Montag 10. NovembevlNVS
ISS. Jahrgang
Zweites Matt.
Nr.S«4
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Notationsdruck u. Verlag der Brüh 1'scheu Untvers.-Buch- u.Stein- druckeret IPietsch Erben) Rebafhon, Expedition und Druckerei:
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen M?Z
V *r " zeigenteil: Han« Beck.
Die heutige Hlummer umfaßt 10 Seiten.
Politische Wochenschau.
Greß en, 10. Nov. 1902.
Am letzten Samstag haben in den drei Provinzen des Großherzogtums Hessen die Abgeordnetenwahlen stattgefunden. Wir berichten darüber an anderer Stelle unserer heutigen Nummer in aller Ausführlichkeit. That- sache ist, daß die Nationalliberalen in Darmstadt 2 Sitze, in Friedberg einen Sitz an die Deutsch-Fr ei sinnig en, Grün- berg an die Antisemiten und den Riedwahlkreis an den Bund der Landwirte verloren. Die übrigen Parteien halten ihren Besitzstand.
Im Ausland haben die W a h l e n in den Vereinigten Staaten den dort erwarteten Ruck nach der demokratischen Seite nicht gebracht. Wenn auch das Endergebnis noch nicht vorliegt, so entscheidet doch die Thatsache, daß für das Repräsentantenhaus bis jetzt 204 Republikaner gegen 179 Demokraten gewählt sind, die Campagne für die republikanische Partei. — Die Wahlen in Oesterreich haben den Sieg der Klerikalen in Wien gebracht; die einstige Hochburg liberaler Ideen sank in Trümmer, während die steierischen Bauern sich von priesterlicher Herrschaft be- fteiten, indem sie fünf Klerikalen die Mandate entrissen. Im niederösterreichischen Landtage werden 50 Christlichsozialen 28 freiheitliche Abgeordnete gegenüberstehen.
Kaiser Wilhelm ist an Bord der ,Lohenzollern" am letzten Samstag gegen 8 Uhr ftüh in Port Viktoria an der englischen Südküste angekommen. Um 11 Uhr 20 Min. traf der Extrazug Kaiser Wilhelms in Dover ein, von wo der Kaiser mit Gefolge nach Shornclisfe weiter fuhr. Wie aus Sandringham verlautet, ist unter den Veranstaltungen anläßlich des Kaiserbesuchs auch eine Pflanzung von Ehrenbäumen in einer besonderen Allee beabsichtigt, an der der Kaiser und andere erlauchte Persönlichj- keiten teilnehmen werden. Näheres über den bisherigen Verlauf des Besuches finden die Leser an anderer Stelle des heutigen Blattes. Heute begeht Eduard VII. seinen 62. Geburtstag und der Kaiserreise werden daher nur rein verwandtschasüiche Rücksichten zu Grunde gelegt. Aber es ist zu berücksichtigen, daß Eduard VH. in Sandringham den Kolonialminister Chamberlain und acht weitere Mitglieder des Ministeriums zum Emvfang seines kaiserlichen Neffen um sich versammelt. Daß deutscherseits der Kaiser offiziell nicht begleitet ist, bleibt zu bedauern, denn man täusche sich nicht in der Annahme, daß während der Zeit des Zusammenseins Wilhelms II. mit seinem Oheim auch die Politik gesprächsweise eine nicht unbedeutende Rolle spielen wird. Es verlautet auch daß man die politische Lage mit einer „gewissen Offenheit" zu besprechen gedentt. Daß man in der Mehrheit des deutschen Volkes darüber besonders erbaut wäre, muß bezweifelt werden. Ganz abgesehen von allen Reibungen, die fortwährend entstehen müssen durch die brüske Art, mit der England auch der berechtigten Kritik irgend welcher seiner Maßnahmen zu begegnen pflegt, ist die Vorliebe unserer Vettern jenseits des Kanals, andern die Kastanien für sich aus dem Feuer holen zu lassen, zu bekannt, als daß man in einer Freundschaft mit ihnen ohne weiteres eine vorteilhafte Situation erblicken könnte. Dazu kommt, daß bei der natürlichen Rivalität zwischen Rußland und England unser Verhältnis zum östlichen Nachbarn durch eine offenkundige Frtzkndschaft mit dem seebeherrschenden Jnselreiche aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gebessert werden würde. Zu wünschen ist nur, daß die nicht unberechtigte Auffassung, als könnten in Sandringham die Engländer irgendwelche Zugeständnisse erlangen, die einzulösen dem verantwortlichen Zeichner der äußeren Politik