Nr. 159
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außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien» blätter viermal in der
Woche beiqclegt. Rotationsdruck u. Verlag bu. Brüh lffche^ Unioerj. Buch- u.Stei. btuderct (Pietsch Erben) foeOafm.. Erpedttio».
um Druckerei:
Schul st ratze 7, dldresse für Depeschen: Anzeiger Gießen, ^ernsprechanschluß Nr. 5L
Zweites Blatt.
152. Jahrgang
Donnerstag 10. Juli 1903
GietzenerAnzeiger
** General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Bezugspreis, monatlich7bPf.,viertele jährlich Mk. 2.20; durch Aohole- ii. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeUenpreis: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Psg.
Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko; für .Stadt und ßanb* und „Gerichtssaal": Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck.
Deutsches Keich.
Berlin, 9. Juli. Aus Maud al (Norwegen) wird gemeldet: Die „Hohenzollern" mit dem deutschen Kaiser an Bord hat heute abend das Kap Lindesnäes passiert.
— Direktor Heinrich Conried vom Irving Place- Theater in Newyork wurde am Donnerstag vom Kaiser in Travemünde empfangen und brachte drei Stunden auf der „Hohenzollern" zu. Der Kaiser fragte mit größtem Interesse und außerordentlicher Sachkenntnis ttacfy amerikanischen Verhältnissen und beschenkte seinen Gast beim Abschied mit einer goldenen, reich mit Brillanten besäten Dose.
— Der Hofstaat des Prinzen Heinrich siedelte, wie man aus Kiel meldet, heute vormittag von dort nach Gut Hemmelmark bei Eckernförde über. Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, die im Kieler Schloß zum Besuch weilte, begab jicty gleichfalls dorthin.
— Der Direktor beim Reichstag Geheimrat Knack hat einen Nachtrag zum amtlichen Reichs-tagshand- buch für die lausende Legislaturperiode erscheinen lassen, das mit dem 11. Juni abschließt. Die Fraktionen haben zur Zeit folgende Stärke: Zentrum 105, Sozialdemokraten 58, Deutschkonservative 52, National- liberale 51, Freisinnige Volkspartei 27, Reichspartci 20, Freisinnige Vereinigung 14, Polen 14, Antisemiten 10, Elsässer 10, Deutsche Volksvarlei 7, sonst bei keiner Fraktion 26. Erledigt sind die Mandate des Zentrumsabg. Bayer (3 Oberfranken) und Dr. Lieber (3 Wiesbaden) sowie des Nationalliberalen Friedel (2 Oberfranken). — Im Brausteuergebiete betrug im Jahre 1900 die Gesamteinnahme vom Bier etwas über 40 Millionen Mark, darunter vier Millionen an Uebergangsabgaben von dem aus Süddeutschland zugeführten Bier. Dagegen wurden allein in Bayern aus der dortigen Biersteuer 36 Mill. Mark eingenommen. Auf den Kopf der Bevölkerung berechnete sich im Jahre 1900 die Bierabgabe in Bayern auf 5,87, in Württemberg aus 3,91, in Baden aus 4,33, in Elsaß-Lothriugen auf 2,07, dagegen im norddeutschen Braustenergeb-iat aus 0,91 Mark. Vom Branntwein betrug der Reinertrag in demselben Jahre nahezu 165 Millionen Mark ober 2,95 Mark auf dezr Kopf der Bevölkerung, also knapp die Hälfte
Ate Heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.
Kaiserliche Aeußerungen.
Man schreibt uns von geschätzter Seite:
Die Verbreitung angeblicher, völlig erfundener kaiserlicher Aeußerungen scheint nachgerade zu einer Spezialität gewisser stoffverlegener Reporter zu werden. Wiederholt sind solche Sensationsmeldungen in schärfster Form amtlich gekennzeichnet worden; von Zeit zu Zeit versucht man es aber immer wieder, die Meinungsäußerung des Kaisers ins Feld zu führen. Denn das ist ein weiterer, mitunter oornicht nebensächlicher Zweck solcher Ausstreuungen, daß sie dazu dienen, gegnerische politische Bestrebungen durch den Tadel des Herrschers in Mißkredit zu bringen, und die eigene Auffassung in ein umso vorteilhafteres Licht zu setzen. Verwunderlicher Weise schlagen Organe der allerentschiedensten, radikalsten Opposition Kapital aus den unverbürgten Kaiserworten — sobald sich diese eben gegen eine Ricktung wenden, die sie selbst bekämpfen. Andererseits findet der Inhalt kaiserlicher Reden fast niemals die Zustimmung der anspruchsvollen Kritiker mit dem „Männerstolz vor Königsthronen". Ein seltsamer Widerspruch Denn in dem Zitieren der (genehmen) Aeußerungen liegt doch der Respekt vor der Autorität ausgedrückt, auf die man sich beruft. In diesem Sinne könnte man's gelten lassen, vom Standpunkte des Monarchisten begrüßen, daß der monarchische Gedanke auch da nicht ganz erloschen ist, wo man ihn nicht mehr vermutete.
