Ausgabe 
11.12.1902 Erstes Blatt
 
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welches der Akad emische Gesangverein zur Auf­führung brachte, verrauscht und schon wieder ruft uns der Konzert-Verein zu neuen, musikalischen Ge- müsseu. Wir müßten das unbedingt für einZ u vie l", unter welchem Eindruck auch leider die Aufführung des Requiems stand, erklären, wenn nicht der vorliegende Sonntag uns eine ganz auserlesene Künstlerschar brächte. Es giebt nur eine ganz kleine Anzahl von Quartett- Genossen, die sich einen Weltruf errungen haben, aber von diesen wieder nur einen ganz bescheidenen Bruchteil, der mit dem Heermann-Quartett (Frankfurter Museums-Quartett), welches für Sonntag verpflich­tet ist, in gleiche Linie zu stellen wäre. Nicht etwa darum, weil zwei Virtuosen, wie Professor Heermann und Pro- fessor HugoBecker, der Gemeinschaft angehörcn, sondern wir mixfjtcn beinahe sagen, trotzdem, denn das Virtu­osentum ist beim Quartett spiel nur eine schätz­bare Beigabe. Im Quartett ist jeder Partner gleichwert, hier herrscht nur ein Wille und der ist stets das Kunst­werk, welches seitens der Künstler dargeboten wird.

** Große Kälte. Tie sttenge Kälte dieser Tage hat leider schon zahlreiche Opfer an Menschenleben ge­fordert. Viele Todesfälle durch Erfrieren werden aus Ost­preußen und selbst aus dem rheinisch-westfälischen In­dustriegebiet gemeldet. Manche Verunglückte haben, dem gefährlichen Müdigkeitsgesühl nachgebend, das jeden stark durcykälteten und ersctHpften Menschen befällt, sich nur zum augenblicklichen i»lusruhen auf einen Stein oder eine Bank gesetzt, sind dabei völlig eingeschlasen und dann erfroren. Was diesen unbeabsichtigt passierte, suchte ein Lebensmüder mit vollem Bewußtsein herbeizuführen, in­dem er den Tod durch Erfrieren suchte; zum Glück wurde er noch rechtzettig ausgefunden. Leider sind auch die Unfälle,' die der Winter,port verursacht, in diesem Jahre recht zahlreich; aber gleichzeittg mit ihnen werden auch Fälle von mutigen Rettungsthaten bekannt. So rettete in Friebendors (Bez, Kassel) ein erst elfjähriger Knabe einen anbcren, obwohl das aanze Ufer voll Menschen stand, von denen aber keiner die rechte Geistesgegenwart hatte, indem er sich lang aufs Eis legte, zu dem schon fast unter dem Eis Verschwundenen hinkrvch und ihn herauszog. Auf einem Eisfest in Hartford (Connektikut) gab das Eis nach und es erttanken über 40 Personen. Aus Newyork wird gemeldet, daß im ganzen Gebiete der Vereinigten Staaten ebenfalls eine furchtbare Kälte herrscht. Tie Temperatur ist bis 35 Grad unter Null ge­sunken. In Newyork macht sich die Kohlennot infolge­dessen sehr fühlbar. Bei einem Preise von 810 Dollar pw Tonne geben die Händler nur kleine Mengen ab.

[j Ober-Ohmen, 9. Dez. Am Sonntagnachmittag wurde unsere, im Innern vollständig neu restaurierte Kirche cingeweiht und wieder ihrer Bestimmung über­geben. Tie im Schiff sehr geräumige Kirche hat ein präch­tiges neues Kiew bekommen, mit dem sich chr altes Ge­wand nicht messen kann. Ganz besonders reich in Orna­menten mit farbig gehaltenen Füllungen ist die Decke aus- gesührt. Auch die sonstigen ornamentalen Zeichnungen an den Brüstungen der Emporen, die Ausführung des Gestühls u. a. machen ihrem Werkmeister Ehre. Dazu verbreiten die

vollständig neuen, in grünem Mattglas gehaltenen Fenster ein wunderbares Licht. Pfarrer Jung hier wies in seiner Festrede eindringlich auf die Bedeutung des neu hergestellten Gotteshauses hm, und Dekan Wagner aus Grünberg sprach 'n herzlichen Worten den Tank aus allen denen, die durch ihre Opfer und ihre Bemühungen ermöglichten, daß das Gotteshaus in solchem schmucken Kleide neu dastehe.

