Ausgabe 
11.12.1902 Zweites Blatt
 
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ISS. Jahrgang

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

5>le öeutiqe Kummer umfaßt 10 Seiten.

blätter oiennal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag bet Brüh l'lchen Unioerl.-Buch' u.Stetn- brudeiet tPietlch (£rbeiO Redaktion. Exvediturn ui>d Drucketei:

Tchulstratze 7.

Öbrefle für Develchen: Anzeiger Gießen.

gfrnfprfdianlrfiliiß'Jh 51

Zweites Blatt.

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die Post Mk. 2.viertel- jahrl. ausscht. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer biS vorimttags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12 Pf^ ausivärts 20 Pfg.

Verantwortlich für den polit. u. allgem. XeiC i.93.; Fr.Hannemann; für,Stadl u. Land' uno ®ertd)lSfaar: Curt Plato; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

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Erscheint täglich auüer Sonntags.

Dem (Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem heffilchen Landwirt fc die Lietzener Familien- L

geschieht, kann man der Wahrheit kaum ins Gesicht schlagen. DasManifest" ist dann auch, wie aus Washington tele­graphiert wird, daselbst mit vollständiger Gleichgiltigkeit ausgenommen worden. Tie amerikanische Nation sieht auch sonst, wie weiter verlautet, der Entwickelung der Dinge mit größter Ruhe entgegen.

lieber die venezolanische Kriegsmarine, die, wenn sich die Nachricht von der Wegnahme der vier Kriegsschiffe und besonders desBolivar" bestätigen sollte, ja schon fast gänzlich unschädlich gemackit wäre, wird berichtet: Tie vene­zolanische Kriegsmarine ist eine äußerst bescheidene und wird vorzugsweise im Zolldienst und auf dem Orinoco und dessen Mündungen verwendet. Castro gebietet über drei Kriegsfahrzeuge und sechs Zolldampfer. Tie beiden größten Schiffe, das Torpedo-KanonenbootRestaurador" und der TorpedakreuzerBolivar", sind in der Wasserverdrängung fast unsererLoreley" gleich. Sie laufen angeblich 15 und 18,6 Seemeilen und haben eine Besatzung von annähernd je 100 Mann. Tie frühere JachtRestaurador" ist mit schnellfeuernden Geschützen, einer 7,6 Ctm.- und vier 5,7 Ctm.-Kanonen, der Bolivar" mit zwei gewöhnlichen 12 Ctm.- und vier 5 Ctm.-Gcschützen bewaffnet. Die Artillerie und die Maschinenleistung des dritten Schiffes, des Torpedo­sahrzeugesMiranda", sind ganz unbedeutend. Präsident Castro hat denBolivar" und dieMiranda" von Spanien gekauft. Tie Zollkreuzerflvtte ist bis auf einen Tampf- schooner leicht armiert. ES sind überwiegend ältere Schiffe; nur dieMariseall Ayaeucho" und derGeneral Crespo" stammen aus den 90er Jahren, sind aber nur 140 Tonnen groß. Die ältereZamore" saßt 351 Tonnen. Jedes dieser drei Schiffe führt eine 3,7 Ctm.-Maschinenkanone und ein Maschinengewehr. Venezuela besitzt außerdem den Ein­schraubendampferSencrberr", das LeucbtfenerfchiffLiber- dador" und den DampfschoonerAugusta".

Tie Armee der Republik besteht aus 30 Bataillonen zu 5 Kompagnien i 60 Mann meist aber nur auf dem Papier. Brauchbare Soldaten sind nur die Gebirgsbe­wohner. die Andinos, w"lche treu zum Präsidenten Castro, der selbst ein Andino ist. halten. Tie Infanterie ist mit dem deutschen Gewehr, Modell 71/84. bewaffnet. Tie Ar­tillerie ist, abg^schen von der Gebirasbatt.-rie, mit kleineren Geschützen älterer Krupp'scher Konstruktion ausgerüstet. Bespannung existiert aber nicht. Tie Uniformierung ist der französischen nachg^bildet: blauer Wafienrock mit zwei Reihen Knöpfen, rote Hosen. Käppi und Stiefel. Für ge- wöhnlich besteht die Bekleidung jedoch nur in Trillich- anzug, Kävpi ober Strohhut und Sandalen nebst Patvonen- gürtel. läufig sind aber auch schon Offiziere in Civil im Tienst erschienen. Der Dienst beschränkt sich im großen und ganzen auf Wachdienst. Tie Schießausbildung läßt alles zu wünschen übrig und der Soldat bedient sich im Kampfe am liebsten der landesüblichen Machette, eines langen Haumessers.