nicht leicht wäre, weshalb es sich empfohlen hätte, den Kanzler mit an Bord gehen zu lassen, diesmal nicht zur Thatsache werden möge. Für ein direktes Zusammengehen einer Nation mit einer anderen kann bei dem hochentwickelten Bolksbewußtsein unserer Zeit nur auf Grund starker Sympathien der Massen ein dauernder Erfolg verbürgt werden und eine kluge Regierung würde es deshalb als oberstes Prinzip hinstellen, dem Strom der Volksneigung zu folgen, zum mindesten aber wird sie die ausgesprochenen Fehler vermeiden, diesem Strome entgegenarbeiten zu wollen. Und wie denkt das deutsche .Volk im innersten .Herzen über England? — Eine Feindschaft mit ihm ist für uns deshalb noch lange nicht zu wünschen, im Gegenteil, wir dürfen über unseren Herzen den Kopf nicht vergessen und müssen Konflikte mit dem mächtigen Handelsvolke vom wirtschaftlichen Standpunkte aus, wenn angängig, zu vermeiden suchen.
Es schien anfangs der vergangenen Woche, als ob der Versuch einiger Parteien, den durch den deutschen Zolltarif geschaffenen allgemeinen und tiefgehenden Konflikts- zustand zu beseitigen, nicht ohne Aussicht auf Erfolg wäre. Friedliche Weisen von Kompromiß tönten aus den Lagern derjenigen Parteien, die bisher mit der Nachgiebigkeit der Regierung in der Zollfrage im stillen immer noch gerechnet hatten. Tas Mene tekel des Staatssekretärs des Innern hatte augenscheinlich hier und da Eingang gefunden und seine Wirkung gethan, sodaß das Organ der sächsischen Konservativen die Erzählung von dem Sperling in der Hand mit eindringlichen Worten wiederholte. Daß die Nationalliberalen beim Abschluß des Kompromisses die lang ersehnte wirtschaftliche Einigung vielleicht gefunden hätten, ließ sie das Signal zum Einlenken besonders verlockend erscheinen. Dem Zentrum mochte auch eine Zentnerlast vom Herzen fallen. Denn das Kompromiß ließ zivar noch viel zu wünschen übrig, durch sein Zustandekommen aber hätte man den verhängnisvollen Streit um den Zolttari' beendigt. Ebenso plötzlich aber, wie sie angestimmt wurde, brach die friedliche Melodie wieder ab und die Kompromiß-
Verhandlungen scheiterten, wie man hörte, schon in ihrem Anfänge. Jedenfalls ging die Mehrheit selbst in den Bedingungen für oie.se Verständigung zu weit, als daß die Regierung, ohne sich weiter zu kompromittieren, darin hätte einwilligen können. Es ist übrigens nicht ausgeschlossen, daß Graf Bülow die eine Konferenz aus der gegenwärtigen Lage wenigstens zieht, auff ein Zustandekommen der Vorlage zu verzichten und langfristige Handelsverträge auf anderer Grundlage abzuschließen. Darauf deuten wenigstens die in den letzten Tagen gepflogenen Unterhandlungen der Regierung mit dem Handelsvertrags-Verein hin, die den Zweck verfolgten, dem Reichskanzler die Unterstützung der weitreichenden Vereinigung zu sichern. Diese Auffassung der Lage läßt das von der Wiener „N. Fr. Pr." veröffentlichte Interview mit Bülow nicht unmögliche erscheinen, wenn es auch darin heißt, daß sich der Reichskanzler von der mittleren Linie des Zolltarifs niemals werde abbringen lassen. Vielleicht hofft der Kanzler immer noch, die Mehrheitsparteien durch solche Erklärungert zu bestimmen, wie diese ihrerseits immer wieder von neuem ver- uchen, durch vorläufiges Festhalten an ihren Forderungen )ie Regierung zum Nachgeben zu bestimmen. Wie es heißt, iesteht in den Mehrheits-Parteien des Reichstages der 'este Entschluß, den Antrag auf Aenderung der Ge- chäfts-Ordnung schon auf die Tagesordnung vom Dienstag setzen zu lassen, obwohl der Präsident Gras Ballestrem vorläufig die Fortsetzung der Beratung des Zolltarifs wünscht. Tie geschäftliche Behandlung des Antrages regelt sich nach den für einfache Anträge geltenden Bestimmungen. Wie § 23 der Geschäftsordnung vorschreibt, bedürfen Anträge, die keine Gesetz-Entwürfe enthalten, nur einer einmaligen Beratung und Abstimmung. Es wird demnach nur einmalige Lesung und Abstimmung stattfinden.
