Leben. Ich wollte den Rhein von dieser Stelle wieder sehen und habe dabei der vielen Kameraden gedacht, denen ich auf dieser Erde nicht wieder begegnen werde. — Auf dem Rhein hegen eine ganze Anzahl großer Tampfer reich geschmückt für die Festfahrt am Nachmittag. Wird aus der Fahrt etwas werden? Die Mannheimer Wetterpropheten machen bedenkliche Gesichter. Als ich in die Ausstellung komme, werden die Regenschauer häufiger, wenn sie auch immer wieder rasch vorübergehen.
Heute will ich einzelne Maschinen genauer sehen. Wie viel Kraftmaschinen für Kohlen, Gas, Petroleum, Benzin, Spiritus-Heizung, heiße Luft und Elektrizität mögen ausgestellt sein? Zweihundert oder mehr? Es surrt und schnurrt und braust überall. Die Dreschmaschinen sind im Gang mit Strohpressen verschiedener Art verbunden. Hier werden die Strohballen in länglicher Form in dünne Hanfseile, dort fester in starke Drähte gebunden, so fest, daß keine Maus hineinschlüpfen kann. Die Landwirte stehen dabei und streiten, welcher Art zu binden ist der Vorzug zu geben? Heuwender verschiedener Systeme sind im Betriebe, sie wenden wirklich Heu, so daß sich der Landwirt über den Wert der Maschinen ein Urteil bilden kann. Hier hat der Fabrikant eines neuen Hackpfluges unter einem weiten Zelt ein kleines Ackerfeld zubereitet. Die Pflanzen werden durch kleine grüne aus Stoff gemachte Busche recht schön markiert. Ter Pflug wird mit einem Pferd bespannt und das Bearbeiten der Pflanzen gezeigt und mau kann sich, von der Brauchbar- teit und der vorzüglichen Arbeit überzeugen. EinigeMol- kereien sind in Thätigkeit. Ein einziger Mann regelt die Arbeit der Maschinen. Tie Milch fließt der Zentrifuge zu. In den ausgeschleuderten Rahm senkt sich ein Schöpfer nach dem anderen, schöpft sich wie von Men- fchenhand gelenkt, voll, die Schöpfer steigen senkrecht in die Höhe, machen die entsprechende Bewegung zum Ausgießen und entleeren sich ordnungsmäßig, in die Behälter zum Vorbuttern des Rahns. Der Butterkneter nimmt die Butter auf und verarbeitet sie. Wenn man diesem geschäftigen Treiben zusieht, ohne daß Menschen dabei wesentlich thätig sind, konnte man an Hexerei glauben. Wir wmmen in die Kosthallen für Molkereiprodukte. Etwa ein Dutzend junger Mädchen in verschiedenen Landestrachten bedient die Gäste, die herumstehen und für ein geringes Brot, Butter, Käse usw. stehend verzehren. Dicht daneben befindet sich die Kosthalle für Obstweine, Sekt und Li- queure aus Obst hergestellt. Der Zwetschenbranntwein, das Kirschwasfer aus Wildkirschen sind vorzüglich, dem Aepsel- weinsekt wird tapfer zugesprochen.
