Ausgabe 
11.1.1902 Zweites Blatt
 
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>Uebrigens hat Graf Bülow heute im Reichstag versöhnlich genug gesprochen.

Vom Burenkriege

Dewet ist unausgesetzt wacker an der Arbeit- Aus Wolvehoek meldet vom 9- Januar Reuter in seiner bekann­ten tendenziösen Art: Dewet, der über eine starke Streitmacht verfügt. wurde gestern früh von De­lisle in ein Gefecht verwickelt- Delisle richtete ein heftiges Geschütz feuer auf den Feind-

Im Laufe der bereits in unserer heutigen Parla­mentsausgabe erwähnten Rede, die Milner während eines Festmahls int Rathause zu Johannesburg hielt, be­tonte er weiterhin die Notwendigkeit, den Krieg durch einen steten physichen Druck zu beendigen, ohne sich mit Verhandlungen abzuquälen. Milde und Versöhnlichkeit seiet! für die Buren am Platze, die sich ergäben- Man dürfe aber Wohlthaten nicht an diejenigen wegwerfen, welche im Kampfe beharrten. Milner trat den Prophezei­ungen entgegen, daß dem Kriege eine schreckliche Zukunft folgen würoe. Die Aufgabe des Staatsmannes werde zwar mühevoll, jedoch nicht so schwierig sein, wie die des Soldaten.

Aus London wird derFrkf- Ztg." depeschiert: Die Liverpool Post" meldet, daß, weil die Anwesenheit von etwa 3000 gefangenen Buren mit dem bewachenden Militär auf Bermudas Geld in diese Kolonie bringt, auch andere Inseln petitioniert haben, Burengefangene zu erhalten- Da die gelvöhnlichen Gefangenen so bald als möglich nach Südafrika zurückgeschickt werden, werden die westindischen Inseln wenigstens einige Führer der Buren erhalten, die nach Kitcheners Proklamation verbannt werden sollen, weil sie es unterließen, sich zu ergeben-

Aus Stadt uud Kand.

Gießen, 11. Januar 1902.

