Nr. 108
Viertes Blatt.
153. Jahrgang
Samötag 11. Mm 19ÜJS
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Politische Tagesschau.
Regent und Sozialdemokrat.
Kaum hat sich in gewissen Kreisen die Aufregung, die wir s. Zt. genügend charakterisiert haben, darüber, daß unser Großhcrzog bei dem parlamentarischen Abend mit einem sozialdemokratischen Abgeordneten gesprochen hat, gelegt, da kommt aus einem anderen Bundesstaat wiederum die Nachricht von einem Regenten, der einen „Genossen" in die Unterhaltung gezogen hat. In Gotha fand das Verfasiungsfest seinen Abschluß mit einem parlamentarischen Abend. Mit Ausnahme der agrarischen Abgeordneten Troch und o. Wangen- Heun waren sämtliche 19 Mitglieder des Gothaischen Landtages erschienen, also auch die neun sozialdemokratischen. Um 10 Uhr erschien auch der Regierungsverweser. Ungefähr eine Stunde verweilte der Regent mit seiner Umgebung in der Gesellschaft und zog auch den ihm vorgcstellten sozialdemokratischen Reichstags- und Landtags- Abgeordneten Bock in eine kurze Unterhaltung. Aus ihrem Leserkreise veröffentlicht die „Gothaische Landeszeiümg" hierzu folgenden Schmerzensschrei:
„Ter glanzvolle Besuch einer Gesellschaft, in der die Sozialdemokraten anwesend waren, durch den regierenden Landesfürsten wird und muß überall peinliches Aufsehen erregen. An Bedeutsamkeit gewinnt dieser Vorgang noch dadurch, daß dazu die Verfassungsfeier benutzt wurde. Mit Spannung kann man der ferneren Entwickelung der Dinge im Herzogtum Gotha entgegensehen."
Was werden erst die „Hamb. Rachr." dazu sagen, die sich damals in einem Artikel, den wir in seiner ganzen Abgeschmacktheit unseren Lesern oorführten, aufs höchste über das Vorgehen des Großherzogs von Hessen entrüsteten unb womöglich ein Einschreiten von irgend einer Seite gewünscht hätten. ________
Hebet die schwere Eisrnbahnkatastrophe in Frankreich, ton der wir berichteten, liegen jetzt genaue Meldungen vor. Neun Passagiere ocs Pilgerzuges wurden getötet, 16 schwer und etwa 40 leicht verletzt. Bezüglich der Ursache des Unfalls sind die Ansichten geteilt. Man vermutet in erster Linie, daß der Unterbau att der Unglücksstätte bei Moyenne- ville zu schwach für das große Gewicht des langen, vollen Zuges war, auch soll der Bahndamm durch Regen aus- geweicht gewesen sein. Berliner Blättern werden folgende Einzelheiten gemeldet: Wegen Ueberfüllung der Hauptstrecke wurde der nach Lourdes bestimmte Pilgerzug, welcher aus zwölf Waggons bestand, von der belgischen Grenzstation Mouscron auf der sonst wenig benutztet: Didier-Linie geführt. Die 350 Passagiere kamen aus der Gegend von Gent und Courtrai, aus Brügge, Tournes, Ostetrde und auch aus Lille; in überwiegender Mehrheit befanden sich kranke Frauen im Zuge. Der Arrangeur der Fahrt, der belgische Arzt von Bassel, liegt schwer verwundet in Mont Dtdier. Eine der geretteten Frauen erzählte folgendes über den Unfall: Die Lokomotive schleppte nach Entgleisung des ersten ihr folgenden Waggons den Zug troch eine Strecke weiter. Im ersten Moment horten wir nichts als den schrillen Pfiff der Lokomotive, dann herzzerreißendes Schreien. Als wir das Rettungswerk begannen, war das Zugpersonal verschwunden. Der Zugführer und der