meiner Idee muß diese höchst wichtige Fruge aus der Grundlage des Freihandels und nicht auf der des Schutzzolles behandelt werden. (Beifall.) Einige Mitglieder des Hauses haben angeregt, wir sollten den fremden Nationen einen Zoll auserlegen, um den Kolonien eine Lorzugsbehandlung zu gewähren. Tas ist aber nicht )ie Politik der Regierung. Sir Edward Grey (liberal» protestiert gegen jedes System von Vorzugszöllen uno auch gegen den Getreidezoll, weil dieser zu Vorzugstarisen führe. Ter Antrag Channing (liberal), die Geltung des Getreidezolles aus ein Jahr zu beschränken, wurde ab- gelehnt. — Tas Unterhaus nahm mir 279 gegen 193 Stimmen Artikel 1 der Finanzbill (Getreidezoll) an.
— Nach einer Meldung der „Daily Mail" aus Newyork, werden zwei deutsche Militärs, Major v. Mühlmann und Oberst v. Witzleben im Auftrage Kaiser Wilhelms II. zum Studium der amerikanischen Heeresorganisation eine Reise nach Amerika machen. Tie beiden Offiziere würden zunächst die Militärakademie zu Westpoint besuchen und dann zur Besichtigung der wichtigsten Militärstationen eine Reise durch die Bereinigten Staaten unternehmen.
Haag, 10. Juni. Tie Zweite Kammer nahm durch Akklamation das Abkommen mit Deutschland an, betreffend die Verbindung der asiatischen Kolonien durch ein von einer deutsch-holländischen Gesellschaft herzustellendes und zu betreibendes Kabel.
Paris, 10. Juni. In der Deputierten kammer stellte sich heute das neue Kabinett Co mb es der Volksvertretung vor. Entschiedene Republikaner sind alle seine Mitglieder von dem sozialistisch angehauchten Pelletan an bis zu dem opportunistischen Freunde Gambettas, Rou- vier, dem Manne mit dem klaren Blicke für das, was finanziell möglich und ersprießlich ist, und zu Herrn Tel- casse, dessen diplomatische Bedeutung — will sagen Schmiegsamkeit — soeben von russische-offiziöser Seite vidiniert worden ist. Einig sind sämtliche neue Minister in dem Kampfe gegen den Einfluß der Kirche auf Schule, Ver- »valtung und Armee, und dieses Moment wird der nächsten Zeit seine Färbung geben. Ob sich nicht hinsichtlich anderer Punkte Friktionen zwischen den „Kollegen" bald einstellen, wird man abzuwarten haben.
Rom, 10. Juni. Deputierten kammer. Bei der Beratung des Marinebudgets erklärte Marineminister Morin auf verschiedene Anfragen, er widme der Frage der Unterseeboote andauernde Aufmerksamkeit. Ein Schisfs- ingenieur habe ein darauf bezügliches Projekt eingereicht, welches wertvoll zu sein scheine und einer genauen Prüfung unterzogen werden würde. Er hoffe, daß der Typus der italienischen Unterseeboote dem anderer Mächte überlegen sein werde. Die italienische Marine sei in andauerndem Fortschritt begriffen.
— Unter dem Vorsitz des Kardinals Swampa wurde einstimmig beschlossen, daß den Mitgliedern des Klerus der Gebrauch des Fahrrades untersagt sei.
Sofia, 10. Juni. Die Meldung, daß die türkischen Behörden die Flagge und das Wappen des bulga- rischen Handelsagenten in Sevres niedergerissen haben, ruft hier große Erregung hervor.
Petersburg, 10. Juni. Fürst Ferdinand von Bulgarien ist heute mittag in Peterhof eingetrossen und begab sich alsbald nach der kaiserlichen Billa, wo der Empfang des Fürsten durch den Kaiser und die Kaiserin stattsand. Der Kaiser stattete ihm alsbald im großen Palais einen Gegenbesuch ab. Später besuchte der Fürst die Kaiserin-Mutter in Gatschina sowie die Großfürsten Konstantin Konstantinowitsch und Michael Nikolajewitsch. Nach der Rückkehr des Fürsten fand in Peterhof Familiendiner statt.
