Erstes Blatt.
Montag 11. August 1902
152. Jahrgang
Nr. 186
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siegener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt.
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Amts- md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen sMZ
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König Hduards Krönung
Feuilleton.
Lord Uhr Der sein die
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Abhaltung des Jugendfestes.
Mittwoch, den 13. August l. I., nachmittags von 2 Uhr ab, wird das diesjährige Jugendfest im Philosophenwalde abgehalten werden.
Zwecks Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit bestimmen wir hiermit, daß an genanntem Tage von iy8 Uhr nachmittags ab der Fuhrwerksver- kehr nach dem Philosophenwald nur den Mittelweg entlang und von da zurück nach der Stadt nur durch die Eichgärten; von 6 Uhr nachmittags ab aber in umgekehrter Richtung bewerkstelligt werde.
Das Publikum wird gebeten, sich nicht in den Zug hineinzudrängen, auch nicht die Spielplätze im Philosophenwald zu betreten oder in die Spiele einzugreifen.
Gießen, den 1L Aug. 1902.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Hechler.
London, 9. August.
Heute vormittag 11 Uhr verließ das Königspaar in der Staats-Karosse unter den donnernden Hurrahrufen der Menge den Buckingham-Palast. Dem Wagen des Kö- stigspaares ritten der Herzog von Connaught und Kitchener voran. Kanonensalven verkündeten um 11
25 Minuten die Ankunft in der Westminster-Äbtei. König schien bei ausgezeichnetem Wohlbefinden zu und dankte ebenso wie die Königin freundlichst für enthusiastische Begrüßung.
Zum Schlüsse machte Sanitärsrat Dr. Alsberg (Kassel) Mit- teiluug von den australischen Funden der Abdrücke des Gesäßes zweier Menschen und eines Fußes auf einem Sandsteinbruche in Viktoria, l1/< bis l*/2 Meilen von der Küste; auch Abdrücke der Fußspur des australischen Straußes und des KänSeruh fanden sich auf diesem Sandstein. Tie Eindrücke müssen ursprünglich in Dünensand gemacht sein, und da in Australien ^eine Küstensenkung von den Geologen konstatiert ist, und auch der Sandstein oom Kalkstein, dieser dann von Humus und Bäumen bedeckt war, so hat dieser Sandstein lange unter dem Meere gelegen. Aus anderen Funden nehmen die Geologen Archibald und Schoetensack au, daß diese
12 Uhr 40 Minuten ging das Aufsetzen der Krone vor sich; der Erzbischof vollzog diesen Akt, indem er dabei ein Gebet sprach Die in der Kirche versammelte Menge brach hierbei in den Ruf: „God save the King!" aus. Es ertönten aus dem Hyde-Park und dem Tower Kanonenschüsse. Nach Beendigung der Krönung wurde König Eduard von der Geistlichkeit auf den Thron gehoben. Der'Erzbischof und die übrige Geistlichkeit kniete vor dem König nieder und huldigten ihm. Der Prinz von Wales kniete gleichfalls nieder und schwur dem König den Lehnseid. Desgleichen thaten sämtliche Prinzen und die Peers. Es folgte die Krönung der Königin. Die Königin scyien durch die Feierlichkeit, deren Eindruck auch thatsächlich überwältigend war, etwas befangen. Sie ging langsam und mußte von Oxford, der links neben ihr ging, bitten, sie an der Hand zu führen. Um 1 Uhr verließ der Zug die Abtei um nach dem Buckingham-Palast zurückzukehren, unter dem Glockengeläut aller Kirchen und Salutschießen. Die Menge brach bei Erscheinen des Königs in laute Hurrah- rufe aus.
