gegen Me SoBTenffrn Miete gerichtete Gesetzgeb nng Dle Bergwerksbesitzer ließen sich jedoch durch diese Ausführungen nicht beeinflussen und wiederholten, daß die Politik sich, nicht in ihr Geschäft einmischen dürfe. Sie würden auf demselben Standpunkt stehen bleiben, den sie von Anfang an inne gehabt hätten, im Vertrauen auf die Integrität des Rech^systems, das sie vor einer ungünstigen Gesetzgebung schützen werde. Heute wurde eine neue Konferenz ab geh alt en, aber ebenfalls' vertagt. Die Lage ist unverändert. Am Diensatg soll eine neue Beratung stattfinden. (Vgl. Arb.-Bew.)
Hou a kon g, S. Okt. (Reuter.) Der Vicekönig der Provinz Liangkwang, Taoma, ist gestorben.
Feutscher Kolonial-Kongreß.
Berlin, 10. Oft
Der Deutsche Kolonialionareß wurde heute vormittag in Anwesenheit der Staatssekretäre v. Richthofen, Graf Posadowsky, Freiherr v. Thielmann, v. Tirpitz und Krätke, der Minister v. Wedel, Schönstedt und des Herzogs Johann Albrecht von Mectlenburg, vieler Kolonialpolitiker, Offiziere und Beamten eröffnet. In seiner Begrüßungsansprache betonte Herzog Johann Albrecht den Zweck des Kongresses, nämlich zu prüfen, ob wir auf dem rechten Wege sind zu dem Ziele, unsere Kolonien wirtschaftlich und kulturell zu entwickeln. Ter Kongreß soll den verschiedenen Bestrebungen, die in den Kolonien gleichzeitig einsetzten, die richtige Fühlung mit einander geben. Staatssekretär v. Richt ho fen, beim Erscheinen lebhaft begrüßt, entbot dem Kongreß die Grüße des Kaisers und des Reichskanzlers. Heute müsse jeder Teutsche, sei es auch wider Willen, einsehen, daß die Förderung der kolonialen Entwickelung zum Lebensinteresse gehöre. Ter Blick müsse über Europa hinaus auf die Bühne gerichtet werden, wo über die Beteiligung der Völker an der wirtschaftlichen Beherrschung der Welt entschieden werde. Kolonralpolitik und Ueberseepolitik seien lediglich der Ausdruck der That- sache, daß auch wir in friedlichem Wettbewerb die Stellung einnehmen wollen, auf die wir nach unserer staatlichen Macht und der Entwickelung unserer Industrie, des Handels und der Schisfahrt Anspruch haben, v- Richthofen schloß mit dem Wunsche, daß wie in anderen Staaten auch bei unsi alle Kräfte für die Erreichung dieser Ziele eingesetzt werden mögen. Er wisse im Gegensatz zu der Andichtung einer Kolonialmüdigteit für unsere Ration keinen besseren Wahlspruch, als das Wort des Heldenkaisers: „Wir haben keine Zeit, müde zu sein." (Lebhafter Beifall.) Ter Direktor des Kolonialamtes Dr. S t ü b e l führte aus, in die Kolonialbewegung zog uns die gleiche elementare Volkskraft hinein, die die nationale Zerrissenheit nicht ertragen konnte. Jetzt sei die Kolonialbeweguilg nicht mehr aufzuhalten. Schon fange die in den Kolonien gesäte Saat an zu sprießen, darum heiße es jetzt nur vorwärts«! Sodann wurde ein Huldigungstelegramm an den Kaiser gesandt. Ten ersten Vortrag hielt ProsessorHansMeyer-Leipzig über das Thema: Tie geographischen Grundlagen und Ausgaben in der wirtschaftlichen Erforschung der Schutzgebiete. Tann sprach Geh. Rat Professor Wagner Über: Kriegsflotte, Finanzlasten und Weltwirtschaft.
