Ausgabe 
11.4.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 84

Erscheint täglich außer SonntagS.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesslschrn Landwirt die Siebener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Stein­druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Erpedition unb Druckerei:

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Zweites Blatt.

152. Jahrgang

Freitag 11. April 1908

GletzenerAnzelger»

V-F General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen fe

V " zeigenteil: HanS Beck.

Z>ie veutige Mmmer umfaßt 10 Seite«.

Politische Tagesschau.

Graf Bülow in Wien.

Aus Wien wird vom 10. d. M. gemeldet: Der deutsche Reichskanzler Graf Bülow empfing heute vormittag den Militär-Attachee v. Bülow und fuhr um 11 Uhr nach dem Auswärtigen Amt, wo er den Minister des Aeußern Grafen Goluchowski besuchte. Die Konferenz mit Goluchowski dauerte l1/* Stunde. Der Reichskanzler war dann Gast oer Fürstin zu Eulenburg bei dem Frühstück in der deutschen Botschaft, an dem u. a. der deutsche Geschäftsträger, Bot­schaftsrat Wedel, die Mitglieder der Botschaft, der bayerische Gesandte Podwils, der sächsische Gesandte v. Rex und Ge- neralstabschef Feldzengmcistcr Beek teilnahmen. Um 2i/2 Uhr wurde der Reichskanzler von dem Kaiser inAudienz empfangen. Die Audienz dauerte über eine Stunde. Darauf machte der Reichskanzler Besuche bei den Bot­schaftern von Italien, und Rußland, dem päpst­

lichen Nuntius, dem Ministerpräsidenten v. Körber, dem Neichskriegöminister, dem Reichs finanzminister und dem ungarischen Minister a latere. Während der Abwesenheit deS Grafen vom Hotel gaben der Chef des Generalstabes Frhr. v. Beck, der Sektionschef im Ministerium des Aus- lvärtigen v. Mercy, sowie die Gesandten Bayerns und Sachsens ihre Karten ab. Abends war der Reichskanzler zum Grasen Goluchowski geladen, wo auch der ungarische Ministerpräsident v. Szell erschienen war, sowie der italie­nische Botschafter Graf Nigra, der sächsische Gesandte Rex, der bayerische Gesandte Podewils und die Minister v. Körber und v. Kallay. Vorher hatte Graf Bülow im Hotel aber­mals eine Konferenz mit dem Grafen Goluchowski. Heute früh ist er nach Berlin zurückgereist.

In Begleitung des Reichskanzlers Grafen Bülow be­findet sich übrigens der Geh. Legationsrat v. Lindenau vom Auswärtigen Amt.

Die Wiener Blätter widmen dem Grafen Bülow sym­pathische Leitartikel. Sic heben als Ursache der Reise des Reichskanzlers nach Wien eine Ergänzung der mit Prinetti gepflogenen Unterredungen durch eine Besprechung mit dem Grasen Goluchowski hervor und geben übereinstimmend der Hoffnung Ausdruck, das Resultat werde die Erneuerung des Dreibundes bilden. Das Fremdenblatt begrüßt den Grafen Bülow nicht nur als den Kanzler des der öster­reichisch-ungarischen Monarchie eng verbündeten Reiches, sondern auch als hervorragenden Staatsmann, als eine der bedeutendsten Erscheinungen der Zeit. Seine Ankunft werde im Publikum die Zuversicht auf die Fortdauer der gegen­wärtigen Verhältnisse kräftigen. Das Blatt sagt dann weiter, an der Erneuerung des Dreibundes könne ebensowenig gezweifelt werden, wie an der ver­tragsmäßigen Regelung der wirtschaftlichen Beziehungen. Das Blatt hebt insbesondere hervor, daß der Dreibund die Pflege freundschaftlicher Beziehungen zu anderen Staaten ermögliche, wie die Italiens zu Frank­reich und Oesterreich-Ungarns zu Rußland.

