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Kunst und Wissenschast
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Aus Aladt und Land.
Gießen, den 10. Oktober 1902.
•* Gedenktage. Vor 100 Jahren, am 11. Oktober 1802, wurde der Bildhauer August Kiß zu Paprotzan in Obcrschlesicn geboren. Nachdem er als Modellarbeitcc in einer Eisengießerei gearbeitet hatte, kant er nach Berlin zu Rauch. Seine berühmt gewordene Antazonengruppe, die 1843 auf der östlichen Treppenwange des Berliner Museums Aufstellung fand, beschäftigte ihn schon damals. Schloß Babelsberg, der Schloßhof zu Berlin, der Wilhelmsplatz, Breslau und Dessau sind durch Standbilder aus seiner Hand geschmückt. Kiß starb 1865 in Berlin als Mitglied der Kunst- akadeniie und Professor am Gewerbeinstitut.
** Universitäts > Nachrichten. Ueber den Lebensgang des Professor Tr. Wuensch, der als Nachfolger Prof. Gundermanns an die hiesige Universität berufen wurde und diesen Ruf aud> angenommen hat, erfahren wir folgendes: Tr. Richard Wuensch wurde geboren zu Wiesbaden im Juni 1869. Sein Vater verlegte 1877 seinen Wohnsitz nach Wetzlar, woselbst Wuensch in das Gymnasium eintrat und die Reifeprüfung ablegle. Sodann bezog er der Reche nach die Universitäten Marburg, Berlin, Bonn und promovierte im Jahre 1893 zu Marburg auf Grund seiner Tissertation „De Tactti Gcrmaniae codicibus Ger- manicis". Im Oktober 1898 habilitierte er sich an der Universität Brcslan mit der Schpist „Prolegomena in Jo° annis Laurentii Lydi librum de mensibus denno edendum." Leipzig. B. G. Teubner 1898. (Erschien vollst, u. mit dem Texte 1898 im gleichen Verlag.) 1'lußerdem veröffentlichte er: „Scthianische Versluchungstafeln <m3 Rom", ebenda 1898.
** Justizpersonalien. Durch Entschließung Gr. Ministeriums der Justiz wurde der Gerichtsassessor Dr. Schmitt in Offenbach mit Wahrung der Diensrverrich- tungen eines AmrsriMers bei dem Amtsgericht Bensheim, der Gerichtsassessor Schnittspahn in Darmstadt mit Wahrnehmung solcher bet dem Amtsgericht Darmstadt I, der Gerichtsassessor Specht in Offenbach mit Wahrnehmung solcher bei dem Amtsgericht Büdingen, der Gericht: Assessor Arnold in Darmstadt mit Wahrnehmung der Ticnstver richtungen eines LUnisamoalts üi Gro^-Umstadt beauftragt
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— Zu den Landtagswahlen. AuS Mainz wird 1 uns geschrieben: Nachdem durch das ablehnende Verhalten der Soziakdemokraten das für die bevorstehenden Landtagswahlen projektirte Zusammengehen der Teutschfreisinnigen, Demokraten, Nationalliberalen und Sozialdemokraten zu Wasser geworden ist, hat der Ausschuß der nationalliberalen Partei gestern abend beschlossen, bei der kommenden Wahl den Wahlkampf allein auszufechten. Wer die Kandidaten der nationalliberalen Partei werden sollen, darüber ist man noch nicht schlüssig; sie werden erst in einer demnächst stattsindenden Generalversammlung der Partei nominirt werden.
