Ausgabe 
11.7.1902 Zweites Blatt
 
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.* V^rs ch önerungsve-rein. Die vielen Armehm- lichkeckeu und Erleichterungen, welche für den Spaziergänger 'm unserer näheren Umgebung durch die Thätigkeit des 1888 gegründeten hiesigen Verschöuerungsvereins fortdauernd ge­schaffen werden, haben unsere Mitbürger längst mit Genug- thuung wahrgenommen. Um nur einiges hier herauszugreifen, möchten wir zunächst daran erinnern, welche vorteilhafte Ver­besserung der Alte Schiffenberger DHeg seit den 80er Jahren erfahren hat. Wo man damals auf gänzlich schatten­losem Fahrweg durch tiefen Sand und Staub mühsam zum »Walde vordringen mußte, da wandelt man heute einen be­quemen, sauberen Pfad, von schattenspendenden Linden an­mutig gesäumt, und während gar der mittlere Teil des Weges im Walde vor einem Jahrzehnt noch selbst dem beherzten Touristen bei ungünstiger Witterung kaum überwindbare Hindernisse bot, wird er heute nach jüngst erfolgter Fertig­stellung der letzten Strecke auch von unseren zartesten Mit­schwestern zu jeder Jahreszeit mühelos und ohne Fährnis für Schuh und Kleid begangen. Wer hat sich nicht schon der trefflichen Weganlage gefreut, die jetzt zur Hohen Warte hinanführt, wer hat nicht schon vom neuen Aussichtsturm bort oben das entzückte Auge über Thäler und Höhen fihweifeu lassen? Die Errichtung des Georgstempels, die Anbringung von Wegweisern, die Verbesserung an so manchen beliebten Waldpfaden (man denke nur an den noch immer zu wenig gewürdigen Hangelstein) rst sicher von gar vielen mit aufrichtiger Freude begrüßt worden, und ein jeder von uns, wes Alters er auch sei, hat ohne Zweifel des öfteren schon auf einer der zahlreichen in Wald und Flur aufge­stellten Ruhebänken willkommene Rast gehalten. Wenn dem­nach wohl alle Bewohurr Gießens begründete Ursache haben, dem Verschönerungsverein für sein gemeinnütziges Wirken (auch des Wetterhäuschens in der Südanlage sei hier gedacht) dankbare Anerkennung zu zollen, so dürfte man füglich erwarten, daß dieser Dank auch in zahlreichen Beitritten und Beitragsleistungen seinen Ausdruck fände. Leider aber stehen noch so manche außerhalb des Vereins, denen es wahrlich nicht an Verständnis für dessen Bestrebungen mangelt, denen auch die Höhe des Jahresbeitrages (2 All.) kein Hindernis sein kann, bei denen es vielmehr wohl nur an der erforderlichen Anregung bis jetzt gefehlt hat. In dieser !Erwägung läßt gegenwärtig der Vorstand des Verschönerungs- vereins Aufforderungen zum Eintritt an weitere Kreise er­gehen; wir möchten wünschen, daß dieses Vorgehen vom ^besten Erfolg begleitet sei, und wir dürfen versichern, daß berjenige, der aus Versehen etwa eine besondere Aufforderung nicht erhalten hat, nicht minder willkonunen geheißen wird, wenn er seine Anmeldung an Herrn Fabrikanten Ad. Z ur b u ch, Goethestraße 7, richtet. Noch sei darauf aufmerksam gemacht, daß jedem Mitglied ohne besondere Aufzahlung eine große Aebersichtskarte der Umgebung von Gießen über­reicht wird, welche, im Maßstabe 1:25 000 und in anschau­licher Geländedarstellung ausgeführt, besonders auch durch die ausgedehnten Waldungen unserer Gegend, da sie alle Schneisennamen enthält, ein zuverlässiger Führer sein kann. In den Papiergeschäften von E. Balser und H. Kühn ist sie zur Ansicht ausgelegt.

** Emser Kur-Theater. Wegen gänzlich unge­nügender Betelligung findet eine Fortsetzung der Operetten- Vorstellungen nicht statt. In der Musikalienhandlung von Ernst Ehallier werden die nicht verkauften Bonds zurück- gezahlt.

** Die neapolitanische Gesangs- und Tanz­gesellschaft Masaniello, die heute abend in Steins Garten gastiert, leistet nach Urteilen derBadischen Presse" in Karlsruhe und desStuttgarter Tageblattes" so Vorzüg­liches, daß ein Besuch wohl empfohlen werden kann.