Nack einer Wiener Depesche der ,/ßoft" ist es nicht richtig, daß der Reichskanzler Graf Bülow seinen Entschluß, nach Italien zu reisen, plötzlich gefaßt habe. Vielmehr stand die Reise bereits beim Abschluß der Zusammenkunft in Venedig fest. Der MünchenerÄllg. Ztg." wird aus Wien telegraphiert: Es wurde, wie von unterrichteter Seite ver­lautet, gemeldet, daß Graf Bülow in nächster Zeit nach Wien kommen werde, daß er aber auf der Durchfreise von Venedig Wien gleich besucht, war der Entschluß der aller­letzten Tage. Auch Graf Goluchowski wurde erst vorgestern davon unterrichtet. Es ist sicher, daß es nichtdie Han­delsverträge sind, die Graf Bülow nach Wien führen. Tie Ausstreuungen der englischen Blätter, er wolle die angeblich unüberwindlichen Schwierigkeiten bezüglich der Handelsverträge überbrücken, sind grundlos. Anders verhält es sich bei den politischen Bündnissen. Es zeigt sich, daß der Erneuerung des Bundesvertrages Italiens mit Deutschland keine Schwierig­keiten gegenüberstehen. Dagegen hegt Italien be­züglich Oesterrerch-Unyarns mehr als ein Bedenken.

Ein Streit zwischen Italien und der Schwerz.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Italien und der Schweiz sind abgebrochen worden. Unsere Leser er> innern si > der Meldung, daß der italienische Gesandte in Bern, Silvestrelli, sich bei dem schweizerischen Bundes­rate über die völlige Straflosigkeit beschwert hatte, die einer langen Artikelreihe des BlattesLe Reveil" voll Beleidigungen gegen das Gedächtnis an König Humbert und Verherrlichungen des Königs­mordes von Monza zugestanden war. Daraus ist nun, wie heute die italieniscye offiziöseAgenziä Stefani"" meldet, ein persönlicher Zwischenfall zwischen dem Ge­sandten und d ni Bundesrate eingetreten, in dessen Verfolg die Regierung der Schweiz von der italienischen Regierung die Ersetzung Silvestrellis verlangte. Da Italien die For­derung ablehnte, brach der Bundesrat die amt­lichen Beziehungen zu Silvestrelli ab. In­folgedessen hat Italien gleicherweise die amt­lichen Beziehungen zu dem schweizerischen Gesandten in Rom, Carlin, unterbrechen müssen.

Der säMeizerische Bundesrat machte der Bundesver­sammlung zu Bern darüber kurze Mitteilung unter dem Beifall bei Versammelten. Ter Bundesrat behält sich vor, demnächst darüber unter Mitteilung der mit dem italie­nischen Gcsc.udten gewechselten 9h)teil um ländlichen Bericht zu erstatten.

Nur toeniae italienische Blätter besprechen den Abbruch der diplomatischen Beziehungen. DiePatrick" fordert die Regierung auf, mit Rücksicht auf die Würde Italiens fest uno energisch zu bleiben. DieTribuna" beklagt die Stor­ung der traditionellen Freundschaft und glaubt, die Schwei­zer Regierung werde sich versöhnlich zeigen. Freilich sei beklagenswert, daß die Schweiz der anarchistischen Pro­paganda zu großen Spielraum lasse. Die italienische Re­gierung wird über den Fall ein Grün buch herausgeben.

Personenstands- und Familienverhaltnisie der Juden.