** Serenissimus in Gießen. Gestern abend veranstaltete in Steins Garten das Wiesbadener Ope- retten-Ensemble als einmaliges Gastspiel ein Buntes Theater mit Seren issimus-Zwischen- pielen. Das versprochene Programm war zwar ziemlich dezimiert worden, auch der Ltab der Mitwirkenden beschränkte sich nur auf eine Tarne und vier .Herren, -ennoch aber fand die Vorstellung im allgemeinen den Bei- äll des Publikums. Insbesondere konnte sich Frl. Lore Alberti, eine reizende Bühnenerscheinung, nach jedem Auftreten für großen Applaus bedanken. In den Duetten „Ter lustige Ehemann" und dem sentimentalen „Die Hasel- nuß" fand sie an Herrn Direktor Maxwell (Maximilian Herzog) einen trefflichen Partner. Gleiches Recht an dem lebhaften Beifall hatten auch die anderen drei Hei..n: Max Linke, Ziemann und ArnoldJnauen. Waren ihre Vorträge auch nicht gerade die neuesten von den zahllosen Erscheinungen der Litteratur des „Bunten Theaters", so waren sie doch gut gewählt und verdienten die Bezeichnung „decent und harmlos" durchaus. Serenissimus (Herr Max Linke), dessen ungeheuerliche Einfälle sehr belacht wurden, entgleiste allerdings einmal zum Schrecken der anwesenden Damenwelt, indessen gelang es „Kindermännchen" (Herr Dir. Maxwell), die Situation wiederherzustellen. Beide Künstler fanden bei ihrem Abgänge verdienten Beifall. — Tie Garderobenverhältnisse gaben wieder zu vielen Klagen Anlaß, umsomehr, als die Besucher des (zwar an Vlätzen reduzierten, aber ausverkauften) Sperrsitzes auf hie Benutzung der Garderoben angewiesen waren.
♦* Von der 9. Wohlfahrts^-Lotterie wurden either folgende Hauptgewinne gezogen: 100 000 Mk. auf Nr. 251605; 50 000 Mk. auf Nr. 300175; 5000 Mk. aus i)te Nummern 143 459, 304 962, 379 005; 1000 Mk. auf die Ammern 35 772, 197 520, 434 294.
** Verteuerung der Rechtspflege. Das Justizministerium hat soeben an die ihm unterstellten Justizbehörden ein Rundschreiben erlassen, dem wir folgendes entnehmen: „Um Klagen wegen Verteuerung der Rechtspflege vorzubeugen, wird den richterlichen Beamten der Antts- ;erichte, sowie den Amtsanwälten die strengste Beobachtung >er Vorschriften Über die Verordnung der Tagegelder, Reiseosten und Umzugskosten der Zivilbeamten betreffend, zur Bflicht gemacht. Namentlich ist bei der Festlegung von Terminen zur Vornahme auswärtiger Dienstgeschäfte thun- lichst darauf Bedacht zu nehmen, daß eine vorhandene Bahnverbindung benutzt werden kann. Wird aoer trotz vorhandener Bahnverbindung ausnahmsweise ein Wagen benutzt, so ist dies in dem Kostenverzeichnis zu erläutern. Muß mangels anderer Beförderungsmittel oder aus sonst lästigen Gründen ein Wagen benutzt werden, so ist mög- lichst aus Ersparung bepc Kosten Rücksicht zu nehmen. Wo es die Verhältnisse angezeigt erscheinen lassen, sind mit Fuhrwerksbesitzern Verträge über Leistung von Fuhren ab- ;uschließen. Die Genehmigung soll versagt werden, wenn )ie'ausbedungenen Preise die üblichen und angemessenen Sätze übersteigen." Diese Bestimmung ist am 1. Oktober in Kraft getreten.