Nahebei sehen wir eine Einrichtung zum Entladen von Heu. Der Apparat kann durch irgend eine Kraftmaschine oder auch durch ein Pferd in Thätigkeit gesetzt werden. Greisen die Krallen glücklich in die Heumassen, die ein Wagen an die Scheune fährt, ein, so kann die 24 Zentner schwere Heumasse mit sechs Griffen dem Wagen entnommen werden. Es können auch bis zur doppelten Anzahl Griffe notwendig werden. Immerhin wird das Entladen eines Heuwagens, das oft so viele Menschen erfordert, und sehr zeitraubend ist, außerordentlich beschleunigt. Es bedarf nicht der Hälfte der fönst notwendigen Leute. Ein solcher Apparat wird demnächst in unserer Nähe in Thätigkeit treten. — Wie viel Dreschmaschinen mögen hier aufgestellt sein? Heinrich Lanz- Mannheim, der ja auch der nächste dazu ist, hat etwa ein Dutzend neben einander aufgefahren, mit den kleinsten niedlichsten Lokomobilen und Treschwagen geht es an, und mit den größten, in deren Schlund die unaufhörlich aufliegenden Garben verschwinden, hört es auf. Tie Badenia in Weinheim in Baden hat in Dreschmaschinen ähnlich ausgestellt. Lanz ober Badenia, wer von beiden liefert in Dreschmaschinen das beste? Die Streitfrage dürfte zu keines Gunsten entschieden werden! Und wir freuen uns, daß diese vortrefflichen Maschinen in deutschen Fabriken erzeugt werden. — Anders ist es mit den Mäh- maschin e u, den viel begehrten! Tas beste, brauchbarste liefert noch immer Amerika. Von der einfachsten Grasmähmaschine bis zum Getreidemäher mit Selbstbinder. Aus diesem Gebiete sind unsere Maschinenfabriken noch lange nicht auf der Höhe und ob sie diese erreichen? Ich habe Fachmänner gefragt, warum das so ist, und erwiderten mir: „wir haben noch keine Unternehmungen die ihre ganze Kraft daraus Verwendern eine einzige Maschine, wie ^Nähmaschinen herzustellen. In Amerika giebt es solche Unternehmungen, die mit vorzüglichen Maschinen, einge- arbeiteten Leuten und allerbestem Material Mähmaschinen Herstellen, wie sie unsere Unternehmungen, die nicht selten 60 verschiedene Maschinen uni) Geräte fabrizieren, nicht liefern können." Die Amerikaner beherrschen den europäischen Markt mit ihren Maschinen. Wer's nicht glaubt, sebe sich nur bei unseren Landwirten die im Gebrauch befindlichen ^Nähmaschinen an.
Geräte zur Bodenbearbeitung vom Tampfpflug bis herunter zum leichten Einspännerpslug, vom Grupper durch Maschinenkraft bewegt, bis zur leichtesten Saategge sind vertreten. Mit Pflügen steht Rud. Sack-Leipzig-Plag- witz vielleicht obenan. Sehr zahlreiche ganz große und ganz kleine Fabrikanten bis herunter zum einfachen Dorf- fchmied sind vertreten. Für jeden Boden kann sich der Praktiker den geeigneten Pflug heraussuchen, das ist notwendig, denn nicht selten versagt aus dem einen Boden der Pflug, der auf anderem Boden das beste leistet.
Ich verzichte darauf, die Ungeheuer von Kraftmaschinen jU beschreiben, die anderen als landwirtschaftlichen Zwecken dienen. Erwähnen will ich nur noch die gewaltige Dampfmaschine, die in der Minute 40 Ebm. Wasser hebt und hinauswirft und die in der Landwirtschaft Anwendung finden konnte, bei Entwässerungen und Bewässerungen. Diese ist aber nicht, wie ich gestern irrtümlich schrieb, von Heinrich Lanz, sondern von K. Wols-Magdeburg-Buckau ausgestellt.
Bei den Säemaschinen begegnen wir in erster Linie den bekannten Fabrikanten Zimmermann-Halle a. S., Rud. Sack-Leipzig-Plagwitz unb vielen anderen, die ebenso gutes, vielleicht auch einmal geringeres leisten. — Dieser kurze Bericht über die Ausstellung der Maschinen und Geräte kann natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen. Es ist nur einiges herausgegriffen, was mir besonders in die Augen gefallen ist.