Die ganze Art, wie die Krönung geleitet wurde, machte einen guten Eindruck. Die gewaltigen Tribünenbauten der Galerien waren so angebracht, daß sie den Anblick des Inneren der alten Kathedrale mit ihren braunen Säulen und Wänden möglichst wenig änderten. Zwei große Tribünen waren übereinander aus jeder Seite des Mittelschiffes hinter den Säulen errichtet und die Vorberwand zwischen ihnen war dunkelblau und gelb drapiert. Die Tribünen selbst waren in zartem Meergrün gestrichen, was alles zum Braun des alten Gesteins gut paßt. Dunkelblau war auch der eigens gewebte Worcester Teppich, der sich vom Altar der Kirche, bas ganze Mittelschiff entlang, bis zum vorderen Portale erstreckte. Solche weniger auffallende Farben waren nötig als Hintergrund zu den bunten Uniformen und Trachten und Toiletten der Zuschauer. Man hatte anscheinend darauf gesehen, die Tribünen recht bunt und prächtig zu besetzen und darum so viele Bürgermeister in farbiger Amtstracht, Ordensritter in ihren Talaren, und Freimaurer mit ihren Anzeichen eingetaden. Leute ohne Uniform, die eingeladen waren, mutzten besonders distinguiert und bekannt sein, wie z. B- der Schauspieler Sir Henry Irving, der in sammtener schwarzer Tracht neben einem hohen Offizier saß. Den geschickten Regisseur der ganzen Feier, Herzog von Norfolk, sah man vor der Krönung unten im Schiss immer mit gemütlicher Ruhe umhergehen. Er trug einen dunkelroten mit vielem Gold gestrickten Frack, weiße seidene Kniehosen und Strümpfe, und machte den Eindruck eines Mannes, der seine Aufgaben genau kennt.
Daß das Alles ziemlich theatralisch, vielleicht sogar etwas opernhaft war, .ist kaum zu leugnen. Tie schöne Musik, die vier Stunden anbauerte, that das ihrige. Wagner kam zweimal zum Ton, einmal mit den Fanfaren aus „Lohengrin", das zweite Mal mit dem Kaiser mar sch Auch Gounod und Tschaikowsky hatten Märsche geliefert. Andererseits stimmten die Umstände, unter denen der König und die Königin die Krönung durchmachten, doch ernst. Vielleicht war ein fehlerhaftes Ueverwie- gen des Theatralischen in dem Umstande zu erkennen, daß, als der Erzbischof den zu krönenden König dem Volke vorstellte und es befragte, ob es ihn als König huldigen wollte, die jubelnde Antwort: „Gott erhalte König Eduard!" nicht vom Volke selbst ausgestoßen wurde, sondern allein von den Chorknaben im Orchester, und daß
Fußspuren der späteren Tertiärzeit (?) oder dem ältesten Diluvium angehören. — Die Arbeiten des Kongresses waren von Exkursionen begleitet. Bitt dem Danke an die gastliche Stadt Dortmund seitens des Vorsitzenden ward die Versanmüung geschlossen. Der Vorstand besteht neben dem Ehrenpräsidenten Geh. Rat Virchow sür das nächste Jahr aus Professor Waldeyer (Berlin), Freiherr v. Andrian- Werburg (Wien), Pros. K. von den Steinen (Berlin). Als nächster V e r j a m mlungsort wurde War m s gewählt.
Schutzimpfung bei Niudertuberkulose. Geh. Medizinalrat Tr. v. Behring veröffentlicht im Verein mit seinen wisicnschaft- lichen Mitarbeitern Römer und Ruppel eine Art von Urtunden- jammlung zu seinen bedeutsamen Studien und Versuchen über „Tu° berkiilose". Diese lahrelang fortgesetzten Arbeiten hallen keinen geringeren Zweck als die Auffindung eines wirksamen Immuni- sierungsverfahrens gegen die Ausbreitung der Rinder- tuberkulose. Die genannten Forfcber süid zu der Ueberzeugung ge° langt, daß ihneii die Lösung dieses Problems gelungen sei. Sie behaupten aus Griind ihrer Versuche und ihrer Beobachtungen, Rinder durch Vorbehandlung nut bestimmten Tuberkelbaallenkul- turen derartig beeinflußt zu haben, daß sie eine spätere Impfung mit einem für gesunde Kontrolliere t ö t l i ch e n Tuberkelgift ohne irgendwelchen Schaden ertragen konnten. Ob diese durch den Versuch erzeugte Unempsäuglichkeit der Rinder sich auch aus die natürliche Ansteckungsmöglichkeit mit Tuberkelgift erstrecken wird, das zu ermitteln ist Ausgabe der experimentellen Forschung, die bereits eingeleitet wird. Es liegt cutf der Hand, daß die Thatfache — immer die Richtigkeit der wissenschaftlich nachgeprüften und für richtig befundenen Methode voraiisgesetzt — der wirksamen Rinderschutzimpfung gegen die schädlichen Einflüsse hochgradiger Rinder- tuberkelbaziUen von einer unermeßlichen Tragweite für die Viehzucht nicht nur werden muß, sondern daß sie auch noch ungeahnte Perspektiven für den Kampf gegen die Menschentuberkulose eröffnet, sollte es wirklich möglich werden, auch beim Menschen eine solche wirksame Schutzimpfung gegen das Gift der Menschentuberrnlose einzuleiten, dann würde der Name Behring den größten MenschheitS- roohlthärern aller Zeiten und aller Völker zugezählt werden müssen.