Heizer waren nach Moyenneville gelaufen, um dort Hülfe zu suchen und dem nachfolgenden Pilgerzuge telegraphisch eine Warnung zukommen zu lassen. W.r zerrissen unfetc Leibwäsche, um mit den Leinwandstüccen die Bedürftigen notdürftig zu verbinden. Mer ohnmächtig mußten wir die halb von Trümmern Bedeckten leiden sehen. Jede Bewegung, die wir machten, sie zu befreien, verschlimmerte ihre Lage. Später erblickten wir die Toten auf dem Rasen. Es war ein entsetzlicher Anblick. Den meisten war der Brustkorb eingedrückt, einer Frau war der Kopf mitten entzwei gerissen. Zwei Personen werden vermißt; wahrscheinlich sind es jene Frauen, die nach der Katastrophe wie wahnsinnig über das freie Feld liefen. Unter den Toten
befindet sich Emma von Wulf, eine Tochter des Marquis Wulf aus Thourhout. Der Marquis selbst ist schwer verletzt. Er kennt nicht das Schicksal seiner Tochter. Der Zug fuhr mit einer Schnelligkeit von 80 Kilometern. Der zuerst ent* aleiste Waggon gehört der Orleansbahn, er ist von leichterer Bauart als die übrigen Waggons. Man sucht hierin eine Ursache der Katastrophe.
Aus Stadl und Sand.
Gießen, 10. Mai 1902.
** Vom Bahnhofsumbau. Dom 14. Mai ab fahren auf unserem Bahnhof die Züge von und nach Wetzlar nicht mehr auf dem bisherigen alten Bahnsteig ein bezw. aus, sondern werden auf der oberhessischen Seite eingeführt und abgelassen. Der Zugang und Ausgang wird für diese Züge durch den neuen Tunnel auf der oberbessischen Seite (3. Treppe) vermittelt-
** Hessische Handwerkskammer. Gegenwärtig finden bei fast sämtlichen Gesellenprüfungsausschüssen erstmals die Prüfungen nach den Bestimmungen der Gewerbenovelle vom 26. Juli 1897 statt- Soweit zu übersehen ist, zeigt sich allerwärts großes Interesse an den Prüfungen. Im kommenden Herbste werden zum ersten Ma! die Meisterprüfungen vor den Kommissionen in Darmstadt, Gießen und Mainz stattfinden. Es liegen heute bereits zahlreiche Anmeldungen für diese vor. Als Vorbedingung zur Führung des Meistertitels ist der Nachweis zu fuhren, daß die Betreffenden die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen erworben haben und nach mindestens dreijähriger Thätigkeit als Geselle die Meisterprüfung vor genannten Kommissionen bestanden haben. Sämtliche Prüflinge, welche bestanden haben, erhalten von den Prüfungsausschüssen und Kommissionen die von der Kammer unentgeltlich zur-Verfügung gestellten, künstlerisch ausgeführten Gesellen- und M e i ft e r b r i e f e. Außerdem aber werden den geprüften Gesellen, um im Kammerbezirke einheitliche Formulare zur Einführung zu bringen, Gesellenbriefe ..i verlleinertem Maßstabe in handlicher Form als Ausweis über die bestandene Gesellenprüfung mitgegeben tverden. Auch diese werden vollständig unentgeltlich den Prüfungsausschüssen der Innungen und Ortsgewerbevereine wie den von seilen der Kammer errichteten/ Ausschüssen zur Verteilung an die, welche bestanden haben, zur Verfügung gestellt.
** Konzert. Morgen findet in der Südanlage wieder Promenademusik mit folgendem Programm statt: 1) Hoch- zeitsmarsch (Sommernachtstraum) von Mendelssohn; 2) Paraphrase über Home sweet Home von Voigt; 3) Vision! Walzer von Waldteufel; 4) Introduktion und Chor aus Lohengrin von Wagner.