Schwerer aber wiegt die Gefahr, die aus der Erfindung von Kaiserworten für das Politische Leben entsteht. Es werden dem Herrscher Meinungen zugeschrieben, die vielleicht in vollem Gegensatz stehen zu denen, die er in Wirklichkeit hegt. Nicht immer kann die Richtigstellung rasch genug erfolgen, und so setzt sich eine falsche, eine wissentlich gefälschte Auffassung in der Bevölkerung fest. Der Kaiser läßt es nicht daran fehlen, seine Ansichten über politische, soziale, künstlerische Fragen kundzugeben. Und auch da, wo man nicht einverstanden ist, wird man doch ost gefesselt, und angeregt entweder von der Originalität der Gedanken oder von dem Glanz der Sprache, die den Kaiser zu einem der ersten Redner machen, die unsere Zeit besitzt. An diesen authentischen Kaiserworten, die schon manches Mal den Nagel auf den Kopf getroffen, das klar und prägnant ausgedrückt haben, was vielen das Herz er- füllte, kann man sich genügen lassen. Wer die Presse des Auslandes liest, weiß, daß jede solcher Reden als ein Ereignis betrachtet wird, nicht nur, weil der Kaiser, sondern weil ein Mann von geistiger Bedeutung gesprochen hat.
In konservativen Zeitungen, in der „Kreuzztg.", im „Reichsboten", sind Bedenken laut geworden über die politischen Reden hoher Militärs, wie des Generals v. L o e. Auch wir sind der Meinung, daß man bei dem Heerführer den „Sinn für das Dramatische" gern vermißt. Politische Reden gerade von dieser Seite können bei dem Vesten Willen der Diplomatie die kunstvollen Kreise stören. Nicht jeder hat das Wort in der Geivalt. Mer es scheint uns eine seltsame Auffassung, wenn man, wie es geschieht, zu verstehen giebt, eine verminderte rednerische Betätigung oes Kaisers werde die anderwärts vorhandene, lvachsende „Neigung zum Rethorischen" eindämmen. Einfacher ist es doch, die anderen schweigen, wenn sie nicht ganz besonderes der Nation zu sagen haben.
der bayerischen Bierbelastung. Der Tabak ist mit 1,17 Mark, der Zucker mit 2,04 Mark auf den Kopf der Bevölkerung belastet.
— Die oberbayerische Handels- und Gewerbekammer schloß sich einstimmig der Eingabe der rheinisch-westfälischen Handelskammer an den Reichskanzler, die Aufhebung der Gericktsserien betreffend, an. Die Kammer spricht sich dahin aus, daß die Gerichtsferien mit den heutigen Rechtsbedürfnissen nicht mehr vereinbar seien. Für das Erholungsbedürfnis der Richter müsse auf andere Weise gesorgt werden.
— Ob dem Reichstag der in Aussicht gestellte Entwurf über kaufmännische Schiedsgerichte bereits im Laufe des kommenden Winters zugehen kann, muß zweifelhaft erscheinen, da sich bei der Ausarbeitung der Vorlage größere Schwierigkeiten herausgestellt haben, als man erwartet hatte.
Dresden, 9. Juli. Die erste Ständekammer stimmte heute, wie vorauszusehen war, der Erhöhung der Zivil liste und Apanagen glatt zu.
Karlsruhe, 9. Juli. Hier hat sich ein Komitee gebildet zur Organisation einer Protestbewegung gegen die Zulassung von Männerklöstern.
— Zweite Kammer. Abg. Zehnter (Ztr.) berichtet über den Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung der Landwirtschaftskammer, den die erste Kammer dahin abgeändert hat, daß die Grenze der Wählbarkeit bis 2000 Mk. Grundsteuerkapital festgesetzt ist, während die zweite Kammer 1500 Mk. festgesetzt hatte. Die weiteren Abänderungen betreffen das Wahlrecht. Die Kommission erklärt die vorgenommenen Abänderungen nicht für an- nemhbar und beantragt Mlehnung des Entwurfes in der Fassung der ersten Kammer. Das Gesetz wird sodann einstimmig abgelehnt.
Stuttgart, 9. Juli. Die Mgeordnetenkammer nahm den Antrag auf Einführung einer fakultativ en Ge- mein de-Einkommen st euer an.
Ausland.
