Ausgabe 
11.4.1902 Zweites Blatt
 
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vrdueLeuyauseS begann ruhig ohne sichtbare Erregung bei mäßigem Besuche. Im Einlaufe befindet sich die Inter­pellation Brade über die Bevorzugung tschechischer Gerichts beamten in Böhmen und eine Interpellation Pecek über die Germanisierung böhmischer Ge­richte. Letzterer Abg. richtete sich scharf gegen den Justiz­minister. Der Zusatzantrag Ploy zur Ämsschußresolutiou betr. Staatsgewerbeschule in BudweiS, wird angenommen. Die Alldeutschen verließen vorher den Saal. Die Anhänger Wolffs protestierten lärmend gegen die Annullierung der Abstimmung, die Wolff als Blödsinn bezeichnete. Wolff verlas Resolutionen gegen eine tschechische Schule in Budweis, schrie und versuchte fast allein eine obstrub- tionistische Störung der Abstimmung.

Die Ausstaudsbewegung in Belgien.

Wegen der Einberufung der Milizklaffen von 1898 und 1899 herrscht in Brüssel auf sämtlichen Bahnhöfen größte Aufregung. Die meist in betrunkenem Zustande befindlichen Reservisten sangen revolutionäre Lieder. Es siyd die strengsten Maßregeln getroffen worden und ein Erlaß des Bürger­meisters verbietet Zusammenrottungen von mehr als 5 Per­sonen.

Die Sozialisten setzten trotzdem an den beiden letzten Abenden die Kundgebungen fort. Ein Zug oon 121500 " Demonstranten zog vom Volkshause durch die Straßen der Stadt und begab sich vor das Redaktionslokal des katholi­schen BlattesDas 20. Jahrhundert"; sämtliche Fenster­scheiben des Gebäudes wurden zerstört. Von dort begaben sich die Kundgeber nach dem katholischen Institut der Missionen, wo ebenfalls die Fensterscheiben durch Steinwürfe zertrümmert wurden. Alsdann kam es zu einem Zusammen­stoß mit der Polizei, wobei 6 Personen durch Säbelhiebe schwer und etwa 20 leichter verletzt wurden, ein Polizei­agent erlitt schwere Verletzungen am Kopfe. Die Demonstran­ten zogen nun nach dem Nordbahnhofe. Drei sich ihnen entgegenstellende Polizeiagenten wurden umringt, verwundet und alsdann ihrer Waffen beraubt. Ein Polizist wurde durch den Mund geschossen, ein anderer erhielt einen Schuß in die Lunge. Drei Polizeiagenten flüchteten in ein Haus, dre Menge stürzte ihnen nach und als sie die Flücht­linge nicht finden konnte, steckte sie das Haus in Brand. Einer der schwer verwundeten Polizeiagenten ist im Hospital gestorben. Der Generalrat der sozialistischen Partei hielt eine längere Sitzung ab. Die Debatte war sehr erregt. Sie befaßte sich mit Agitationsmitteln und besonders mit dem Generalausstand. Die Mitglieder der Partei leisteten einen Eid, völliges Geheimnis über die Beschlüße zu wahren. Die Deputierten forderten nach der Versammlung die Arbeiter auf, den Ausbruch des Ausstandes am nächsten Dienstag erfolgen zu lassen. Der Führer des sozialistischen Jugend­bundes Volkert wird steckbrieflich verfolgt.

Die gestrige Sitzung der Kammer, welche eigentlich über das Budget der Staatsschulden abstimmen sollte, war gänzlich von hin- und herfliegenden Schmähungen und Schimpfworten ausgefüllt. Als Woeste sich dem Ministerpräsidenten näherte, um mit ihm zu sprechen, be­gannen die Sozialisten gegen ihn zu brüllen. Der kleri­kale Delbeke rief, ihn hätten die Sozialisten in Antwerpen beinahe ermordet, dennoch ziehe er fast die Sozialisten den Liberalen vor, weil sie offen seien, während die Liberalen in der jetzigen Situation im Trüben fischen wollen. Darauf furchtbarer Tumult; Schimpfworte wieHund", Jesuit",Spitzel" fallen. Vandervelde erklärte, alle Mittel znr Verhinderung des Bürgerkriegs seien erschöpft, und dennoch, wenn ein Erfolg zu hoffen ist, sei er, der über­zeugungstreue Republikaner, bereit, selbst das Letzte zu thun, und im Namen der Menschlichkeit den König aufzusuchen und ihn zu bitten, durch persönliche Einmischung ein Blutver­gießen zu verhindern. (Großer Beifall links.)