** In der Sektion Gießen des Deutschen und Oesterreichischen Alpen-Vereins sprach in der ersten Monatsversammlung des neuen Jahres Herr Dr. Schroeder überEine Pfin gst- fahrt nadj den nord friesischen Inseln und den Küsten S ch l esm ig -Ho lste i ns". Nachdem er einen kurzen Ueberblick über die lZntwickelungSgeschichte sowohl der betr. Gegenden, als auch der den nordfriesischen Inseln und den Halligen vorgelagerten Nordsee gegeben hatte, ging der Redner dazu über, den Verlauf einer geographischen Unterrichtsreise oorzutragen, die in den Psingsferien 1900 von dem Direktor des geographischen Instituts der Landesuniversität, Herrn Prof. Dr. W. Sievers, ausgeführt wurde. Es sei hier in großen Zügen der Reiseweg wiedergegeben. Nachdem die Herren in Hamburg soweit es in der kurzen Zeit möglich toar die Stadt, öffentliche Gebäude und den Hafen besucht hatten, fuhren sie mit der Bahn nach Husum. Von hier aus wurde der Dampfer benutzt, der die größeren Inseln des Wattenmeeres anläuft. Nach kurzem Aufenthalt auf Amrum, dessen erst 1890 angelegtes Seebad in raschem Aufschwung begriffen ist, wurde die Insel Föhr mit dem altberühmten Wyk besucht. Von hier aus segelte die Exkursion nach der Insel Sylt, wo sie am geologisch sehr interessanten Morsum­kliff landete und bei der Landung Gelegenheit hatte, die Wirkung eines Seebades in früher Morgenstunde am eigenen Körper zu erproben. Das bekannte Westerland wurde als Ausgangspunkt einer langen Strand- und Sandwanderung nach dem alten Königshafen an der Nordspitze der Insel gewählt. Auf dem Wege war den Herren Gelegenheit ge­boten, sowohl die zerstörende und aufbauende Thätigkeit des Meeres, als auch das Wesen der Dünen kennen zu lernen. Auch wurde eine am Wege liegende Vogelkoje besichtigt. Von Mankmarsch aus brachte ein Dampfer die Teilnehmer der Exkursion nach Hoyerschleuße, von wo sie mit der Bahn über Tondern, Tingleff nach Apenrade an der Ostküste von Schleswig-Holstein und von da mit dem Dampfer nach Sonderburg auf Alsen fuhren. Von hier aus führte der Weg über da§ Schlachtfeld von Düppel nach Eckensund und von Eckensund nach Flensburg. Nachdem noch auf der Strecke Flensburg-Schleswig bei Idstedt, die Endmoräne angesehen worden, fuhren die Herren nach der Station Levensan am Nord-Ostseekanal, die durch eine Hochbrücke über den Kanal bekannt ist, gingen bis zur Mündung des Kanals bis Holtenau und nahmen von dort den Dampfer nach Kiel. Hier hatte Herr Univ.-Prof. Krümmel die Liebenswürdigkeit, den Teilnehmern der Exkursion die Appa­rate zu erläutern, die zu marinen Forschungen benutzt werden. Auf dem Rückwege nach Gießen wurden noch die schleswig- holsteinischen Seen befahren, die sich, was landschaftliche Schönheit angeht, jeder anderen Gegend Deutschlands eben­bürtig an die Seite stellen lassen. Nach kurzem Aufenthalt in Lübeck, wurde das Grab des Altreichskanzlers in Friedrichs- ruh besucht. Nach 11 Tagen kam die Exkursion, die dank der vorzüglichen Leitung in allen Punkten gelungen war, über Lüneburg - Celle - Hannover - Porta - Westfalica-Detmold- (Teutoburger Wald)-Warburg-Kassel nach Gießen zurück. Die interessanten Ausführungen schlossen mit dem Wunsche, die Mitglieder der Sektion möchten für Frühsommertouren die von den Teilnehmern der Exkursion durchstreiften Gebiete unseres Vaterlandes berücksichtigen, um Ruhe und Erholung und Kraft für neue Arbeit zu gewinnen.

** Jubiläum. Am Donnerstag fand im HotelGroß­herzog" zu Ehren de§ Kommerzienrats Koch, der, wie wir mitteilten, am 1. Januar auf eine 25jährige Thätigkeit an der hiesigen Handelskammer zurückblicken konnte, ein Fest­essen statt, an dem die jetzigen sowie die hiesigen früheren Mitglieder der Handelskammer und als Ehrengäste Geheim­rat v. Bechtold und Bürgermeister Mecum teilnahmen. Kommerzienrat Heichelheim leitete die Feier mit einem Hoch auf den Großherzog ein. Sodann begrüßte er die er­schienenen Gäste und gedachte der hervorragenden Verdienste, die sich der Jubilar während seiner 25jährigen Thätigkeit um den Gießener Handelsstand erworben hat und schloß mit einem Hoch auf diesen. Geheimrat v. Bechtold toastete auf den .Handelsstand und hob das gute Einvernehmen und Zusammenwirken hervor, da? stets zwischen Behörde und Handelskammer geherrscht habe. Bürgermeister Mac um betonte das große Jntereffe, das die Stadt an der gedechlichen Entwickelung des Handelsstandes nehme, und schloß mit einem Hoch auf die Handelskammer. Herr Katz brachte ein Hqch. auf die Gemahlin des JqbilarS aus. Don den freundschaftlichen Beziehungen, die Her Gefsierte zu den

weitesten Kreisen des Handels hat, gaben die zahlreichen Glüct- wunsch-Telegramme und -Schreiben Zeugnis, die er erhielt. Auch eine große Anzahl von Handelskannnern hatte Glück­wunsch-Telegramme gesandt, so die Handelskammern Darm­stadt, Mainz, Frankfurt a. M. u. a.