Unter den in Venezuela lebenden Fremden ragen die Teutschen durch Intelligenz und Thatkraft hervor. Vor allem nehmen sie im Großhandel eine dominierende Stell­ung ein: die ersten kapitalkräftigsten Firmen in La Guaira, Puerto Cabello und Maracalbo, sind deutscher Nationalität. Ferner sind unsere Landsleute in Venezuela thätig als Fabrikanten, als Techniker, als Inhaber von Verkaufs- geschäften, als Pflanzer, als Hotelwirte. Turch ihren Fleiß und ihre Betriebsamkeit erwarben sie sich rasch Vermögen.

Donnerstag 11. Dezember 1908

_ vezngSpreilr

monatlich 75P!., oiertel- jährlich Mk. 2.20; durch

Abhole- u. Zweigstellen 8a monatlich 65 Ps.; durch

Per jtonflifif mit Venezuela.

Die Ueberreichung des Ultimatums Deutschlands und Englands hat, wie jetzt berichtet wird, am Sonntag Nach­mittag um 3 Uhr stattgefunden. Cs sollten dem Präsi­denten Castro nur 24 Stunden zur Entscheidung gelassen weirden. Man darf aber annehmen, daß diese Frist ver­doppelt und sonach mit dem zwangsweisen Vorgehen der deutschen und englischen Flotten erst am Dienstag Nach­mittag begonnen worden ist. Ter Präsident der Republik scheint in unglaublicher Verkennung de? Ernstes der Lage noch immer auf das Eintreten von Zeichen und Wundern zu hoffen. Er hat anstatt einer entgegenkommenden Ant­wort an die Mächte ein sehr pathetischesManifest an sein Volk" erlassen, in welchem der wirkliche Sachverhalt geradezu auf den Kopf gestellt wird. Während die Geduld der beiden Mächte durch die diplomatischen Schach- und Winkelzüge der venezolanischen Regierung auf die aller- schwerste Vrobe gestellt wurde, macht ihnen Castro jetzt noch den Vorwurf, daß sie die friedlichen Mittel zur Er­langung ihrer Ansprüche nicht erschöpft hätten. Auswärtige Telegramme meldeten so sagt Herr Castro in seinem Manifest, daß gewisse Nationen, darunter England und Deutschland, eine Allianz geschlossen hätten, um Akte der Gewalt und d^s Angriffs in Venezuela zu unternehmen. Tie Art und Weise, wie diese Nationen den Versuch machten, die Wiederaufnahme der Zahlung der Zinsen der Staats­schuld zu erlangen, müsse den Verdacht erwecken, daß dies die Konsequenz der Revolution sei, die er kürzlich nieder­geschlagen habe. Trotz deS offiziellen Charakters der Nach­richt von der englisch-deutschen Intervention lehne er ab, an dieselbe zu glauben, da es ihm unglaublich erscheine, daß Nationen, die herzliche und freundschaftliche Beziehungen zu Venezuela unterhalten, es vorziehen sollten, zur Ge­walt ihre Zuflucht zu nehmen, anstatt diplomatischen Wegen zu folgen, insbesondere, wenn vorausgesetzt werden müsse, daß der Streitfall völlig in den Bereich ber venezolanischen Gesetze falle, die auf dem Grundsätze der Gerechtigkeit fußten. Hätte Venezuela sich geweigert, seine fiskalischen Verpflich­tungen zu erfüllen und hätten Recht und Diplomatie alle ihre Hilfsmittel gegen ein solches Unterfangen erschöpft, nur dann hätte ein solches extremes Vorgehen erwartet werden können. Aber dies sei nie der Fall gewesen. Tie Thatsache, daß die venezolanische Regierung die Staats­schuld nicht erhöbte und alles bezahlte, was während der Revolution, einschließlich der Frachten auf den deutschen und anderen Eisenbahnen, bestellt sei, beweise die Ehren­haftigkeit von Castros Verwaltung und zeige, was die Aus­länder von ihm erwarten könnten. DaS Schreiben fährt fort:Ehrenhafter Weise kann ich nicht mehr thun. Ich stelle die Cl)re voran und werde nicht Ausflüchte suchen, um dreiste (folhardtsi Fsindschaften durch Annahme von Demütigungen zu entwaffnen, welche die Würde Vene­zuelas verletzen und nicht im Einklang mit meinem Leben als Staatsmann stehen würden. Tie Sache unserer nationalen Würde ist gegründet aus unsere Rechte, unseren Gerechtigkeitssinn und auf unseren Beziehungen, unserer Freundschaft und der gegenseitigen Achtung zu fremden Nationen." ,, t ,