Vor dem Nordbahnhof in Brüssel wurden zwei Männer verhaftet, welche ein von den hervorragendsten Frauen der sozialisttschen Partei unterzeichnetes Manifest an die Sol­daten verteilten. Es lautete: Wir bitten unsere Söhne, Brüder und Verlobten, die Forderung der zehn Gebote und des christlichen Gesetzes zu befolgen, welches Eure Mütter, Eure Lehrer und Geistlichen Euch gepredigt haben, und welches lautet:Du sollst nicht töten!" Die Reservisten pro- testterten laut gegen diese Verhaftung und pfiffen ihre Vorgesetzten aus.

Aus der Provinz werden wieder zwei weitere Attentate berichtet, eines in Haudeng-Aimeries, wo in einer Fabrik zwei Dynamitpatronen explodierten, jedoch ohne Schaden anzurichten, das andere fand in Worlanwelz statt und war gegen den Pfarrhof gerichtet. Auch hier wurde kein Schaden angerichtet. Die Ausstandsbewegung in der Provinz dehnt sich immer mehr aus.

Zleöer die südafrikanische» Isriederisverhandluugcn liegen heute wichtige Nachrichten vor. Im englischen Unter­hause erklärte am Donnerstag der Kriegsminister Brodrick: Lord Kitchener teilte mir mit, die Vertreter aus Trans­vaal, darunter Schalk Burger, Reitz, und Lucas Meyer trafen in Klerksdorp ein, wo Botha mit ihnen zusammentraf. Steijn, Dew et, Delarey und drei Mitglieder der Negierung des ehemaligen Oranje- sreistaats sind ebenfalls nach Klerksdorp gereist, wo sie gestern ankamen. (Beifall.) Von den Führern ist keine Mitteilung eingegangen, außer der bezüglich der Ge­währung freien Geleits für die Teilnehmer an der Konferenz. Kolonialminister Chamberlain führt aus: Ich weiß nicht, ob das freie Geleit für einen abgegrenzten Zeitraum gewährt ist, es wird aber zweifellos so lange aufrecht erhalten bleiben, als die Verhandlungen fort­schreiten. Am Schlüsse derselben würden die Abgesandten ermächtigt, jeder nach seinem Bezirk zurückzukehren. Black fragt, ob Schalk Burger und die anderen der Verbannung ausgesetzt wären, falls sie nach ihrer Rückkehr zu den Linien der Buren gefangen würden. Chamberlain er­widert, die Proklamation bleibe in Kraft. An der Börse verlautete gestern gerüchtweise, daß in Klerksdorp auch eine Zusammenkunft der Burenführer mit englischen Be­vollmächtigten stattgefunden habe, deren Ergebnis die Hoff­nung auf baldigen Friedensschluß begründe.

Eine Zigarrenfabrik in .Heidelberg teilt einen vom 3. April datierten Brief mit, den sie von einem ihrer Kunden in England erhalten hat, der zunächst mel­det, daß die Bestellungen auf deutsche Zigarren

irr den letzten Monaten aufgetzörck hätten, und dann wörllich bemerkt:

Unsere südafrikanischen Firmen berichten, daß in­folge der unverantwortlichen Verleumdungen gegen die britische Armee seitens bei kontinentalen Presse, insbe­sondere der deutschen greife, deutsche Waren so- viel als möglich geooykottet werden. Das Militär konsumiert rur Zeit monatlich nicht weniger als drei Millionen mdische Zigarren geringerer Sorte, ein Handel, den wir früher in deutschen Zigarren machten, und obgleich wsir selbst bis zu einem gewissen Grade in dieser Sache die Leioenden sind, können wir doch den Boykott kontinentaler Waren nur für gerecht halten. Mit Ausnahme des Geschäfts mit dem Militär steht der Handel in Südafrika vollständig still, und Sie können gewiß nicht erwarten, daß der britische Soldat die Beleidigungen, die ihm von fetten der kontinentalen Nationen zu teil werden, ruhig hinnimmt und zugleich deren Maren benutzt. Es thut uns daher leid, daß wir für die nächste Zukunft keine Hoffnung auf irgend etwas wie ein großes Geschäft machen können, und verbleiben mittlerwelle rc."

Aus Stadt und Zand.

Gießen, 11. April 1902.

I. I. K. K. H. H. der Großherzog und Prinz Heinrich von Preußen trafen gestern Mittag um 1,49 von Darmstadt kommend auf dem hiesigen Bahnhofe ein. Sie reisten mit Sonderzug nach Zell-Romrod weiter, um sich, wie uns aus Darmstadt gemeldet wurde, zur Auerhahnjagd zu begeben. Heute morgen 7.55 Uhr kamen die hohen Herrschaften mit Sonderzug von Zell-Romrod zurück und reisten mit dem V-Zug 76 um 8.02 vormittags nach Darmstadt weiter.