Es ist 11 Uhr geworden. Ich komme wieder in die Mhe des großen Ringes unb bemerke jetzt erst, daß die G r v ß h e r z o g l i ch e n Herrschaften lüicber auf der Tribüne sind und dem Vorführen der prämiierten Tiere zusehen. Es ist rührend zu beobachten, wie der Groß- Herzog und seine Gemahlin, die beide das Alter gebeugt hat, trotz Sturm und Regen immer wieder zeigen wollen, welches Interesse sie der Ausstellung entgegenbringen. —r Heute wirb auch das mit 6 Pferden bespannte Geschütz vorgeführt. Die Tribünen sind wieder bis auf den letzten Platz besetzt. Heute, da§ Eintrittsgeld beträgt nur "* Mck, ist der Besuch vielleicht fünfmal so stark al5 gestern,
denn den großen Ring umstehen die Zuschauer in Ties- kolonne. Wenn nur die Regenschirme nicht so oft geöffnet werden müßten. — Gegen 12 Uhr verläßt der Großherzvg die Ausstellung. Tie Besucher verteilen sich wieder über das ganze Ausstellungsfeld.
Welchen Zweck Haden diese mit vielen Opfern ins Leben gerufenen Schaustellungen, wirb nicht selten gefragt Was soll von ben Lanbwirten dabei gelernt werben unb au welchem Gebiete wirb am meisten gelernt? Tierzucht und Pflanzenbau, um ihre Pflege müht sich ber Landwirt jahrein, jahraus. Wird er's zur Vollkommenheit bringen tonnen, wirb sein Streben anbauerit, wenn er nur bas Produkt seiner eigenen Arbeit unb nur bas feiner nächsten Nachbarn sieht? Niemals! Er wirb sich in Sicherheit wiegen, sich cinbüben, er leiste bas beste unb habe nichts mehr zu lernen. Auf bcin Konkurrenzfelde der großen Ausstellungen erkennt mancher, ber voller Hoffnung mit seinen Produkten kam, baß er noch ein Stümper ist, baß anbere es weiter gebracht und oft nicht einmal etwa durch Aufwendung größerer Geldmittel, sondern durch größere Aufmerksamkeit bei der Auswahl des Zuchtmaterials, ber Saatgutauswahl, ber besseren Pflege von Tier unb Pflanze. Auf den Ausstellungen erkennt ber Produzent, was er in seiner Arbeit zu ändern und zu bessern hat. Hier holt er sich die Anregungen zu neuer unb erhöhter Thätigkeit, unb ohne biese Anregungen würbe er leicht dem Schlendrian ver- fallen.
Aus Stadt und Saud.
Gießen, den 11. Juni 1902.
LU. Von der Universität. Dem im Druck befindlichen unb nächster Tage erscheinenden Personalverzeichnis entnehmen wir, baß im laufenden Semester 1016 Studierende an ber hiesigen Hochschule immatrikulirt sind, und zwar 608 Hessen, 408 Nichthessen. Die philosophische Fakultät zählt 410, die medizinische 333, die juristische 206, die theologische 67 Studierende. Das Wachstum der Universität seit Sommer 1901 beträgt genau 100. Das Personal- Verzeichnis des letzten Winter-Semesters verzeichnete 947 Studierende.
** Ernennung. Der Großherzog hat den Regierungsbaumeister und Stadtbauinspektor a. D. Walbe in Halle a. d. Saale zum ordentlichen Professor der Baukunst an der Technischen Hochschule zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. Oktober 1902 ernannt.
** Kirchliches. Der Großherzog hat dem Pfarrer Dekan Wagner zu Ettingshausen die 1. evangelische Pfarrstelle zu Grünberg, Dek. Grünbcrg, übertragen und der durch die Dekanatssynode des Dekanats Grünberg für den Rest der im Jahre 1903 ablaufenden Wahlperiode vollzogenen Wahl des evangelischen Pfarrers Dörr zu Ober-Ofleiden zum Dekan-Stellvertreter des Dekanats Grünberg die Bestätigung erteilt.
** Gauturnfahrt. Wegen ungünstiger Witterung am Sonntag mußte bie Gauturnfahrt nach Lauterbach unterbleiben. Sie findet nunmehr am nächsten Sonntag den 15. d. M. statt. Mit dem Zuge morgens 8.20 Uhr haben die Teilnehmer Fahrpreisermäßigung.