Mainz, 10. Dez. Tas Eisg e schä ft ist infolge der Killte bereite im S-ct-wunge. Der Zentner Eis wird, in die unteren Stadtteile verbracht, mit 15 Pfg. in der Fuhre bezahlt. Voriges Jahr, als das Eis rar war, wurden 30 Pfg. per Zentner bezahlt. Tie Eisdecke des Maines ist jetzt so fest geworden, daß sie dem Verkehr freigegeben werden konnte. Von der Erlaubnis haben im Laufe des heutigen Vormittags bereits viele Hunderte Gebrauch ge­macht, sodaß an der Fährstelle schon ein breiter, ausge­tretener Pfad durch die Schollen hindurch insPreußische" hinüberführt. Auf dem Eise tummelt sich natürlich die Jugend in Scharen. Unterhalb der Mainbrücke ist noch eine große Eisfläche völlig eisfrei.

vermischtes.

Goslar, 10. Dez. Die Bankfirma Ehr. Ruennecke hat heute ihre Zahlungen eingestellt. In der Stadt herrscht große Erregung, da viele Geschäftsleute und Sparer geschädigt sein dürften. Der Konkurs ist vorläufig noch nicht eröffnet.

* Brüssel, 10. Dez. Eine Feuersbrunst zerstötte gestern abend in der Rue Gallait drei Fabriken, die 350 Ar­beiter beschäftigten. Der Sachschaden wird auf 500 000 Frcs. geschätzt.

* Kaffee als Getränk für Pferde. Das fast in keiner Familie fehlende, unter dem Namen Kaffee be­kannte liebliche Getränk hat nun Aussicht auf eine weit größere Verwendbarkeit. Daß eine gute Tasse Kaffee stets anregend wirkt und besonders für ältere Damen ein ge­radezu vorzügliches Mittel zur Konservierung des Magens und zur Anregung der Konversation abgiebt, dürfte wohl allen Lesern hinreichend bekannt sein. Daß aber Kaffee auch bei Tieren die gleiche Wirkung ausübt (wenigstens was den Magen betrifft), war bis jetzt nicht bekannt. Bon Paris wird aber nun gemeldet, daß ein dortiger Kaffee- konsumcnt seinen Pferden regelmäßig Kaffee als Getränk verabreicht, und er will dabei die Erfahrung gemacht haben, daß der Genuß von Kaffee die Leistungsfähigkeit und Aus­dauer seiner Pferde ganz bedeutend erhöht habe. Wir er* leben's noch, wie an den Troschkenhaltestellen frühmorgens Fritz" oderLiese" ihrSchälchen Kaffee" sich genehmigen.

Landwirtschaft.

8 Ruppertenrod, 9. Dez. Der Obstbautechniker Koch aus Friedberg hielt am verflossenen Sonntagabend in der GastwirtschaftZur Krone" hier vor einer sehr starken Versammlung einen Vortrag über die zur Anpflanz­ung für die hiesige Gegend sich am besten eignenden O b st - [orten. Im Verlaus des Vortrags zeigte Redner die ver­schiedenen Obstsorten selbst vor, erinnerte daran, wie fegend

rercy unv wpnenv me mesrapnge uüimm-r guinrn «m» rote richtige Sortenwahl im Verein mit rationeller Pflege die Kardinalfaktoren der Obstbaumzucht seien. Wie sehr die Worte des Borttagcnden auf guten Boden fielen, zeigte der Beitritt von neun neuen Mitgliedern zu den seitherigen acht der hiesigen Ortsgruppe. Auch zu den an Obstbäumen ausgeführten Demonstrationen am folgenden Tage hatten sich trotz der sibirischen Kälte einige Interessenten einy» fanden.

Kriklkastcn der Jkönfitinn.

(«uonyme Anfragen bleiben nnberückfichtigt.)

K. u. L. Ter Titel bleibt wie bisher: Königliche Höhest und Großherzogin; Wohnsitz ist Eoburg.

H. L. A,wiil)ine Einsendungen wandern in den Papierkorb. "! .'"-1"

von 65 Pf. an p. ÜMet, letzte Neuheiten. Franko u. ecbon verzollt me pauS geliefert. Reiche Musrerausstung um­gehend. Nelüenlabrik 11 en e- berg, Zürich. 7056

Ball-Seide

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