Tie vergangene Woche hat dem Freisinn einen herben Verlust durch den Tod des Abg. Heinrich Rickert gebracht. Ließen einzelne der letzten Nachrichten den Zustand des von einem Schlaganfall Betroffenen auch hier und da noch hoffnungsvoll erscheinen, so konnte man aus dem Ton, in dem sie geschrieben waren, dennoch entnehmen, daß an eilte dauernde Wiederherstellung des Erkrankten nicht mehr zu denken war, und am Montag früh schied ein Mann aus der Welt, der lange Jahre hindurch im politischen und parlamentarischen Leben des Reiches eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat. Als Vertreter Danzigs int Reichstage und int preußischen Landtage gehörte er mit zu den Führern der freis. Partei.
Zwischen der Hohen Pforte und Italien ist der Konflikt wegen der Beschießung der Piratennester an der Midia-Bay durch italienische Kriegsschiffe noch nicht beigelegt, obgleich nicht anzunehmen ist, daß er weitere Verwickelungen ernsteren Charakters nach sich ziehen wird. Ter Sultan wird eben wieder nachgeben müssen, zumal die Türkei augenscheinlich amch int Unrecht ist, da sie das Ultimatum verstreichen ließ, ohne durch Züchtigung der Seeräuber Italien die gewünschte Genugthuung zu gewähren.
Von Venezuela aus wurde ein entscheidender Sieg der Regierungstruppen unter Castro und damit zugleich das Ende der Revolution gemeldet. Doch neuere Nachrichten vom amerikanischen Revoluttonsgebiet stellten die Siegesmeldung als Schwtndel hin. Nach dem neuesten Telegramm hat Castro, nachdem er nach allen Richtungen Truppen ausgesandt hatte, dem Feinde den Rückzug abgeschnitten und sich nach Caracas begeben, um die Regierung zu übernehmen. Ein anderes Telegramm aus Venezuela berichtet von einer Zersplitterung der Streitkräfte der Aufständischen, die herbeigeführt wurde infolge einer Uneinigkeit zwischen Matos tmb* dem General Rolanda, wegen Mangel an SJätnition, wofür Rolanda Matos verantwortlich machte. Rolanda rief alsdann den General Ternandez el Macho zum Führer der Aufständischen aus. Auch auf Haiti sind Unruhen von neuem ausgebrochen und lassen die Forderung um Beseitigung solcher unhaltbarer Zustände im Interesse der dort wohnenden Europäer vollauf berechtigt erscheinen.
Freundliche »Botschaft kam diesmal aus England. 8 Millionen Pfund für die Buren wurden im Unterhause bewilligt und weitere Unterstützungen in Aussicht gestellt. Auch rüstet sich der Kolonialminister Chamberlain selbst zur Rundreise durch Südafrika, an die sich nicht ohne Grund Hoffnungen aus ein Wiederaufblühen des zerstörten Landes in absehbarer Zeit knüpfen. Tenn Energie hat Chamberlain selbst zur Rundreise durch Südafrika, an die sich nicht ohne Grund Hoffnungen auf ein Wiederaufblühen des zerstörten Landes in absehbarer Zeit knüpfen. Tenn Energie hat Chamberlain, das muß ihm fein grimmigster Feind lassen, und gewisse Staatsmänner tonnten in dieser Hinsicht von ihm lernen.