** Größere Anzeigen für die Samstags­nummer desGießener Anzeigers" wolle man mög- üchst bis heute nachmittag, kleinere bis Samstag vormittag 10 Uhr, bei der Geschäftsstelle aufgeben.

X Nieder-Gemünden, 10. Juli. Einem entsetz­lichen Unfall ist der Bierfuhrmann der Gießener Aktien- Brauerei, H. Lang, zum Opfer gefallen. Gestern Abend spät auf dem Heimwege kehrten seine Pferde mit dem Wagen ohne den Fuhrmann nach Burg-Gemünden zurück. Alan fand den Fuhrmann auf der Straße tot liegend mit abge­stürztem Genicke. Entweder haben seine Pferde bei dem grellen Blitzen des in der Nacht losbrechenden Gewitters ge­scheut, oder der Verunglückte ist durch einen anderen Um­stand von seinem Wagen gestürzt. Der noch junge Mann hinterläßt Frau und Kinder.

ha. Schlechtenwegen (Kreis Lauterbach), 10. Juli. Gestern gegen Mitternacht schlug der Blitz in das Gehöft des Bürgermeisters Schrimpf hier. Das Gehöft brannte, obwohl die Feuerwehr sofort erschien, total nieder. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt.

Darmstadt, 9. Juli. In der letzten Zeit sind hier zwei falsche deutsche Reichskassenscheine zu 20 Mark (vom 10. Januar 1882 und den Nummern 285706 und 403746) zur Ausgabe gelangt. .Sie sind anscheinend durch Lichtdruck hergestellt und die rote Schrift ist auf der Rückseite leicht verwischbar. Das Papier der Nachbildungen greift sich härter an wie bei den echten. Als besonderes Erkennungszeichen der falschen Scheine dient das auf der Rückseite unter der Nummer befindliche Zeichen, indem bei den echten der Reichsadler und zu beiden Seiten desselben die Zahl 20 ganz deutlich sichtbar, während bei den Nach- blldungen der Reichsadler und die Zahl 20 kaum erkennbar sind. Aehnliche Nachbildungen sind in München in Verkehr gebracht.

ha Birst ein, 9. Juli. Am 16. Oktober 1901 war m Hannover ein 4jähriges Kind gestohlen worden und bis jetzt nicht wieder zum Vorschein gekommen. Nun haben gestern drei Gendarmen das gestohlene Kind auf dem Wege zwischen Fischborn und Wüstwillenroth bei einer Zigeuner­gesellschaft aufgefunden. Sämtliche Personen des Wagens wurden sofort verhaftet und in das hiesige Amtsgefängnis /abgeführt. Das Kind wurde von der Fürstin Ysenburg- Birstein in Pflege genommen. Auf das Wiederauffinden des Kindes war von den Eltern eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt, welche jetzt den drei Gendarmen zufällt.

Mainz, 9. Juli. In der heute Abend abgehaltenen Stadtverordnetenversammlung machte der Oberbürgermeister die Mitteilung, daß die Gewerkschaften eine Eingabe an die

Stadt Mainz gerichtet haben, in welcher sie darum ersuchen, städtische Arbeiten sirr die Folge nur an solche Firmen zu vergeben, welche mit ihren Arbeitern schriftlich festgelegte Vereinbarungen über Lohn- und Arbeitsbedingungen aner­kannt habem Diese Eingabe wird der sozialpolitischen Depu­tation zur Begutachtung überwiesen.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Bei St. Goarshausen fuhren dem Personenzug 313 Frankfurt-Köln am 9. d. Mts. mehrere Güterwagen in die Seite. Personen wurden nur sehr leicht, besonders durch Glassplitter verletzt. Der Sachschaden ist bedeutend. Seine goldene Hochzeit feierte am 8. Juli in Offenbach der Präsident des Sängervereius, Herr Henry Fuchs. Es wurden ihm aus diesem Anlaß viele Ehrungen zu Teil. Der Großherzog übersandte ihm sein Bild mit eigen­händiger Unterschrift. In Ober-O hmen geriet ein jung verheirateter Einwohner unter die Räder seines schwer- beladenen Wagens und erlitt dabei einen mehrfachen Rippen- bruch und schwere Quetschungen.___________________________

Vermischtes.

