immer ungenügende Schulverhältnisse fri- ti) ter en, «versündigen sie sich da, n>o sie etwas zu sagen haben, selbst an den Kindern- Der Duellmord ist nichts als, Mord und muß als Mord bestraft werden. Tie Tuellferre gehören ins Erzieh ungs- oder ins Zuchthaus, aber nicht in Offizier- und Beamtcnstellen- Basser- mann schien zu meinen, daß es doch immer Leute geben würde, die das Duell für berechtigt hielten. Aber ein Raubmörder lann einen Raubmord auch dann und wann für berechtigt halten, deshalb wird doch keiner den Raubmord für erlaubt, hinstellen. Ich hätte nichts dagegen, wenn die großen Herren sich gegenseitig.totschießen, denn tch bin ein Freund der Selbstverwaltung. Ader der lieber- lebende müßte dann immer weiter raufen, bis auch er tot ist. Auf diesem Wege würde das Duell am besten beseitigt- (Heiterkeit.) Die Rechte hat über den Fall Bre- d en deck »ich ^ausgeschwiegeu. Wie hätten die Herren aber sich der Lache bemächtigt und nach neuen Kriegs- schtffen gerufen, wenn die Geschichte einem Deutschen auf Haiti passiert wäre. Ter Polizeiminister hat d,e Un- ^ihrheiten gegen Bredenbeck nicht zurückgenommm. Außerhalb dieses Hauses nennt man einen solchen -nerrn keinen Ehrenmann.
Präsidetlt Graf Ballesirem: Trotz der Umschreibung, tn die Sie Ihre Worte gekleidet haben, haben Sie gegen die Ordnung des Hauses verstoßen. Ich rufe Sie zur Ordnung.
Abg. Stadthagen (fortsahrend): Ter Fall Bredenbeck zeigt, wie nötig es ist, eine andere Strafbehörde als die Staatsanwatlschaft zu schaffen. Das Volt muß an einer solchen Behörde Teil nehmen, dann würde ein Staatsanwalt, der ohne weiteres, ohne den Mann gesehen zu haben dekretiert: „Ist zu fesseln", mit Zuchthaus bestraft werden. Wenn es sich um Arbeiter handelt, wird selbst das Zivilrecht verletzt- Redner führt einige Fälle an. Tie Arbeiter werden wegen Erpressung bestraft, wenn sie sich bessere Lohnbedingungen erringen wollen, davon aber, daß diese Praxis auch gegen die Unternehmer befolgt wird, verlautet nichts- Söhne großer Herren, die sich rüpelhafter betragen als Fabrikarbeiter werden zu 25 Mark Geldstrafe verurteilt, während Arbeiter bei kleinen Vergehen mit Zuchthaus bestraft werden- Ich verlange von dem Staatssekretär, daß er organische Gesetze schafft, um dem blutigen Unrecht solcher Klassenjustiz ein Ende zu machen-
Staatssekretär Dr- Nieberding: Der Reichstag wird nicht geneigt sein, auf Grund der einseitigen Ausführungen des Vorredners zu urteilen; ich glaube nicht, daß das deutsche Volk das Vertrauen zu den Gerichten verlieren wird- Ich werde die Fälle prüfen und wenn nötig, eingreifen. Daraus aber muß ich den Vorredner aufmerksam machen, daß ich keine Verordnungen über die Auslegung der Reichsgesetze erlassen kann. Tie Fessetung Bredenbeäs hat die Polizei vorgenommen. Es i»l auch nicht richtig, daß eine allgemeine Verfügung, welche die Fejselung vorschreibt, besteht-
Sächsischer Geh- Rat Dr. Börner weist einige Beschwerden über die sächsische Justiz als unbegründet zurück.
Tas Haus vertagt die weitere Beratung auf Dienstag 1 Uhr- (Außerdem Etat der Postverwaltung.)
Schluß gegen 6,45 Uhr.
Aus Ztadt und Land.
Gießen, den 11. Februar 1902.
** Thcatervcrcin. Als achte Vorstellung wird am Montag, dem 17. d. M., das neue Schauspiel von Max Halbe: „Haus Rosenhagen" gegeben werden. Als Gast ist der jugendliche Liebhaber des Frankfurter.Schauspielhauses, Herr Otto Fricke, gewonnen, der den jungen Rosenhagen spielen wird.