* ) Erlaubniserteilung. Der Kaiser hat folgenden Per­sonen die Erlaubnis zur Anlegung ihnen verliehener hessischer Ordensauszeichnungen erteilt und zwar des Großkreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem General- eutnant v. Palszieux, gen. Falconnet, Generaladjutanten des Großherzogs von Sachsen, und des Ritterkreuzes 1. Klasse desselben Ordens dem Hauptmann Grafen v. Sch lief f en, Flügeladjutanten des Großherzogs von Sachsen. Der Großherzog hat den Mitgliedern des Zentralkomitees des Alice-Frauenvereins für die Krankenpflege im Großherzogtum Heffen: Elise Wittich, geb. Grandhomme, Kommerzienrat Friedrich Engelhard und Dr. med. David Bennighof in Darmstadt die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihnen vom Kaiser verliehenen Roten Kreuz-Medaille 3. Klasse erteilt.

* * Ernennungen. Der Großherzog hat den Ober­lehrer an dem Realgymnasium und der Realschule zu Gießen Professor Dr. Pitz zum Direktor der Realschule zu Alsfeld mit Wirkung vorn 1. Mai an, den Bureaugehilfen Hartherz zu Darmstadt zum Bureau- und Registratur­beamten an der Großh. Technischen Hochschule, den Amts­gerichtsdiener Hansi in Lorsch zum Kanzleidiener am Land­gericht der Provinz Starkenburg mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers und den Steuerauffeher Stauß zu Offenbach mit Wirkung vom 1. April an zum Kanzleigehilfen bei dem Erbschaftssteuecamt ernannt.

* * Bahnhofsumbauten. Eine interessante Arbeit wurde gestern auf dem oberhessischen Personenbahnhof vorgenommen. Um Raum für das neue erste Gleis zu gewinnen, hat man die alte Holzhalle auf Rollen gestellt und den ziemlich langen Bau um ca. 2!/2 Meter nach der Seite des Main- Weser-Bahnhofes zu gerückt. Wir hören übrigens, daß an Stelle der Holzhalle eine eiserne Halle errichtet werden soll.

* Carlschulz-Abend. Arn Samstag den 12. April giebt Hofopernsänger F. Carlschulz einen dritten und letzten fein- humoristischen Abend imHotel Schütz". Was Carlschulz zu leisten vermag, hat er an den beiden Abenden, die er hier schon auftrat, bewiesen. Nachstehend seien noch einige Sätze aus einer Kritik eines Marburger Blattes wiedergegeben. Dasselbe schreibt:

Herr Carlschulz hat sich gestern mit seiner liebenswürdigen Kunst in die Herzen aller, die ihn hörten, hineingestohlen und wird sich darin behaupten. Im Anfang war die Haltung des Publikums reserviert, aber je weiter der Abend fortschrilt, desto wärmer wurde der Beifall, desw größer die bewundernde Anteilnahme, die wir an den Borträgen des Künstlers nahmen. Auf allen Gebieten ist Carlschulz anscheinend zu Haufe. Wie steht ihm der wichtiae, nervenerschütternde, dramatisch bewegte Ton zur Verfügung, welch amüsanter Plauderer ist er, wie fein versteht er die satirische Geißel zu schwingen.

** Büglers berühmtes Löwentheater giebt am Samstag und an den folgenden Tagen auf OswÄds- garten Vorstellungen. Die uns vorliegenden Berichte aus größeren Städten, in denen das Theater auscrat, lauten sehr günstig. So schreibt ein Blatt:Die Vorstellungen übertreffen jedes Erwarten und erregen nicht selten Schau­dern. Tie Dressur der Tiere ist ganz vorzüglich. Wir wollen nur den Ringkampf mit dem LöwenFaust" erwähnen. Tie Leistungen der jüngsten Tierbändigerin sind groß­artig. Ein wildes Bild bietet die am Schluß stattsindende Löwen- und Bärenjagd.