Schroffer, als es in dieser lächerlichen Kundgebung

Tie Zahl der Deutschen in Venezuela wird auf 962 <n> gegeben, während die Zahl der britischen Unterthanen 6154 beträgt, jedoch meist Leute von Trinidad. DaS Gebiet Ve­nezuelas unfaßt 972 000 Quadratkilometer, hat aber noch nicht 2i/2 Millionen Einwohner. So lange eS sich um Orte handelt, die von den Geschützen der fremden Schiffe be- trichen werden können, ist an einen Widerstand dar Venezo­laner nicht zu denken.

Im englischen Unterhause kam die Denezuelasrage auch gestern wieder zur Sprache. Lluf eine Anfrage er­widert Cranborne, die Natur der englischen Forderungen gegenüber Venezuela, welche dazu genötigt habe, ZwangS- inaßregeln zu ergreifen, werde vollständig bargestellt werden in Schriftstücken, die in nächster Zeit erscheinen würden. Tie englischen Forderungen umfaßten u. a. Ansprüche auf Entschädigung wegen einer ungerechtfertigten Einmischung gegenüber englischen Handelsschiffen, wegen Einkerkerung und Mißhandlung englischer Staatsangehöriger, Zerstörung englischen Eigentums und Beschädigung von . rollendem. Bahnmaterial, das einer englischen Kvmpagnie gehörte. Es liege eine Reihe von Präzebenzfällen dafür vor, daß solche Forderungen durch Repressivmaßregeln durch^esetzt worden seien. Bryce fragt an, was die letzten Nachrichten bezüglich Venezuela seien. Cranborne erwidert, der englische Vertreter sei angewiesen worden, 24 Stunden nach der Uebergabe des Ultimatums in Caracas zu verbleiben und alsdann, wenn keine Antwort von der venezolanischen Re­gierung erfolge, sich nach La Guayra zu begeben und da­selbst wiederum 24 Stunden an Bord eines englischen Schiffes zu bleiben. Diese Zeitfrist war Dienstag abend um 7 Uhr abgelausen. Cranborne fährt fort: Wenn in­zwischen kein Zugeständnis von der venezolanischen Re­gierung eingegangen ist, wird es nötig sein, ein zwangs­weises Vorgehen einzu schlagen, aber wir haben noch keine Nachricht erhalten, daß ein solches Vorgehen eingeschlagen ist. Tie Regierung hat keine Nachricht bezüglich der Ver­haftung englischer und deutscher Unterthanen, doch kann die Meldung, daß venezolanische Schiffe mit Beschlag be­legt wurden, möglicherweise wahr sein, obgleich wir keine amtliche Information über diesen Punkt haben.

Am Situation im Aeichstag.

Im Reichstag hofft man, am heutigen Vormittag den Antrag Kardorff zur Beratung und zur Abstimmung zu bringen. 'Tie dritte Lesung des Zolltarifs fort sich un­mittelbar an schließ en. Wahrscheinlich dürfte alsdann die ganze Zolltarif-Frage noch vor Weihnachten erledigt sein.