4- Gunzenau, 7. Juni. Heute fand hier zum zweiten Male bie Beigeordnetenwahl statt. Der Landwirt Heinrich Rehberger von hier siegte mit 22 Stimmen. Sein Gegner, der seitherige Beigeordnete König, erhielt 19 Stimmen.
)( Bermuthshain, 8. Juni. Für die gestrige abermalige Bürgermeisterwahl — die erste war bekanntlich für ungiltig erklärt worden — war ein neuer Kandidat, der Landwirt Heinrich Lauser von hier, aufgestellt worden, der aber in letzter Stunde zurücktrat. Der zuerst gewählte Kandidat Jost wurde nunmehr wiederum mit 57 Stimmen gewählt. Gegen diese Wahl ist abermals Einspruch erhoben worden.
Nieder-Erlenbach, 10. Juni. Lanb-leute von hier fanben auf dem sogenannten Lachs e lb mehrere Stücke Mörtel unb Reste von Steinkrügen. Bei näherer Untersuchp- ung, so wirb dem „Taunusb." gernelbet, ergab sich, baß sich an ber Funbstelle eine römische Niederlassung befunden hat, welche unweit ber großen Romerstraße vom Ockstäbter Kastell nach Hebdernheim liegt. Es' würben weiter größere unb kleinere Stücke von Gefäßen, Oelkrügen und sogen. Amphoren gefunden. Diese Reste zeichnen sich durch, ihre überaus große Leichtigkeit unb einzelne Stücke durch eine herrliche Bemalung aus. Weitere Nachgrabungen werben vorgenommen.
Frankfurt a. M., 10. Juni. Der Magistratswabk- Ausschuß hat gestern einstimmig beschlossen, bei ber Stavt- verorbneteri-Versammlung zu beantragen,Oberbürgermeister Dr. A b i ck e s zur Wiederwahl auf weitere zwölf Jahre zu präsentieren. Außerdem werden auf Grund desGemeind-e- verfassungsgesetzes als Kandidaten die beiden Vorsitzenden ber Stadtverorbneten-Versammlung, Geheimrat Tr. Humser unb Tr. Rößler, in Vorschlag gebracht-
Hanau, 10. Juni. Sonntag vor acht Tagen hat sich bei Station Wilh elmsb ab ein junger Mann überfahren lassen, über Hessen Persönlichkeit bisher nichts ermittelt werden konnte. Wie bie „Han. Ztg." nun mitteilt, sprachen am Sonntag zwei junge Leute aus Frankfurt a. M. beim Bürgermeisteramt in Kessel stabt vor, die an gab en, baß an dem betreffenden Tage sich ein Bekannter von ihnen, ber in einem Frankfurter Delikatessen-Geschäft thätig gewesene Heinrich Gill er aus Grünberg (Hessen) von bort entfernt habe. Tie jungen Leute nahmen bie in ber 'Nähe ber Leiche gefunbenen Schlüssel mit unb machten bie Mitteilung, daß die Schlüssel zu ben bort befindlichen Gegen stäub en des Giller paßten. Somit liegt bie Vermutung nahe, baß ber junge Mann, ber in ben Tob ge- gangen ist, mit d em Giller identisch ist.
Vermischtes.
• Heber die That einer Wahnsinnigen wird aus Unterulrain in Niederbayern berichtet. Am Mittwochmorgen fuhr der Oekonom A. Lautenbacher an den Acker. Seine 33 Jahre alte Frau blieb mit ihren vier Kindern zu Hause. Als der Mann gegen 9 Uhr zurückkehrte, war das Haus versperrt. Er öffnete, ohne irgend etwas von seinen Angehörigen zu vernehmen. Hinter der Treppe, die zum ersten Stockwerk emporführt, fand er schließlich eine alte Decke; darunter lagen seine vier Kinder der Reihe nach tot in ihrem Blut. Er durchsuchte hierauf das Haus nach seiner Frau und fand diese im Schlafzimmer des ersten Stockwerks erhängt. Eine genaue Untersuchung der Kinder ergab, daß diese zuerst erdrosselt wurden und ihnen dann teils die Schlagadern am Halse, teils die Pulsadern am Handgelenk ausgeschnitten waren. Die Frau war seit 8 Tagen
tiefsinnig und sprach viel vom Sterben. Sie wollte „von dev Leuten wegkommen", aber es war ihr nur um die Kinder leid. Schon vor 6 Jahren hatte die Frau Spuren von Tiefsinn gezeigt und auch einen Selbstmordversuch gemacht.