** Unsere Regimentskapelle veranstaltet am, morgigen Sonntag von 4 Uhr nachmittags ab im Philosophenwald ein Konzert, auf das auch an dieser Stelle hingewiesen sei. (Näheres siehe im Inserat).

** Konzert. In der Südanlage sindet morgen Promenaden­musik mit folgendem Programm statt: 1. Ouvertüre z. Op. Die Felsenmühle von Reißiger. 2. Am Kaiserhof: Fackel­tanz von Förster. 3. Venus steig hernieder: Walzer von Lincke. 4. Potpourri a. d. Op. Die Hugenotten von Meyerbeer.

* Ein Bubenstreich. Das Wetterhäuschen m der Süd-Anlage ist schon wieder einmal der Gegenstand eines rüden Vandalismus geworden. Es ist in der Nacht vom 10. zum 11. d. Mts. von bübischer Hand gewaltsam er­brochen und das große Quecksilberbarometer daraus ge­stohlen worden. Hoffentlich gelingt es auch diesmal, wie im letzten Winter, die Thäter zu ermitteln und in gebührende Strafe zu nehmen.

** Oberhesfische Postpcrsonalveränderungen. Versetzt sind: die Postpraktikanten Geist von Bad-Nauheim nach Halle a. S. und Weigele von Halle a. S. nach Alsfeld, die Post- assistenten Drescher von Berlin nach Gießen, Schultheiß von Groß-Zimmern nach Lauterbach, Vogt von Butzbach nach Ortenberg, D esch von Michelstadt nach Niederwöllstadt, Bardong von Gießen nach Groß-Steinheim. An­genommen als Postgehilfe ist der Realschüler S e i tz in Helden­bergen.

** In das Untersuchungsgefängnis Gießen wurden am Donnerstag drei Einwohner aus Zell wegen dringenden Verdachts des Meineids übergeführt. Ihre Verhaftung bildet die Einleitung zu einem Nachspiel eines vor Jahr und Tag spielenden Prozesses wegen eines hier voraekommenen Wtrtshausstreites mit darauffolgendenThät- lichkeiten.

**PrinzAlfredKu2)senburgundBüdingen feiert heute das 25jährige Jubiläum seiner Ernennung zum Major. Als er im Jahre 1877 aus dem aktiven Dienste schied, wurde ihm der Charakter als Major und die Ge­nehmigung zum Tragen der Uniform des jetzigen Königs- Ulan en-Regiments (1. Hannoverisches) Nr. 13 verliehen. Prinz Alfred zu Isenburg und Büdingen war bei der For­mation des Regiments 1866 als ältester Leutnant zu diesem versetzt und wurde bei seinem Ausscheiden aus dem Dienst zu den Offizieren a la suite der Armee versetzt.

.** Königl. PreußischeundGro ßh. Hessische Eisenbahndirektion. DerMainz. Anz." hatte eine Mitteilung gebracht, in der Klage geführt wurde über die Nichtberücksichtigung hessischer Firmen bei Lieferungen und Leistungen für den Bezirk der genannten Behörde. Dem genannten Blatte wird nun von der Preuß- Hest'. Eisenbahndirektion geschrieben:Die Annahme, die Eisenbahndirektion Mainz sei angewiesen, ihre Einkäufe zum größten Teil durch rein preußische Direktionen vornehmen zu lassen, was einen Mitbewerb hessischer Firmen ausschließe, ist u n z u t r e f f e n d. Wegen der Heranziehung hessischer Firmen ist vielmehr seit Einsetzung der hiesigen Eisenbahndirektion Weisung dahin ergangen, daß eine Be­rücksichtigung derselben an erster Stelle erfolgen solle, wenn deren Erzeugnisse konkurrenzfähig seien. Daß hiernach ver­fahren worden ist, ergiebt sich u. a. aus den Abschlüssen der Rechnungsjahre 189$ »nd 1900 ohne weiteres. Hiernach sind von allen ^denjenigen Arbeiten und Lieferungen, bei denen hessische Firmen in Frage kommen konnten, vergeben worden: Im Rechnungsjahre 1899: an hessische Firmen 52 Prozent, an nichthessische Firmen 48 Proz.; int Rechnungs­jahre 1900: an hessische Firmen 73 Proz., an nichthessische Firmen 27 Proz. Soweit hessische Firmen nicht berücksichtigt werden konnten, hatte dies einerseits seinen Grund in deren ungünstigen Angeboten, andererseits darin, daß ein großer Teil derjenigen Gegenstände, welche in dem Etat der Eisen­bahndirektion jährlich ganz bedeutende Ausgabeposten bilden (z. B. Schienen, Weichen, Schwellen) in Hessen überhaupt nicht produziert werden." __________________________