** Konferenz der katholischen Religionslehrer. Am 12. d. M. wird in Dar m st a d t im Lokal des Katholikenvereins eine Konferenz der katholischen Re- ligionsleyrer an den höheren hessischen Lehranstalten abgehalten.
♦* Die Generalversammlung des deutschen Holzarbeiter-Verbandes setzte in ihrer Sitzung am Mittwoch die Debatte über die Presse fort. Die Ausführungen bildeten den gestrigen Höhepunkt des Verbandstages. Vom Vorstände aus wurde eine Verlegung der Zeitung nach dem Sitze der Verbaudsleiluug (Stuttgart) hervorgehoben, es wurden damit Unzuträglichkeiten vermieden. Ferner wurde es von mehreren Seiten für bedauerlich erklärt, daß in Bezug des Generalstreikes der Glasarbeiter niemand das erlösende Wort gesprochen, trotzdem alle die haltlose Situation erkannt hätten. Auch die Stellung der Leipziger Mitglieder in der Buchdruckerangelegenheit fei nicht am Platze gewesen. Ein ebenso verkehrter Standpunkt sei in der Aerztefrage in Leipzig bei der allgemeinen Orts- krankeniasse eingenommen worden. 9)2an dürfe nicht sagen: „Mit Euch Aerzteu verhandeln wir nicht". Demgegenüber wurde daraus hingewiesen, daß der Buchdruckerverband seit Jahren die Zwistigkeit planrnäßig vorbereitet habe. Auch wurde beantragt, die Zeitung nach Berlin zu
verlegen. Redakteur R o s k e bemerkte, daß er seinen Artikel nur zu dem ausgesprochenen Zwecke geschrieben habe, um den Glasarbeiterstreik zu beenden. Das beantragte Mißtrauensvotum Dresden gegen den Redakteur würbe mit 69 gegen 13 Stimmen abgelehnt, ebenso der Antrag, dieselbe nach Stuttgart zu verlegen und zwar mit 52 gegen 32 Stimmen. Die Zeitung verbleibt demnach in Hamburg. Die Generaldebatte über die Einführung der Arbeitslosen-Versicherung und Statutenänderung nahm lange Zeit in Anspruch. Der Vorsitzende des Vorstandes, Kloß-Stuttgart, plaidierte in längeren ausgezeichneten Ausführungen für die Einführung der Arbeitslosen-Versicherung und die Erhöhung der Beiträge. Der Verband verliere damit keineswegs den Charakter einer Kampsesorganisation. Eine große Anzahl von Rednern sprach gegen die Einführung der Arbeitslosen- Versicherung; da diese aber durch die Urabstimmung der Mitglieder beschlossen wurde, sind deren Anträge gegenstandslos. Es handelt sich hauptsächlich um die Höhe des Beitrages. Hierzu wurde eine Reihe von Anträgen gestellt-
** Geflügelzucht-Verein. Heute sind 5 Jahre vergangen, seitdem im Restaurant „Zum Aquarium" der Geflügel- und Vogelzuchtverein Gießen und Umgegctib sich mit 14 Mitgliedern konstituierte. Nach kaum Jahresfrist trat der damals junge Verein mit seiner ersten wohlge- lungenen Geflügel- und Vogel-Ausstellung in der Turnhalle an der Nordanlage und dem damit in Verbindung gebrachten ehemaligen Etablissement Lahnstein an die Oesfentlichkeit. Bald folgte die Eröffnung der Zuchtstation an der Bichler- schen Hardt, die r>er aufstrebende Verein ins Leben rief. Drei weitere Geflügelanssrellungen sind der ersten gefolgt. Der heute an 200 Mitglieder zählende Verein hat unverkennbar hebend und anregend auf dem Gebiete der Geflügelzucht im Kreise Gießen, ja darüber hinaus gewirkt. Bei verschiedenen Anlässen ist dies auch besonders durch unsere städtische Behörde anerkannt worden. Die Stadt hat nicht gezögert, bei Gründung der Geflügelzuchtstation dem Verein eine Beihilfe zu gewähren und zu den Ausstellungen Ehrenpreise zu stiften. Aber auch die landwirtschaftlichen Vereinigungen der Provinz haben die Bestrebungen des Gießener Geflügelzuchtvereius unterstützt. Die jüngste Generalversammlung hat beschlossen, das fünfjährige Bestehen am 31. Mai im Saale des Caso Leib durch eine größere Veranstaltung festlich zu begehen. Ein Festausschuß wurde beauftragt, die Anordnungen für einen Familienabend zu treffen.
