Ausgabe 
11.1.1902 Zweites Blatt
 
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Samstag I I.Jarmar LDOA

152. Jahrgang

Zweites Blatt.

Pie Heutige Zlummcr umfaßt 16 Seiteu

en.

die sich dem Mi­

nister genähert und gepfiffen hatten, wurden verhaftet- Minister-Präsident Waldeck-Rousseau kam später von

Nizza an-

abend wurden die

Antrag au! wirtschcü

der Denkmalsgruppen in der Sieges-Allee in der Glückwunsch-Adresse dargebracht hat. Ich freue mich, daß das von mir unternommene Werk durch die hervorragende Arbeit Berliner Künstler in einer so würdigen Weise durch­geführt und meine Absicht, meiner Haupt- und Residenz­stadt einen allseitig bewunderten Ehren- schmuck zu stiften, voll erreicht ist. Der Anblick der Meisterwerke wird, wie ich hoffe, der Berliner Bürger­schaft für alle Zeiten ins HerzundGedächtnisein- p rügen, was Berlin und das gesamte Vaterland der weisen Fürsorge einer solchen Reihe von

Lyon, 10. Jan. Die Minister Millerand, An­dre und Decrais sind hier angekommen und begaben sich nach dem Stadthause- Als Millerand dieses verließ, wurden Kundgebungen veranstaltet, wodurch es zu Sch Jä­gereien kam- Einige Manifestanten,

Deutsches Keich.

Berlin, 11. Jan. Wie dieNaü-Ztg." hört, empfing gestern der Kaiser den Bildhauer Harro Magnussen und gab chm den Auftrag, eine Statue Friedrichs des Großen für eine Nische des Weißen Saales im kgl. Schlosse

Nr. 9

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver lag der B r ü h l'schc.. Univers.'Buch- u. Stein­druckerei (Pietsch Erben. Redaktion, Expedition und Druckerei:

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Adresse für Depeschen. Anzeiger Gießen.

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Saragossa, 10. Jan. Gestern

Klöster von einer Anzahl Manifestanten wiederum mit

nur noch fteundschaftlichen Verkehr mit Wolf unterhielt Frau Tschau schließt:Wir haben uns mit Wolf aus einandergefetzt; wie, das geht niemanden etwas an. Abei sein blutiger Schatten soll nicht auf unseren Weg falle, und ob jenen auch das Volk zujauchzen wird, wenn ji- ihn doch zum Aeußersten bringen, wird sich zeigen-

Cettinje, 10. Jan. Wie verlautet, soll der Zar dem Vorschläge des Fürsten von Montenegro, den ältester in Petersburg studierenden Sohn des Fürsten Peter Kara, georgiewitsch als Thronfolger für (Serbien zu nominieren, zugestimmt haben- In Petersburg er wartet man, daß auch Oesterreich den jungen Karageorgie witsch als Kompromiß-Kandidaten aceeptieren werde-

Washington, 10. Jan. Der Kriegs-Sekretär Roo unterbreitet dem Kongreß Telegramme, bie ihm von aller hervorragenden Handels-Gesellschaften auf Muba zuge gangen sind, und tporin sich dieselben einmütig dahir aussprechen, daß Kuba unverzügliä) der Ruin drohe wenn nicht der Kongreß eine Tarif-Ermäßignn; bewillige namentlich auf Zucker und Tabak- Einig' erklären, der unausbleibliche Notstand werde ernste Auf stände int Gefolge haben-