Pretoria, 9. Juni. Bisher haben sich über 7 00 0 Buren ergeben. — Krüger wird nicht mehr nach Südafrika zurückkehren, sondern seine letzten Tage in Holland beschließen.
Aus MM und Land.
Gießen, 11. Juni 1902.
** Der hiesige Brieftaubenklub veranstaltete am Sonntag, wie angekündigt, einen Taubenwettflug. Trotz des schlechten Wetters ist immerhin noch ein gutes Ergebnis erzielt worden. Die Tauben wurden in Regensburg 6.10 Uhr aufgelassen. Die erste Taube wurde um 1.5 Uhr hier konstatiert. Bis 1.33 Uhr waren alle Preise vergeben. Preise erhielten folgende Herren: G. Forbach 1.7. 8.10. 12. Preis; I. Schlitt 2. 3. 6. 9. Preis; K. Neuling 4. 5. Preis; I. Hücker 11. Preis.
* * Fleisch,offerte für unsere Garnison. Bei 0er letzten Submission betr. bcn Fleischibedars des Infanterieregiments Nr. 116 für das halbe Jahr bis Januar 1903 verlangten unsere Metzger folgende Preise: Hammelfleisch Mk. 1,12, Rindfleisch Mk. 1,10, Ochsenfleisch Mk. 1,32, Schweinefleisch Mk. 1,35 per Kilo. Tie Offerten fanden aber höheren Orts keine Annahme mit Ausnahme des Angebots für Hammelfleisch, dessen Lieferung dem Metzgermeister Malkomcsius, Mäus'burg, übertragen wurde. Es wurden erneute Anerbietungen für die anderen Fleischsorten eingefordert.
* * Der Steg, der hinter dem Letschen Felsenkeller die Wieseck überbrückte, ist seit einigen Tagen entfernt worden, weil-er durch den hochwasserfreien neu angelegten Steg nach dem Hamm überflüssig geworden ist. Für die Passanten allerdings, die von der Westanlage am Eisenbahndamm entlang nach der Bahnhofstraße gehen, war der alte Steg, solange die Wieseck hochwussersrei ist, be- quemcr. Diese müssen jetzt einen Umweg unter dem Viadukt hindurch machen.
* * Zur Reform der Unfallverhütung bei Bauausführungen. Eine Anzahl Vertrauensmänner der baugewerblichen Arbeiter in Hessen hat im Januar an die Zweite Kammer eine Petition gerichtet, in der sie dem Landtage ein Detail ausgearbeiteter Vorschläge zum Schutz Der Bauarbeiter und des Publikums bei B a u - au s sü h r u n g e n unterbreitet mit der Bitte, dahin wirken zu wollen, daß diese Vorschläge einem Lcmvesbaupolizeigesetz zu Grunde gelegt und zur Reform des Bauarbeiterschutzes verwertet werden möchiten. Es wird aus die vielfachcm Mißstände hingewiesen, welche mit dem Baubetriebe in seiner jetzigen Gestaltung befunden sind, und die ihren äußeren Ausdruck darin fänden, daß nach der Unfaltstatistik der Baugewerksberufsgenossenschaften die Bauunfälle — auch in Hessen — von Jahr zu Jahr zunehmen. Die Befugnisse der Baupolizei müßten erweitert und g-esetz- ttche Vorschriften gegeven werden, welche die Rücksicht auf tieben miii) Gesundheit im allgemeinen sowie auf das sanitäre und sittliche Wohl der Arbeiter verlangen. Insbesondere sei dringend geboten, zur baupolizeilichen Ueber- wachung Arbellcr zuzuziehen. Der 4. Ausschuß wünscht.
daß diese Vorschläge der Regierung für die in Aussicht genommene Regelung eines ausreichenden Bauschutzes als Material überwiesen itnb an die Regierung das Ersuchen gerichtet werde, zur baupolizeilichen Ueberwachung praktisch geschulte Bauarbeiter zuzuziehen.
