Ausgabe 
10.6.1902 Erstes Blatt
 
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am 6. November v. Js. in einer Kantinenwirtschast tu Kempten einen Raubmord ausgeübt haben. Bei den beiden Haupt­angeklagten Papic und Strila erkannten die Geschworenen auf Totschlag, worauf das Gericht Papic und Strila einschließlich der in Neuwied gegen sie verhängten 15jährigen Zuchthausstrafe zu i e b e n s l ä n g l i ch e r Z u ch t h a u s st r a s e verurteilte. Der der Beihilfe beschuldigte dritte Angeklagte, Radeka, wurde zu14Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Begründung der Anklage durch den Staatsanwalt wurden die Angeklagten durch einen Dolmetscher von dessen Ausführungen unterrichtet und gefragt, welche Ein­wendungen sie dagegen zu machen hätten, worauf sämtliche drei Angeklagte durch Den Dolmetscher entgegnen ließen, daß sie nichts einzuwenden hätten und daß man mit ihnen machen möge, was man wolle.

Budapest, 9. Juni. Das Gendarmerie-Distriktskommando in Nagyoarad verurteilte vier Gendarmen, die erwiesenermaßen Verhaftete mißhandelt haben, zu schwerer Kerkerstrase von einer Dauer von 37 Monaten.

Sport.

* Schliefplah. Der VereinHundesport" hat beschloßen, seinen Schliefplatz aufTextors Terrasse" in der Ausdehnung und nach dem System des Frankfurter Schliefplatzes (Ober- schweinstreg) anzutegem Die Frankfurter Anlage ist die beste derartige Einrichtung in ganz Mitteldeutschland; ihm gleicht in Süddeutschland nur der Schliefplatz in München.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

w. Wetzlar, 9. Juni. Die Draht st ifte-Fabrik in A l b s h a u s e n, die bis vor Kurzem 100 Arbeiter beschäftigte, stellt demnächst ihren Betrieb ganz ein. Das Werk hört dem Ver­band deutscher Drahtstistfabrikanten an, der seine Produktion ein­schränken will.

Dortmund, 9. Juni. In der Generalversammlung der Dortmunder Union wurde, den Anträgen der Verwaltung entsprechend, die Zusammenlegung der Aktten Lit. C und die Er­mächtigung zur Abtrennung der Henrichshütte nebst Zubehör ein­stimmig, ferner die Ausgabe von 10 800 000 Mk. Vorzugsaktien Lit. D, die im Verhältnis von einer Vorzugsaktie zu 4 zur Zu­leg ung einzureichenden Aktien Lit. C den gegenwärtigen Aktionären angeboten werden sollen, mit 8408 gegen 313 Stimmen genehmigt.

Bremen, 9. Juni. Der Schnelldampfer desNordd. Lloyd" Kronprinz Wilhelm" stellte einen neuen Ozeanrecord auf. Das Schiff verließ letzten Dienstagnachmittag New-Park und traf heute vormittag 10.05 Uhr in Plymouth ein. Die auf der Reise erzielte durchschnittliche Geschwindigkeit betrug 2 3,53 Seemeilen in der Stund e. Bisher hielt der Ham­burger DampferDeutschland" mit 23,51 den Ozeanrecord, welcher nunmehr durch denKronprinz Wilhelm" geschlagen ist.