** We gen der Beförderung der Begleiter von Viehtransporten auf der Eisenbahn ist der LandwirtschaftlicheVerein der Provinz Oberhessen bei der Eisenbahndirektron Frankfurt a. M. vorstellig geworden. Bekanntlich sollen die Viehbegleiter nach § 44, Absatz 4 in den Viehwagen Unterkunft finden, welche Bestimmung nach Ansicht der Beteiligten eine große Härte enthält, umsomehr, als der Aufenthalt in diesen Wagen mit dem Vieh zusammen für Menschen mit Lebensgefahr verbunden ist. 'Tie Eisenbahndirektion hat nun dem Landwirtschaftlichen Provinzialverein geantwortet, daß sie hinsichtlich der Beförderung der Viehbegleiter ihre Dienststellen bereits vor einem Jahre angewiesen hat, die betreffenden Bestimmungen der E.-V.-O. milde zu handhaben. Die Beförderung der Viehbegleiter soll bei Personenzügen in Wagen 4. Klasse, bei anderen Zügen thunlichst im Packwagen, namentlich zur Nachtzeit, während der heißen Jahreszeit und bei lange dauernden Transporten zugelassen werden. Auch soll diese Vergünstigung da gewährt werden, wo die Beförderung im Viehwagen eine unnötige, durch Betriebsrücksichten oder andere Umstände nicht bedingte Härte bedeuten würde. Die Eisenbahndirektion bittet, falls in einzelnen Fällen gegen diese Grundsätze gehandelt werden fällte, um Mitteilung, damit sie in der Lage ist, für Abhilfe zu sorgen.
** Aufbesserung der O r g anist en g ehälter. Der „Tarmst. Jtg." wird geschrieben: Durch die Blätter läuft die Nachricht, daß bei dem diesjährigen Orgelkursus Mitteilungen über die demnächsst bevorstehende Aufbesserung der Organistengehälter gemacht worden seien. Diese Nachricht ist in ihrem Schlußteil, der sogar schon bestimmte Summen nennt, irreführend und geeignet, ganz falsche Erwartungen zu erwecken. So richtig es auch ist, daß im Oberkonsistorium zurzeit Beratungen über eine Erhöhung der Organistengehälter stattfinden, so wird es doch bei den Schwierigkeiten, welche die von den verschiedensten Faktoren abhängige Regelung dieser Frage bereitet, wohl kaum in Kürze bereits zu einer allgemeinen Aufbesserung kommen. Insbesondere wird die Erhöhung bei der Lage vieler Kirchenfonds, die zur Zahlung der Orgatiisteiigehälter gesetzlich verpflichtet sind, sich in mäßigeren Grenzen halten müssen, als in Versammlungen und Zeitungsartikeln angenommen zu werden scheint. Tie demnächst zusammentretende evangelische Landessynode dürfte jedenfalls mit einer vorbereitenden Erörterung der Frage befaßt werden, und ist zu erwarten, daß die Hoffnung der Organisten auf eine entsprechende Gehaltsaufbesserung hierbei thunlichste Bc- rücksichtlgung finden werde.
— Nösberts (Kreis Lauterbach), 8. Oft. Ein hie- siger Beamter entdeckte in einem Laib Brot, den er von einem Bäckermeister au§ Crainfeld gekauft hatte, eine 11 h r- fette, welche eingebacken war. — Was doch einem Bäcker nicht alles passieren kann.
)( Wölfersheim, 9. Oft Ter hessische Staat erbaut zurzeit an unserem Bahnhof eine Briquett-Fabrik, in welcher das von der neuen Braunkohlengrube ,Ludwigs Hoffnung" geförderte Rohmaterial oerarbcuct und gepreßt werden soll. Die neue Grube liegt m Melbacher
Gemarkung, 2 Km. südöstlich von hier und ist erst seit Frühjahr im Betrieb. Sie wird mit der Fabrik am Bahnhof durch eine Drahtseilbahn, deren Grundpfeiler schon zum Teil herge'lellt sind, verbunden. Bei günstiger Witterung hofft man die Bauten bis Neujahr zu vollenden und den Betrieb zu beginnen. In voriger Woche weilten Finanzminister Gnauth und Ministerialrat Braun mit mehreren Herren der Lberbergbehördc aus Darmstadt zur Besichtigung der Bauten hier. Neben der Fabrik wird ein Schornstein von 45 Meter Höhe errichtet, er soll gleichzeitig auch als Wasser- türm bienen; die Kosten des Schornuems sollen 60 000 Mk. betragen. In der Nähe befinden sich ferner ein Trocken- schuppen und vier Gebäude im Bau; letztere sind im Rohbau fertig und sollen als Beamtenwohnungen und Bureaux dienen. Die Fabrik ivird elektrischen Betrieb und elektrische Beleuchtung erhalten. Der hessische Staat hat für die Gesamtkosten 950 000 Mk. — fast eine Million — vorgesehen. Tas alte Bergwerk,Ludwigshoffnung" bei Melbach ist fast ausgebaut, der Betrieb wird m beschränktem Maße fortgesetzt. Maschinen und Betriebseinrichtungen wurden zum Teil nach der neuen Grube gebracht. Bekanntlich plante der Staat vor einigen Jahren den Verkauf des Melbacher Bergwerks an die Fürstlich Braunsels'sche Familie, die eine Viertelstunde östlich von hier bereits ein Braunkohlenbergwerk besitzt.