Eine Majeftätsbeleidignugsttage, die durch ihre Vorgeschichte und ihren Entwicklungsgang in mehr als einer Hinsicht Aussehen erregt, wurde durch die Münchener Staatsanwaltschaft gegen den Dichter Friedrich Benz eingelettet. Benz, der zu den Hypermoderneil gehört, bat eine Reihe von Bänden seiner Dichtungen erscheinen lassen. Der in Braunschweig lebende Herausgeber der „Stimmen der Gegenwart", Karl Hartmann, interessierte sich für diese Bücher und trat mit Dem m SBrieiroedricL
I um biographische Taten von ihm zu erhalten, die er in einem Buch über den ethischen Gehalt dieser Gedichte verwerten wollte. In einem Bries an Hartmann äußerte nun Benz auch seine Meinung über die bekannte K u n st r e d e d e s K a i s e r s vom Februar d. und gebrauchte in Bezug auf den Inhalt der Rede, nicht auf die Person des Aton arch en, einen kräftigen, vulgär e n Ausdruck, den auch Goethe in feinem Faust nicht verschmäht hat. Tie Briefe und auch eine Sendung Bücher von Benz kamen merkwürdigerweise zu Handelt der Braunschweiger Polizei und diese leitete ein Verfahren ein. Zunächst erschien bet Benz in feinem Sommeraufenthalt in Tutzing em Gendarmeriewachtmeister und bald darauf erhielt er eine Vorladung vor das Amtsgericht zu München. Der ihn vernehmende Amtsrichter zeigte dabei wenig Neigung, die Ausführungen des Beschuldigten entgegenzunehmen, er meinte vielmehr: „Ich würde Sie verurteilen. Wenn Sie solche Sachen sagen ivollen, können Sie aus Deutschland auswandern." Ta es sich in diesem Falle nicht um eine Kritik der Person des Kaisers, sondern einer Aeußerung handelt, die der Kaiser in einer den Regierungsgeschäften ferne liegenden Angelegenheit in Bezug auf die Kunst gethan hat, und da ferner ein in einem Privatbrief gebrauchter Ausdruck Anlaß zu strafrechtlicher Ein- schreitung gab, ist die Angelegenhrit für die lüerarischen Kreise von größtein Interesse.
Mainz, 10. Aug. DaS Vermächtnis der Frau Dieterich an die Stadt Mainz besteht aus einer Reihe von Gemälden, von denen wir folgende erwähnen wollen, die zu den bei- gesetzten Preisen tariert sind: Eugen Bracht 600 Ml., L. Knaus (Schusterbuben) 6000 Mk., Andreas Achenbach 3500 Mk., Harburger (Bauernkopf) 100 Mk., Preller 150 Mk., A. v. Werner 2000 Mk., Harburger (Rübenschälerin) 1800 Mk., Leibl 1500 Mk., Harburger (Wirt) 150 Mk., Vautier 1500 Mk., Knaus (alter Mann) 800 All., Knaus (Harlekin) 300 Mk., Andreas Achenbach 500 Mk. Gesamt- ivert 29 170 Mk.
Wilh elm Jordan hat sich von feinem Unwohlsein wieder soweit erholt, daß er schon das Zimmer verlassen komrte, um sich in seinen Garten zu begeben und voraussichtlich nächster Tage eine Ausfahrt machen wird. — Tr. Paul Lindau teilt zugleich im Namen feines Freundes Adolf L'Arronge mit, daß er mit dem letzteren einen Vertrag abgeschlossen hat, auf Grund dessen die Leitung des Deutschen Theaters zu Berlin vom 1. Juli 1904 auf ihn übergeht. — Die 47. Allgemeine Versammlung der Deutschen Geologischen G e f e l lsch as t wird vom 8. bis 18.Augustin Kassel abgehalten.