* Das Brandunglück in London. Der große Verlust an Menschenleben bei dem Brandunglück in dem Gebäude der General Electric Supply Company in der City wurde dadurch verursacht, daß die erste Rettungsleiter auf Rädern, die zur Brandstelle kam, nicht zu den Fenstern hinaufreichte, von welchen aus die Mädchen um Hilfe schrieen. Volle 5 Minuten warteten sie zwischen Feuer und Rauch vergeblich auf Hilfe. Dann wurde von einem mit Apfelsinen und Bananen beladenen Karren die Decke aus Theerleinwand weggenommen und ausgespannt und die Menge unten rief den Mädchen zu, herabzuspringen. Ein Mädchen und ein junger Mann mit Zylinderhut sprangen zuerst, dann folgten andere Mädchen schnell nach einander. Von fünf Mädchen, die heruntersprangen, kamen nur zwei mit leichten Verlegungen davon, die anderen drei und der junge Mann sind schwer verletzt. Noch andere Mädchen waren oben in Lebensgefahr. Die Feuerwehr erstieg das Dach eines anstoßenden Gebäudes und ein Feuerwehrmann wurde vermittelst einer Rolle elektrischen Drahtes vom Dach vor die brennenden Fenster Hinabgelaffen, und es gelang ihm, erst ein und dann noch ein Mädchen aus dem Fenster zu holen und zur Feuerleiter hinab zu reichen. Dann aber war es Zeit, daß der Feuerwehrmann selbst wieder hinaufgezogen wurde. Von den beiden so geretteten Mädchen starb eines, das andere kam wieder zum Bewußtsein und lebt noch. Als nachher die genügend langen Leitern der Feuerwehr antämen, wurden die verbrannten Leichen von 8 Mädchen und einem Knaben im Gebäude gesunden. _______________________
Kunst und Wissenschaft.
Adolf Stoltze, der bekannte^ Frankfurter Lokalhumorist, em Sohn des vortrefflichen Friedrich Stoltze, des Erfinders jenes hübschen Bonmots, daß Frankfurt sowohl am Main als am Jordan liege, womit er auf den alten Nibelungenjordan anspielt, beging am 10. d. Mts. seinen 60. Geburtstag. Seit einiger Zeit erscheinen im Verlage von Heinrich Stoltze, einem Sohne Adolfs, des Sechzigjährigen gesammelte Werke, von beuen uns die drei ersten Hefte bekannt sind. Sie enthalten lustige Humoresten in Frankfurter Mundart, die wir allen Freunden einer heiteren Unterhaltung empfehlen können.
Handel und UerKchr. Volkswirtschaft.
— Die deutschen Eisenwerke und der Fricdensschluß. Auf eine Umfrage der „Rh. Westf. Ztg." bei den Eisenwerken über die voraussichtliche Wirkung des Friedensschlusses in Südafrika auf den deutschen Eisenmarkt haben die meisten Werke geantwortet, daß sie nur eine geringe Wirkung erwarten, weil an erster Stelle England Lieferant werde. Indirekt werde aber auch der deutsche Eisenmarkt etwa profitieren. (Diese Auskunft haben wir den Optimisten, die von dem Friedensschluß alles Heil für unsere Industrie erwarteten und auch jetzt noch erwarten, schon vor Wochen gegeben. Die Red.)