Nach Professor Wagner sprach Schinkel-Hamburg, der Geschäftsinhaber der Norddeutschen Bank über „Deutschen Ueberseehandel" und betonte, die Mobnien müßten die Stützpunkte des deutschen Handels werden. Sodann sprach Nocht-Hamburg über die „Hygienischen Ausgaben in den Kolonien". Bezüglich der gestellten Resolutionen schlägt der Präsident vor, dieselben am Schlüsse des Kongresses zu erledigen. Nack) Schluß der Sitzung fand ein Projettions- vortrag des Marinearztes Martini über „Malariaparasiten und deren Ueberträger" statt. Am Nachmittag tagen die Sektionen. — Weiterhin wird uns telegraphisch aus Berlin gemeldet: Ter Deutsche Kvlonialkongreß folgte gestern abend einer Einladung des Staatssekretärs Krätke und hörte im Lichthofe des Reichspostamts einen Vortrag des Geh. Obervoslrats H e n n i ck e über Poft und Telegraphie in unseren Koumien. Ter von köstlichem Humor durchwürzte Vortrag fand allseitigen Beifall.
Aus Stadt und Sand.
Gießen, 11. Oktober 1902.
— Hofnachrichten. Aus Darmstadt wird uns telegraphisch gemeldet: Großfürst und Großfürstin SergiuS werden im Laufe der nächsten Woche, Prinz und Prinzessin Heinrich am nächsten Mittwoch Vormittag und Prinzessin Ludwig von Battenberg ebenfalls am nächsten Mittwoch hier eintreffen. Die Großherzogliche Hofhaltung wird am kommenden Dienstag hierher übersiedeln. Es werden also im Laufe der nächsten Woche sämtliche Geschwister des Großherzogs, mit Ausnahme der Kaiserin von Rußland, hier anwesend sein. — Der Groß Herzog fuhr, wie aus Darmstadt gemeldet wird, vorgestern nachmittag 2 Uhr 55 Min. mit der Main-Neckar-Bahn nach Hemsbach und von da nach Viernheim, wo im Jägerhäuschen übernachtet wurde. Gestern vormittag begab sich der Großherzog wieder zur Jagd und erlegte zwei kapitale Hirsche. Mit dem Zuge um 11 Uhr 11 9)hn. traf der Großherzog wieder in Darmstadt ein und setzte alsbald die Fahrt nach WolfS- qarten fort.
" Das erste Promenadenkonzert seit langer Zeit findet morgen Sonntag um >/t12 Uhr in der Südanlage statt. Gespielt werden: 1. Ouvertüre z. O. .Norma" von Bellini, 2. Allniederl. Dankgebet von Valerius, 3. Maritana- Walzer von Dollinger, 4. Chevalier et Chätelaine a Bal coetume von Rubinstein.
* Theaterverein. Bei der gestrigen Erstaufführung oes Schauspiels .Das große Licht", deren Besuch der Theateroerein seinen Mitgliedern durch Zahlung einer Aversionalsumme an die Direktion erwirkt hatte, war zum ersten Male die neue Dekoration der Gallerie angebracht, die der Theateroerein angeschafft hat. Durch sie ist der äoal in auffälliger Weise verschönt worden. In den Vorstellungen des Theatervereins wird der ganze bisherige Gallerieraum nunmehr als Loge (Mittelloge, Seitenloge rechts und links) benutzt werden. Der Preis ist deni des Sperrsitzes gleich. Die Plätze sind infolge Einbaues höherer Podien vorzüglich.
- Meisterprüfungen in Oberhessen. Es wird ans mitgeteitt, daß die feierliche Ueberreichung der Meisterbriefe an diejenigen Kandidaten, welche die Meisterprüfung mit Erfolg bestanden haben, morgen Sonntag den 12. Oktober, vormittags ^ll Uhr un Saale des.Hotel
Einhorn" hier stattfindet und daß Jntereffenten hierzu frrunb- lichst eingeladen seien.
— Geflügelausstellung in Büdingen. Es wird unS noch geschrieben, daß den Ehrenpreis auf Rebhuhnfarbige Italiener — einen prachtvollen Tafelaufsatz — Herr Spediteur LouiS Adam hier errang. Außerdem erhielt Herr Adam noch weitere fünf Preise.