§ Butzbach, 9. Febr. Gestern und heute fand hier das von unserem Turnverein veranstaltete große Masken- fest statt, an dem sich auch viele Nichtmitglieder beteiligten. Von den verschiedenen Gruppenaufführungen erregten besonderes Interesse die Dorfkirmeß, das Zukunfts-Postamt I, die weibliche Feuerwehr, der Sühneprinz nebst Gefolge, die Zigeuner und Clowns. Heute nachmittag fand ein Umzug und darauf eine karnevalistische Aufführung im Hessischen Hof tatt. Sämtliche Veranstaltungeil verliefen aufs schönste. Aus den Nachbarorten hatten sich viele Neugierige eingefunden, um sich den Maskenzug anzusehen.
o. Bad-Nanheivl, 8. Febr. Die Regierung läßt eine Brücke für den Fußgängerverkehr zwischen Mühlstraße und großem Teich über die Ufa bauen. — Der Gemeinderat hat beschlossen, daß der alte Friedhof am 1. April geschlossen werde; die Eröffnung des neuen Friedhofs erfolgt an demselben Tage. Es wurde auch eine ausführliche Friedhofsordnung ausgearbeitet.
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Vermischtes.
* Hongkong, 10. Febr. (Reuter). Aus Canton wird berichtet, daß das Gebäude der Berliner Missionsgesellschaft in Fai) uen bei Canton von einem christen- feindlichen Volkshaufen niedergebrannt worden ist. Den Missionaren ist es gelungen, sich zu retten.
* lieber die Ursache des Duells, das, wie wir gestern berichteien, in Neu-Ul m stattgesunden hat, verlautet heute folgendes: Der preußische Oberleutnant — man nennt den Namen Ahlers — wurde nach Metz versetzt und reiste dorthin ab, um Umschau nach einer passenden Wohnung zu halten. Seine Familie blieb in Ulm. Während seiner Abwesenheit näherte sich der bayerische Leutnant Eigl der Frau des Oberleutnants in einer das Maß des Erlaubten übersteigenden Weise. Der Oberleutnant ließ nach feiner Rückkehr dem Leutnant eine Forderung zugehen, die auch vom Ehren rate anerkannt wurde. In dem daraufhin an einem nicht bekannten Orte ausgefochtenen Waffengange erhielt der Oberleutnant einen Schuß in dre Brust und liegt nun schwer verwundet im Garnisonlazaret Ulm.
Neueste Meldungen.
Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.
Berlin, 10. Febr. Dem „L. A." zufolge führte der Kaiser in seiner gestrigen Ansprache an das 1. Garderegiment aus, daß er mit Stolz des Tages gedenke, an dem ihn vor 25 Jahren sein h errlicher Vater in das Regiment gebracht habe, in dem er noch unter den Augen des grogen Kaisers habe Dienst thun können. Das Regiment habe »ich während dieser 25 Jahre bewährt und er hoffe, daß dies auch in Zutu nft immer der Fall sein werde. Bei der Entgegennahme der von der Deputation ehemaliger Angehöriger des 1. Garde-Regiments überreichten Adresse griff der Kaiser aus dieser den Hinweis auf das Haus- und Familien- Regiment heraus und betonte, er sehe aus diesen Worten, daß er richtig verstanden worden sei. Das erste Garde-Regiment sei keine Luxus truppe. Das habe es gezeigt und werde es immer wieder zeigen. Die alten Kameraden, und er rechne sich nunmehr auch zu den alten/ hätten dies bewahrheitet und die junge Generation, deß fei er sicher, werde es auch thun. Im Regimentshause, wo am Abend ein Diner stattfand, an das sich Aufführungen der Offiziere anschlossen, verweilte der Kaiser bis gegen 2 Uhr morgens.
Berlin, 10. Febr. Es verlautete heute im Reichstage, daß Geh. Legationsrat von Körner zum sächsischen Finanz Minister ernannt worden sei.
Berlin, 11. Febr. Die 80jährige Gattin des Historienmalers Prof. Doepler sen. stürzte sich in einem Anfall geistiger Umnachtung gestern abend aus einem Fenster ihrer Wohnung. Der Tod trat sofort ein.
Berlin, 11. Febr. Der den Schnellzug Liegnitz- Görlitz führende Lokomotivführer verunglückte auf dem Bahnhof Kohlfurt. Als er sich hinauslehnte, schlug er an eine Signalstange, wurde von der Lokomotive geschleudert und getötet.
London, 11. Febr. (Reuter.) Gestern abend fand hier unter dem Vorsitz des Mayor eine sehr zahlreich besuchte Volksversammlung statt, in der nach einer Ansprache des Ministerpräsidenten von N e w - S ü d - W a l e s einstimmig eine Resolution angenommen wurde, welche das Vertrauen zu der Politik der englischen Negierung in Südafrika aus- pricht und in der die gegen die englischen und kanadischen Truppen von dem Ausland erhobenen Beschuldigungen zurückgewiesen werden.
Haag, 10. Febr. Das heute früh verbreitete Gerücht, die Burendelegierten verlangten freies Geleit nach Südafrika, ist vollkommen unbegründet. Auch ist eineswegs die Rede von einer Erkaltung der Beziehungen zwischen dem Präsidenten Kruger und den Burendelegierten, noch auch von einer Absicht Krügers, sich in Genf niederzulassen.
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