New-Dork, 11. Febr. Eine Berliner Meldung besagt, daß der Besuch des Prinzen Heinrich nicht verschoben werde, weswegen heute der Stadtrat die endgiltigen Arrangements traf. Ter Erzbischof Corrigan gewährte den Katholiken, die am Preßbankett zu Ehren des Prinzen Teil nehmen wollen, speziellen Fasten-Dispens.
** Vortragsabend. Wir wollen nicht verfehlen, nochmals auf den Vortrag aufmerksam zu machen, den der allen Gießenern wohlbekannte Herr Jens Lützen, Dozent an der Humboldt-Akademie in Berlin in Steins Saalbau heute Abend im kaufmännischen Verein und im Ortsgewerbe-Verein über „Malerische Wanderungen an den deutschen Wasserstraßen mit Berücksichtigung der Kanäle" hält.
** Auszeichnungen. Der Großherzog hat dem Ortsgerichtsvorsteher und Standesbeamten Stumpf zu Kirch-Brombach das Silberne Kreuz des Verdienstordens Phillipps des Großmütigen und dem Ortsgerichtsmann Scior I. in Rai- Breitenbach das Allg. Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" verliehen.
-x Oberhessischer Geschichtsverein. In der Versammlung der Pereinsmitglieder am Donnerstag wird Dr.Wilh.M. Becker einen Vortrag über Gießener Studententum in der Frühzeit der Universität (17. Jahrhundert) halten. Gäste srnd, wie uns mitgeteilt wird, willkommen und werden sich vermutlich in größerer Zahl einfinden, auch aus studentischen Kreisen. Der Redner hat sich mit der älteren Geschichte der Landcsuniversität durch langes, eindringliches Studium bekannt gemacht.
Gerichtsjaal.
e. Gießen, 12. Febr. Gewerbegericht. Den Vorsitz führch in Verhinderung des Beigeordneten Wolff Stadtverordneter Keller. — Der Taglöhner Wilhelm Schmidt von hier verlangt von dem Unternehmer Heinrich Herzbcrger von hier Mk. 10,10 Restlohn. Nach kurzer Verhandlung einigen sich die Parteien dahin, daß Beklagter dem Kläger zur Abfindung Mk. 6 zahlt.
Aus Stadt und Saud.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindtichen Original-Nachrichten rst nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestaltet)
Gießen, 12. Februar 1902.
. — Die „Post" dementiert die Blättermeldung von einer bevorstehenden Zusammenkunft der leitenden Staats- minifter der Dreibundstaaten in Venedig zur Besprechung der Erneuerung des Dreibundes und des Abschlusses neuer Handelsverträge.
zu Budget-Kommission des Reichstags (vgl. Parlamentsausgabe) strich bei Titel 167, Herstellung von Unterbrrngungsräumen für das neu hinzutretende Fuß- Artillerie-Material nebst Munition, von 150 000 Mk. 24 000 Mark. Die Beratung ging alsdann über zu dem Festunqs- Baufonds, wo diesmal 19 728000 Mk. gefordert werden. Berichterstatter Dr. Bachem beantragt, nur 13 715 000 Mk zu bewilligen. Die gesamten Pläne der bestehenden Festungs- Grwerterungsbauten wurden eingehend im Zusammenhang erörtert, doch waren die Verhandlungen darüber streng vertraulich. ' ö
— .Einem Berichterstatter zufolge werde dem Reich s- tage in absehbarer 3eit eine Regierungsvorlage, betreffend die Regelung der Frage der kau s män n i s ch e n Schiedsgerichte, zugehen.
— Die evangelisch-lutherische Vereinigung des Herzoq- tumv Braunschweig forderte auf der letzten Generalversammlung die Bestrafung der Duellanten re- mit Gefängnis- bczw. Zuchthausstrafe.
** Jagdverpachtungen. Die Gemeindejagd inAllenodrf a. d. Lahn wurde an den seitherigen Pächter, Fabrikanten Georg Thromm für 340 Mk. (gegen 200 Mk. hisher) jährlich verpachtet. — Die Gemeindejagd in Göbelnrod wurde dum $ueb'e von jährlich 700 Mk. an einen Frankfurter Jagd- liebhaber verpachtet. Der seitherige Preis betrug 268 Mk.