- 3u den Landtagswahlen. Aus Darmstadt wird uns telegraphisch gemeldet, daß die Fr ei sinnig en und Sozialdemokraten eine Wahlvereinigung zu Stande gebracht haben, um gegen die nationalliberalen Kandidaten, Bürgermeister Morneweg und Landgerichtsrat Dr. Buff, eigene Kandidaten aufzustellen. Diese letzteren sollen Montag nominiert werden. — Aus Worms wird gemeldet: Gestern Abenn trat der in einer kürzlich stattgehabten Versammlung des großen AuSschuffes der nationalliberalen Partei in Worms gewählte Vorstandzueiner Sitzung zusammen, in welcher El. Trumpler als 1. Vorsitzender, W. Rauch als 2. Vorsitzender, W. Lorbach als Schriftführer und P. Siede als Rechner bestimmt worden sind. Gleichzeitig wurde in dieser Sitzung, welcher auch Landtagsabgeordneter Reinhart beiwohnte, die bevorstehende Wahlmänner wähl für den Landtag besprochen und einstimmig beschloffen, N. Reinhart wiederum als Kandidaten dem großen Ausschuß in einer demnächst einzuberufenden Versammlung in Vorschlag zu bringen. — In einer vor drei Wochen wegen Beschickung des Offen- burger Parteitages abgehaltenen Ausschußsitzung des demokratischen Vereins in Mainz sind, wie der „M. A." schreibt, auch die bevorstehenden Landtagswahlen besprochen worden, wobei einstimmig die Ansicht zu Tage trat, daß die demokratische Partei unter allen Umständen für die Wiederwahl der beiden seitherigen Landtagsabgeordneten Dr. David und Haas, die nach jeder Richtung hin ihre volle Schuldigkeit gethan haben, eintreten müsse. Demzufolge war die Parteileitung der Demokratischen Partei in der Lage, der sozialdemokratischen Partei entsprechende Zusicherungen zu machen und in einer am 7. d. Mts. stattgehabten Besprechung von Vertretern der deutsch-freisinnigen, nationalliberalen und demokratischen Partei die bündige Erklärung abzugeben, daß die demokratische Partei den Eintritt in irgend welche, gegen die sazialdemokratische Partei gerichtete Koalition ablehnen müsse und gemeinsam mit den Sozialdemokraten in den Wahlkampf eintreten werde. Der Ausschuß >es demokratischen Vereins hat nun in seiner gestrigen Sitzung das Verhalten seiner Parteileitung gebilligt und den Beschluß gefaßt, die sozialdemokratischen Kandidaturen mit allem Nachdruck zu unterstützen und die Parteigenoffen aufzufordern, der von der sozialdemo- ratischen Partei aufzustellenden Wahlmännerliste ihre Stimmen zu geben. — Gelegentlich einer dieser Tage in Groß-Umstadt abgehaltenen Wählerversammlung wurde Kealschuldirektor Dr. Lahm einstimmig als Kandidat »er liberalen Parteien zur nächsten Landtagswahl Bezirk Groß-Umstadt-Dieburg) aufgestellt. Es wurde em engeres Wahlkomitee gebildet, das die Abhaltung einer großen Wählerversammlung, wozu alle Wähler des Bezirkes einge- aden werden, in die Wege leiten soll. — Seitens der Zentrumspartei ist Verwalter U e b e l in Dieburg, seitens der liberalen Parteien in vielen Landgemeinden Landwirt Hauk in Schaafheim als Kandidat aufgestellt.
Butzbach, 10. Okt. Gestern Abend hatten sich auf ergangene Einladung von Jntereffenten im .Garnbrinus" etwa 40 Ladenbesitzer versammelt, um sich über den von Großh. fteisamt Friedberg angeregten einheitlichen Sonntags- Ladenschluß im Kreise schlüssig zu machen. Mit dem von der Handelskammer beantragten Ladenschluß schon um 1 Uhr wollte man sich keinesfalls einverstanden erklären. — Nach lebhafter Debatte einigte man sich dahin, in hiesiger Stadt bei den Ladenbefitzern zwei Listen zirkulieren j u lassen. In die eine Liste sollen sich diejenigen Laden- lesitzer eintragen, die für Offenhaltung der Läden von 7—9 Uhr vormittags und 11—2 Uhr nachmittags sind, in die andere diejenigen, die Offenhaltung der Läden in den Stunden von 8—9 Uhr vormittags und 11—3 Uhr nachmittags wünschen.