** Gu t e St roh ernte tu Aussicht. Gestern brachte der Schreinermeister Träntner in der Maigasse eine Kornähre aus dem Neustädterfeld mit heim, die 2,80 Meter im Halm maß.
** Wirtschaftsüberuahmc. Wie wir kürzlich mitteilten, siedelt der Geschäftsführer (nicht Büffetier, wie cs in jener Notiz hieß) unserer Bahnhofsreslauration Kohler demnächst als Pächter der Museumswirtschaft nach Marburg über.
g. Muschenheim, 9. Ium. Das am 29. Juni stattfindende 25jährige Stiftungsfest des hiesigen Gesangvereins verspricht einen großartigen Verlauf zu nehmen. 31 auswärtige Vereine mit mehr als 1400 Sängern haben bereits ihr Erscheinen zugesagt.
Darmstadt, 10. Juni. Der Großherzog wohnte heute vormittag den Besichtigungen des 2. Großh. Dragoner- Regiments (Leib-Tragoner-Regiments Nr. 24 und der 1. Abteilung des 2. Großh. Feld-Artillcrie-Rcgiments Nr. 61 durch den Kommandierenden General auf dem Truppen- Uebunasplatze bei. — Der Großherzog wird sich voraussichtlich am 21. zur Krönungsfeier nach London begeben. In seiner Begleitung werden sich dem Vernehmen nach der funktionierende Generaladiutant Oberst v. Wachter und Rittmeister Kraemer befinden.
Schloß Schaumburg, 10. Juni. Königin Wilhel- mina der Niederlande ist mit der Königin-Muller heute Abend hier eingetroffen.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Ein Agent aus Kassel hat den Vorsitzenden des Gesangvereins zu Harmuthsachsen durch einen Messerstich getötet, weil ihni der Eintritt zu einer Festlichkeit des Vereins verweigert wurde.— In Frankfurt a. M. hat sich die m der Parkstraße wohnende 63 Jahre alte ehemalige Lehrerin Grieshammer sich in ihrer Wohnung erhängt. Sie besaß ein größeres Vermögen._________________________
Vermischtes.
• Berlin, 10. Juni. Polnische Studenten verursachten gestern Abend in einem Kaffeehaus am Scwigny- platz in Charlottenburg einen großen Skandal. Sie zerschlugen Tische und Stühle, sowie die Fenster des Etablisse- ments. Nur mit Mühe gelang es, die Exzedenten zu überwältigen und in polizeilichen Gewahrsam abzuführen.
* Ferrol, 10. Juni. Der Küstentelegraph meldet die Vorüberfahrt eines englischen Dampfers, an dessen Bord eine Kesselexplosion stattgefunden habe, bei der einige Personen getötet und verwundet seien. Ein deutscher Dampfer leistete den Schiffbrüchigen Hilfe. Der Name des Dampfers ist unbekannt.
* Chicago, 10. Juni. Bei dem Brande im Sanatorium der St. Lukes Society wurden neun Männer nnb eine Frau getötet, 30 Personen wurden verletzt. Die Mehrzahl der Patienten befand sich wegen Trunksucht in Behandlung. Als das Feuer ausbrach, waren eine Anzahl Diliriumkranke an die Betten fest geschnallt.
Gerichtssaal.
