Drei Wiener Arbeiter, Heinrich
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Prem, Amon Kreiber und Karl Schimschky verirrten sich gestern vom ungefährlichen Akademikersieig auf den ge- fährlichen Gothensteig auf der Rax. 3roei derselben, durch Stricke verbunden, rutschten aus und stürzten ab. Sie sind toi und schrecklich verstümmelt. Der dritte konnte nicht weiter und mußte auf einem alleinstehenden Block die ganze Nacht und den Vormittag, 22 Stunden lang, rittlings sitzen bleiben. Tie Rettungsversuche waren bis jetzt vergeblich. Nach langer Arbeit ist cm Bergführer zu ihm gesprungen, doch können jetzt Beide nicht zurück und man sucht gegenwärttg nach langen Seilen.
Niederlage bei Tinaquillo beigebracht. (Nach weiteren Depesche ist das Telegramm Castros Datum. Red.)
Die Vernichtung des Grete L Pierrot.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 10. September 1902.
— Gesellschaft für sociale Reform. Sonntag 14. Sept, findet im Grand Hotel National zu Frankfurt Main eine Versammlung von Mitgliedern der Gesellschaft soziale Reform aus dem Großherzogtum Hesien statt.
des UebergriffS gegen deutsche Schiffe schuldig machten! i tacniaeesl
Wenn übrigens hier und da in der Presse die Ange- legenhett dazu benutzt wird, um neuerdings für eine Vermehrung unserer Kriegsschiffe Stimmung zu machen, so muß dem doch entgegengehalten werden, daß wir unsere Flotte nie und nimmer so vergrößern können, daß wir überall in der Welt, wo es vielleicht einmal notwendig werden sollte, eine Schlachtflotte haben. Vielleicht hätte man besser daran gethan, die Zahl der Auslandskreuzer vorher zu vermehren, ehe man an die Vergrößerung der S<ylachtflotte ging. Es giebt aber viele kundige Leute, die der Meinung sind, daß wir unsere Auslandstationen schon setzt besser besetzen könnten, wenn wir die Schiffe nicht zu Paradezwecken und ähnlichen Dingen allzuoft brauchten. Man ollte sich deshalb hüten, ähnliche Fälle, wie den vorliegenden, zur Stimmungsmache für eine Flottenverstärkung zu verwenden, weil dadurch solche krittsche Erwägungen geradezu herausgefordert werden.
Hamburg, 9. Sept. Laut einer beim hiesigen haitianischen Konsulate eingegangenen Benachrichmng des haitianischen Gesandten in Berlin dekretierte ine provisorische Negierung infolge der Unruhen auf Haiti die Schließung der Hasen G o n a l o e s, Saint Marc und P o r t de Pa ix für fremde Schiffe. Ter Gesandte macht hiervon im Auftrage des Präsidenten der provl- arischen Regierung Boisrond Canal Mitteilung. Infolgedessen werden für die genannten drei Häsen vorläufig keine Fakturen, Manifeste und andere Dokumente mehr gezeichnet.
New-Uork, 9. Sept. Ter amerikanische Gesandte Powell telegraphiert, daß K i l l i ck und zwei andere Offiziere mit dem Kanonenboot „Cröte L Pierrot" untergingen.
Vermischtes.
Berlin, 10. Sept. Der „B. L.-A" meldet: In Linderbach bei Weimar wurde der Soldat Kämpfer von Strolchen überfallen und ermordet.
* Berlin, 9. Sept. Der frühere Leiter des Tiefbauwesens, der Berliner Stadtbaurat Hobrecht, ist hier heute gestorben.
* Köln, 9. Sept- Heute nacht entgleisten zwischen Urbach und Calb in einem von Lahn st ein kommenden Güterzuge fünf beladene Güterwagen. Gleis Frankfurt-Köln wird vermutlich bis heute nachmtttag gesperrt bleiben, die Sperrung des Geleises Köln-Frankfurt dauerte nur wenige Stunden. Der Betrieb wird aufrechterhalten. Verletzungen von Personen sind nicht borge- kommen.