Wetzlar, 12 Okt. Was von einem Lehrer alles ver- angt wird, zeigt ein Zettel, den heute Morgen em Lehrer der hiesigen Volksschule erhielt. Derselbe lautet wörtlich: geörber herrlörer T. Ich bitt sie wären fte nicht mahl so Freindlich und Töte sie mir nicht Helsen mit einer Marke ich wer ihn fül takbar dafür Bitte wollen sie so gut sein sie önen cS auch dem Kinde mit geben wen sie so gut roolen ein. Bitte schreiben sie mir antwort auf diesen Zetel rcdur wie ober man also bitte.
Vermischtes.
* Prag, 10. Okt. Bei der hiesigen St. WenzelS- Vorschußrasse wurden nach dem Tode eines höheren Beamten bedeutende Unterschlagungen entdeckt, was zur Folge hatte, daß der Präsident der Vorschußkasse Mvnsig- nore Trodzd und der Buchhalter Kohoft von ihren Aemtern suspendiert wurden. Tie weiteren Erhebungen ergaben noch andere Fehlbeträge. Ter gewesene Präsident wurde nach einem Verhöre in Haft behalten. Im Laufe des heutigen Tages wurden der Oberbuchhalter Hertwig und der Buchhalter Hueber verhaftet. Tie Höhe der de- raudierten Summe beläuft sich nach den angestellten Unter- uchungen auf über drei Millionen Kronen. Ter Beginn der Unterschlagungen datiert 20 Jahre zurück. Turch Aufstellung falscher Bilanzen und mangelhafter Kontrolle war es möglich, daß Me Defraudationen bis jetzt unent- reckt blieben.
Vnivcrsltüts-Nachrichteli.
Berlin, 10. Oktober. Die die „Nationat-Ztg." er- ährt, ist in der Frage der Errichtung einer katholisch- theologischen Fakultät in Straßburg sachliche Uebereinstimmung zwischen der Regierung irnd Der römischen Kurie erzielt und zwar auf der Grundlage, die sich aus der besonoeren Natur einer solchen Fakultät, andererseits aber aus dem Festhalten an der Einrichtung der deutschen Universitäten als Hochschulen ergiebt, welche in ihrer Gesamtheit staatliche Veranstaltungen sind. Es sind nur noch Formalitäten festzutzeilen.
Gerichlssaal.
■H" Gieße«, 10. Cft. Schöffengericht. Ten Dorfitz führte Amisaerichtsral Gebhardt, als Schöffen fungierten Geheimrat Prof. Tr. Netto und Fabrikant Eichenauer von Gießen. Tie Sitzung begann mit einer Verhandlung gegen den Friedrich P. aus Heuchelheim wegen Betrugs. Ter Angeklagte fuhr zweimal mit einer Fahrkarte, lautend Heuchelheim—Gießen einfach, auch die umgekehrte Strecke von Gießen nach Heuchelheim. Tas erste Mal ist ihm dies unbemerkt gelungen, das zweite Mal wurde er vom Schaffner aufgeforden, den Mehrbetrag der Fahrt nachzuzahlen. Es stellte sich aber heraus, daß er fern Geld bei sich haue. In bieiem Verhalten bes Angeklagten erblickte das Gericht un ersten Falle den Thatbestand des vollendeten Betrugs, ba der Angeklagte das Vermögen der Biberthalbahn durch die Vorspiegelung ge- schädigt habe, er fei im Besitze einer gültigen Fahrkarte, im zweiten Falle den Thatbestand bes versuchten Betrugs und ocrurteiUe ihn zu erner Geldstrafe von insgesamt 15 Mark. — Ter 'JJlaurer 91. zu Gießen war wegen Betrugs und Sachbeschädigung angeklagt. Er haue in ber Wirtschaft Snnkaus zu Gießen über seine Barmittel hinaus, unter Verschweigung seiner Mittellosigkeit, Speise und Getränke bestellt. Als er schließlich nicht zahlen konnte, wurde er vom Wirte vor die Thur gesetzt. Hierbei zerschlug der Angeklagte aus Wut noch obendrein eme Scheibe. Er wurde deshalb zu einer Gesamtstrafe von zwei Wochen Gefängnis verurteilt. — Tie Tienstmagd Luise S. aus Freiidlngen war beschuldigt, ber Frau Lenz zu Gießen eine Reihe