M. Gießen, 10. Juni. Strafkam me r. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich, die Staatsanwaltschaft vertrat 'Oberstaatsanwalt v. Hessert. — Die Elisabethe Btlz von Groß-Karben, wegen Betrugs vielfach vorbestraft, wird wegen Betrugs im strafrechtlichen Rückfall in sechs Fällen und eines weiteren Betrugs in Jdealkonkurrenz mit Urkundenfälschung zu einer GesaMt- gefängnisstrase von 2 Jahren und 1 Monat verurteilt. — Der Landwirt Karl Eurich von Ilbeshausen war vom Schöffengericht Herbstein zu einer zehntägigen Gefängnisstrafe wegen Diebstahls verurteilt worden. Der 'Angeklagte hat feinem Schwiegersöhne Karl Ochs fast fern ganzes Besitztum abgetreten. Da die Ueber- gabe nach Angabe des Ochs nicht rechtzettig erfolgte, klagte derselbe auf Uebergabe und zwar mit dem 1. Juli 1901. Der Angeklagte fall nun nach einer Anzeige seines Schwiegersohnes Heu von den abgetretenen Aeckern sich rechtswidrig zugeeignet haben. Da nach der eigenen Angabe des Ochs die Aneignung vor dem 1. Juli 1901 erfolgt sein soll, in einem Zeitpunkt, in dem das Eigentum an den Aeckern noch gar nicht auf den Ochs übergegangen, eine fremde Sache mithin nicht weagenommen war, so mußte, unter Aushebung des erstinstanzlichen Urteils, der Angeklagte von Strafe und Kosten freigesprochen werden. — Der Gärtner Heinrich Brod VI. von Steinsurlh wird beschuldigt, fahrlässigerweise den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telephonanlage dadurch verhindert, bezw. gestört ztt haben, daß er beim Ausästen von Bäumen Zweige derart auf die Telephondrähte niederfallen ließ, daß sich die Drähte aneinanderschoben und eine Störung des Fernsprechbetriebes verursacht wurde. Ta dem Angeklagten nur eine leichte Fahrlässigkeit zur Last fällt, hält das Gericht eine Geld- slrafe von 3 Mk. für ausreichend. — Der wegen Diebstahls vorbestrafte Michael Jzydorsack ausSiemiauswitz hat einem Arbeitskollegen ?in Geldstück von nicht zu ermittelndem, jedenfalls aber unbedeutendem Werte aus der Tasche entwendet und wird deshalb zu einer viermonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. — Der vorbestrafte Bäckergeselle Julius Löb und der Metzgergexelle Karl Feucht sind des Vergehens im Sinne des § 181a des St.-G.--Bs., der Angeklagte Löb zudem des Betrugs und der Angabe eines falschen Namens beschuldigt. Löb wird in eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten und 1 Woche und in etne Haststrafe von 1 Woche, Feucht in eine Gefängnisstrafe von 1 Monat, verbüßt durch die erlittene Untersuchungshaft, verurteilt.
Neueste Meldungen.
Originaldrahtmeldnngeu des Gießener Anzeigers.
8. Darmstadt, 11. Juni. 2. Kammer. Forts, der Be ratang der Wahlrechts-Vorlage. Staatsminister Rothe erklärt aus die Vorwürfe des Abg. Heyd cur eich, die Vorlage sei von der Regierung sachlich und eingehend geprüft und für praktisch befunden worden. Die Regierung sei zu jeder Erläuterung bereit und empfehle die Annahme des Entwurfs in dieser Form. Abg. David ergeht sich in längeren Ausführungen über die seitherigen Wahlbestimmungen und begrüßt die Vorlage mit Freuden. Mit der Vorlage müsse aber ein allgemeines, gleiches geheimes Wahlrecht ohne jede Verklausulierung verbunden sein. So sehr man die Einführung des Wahlgeheim- visies begrüße, ebenso sehr bedauere man die vielen Beschränkungen dec Allgemeinheit des Wahlrechts. Eine der häßlichsten Ehikanen sei die Klausel der Steuerrückstände, die oft zu Stimmenfang benutzt werde. Staatsminister Rothe erwidert, die Regierung habe bei allen Abänderungen von den Hauptvoraussetzungen der Gesetzgebung nicht abgchen können. Geh. Staatsrat Krug zu Nidda führt aus, die Geschichte beweise, br; die Vorzüge des direkten Wahlrechts noch nicht bc wiesen seien. Trotzdem bringe man dem Lande diese Vorlage und hoffe auf sein Vertrauen. Beschränkungen des allgemeinen
Wahlrechts ließen sich nicht ganz vermeiden. Abg. Gutfleisch ist über die Vorlage erfreut. Nach Aeußerungen mehrerer Ab- geordneter teils für teils gegen die Vorlage wird die Weiter-