** Feuerversicherungs-Verband evange- liI ch er Geistlicher in Hessen. Am 6. sand in Frankfurt a. M. eine Generalversammlung des Feuerversicherungs-Verbandes evangelischer Geistlicher in Hessen statt. Sie war von 46 Geistlichen besucht. Den Vorsitz nhrte der dazu durch Akklamation berufene Kirchenrat Kalb Henn von Burggräfenrode. Schriftführer waren die Pfarrer Naumann von Nauheim und Schwabe von Rodaen. "Nachdem durch einen einleitenden Beschluß unter allgemeiner Zustimmung beschlossen worden war, die seitherigen Verhältnisse des Verbandes, zumal die seither gepflogenen Verhandlungen von Vorstand und Verwaltungsrat erst an letzter stelle der Tagesordnung zu beraten, und weil nach Schluß der anderen Verhandlungen iiach allgemeinem Wunsch aus jene Frage nicht mehr zurückgekommen wurde, war der eigentliche Inhalt der Verhandlungen die Revi- dierung der Statuten, die umso nötiger war, weil der Verein ein eingetragener Verein werden will. Eine Kommission hatte in ihrer Majorität (Pfr. Hermann von Ensheim, Weimar von Nieder-Ramstadt, Frey von Sprendlingen) einen Entwurf vorgelegt, dem ein Gegenentwurs eines Mitglieds (Pfarrer Dr. Naumann-Gießen) gegenüberstand. Die wesentlicheii Tifsereuzen der Entwürfe bezogen sich auf die Zusammensetzung des Vorstandes, die Ernennung eines be- sonderen Rechners und die Vermögensverwendung bei event. Auflösung des Verbandes. Nach längerer Diskussion und mehrfachen Beschlußfassungen vereinigte sich die Versammlung zu einer gemeinsamen Grundlage, nach der nunmehr der Vorstand des Verbandes bestehen soll aus einem Vor- fi&^nben, drei Vorstandsmitgliedern, je einem aus einer Provinz, und dem Rechner. Der Aufsichtsrat soll aus sechs Mitgliedern, je zwei aus jeder Provinz, zusammengesetzt sein. Die endgiltige Redigierung der Statuten wurde Vorstand und Aufsichtsrat überlassen. Die nächste bald zusam- meuzuberufende Generalversammlung soll die fertigen Sta- tuten genehmigen und die noch rückständigen Rechnungen prüfen. Der Vorstand wurde folgendermaßen gewählt. Vorsitzender: Pfarrer Fink-Zwingenberg. Mitglieder: Pfr. A^uer von Geiß-Nidda, Pfarrer Weimar von Nieder-Nam- stadt, Pfarrer Schroder von Eichloch. Rechner Pfarrer Frey von Sprendlingen. Aufsichtsrat: Oberhessen: Pfarrer Dr Naumann-Gießen und Pfarrer Röschen von Freienseen- Starkenburg: Dekan Bayer von Kelsterbach und Dekan Neu- roth von Griesheim; Rheinhessen: Dekan Grosch von Kastel und Pfarrer März von Albig. Bemerkt sei noch, daß von jetzt ab auch Kirchenvorstände, Vorstände von kirchlichen Vereinen,
Vermischtes.
~ * * Kassel, 11. Febr. Der 36 Jahre alte Direktor' Schmitz von der Zuckerfabrik in Thorn, der heute Nachmittag in Bettenhausen eingetroffen ist, hat sich in dem Abort der Station erschossen. Schmitz hatte 181 Mk. bei sich. Das Motiv der That ist noch unbekannt.
* Wilhelmshaven, 11. Febr. Der Postanwärter Kroeger aus Esens ist nach Unterschlagung von 24,000 Mark seit vorgestern flüchtig.
Nürnberg, 11. Febr. Der Maurer Gaertler verletzte seine Geliebte durch Messerstiche und wurde, nachdem er mehrere Schüsse auf Schutzleute abgegeben hatte, ohne zu treffen, durch einen Säbelhieb über den Kopf schwer verletzt.
* Budapest, 11. Febr. Der Sektionsrat im Honved- Ministerium von Losonczs hat heute Vormittag in seiner Wohnung Selbstmord verübt. Das Motiv der That ist bisher unbekannt.
* Aus Anlaß des Krosigk-Prozesses hatte em Photograph aus Stallupönen eine Ansichtspostkarte Herstellen lassen, die das Bildnis Martens', daneben die Göttin der Gerechtigkeit mit der Wage und einem Reim enthält. Da in dem letzteren eine Beleidigung des Militär- gerichtssofes erblickt wurde, hat das Kriegsministerium Strafantrag gestellt und die Staatsanwaltschaft die noch vorhandenen Karten beschlagnahmt.