von Gegenständen, baruuter auch eine goldene Brosche, entwendet zu haben. Die Angeklagte, welche in der Verhandlung große Reue zeigte, wurde wegen Diebstahls zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt. — Ter Arbeiter S. aus Leihgepern hatte anläßlich eines Streites einem anderen Arbeiter mit einem dünnen Spazierstock eine unbedeutende Wunde am Kopfe beigebracht. Da das Gericht nicht zu ber Ueberjeugung kam, daß der Fall ber gefährlichen Körperverletzung vorliege und der für einfache Körperverletzung erforderliche Strafantrag fettens des Verletzten nicht gestellt war, erfolgte Freisprechung. — Tent 13jäffiigen Schüler G. aus Gießen, war zur Last gelegt, dem Eijenbahnfiskus gehörige Eifenteile, die auf dem Wege lagen, um später noch verwandt zu werden, auf sem Wägelchen geladen zu haben, um sie dann zu verkaufen. Ta dem Jungen die zur Erkenntnis der Strafbarteit erforderliche Einsicht offenbar fehlte, wurde er freige- svrochen. — Sodann wurde der Maurergeselle Konrad G. von Dietzenbach, sowie der Dachdecker K. aus Karlsruhe wegen Betrugs zu je zwei Wochen G ef ängnis verurtellt. — Ter für die Firma S. Bergmann zu Gießen reisende R. war angeklagt, die ihm für eine verkaufte Taschenuhr geleistete Anzahlung der Firma liicht abgeliefert, ferner sich eine Tamenuhr rechtswidrig zugeeignet zu haben. Außerdem ivurbe dem Reisenden noch em Betrug zur Last gelegt. Ta ihm keines dieser Delikte nachgewiesen werden konnte, wurde er von sämtlichen Punkten der Anklage f r e i gesprochen unter Belasturig der Staatskasse mit Kosten und Auslagen. — Zum Schluffe wurde in mehreren Fällen im Privat- klageoerfahren wegen Beleidigung verhandelt. Dem Gericht gelang es, die meisten derselben durch Vergleich zu erledigen.
Arbeiterbewegung.
Der Streik der ftauzöfifchen Grubenarbeiter.
Paris, 10. Oktober. Der ehemalige Minister Guyot behauptet im ^Siöcle", daß die eigentlichen Urheber be6 Streiks im Dienste der Jesuiten ständen, welche der Regierung alle möglichen Schwierigketten bereiten wollen; nachdem sie in der Bretagne Offiziere zum Ungehorsam veranlaßt hätten, wollten sie nun auch die Arbeiter zum Ausstand verleiten. — Der vatikanische Korrespondent des ,Figaro" berichtet: Eine einflußreiche Persönlichkeit habe ihm erklärt, ber Papst werde seine bisherige Haltung gegenüber den Vorgängen in Frankreich nicht aufgeben. Der Papst wolle erst sehen, was die Kammer thun werde. Rach einem eingetroffenen Bericht erstreckt sich der GesamtauSstand der Bergarbeiter bisher über die Kohlenreviere des Departements Pas de Calais, einem kleinen Teil des TepartementS du Nord, ferner auf die Departements Loire, Haitte Loire, Gard und Tarn. In Montceau les MineS und Decazeville wird weiter gearbeitet. — Das Zentralkomitee der Kohlenae werke Frankreichs erklärte in Beantwortung deS gestern an dasselbe gerichteten Schreibens des Komttees ber Grubenarbetter bieiem, eS fei nicht zuständig, eine Entscheidung über die Beschwerden der Grubenarbeiter zu treffen. Um eine Verständigung im Guten herbeizu- ühren, müßten dieselben sich an die Grubenbesitzer wenden. — Ministerpräsident Uombes hatte mit dem Arbeitsminister eine Unterredung über die infolge des GesaintausstandeS zu ergreifenden wirtschaftlichen Maßnahmen sowie über die Frage, ob das zweite, den Ausstand ankündigende Schreiben deS Berg- arbeiterverbandes von der Regierung beantwortet werden solle, oder nicht.