* Stettin, 10. Juli. In der vergangenen Nacht wurde auf dem Bürgersteige der Johannisstraße ein schwer verwundeter Mann in bewußtlosem Zu st and ausgefunden. Gr hatte eine 15 Centimeter lange Halswunde und wurde als der Schuhmacher Neuendorf von hier fest­gestellt. Als der Thäter wurde der Schuhmacher Friedrich Narrenbach ermittelt und festgenommen. ' Narrenbach er­klärte bei der Vernehmung, daß er dem Neuendorf ein Schuhmachermesser vorgehalten und dieser in dasselbe hin­eingelaufen sei.

* Paris, 10. Juli. Eine furchtb are Feuers­brunst zerstörte gestern einen Teil des Städtchens Her- pont. Das Polizeiamt, die Kirche, sowie drei Wohnhäuser und eine Scheune sind ein Raub der Flammen geworden. Sämtliche Kirchengeräte, zahlreiches Mobiliar und Waren­vorräte sind vernichtet. Der Materialschaden ist sehr be­deutend. Da das Feuer gleichzeitig an mehreren Stellen ansbrach^ vermutet man Brandstiftung. Die Versteige­rung des Mobiliars der Familie Humbert dauert fort. Heute kommen 200 Hüte, welche von den hervor­ragendsten Pariser Geschäften geliefert worden sind, zum Verkauf. WiePetit Parisieu" berichtet, gelangen etwa 100000 Meter feinstes Leinenzeug ebenfalls heute oder morgen zur Versteigerung._____________________________

Ulliversltäts-Uachrichten.

Würzburg, 9. Juli. Der Konflikt des Kultusministers mit der Würzburger Senats-Mehrheit hat eine pikante Seite, die in den bisherigen Erörterungen nicht errvähnt wurde. Der Minister ist nämlich Ehrendoktor der Universität Würzburg! (Ge­legentlich der Einweihung des neuen Kollegienhauses ernannte 1896 die juristische Fakultät Herrn v. Landmann zum Dr. jur. honoris causa. In der Begründung der Ehrung wurde auf Landmanns Kommentar zur Gewerbeordnung hinaewiesen.)

Innsbruck, 10. Juli. Der pensionierte Universitätsprofessor Dr. Julius v. Ficker, Fortsetzer von Boehmers Kaiserregesten, ist heute früh hier gestorben.

Gerichtssaal.

Mainz, 10. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Das Orts­gewerbegericht Mainz hat tm Gegensatz zu dem preußischen Mi­nisterium aber in Uebereinstimmung mit verschiedenen Gewerbe­gerichten süddeutscher Staaten entschieden, daß das Gärtner- gewerbe zum Handwerk, nicht zur Landwirtschaft zu rechnen sei.

Leipzig, 10. Juli. Das Reichsgericht verwarf die Revision Yes Staatsanwalts gegen das Urteil des Landgerichts Elberffld vom 17. April 1902, wodurch der Verlag­buchhändler Wiemann von der Anklage, den Kaiser von Oe st erreich b.eleidigt zu haben, frergesprochen wurde.

Hirschberg, 10. Juli. Vom hiesigen Schwurgericht wurde nach zweitägiger Verhmldlung der 20 Jahre alle Schlosser Lorenz wegen Mordes mrd die 38jährige Steinsetzers­frau Neugebauer wegen Anstiftung zum Atorde zum Tode verurteilt und der bürgerlichen Ehrenrechte für ver­lustig erklärt. Lorenz hatte auf Anstiftung der Neugebauer, mit der er ein Liebesverhältnis unterhielt, den Ehemann Neugebauer am 19. November v. Js. durch Beilhiebe getötet. Beide haben dann den Leichnam zerstückelt, den Kops in dem Stubenosen ver­brannt, den Rumpf und die Beine in einen Sack genäht und diesen dann in den nahen Fluß geworfen.

Heidelberg, 10, Juli. Die hiesige Straflammer verurteille den heruntergekommenen und schon öfter vorbestraften, 27 Jahre alteri Sohn eines höheren bayerischen Offiziers, Willy Vogel aus Wochenheim, der z. Z noch eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren verbüßt, wegen hier verübter Schwindeleien und Betrügereien zu einer Zusatzflrafe von 1 Jahr 4 Atonalen Gefängnis. Vogel, der als Einjahrig-Freiwilliger gedient und Medizin st u d i e r t tjat, geriet in München in Folge einer verfrühten und unpassenden Heirat auf die Bahn des Verbrechens, die er seitdem nicht mehr verlassen hat. Aus München würbe er seiner Zell aus­gewiesen.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde«

7, Sonntag nach Trinitatis, den 13. Juli. Gottesdienst.

In der Stadtkirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Grein.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Markus- gemeinbe.