Bueno s-Ay r es, 10. Jan. Eine Depesche aus Asun ciott (Paraguay) meldet: Infolge der Präs.dentenwcch ist hier eine Revolution ausgebrochen. Der Präsident ha seine Entlassung eingereicht, die vom Kongreß angenom men wurde. Es kam zu einem bewaffneten Zusammenstos innerhalb des Kongreß^Gebäudes- Senator Facundo Ino fr an wurde getötet, General Caballers, die Senatorer Migael, Corbalan und Freitas, sowie der Deputierte Earre, eas schwer verwundet-

vollem Umfange weitergeführt werden. Ferner hat aus demselben Anlaß der preuß, Minister der öffentlichen Ar­beiten die Kgl. Eisenbahndirektionen veranlaßt, die Bau- thätigkeit der Eisenbahnverwaltung nach Thunlichkeit zu erhöhen. Vielfach wird der Baubeginn trotz der bereitstehenden Mittel daourch hinausgeschoben, daß die landespolizeiliche Prüfung oder das Enteignungs- Verfahren nicht zeitig zum Abschluß gebracht werden können. Die Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten sind ersucht worden, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß durch thun- lichst schnelle Abwickelung derartiger Verhandlungen der Mi­nister in seinen Bestrebungen überall unterstützt wird. Auch wird in gleicher Absicht auf die Städte und sonstigen Selbst­verwaltungskörperschaften dahin einzuwirken sein, daß sie die mit der Eisenbahnverwaltung zu führenden Verhand-- lungen über die Vorbedingungen von Bauausführungen nach Thunlichkeit beschleunigen.

Abweichend von der Gepflogenheit früherer Jahre wird der Reichstag dieses Mal nur eine beschränkte An­zahl von Kapiteln und Titeln des Reichshaushalts­etats der Budget-Kommission überweisen und dem Plenum alle Erörterungen Vorbehalten, die für die Öffentlichkeit von Interesse sind. Abg. Richter hat einen entsprechenden Antrag bereits eingebracht. Nach Beendigung der ersten Lesung des Etats werden im Reichstage die Interpellationen Dr. Arend, Graf Oriola und Fürst Radziwill noch zur Ver­handlung gelangen beziehungsweise noch zu Ende geführt werden.

Gras Mirbach hat im preuß. Herrenhause einen Antrag eingebracht, in dem die Staats'regierung ersucht wird, demnächst vom Landtage einen die Herabsetzung des Fideikommiß-Stempels betreffenden Gesetzentwurf vorzulegen.

Der Reichstagsabg. Pingen soll sich neulich über die Integrität hoher Ministerialbeamten in einer Neve folgendermaßen ausgesprochen haben: Zu den Feinden der Tarisoorlage rechne er auch die Kapitalisten, die ihr Geld im dluslande angelegt haben. Selbst im Mi­nisterium säßen Leute, die meilenweite Strecken in Argentinienihr eigen nennen und die ein großes Interesse daran haben, sich Deutschlands Kundschaft zu er­halten. DieKöln. Ztg." bemerkt hierzu: Ein längst ver­storbener rheinischer Großindustrieller hat vor vielen Jahr­zehnten in Argentinien eine umfassende Farm errichtet, and sie einem seiner Söhne zur Bewirtschaftung überwiesen. Vater und Sohn sind inzwischen längst gestorben und der Besitz ist gemeinsames Familien-Eigentum geworden. Einer der Miterbeu und jetzige Miteigentümer ist in der That ein in den letzten Jahren vielgenannter Ministerialbeamter, der aber mich nicht das Allergeringste mit dem Zolltarif and der Zolltarifvorlage zu thun hat." DieGermania" veröffentlicht eine Zuschrift des Abg. Pingen, welche die Verichte über seine Rede vielfach als unzutreffend bezeichnet. £r habe insbesondere im Zusammenhang feiner Rede ledig­lich darauf hingewiesen, daß deutsches Kapital große Strecken Landes in Argentinien besitze und Interessenten dieses Ka­pitals in allen Schichten imferer Gesellschaft bis in die Ministerien hinein säßen. Tie Ehre unseres Beamtenstandes habe er in keiner Weise verletzen wollen»

Steinen beworfen; es kam darauf zwischen der Gensdarmerie und den Teilnehmern an der Kundgebung zu einem Handgemenge, wobei mehrere Personen ver­letzt wurden. Auf einen Befehl des Ministers des Innern hat der Präfekt seinen Posten verlassen und sich nach Madrid begeben, wo er heute eingetroffen ist. Die Ver­waltung der Präfektur ist interimistisch einem höheren Offizier übertragen worden.