Tepeschen aus St. Etienne, Lille, Carmaux, Dalenciennes, Pas de Calais, tue heute vormittag bei uuß eingegangen sind, melden eine Zunahme des Ausstandes, dezw. die überall bestehende Absicht, bei demselben zu beharren.
Der Genfer Streik.
Genf, 10. Okt. (Eigener Drahtbericht.) Heute wurden hier sämtliche Führer der Ausständigen verhaftet. Eine Abordnung der ausständigen Straß e n- bahn angestellten erklärte sich auf Aufforderung ber Regierung bereit, bie Direktion der Gesellschaft um eine Konferenz anzugehen, in der versucht werden soll, eine Verständigung Herde izu- ühren.
Genf, 10. Okt. (Schweizerische Depeschenagentur.) Heut^ Vormittag veranstalteten die Ausständigen einen Umzug durch Die Stadt mit umflorten Fahnen, sie wurden vom Militär aber auseinander getrieben. Es kam dabei zu Faustschlägen und Kolbeckstößen. Einige Personen wurden leicht verletzt. Einzelne Kaufläden find geschlossen. Der Einsluß der Anarchisten auf die Bewegung wird immer offenkundiger.
Bern, 10. Okt. Tie obersten Genfer VerwaltungS- und Gerichtsbehörden sehen die Lage als sehr ernst an. Wenn die Genfer Regierung mit ihren 3000 Stadttruppen nicht Meister wird, wird sie sowrr die Bundesregierung um Absendung eidgenössischer Truppen ersuchen.
Frankfurt a. M., 11. Okt. Die »Franks. Ztg." meldet aus Genf: Der sozialistische deputierte, Arbeitersekretär Sigg, der wegen Verweigerung des Milttärdienstes zwei Tage Hast erhallen hatte und heute freigelassen wurde, erklärte in einer Versammlung, daß die oerhafteten Komiteemitglieder nur wegen des unautorisierten Temonstrattonszugs bestraft feien und morgen entlassen werden. Gestern und heute vormittag wurden gegen 50 Verhaftungen oorgenommen. Heute abend gab es auf dem zum Tramdepot führenden Boulevard Saint George wilde Szenen zwischen mehreren tausend Temonstranten uiid dem Milttär, be- onders der Kavallerie. Zahlreiche Verhaftungen und Verwundungen sind erfolgt Tie Verhandlungen zwischen der Tramdirektton und dem Streikkomitee sind noch ohne Resultat
New-York, 10. Okt (Gig. Drahtbericht) Die gestern nachmittag ftattgehabten Besprechungen verschiedener Senatoren mtt den Vorständen von großen Bereinigungen der Anthra- citkohlenbergwerkSbesiyer hatten scheinbar den e n t- gegengeseyten Erfolg als man gehofft hat Tie Besitzer reiften wieder ab, mtt ber Erklärung, sie würben nie ben Forderungen der Bergleute nachgeben.
Berlin, 10. Oktober. (E i g. T r a h t b e r i ch t) Nach einet Meldung aus Madrid kam es gestern in Salinea bei Gibraltar, wo 25000 Mann streiken, zu einem furchtbaren Auftritt. Tie Geiidarnierie wollte eine Verfaminlung un Stier-Zirkus verhindern. Sie wurde aber mit Stemwürfen angegriffen und gab Feuer. Drei Arbeiter wurden erschossen und sehr viele'verwundet. Vorher hatte die Menge die Brotläden geplündert und die Wohnung des Bürgermeisters zertrümmert Tie Stadt ist von Jilfaitterte besetzt. In «evilla steht ber Generalstreik bevor. In Barcelona, Madrid, Murcia und Leres sind bie Zustände ebenfalls bedenklich.


