel-Suppe, Forellen, Kalbs­rucken, Wildschweinskopf, Champagner-Punsch, Welschbraten und Salat, Arüschokenböden, Savarin mit Erdbeer-Eis, Käsestangen. Hierzu wurden serviert: Sherry, weißer und roter Tischwein, Bier (Münchener Spateiibräu), Sekt L. Röderer, Chateau Maraeaur, Rüdesheimer Berg Ausl. 1886, Tokayer, Portwein. Die Tafel­musik wurde von der Kapelle des 1. Inf.- (Leibgarde-) Regts. Nr. 115 unter Musikdirektor Hilge gestellt. Programm: Friedensmarsch aus Rienzi", Ouvertüre zuPhädra" von Massenet, Phantasie aus Bajazzo von Leoncavallo,Blumengeflüster" von F.v. Blon, »Trau, Schau, Wem", Walzer von I. Strauß,Komarinskaja", Phantasie voii At. o. Glinka, Phantasie ausSiegfried",Valse chromatiqae von Otto Kockert. An das Diner schloß sich noch ein gemütliches Zusammensein in den sog. Kaiserzimmern. S. K. Hoheit unterhielt sich mit seinen Gästen in leutseligster Weise.

Volitijche Tagesschau.

Zum bayerischen Univerfitätskonflikt meldet heute ein Münchener Telegramm, daß der Kultus­minister v. Landmann infolge von Differenzen, die in dem Ministerrat vom letzten Sumstag sich er­gaben, am Montag seine Demission eingereicht habe. Ihm wurdeaus Gesundheitsrücksichten" ein längerer Urlaub bewilligt und StaaMrat v. Schraut mtt der Führung der Geschäfte des Kultusministeriums betraut.

Die Vermutung liegt nicht allzu fern, daß diese Beur­laubung des Kultusministers der Vorläufer zum Rücktritt aus seiner Ministerstellung sein werde. Staatsrat v. Schraut, der während der Beurlaubitng des Ministers mit der Füh­rung der Ministerialgeschäste beauftragt wurde, ist vor wenigen Tagen zum Regierungspräsidenten von Oberbayern ernannt worden ,an Stelle des Präsidenten v. Auer, der nach Vollendung des 70. Lebensjahres mit dem 1. August aus seinem Amte ausscheidet. Dr. v. Landmann ist 1845 als Sohn eines Försters geboren. Gymnasium uub Uni­versität besuchte er in München mit solch emsigem Fleiße, daß er schon mit 17 Jahren das Abiturientenexamen und mit 24 die letzte juristische Prüfung imd zwar mit der ersten Note bestehen konnte. Herr v. Landmann trat zur Verwal­tung über, war aber auch Jahre lang in der Anwaltschaft, als Handelskammersekretär und als volkswirtschaftlicher Re­dakteur derAllg. Ztg." thätig und machte Reisen durch ganz Europa. Während seines langen Aufenthaltes in Ber­lin, wo er stellvertretender Bundesratsbeoollmächtigter war, hat v. Landmann mit großem Fleiße an vielen juristisch- vollswirtschaftlichen Fragen ntitgewirkt. Die Ernennung zum Minister, die 1895 nach dem vorzeitigen Tode des erst 49jährigen Kultusministers v. Müller erfolgte, war als die Beförderung eines tüchtigen Juristen und fleißigen Verwaltungsbeamten aufzufassen. Man erwartete, daß v. Landmann sich ebenso geschickt in das Untcrrichtswesen einarbetten werde wie seiner Zeit in die Volkswirtschaft. Daß ihm dies trotz seines Fleißes nicht gelungen ist, zeigt neben anderem die große Mißstimmung in Vollsschullehrer- und Professoren kreis en.

Herr v. Landmann soll kürzlich einen Weinkrampf ge* habt haben und ist thatsächlich körperlich derart angegriffen, daß sein Gesundheitszustand ihm die Erledigung des Kultus-- etats nicht mehr gestattet; selbst die Freunde Larrdmanns gestehen zu, daß er sich feine Stellung unnötig erschwerte. Jedenfalls hat das Gesamtministerium, das mit seiner Auto­rität den Kullusminister während der ungeschickten Be­handlung des Schuldotationsgesetzes deckte, sich nicht ebenso für die ungeschickten letzten Redewendungen Landmanns in oie Bresche gestellt.