** Was einem Vers ich er ungsagenten toi derf ahren kann. Aus dem Nidderthale schreibt man uns: Bisher ist eS nicht geglückt, die Einbrecher, die in unserer sonst so friedlichen Gegend eine ganze Anzahl von Einbruchsdiebstählen verübt haben, zu fangen. Ta kam vor zwei Tagen in eines der Dörfer unseres Thales gegen mittag ein Radler, der sich in diskreter Weise bei mehreren Personen erkundigte, roer von den Bewohnerin des Dörfchens mit Schätzen gesegnet sei. Besonders aber interessierten ihn die Verhältnisse der Geistlichen. Angelegentlich suchte er zu ergründen, ob dieser die Kirchenschätze, die silbernen Altarleuchter uno dergleichen, falls solche vorhanden seien, in seiner Wobnung aufbcwahre. Die Neugierde des Fremden erregte Veroacht, uno gegen abend herrschte förmliche Panik in der Gemeinde. Es hatte sich das Gerücht verbreitet, die Einbrecher würden in der Nacht im Dorf einen Koup ausführen. Viele der Einwohner zogen sich in ihre Hofraiten zurück, um auf der Hut zu sein. Da kam, es fing schon an zu dunkeln, vergnügt der geheimnisvolle Frager wieder durch das Dorf genadelt .9Nehrere behexte Männer stellten sich ihm entgegen ,hielten den vermeintlichen Einbrecher an und sperrten ihn ins Spritzenhaus, vor das vorsichtig auch noch eine starke Wache gelegt wurde. Alles Protestieren de- Mannes nützte nichts, seine Beteuerungen wurden nicht angehört. Schließlich fanden sich aber doch einige besonnene Männer, die ein regelrechtes Verhör mit dem Arrestanten anstellten, und da stellte sich heraus, daß er ein ganz harmloser Versich epungA- agent war, der Versicherungsabschlüsse gegen Einbruchs- diebstähle hatte abschließen wollen.
Bereinigung für hessische Volkskunde.
n. Gießen, 9. Mai.
In der Vereinigung für hessische Volkskunde sprach heute abend Herr Alfred Bock über „Hochzeitsbräuche in Hessen und Nassau". Eine Charakteristik der hessischen Bauern leitete den Vortrag ein, alsdann zog Redner die Hochzeitsbräuche unserer heimatlichen Bezirke in den Kreis seiner Betrachtung und führte aus der Schwalm, dem Vogelsberg und dem Westerwald eine Reihe fesselnder und farbenreicher Bilder vor. Die Hochzeitsbräuche in der Schwalm stellen sich als die weitaus interessantesten dar, wie denn der Redner mit Recht hervorhob, daß man den Freund der Volkskunde immer und immer wieder auf das Schwälmer Gebiet verweisen solle, wo noch mancher Schatz zu heben sei. Das Hochzeitsfest in Hessen und Nassau zeigt vielfach noch altgermanische, vereinzelt sogar indogermanische Eigenart. Die Art der Werbung ist uralt, die Verlobung mit dem Handschlag geht auf altdeutschen Brauch zurück. Die Tagtoahl (Dienstag und Donnerstag) weist auf Ziu und Donar, als die Schutzgötter der Hochzeit hin; der Gemeindecharakter auf die altgermanische Ge- meindeverfafsung. Ter vielfach mit der kirchlichen Handlung verknüpfte Aberglaube ist nichts anderes als Tämonen- furcht. Tas ^hcstandslied läßt sich dem altdeutschen Hileich, dem griechischen Hymenäus vergleichen. Ter Hochzeitsnachfeier entsprechen die griechischen Anakalypterien und die römischen Repotta. — Die Frage liegt nahe; wie