London, 9. Juli. Im Laufe der heutigen Beratung im Unterhause erklärte Hicks Beach auf eine Anfrage wegen desNiedergangesderbritischenKohlen- ausfuhr nach Hamburg, daß allerdings im Vergleich zu 1900 im Jahre 1901 ein Rückgang cingetreten sei. Die Ausfuhrziffern seien im Jahre 1900 aber weit höher gewesen als in den Jahren 1897, 1898 und 1899. Der Rückgang im letzten Jahre sei eine Folge der ungünstigen Lage der deutschen Industrie gewesen. Er glaube nicht, daß die Abnahme der britischen Kohlenausfuhr nach einem einzelnen deutschen Hafen ein Beweis für die Notwendigkeit sei, die Frage des Kohlenzolles aufs neue in Erwägung zu ziehen.
— lieber die Zustande in Pretoria wird dem „Daily Expreß" telegraphiert: Obwohl die T r u n k e n h e i t in der Abnahme begriffen ist und das Rowdytum etwas weniger wild auftritt, so erregen doch.Verbrechen und Gewaltthaten große Furcht. Die Frage der Arbeitslosen wird immer ernster, und die Armut wächst. Viele Kanadier und Australier wünschen zurückzukehren, aber es fehlt an Gelegenheiten, und die Leute find sehr enttäuscht. Man plant die Herausgabe einer in versöhnlichem Sinne geschriebenen holländischen Zeitung.
Birmingham, 9. Juli. Der für gut unterrichtet geltenden „Birmingham Post" wird aus London gemeldet, Kaiser Wilhelm beabsichtige, in nächster Zeit König Eduard einen Besuch zu machen, um ihm zu seiner Wiederherstellung persönlich Glück zu wünschen. Er werde nicht notwendigerweise nach London kommen, sondern mit König Eduard auf einer Nacht-Kreuzersahrt in der Nähe von Helgoland zusammentreffen. (?)
Paris, 9. Juli. Der Senat nahm die Vorlage betreffend die direkten Steuern an und ferner die Vorlage, durch die dem Afrikaforscher de Brazza eine Rente von 10 000 Francs als Nationalbelohnung bewilligt wird. Desgleichen nahm der Senat die Vorlage betreffend die Konversion der Zchzprvzentigen Rente an.
Marseille, 9. Juli. Der Dampfer „Phönix" ist mit einer ganzen Anzahl gefangen gewesener Personen aus Südafrika hier eingetroffen.
Rom, 9. Juli. Gerüchtweise verlautet, Präsident Loubet werde im Herbst Rom einen Besuch abstatten.
Lemberg, 9. Juli. Wie verlautet, hat die Regierung dem Polenklub die Zusage gemacht, daß vom nächsten Jahre ab die Einführung der polnischen Sprache als Amtssprache bei den Post- und Telegraphen-Aemtern in Galizien erfolgen werde.
— Landtag. Im Laufe der Budgetdebatte kommt Wg. Rotter (Demokrat) aus die Vorgänge in Preußen zurück und b^eichnet die hieraus bezügliche Kundgebung des Landtages als angemessen. Der Landmarschall fordert den Redner auf, bei der Sache zu bleiben und die Person des d e n t s ch e n Kaisers nicht in die Debatte zu ziehen.
Lettin je, 9. Juli. Die Hochzeit des Prinzen Mirko mit Frl. Natalie Konstantinowitsch findet am Sonntag in Cetinje statt. König Alexander von Serbien entsendet keinen Vertreter zu der Feier. Der serbische Gesandte in Cetinje Oberst Wassitsch weilt bereits mit Urlaub in Belgrad. Die unfreundliche Haltung des Königs Mexander gilt in erster Linie dem Vater der Braut, dem einstigen serbischen Gard ekorn Mandant en Obersten Konstantinowitsch, der als intimer Freund des verstorbenen Königs Milan und des gewesenen milanistischen Mimster- präsibenten Wladan Georgewitsch den König Alexander durch verschiedene Kundgebungen verletzt hat.
Peters Mir g, 9. Juli. Das 85. Infanterieregiment: in Wyborg, dessen Chef Kaiser Wilhelm ist, feierte sein Regimentsfest, dem der deutsche Botschafter und sämtliche Mitglieder der deutschen Botschaft beiwohnten. Der Regimentskommandeur Baron Brincken sandte an Kaiser Wilhelm ein Huldigungstelegramm.
Colombo, 8. Juli. Gemäß den Weisungen des deutschen Auswärtigen Amtes übernahm der hiesige deutsche Konsul von den englischen Behörden zunächst 55deutsche Kriegsgefangene und schiffte dieselben auf dem heute nach Deutschland abgegangenen Reichspostdamvfer Oldenburg" ein. Auf dem Dampfer „Sultan" werden 7 andere deutsche Gefangene auf ihren Wunsch nach Deutsch-Afrika befördert.
Buenos-Ayres, 9. Juli. Die Regierungen von Argentinien und Chile unterzeichneten ein Wkommen, in dem nähere Bestimmungen über die Ausführung der Verträge betreffend das Schiedsgericht und die Einschränkung von Rüstungen getroffen werden, um die Möglichkeit künftiger Verwickelungen zu vermeiden. Die öffentliche Meinung ist über das neue Abkommen befriedigt.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 10. Juli 1902.