* Feuersbrünste in China. Wie verlautet, wütete eine große Feuersbrunst in der westlichen Vorstadt der großen chinesischen Stadt Canton. 400—500 Läden wurden zerstört. — In der nordwestlich von Canton gelegenen Station Lukhang der Berliner Mission brach am 6. Februar Großfeuer aus, wodurch die Station eingeäschert wurde. Menschen sind nicht umgekommen. Da Brandstiftung nicht ausgeschlossen erscheint, sandte der Generalgouverneur eine Abteilung Soldaten von hier nach Lukhang ab.
* „Nix Tabak, nix Hallelujah!" Wir lesen im dieswöchentlichen „S implieissi mu s": Neben einer auf
Kleinkinderschulen rc. dem Verband beitreten und ihre 2HoJ bilien bei ihm versichern können- Tie Verbindung mit dev Feuerversicherung in Gotha bleibt wie seither bestehen.
(Darm st. Ztg.)
1 Geiß-Nidda, 10. Febr. Der hiesige Männergesangverein veranstaltete gestern Abend eine Abendunterhaltung^ Sic Vorführungen bestanden in humoristisch - musikalische theatralischen Stücken, wie Kouplets, Duetts, Gesamtspielem u. s. w. Das Programm war sehr reichhaltig. Von Anfangs bis zu Ende blieb die .Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft rege-; Ungeheuere Heiterkeit erweckte das Duett „Frau Quatschhemp und ihr Diener", gespielt von Frl. Schellmann und Herrn! Becker. Nicht enden wollender Beifall lohnte ihnen ihr Spiel.- Auch alle anderen Stücke wurden gut ausgeführt. Großen Beifall fanden auch die gesungenen Chorlieder. Die zunp Schluffe gestellten lebenden Bilder gelangen sehr gut.
1 Bad-Salzhausen, 11. Febr. Die Friedhofsfrage, geht nun ihrer Lösung entgegen. Der Totenhof soll nicht nach Süden zu in die Nähe von Geiß-Mdda zu liegen kommen, da das Gelände sich dort nicht dazu eignet. Vielmehr plant man jetzt seine Anlage nördlich von unserem Ort in der bewaldeten „Harb", wo er, wie man das bei-Äurortete verlangt, abseits und versteckt liegen würde.
Kasiel, 11. tyebr. Direktor Schmidt hat dem Vernehmen nach an das Gericht telegraphiert, es möge die Prozeßverhandlungen nicht vor seinem Eintreffen schließen. Er wünsche vernommen zu werden. Seine Ankunft wird morgen erwartet.
Kasiel, 12. Febr. Der 36 Jahre alte Direktor Schmitz' von der Zuckerfabrik in Thorn, der gestern nachmittag in Bettenhausen eingetroffen war, hat sich in dem Abort der Station erschossen. Schmitz hatte Mk. 181 bei sich. Das Motiv der That ist unbekannt.
Ausland.
London, 11. Febr. Im Unterhause stellte Norman (liberal) die Frage, ob Großbritannien durch seine Botschafter jemals emo gemeinsame Note vorgeschlagen habe, in der die Mächte erklären sollten, daß Europa eine bewaffnete Intervention der Vereinigten Staaten in Cuba nicht für gerechtfertigt erachte, und ob dieser Schritt infolge der Weigerung Deutschlands, sich dem anzuschließen, aufgegeben sei. Unterstaatssekretär Cranborne entgegnete, die Regierung habe niemals durch einen Botschafter oder auf andere Weise irgendwelche Erklärung vorgeschlagen, die sich gegen eine Aktion der Vereinigten Staaten in Kuba richtete. Die Regierung habe im Gegenteil es abgelehnt, irgend einem dahingehenden Vorschläge zuzustimmen. (Beifall). Im weiteren Fortgänge der Beratung bemerkte Chamberlain, daß die Frage der künftigen Besteuerung der Goldindustrie in Transvaal jetzt von dem Oberkommissar Milner und der Regierung in (Srroögung gezogen werde.