456 Oesterr. Goldretne .
102.80
4‘ Oesterr. Silberrente 101.80
Tendenz
112.80
44.40
. 25.65
. 90.20
. 106.00
101.50
102.75
46.10
29.45
. 216.90 . 188.00 . 140.00 . 147.00 . 159.00 . 151.30 . 18.90 . 169.50
37t% 3°/o SWu 3% 3l-2°/. 3' r56
do.
Konsole < do . .
Hessen überliessen
92.95
101.90
92.50
100.00
41/2 /., Chinesen Electric. Sei uckert Nordd Lloyd . .
Kreditaktien , Dibkonto-Koramandit Darmstädter Bank Dresdener Bank . Ber iner Bandelsges. Oesterr Staatnbahn Lombarden . . üotthar ibahn . . Laurauütte . . . Buchara .... Harpener . . .
: ruhio-.
. 200.80
. 178.00
4% Ungar. Goldrente . . 4°/ Italien Rente . . . 4' ,5L Portugiesen . . . °/ Portugiesen.....
1% C. Türken . . . .
Türkenlose......
4°/q üriech. Monopol -Anl.
4'/,-6 äussere Argentiner
Haiatansschläge. gg» schlüge ist Obermeyer's Herba-Seife. Bestandteile 90“,u Seife, 3° 0 Arnica, 2°/, Salbei, 1,5°/, arab. Wasserbechertraut, 3,5° „ Harntraut. Z. h. p. St. 1.25 Mk. in Apotheken, Drogerien und Parfümerien oder v. Fabrllanten I. Giolh, Hanau.4335
beratung auf morgen vertagt.
Berlin, 11 Juni. Dem Reichstage ging heute durch den Reichskanzler der Antrag zu, der Vertagung des Reichstags bis zum 14. Oktober zuzustimmen.
Sibyllenort, 11. Juni. Der heute früh ausgegebene Krankheitsbericht lautet: Der König von Sachsen schlief in der ersten Hälfte der Nacht ruhig. In den frühen Morgenstunden trat jedoch wieder etwas Unruhe ein. Der hohe Kranke verlangte Speise und Trank. Der Zustand erfordert noch sehr große Ruhe im Bett oder Liegestuhl. Fieber ist nicht vorhanden. Puls 104, regelmäßig.
Berlin, 11. Juni. Die „Kreuzztg." dementiert die Meldung, daß Graf Kanitz seine Interpellation wegen des Schiffahrtstrustes zurückgezogen habe. Am letzten Samstag hat der Reichskanzler dem Grafen Kanitz mitgeteilt, daß er wegen anderweitiger Inanspruchnahme die Interpellation in den nächsten Tagen noch nicht würde beantworten können. — In zwei dicht an einander au- schließenden Plenarsitzungen will der Reichstag heute den gegenwärtigen Abschnitt seiner Tagung abschließen. Ein Berichterstatter meldet: Tie Gesamtabstimmungen über die Zuckerkonvention, die döovelle zum Zuckersteuergesetz und das Branntweinstcuergesetz werden in die zweite Plenarsitzung verlegt werden, so zwar, daß die Abstimmung über die Branntweinsteuernovelle zwischen die anderen Abstimmungen geschoben werden soll. Damll soll verhütet werden, daß irgendwie und irgendwoher ein Bein gestellt werden kann, um eine dieser Vorlagen zu Fall zu bringen. Es sind mehrere namentliche Absttmmungen in Aussicht genommen. Tie Mehrheit für die Zucke rkvn- vention und die Novelle zum Zuckersteuergesetz ist gesichert.