** Die allgemeine Sterbekaffe Gießen hatte seit der Generalversammlung am 6. Dezember 1901 einen Zugang von 82 Mitgliedern zu verzeichnen. Der Verein zählt nun­mehr 1065 Mitglieder. Durch diesen Zuwachs, der sich wohl im Laufe des Jahres noch erhöhen dürfte, wird der Verein in die angenehme Lage versetzt werden, das Sterbegeld wie dies seither immer der Fall war bei der nächsten Generalversammlung erhöhen zu können. Bei jedem Sterbefall eines Mitgliedes ist nur der geringe Betrag von 25 Pfennigen zu entrichten. Der Verein zahlt gegenwärtig ein Sterbegeld von 210 Mark; dieser Betrag kommt ein­tretenden Falls sofort zur Auszahlung. Anmeldungen zum Eintritt in die Kasse werden von den beiden Vorsitzenden, Schneidermeister Georg Pfaff und Schuhmachermeister H. Seidewand, sowie dem Rechner H. Bruchhäuser jederzeit entgegengenommen.

Sitzung des Hessischen Landwirtschaftsrats. Am 8. ds. trat der Hessische Landwirtschaftsrat in Darmstadt zu einer Gesamtsitzung unter dem Vorsitze des Präsidenten Geh. Reg.- Rat Haas-Darmstadt zusammen. Zunächst wurde der Voranschlag des Landwirlschaftsrats pro 1903/04 nach dem vorliegenden Entwurf mit 48 336 Mk. 53 Pfg. rn Ein­nahmen und Ausgaben genehmigt. Es wurde weiterhin be- schlosfen, den dem Landtag zugegangenen Initiativantrag und Gesetzentwurf betr. die Errichtung einer Landwirtschafts- kammer für das Großherzogtum Hessen zunächst

den Ausschüssen der lcmdw. Provinzialvereine zur Beratung und Beschlußfassung zu überweisen und alsdann erst im Landwirtschaftsrat unter Berücksichtigung der ihm zugegange­nen Beschlüsie und Anträge der Provinzialoereme den Gegenstand in Beratung zu nehmen und Stellung zu fassen. Als Beitragsleistung zur Errichtung eines Denkmals für den verstorbenen Agrikulturchemiker Geh. Reg.-Rat M aercker-- Halle wurde die Stiftung von je 100 Mall seitens der drei landwillschaftlichen Provinzialvereine, also zusammen 300 Mark, in Aussicht genommen. Im weiteren Verlauf der Verhandlung wurde beschlossen, bei der Großh. Regierung die Inangriffnahme geeigneter Maßregeln zur B ckäm p fung lind Tilgung der Tuberkulose unter den Viehbe­ständen zu beantragen, so insbesondere die Einführung der obligatorischen Impfung der Gemeindebullen, die Beschränk-, ung der Seucheverbreitungsgefahr durch die ständige Vor­schrift der Erhitzung der Magermilch und anderer Mollerei- abfälle, die systematische Tilgung der Tuberkulose in den Zuchtviehhöfen der Provinzialvereine u. a. Für bi? Führung und Herausgabe der Sim >n ent Haler Herdbücher wurden einheitliche Bestimmungen für das ganze Großherzog« tum beschloßen. Ferner wurde als Beitrag zur Stiftung eines Preises für die Erfindung eines Verfahrens, natür­lichen Honig von künstlichem auf chemischem Wege zu unterscheiden, 100 Mark bewilligt. Mit Rücksicht auf das starke Ueberhandnehmen der Krähen, deren massenhaftes, empfindlich schädigendes Auftreten in den letzten Wintern wird die Regierung dringlichst ersucht, geeignete Maßregeln zur Vertilgung der Krähen, insbesondere Vernichtung der jungen Brut, durch die staatlichen und Gemeindeorgane zu veranlassen.

Bübingen, 10. April. Von Lausanne, wo eben Fürst Bruno zu Ns en bürg und Büdingen weilt, wurde telegraphisch gemeldet, daß der Fürst dort von einem Schlaganfall hermgesucht worden ist. Die Nachricht er­regt bei der Einwohnerschaft viel Teilnahme, da der Fürst sich hier großer Beliebtheit erfreut. Die Fürstin und der Erbprinz reisten sofort nach Lausanne ab.

Vilbel, 10. April. Präsident Thome von der Eisens bahndirektion Frankfurt a. M. befuhr gestern in Begleitung einiger Regierungsvertreter die Strecke der künftigen Linie Vilbel-Stockheim. Die Herren kamen über Bergen hierher. Wie verlautet, soll die Bahn im nächsten Herbst endlich in Angriff genommen werden.