Brüssel, 11. Febr. Mit Rücksicht auf die heute in der Kammer staitfiudende Beratung^des Antrags der Sozialisten betreffend das allgemeine Stimmrecht, wurden von den Behörden äußerst strenge Maßregeln zur Aufrechterhaltung der Ordnung ergriffen. Die gesamte Polizeimacht war auf» . geboten, die Truppen konsigniert. Sämtliche Straßen nach den Kammern, den Ministerien und dem Palast des Königs wurden von der Polizei und Truppen bewacht. Doch kam der Antrag nicht zur Verhandlung. Nach Besprechung der Interpellation über eine lokale Angelegenheit wurde die Sitzung, ohne daß es zu Zwischenfällen kam, geschlossen. — Einer Schar von Demonstranten gelang es, zum Palais des Thronfolgers vorzudringen. Ein einzelner Schutzmann, der blank zog, wurde entwaffnet und schwer verwundet. In ber^ Rue de Louvain bemächtigten sich Polizisten einer roten Fahne, die aber von Demonstranten wieder genommen wurde. — Vor der Redaktion des „Peuple" kam es zu Ausbrüchen großer Begeisterung. Auf zahlreiche Rufe: „Es lebe die Revolution!" nimmt Vanderoetde das Wort, um die Genossen zu ermahnen, ihre Kräfte zu schonen, und erst loszuschlagen, wenn in der Kammer in einigen Wochen der Antrag auf Verfassungsänderung eingebracht sein wird. Der heutige Tag wird von den Sozialisten nur als Probemobilmachung angesehen.
— Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht zahlreiche Ver- tethnngen der Roten Kreuzmedaille für die Teil- natyne an der ostasiatischen Expedition als Mitglied der sreiwilligen Krankenpflege, darunter die 2. Klasse an den Marineoberstabsarzt Arendt- Kiel und Professor Kü 11- n er-Tübingen.
geborene Prinzessin von Hessen-Kassel, und vermählte sich 1862 mit dem Prinzen Wilhelm zu Schaumburg- Lippe. Der Ehe sind sieben Kinder entsprossen.
, ~ W. T.-B. meldet offiziös: Die aus Wien ver
breitete Meldung, wonach die Handelsverträge Oesterreich - Ungarns mit Deutschland und Italien auf ein Jahr verlängert sein sollen, ist lo- weit Deutschland in Frage kommt, unbegründet- Ebenso nnnig trifft die Behauptung zu, daß eine Anregung die Vertrage nicht zu kündigen, seitens Deutschlands erfolgt sei-
physische Kater, den uns Prinz Karneval testamentarisch vermacht hat, weicht gar bald wie Nebel vor der Sonne, alles erscheint uns wieder in rosigem Lichte, und fröhlich rufen wir aus: Das Leben ist doch schön! Und schließlich, wenn auch die eigentlich tolle Zeit, die Zeit der Maskenbälle, mit dem gestrigen Tage wirklich ihr Ende erreicht hat, so ist doch keineswegs auch damit gleich die Saison gestorben. Der Abschluß ist ja bei uns nicht so knapp, wie dies in streng katholischen Ländern der Fall ist. Immerhin aber hat die gesellschaftliche Saison ihren Höhepunkt überschritten, und wer bis jetzt an jedem Tage zwei oder drei Festlichkeiten mitzumachen verpflichtet war, der wird für die kommenden Wochen mit einem Vergnügen auskommen. Sapienti sat est!