Politische Tages schall.
Zar Abänderung der Geschäftsordnung des Reichstags.
Blätter beschäftigen sich mit dem von den Mehrheitsparteien im Reichstage eingebrachten Anträge betreffend Abänderung der Geschäftsordnung. Tie „Kreuzztg." schreibt: Sollte diese Abänderung nicht genügen, so wird man noch einen Schritt weiter gehen und das Stellen von Anträgen auf namentliche Abstimmung überhaupt erschweren müssen. Tie Reichstagsmehrheit ist es jedenfalls sich selbst schuldtg, sich nicht weiter von der Linken narren zu lassen, sondern zu beweisen, daß sie das parlamentarische Mehrheitsprinzip zu lvahren weiß.— Ter „R e i ch s b o t e" drückt den Wunsch aus, daß sich endlich die Regierung und die Mehrheit verständigen möchten, denn der Obstruktion ständen noch sehr viele Mittel und Wege zu Gebot, um die Sache hinauszuzerren. — Die
„Post" meint, die Abänderung allein thue es nicht, vor allem komme es darauf an, daß die Mitglieder der schutzzöllne- rischen Mehrheit dauernd vollzählig den Reichstagsver- handlungen beiwohnen. — Tie „Bcrl. N. N ach r" halten eine Vereinfachung der namentlichen Abstimmung nicht für ausreichend, sie meinen, es müßten schärfere. Mittel gefunden werden. Wer sich außerhalb des Gesetzes stelle, wie die äußerste Linke, indem sie die verfassungsmäßige Thätigkeit des Reichstages tot-' schlagen wolle, müsse sich auch Ausnahmegesetze: gefallen lassen. — Tie „Deutsche Tagesztg." erklärt, sie habe gegen den Antrag auf Llbänderung der Geschäftsordnung nichts einzuwenden. Tiefen Fragen gegenüber stehe te auf einem rein akademischen Standpunkt. Sie prüfe sie lediglich darauf hin, ob durch sie eine Förderung der parlamentarischen Thätigkeit erreicht werden könne. Nicht das Interesse des Zolltarifes fei für sie bestimmend, sondern das des Parlamentarismus. — Die „Tägl. Rundsch." würde es für besser halten, wenn man sich in diesen nervösen Zeitläuften die Reparaturarbeiten an der Geschäftsordnung sparen könnte, die ja ohne Frage zu erregten, turbulenten Tebatten führen werden. Von der Trefflichkeit des Antrages der Mehrheitsparteien kann sich das Blatt nicht vollständig überzeugen. — Tie „Ger m ani a" schreibt: Die Obstruktion ist durch den jetzigen Geschästsvrdnungsantrag gewarnt, und sie wird wissen, daß eine geschlossene Majorität nicht gewillt ist, sich auf die Tauer von einer Vtertel- minderheit chikanieren, terrorisieren und vergewaltigen zu lassen. — Tie „Nationa 1 zt g." bemerkt, wenn ohne Beeinträchtigung der Rechte der Minderheit Zeitersparnis möglich fei, so werde die Sozialdemokratie niemanden überzeugen, daß dadurch irgend jemand vergewaltigt werde. Tie Frage sei, ob die Zeitersparnis möglich sei, ohne daß neue Uebelstände hervorgerufen würden. — Tie „V o f s. Z t g." hält den Kampf mit den schärfsten Waffen für gerechtfertigt. Alles, was die Lingke thue, sei. Obstruktion, alles, was die Kartellmehrheit thue, sei sachliche Erörterung. Tas sei eine Ungleichheit der Behandlung! — Tas „B erl. T a g e b l." kann den Antrag nicht lediglich als! einen Schreckschuß für die Linke ansehen. Es glaubt audfo daß es noch lange dauern kann, ehe bieder Antrag zur Beschlußfassung kommt. — Dem „Bö r s e n eou r." zufolge wirb in Kreisen ber Linke der Gebanke erörtert, such zur gemeinsamen Abwehr dieser und ähnlicher Versuche, die Geschäftsordnung abzuändern, vorher zu verständtgen.