Paris, 9. Aug. Der Maler Tissot ist gestorben.
— Bom deutschen Anthropologenkongretz in Dortmund. Pros. Köpp sprach über die Ausgrabungen bei Haltern i. Westfalen. Durch Prof. Schuckhardt sind 1901 an St. Anna- berg (südwestlich von Haltern) Grabungen vorgenommen worden. Die geringen Funde in dem doppelt so großen Kastell wie es die Saalburg ist, deuten auf die Zeit des Augustus; auch fand sich nordwestlich dieses Lagers noch ein zweites größeres Lager mit reichereil Funden. Eine dritte Fundstelle lag'südlich der zweiten, an der Lippe, die damals 100 Mir. nördlich ihres heutigen Laufes ihr Bett hatte. Tie dort gemachten reichen Funde, die tausende halbverbrannter Weizenkörner wiesen auf Getreidemagazine hin. Italische Sigillate, Waffen, Fibeln, Münzen vielleicht auf einen Anlegeplatz und auf ein Uferkastell. Zwischen 12 vor bis 16 nach Christo sind hier die Römer gewesen. Prof. Johannes Ranke (München) besprach seine Untersuchungen an sechs ihm aus China zugesandten V e r o r e ch e r g e h i r n e n. Es waren Köpfe von Raubmördern, die dort durch das Richtbeil getötet worden waren. Bei den bayerischen Verbrechern fand man meist Gehirne von großer oder von kleiner Kapazität, die letzteren gehen nach Ranke zumeist auf Atrophie zurück, während bei den Verbrechern mit großem Schädel ein gewisser Schwachsinn anzunehmen ist, der auf einem Hirndefekt beruhen muß. Dr. B i r k n e r (München) hat die Hunderassen aus der römischen Periode Bayerns untersucht. Die Schriftsteller, die Abbildungen des Altertums wiesen wenig, die Ausgrabungen einige Schädel auf. Dagegen besitzen wir auf römischen Ziegel st einen Abdrückeder Pfoten, aus denen ein größerer und ein kleinerer Hund erkennbar werden. Vergleiche mit den abgeformten Pfoten unserer Rassen ergaben, daß kein Hund der Römer in Bayern, so viel ist vorläufig zu sagen, die Größe eines Bernhardiners erreicht hat. Zum Schlüsse machte Sanitätsrat Dr. Alsberg (Kassel) Mit- teilung von den australischen Funden der Abdrücke des Gesäßes
ferner der Jubel darüber, daß der König den alten Krö- nunaseid geschworen und unterzeichnet hat, nur durch die Musik ausgedrückt wurde, während das Volk stumm bleiben mußte.
Auffällig war bei der Auffahrt zur Abtei die bisher bei solchen Gelegenheiten noch nicht dagewesene Verwendung von Motorwagen. Herzog von Connaught kam zusammen mit zwei anderen Generälen in einem keuchenden Motorwagen in eine Gruppe berittener Offiziere hineingefahren, deren Tscrde scheuten, ehe die Offiziere salutieren konnten. Zu i Spalierbilden waren neben englischen Soldaten und Muwosen auch indische Soldaten und Truppen aus den Kolonien verwendet. Die exotischen Truppen wurden durch Beifall sehr ausgezeichnet. Die Indier und Fidschi-Insulaner und West-Afrikaner hatten den größten Beifall. Ein Indianerhäuptling aus Kanada trug einen Heiterkeitsersolg davon. Die beiden Krankenpflegerinnen des Königs wurden in einer Hofkutsche zur Abtei gefahren und enthusiastisch begrüßt.