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Ueber das Karnevaltreiben in Darmstadt wird uns geschrieben: Der Darmstädter Karneval hat drei Grade oder drei Stufen, wie man will. Die Gesellschaft des ersten Grades bleibt nut ihren Faschingsbelustigungen auf das Haus und die intimen Kreise beschränkt, höchstens daß junge Herrchen in ihren Dominos ober Harlekinstrachten in befreundeten Familien eine Stehvisite abstatten. Die zweite Gesellschaft füllt bie Räume ber Vereinslokale und setzt die Masken- verleihanstalten in Nahrung. Garnitur Nr. 3 läuft schon am Sonntag mit grotesken Nasen, SchiveinSblascn und wenn's hoch fommt, mit einem nicht mehr neuen Bajazzoanzug herum. Am Rosenmontag und am Faschingsbienstag finb bann bte Straßen ber Tummelplatz für die Männerwelt ber btei Klassen. -Laß Damen, überhaupt Frauen, nicht mil- machen, ist selbstverständlich. Weibliche Masken stellen nur Kinder und nicht Konsirmierte, alles andere, was etwa auf ben Straßen in Unterröcken, mit verwegenem Kopfputz unb
hochgespannten Sonnenschirmen einherstolzierte ist generis madculini. Der Karneval hat bet uns zwar ein buntes, aber sehr harmloses Aussehen. Man könnte am Dienstag Mäbchen- pensionate über bie Straße führen, ohne fürchten zu müssen, baß eine Maske so verwegen märe, bie jungen Mäbcls mit Faust'scher Galanterie anzureden, lieber eine grüßende Handelte, ein Klopfen mit ber Schweinsblase, ober ein Berühren mit dem Pfauenwcbel versteigt sich bie Ausgelassenheit nicht,. wenigstens nicht in ben fashionablen Straßen, bie allerdings beute so mitMcnschcnangefüllt sind,daß derFremde glaubenkönnte, wir Darmstädter hätten einen großen KarnevalSzug oder zum mindesten eine Kappenfahrt inszeniert. Das Trottoir liegt voll Konfetti und in den kahlen Aesten der Bäume hangen die bunten Papierschlangen, eine Anspielung auf die Blumen des Frühlings, von welchen ja Prinz Karneval mit feinem bunten Gefolge cm Herold sein soll.
Das Gefolge des Prinzen ist freilich im Laufe der Zeit auf einen etwas kleinen Kreis von Grundtypen zm'ammen- geschrumpft: Die Bajazzi, Mönchskutten unb Dominos, welche bie Straßen beleben, unterscheiden sich nur durch die Feinheit und Güte des Materials voneinander. Hie und da trifft man ouch auf eine Burenuniform ober auf einen Afrikawcltrcifcndcn, mich Gestalten aus dem „Struwelpeter" tauchen auf. Aber olles in allem könnte es nicht schaden, wenn sich gerade wieder die bessere Geiellschaft etwas mehr des Darmstädter Karnevals annähme und ihm frisches Blut zuführen wollte, sic könnten das um so eher, als hier niemals das FaschingS- treiben ordinär geworden ist und sich mit dem vorhandenen Grundkapital im Volksleben hübsche Erfolge erzielen ließen.
[§] Gedern. 10. Febr. Gestern veranstalteten hiesige Bürger einen ^-astnachtszug. Die einzelnen Gruppen, durch die Lvkal- crcigniffe dargestellt wurden, waren durchweg wohlgelungen. Besonders gut ivurden die vermeintlichen Schäden unserer Wasserleitung dargestellt. — Der „Fröhliche Gesellschaftsbund" veranitaltcte gestern abend im Saale des Bcrgwirtshauses eine Abendunterhaltung und brachte „Preziosa" zur Auf- füljrimg. Die Durchführung war gut. Den Schluß bildete ein flottes Tänzchen, das die Teilnehmer bis zur frühen Morgenstunde in heiterster Laune zusammenhielt.
b. Mainz, 11. Febr. Der Mainzer Karneval hat sich in diesem -^atjre in viel bescheideneren Grenzen bewegt wie sonst. Die allgemeine Drepression hat sich auch hierbei sehr bemerklich gemacht. Die vielfachen Einschränkungen, die sich die Geschäftsleute auferlegen müssen, haben schon in ber Zeit oor dem Karneval ihre Wirkung geübt. Sowohl ber große Karnevalsverein „Narrhalla" wie bie unzähligen kleinen Karnevalsvereine hatten sämtlich eine weit geringere Mitgliederzahl aufzuweisen, als in früheren Jahren. Der eigentliche Karnevalstag, ber Tag des „Rofenmontagszuges", setzte mit herrlichem Wetter ein, was zur Folge hatte, daß sich am Morgen ein großer Fremdenzuzug einstellte und die Bewohner der 3tachbarstädtc Wiesbaden, Darmstadt, Frankfurt, Mannheim, Bingen, Worms usw. sowie der nächsten Umgebung oon Mainz in Hellen Scharen herbeiströmten. Der Karnevalszug selbst war nicht so bedeutend wie die früheren Karnevalszüge und ließ auch den übertriebenen Luxus verschiedener feiner Vorgänger vermissen, wogegen er eine Anzahl recht witziger Gruppen in bunter Reihe aufwics. Die großen Maskenbälle in ber „Stabthalle" erfreuten sich wie alljähr- lidj eines sehr zahlreichen Besuches.