In denJahrbüchern für Nationalökonomie und Sta­tistik"" veröffentlicht Arthur Ruppin den ersten Teil einer Untersuchung über die sozialen Verhältnisse der Juden in Preußen und Deutschland. Dem ersten Kapitel, das über die Personenstands-- und Familienverhältnisse der Juden handelt, entnehmen wir folgende Angaben, die von besonderem Interesse sind:

Während bis zum Janre 1880 der prozentuale An­teil der Juden gegenüber den Christen (einschließlich aller Sekten und Dissidenten) beständig stieg, ist seit 1880 in Preußen jener prozentuale Anteil von 13,3 auf 11,4 pro Mille frurütfgegangen und hat sich für ganz Deutsch­land von 12,5 im Jahre 1871 auf 11,5 im Jahre 1890 pro Mille vermindert. Ausschlaggebend hierfür ist der überraschend große Rückgang der jüdischen Ge­burtsziffer. Im Durchschnitt der Jahre 18201866 kamen auf 1000 Juden jährlich 37,20 Geburten, 18781882 jährlich noch 30,32 Geburten; im Jahrfünft 1893-^-1897 dagegen ging jene Ziffer auf 22,25 zurück, während sie bei den Christen 38,15 betrug. Ruppin hält diese Thatsache für entscheidend über büc Zukunft der Juden in Deutsch­land: von der Geburtenhäufigkeit hänge es in erster Linie ab, ob sie sich inmitten der christlichen Bevölkerung selbst­ständig erhalten würden. Die innersten Gründe des Ge­burtenrückganges lassen sich mit völliger Sicherheit nicht an geben. Vorzüglich dürfte der im 19. Jahrhundert stark gewachsene Wohlstand der jüdischen Bevölkerung eine ähn­liche Einschränkung der Kinderzahl zur Folge gehabt haben wie in Frankreich. Das Zahlenderhältnis wurde für die Juden noch ungünstiger geworden fein, wenn nicht die Geburtsziffer in einer sehr günstigcn Sterbezif f er ein Gegengewicht hätte. 9tach einer int Jahre 1895 zu Berlin veranstalteten Erhebung erreichen unter den Ju­den weit mehr Personen ein Hobes Alter, als unter den Christen. Das 70. Lebensjahr totro von 2,632 Prozent aller Juden und nur von 1,862 pCt. aller Christen, das 60. Lebensjahr von 7,235 pCt. aller Juden und 5,532 pCt. aller Christen, das 50, Lebensjahr von 15,769 pCt. aller Juden und 12,863 PCt. aller Christen erreicht. Tie soziale Lage der Juden dürfte hierfür ebenso ins Gewicht fallen, wie für die geringere Säuglingssterblichkeit bei den Juden im Vergleich mit der bei den Christen. Selbstmorde sind unter den Juden häufiger als unter den Christen. Es kommen im Durchschnitt der Jahre 1893/97 auf 100 000 Christen 31,17 Selbstmörder, auf 10U 000 Juden 36,50. Rup­pin erklärt diese Erscheinung für die männlichen Juden aus der erheblichen Beschäftigung mit dem an Wechsel­fällen reichen, und mit Spekulationen eng verknüpften Handel. Was den Ueberschuh der Geburten über die To­desfälle anbelangt, so zeigt sich hier die Folge der Ver­ringerung der Geburtenhäufigkeit bei den Juden beson­ders augenfällig. Im Jahrfünft 18781882 vermehrten sich die Juden jährlich um 12,79 aufs Tausend, 189397 nur um 7,52; bei den Christen stieg die Vermehrung von 14,29 auf 16,31 aufs TauMd. Auch in der Zahl der jüdischen Eheschließungen ist seit einem Menschen­alter ein bemerkbarer Rückgang eingetreten. Die An­zahl der jüdischen Eheschließungen des Jahres 1875 ist bis zum Jahre 1899 nicht wieder erreicht worden. Die Folge davon ist, daß auf 1000 christliche Eheschließungen 189599 nur noch 9,49 jüdische Eheschließungen entfallen gegen 11,42 im Jahrfünft 187579. Die Zahl der Ehe­scheidungen hat in der Zeit 189096 auch bei den Juden stark zugenommen. Nach einer Berliner Zähl­ung wurden 1895 und 1896 durchschnittlich 3,26 von 1000 jüdischen Ehepaaren geschieden, während von 1000 katho­lischen 3,35 und von 1000 evangelischen Ehepaaren 4,73 geschieden worden sind.

Neue hessische Scsitzenlwürse.