Accumulatoreufabrik, System Pollak, Frankfurt a. M. Aus Frankfurt a. wird uns geschrieben: Der Bericht, welcher Aufschluß über die durch Den Selbstmord des Direktor Massenbach aufgedeckte sehr ungünstige Lage des Instituts giebt, ist nun erschienen. Bekanntlich war schon im Abschluß für 1900 ein grober Fehler enthalten, ein Betrag von Mk. 224;227 ist zweimal als Aktivum eingestellt worden. Der Porstand spricht bie lieber» zeugung ans, daß Massenbach diesen Fehler nicht mit Absicht be­gangen hat und ist gleich ivie der Aussichtsrat heute noch der Meinung, daß Dem Dahingeschiedenen nicht die geringste unredliche Handlungsweise zur Last gelegt werden könne. Wird die unrichtige Buchung von 1900, die eine Verteilung von 7 Prozent Dividende gestattete, rektifiziert, so ergiebt sich statt des Reingewinns von Mk. 184,984 ein Verlust von Mk. 39,243. Aber auch hiervon ganz abgesehen, weist das Ergebnis von 1901 eine bedeutende Ver­schlechterung auf. Ohne auf Einzelheiten des ziffernmäßigen Er- gebuiffeS einzugehen, teilen wir nur mit, daß sich ein Gesamtfehl­betrag von Alk. 582,221 herausstellt und nach Absorbierung der mit Mk. 277,322 allgesammelten Reserven ergiebt sich eine Unter- bilanz von Mk. 304,899 bei einem Aktienkapital von Mk. 2 Mill. Als Ursache dieser schlechten Ausweisziffern werden angegeben: Bedeutend geringerer Absatz bei vermehrten Generalunkosten und weichenden Berkaussprersen. Auch die Aussichten für das laufende Jahr werden als recht unerfreulich hintzestellt. Die Verkaufspreise der Accumulcttoren seien inzwischen weiter zurückgegangen, so daß das laufende Jahr jedenfalls auch mit Verlust abschließen wird. Versichert wird, daß gespart werden soll, wo gespart werden kann. Tie unrentable österreichische Fabrik soll aufgelöst werden. Weiter wird noch versichert, daß mit der Zeit alles wieder gut werden wird, daß es der Gesellschaft gelungen ist, eine neue Großober­flächenplatte zu konstruieren, die von keinem anderen System an Leistungsfähigkeit und Lebensdauer übertroffen werden kann und die in der Fabrikation erhebliche Ersparnisse gestattet; der Erfolg werde sich allerdings erst in einigen Jahren zeigen. Die Organi­sation der Gesellschaft sei allen Anforderungen gewachsen, die art eine Accumulatorenfabrik ersten Ranges gestellt werden können. Der Bericht des Aufsichtsrats erwähnt, daß der ver­eidigte Sachverständige die Buchführung der drei letzten Jabre revidiert bat und außer dem bekannten großen Fehler keine Un­regelmäßigkeiten fand. Auch der Sachverständige spricht sich dahin aus, daß der Fehler keine beabsichtigte Fälschung sei. In Bezug auf die Reoisiouspslicht des Aussichtsrats meint der Sachverständige, daß die Revisionskommission den Fehler hätte entdecken können, aber nicht müssen, da sich die Revision gewöhnlich nicht mit den einzelnen Buchungen beschäftigt. Ter Aufsichtsrat hat die Tantiemen für 1900 mit Alk. 8466 zurückgezahlt. Er will auch die zur Aus­schüttung gelangte Dividende mit Mk. 132,000 an die Gesellschaft zurückoergüten, ivenn ihm enbgiltige Entlastung erteilt wird. Jedenfalls wird die Generalversammlung eingehen; es ist das Gescheiteste, was sie thun fann.

Bon der Reichsbank. Am 2. Juli wird in Sanger- Raufen eine von der Reichsbankstelle in Nordhausen abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kafseneinrichtung und be­schränktem Giroverkehr eröffnet werden.

S Milliarden Mark hat den Engländern,-schlecht ge­rechnet, der Transvaalkrieg gekostet. Mögen die Einnahmequellen des englischen Reiches noch so ergiebig fließen, ein Aderlaß von 5 Milliarden Mark läßt sich doch nicht so schnell verwinden, um­somehr, als mit den bis jetzt geleisteten Ausgaben diese noch lange nicht abgeschlossen sind. Es wird sich noch zu zeigen haben, wie weit sich diese finanzielle Schwächung auf wirtschaftlichem Gebiet bemerkbar macht. Entweileu sucht man die entstandenen Lücken durch neue Steirern und Zölle auszusüllen.

Trausvaalbahn. Die englische Regierung ist, wie aus London gemeldet wird, nicht geneigt, ihre Offerte von 130 Lstr. für die Aktie zu erhöhen. Die deutschen Aktionäre rechnen Darauf, daß ihnen die Reichsregierung bei Durchsetzung eines höheren Preises behilflich fein werde.

Ju Berlin hat sich ein Zentralverband der Kohlen­händler Deutschlands gebildet. Ueber die Zwecke und Ziele des Verbandes herrscht iioch Unklarheit. Der Verband will hauptsäch­lich Stellung ilehmen gegen direkte Bezüge von Privaten oder Ein- faufsgenosfenschasten von Nichtkohlenhändlern. Da der Verband gegen die Syndikate nicht ankämpsen will, muß abgewartet werden, in welcher Weise er den Konkurrenten Rechnung trägt Als Ver­bandsorgan gilt, wie wir erfahren haben, die in Berlin erscheinende Deutsche Kohlenztg."

Harpcner Bergwerks-Gesellschaft. Am 20. ds. Mts. tnbet eine Aufsichtsratsitzung statt, in welcher eine Kapitalerhöhting vorgeschlagen werden soll; in welcher Höhe ist noch unbekannt. Gerüchte behaupten, die Harpener Gesellschaft werde die Zeche Konstantin der Große erwerben.