*London,9. Sept. Ter Tunnel der Londoner W est ernb ahn ist eingestürzt. Sieben Arbeiter sind ver- schüttet, von denen nur einer gerettet ist. Die Arbeiten des neuen Tunnels waren einigen Stunden vorher von einem Ausschuß von Ingenieuren geprüft und für gut befunden worden.
* Paris, 9. Sept- Im Marineministerium ging keine Nachricht betr. der Blättermeldung von dem plötzlichen Verschwinden der im südlichen Golfe von Mexiko gelegenen Insel Bermaja ein.
* B r ü s s e 1, 9. Sept- Weitere Nachrichten aus Vallse de Luchon erklären die Meldung, Leutnant Bin je sei am Fuße des Maladella von Bären getötet worden, als unbegründet
* Neapel, 10. Sept. Der Vesuv zeigt eine gewisse Thätigkeit, doch ist keine Gefahr vorhanden. Wie aus Catania gemeldet wird, ist der Vesuv auf der Insel Sttomboli stärker in Thätigreit. Man vernimmt häufige Teionationen verbunden mit Ausbrüchen. Der Rauch des Vulkans lagert in eiper schwarzen Wolke fast über der ganzen Insel.
Auf der Tagesordnung stehen u. A. folgende Punkte: Organisationsfrage, Feststellung von Vorträgen für den Winter 1902/03, Besprechung über die Gründung einer Baugenossen- chast nach dem Muster der Building Societies. Gleichzeitig ist die konstituirende Versammlung des oberhessischen Zweig- vereinS anberaumt.
♦* Eine wüste Szene, die sich gestern gegen Abend vor dem Bür g e rm eist e r e i g e b äu d e abspielte, verursachte dort einen Menschenauslauf. Ein Mann schlug unbarmherzig auf eine Frau, die sich in Begleitung einer Kinderschar befand, los; die Frau hielt ihm dabei wie ■ ur Abwehr das kleinste Kind entgegen und stieß gleichzeitig aute Hilferufe aus. Insbesondere von den Anwohnern wurde die Szene sehr unangenehm empfunden.
** Tie Beteiligung der Beamten an Konumvereinen hat die Eüsenbahnverwaltung verboten. Aus Anlaß eines besonderen Falles wurde nämlich verfügt, die für die allgemeine Staatsverwaltung ausgestellten Grundsätze über die Teilnahme von Beamten an der Verwaltung von Konsumgesellschaften seien auch auf das Personal der Bahnen anzuwenden. Demgemäß hat die Generaldirektion allen den Beamten und Angestellten der Bahnen, die sich mit dem Warenverkehre direkt zu beschäftigen haben, die Teilnahme an der Verwaltung solcher Konsumgesellschaften untersagt, die eigentliche Er- werbsgesellschasten sind. Tie Generaldirektion ist dabei von der Ansicht ausgegangen, daß es unmoralisch sei, wenn Eisenbahnbeamten, die einen Einblick in die diskretesten Bezugsquellen der Kaufleute genießen, diese Kenntnis bann als Verwalter eines Konkurrenzbettiebes, wie es die Konsum-Genossenschaften thcttsächlich sind, auszunutzen suchen. Hierzu bemerkt die „Deutsche Tages-Ztg.": Tas ist mal endlich eine Verfügung, der man rückhaltlos zustimmen Fann, nur schabe, daß sie nicht in Deutschland, sondern von der Generaldirektton — der schweizerischen Bundesbahnen erlassen ist.....