Markte. -

Gießen, 11. Januar. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfund 0,751,00 Mk., Hühner­eier pr. Stück 710 Pf., 2 Stück 00.00 Pf., Käse pr. Stück 57 Pf., Käsematte 2 Stück 00 Pfg., Erbsen pr. Liter 20 Pfg., Linsen per Liter 30 Pfa., Tauben pr. Paar 0,801,00 Mk., Hühner pr. Stück 1,001,40 Mk., Hahnen pr. Stück 0,901,50 Mk., Enten pr. Stück 2,202,50 Mk., Gänse pr. Pfd. 6075 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 6676 Pfg.,, Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 7080 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr.'Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6066 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5070 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,500,00 Mk., Weißkraut per Stuck 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 4,005,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 915 Pfg., in Körben 1215 Pfg. Trauben 3550 Pfg., Tomaten, per Pfd. 1820

Ucueffo Melmmgcn.

Originaldrahtmeldnngen des Gießener Anzeigers.

Bremen, 11. Jan. Der Bevollmächtigte Bremens znm Bundesrat, Senator Dr. Pauly, hat wegen der Verhaftung und Behandlung des in Elberfeld infolge Namensverwechslung fest- genommenen bremischen Staatsangehörigen Kullenkamp Beschwerde bei dem Reichskanzler erhoben.

Kiel, 11. Jan. Gestern fand eine Gegenüberstellung der von dem Kieler Mefferftecher Verletzten mit dem verhafteten Dr. Kleinertz statt. Sämtliche 22 Verletzte bestreiten, daß er der Thäter sei.

London, 11. Jan. DerStandard" meldet aus Pretoria yon gestern: De Wet soll nach dem Süden vorrücken. Man glaubt, er versucht, in die Kapkolonie einzudringen.

Manchester, 11. Jan. Balfour hielt gestern hier vor einer großen Versammlung eine Rede, in der er ausführte, daß das Gebiet, in dem der Guerillakrieg in Südafrika sich abspiele, immer kleiner werde und daß die Guerillabanden weiter und weiter zurückgedrängt würden. Auch er fei mit Rosebery der Ansicht, daß der Umstand, daß die öffentliche Meinung auf dem europäischen Kontinent England so entschieden feind­lich sei, eine ernste Sache sei. Rosebery denke wie die Regierung, daß dieser gerechte Krieg human geführt sei- Redner hofft, daß vielleicht diese Erklärung Roseberys im Ausland seine Wirkung auSüben werde. Die Engländer lehnten eS ab, Be­trachtungen anzustelken über die widrige Flut von Schmäh­ungen, die unaufhörlich von der kontiuentalen Presie ausge- goffeu würden. Seiner Ansicht nach könne man dem Mut und der Humanität der Armee irgend einer Nation keinMeres M

erteilen, als wenn man sage, daß sie dem Mut und der Humanität nahe komme oder erreiche, die die engllschen Soldaten in Süd- afrika bewiesen hätten.

Graz, 11. Jan. In der gestrigen Sitzung des Gemeinde, rats verlas der Bürgermeister eine Erklärung des Stadtsyndicus, die besagt, der Schädel des Dichters Hämmerling sei, da in der Totenkammer Gypsabgüffe nicht vorgenommen werden konnten, dem Prof Klatter mit dem Bemerken überwiesen worden, daß er binnen 14 Tagen wiedererstattet werden müsse. Die Frist sei jedoch nachträglich verlängert worden, da die M ffungen in 14 Tagen nicht beendet werden konnten.