Märkte.

Gieße«, 10. Juni. Marktbericht. Auf demheuttgenWochenmarkt kosteten: Butter pr. Psd. 0,901.10 Mk., Hühnereier 2 Stck. 1113 Pjg., Gänseeier 1012 Pfg., Enteneier 67 Pf., Käse vr. Stück 57 Pf., Käsematte 2 Stck. 00 Pfg., Erbsen pr. Liter 19 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0,751,00 Mk., Hühner pr. Sttick 1,001,50 Mk., Hahnen pr. Stück 1,201,80 Mk., Enten pr. Stück 2,402,60 Mt, Gänse pr. Pfd. 00-00 Psg^ Ochsenfleisch pr, Psurrd

6676 Sßfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6064Psxp, Schweine­fleisch pr. Pfund 7080 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg^ Kalbfleisch pr. Pfd. 6670 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 6070 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,004,00 Mk., Weißkraut per Stück 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 14,0015,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Aepsel per Pfd. 000 Pfg., in Körben 0000 Pfg. Trauben 0000 Pfg.

Dauer der Marktzeit von morgens 7 Uhr bis nachmittags 1 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nur auf den bestimmten Verkaussplätzen und nicht im Umherziehen feilgeboten werden.

eh. Lauterbach, 9. Juni. Der heutige Prämien markt erfreute sich trotz der zweifelhafter: Witterung eines guten Zuspruchs. Er war sehr stark mit Zucht- und Mastvieh befahren. Der Handel mit Schweinen war viel lebhafter als der mit Rindvieh, obgleich eine Menge Schweine zur Stelle waren und ein reger Handel da­her nicht vermutet wurde. Die Ferkel wurden zu 6075 Mk. das Paar, die Einlegschweine zu 120140 Mk. verkauft. Der mit dem Prämienmarkt verbundene größte Krämermarkt im Jahre war von einer großen Menschenmenge aus den umliegenden Ortschaften bis in den hohen Vogelsberg besucht.

Mngesanöt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Zur Frage der Bodenreform.

Zu dem Eingesandt in Nr. 129 erkläre ich, daß es ein Ver­sehen des Berichterstatters war, loenn es in dem Bericht über die Damaschkeversammlung hieß, daß für den jährlichen Beitrag, der in die Kaffe desBundes deutscher Bodenresormer" gezahlt wird, national-soziale Schriften geliefert würden. Dies zu oer- beffem, hat niemand für nötig gehalten, weil der Irrtum auf der Hand lag für jeden, der auch nur eine ganz oberflächliche Kenntnis hat von den Verhältnissen und der Thätigkeit einer der beiden Or­ganisationen, National-sozialer Verein und Bund deutscher Bodenreformer. Daß jemand, der öffenttich erklärt, daß erdie Bodenrechtsbewegung für so wichtig hält, wie das tägliche Brot", das Versehen nicht als solches erkannte, befremdet sehr. Jede einzelne Nummer derDeutschen Volksstimme", des Organs jener Bewegung, konnte ihn darüber aufklären, was die Mitglieder desB. d. B." für ihren Beitrag geliefert erhalten. Es ist reichlich viel, aber ausschließlich Schriften des Bundes. Der national- soziale Verein hat die Versammlung von sich aus erst veranstaltet, als sich Verhandlungen, die darauf abzielten, eine öffentliche Ver­sammlung von unparteiischer Seite aus berufen zu taffen, zer­schlagen hatten. Die Mehrheit in der Versammlung gehörte dem national-sozialen Verein nicht an. Tür Referent betonte hier wie stets, nachdrücklich, und der Vorsitzende erklärte dies auch durchaus für die Auffassung der Nationaljozialen, daß die Bodenresormsache frei zu halten fei vor: der Verquickung mit parteipolitischen Be­strebungen. So wurde denn auch in den Ausschuß der neugegrün­deten Bodenresormgruppe nur 1 Mitglied des national-sozialen Vereins gewählt und Ergänzung des Ausschusses durch Mitglieder der Parteieii, die in der Versammlung nicht vertreten waren, vor­gesehen.

Auf die durchaus unmotivierten Angriffe gegen den national- sozialen Verein einzugehen, verbietet die Form, in der sie vorge­bracht wurden. Ich konstattere nur, daß die einzige thatsächlichc Aufstellung, daßnun fast alle national-sozialen Führer in dem Dienste des Handelsvertragsvereins stehen", eine Unwahrheit ist.

Dr. phil Ern st Vogt.

Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast.