Offenbach, 9. Sept. Tas letzte Kapitel einer Liebestragöbie spielte sich gestern abenb um 6Uhr aus dem hiesigen Friedhöfe ab. Tie 26 Jahre alte Elfriede St. hatte früher ein Verhältnis mit einem Manne gehckbt, das vor einiger Zeit plötzlich ausgelöst worden war. Ter Mann ist nun dieser Tage verstorben und wird heute abend bestattet werden. Nachdem das Mädchen gestern eine Zeitlang aus dem Friedhof umhergegangen war, zog es plötzlich einen Revolver hervor und brachte sich einen Schuß in ibie linke Sette bei, fitf); dadurch zwar schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzend. Tie Unglückliche wurde ins Krankenhaus geschafft. Eine neugierige Menschenmenge umlagerte den Friedhof noch bis spät abends.
Heer und Flotte.
Kiek, 9. Sept. Das Torpedoboot G 110 ist Vormittaas 11 Uhr auf der Germaniawerft vom Stapel gelaufen.
Berlin, 9. Sept. Tie schießtüchtigste Kompagnie im deutschen Heere dürfte die 9. Kompaanie befc Inf.-Regts. Nr. 77 zu Celle in Hannover sein. Nachdem die Kompagnie das Kaiserschießabzeichen bereits drei Jahre hintereinander besessen hatte, erwarb sie es sich diesmal toiebii-um. Ter Kaiser hat der Kompagnie seinen besten Glückwunsch aussprechen lassen und chr noch eine besondere Gnadenerweisung in Aussicht gestellt.
Ausland.
Paris, 9. Sept. Der Ministerrat verhängte über oen Oberstleutnant Rsmy — der sich bekanntlich weigerte, Befehle seiner Vorgesetzten auszuführen, weil ihn sein „Gewissen" daran hindette — die Außerdienststellung durch einfache Amtsentsetzung.
— In dem sehr umfassenden Präfektenschub ist die Versetzung des Präfekten Lutaud von Marseille und Bordeaux hervorzuheben.
— Der Finanzminister legte die Grundlinien seines Projektes über die Reform des Privilegs der kleinen Branntweinbrenner vor. Das Privileg wird darnach nicht gänzlich aufgehoben, sondern nur geregelt.
Brüssel, 9. Sept. Die Burengenerale werden am Freitag in Brüssel erwartet. Ein großartiger Empfang wird vorbereitet.
Haag, 9. Sept. Der Kolonialminister van Asch van W y ck ist heute Vormtttag gestorben.
Neapel, 9. Sept. Vincenzo Guerriero, der am 25. Mai 1902 zwei Steine gegen den königl. Eisenbahnzug warf, wurde heute zu 6 Jahren, 8 Monaten Zuchthaus und 800 Lire Geldstrafe verurteilt.
Innsbruck, 9. Sept. Heute wurde hier der 7. kunsthistorische Kongreß eröffnet. Vertreten sind außer Oesterreich-Ungarn alle Teile Deutschlands, die Schweiz, Holland, Frankreich und Skandinavien. Zu Vorsitzenden des ständigen Ausschusses werden gewählt die Professoren Schwarsow-Leipzig, Neuwirth-Wien und Semper-Innsbruck. Nach Begrüßungsansprachen des Vicebürgermeisters von Innsbruck, des Statthalters von Tirol und des Rektors der Universität Innsbruck nahmen die Berathungen ihren Anfang. Die Wahl des Ortes, an welchem die Tagung des Kongresses im Jahre 1904 erfolgen soll, wurde dem ständigen Ausschuß überlasten; für 1906 ist Stockholm ins Auge gefaßt.
Petersburg, 9. Sept. „Nowosti" erfahren, daß soeben an zuständiger Stelle die Frage der Erbauung einer Eisenbahn von der russisch-persischen Grenze zum persischen Golf beraten werde.
Budapest, 9. Sept. Die „Agramer Polizei" hat von den anläßlich der Exzeste verhafteten 12 0 Personen, darunter mehrere Gewerbetreibende, ausgewiesen.
— Aufsehen erregt die heutige Verhaftung des Vizepräsidenten der Handels- und Gewerbekammer, Anton Koutat, angeblich wegen Aufreizung gegen Ungarn.