Offenbach. 9. April. Daß unser Schiffsverkehr tetig wächst, beweisen die folgenden Zahlen: Es kamen im vergangenen Monat 161 Schiffe an, 13 aus Baden, 36 aus Bayern, 66 aus Hessen und 46 aus Preußen. Die Ladung betrug 181,716 Doppelzentner und bestand größten- eils aus Kohlen (64,350 D.-Z.), Steinen (53,257 D.-Z.), Kies (49,150 D.-Z.), Sand (11,415 D.-Z.), Stückgüter,. Nutzholz, Brennholz und Getreide waren geringere Mengen. Gegen den Monat Februar d. I. ist ein Mehr oon 89 Schiffen und 89,100 D.-Z. Ladung zu verzeichnen. Auch die finan­ziellen Erträgnisse weisen eine erfreuliche Steigerung auf; es gingen im Monat März an Hafengeldern Mk. 1449,99 ein, gegen denselben Monat des vorigen Jahres eine Mehrein- nahrne von Mk. 645,80. Erwähnenswert ift auch, daß im vergangenen Monat das größte Schiff hier einlief, das bis jetzt den Main befahren hat. Es hatte eine Länge von 85 Metern, eine Breite von 10,20 Metern und eine Ladefähigkeit von 33,00 Zentnern.

Frankfurt a. M., 10. April. Der Direktor der Palmengarten-Refta uratio n, Eppler, ist in Haft genommen worden, und zwar auf Requisition der schweize­rischen Behörden. Die Anzeige soll von einer in Zürich, wohnenden Dame aus-gegangen sein, lleber die Ursache der Festnahme gehen verschiedene Gerüchte; u. a. spricht man auch von Bigamie. Nach Mitteilung des statistischen Amts» ist die Volks zahl für den Stadtkreis Frankfurt a. M. unter Berücksichtigung der seit der letzten Volkszählung, wlizeilich gemeldeten Zu- und Abwanderungen, sowie des entsprechenden Ueberschusses der Geburten über die Sterbe-- älle am 1. April mit rund 297 800 anzunehmen.

§ an au, 9. April. In der gestrigen Hauptversammlung des Hanauer Geschichtsvereins wurde mitgeteilt, daß die in der Gemarkung Eichen vorgenommenen Ausgrab­ungen das für die Forscher wichtige Ergebnis gezeitigt hätten, daß auch je nseitsder Nidderröm ischeNie- derlassungen gestanden haben. Zwischen Oberdorfelden und Kilianstädten wurde ein römisches Grab aufgedeckt.

** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. In Wiesbaden entleibte sich durch einen Revolverschuß der Kaufmann Ernst Wolff, Inhaber der seit langen Jahren bestehenden Firma Ernst Wolf, L Co., Weingroßhandlung und Liqueurfabrik. Wolff, ein alter Herr, soll geloste Ge­schäftsverluste erlitten haben und dies der Grund des Selbst­mordes sein.

Vermischtes.

* Berlin, 10. April. Große Güter-Diebstähle wurden dieser Tage auf dem Anhalter und Tempelhofer Bahnhofe oon der Polizei aufgedeckt. Vier Bahn ar­beit er wurden verhaftet, die sich zum gemeinsamen Plün­dern von Warensendungen verbunden hatten. Sie schnitten von den Wagen die Bleisiegel ab, erbrachen Kisten und Körbe und nahmen, was sie nur bekommen konnten.

Bitterfeld, 10. April. In der chemischen Fabrik Elektron explodierte eine Flasche mit Wasserstoff­gas. Zwei Arbeiter wurden getötet, 2 schwer, 2 leichter velletzt.

Gerichtssaal.

Butzbach, 10. April. Ein Metzger, welcher seiner Fleisch­wurst Stärkemehl zugesetzt und dieses Fabrikat verkauft hatte, ohne die Abnehmer von den zur Anwendung gekommenen Binde­mittel in Kenntnis zu setzen, wurde in der letzten Schöffengerichts- sitzung wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittel- g e s e tz zu 50 Mk. Geldstrafe verurteilt.

Leipzig, 10. April. Das Reichsgericht verwarf die Re­vision des Redakteurs derVolksstimme^ in Frankfiirt a. M., Dr. >-uarck, der am 13. November vom dortigen Laudgellcht wegen Beleidigung des ostasiatischen.Expeditionskorps, begangen durch Veröffentlichung der sogenamiten Hunnenbriefe zu drei Wochen Gefängnis verurteilt war.

München, 9. April. Das Landgericht verilrteille den in­zwischen abgesetzten Pfarrer u n d D i st r i t t s s ch u l i n s p e k tor Gras von Oberalting wegen fünf Verbrechen gegen d i e Sittlichkeit, verübt an Schulmädchen, die er in den Pfarr- hof oder in die Kirche gerufen hatte, in einem Falle im Kom- mumonunterricht, zu 2'/, Jahren Gefängnis und sprach ihn