— Harpeuer Bergbau - Gesellschaft. Wir haben bereits mitgeteilt, daß in der am 20. ds. stattfindenben Aufsichtsratssitzung über bie Beschaffung neuer Gelbmittel Beschluß gefaßt wirb. Es wirb sich um mehr als 6 Millionen Mark hanbeln, bie zum Ausbau verschiebeuer Zechen, besonbers ber Zeche Hugo verwenbet werden sollen. Ob nun Aktien ober Obligationen ausgegeben werben sollen, darüber ist man sich noch nicht schlüssig.
— Hagener Gußstahlwerke. Die Verwaltung teilt mit, baß auf ein günstiges Resultat für 1901/02 roieber nicht zu rechnen ist. Auch im vergangenen Jahr ließ bie Gesellschaft ihre Aktionäre ohne Divibende.
— Unifizierung der türkischen Staatsschulden. Tas Unifikationsprojekt bes Herrn Rouvier soll nunmehr in aller Kürz^ bie Bestätigung des Sultans erhalten. Wenn dies nur Thatsache wird, so gebührt hier hauptsächlich Dank den Botschckftern von Frankreich und Deutschland, bie es verstanden haben, ben Sultan von ber Notwendigkeit ber Unifikation zu überzeugen. Selbstver- stänblich ist von ber Annahme ber Unifikation bis zu deren wirklicher Durchführung noch ein recht weiter Weg.
— Die Einziehung der Noten der Bank für Süddeutsch-- laud in Darmstadt ist im „Reichsanz." bekannt gemacht worden. Die Noten können bis zum 31. Dezember 1902 bei ber Kasse ber Bank für Handel und Industrie in Darmstadt unb bei ber Kasse ber Filiale ber Bank für Handel und Industrie in Frankfurt a.9JL gegen Bargeld umgetauscht werden. Nach dem 31. Dezember 1902 hören die mit der Firma ber Bank umlaufenden Noten auf, Zahlungsmittel zu sein; sie behalten jedoch die Kraft einfacher Schuldscheine und werden als solche bet ber Bank für Hanbei unb Jn- buftrie in Darmstabt unb bei ber Kasse ber Filiale ber Bank für Hanbel und Industrie in Frankfurt a. M. bis zum Abläufe des Jahres 1905 eingelöst werden.
Mieskasten öer Keöaklion.
(Anonyme Anfrage« bleiben unberücksichtigt.)
Abonnent in Gießen. Ameisen beseitigt man mit folgenden Mitteln: I. Mit 2 Teilen Schwefelblüten und einen Teil Wohlgemut (Origanum vulgare). Das Kraut des letzteren wirb bei gelinber Wärme getrocknet, zu Pulver gerieben und bann beide Teile recht gut gemischt. Das auf diese Weise hergestellte Pulver an die von den Ameisen heimgesuchten Stellen gestreut, soll sie chnell und dauernd vertreiben. II. Mit im Hause zerstreutem unb zu Pulver zerstoßenen Kampfer, ohne baß in Küchenräumen unb Speisekammern bie Lebensmittel inbezug auf Geruch ober Geschmack barunter leiden sollen.
Eingesanöl.
(Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt oie Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Wenn das Klavierspielen bei offenem Fenster bestraft wird, so wäre es wohl^auch nicht ungerecht, das unverschämte Pfeifen auf offener Straße von Halberwachsenen unb Kindern, wodurch die Passanten oft auf das Störendste belästigt werden, zu bestrafen; ebenso bas ganz zwecklose Peitschenknallen von vielen, namentlich jüngeren Fuhrleuten.t-
Absoiut bestes Mundwasser der Welt.
Grosse Flasche Dlk. 1.50, kleine Flasche , Mk. —.85.
Darmstädter Möbelfabrik (160 Zimm.-Einricht.), Preist, grat. 3821
Carl Nowack, Seltersweg 85,, Ausverkauf wegen Umbau; siehe Seite 4 dieses Blattes.