Konstantinop el, 9. Sept. Die Forderung Rußlands, daß chm die Durchfahrt von vier nichtarmierten Torpedobooten unter Handelsflagge durch die Meerengen gestattet werde, ist türkischerseits bisher entschieden abgelehn worden. Rußland will aber die Einwände der Pforte nicht gelten lassen und besteht auf seinen Verlangen.
— In Konstantinopel umlaufende Gerüchte, Rußland verlange Kohlen st ationen im Schwarzen Meere und im Marmara-Meere, sowie gewisse Konzessionen für Jerusalem haben bisher noch keine amtliche Bestätigung gefunden.
New-Pork, 9. Sept. Der venezolanische Konsul er- hiett vom Präsidenten Castro ein Telegramm, das berichtet, er, Castro, habe den Revolutionären eine entscheidende
Gcrichtssaat.
Gießen, 9. Sept. Schöffengericht. Architekt Grünlg und Restaurateur Brunner hatten Berufung eingelegt geaen Strafmandate von je 10 Mark. Ter Thatbesland war für» folgender: Br. errichtete an der Löberstraße em Zelt zum Wirlschafttbetrieb, und Gr. will die erforderliche Anzeige vier Wochen vor Beginn der Arbeiten auf der Amtsstube der Baupolizei vorfchriftSmäßig erstattet haben. Zeuge ®erbet, als stellvertretender Stadtbau- meifter, welcher auch die Strafanzeige erhoben hat, bestreitet dies, er sieht das Gespräch mit Gr., das 4 Wochen vor Beginn der Arbeiten stattfand, nicht als Anzeige an. Amtsan walt und Gericht sind entgegengesetzter Ansicht, auch halten sie die Errichtung eines Zeltes weder für genehmigungs- noch als anze'.gepflichttg. Beide Angeklagte werden infolgedesten freigesprochen und der Staatskasse die Kosten auferlegt.
fr. Gießen, 9. Sept. Schöffengericht. Den Vorsitz führte Gerichtsasfesior Schmidt. — Ter Taglöhner W. Sch. aus Gießen war beschuldigt, in ein Harrs widerrechtlich eingedrungen zu sein und dabei eine Hausthur beschädigt zu haben. Er wollte noch spät abends einer Frau, mit der er em Verhältnis hat, einen Besuch abstatten. Seine ungestüme Liebe mußte er mit zwei Wochen Gefängnis büßen, da er vom Hausfriedensbruch zwar frei- gesprochen, der Sachbeschädigung aber für schuldig erkannt wurde. — R. T. aus Reiskirchen war während einer Fahnenweihe ohne Fahrkarte durch die Straßen des Tones gefahren, und leistete auch der Ausiorderuirg des Polizeidieners, vom Rade zu steigen, keine irolgc. Tas Radfahrreglement schreibt nun zwar vor, daß der Radfahrer wegen Steuerhinterziehung nicht angehalten werden bart sobald er eine Nummer am Rade führt, das Gericht hat
Tie Newyorker Abendzeitungen billigen, wie wir telegraphisch bereits meldeten, im allgemeinen das Vorgehen des „Panther" durchaus und sagen übereinsttmmend, Deutschland habe niemandes Recht verletzt. „Sun", „Adver- ttser", „Mailand Erpreß" und „Evening Post" sagen, Killick fei unzweifelhaft Pirat. „Mailand Expreß" hätte gewünscht, daß der Pirat so von den Amerikanern hätte gepackt werden können. Amerika solle kräftiger Ordnung schaffen. Es werde wohl früher oder später Haiti annektieren müssen, obwohl jenes Gebiet ein Besitz unliebsamster Art sei. Ter „Associated Preß" zufolge lassen die Jnstrukttonen, welche der Kommandant der „Macchias", Mac Crea, erhiett, erkennen, daß hier keineswegs Protest gegen das Vorgehen des „Panther" b ea b s ich- tigt werde. Wenn auch, wie wir schon meldeten, die amerikanische Regierung der deutschen Auffassung, Killick sei Pirat, nicht deigetteten sei, weil die Frage, ob die Beschlagnahme innerhalb der Dreimeilenzone stattgefunden habe, noch unklar sei, so werde die amerikanische Regierung das Vorgehen des „Panther" als reine deutsch-haitische An- gelegenhett betrachten. Uebrigens ist die Regierung in Washington von der deutschen Regierung vorher über die beabsichtigte Züchtigung der „Erste äPierrot" in loyaler Weise verständigt worden. Tie entsprechende Anweisung sei bereits mehrere Tage vorher eingetrosfen und der amerikanischen Regierung mit» geteilt worden.