Ter Gesetzentwurf, die Wo hnungsfür sorge für Minderbemittelte betrefsend, hat jetzt von der Re­gierung eine umfangreiche Begründung auf seinen Weg er­halten, die klar uno einwanblos die Notwendigkeit eines solchen Gesetzes darlegt. Es heißt darin u. tu, und man wird zugeben, daß auch diese Ausführungen durchaus zu­treffend sind:

Je mehr hier wie auf anderen Gebieten der sozialen Fürsorge die zu ergreifenden Maßregeln den besonderen örtlichen Verhältnissen angepaßt werden, um so gewisser wird auf einen Erfolg und den Ausschluß von Mißgriffen zu rechnen fein. Wie die Stärke dieser Erwägung unver­kennbar der vielfach angesrrebten reichsrechtlichen Regelung der Materie entgegepsteht, so hat sie auch den Kreis der- feniaen Fragen beschränkt, mit welchen der Entwurf sich befaßt. Er sieht aus diesem Grunde davon ab, ein­heitliche Grundsätze für eine kommunale Bodenpolitik im Sinne der Bekämpfung unge­sunder Bodenspekulation aufzustellen und nament­lich zu der Frage Stellung zu nehmen, rb und inwieweit im Gegensatz zur Abgabe von Baugelände zn. vfteHung von Wohnungen für Minderbemittelte für r ferung der Wohnungsverhältnisse die Rechtt ' -5 eine

besonders geeignete Form der 92r . . n tr 5 Er und

besitzes der Gemeinden ist oder ob ' n c b:;..hingen

nicht so sehr den Mietern, als dem Grundeigentümer zu gute kommt. Weiter war es ausgeschlossen, eine Verpflicht tu n g der Gemeinden zur Befreiung von Straßen- und Kanälkostcn oder zur eigenen Herstellung von Kleinwoh­nungen, sei cs für die niederen Beamten und Arbeiter der Gemeinden, fei es für andere Minderbemittelte, gesetzt lich auszusprechen und sich damit z. B. in der wiederum nur von den lokalen Verhältnissen abhängigen Frage festzulegcn, ob und in welchem Umfange einer örtlichen Wohnungsnot nicht zweckmäßiger im Wege einer Erleich­terung und Verbilligung deS Vorortverkchris begegnet wird. Nicht minder glaubt sich der Entwurf einer Stellungnahme hinsichtlich des geeignetsten Systems für kleinere Wohnungen enthalten zu sollen, oic allen Anforde­rungen der Gesundheit und Sittlichkeit entsprechen. So er­strebenswert das Cottagesystem Beschaffung von Woh­nungen mit Gartenland für eine oder zwei F-amilien mit der Möglichkeit des Eigentumscrwerbs gegen allmähliche Abzahlung auch fein mag so wird doch oic weitaus große Mehrzahl aller durch Beruf, Gewohnheit, Neigung oder sonstige Gründe an den Ort der Erwerbsquelle gefesselten Minderbemittelten auf eigentliche Mietwohnungen der eben bezeichneten Art angewiesen bleiben, bereit Herstellung in ausreichender Zahl die Maßregeln des Entwurfes in erster Linie sichern helfen wollen. Endlich fordert die Rück­sicht aus den Staatskredit zur finanziellen Seite eines gesetzlichen Eingreifens in Hessen, daß der Staat nicht vor­behaltlos und im ganzen Umfange eines vorhandenen Be­dürfnisses zur Hcrgabc der erforderlichen Mittel für ver­pflichtet erklärt wird. Eine solche Verpflichtung soll viel­mehr nur insoweit bestehen, als einmal durch die der gäbe von Wohnungsdarlehen die sonstigen Zwecke der Landcs- kreditkasse nicht beeinträchtigt werden unb als außerdem bie Möglichkeit nicht vorhanden ist, diese Darlehen zu zweck­entsprechenden Bedingungen anderweitig zu erhalten. In diesem Sinne kommt dem Inhalt des Entwurfes nur eine subsidiäre Tragweite zu; er will die kommunale Wohnungs­fürsorge für Minderbemittelte nur in der Weise sichern, baß der Staat unter der Voraussetzung jederzcitiger Zu­länglichkeit seiner eigenen Mittel eine Stetigkeit dieser Für- sorge im Falle jdes Versagens sonstiger Mittel zu ihrer Erl- füUung gewährleistet."