Deutsches Keich.
Berlin, 9. Nov. Ter Kaiser hat dem amerikanischen Botschafter White seine Glückwünsche zum 70. Geburtstage durch den Reichskanzler Grafen Bülow übermitteln lassen.
— Tie beiden seltensten Gäste im Reichstage, sind Ahlwardt und Köhler(-Langsdorf). Bis zum 5. November haben über den Zolltarif 20 namentliche Abstimmungen stattgefunden. Ahlwardt yat nur an zwei von diesen 20 namentlichen Abstimmungen teilgenommen. Am 29. Oktober haben im ganzen sieben namentliche Abstimmungen stattgefunden. Bei fünf von diesen fehlte Ahlwardt ohne Entschuldigung. Köhler hat offenbar, wie die „Frs. Ztg." schreibt, bei sämtlichen 20 namentlichen Abstimmungen seit dem Wiederzusammentritt des Reichstages am 14. Oktober ohne Entschuldigung gefehlt. In dem Bericht über die Sitzung am 29. Oktober, in der im ganzen sieben namentliche Abstimmungen statt- gefunden haben, steht zwar verzeichnet, daß Köhler bei der ersten namentlichen Abstimmung auf Schluß der Diskussion über die Mindestzölle für Rindvieh, Schafe und Schweine gestimmt, bei den darauf folgenden sechs namentlichen Abstimmungen derselben Sitzung über die Mindestzölle selbst aber wird er als ohne Entschuldigung feblenb angeführt. Augenscheinlich liegt ein Versehen im amt lichten Bericht vor, denn es ist doch nicht anzunehmen, daß Köhler nur für den Schluß der Diskussion gestimmt und sich alsdann wieder entfernt habe, zumal da Köhler seit dem 23. Mai 1900 an einer namentlichen Abstimmung im Reichstag überhaupt nicht mehr teilgenommen hat.
— Ein Nekrolog über Eug en Richter ist in dem in Rom erscheinenden „Giornale d'Jtalia" zu lesen. Tas Blatt hat den Abg. Richter mit dem Abg. Rickert: verwechselt.
— Der bekannte Durenkämpfer Oberst Schiel, dessen schönes und hochinteressantes Afrikabuch soeben in glänzender Ausstattung bei F. A Brockhaus in Leipzig erschienen ist, trifft am Mittwoch in Berlin ein. Es sind vorläufig zwer große Versammlungen in Aussicht genommen, in denen er über seine Erlebnisse und Erfahrungen im südafrikanischen Kriege Bericht erstatten wird.
— Wie der „Kons." an ber in erster Reihe beteiligten Regierungsstelle erfahren haben will, sind gegenwärtig zwei bekannte Berliner Persönlichkeiten, die in engen Beziehungen zu Handel und Industrie stehen, im Auftrage der Reichsregierung darum bemüht, für eine Verständigung zwischen den ihnen nahestehenden Kreisen und der Regierung über die Z o 111 a r i f v o r 1 a ge Sorge zu tragen. Einer der hierbei in Betracht kommenden Männer, der lange Zeit hindurch an der Spitze gemeinnütziger, gewerblicher Körperschaften stand, besitzt vermöge feiner wirtschaftlichen Arbeiten seit einiger Zeit das besondere Vertrauen des Kaisers, der andere, dessen Schwergewicht nach, der oberschlesischen Industrie zuneigt, steht an der Spitze einest unserer ersten kaufmännischen Unternehmen.
Schleswig, 9. Nov. Heute nachmittag wurde hier auf dem Platze vor dem Schbiß Gottorp ein Denkmal des 1875 verstorbenen Generals der Kavallerie Karl v. Schmidt enthüllt. Im Namen des Kaisers von Oesterreich leote