* * Personalien. Der ordentliche Professor in der juristischen Fakultät der Landesunioersität Dr. Ernst Beling ist auf fein Nachsuchen aus dem Staatsdienste entlassen worden. Der Kabinetsfekretär Dr. Eugen Kranzbühler zu Darmstadt ist zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Gießen ernannt worden.
* * Die Großh. Regierung soll nach der „Franks. Ztg." erklärt haben, daß sie auf die Beratung der Wahlrechtsvorlage in der Ersten Ständekammer noch in der lausenden Tagung verzichtet.
• • Zum Tode des Geheimrats Schiller. Jz auswärtigen Blättern verbreitete Nachrichten, die den Stempel böswilliger Erfindung deutlich an sich trugen, werden jetzt durch folgende jenen Blättern zugegangene Berichtigung ad absurdum geführt:
1) An dem Grabe des vorstorbenen Geh. Oberschulrats Prof. Dr. Schiller ist mit meinem Dorwissen ein Kranz im Namen der L e h r e r u n s e r e r A n st a l t, die unter dem Verstorbenen gewirkt haben, niedergelegt worden. 2) Die Großh. Regierung ist mit dieser Angelegenheit weder unmittelbar noch mittelbar befaßt gewesen. Geh. Schulrat Dr. Schädel.
** Der Hessische Landeslehrerverein will seinen Vereinsobmann, den Landtagsabg. Oberlehrer Backes, ehren. Die einen denken dies zu thun durch Herstellung und Verbreitung eines Bildes des Mannes, andere wollen aus freiwilligen Beiträgen eine „Backes-Stiftung" gründen zur Unterstützung kranker Lehrer und Lehrerinnen. Der „Schulbote" tritt für das erste Projekt ein, verschiedene Bezirksoereine für das zweite, das wir eher befürworten können, und das dem Sinne einer Ehrung besser entspricht.
* * Das Konzert der Feuerwehrkapelle, das gestern Abend in Röhrles Bierhalle gegeben wurde, erfreute sich eines guten Besuchs. Große Anerkennung verdient die in Uniform erschienene neue Feuerwehr-Kapelle, welche sich durch gut geschulte Leute unter dem Kapellmeister Hermann Weller aus Gießen vorteilhaft auszeichnete.
* * Dem Gesangverein Liedertafel zu Lollar ist es gelungen, zu feinem am 13. d. Mts. stattfindenden Stiftungsfest, die Mitwirkung seines Ehrenmitgliedes, des rühmlichst bekannten Kammermusikers Kümmel aus Darmstadt zu erwirken. Kümmel weilt z. Zt. in der Schweiz.
- a- Garbenteich, 9. Juli. Vorigen Sonntag und Montag feierte der Gesangverein „Frohsinn" sein 25jähriges Stiftungsfest. 26 auswärtige Gesangvereine waren zu der Feier erschienen. Um 2 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug, in dem besonders der hiesige Radfahrverein mit feinen geschmackvoll dekorierten Rädern auffiel, durch die schön geschmückten Straßen des Dorfes dem Festplatze zu. Dort begrüßte Präsident Burk die erschienenen Gäste. Pfarrer Sommerlad feierte in beredten Worten die bestrickende Macht des Gesanges und mahnte zur Pfiege des edlen deutschen Volksliedes. Er schloß mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog. Es folgten dann die Liedervorträge der einzelnen Vereine.
§ Ost heim (bei Butzbach), 9. Juli. Am nächsten Sonntag und Montag findet hier die von der Umgegend gern besuchte Kirch weihe statt. Bälle werden in den Restaurants von P. Schneider und Konr. Fett abgehalten.
Offenbach, 10. Juli. Durch Blitzschlag wurde, gestern nachmittag die im Jahre 1740 erbaute katholische Kirche in Heusenstamm in Brand gesteckt. Der ganze Glockenturm ist ausgebrannt, das Kirchenschiff mit den prachtvollen Deckenmalereien zerstört, während Stühle, Chor und Altar gerettet werden konnten. Der Schaden ist größtenteils durch Versicherungen gedeckt, aber künstlerisch ein unermeßlicher.
Worms, 9. Juli. Sch arfe Angriffe wurden gegen den Zentralvorstand der nationalliberalen Partei im Großherzogtum von der am Samstag Abend in Worms stattgehabten Generalversammlung des nationalliberalen Vereins für Worms gerichtet. Reichstagsabgeordneter Frhr. v. Heyl zu Herrnsheim bedauerte, daß der Zentraloorstand außerThätigkeit getreten sei und es unterlassen habe, in wichtigen Fragen, wie sie jüngst auch die