Im Einklang mit einer Aeußerung des Abg. 23a ff er­mann schreibt ber Abg. Arendt imTag":Tie Dinge sind jetzt so weit gediehen, daß es ein Zurück nicht mehr giebt. Die Mehrheitsparteien können nicht »ugeben, daß irgend eine Vorlage den Reichstag beschäftigt, ehe das Zolltarifge setz verabschiedet ist. Auch der Etat darf hiervon keine Ausnahme machen. Nicht um den Taris handelt es sich, sondern um die Verfassung des Deutschen Reiches; da muß auch und wird auch die zweite Lesung des Etats zurückgestellt werden. Giebt sich die Minderheit wirklich der Hoffnung hin, nachdem die Enbloc-Annahm« des Tarifs erreicht, noch ein halbes Jahr hindurch erfolg- reich Obstruktion zu treiben? Sie kann nichts weiter er-

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Konzert des akademischen Kcsangvereins.

Von den größeren T-nschöpfungen des verewigten Meisters Johannes Brahms ist wohl keine, die eine so g^ße Verbreitung gefunden bat und sich einer solchen Del--b'h"tt erfreut, wie das ..deutsche Requiem", das Herr Musikdirektor Trautmann gestern zum zweiten Male seit dem Tode des großen Tondichters unserem mit fi Hi-'beut) en Publikum tn wahrhaft mustergiltiqer Weise mit seinen Getreuen, dem akademischen Gesangverein und der verstärkten Kapelle des hiesigen Reg'ments. zur Anssich-ung bracht-. Tasdeutsche Reauiem" hat mit den gleichbenannten Werken frubrer Meister nichts gemein. Brabrns schrieb dasselbe zum An­denken an seine verstorbene Mutter, und dieser Umstand hat ihn jedenfalls neue Bahnen betreten veranlaßt. Thatsache ist ja auch, daß er erst nach der ersten Aufführung des Werkes im Jabre 1868 die allgemeine Anerkennung in Musikerkreisen gefunden hat. .... . r r

Von der gestrigm Aufführung. die in den akust:,ch sehr günstigen Räumen unsrer Stadtkirche statsiand, wieder­holen wir, wa? wir vorhin schon andeuteten: sie war muster­haft. Tie verschiedenen Chöre wurden m't einer Sicherheit gefangen, die Bewunderung erregte. Tabei waren alle rytb misch en und dynamischen Finessen aufs Sorgfältigste ausgearbeitet, und die Aussprache war gut und deutlich. So gelangten alle Schönheiten des kostbaren Werkes zur vollen Geltung und wir gestehen gern, daß es eine Auf­führung aus einem Guß war, die allen Mitwirsi-nden zur Ehre gereicht, nicht zum wenigsten auch.den wackeren Mu­sikern unsere? Regiments, die ihre schwierige Aufgabe mit Geschick und Glück lösten.

Tie Solopartien hatten Fraul«-m Carola Hubert (Soprans aus Köln und Herr August Lei m er (Baryton^ aus Frankfurt übernommen, und wir berichten gern, daß Herr Musikdirektor Trautmann mit diesen Herr­schaften eine ausgezeichnete Wahl getroffen hat. Fraulein Huber hat seit ihrem letzten Auftreten in Gießen (Elias, offenbar noch große Fortschritte gemacht und brachte gestern den Beweis, daß ihr wohlklingender, in allen Lagen völlig ausgeglichener und leicht ansprechender Sopran sich für die dankbare Rartie im Reauiem in hoh"m Maße eignet. Herr August Leimer ist gleichfalls von früher her als Konzertsänger in Gießen vorteilhaft bekannt und bat auch

gestern wieder nrit den beiden Arien:Herr lehre doch mich undSiehe, ich sage Euch ein Geheimnis" wieder ge­zeigt, daß er auch schwierigen Partien vollständig gewachsen ist. Vor dem Requiem spielte der Organist Herr Adolph Hempel aus München das Präludium und Fuge in T-moll von I. S. Bach und ein Präludium und Fuge in F-dur eigener Komposition, die ihm den Ruf eines tüchtigen Meisters auf der Orgel, der Register, Manual und Pedal mit gleicher Sicherheit beherrscht, in Gießen aufs neue gesichert haben. Mit zwei ernsten Liedkompositionen von I. S. Vach und I. Rass, die Herr Hempel feinsinnig begleitete, führte sich Fräulein Huber auch als Interpretin dieser Kom- positionsgattunq im ersten Teil des Konzerts vorteilhaft ein. Tas größte Lob für die gestrige Aufführung gebührt natürlich unbestritten unserem verehrten Musikdirektor Trautmann, der das Ganze zu einem so guten Gelingen ge­führt hat. Nur seiner unermüdlichen Energie und seinem Kunstsinn, der in richtiger Erkenntnis stets die besten Kräfte ausfindig macht, hat es Gießen zu verdanken, daß es in den letzten Jahren Konzerte im großstädtischen Stil bekommen hat. Pr.