lange werden sich die bäuerlichen Hochzeitsbräuche erhalten, wo werden sie am ersten verschwinden? Die Antwort bleibt immer hypothetischer Natur. Vielleicht, daß in den ländlichen Bezirken, in die die Arbeiterbevölkerung eindringt, eine Verschmelzung stattfindet, denn das ist erwiesen, daß auch unter den Fabrikarbeitern sich eigene Gebräuche herausgebildet haben. Mit ziemlicher (Ächerheit kann man behaupten, daß die Schwalm angesichts ihrer zähen konservottven Bauernschaft am längsten an ihren alten Bräuchen feschalten wird. Unsere Generation darf sich glücklich preisen, daß sie diese charakteristischen, durch ihr Alter geheiligten Formen unseres Volksttims noch ungeschmälert erleben und gemeßen kann. — Ein zaylreich erschienenes Publikum folgte den Ausführungen des geschätzten Redners und spendete chm am Schluß den lebhaftesten Beifall. — Eine Fülle von Anregungen bot wiederum die an den Vortrag sich anschließende Debatte, woran sich die Herren Geh. Justtzrat Scymiot, Geh. Schulrat Schaedel, die Herren Professoren Dieterich, Strack, Haupt, Fromme, Bartholomae, Lucius, Pfarrer Schulte und Lehrer Fritzel beteiligten. — Herr Geheimrat von Bechtold teilte mit, daß die Hauptversammlung der Vereinigung für hessische Volkskunde am 24. Mai in der Rosenau zu Frankfurt a. M. ab geholt en wird.
• Der Fackelzug der „Durchgesallencn". Aus München berichtet die „Münch. Ztg.": Seit ein paar Tagen befindet sich am schwarzen Brett der Universität, vorschrifts
mäßig unterschrieben vom derzeitigen Rector magnifieuß; folgender Anschlag:
Etudiants en Droit!
Le petit examen juridiquo va ee finir en quelques Jours et nouA y aurons le IQQoteme refuse. Quel evenement important, quel evene- ment merveilleux; Le milliemo refuee! Pour bien fe;er cet Evenement il noua faudra faire un cortege aux flambeaux dovant M AMIKA qui par ses connaiseances Enormes dans Part do faire tomber est le plus o6läbre pertonnage de notre UmversitA Eh bien! Faisow un cortöge bi Gnorme que tont Munich en seit stupifiö. II nous faut parier franjais, parce que dans ce cas on evite la censure du Kecteur.
Lo Club de Kefus6s
Gez Dr. L. Brentano.
zu deutsch:
Rech ts beflissene! •
Tas kleine juristische Examen geht in einigen Tagen seinem Ende entgegen unb wir werden den 1000. Turchgefallenen haben. Welch wichtiges Ereignis, welch wunderbares Ereignis! der tausendste Turchgefallene! Um dieses Fest würdig zu begehen, laßt uns emen Fackelzug vorM.Amira (gemeint ist Herr Unioersitäts- professor Dr. Karl v. Amira) halten, welcher durch seine großartigen Kenntnisse in der Kunst des Turchfaltenlassens die wichtigste Person unserer Universität ist. Wohlan, veranstalten wir einen Fackelzug, so groß, daß ganz München paff ist. Es ist nötig, daß wir uns auf französisch äußern, damit wir der Zensur des Rektors entgehen.
Ter Klub der Turchgefallenen.
Gez. Tr. L. B r e n l a n o.
Die Unterschrift ist mit einem gut nachgemachten Siege) gefälscht.