Berlin, 11. Jan. Ans den Verhandlungen der Zoll- tariikommission wird ein heiterer Vorfall bekannt. Abg. Staothagen kam auf das schuldenfreie Gut von 50 Hektar zurück, das Abg. Gamp bei der Zolldebatte vor Weihnachten den Sozialdemokraten zu schenken anbot, damit sie sich durch Bewirtschaftung des Gutes von der Not der Landwirtschaft überzeugten. Stadthagen erinnerte Gamp an sein liebens­würdiges Anerbieten und dieser erklärte sich sofort bereit, sein Wort durch schleunige Uebergabe des Gutes einzulösen. Da ersuchte plötzlich Stadthagen mit ernsthafter Miene die Kommission, die Beratung des Zolltarifs so lange zu vertagen, bis er ein Jahr das Gut bewirtschaftet habe und von feinen Erfolgen berichten könne. Der Vorschlag wurde mit großer Heiterkeit ausgenommen.

Berlin, 11. Jan. Die Sozialdemokraten haben in der Zolltarifkommission des Reichstages eine Reihe von Anträgen eingebracht, die auf Zollfr eih eit namentlich für Getreide abzielen. Weitere Anträge sind in Vor­bereitung. Außer Preußen soll nach derNationallibi Korr." namentlich auch Bayern nicht geneigt sein, dem vom Reichstage gefaßten Beschluß wegen Aufhebung des; Jesuitengesetzes beizutreten.

Berlin, 11. Jan. Die Musterungen des Zentrumsabg. Pingen über ,Leute im Ministerium", die durch großen Landbesitz in Amerika an dem Zolltarifinteressiert^ seien, soll auf den Oberregierungsrat im Handelsministeq rium, Wendel st adt, abzielen. Dieser soll Teilhaber einesj von seinem Bruder vor 10 bis 12 Jahren erworbenen Besitz­tums in Argentinien sein, auf dem neben dem Betrieb der Viehzucht deutsche Musterwirtschaften eingerichtet sind. Der Getreideexport der Familie Wendelstadt aus Argentinien soll jedoch zurzeit noch recht unbedeutend sein.

Kiel, 11. Jan. Die Kais e r-A achtHohen- zollern" erhielt Befehl, sich mit Beschleunigung inStaud zu setzen, und für 10 Wochen auszurüsten. Reise­ziel noch unbekannt.

Kiel, 11. Jan. Die Strafkammer sprach gestern den Stadtv.-Vorsteher Neve- Eckernförde von der Anklage des Betruges bei Lieferungen an die städtische Armen-An- stalt frei. Der Staatsanwalt hatte eine sechsmonatlichs Gefängnisstrafe und drei Jahre Ehrverlust beantragt. Die; Erhebung der Anklage veranlaßte seiner Zeit den Magistrats die Wiederwahl Neves zu beanstanden.

Loudon, 11. Jan.Daily Mail" erhält aus Amster-, dam ein Telegramm, welches besagt, daß thatsächlich Ver­handlungen zwischen den in Europa weilenden Buren- Delegierten und den Burenführern in Süd­afrika augenblicklich stattfinden. Eine Depesche des! Buren-Vertreters in Lourenzo-Marques an einen Buren- Delegierten in Europa wurde von der englischen Behörde an Bord eines Dampfers beschlagnahmt- Die Depesche soll bestätigen, daß sich Krüger einverstanden er­klärt hat, die Meinung der verschiedenen Buren-Komman­danten über eine eventuelle Verständigung mit England einzuholen- (??)