Zürich, 10. Jan. Die schweizerischen Schuhhändler haben heute den Boyeott gegen die schweizerischen Schuhfabriken beschlossen-

Wien, 10. Jan. DieOstd. Rundschau" veröffentlicht in der Affaire Wolf ein Schreiben der Frau Sophie Tschau, Gemahlin des Reichsratsabg. Tschau und Mutter der Frau Professor Seidl, worin sie Folgendes mitteilt: Es wurde an sie das Ansinnen gestellt, Wolf zum S e l b ft- mord zu zwingen, was sie nicht thaten, weil Wolf dem deutschen Volke erhalten bleiben müsse. Seidl, welcher einen maßlosen Haß gegen Wolf habe, häbe seine Frau Nächte lang um Geständnis^ gemartert, und genötigt, das scheußliche Memorandum an Schönerer ungelesen zu unterschreiben. Frau Seidl er Härte, in einem Brief an ihre Eltern, daß jie nach einem einzigen Stelldichein

Ausland.

London, 10. Jan.Daily Mail" sagt: Wir find in der Hgge zu erklären, daß in Sachen der Chamber- lainschen Rede keine diplomatische Korrespondenz er­folgt ist. (Hat auch niemand behauptet. Red.) Cham­berlain selbst gab die von dem Grasen Bülow erwähnten Versicherungen in Briefen ab, welche er geschrieben hat, damit sie an die deutsche öffentliche Meinung gelangen. Sie stellten einfach die Thatsache fest, daß die betreffende Stelle in der Rede Chamberlains falsch wiedergegeben sei. Die sonst erteilten Versicherungen geschahen aus freiem Antrieb auf einem (Ärrpsange des Auswärtigen Amts, und waren lediglich mündliche und nicht amt­liche.Daily Graphie" meldet: Hierzulande ist keine diplomatische Bemühung irgend welcher Art erfolgt, um Chamberlains Worten eine andere Auslegung zu geben, als sie an der Oberfläche tragen. Allerdings ist auf Chamberlains Rede in nicht formellen diplomatischen Be­sprechungen sowohl in London, als in Berlin Bezug ge­nommen worden, doch nahmen diese Bemerkungen nicht die ihnen in Deutschland zugeschriebene Form an. Kürzlich wies der Botschafter Lascelles die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung auf die böswilligen Verdrehungen der Rede Chamberlains hin, welche in Deutschland int Umlauf seien, und betonte den peinlichen Eindruck, den dies in England hervorgerufen habe.

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Auf die Neujahrs-Glückwunschadresse des Berliner Magistrats hat der Kaiser nachstehendes Antwort­schreiben dem Oberbürgermeister Kirschner übersenden lassen: Dem Magistrat danke ich vielmals für die freundlichen Glückwünsche, welche mir berfelbe zum neuen Jahre aus­gesprochen hat. Gern habe ich zugleicb den Ausdruck d-s Dankes entgegengenommeu, welchen oer Magistrat mir namens der Reichshauptstadt anläßlich der Vollendung

Das Befinden des Abg. Dr. Lieber soll sich neuer­dings wieder bedenllich verschlimmert haben.

Wie dasBerl. Tgbl." erfahrt, ist der Streitfall zwischen dem Präsidenten Castro und der deutsch- venezolanischen Eisenbahn-Gesellschatf bei­gelegt.

Altenburg, 10. Jan. Die herzogliche Regierung hat, wie halbamtlich gemeldet wird, beim Bundesrat den Erlaß eines Reichswohnungsgesetzes beantragt.