Eine neue Regierungsvorlage betrifft die Errichtung von Irrenanstalten. Da diese Vorlage für uns Gießener ganz besonderes Interesse hat, werden wir sie morgen ausführlich wiedergeben.

Deutsches Reich.

Berlin, 10. April. Der Kaiser hörte heute die Vorträge des Obersten Wachs, des Kriegsministers von Goßler, des Chefs des Generalstabes Grafen Schliessen und des Chefs des Militärkabinetts, Grasen Hülsen- Häseler.

Ein hiesiges Lokalblatt schildert das Tagesleben des Reichskanzlers Grasen Bülow, und plaudert dabei auch von seiner Zeitungslektüre. Danach liest der Reichskanzler regelmäßig in extenso von Berliner Blättern dieNationalzeitung"", dieKreuzzeitung"", dieFreisinnige Zeitung", dieDeutsche Tageszeitung"" und denLokal- Anzeiger", von ausländischen denPariser Figaro"", die Neue Freie Presse", denPester Lloyd" und denPopolo Romano"".

Wegen der Aushebung des Jesuiten» gesetzes hat Gras Posadowsky bei seiner Rundreise zu sondieren versucht. Wie derVolksztg."" von gut unter­richteter Seite mitgeteilt wird, hat Württemberg eine entschieden ablehnende Antwort gegeben; es erklärte, daß es auch nicht den Aufenthalt eines preußischen Je­suiten in Württemberg dulden werde, ebenso verhielt sich der Großherzog von Baden.

Zur Begründung einer Berliner Ortsgruppe des Nationalen Reichswahlverbandes ist ein Aus­schuß eingesetzt worden, dem 40 Herren aus Berlin und den Vororten beigetreten sind. Der Verband ist bekanntlich erst am 2. März begründet worden, unb zwar sofort mit einem Bestände von 131 Ortsgruppen. Er umfaßt zur Zeit schon etwa 4000 Vertrauensmänner, die sich auf alle preußischen Provinzen (mit Ausnahme von Ost- und Mestpreußen) sowie auf die drei Hansastädte, Olden­burg, die beiden Mecklenburg, Braunschweig, Anhalt, die thüringischen Staaten, Hessen und Baoen verteilen. Der Verband, der auf b:r Grundlage eines ausgeprägt natio­nalen Programms eine Zersplitterung der nationalen Par­teien bei den Reichstagswahlen zu verhüten bezweckt, will nun auch in der Reichshauptstadt, namentlich aber in den Vororten, Zweigvereine zu organisieren versuchen. Ter in der Verhandlung am Mittwoch von an tisemitisch er Seite gemachte Versuch, auch antisemitische Forderungen in das Programm hineinzubringen, fand nicht die Zu­stimmung der Mehrzahl der Versammelten.

München, 10. April. Ter Referent des Kultusetats, Domkapitular Tr. Schädler, verlangt in seinem Antrag an den Finanzausschuß eine Konfessionsstatistik der ordentlichen unb außerordentlichen Professoren, sowie der Privatdozcnten an jeder der drei Landesuniversitäten.

Ausland.

London, 10. April. DerCentral News" wird aus Shanghai depeschiert: In Ningpo ist ein Aufstand gegen die Europäer ausgebrochcn. Britische und zwei deutsche Kriegsschiffe laufen eiligst aus. Die Eingeborenen beschuldigen katholische Missionare, chinesischen Jungen die Augen a u 5 g c r i f j c n zu haben. Tie Situation ist ernst.

Wien, 10. April. Die heutige Sitzung des Abge.