[] Darmstadt, 9. Olt. Auch in der hiesigen Stabt* Verordnetensitzung werfen die demnächstigen Landtagswahlen ihre Schatten voraus. Der durch die Be- zirlsvereine seinerzeit in die Stadtverordnetenversammlung gewählte Buchhändler Seng hielt dem Oberbürgermeister Morneweg vor, daß die Antwort auf ein Gesuch einer Anzahl Einwohner um Verlängerung einer Strecke der elektrischen Bahn durch die Bürgermeisterei direkt ablehnend, teschieden worden sei, während die Stadtverordneten te- chlossen hätten und auch glaubten, daß die Angelegenheit in geschäftsordnungsmäßige Behandlung genommen werde. Ter Oberbürgermeister verteidigte dagegen seinen Stand- )unlt in energischer Weise; es wurde dann nach einer über eine Stunde dauernden, teilweise sebr scharfen Debatte mit großer Mehrheit ein Antrag Nodnagel angenommen, nach welchem sich die Versammlung mit der Behandlung >er Angelegenheit durch die Bürgermeisterei e in verlande n erklärt. Aus der ganzen Debatte konnte man genau die politische Situation überschauen; es war sehr auffallend, daß fast alle zur sogen. Oppositionsfxrrtei gehörenden Stadtverordneten den Beschluß seinerzeit in dem von dem Bürgermeister entgegengesetzten Sinne verstanden und aufgefaßt hatten. Durch Annahme des erwähnten Antrages wurde indessen dem Oberbürgermeister ein glänzendes Vertrauensvotum ausgestellt.
Darmstadt, 9. Oft. Prinz Heinrich von Preußen unternahm am 8. ds., wie dem „23erL Lok.-AnL" aus Kiel gemeldet wird, eine Reise auf dem Automobil nach Darmstadt. Unterwegs wird er in Düsseldorf die Anstellung besichtigen.
Mainz, 8. Oft- In einem hiesigen Hotel nahm vorgestern ein unbekannter Mann Wohnung. In der Nacht öffnete er die zu seinem Zimmernachbar führende Thür und stahl dem dort schlafenden Reisenden die Brieftasche mit mehreren Hundert Mark und sämtlichen Privatpapieren. Tann ging er, um unauffällig aus dem Hotel herauszu- kommen, zum Portier und erzählte ifjm, er habe furchtbare Zahnschmerzen und müsse sich unbedingt noch in der Nacht einen Zahn ziehen lassen. Seine Reisetasche hatte der schlaue Patron vorher an einer Schnur zum Fenster hinaus, in einer .Seitengasse, hinabgleiten lassen. Er konnte bis letzt nicht ermittelt werden.
sc. Mainz, 9. Okt. Zu den Schweinefleische preisen wird aus Grünberg (Oberhessen- geschrienen: „In Angelegenheit der Schweinepreise teilen wir Sastveine- züchter in Oberhessen der Metzgerinnung er geteuft mit, daß bei uns alle Schweinesorten von 150—300 Pfd. zum Preise von 48—50 Pfg. pro Pfd. lebend (nicht teurer) zu haben sind. Auf den Grünberger Gallusmarkt werden viele hundert Stück am 15.—16. Okt. für diele Preise seilgeboten. Käufer sind willkommen und toerben hier sehr gesucht."