Are indischen Krö'nvngsf klichkeiLen.

Aus London wird zu den glänzenden Feftlichteiten in Delhi, zu denen, wie berichtet, gestern ftüh auch S. K. H. der Groß Herzog abgereist ist, folgende interessante Schil­derung gegeben:

Man muß schon sehr reich sein, wenn man an dem Krönungsdurbar bei Delhi teilnehmen will. Dennoch haben wir in der vergangenen Woche einen wahren Exodus von hochgestellten Männern und schönen Frauen beobachten können, von denen wohl viele Gäste deS VizekönigS sind, andere aber doch auf eigene Kosten die Reise unternahmen. Der Tagespreis in den Delhi-HotelS beträgt heute schon 80 bis 110 Mk. für ein Zimmer, die eingeborenen Diener verlangen daS dreifache der gewöhnlichen Löhne und die Kulis verdienen an einem Tage soviel wie sonst in drei Wochen.

DaS Fest wird freilich ein feenhaftes werden. DaS Lager dehnt sich weit über sechs Meilen aus und überall wird eine bis dahin nie gesehene Pracht und cm unbeschreiblicher Luxus entfaltet werden. Das Zelllager des Höchstkominandierenden

ist bis auf die innere Einrichtung aufgeschlagen. Diese wird aus weißem, blauen und Gold-Mousielin an den Wänden, blau und silber an der Decke bestehen. Luxuriöse persische Tevpiche bedecken den Boden und ein aus schwarzer indischer Eiche geschnitztes Mobiliar schmückt die Räume. Zwischen den Zelten ist der Raum reich mit orientalischen Blumen und Blattpflanzen bestellt.

Für daS Zelt deS japanischen Kronprinzen sind bereits Hunderte von Kisten auS Tokio und Osaka eingetroffen und daS Mobiliar wird fast gänzlich aus den kostbaren Lackarbeiten aus Kirschbaumholz bestehen, die nicht mit den lächerlich billigen, aber nicht haltbaren Lackarbeiten zu verwechseln sind, wie sie bei unS auf den Markt kommen. Der Wert dieses in Delhi zur Verwendung gelangenden japanischen Materials wird auf 400000 Mk. geschätzt.

DaS Hauptquartier Lord Curzons, deS VicekönigS, ist das Gerichtsgebäude, ein imposantes Haus, zu dem eine 40 Fuß hohe Freitreppe führt. Der Portikus wird von acht Säulen getragen. DaS HauS ist mit einem schneeweißen Anstrich versehen, doch werden die Prosile vergoldet.

Ein charakteristischer Zug in der auS aller Welt herbei- strömenden mächtigen Versammlung werden die Veteranen auS dem indischen Aufstande sein. Ursprünglich wollte man alle die alten Soldaten heranziehen. Als sich aber ergab, daß man dann 1500 Mann unterzubringen haben würde, so mußten die Einladungen nur auf die Offiziere und Unteroffi­ziere beschränkt werden, die an der Belagerung von Delhi teilnahmen. Von europäischen Veteranen wurden in der Folge nur 95, von heimischen, die den Briten in jenen ver­hängnisvollen Tagen beistanden, 230 aufgefordert, den Festen beizuwohnen. DaS Lager der europäischen Veteranen befin­det sich ganz in der Nähe desjenigen deS VizekönigS inmitten der Zelte der Provinzialstatthalter. Es steht an derselben Stelle, von wo am 11. Mai 1857 die britischen Soldaten und die Eingeborenen mit Frauen und Kindern ihren furcht­baren Rückzug nach der Fortnahme der Citadelle antraten.

Tie sämtlichen Straßen, die nach dem Durbarlager führen, werden mit Bogenlampen, die Zelte mit Glühlicht beleuchtet.