Mittwoch, den 11. und Donnerstag, den 12. Juni 1902.

Wochenfest.

1. Tag. SBorabenb: 8 00 Uhr. Morgens: 8 Uhr. Pre­digt. Nachnüttags: 4 Uhr.

2. Tag. Vorabend: 986 Uhr. Morgens: 8 Uhr. Nach­mittags: 4 Uhr.

Festesausgang: 9es Uhr.

Wochengottesdienst: Morgens 680, abends 780.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

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Wetter

Sonnenschein Bew. Himmel Bed. Himmel

Höchste Temperatur am 8. bis 9. Juni 14,8° O.

Niedrigste 8. 9. 9,5° C.__________

Neueste Melkungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

8. Darmstadt, 10. Juni. (Fortsetzung der Beratung der Main-Reckarbahuvorlage). Bei Beginn der Sitzung macht Abg. v. Brentano eine persönliche Bemerkung gegen eine Auslas­sung derOffenb. Ztg.", die die bisherigen Vertragsgegner des krassesten Partikularismus beschuldigte und von ihnen be- hauptete, daß sie ungeheuerliche Sachen wider befferes Wiffen verbreiteten. Brentano bezeichnet diese Auslassung als Unge- zogenheit und auf Unwahrheit beruhend, und nennt den Versaffcr des Artikels Verläumder und infamen Lügner. Die Offenbacher Ztg.", die diesen Artikel gebracht habe, ohne sich beffer zu orientieren, sei nicht erheblich beffer. Staats- Minister Rothe macht nochmals aus die Folgen einer Ableh­nung der Vorlage aufmerksam. Tas Staatsmmister>um muffe es ablehnen, jetzt beim preußischen Ministerium eine Abände­rung des bisherigen Verhältniffes zu beantragen. Er apellierc au die Loyalität der Kammer; auch die Kammern der beiden anderen Regierungen hätten dem Vertrag zugestimmt. Abg. Weidner erklärt, infolge der vielen gehörten Klagen habe er gegen das Gesetz stimmen wollen; inzwischen habe er seine Ueberzeugung geändert und werde im Vertrauen auf Preußens Loyalität für den Vertrag stimmen. Finanzminister Gnauth glaubt, daß man, selbst wenn die Klagen gerechtfertigt wären, den Vertrag nicht ablehnen dürfe. Tie Abgg. Euler, Schill-Osthofen und Köhl er-Darmstadt treten für den Vertrag ein. Abg. Ulrich erklärt, im ganzen Lande sei eine Unzahl von Klagen aus allen Klaffen der Be­amten und Arbeiter vorhanden. Man dürfe nicht nach­giebig sein, denn Preußen sei nicht gewillt, entgegenzukommen. Durch die Zustimmung werde die Regierung nicht stärker, sondern schwächer werden. Finanzminister Gnauth will nicht aus die vom Vorredner angeführten Einzelheiten eingehen; denn wenn er auch eine besriedigeude Antwort gäbe, würden die Freunde Ulrichs nicht zufrieden sein. Rach persönlichen Be­merkungen erläutert Abg. Jockel den Standpunkt der Mehrheit des Ausschusses. Entsprechend dem Art. 6 des 1896er Ver­trages muffe man den gegenwärtigen Vertrag unbedingt au-

nehmen. Es wird mm zur Abstimmung geschritten. Der Vertagungs autrag des Abg. Schmidt wird mit 29 gegen 20 Stimmen abgelehut und der Vertrag mit 31 gegen 17 Stimmen angenommen.

Berlin, 10. Juni. DerLok.-Anz." kann auf Grund authentischer Informationen mitteilen, daß die Erklärung des preußischen Ministerpräsidenten im Landtage bezüglich der Zollfrage in vollem Einverständnis mit sämtlichen preußischen Ministern abgegeben wurde und daß zwischen dem Grafen von Bülow und Herrn von Podbielski keinerlei Meinungsverschiedenhetten in der Zollfrage bestehen, mithin von einer partiellen Ministerkrisis keine Rede sein könne.

Sibyllenort, 10. Juni. Das heute morgen 7.20 Uhr ausgegebene Bulletin lautet: Der König von Sachsen hat zwar in der vergangenen Nacht mehrere Stunden ge­schlafen, fühlte sich aber heute morgen weniger kräftig als gestern. Die Herzthätigkeit ist im allgemeinen be­friedigend, die Atembeschwerden treten zeitweilig auf, gehen aber rasch vorüber. Die Nahrungsaufnahme ist vollkommen genügend. Heute vormittag ist der Beichtvater des Königs, Hofprälat Maaz, hier angekommen. Hofkaplan Plervka reiste vormittags wieder ab.