Von den englischen Blättern verdient folgende Leistung des „Daily Expreß" niedriger gehängt zu werben:
„Jedenfalls ist das Verhalten Deutschlands erstaunlich. Es ist nicht üblich, für derartige Untersuchungen eines Kauffahrteischiffes auf Knegskontrebande dadurch Vergeltung zu üben, daß man das untersuchende Schiff zum Sinken bringt. Derartige Zwischenfälle werden für gewöhnlich auf diplomatischem Wege erledigt, und, wenn die Untersuchung ungesetzlich war, eine Entschädigung bewilligt. Die Marine des Kaisers mischte sich, wie wir bemerken möchten, nicht ein, als englische Kriegs schisse deutsche Kauffahrteischiffe Teilnahmen, von denen man an- nahm, daß sie während des südafrikanischen Krieges Kontrebande trügen. Da die Vereinigten Staaten nicht geneigt sind, das Verhalten der Regierung von vaiu bei Beschlagnahmung der Waffen als unberechtigt zu betrachten, so werden sie vielleicht zu den Schwierigkeiten, die der Kreuzer „Panther" herausbeschworen hat, ein Wort zu sagen haben."
Sic I Das ist die englische Freundschaft! Geradezu köstlich ist aber der Vergleich der hattischen Redellen mit den englischen KrieLsschiffen. die sich s. Zt.
* Wien, 9. Sept. Ter Wiener Kommis Ludwig Jel» linek stürzte am Sonntag aus einer Hochtour im Gesäuse ab, und blieb sofort tot Er war so kurzsichtig, daß er während der Partie drei Brillen trug. — Der Wiener Kanzlist der Nordbahn Josef Müller ist vom hohen Tenn bei Bruck (Fusch) ab gestürzt, und• erlitt bedenkliche Kopfverletzungen.
* Chur, 9. Sepl. Beim Hospiz auf dem Julier-Paß ist infolge Scheuens der Pferde der P o st w a g e n a b g e - kürzt. Eine Dame ist tot, eine andere schwer verletzt.
*Ein unbescholtenerMannimVerbrecher- Album. Unter falscher Flagge segelte ein Verbrecher, der am Samstag nachmittag in Berlin ergriffen wurde, als er von einem Rollwagen einen Ballen Tuch stahl. Ter Festgenommene nannte sich auf der Revierwache Georg Kanin aus der Prinzenstraße. Die Anftage, ob in dem von ihm angegebenen Haufe ein Mann dieses Namens wohne, wurde bejaht, zugleich aber teilte das zu- tändige Revier mit, daß Herr Kanin, ein unbefchol- tenerMann, zuHaufe sei! Jetzt räumte der Kolli- dieb ein, daß er Kanin die Ausweispapiere gestoh- len habe, um sich, falls er ergriffen werden sollte, den Strafbehörden seiner vielen Borsttafen wegen unter einem falschen Namen vorzustellen. Die weiteren Ermttte- lungen ergaben, daß der Verhaftete, ein 32 Jahre alter wohnungsloser Arbeiter Emile Erlach, auch schon unter dem Namen Müller, auf den er sich Papiere gefälscht hatte, bestraft und als Georg Kanin bereits für das Verbrecheralbum photographiert worden war. Dieses gemeingefährliche Treiben, unschuldigeLeutein den schwersten Verdacht zu bringen und zu Verbrechern zu stempeln, wird man ihm in Moabit bei der nächsten Abrechnung jedenfalls gebührend anstreichen. Die Straftegister werden nach Entlarvung des Burschen natürlich sofort berichtigt.