Vormittags 91/« Uhr: Pfarrer Schlosser.

Vormlltags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Matthäus- gemeinde. Pfarrer Schlosser.

I« der Johauneskirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde.

Vormittags 9'/, Uhr: Profeffor D Drews.

Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes- gemeinde. Pfarrer Dr. N a u m a n n.

Am Sonntag, abends 8 Uhr, Versammlung und Bibel- besprechimg im Konfirmandensaal der Johauneskirche.

Katholische Gemeinde.

Samstag den 12. Juli.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenhell zur heil. Beicht.

Sonntag den 13. Juli.

8. Sonntag nach Pfingsten.

Vormittags von 6/t Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

, um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil, Kom­munion.

, , 8 Uhr: Die zweite hell. Meße.

91/2 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 21/, Uhr: Andacht.

Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde.

Samstag, den 12. Juli 1902.

Vorabend: T46 Uhr. Morgens: 8^ Uhr.

Nachmittags: 4 Uhr: Schrifterklärung.

Sabathausgang: 940 U^rf

Zändel und Verkehr. UolkswirtschM

Liquidation einer Petroleum-Importfirma in Mann­heim. Die Importfirma von russischem Petroleum und Mineral ölen G e h l i g, Wa chenheim u. Co. in Mannheim ist im Liquidation getreten. Die in einer in Frankfurt a. M. ab» gehaltenen Versammlung der Beteiligten gewählte Liquidations- kommission hat das Geschäft mll allen Aktiven und Passiven an eine auswärtige Jnteressentengruppe, vertreten durch eine Berliner Bank, veräußert. Wie man noch nntteill, wurde die Liquidation herbeigeführt durch g r 0 ß e V e r l u st e bei dem Zusammenbruch der Firma C, W. Gehlig in Lodz, andererseits aber auch infolge der scharfen Konkurrenz seitens anderer Importfirmen. Nach einem Eintraa zum Handelsregister hat der frühere Prokurist der Geseü- schaft, Aug. Büschler in Antwerpen, die Firnia übernommen.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeigers.

Darmstadt, 10. Juli. Erste Kammer. Die Vor^

stellung der Gerichtsschreiber bei den Amtsgerichten rc. wird den Beschlüssen der Zweiten Kammer gemäß erledigt. Die Regierungsvorlage, 6etc. den Gesetzentwurf der Neben­bahnen Bingen Büdesheim und Hetzbach Beer» selben findet die Zustimmung des Hauses. Der Antrag Schönberger u. Gen., betr. die Nebenbahn Reichels« heimFürth, wird entgegen den Beschlüßen der Zweiten Kammer abgelehnt. Die Vorstellung der Gemeinde König st ädten, betr. den Waldtausch mit der Großherzogl. Domcmialoerwaltung, und der Antrag des Abg. Köhler» Langsdorf, betr. die Umgestaltung der ländlichen Fort­bildungsschulen wird gemäß den Beschlüßen der Zweiten Kammer erledigt. Der Antrag Ohl, betr. den Ausbau der Reallchrlle zu Groß-Umstadt zu einer Oberrealschule wird entgegen den Beschlüssen der Zwecken Kammer ab gelehnte Zu einigen weiteren Anträgen ertellt das Haus feine Zustimmung.

Darmstadt, 10. Juli. Zweite Kammer. Abg. Möllinger teilt schriftlich mit, daß er nach mehr denn 40jähriger Thätigkeck sein Mandat nieder lege. Die Versammlung beschließt, dem Abg. Möllinger den Dank des Hauses für seine lange Thätigkeit zu übermitteln.

Offenbach, 10. Juli. Gegen den Beigeordneten Wolff hiers. und dessen Kartellträger hat die Staats­

anwallschaft wegen Herausforderung zum Zweikampf die Strafverfolgung angeordnet.

Frankfurt a., 1L Juli. In BonLme^s itz heute früh die Scheune des Landwirts Heß in Brand ge­raten. Das Feuer sprang ans ein nebenstehendes WohuhauA über. Der Brand dehnt sich Wecker aus. 9 Uhr morgens brannten vier Wohnhäuser.