Gotha, 10. Jan. Der Regent empfing am 8. Jan. den Vorstand des evangelischen Bundes des Herzogtums in Audienz. Er erwiderte auf die Dankadresse des Bundes für den Festakt am 26. Dezember, er wolle die Gelegenheit wahrnehmen, auf einige bedeutsame Irrtümer hinzuweisen, die in der öffentlichen Erörterung jener schönen Gedächtnis­feier hervorgetreten find. Vielfach sei die Anschauung aus- gedrückt, als handle es sich um eine Vjerschmelzun g der einzelnen evarrgel. Landes kirch en Deutsch? lands zu einer Einheit in Glauben und Lehre. Sowohl der Kaiser wie er hätten nur von der Schaffung einer solchen Gemeinschaft gesprochen, die den Bekenntnis st and und die inneren Einrichtungen einer jeden unserer Landeskirchen in ihrer Selbständigkeitgänzlichun- berührt lasse. Es handle sich auch nicht um eine neue, bisher unbekannte Bewegung, deren Aufnahme innerhalb der bestehenden landeskirchlichen Vertretung noch zweifel­haft sei. Die Frage des Zusammenschlusses der Landes­kirchen für bestimmt begrenzte Zwecke sei vielmehr schon seit lange eingehend erwogen und in der Sitteratur uno auf großen Versammlungen behandelt, auch hätten die Synoden größtenteils mit den Grundgedanken solcher Einigung sich längst einverstanden erklärt. Die Schwierigkeiten der Durch­führung seien in vollem Maße beachtet und gewürdigt worden, sodaß die Hoffnung auf bestimmte Thatsachen ge­gründet, daß das ersehnte Ziel erreichbar sei, int Einklang der freien Entschließung deutscher evangelischer Fürsten mit den Wünschen des protestantischen Volkes. Er hoffe von Herzen, daß die Anwesenden im Geiste voller Anerkennung uitb Gleichberechtigung der Andersgläubigen und Duldsam­keit gegen die einzelnen Richtungen innerhalb der eigenen: Kirchen gemein schäft mit ihm diesem Ziele zustreben würden.

Rudolstadt, 10. Jan. Hierselbst erfolgte heute die offizielle Konstituierung des Verbandes deutscher Kohle neinkaufsver eine. Als- -Sitz des neuen Ver­bandes ist ab 1. April Leipzig vorgesehen.

FürstenverschiedeuerHäuserzudanken hat." Neues Palais, den 8. Januar 1902.

(gez.) Wilhelm.

Das Zeutrumhat heute den bereits angekündigten f Verwendung der Mehrüberschüsse der l and- stlichen Zölle nach dem neuen Zolltarif für Witwen und Walsen bei der Zolltarifkommission ein­gebracht.

Mit Rücksicht auf die ungünstige wirtschaft- liche Lage, mit der zurzeit namentlich der Arbeiter- stand vielfach zu kämpfen hat, hat der Staatssekretär des Reich sp o stamtes die Oberpostdirektionen angewisen, bei den bereits begonnenen Bauten unter Verwendung der Mittel, die von den bewilligten Bauraten noch verfügbar sind, weiter arbeiten zu lassen, sofern und soviel es die Witte­rung gestattet, namentlich aber Sorge zu tragen, daß nach dem Aushören der eigentlichen Winterruhe die Bauten in

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GleheimAmelgerW w General-Anzeiger " sS

für den polit. u. atigern.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

____________ ___________ _________________________________________________ geigenteil: Hans Beck.

Politische Tagesschau.

Fortschreitende Ernüchterung.