Worms, 9. Okt. Wegen Majestätsbeleidi* g un g wurde gestern im 23ahnhos hier ein 62 Jahre alter Dachdeckergeselle aus Wald, z. Z. angeblich in Rtaimheim wohnhaft, verhaftet.
sc. Frankfurt a M., 9. Okt. Am Sonntag den 19. Oktober hält die hiesige Ortsgruppe des Handels- vertragsoereins eine öffentliche Versammlung ab, in der die Beschlüsse der Zolltarifkommission, 'die Stellung von Regierung und Parlament zum Zolltarifentwurf, die Fleischnot u. a. besprochen werden sollen.
Hanau, 9. Okt. Die Handelskammer hatte Erhebungen über die Arbeitstage veranstaltet. Tie zur Ausgabe an die Arbeitgeber gelangten Fragebogen bestätigten sämtlich, trotzdeni mehrfach Arbeiterentlassungen und Arbeits- Kündigungen vorgenommen werden mußten, regelmäßige Arbeitstage. Eine Besserung der Lage ist nicht zu erwarten.
Wetzlar, 9. Okt. Tie hiesige Lesevereinigung wird, wie im Vorjahre, auch in diesem Winterhalbjahre eine Reihe von Vorträgen veranstalten. Nach dem bis jetzt feststehenden Programm finden folgende Borträge statt: 1. National-Lekonomie „Die deutsche Reichs bank" von Herrn Tr. jur. u. phil. M. Sicrmer, ordentlicher Prof, der Nationalökonomie an der Universität Gießen. 2. „Enoch Arden", Melodram von A. Tennyson von Herrn Recttator
— Pfarrer Burckhardt zieht den «deiten Teil des Antrages 3 zurück, der von der Bezahlung des Agenten handell. Frau Vincent-Paris wirft dem deutschen Na- tional-Komitee vor, daß es die ausländischen Delegierten mit seinen Anträgen förmlich überrumpelt habe und beantragt, die Angelegenheit für den nächsten internationalen Kongreß zurückzustellen. Pfarrer Burckhardt wünscht schriftliche Erledigung feiner Anträge innerhalb eines Jahres. Graf Keller giebt ein aus Schloß Kabinen eingelaufenes kaiserliches Telegramm bekannt, welches folgerten Wortlaut hat:
,-Jch habe mich gefreut, daß der zweite Kongreß zur internationalen 2klämpfung des Mädchenhandels in meinem Lande zu ernster Arbeit zusammengetreten ist, und ich spreche der Versammlung für Die freundliche Begrüßung meinen herzlichen Tank aus. Tie auf die Beseitigung des schimpflichen Gewerbes gerichteten Bestrebungen werden stets meine volle Sympathie finden. Dem Kongreß wie allen Tellnehmern desselben wünsche ich zu dieser Arbeit Gottes reichsten Segen. Wilhelm."
T4e Anträge 1 und 3 werden angenommen, der Antrag 2 zurückgezogen. An seine Stelle tritt ein Antrag Vincent- Burckhardt, wonach die Anträge den National-Kvmttees zur raschmöglichsten Erledigung übermittel werden. Ter Antrag findet einstimmige Annahme. Die Prinzessinnen von Sachsen-Altenburg, Ludwig Ferdinand von Bayern und Eugenie von Oldenburg haben telegraphisch für Die Begrüßung gedankt, und den Kongreß-Verhandlungen besten Erfolg gewünscht. Damit schloß die 2Zormtttagssitzung um 12i/3 Uhr.