Berlin, 11. Juli. Das Buren-Hilfskomitee be­riet gestern wieder über die Heimschaffung der gefangenen Deutschen. Es hat sich mit der Wörmann-Linie in Ver­bindung gesetzt und diese wckd mck einem am 21. d.

in Bombay abgehenden Ostafrika - Dampfer eine Anzahl deutscher Gefgngener über Ostafrika zurüekbefördern. Wahr­scheinlich wird der Eine oder Andere in Ostafrika zu bleiben wünschen. Für das weitere Fortkommen' der übrigen werden sich der Burenhilfsbund und der Alldeutsche Verband be­mühen. Ferner soll ein anderer Dampfer möglichst bald Gefangene von der Insel St. Helena abholen. Die Ver­handlungen mit den deutschen Dampferlinien und der eng­lischen Regierung führt das deutsche Auswärtige Amt.

London, 11. Juli. Der Londoner Korrespondent der Liverpooler ,-Daily Post" meldet: Bei einem vor wenigen Tagen stattgehabten Diner gratulierte eine Dame dem Her­zog von Cambridge zur Rekonvaleszenz des Kö­nigs. Der Herzog antwortete in ernstem Tone:Dem König geht es gut jetzt", wobei der Herzog besonders^ das letzte Wort betonte. Es ist durchaus nicht unmöglich, fährt der Korrespondent fort, daß der König sckb vielleicht einer zweiten, wenn auch weniger gefährlichen Ope­ration unterziehen mutz. Die Preß^Assoeiation be­stätigt die Timesmeldung, daß der 9. August für die Krö­nung in Aussicht genommen ist mit dem Vorbehalt ärzt­licher Zustimmung. Es heißt, der König werde zur Er­holung zunächst nach Kingsgate auf der Insel Thanet gehen.

Wien, 11. Juli. Blättermeldungen zufolge hat sich Graf Alfons Pachta, Großgrundbesitzer und ehemaliger Landtagsabgeordneter, in einem Anfall von G e i ste s stüru rr§ erschossen.

Raccouigi, 10. Juli. Der König reiste heute abend nach Rußland ab. In Mailand schließt sich MiniMr Prinetti dem Gefolge des KLnigs an.

New York, 11. Juli. Hier sind weckere Emzelheckeu über den vulkanischen Ausbruch auf Marti-, nique eingetrosfen. Eine vulkanische Wolke erschiieu über Fort de Francs am Mittwochabend. Sie war dunkelschwarz und wies zahlreiche Lichtpuncke auf, so sehr war sie mck Elektrizität durchsetzt. Ein furchtbarer Donner begleitete, die Erscheinung. Die Bevölkerung war zwar erschrocken^ blieb indes ziemlich ruhig.

Johnstowu (Pennsylvanieu), 11. Juli. Die Zahl' der Atannschaften der in der Cam b riamin e Um ge­kommenen wckd auf 300 geschützt. Alle Minen in der Nachbarschaft sind geschlossen, da die Bergleute bei den Rettungsarbecken Hilfe leisten.

Telephonischer Kursbericht«

3*/a% Reichsan Lei he . . 102.55 30/0 do. ... 92.90 8'/,0/0 Konsuls .... 102.15 3<>/o do......92.55

3*/2% Hessen .... 100.20 3*/3% Oberhessen . . . 99.25 4% Oesterr. Goldretne . . 103.30 4/2% Oesterr. Silberrente 101.85 4% Ungar. Goldrente . . 102.30 4° Italien. Rente . . . 103.25 4V3% Portugiesen . . . 47.20 3°/e Portugiesen. .... 29.20 1% C. Türken . . . . 28.95 Türkenlose ...... 113,40 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 43.10 4/,% äussere Arpentiner.

3% Mexikaner ..... 4'/sVa Chinesen .... 91J.5

Electric, ßchuckert ... 102.50 Nordd. Lloyd . . , ..

Kreditaktien ..... 213.20 Diskonto-Kommandit. . . 184.90 Darmstädter Bank . , . 136.50 Dresdener Bank .... 144.50 Berliner Handelsges. . . 156.30 Oesterr. Staatsbahn . . . 149.50 Lombarden ..... 17.40 Gotthardbahn.....168.10

Laurahütte ...... 199.50

Bochum ....... 191.20

Harpener......162,50

Tendenz: schwächer.

Auf dem Trockenboden

wird die schönste Wäsche nicht hell, wenn man ein geringes billiges Waschpulver verwendet hat, welches Soda und oft rwch schärsere- Substanzen enthält. Gioth's gemahlene Kernseife mck Salmiak und Terpentin bleicht sowohl durch den aaranttert großen Seifeugehatt als auch durch den Gehalt au Terpenttn, welches den stärk' bleichenden Ozon entwickelt, in überraschender Weise. Preis per Packet 15 Pfg. Fabrikant: I. Gioth, Hanau. 1996