London, 11. Juni. Oberst Lynch kam in Calais an, um nach England überzusctzen und seinen Sitz im Unter- Hause einzunehmeu. Er wurde bekanntlich von dem irischen Wahlkreise Galway gewählt, aber mit sofortiger Verhaftung wegen Hochverrat bedroht, da er unter der Buren- Armee gegen England kämpfte. — Die Königin Alexandra ließ durch den Bischof von London ankündigen, daß sie bei der Krönung 10 000 Dien st mädchen zum Thee empfangen und ihnen Krönimgs-Gedächtnis-Medaillen verleihen will.
London, 10. Juni. Im Unterhause wendet sich CampbellBannermann scharf gegen den Kornzoll, namentlich wegen der möglichen Konsequenzen und sagt, es bestehe keine Analogie zwischen dem deutschen Zollverein und der Einrichtung, welche einige Träumer als auf das britische Reich anwendbar vorschlügen. Er wünsche sehr, jede Ursache der Reibung zwischen England und seinen Kolonien zu beseitigen, aber das System der Vorzugszölle würde einen stärkeren Anlaß zur Reibung geben, als irgend eine andere Maßnahme. Harcourt bekämpft jedes System der Schutzzölle oder Vorzugszölle und sagt, das Beispiel Deutschlands sei ein schlechtes Argument für dieSchutzzollpolitik. Tie Lage Deutschlands sei weit weniger blühend als die Englands. Deutschland wäre augenblicllich äußerst froh, wenn es Englands Wohlfahrt hätte. — Finanzsekretär Austin Chamberlain erklärt, die Opposition wünsche von der Regierung mit Gewalt die Erllärung zu erlangen, daß die Regierung zu keiner Zeit und unter leinen Umständen einem Vorzugsabkommen mit den Kolonien zustimme. Es wäre ein sonderbares Verfahren, wenn die Regierung, ehe sie die Argumente der Vertreter der Kolonien hörte, sich feierlich verpflichte, auf keine Argumente und Ratschläge zu hören, welche diese Delegierten ihr geben könnten. Ein solches Verhalten gegenüber Fremden sei nicht höflich, gegenüber Verwandten nicht ziemlich. Schatzkanzler Hicks Beach erklärt, Campbell Bannermann habe den Zoll trotz seiner gestrigen Ausführungen als Vorläufer einer Vorzugsstellurtg der Kolonien behandelt. Es bestehe kein Grund für diese Auffassung.
London, 11. Juni. Die heutigen Blätter veröffentlichen ein amtliches Kommunique, wonach die südafrikanische Armee während der Jahre 1902 und 1903 noch 3 0 Millionen Pfund Sterling kosten werde.
Wien, 11. Juni. Fast die gesamte hiesige Presse spricht ihr tiefstes Bedauern aus über die in der gestrigen Abgeordnetenhaus-Sitzung vom Führer der tschechischen Sozialisten, Klofac, wegen "der Marienburger Rede des Deutschen Kaisers gemachten Ausfälle, und fordern, daß die Regierung Sorge trage, daß in Zukunft so verwegene unb frivole Aeußerungen nicht mehr gethan werdeii. Die gesamte öffentliche Meiiiung müsse die Beleidigungen des befreiindeten Monarchen als einen dem eigenen Lande zugefügten Schimpf energisch zurückweisen.
Wien, 11. Juni. Gestern nacht brach Feuer in einem großen von vier Straßen begrenzten Häuserblock in der Nähe des Hauptplatzes von Hornenburg aus, das bis heute früh anhielt. Der Häuserblock ist fast vollständig vernichtet. Heute früh gelang es, den Brand zu lokalisieren. Einzelheiten sind noch nicht bekannt.
Tunis, 11. Juni. Der Bey von Tunis ist heute vormittag gestorben. _________
TeSephoiiBseher Kursbericht.
Reichsanleihe . . 102.05 [ 37u Mexikaner . .
V tt’O’WS Cakes-Täbrüi §