In der heutigen Nachmittagssitzung führte Sabu- rofs-Petersburg den Vorsitz. De Graaf aus Utrecht spricht über: „Maßnahmen zur wirksamen Fortführung des Kampfes und Organisation desselben". Polizei-Präfekt L6pine-Paris freut sich über die bisherigen Beschlüsse des Kongresses und stellt' einige Thesen auf, nach denen verfahren werden müsse. Ausbau der Organisation, fortgesetzte Anregung der Regierung, damit die Parlamente eingreifen, Aussetzung von Prämien für Polizei-Beamte und Veröffentlickungen in der Presse. Reichstags-Abg. Honning-Berlin weist auf die Bestrebungen des deutschen Vereins bet Freundinnen junger Mädchen hin. Pfarrer Ach tn ich -Mannheim ist für Mobllmachung der ganzen Frauenwelt zum Kampfe gegen die Unsittlichkeit. Kanonikus Dr. Müller-Simonis-Straßburg i.'E stimmt Hönning zu, und weist auf die Thätigkeit des Marianischen Mäochen-Schutzvereins hin. Pfarrer Burckhardt teilt den Antrag des deutschen National-Kvmttees mit, die Schiffahrts-Linien aller Nationen zu bitten, daß auf sämtlichen Schiffen auf die Mädchenhändler geachtet werte, wie dies bei einigen deutschen Linien bereits geschieht. Pfarrer Wagner sagt, man müsse in erster Linie die Erziehung der jungen dNädchen besser gestalten, damit diese nicht mehr wie es jetzt verkomme bewußt ins Unglück und 23er- berten gingen. Rabiner Dr. Horrwitz aus Frankfurt am Main hofft, baß man auch aus ben tiefer stehenden sozialen Schichten Mitarbetter herbeiziehen möge. Fräulein Heß- Zürich stellt namens ber Frauendelegierten einen Antrag an ben Kongreß, wonach bie Regierungen ersmcht werben sollen, zu dem Artikel 2 der Pariser Konvention noch folgendes einzufügen: „Durch Ausbeutung der Notlage oder der Abhängigkeit". Dieser Antrag wurde ins Protokoll aufgenommen. Graf v. Bernstorfs gab sodann folgendes an chn gerichtetes Telegramm der Kaiserin bekannt:
„Neues Palais, 9. Okt. Ich bitte Sie, den Kongreß- Mitgliedern meinen Tank für das gestrige Telegramm auszusprechen und ihnen gleichzeitig meine aufrichtigsten Wünsche für segensreichem Erfolg ihrer Arbeiten, deren Gelingen mir sehr am Herzen liegt, zu übermitteln. Augusta Viktoria."
Nach weiterer Diskussion schlug Graf Bernstorff vor, den nächsten Kongreß in drei Jahren in Paris! abzuhalten. Den genauen Termin bestimmt das internationale Komitee. Dieser "Vorschlag findet einftünmige Annahme. Dem französischen National-Komitee wurde der Tank für seine Vorarbeiten zur Pariser Zwnferenz, dem deutschen "National-Komitee für seine Vorarbeiten zum Frankfurter Kongreß ausgesprochen. Kammerherr Graf Keller sprach allen Kongreßteilnehmern den Tank des deutschen National-Kvmitees aus und rief ihnen zu: „Auf . Wiedersehen in Paris." Damit erreichten bie Kongreß-23er- handlungen um 5 Uhr ihr Enbe.
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3. Mittelalterliche Kunst, „Raphael", vorgetragen von Herrn Rektor Lang, Mitglieb bes Ausschußes für 23olks- Dorträge zu Frankfurt a. M. 4. Musikgeschichte, „W e i h- nach tslieb er", mit musikalischen Erläuterungen von Herrn Gesang- und Musiklehrer Gerolb zu Frankfurt am Main vorgetragen. 5. Litteraturgeschichte, „Schillers Jugendjahre". Redner: Herr Prof. Dr. Manutz e i m e r, Mitglied des Ausschusses für Volksvvrträge zu Frankfurt a M.
Vermischtes.
• Dresden, 9. Okt. Wie die ,D. N. 9Le melden, hat sich ber Sohn des sächsischen Mimsterial-Tirektors Dr. Vodel, RegierungSrat Dr. Vodel, heute früh im Hause seiner Eltern aus dem vierten Stockwerk herabgestürzt. Er wurde tot aufgefunden. Der Grund der That ist M Nervenüberreizung zu suchen.