Daß der Erzbischof von Canterbury nicht nach vier Himmelsgegenden, sondern nur nach Westen den zu krönenden König dem Volke vorstellte, wurde nicht bemerkt, dagegen wurde auch im äußeren Teile der Kirche bemerkt, baß der König auf die vier Fragen, die ihm der Erzbischof vor der Vereidigung vorlegte, mit sehr lauter Stimme antwortete. Daß der Erzbischof nachher, als er den König zur Standhaftigkeit ermahnte, einen Schwäche an fall bekam, er gestützt werden und sich zur Kapelle Eduards I. zurüc^iehen mußte, war nur wenigen bekannt. Als der König mW)er nach dem Buckingham Palace zurückgekehrt war, zeigte er sich in Krone und Hermelinmantel mit der ebenfalls die Krone tragenden Königin auf dem Balkon. Beim Abmarsch der Spalier bildenden Truppen lief ein scheu gewordenes Pferd zwischen die indischen Soldaten und verletzte zehn davon. In Hall stießen zwei Hofequipagen zusammen, deren Pferde scheu geworden waren. Die beiderseitigen Insassen, Lord Pel- yam und Lord Clinton, wurden herausgeschleudert und leicht verletzt.
Die freudige Erregung, die bereits am frühen Morgen in den Straßen der Stadt herrschte, ließ auch in den späteren Stunden des Tages nicht nach; überall läuteten die Glocken; die Menge in den Straßen war noch größer als man erwartet hatte. Ihr Enthusiasmus war so groß, daß sie an zwei Stellen die Spalier bildenden Truppen durchbrach, um den König besser sehen zu können. Die Truppen hatten jedoch keine Schwierigkeit, bald wieder ihre Reihen zu schließen, so daß die frühere Ordnung wieder hergestellt wurde. Die Kundgebungen des Publikums vor dem Palast nach der Rückkehr der Majestäten war so stürmisch, daß der König und die Königin auf dem Balkon erschienen. Der König trat heraus, so daß er von der Menge gesehen werden konnte, er trug sein Staatsgewand und die Krone und wurde aufs lebhafteste begrüßt. Er wandte sich dann um und forderte die Königin auf, an seine Seite zu treten, was eine neue spontane Huldigungskundgebung zur Folge hatte.
Die Illumination ist auch glänzend ausgefallen. Der Buckingham-Palast erstrahlte in festlicher Beleuchtung. Auf seinem Dache war eine weithin sichtbare Krone aus zahllosen Glühlampen angebracht. Ungeheure Menschenmengen umstanden den Palast. Auch alle Häuser in den Straßen, durch die der Krönungszug sich bewegt hatte, prangten im Schmuck elektrischer Lampen.
Um 11 Uhr 25 Minuten traf der königliche Wagen in der Abtei ein. Der König verließ leicht und ohne jede Unterstützung den Wagen. Am Eingänge zur Abtei hatte sich der Erzbischof von Canterbury mit der gesamten Geistlichkeit aufgestellt, um das Königspaar in das Innere der Kirche zu geleiten. Die Königin, deren Schleppe von acht Pagen getragen wurde, nahm auf dem Throne der Königin Platz. Der König-trug das königliche Staatsornat und war begleitet von Edelleuten, welche die Regalien trugen, und anderen Würdenträgern. Der König schritt alsdann aus den im Vordergrund des Thrones befindlichen, für ihn bestimmten Sitz zu, verbeugte sich vor der Königin und kniete zum Gebet nieder. Bei Beginn der Predigt setzte sich der mit dem Purpurmantel bekleidete König das purpurne Sammt-Barett auf. Alsdann nahm der Erzbischpf dem König den Krönungseid ab.
Der König trat zur Zeremonie der Eidesleistung nicht, wie üblich, zum Altar, um niederzuknieen, sondern Leistete den Eid auf seinem Stuhle sitzend, mit der Hand auf der großen Bibel, küßte die Bibel und unterzeichnete die Eides-Urkunde. Es folgte die Oelung, die der Erzbischof vollzog. Er goß dem König einen Löffel mit Oel in Form eines Kreuzes aufs Haupt, Brust und beide Handflächen. Darauf segnete der Erzbischof den friieenben König. Lord Chamberlain überreichte dem nunmehr Gekrönten die Reichssporen und das Reichsschwert. Bei Anlegen des Schwertes ermahnte der Erzbischof den König, damit das Reich zu verteidigen. Nach dieser Zeremonie erhiell der König den Königsmantel aus goldenem Tuch umgelegt, und den Reichsapfel in die Hand. Um