Aus Berlin, 10. Januar, wird uns geschrieben:

Es ist interessant, wie sich erst nach und nach in. Auslande der Bann der Verblüffung über die Rede deä Grafen Bülow löst. Was bezweckt er mit den Ausführ, ungen über den Dreibund, deren Pointe bei a-ler Würdig- ung des WertI der Alliance. doch in den Worten lag Für uns nicht mehr eine absolute Notwendigkeit"? Ers jetzt bekommt man in Oesterreich-Ungarn wie in 3tatter das volle Verständnis dafür, daß die Rede eine ernst« Warnung enthielt, in zwischen den Zeilen liegender Form die Vorzüge des Bündnisses mit Deutschland zu unter­schätzen und mit dem Gedanken an Verbindungen mii anderen Mächten zu liebäugeln. Der Vorteil des Drei- bundes, die Notwendigkeit der Verlängerung des Bündnis- Vertrages, liegt nicht so auf deutscher, wie auf anderer Seite. Im Reichstag wurde dieser Eindruck sogleich ge- toonneu- Hier setzten Sprechweise und Bewegungen bee Kanzlers, das, worauf es an Farn, ins rechte Licht- 23 et dieser Rede machte in der Thatder Ton die Musik" Alles, was Graf -Bülow zum Lob des Dreibunds sagte, war ja in einem anerkennenden, wenn man will, warmen Tone gehalten aber die volle entschiedene Ueberzeugung gelangte erst in dem Satz von derNicht-Notwendigkeit zum Ausdruck- Das Vorausgegangene hatte, um uns eines Bildes aus der Tonkunst zu bedienen, in geschicktem Crescendo" diesFortissimo" entwickelt. Schade, daß nicht eine kinematographische Aufnahme den Grasen in diesem Moment festhielt, aber auch dann würde der Eindruck nicht vollständig sein, weil eben die so charakteristische Hervorhebung der Worte durch die Sprache fehlte. . .

Graf Bülows Rede, so wird aus Rom gemeldet, hat zu rasch fortschreitender Ernüchterung bezüglich der ita­lienisch-französischen Verständigung beigetragen. Die offi­ziöseTribuna" dankt dem Grasen Bülow für die klare, unumwundene Feststellung des wahren Sachverhalts- In der That, es war dringend erwünscht, daß einmal gegen­über den ,mehr oder minder verhüllten Kündigungs-Droh­ungen, die in neuerer Zeit von autoritativen Männern in den verbündeten Reichen geäußert worden wären hauptsächlich aus Verdruß über den deutschen Zolltaris- entwurf das kühle Wort Bismarcks zurückschallte:Wir laufen niemand nach." Wenn nicht dann nicht.Ter Starke ist am mächtigsten allein", das darf Deutschland immerhin mit größerer Berechtigung von sich sagen, als seine Verbündeten- Die Staatsmänner in Wien wie in Rom, sie werden denWink" verstanden haben, und es war das beste, was sie thun konnten, indem sie die amtliche und halbamtliche Presse anwiesen, dem deutschen Reichskanzlerfreudig zuzustimmen". Hoffentlich wird nun für längere Weile das so wenig der rechten Freundschaft würdige Gerede von derRevision der Beziehungen", von derBeeinflussung der Politik durch wirtschaftliche Rück­sichten" verstummen! Wer es sich immer wieder über­legt, ob er unser Freund bleiben kann, auf dessen Zuver- lässigkert und Treue läßt sich nicht bauen- Der Pariser Temps" hört aus den Erklärungen des Reichskanzlers heraus, daß Graf Bülowdem Dreibunde keine große Bedeutung mehr beimißt". Wir glauben, dies Urteil ist in dem Sinne richtig, daß der Reichskanzler allerdings einem etwa mit Widerstreben und Unlust erneuerten Bünd­nisverträge das Fallenlassen des Bündnisses entschieden vorziehen würde- Eine gezwungene Freundschaft ist keinen Pfifferling wert-

Ganz außer sich scheint ein großer Teil der englischen Presse über die verdiente Abkanzelung des geliebten Na- tiormlHeros Chamberlain.Genugtuung" wird gefordert, vonVerletzung internationaler Höflichkeit" gesprochen, man geht sogar in der lächerlichen Anmaßung soweit, die Leistungschleunigender und befriedigender Abbitte" von der deutschen Regierung zu verlangen- Weiter nichts?! KeinenKanossa-Gan " des Grafen Bülow nach Enall^^?

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