* Schon wieder ein spanisches Dorf an die L u s t g e s e tz t. Man schreibt aus M a d r i d: Vor einigen Wochen ließ der Feudalherr von Campocerrabo sämtliche Einwohner des Torfes auf die Straße setzen, und sttich damit ein ganzes Gemeindewesen weg. Da dies in aller Ruhe vor sich ging und die 161 Personen noch heute obdachlos Herumstreichen, scheint das lehrreiche Beispiel des genannten Feudalherrn Schule zu machen. So wurden soeben sämtliche Bewohner des Dorfes Jllan de Vacas (Provinz Toledo), welche 114 Seelen ausmachen, auf Antrag des Grund- und Hauseigentümers an die Luft gesetzt und können jetzt betteln gehen. Die Presse protestiert im Namen der Humanität gegen dieses Zwangsverfahren, gegen das sich vom Standpunkt des geschriebenen Rechtes aus nichts einwenden läßt. Aber bis zu einer eingehenden Kritik der spanischen Agrarverhältnisse und der entsetzlichen Lati- fundienwirtschaft ist noch ein sehr weiter Weg, den bisher niemand zu beschreiten wagt. (Armes Spanien!)
*Aus der Londoner Gesellschaft. Einer der Sterne der Gesellschaft, Prinz Viktor Thultt) Singh, ist bankrott, ein Geldverleiher in Cardiff hat die gerichtliche Konkurs-Erklärung verlangt und zugefügt, die Adresse des Prinzen fei gegenwärttg nicht zu ermitteln. Nicht nur die Thatsache, daß dieser i n disch e P rin z zusammen mit feiner jungen Gemahlin, einer Tochter des Earl von Coventry, eine große Rolle in der Londoner Gesellschaft spielte und daß er ein P at h en kin d der Königin Viktoria war und in der königlichen Privatkapelle in Windsor getauft ist, macht den Konkurs sensationell, sondern die Thatsache, daß der Vater des nun bankrotten Prinzen, der 1893 verstorbene Maharajah Thulip Singh, der Beherrscher des P end sch ab, Besitzer eines immer wachsenden Vermögens und des Diamanten Koh-i-nur war, der jetzt das kostbarste Juwel des brttischen Kronschatzes ist. Nach der Sikh-Rebellion des Jahres 1849 annektierten die Engländer das Pendschab, der Maharajah verzichtete für sich und feine Erben auf den Thron und auf fein Vermögen, und der Koh-i-nur wurde Eigentum der englischen Krone. Dafür erhielt der Maharajah von England ein Jahresgehalt von 40 000 Pfund Sterling und wurde von England „mit Achtung und Ehre" behandelt. Tie riesige Pension schützte den in England auf großem Fuße lebenden Maharajah nicht vor Geldverlegenheiten, und als das indische Amt nicht aushelfen wollte, verließ er Louden, und fing an, gegen England zu intriguieren. Später kam es zu einer Aussöhnung zwischen dem Maha- rajah und der Königin Viktoria. Seinem Sohne, dem jungen Prinzen Viktor, wurde ein Jahresgehalt von 8000 Pfund Sterling ausgesetzt, und er wurde in E t o n erzogen, wo ihn seine Schulkameraden „Tulip" („Tulpe") nannten. Es hat sich nun gezeiat, daß der junge Dhulip Singh ebensowenig mit 8000 Pfund Sterling auszukommen ver- mochte, wie der Vater mit 40 000.