Liver po o l, 11- Jan. In später Abendstunde sand gestern die Jahres-Versammlung des Lokal-Komitees gegen die Fortsetzung des Krieges statt- Die Haupt rede hielt der frühere Abg- Courtney, der sich bereits bei Beginn des Krieges gegen Chamberlain ausgesprochen; hatte. Die Versammlung nahm eine Tagesordnung an, worin gegen die Führung des Krieges protestiert und die Regierung ersucht wird, Friedens-Verhandlungen! einzuleiten-

Brüssel, 11- Jan. Ueber die gestern stattgehabtü Konferenz der Burenführer verlautet gerüchtweise, daß die Burenführer sich bereit erklärt haben, statt der Un- abhängigkeft die Au tonomieanzunehmen. Der Kom­mandant Clark sei beauftragt worden, dies der englischen Regierung zu notifizieren- (??)

Wien, 11- Jan. Die hiesige Presse bespricht die gestrige Rede Bülows in meist zustimmender Weise- DasNeue Wiener Tageblatt" sagt, daß dieselbe geeignet sei, im Auslande den wohlthuendsten Eindruck zu machen und alle durch die ftühere Rede Bülows hervor gerufenen; Mißverständnisse wegzuräumen-

Telephonischer Kursbericht

372% Reichsanleihe

3%

do.

37,o/o Konsole

3%

do

102.40

4' -o% Oesterr. Silberrente 100.00

27.45 Lauraliütte

Tendenz: fest

100.80

100.80

40.00

26.60

106.00

42.50

Bochum . Harpener

. 101.60

. 90.50

. 101.75

. 90.50

. 99.50

3*/2% Hessen . .

3% Hessen . . .

4% Oesterr. Goldrente

3% Mexikaner . . 47a A Chinesen . , Electric, Schlickert . Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdi ner Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatabahn . Lombarden . . . Gotthar-1 bahn . . .

4% Ungar. Goldrente .

4°/ Italien. Rente . .

47, % Portugiesen . . '°l Portugiesen . . . 1% C. Türken . . . Türkenlose.....

4% Griech. Monopol-Anl 47» % äussere Argentiner

. 201.80 . 184.30 . 129.20 . 130.75 . 142.90 . 140.20 . 19.80 . 166.40 . 192.00 . 179.50

. 26.50

. 88.00

. 110.80

Gerichtssaat.

M. Gießen, 10. Jan. Strafkammer. Der Bürgermeister von Göbelnrod, Heinrich Tamm, isl des Vergehens im Amte an­geschuldigt. In der Nacht vom 15. auf den 16. Juni v. Js. gab es in Göbelnrod anläßlich einer Grundstücksversteigeruna Freibier, von dem auch der Angeklagte und ein gewisser Kaspar Th örner 11t. mittranken. Thörner befürchtete einen unfreundlichen Empfang seitens seiner Ehefrau, wenn er nachts um 2 Uhr heimkehre, und bat den Bürgermeister, zu seinem Schutze mitzugehen. Seine Ev- Wartungen wurden auch insofern nicht getäuscbt, als es nicht zwi­schen ihm und seiner Gattin sondern zwischen dein Bürgermeister und dieser alsbald zum Wortwechsel und zu Thätlichkeiten kam. Bei diesem ersten Zusammenstoß erhielt die Ehefrau Thörner einen Schlag ins Gesicht von dem Bürgermeister und der Bürgermeister einen Stoß in den Rucken von der Ehefrau Thörner. Ter Ange­klagte fühlte sich durch diesen Stoß m seiner Amtsebre gekränkt und holte einige Leute herhei, um die Ehefrau Thörner wegen dieser Thätlichkeit gegen die Ortsobrigkeit zu arretieren. Aus der Strafprozeßordnung läßt sich diese beabsichtigte Verhaftung nicht erklären, wohl aber aus der Angetrunkenheit des Angeklagten. Sic. erklärt es auch, daß er mit einem Besenstiel bewaffnet und müden Worten:Jetzt kommt die Ortspolizei" die Tborner'sche Wohnung wieder betrat. jSap -er nun in seiner -Eigenschaft als Ortspottzei-