London, 10. Juni. DieTimes" melden aus Canear Unter den Mohamedanern herrscht große Aufregung wegen derErmordung von 4 mohamedanischenSchiffern, die an der Küste von Sphakia von Christen aus einem Hinter­halt erschossen wurden.

London, 10. Juni. Bei dem Feuer in der Queen Vietoria-Street sind insgesamt acht Mädchen und ein Knabe umgekommen.

London, 10. Juni. Nach den amtlichenVerlust- l ist en ist am 4. Juni bei Nitnengt in der Nähe von Vereeniging ein Offizier gefallen und einer ver­wundet, und bei Athole am 4. Juni ein Mann verwundet worden.

Rotterdam, 10. Juni. Krüger ließ die Flagge des Transvaal-Freistaates von der Villa Oranjelust in Utrecht niederholen, erkannte somit äußerlich die eng­lische Souveränität über die südafrikanischen Repu­bliken an.

Toulon, 9. Juni. Ein zu der Marineluftschiffer- abteilung gehörender Ballon, dessen Bewegungen zwei Torpedoboote folgten, und in dem sich der Marineleutnant Baud in befand, unternahm gestern früh einen Vüif» stieg. Der Ballon st ü r z t e ins Meer, wobei B a u d i n ertrank. Im Laufe einer Geschützübung bei Kap Brun, in der Nähe von Toulon, wurde die Culasse eines Ge­schützes heftig nach hinten gestoßen, wobei ein Kanouiep getötet und acht Mann verwundet wurden.

Wien, 10. Juni. Hierher gelangten Nachrichten zufolge soll eine wesentliche Verschlimmerung im Befinden Krügers eingetreten sein.

M a r i e n b a d, 10. Juni. Tie Appartements für den hier eintreffenden KönigEduard werden für den 8. Juli in Bereitschaft gestellt.

Graz, 10. Juni. Im ganzen Alpengebiet ist ein heftiger Wettersturz eingetreten. Die Berge sind bis zur Tahlsohle herab mit Schnee bedeckt. TÄe Temperaturen find tief gesunken.

Konstantinopel, 10. Juni. Der Sultan richtete gestern an den König von Sachsen ein Telegramm, in dem er sein unendliches Bedauern über die Krankheit des Königs und seine Wünsche für eine baldige Genesung ausspricht. König Albert dankte dem Sultan telegraphisch und erklärte, er befinde sich besser.

Durban, 10. Juni. Schalk Burgher erklärte einem Vertreter desNatal Mercury", der alte Generalissimus der Buren, Joubert, sei,an einer Krankheit und nicht an einer Verwundung gestorben. Er teilte ferner mit, daß Steijn für den Frieden gewesen sei und nur wegen seiner Krank­heit nicht an der Friedens-Konferenz teilgenommen habe. Auch habe Steijn keine Korrespondenz mit Krüger über die Friedens­bedingungen gepflogen.

N e w y o r k, 10. Juni. Aus Kingston wird gemeldet, daß ein neuer Ausbruch des Soufriöre erfolgt ist. Die ganze Insel war in dichte schwarte Wolken gehüllt. Tie erneute Thätigkeit des Mont Pel 6 e hält an.

Telephonischer Kursbericht.

Frankfurt a. 10. Juni 1902.

872% Reichsanleihe . . 102.00 ßo/o do. ... 93.05 3V3% Konsols .... 101.80 3<>/t) do 92.65 3/2% Hessen .... 100.00 3>/i% Oberhessen . . . 99.25 4% Oesterr. Goldretno . . 102.90 41/2% Oesterr. Silberrente 101.80 4% Ungar. Goldrente . . 101.55 40/ Italien. Rente . . . 102.70 4>/g-6 Portugiesen . . . 46.25 ->°l Portugiesen. .... 29.50 1% C. Türken .... 26.55 Türkenlose ..... 113.80 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.40 4äussere Argentiner.v

3u/q Mexikaner .... 25.60

4^2 /o Chinesen .... 90.35

Electric. Scbuckert . , . 107.80

Nordd, Lloyd . . . . 110.25

Kreditaktien , . . . . 216.95

Diskonto-Komm andit. . . 188.20

Darmstädter Bank . . . 140.20 Dresdener Bank .... 147.00 Berliner Handelsges. . . 159.40 Oesterr. Staatabahn . . . 151.70

Lombarden .... 19.00

Gotthardbahn .... 169,50

Laurahütte ..... 207.50

Bochum ...... 201.30

Harpener ..... 178.00

Tendenz: fest.

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