in welchem er eine offizielle Hilsaktiou nnd außerdem die Bildung eines Hilfskomitees anregt. Es heißt, die Regierung werde sofort nach dem Zusammentritt der Kammer eine bedeutende Geldunterstützung für die Insel Martinique beantragen.
Aus Kindt und Kund.
Gießen, den 10. Mai 1902.
” Parlamentarisches. Der Finanzausschuß hat am Dienstag getagt unb einige spruchreife Gegenstände erledigt. Gestern ist der Sonderausschuß zur Beratung des Antrages Haas, betr. die Errichtung einer hessischen Land- wirischaftskammer, unter dein Vorsitz des Abgeord. Heidenreich zusammcngetreten. Die lebhaft geführten Debatten wurden um halb 2 Uhr nachmittags beendigt und beute früh 10 Uhr fortgesetzt.
* * Kreislehrerkonfcrcnz. Die Kreislehrerkonferenz für den Kreis Gießen sand gestern in Steins Garten unter dem Vorsitz des 5lreisamtmanns Dr. Heinrichs statt. Es nahmen Bürgermeister Mecum und Pros. Dr. Fromme als Mitglieder Großh. Kreis-Schulkommission, Medizinalrat Dr. Haberkorn und Kreisas,istenzarzt Dr. König er als Vertreter des Kreisgesundheitsamtes, sowie sämtliche Lehrerinnen und Lehrer oes Kreises daran teil. Nach Eröffnung der Konferenz und Begrüßung der Anwesenden durch den Vorsitzenden gab Kreis-Schulmspektor Pros. Dr. Lucius die statistischen Mitteilungen über das Schulwesen des Kreises im letzten Jahre bekannt. Hiernach beträgt die Schüierzahl des Kreises 11614. Davon sind 5744 Knaben und 5870 Mädchen, 11 253 ev., 191 kath .Konfession, 143 israel. unb 27 anderen Bekenntnisses. Die Gesamtzahl der Lehrer des Kreises beträgt 196, sodaß auf einen Lehrer durchschnittlich 59,2 Schüler kommen und zwar 48,4 in der Stadt und 62,4 auf dem Lande. Von den 79 Schulgemeinden des Kreises sind 39 einklassig, 22 zwei-, 7 drei-, 7 vier- und 4 mehr als vierklassig. In 75 Schulen tverden die Geschlechter gemeinsam, in 3 zum Teil unb in einer völlig getrennt unterrichtet. Die Fortbildungsschule wurde von 1712 Schülern besucht. Davon waren 1682 ev., 13 kath. und 17 israelitisch. Im Kreise bestehen zur Zeit noch eine Schule mit über 100, 7 mit über 90 und 16 mit 80 und mehr Schülern. An Lehrpersonal traten 20 Lehrer neu in den Kreis ein, während 17 Versetzungen stattfanden, 6 Lehrer definitiv augestellt und 5 pensioniert wurden. — Hierauf hielt Lehrer Fritzel-Gießen einen Vortrag über „den Zeichenunterricht in der Volksschule". Die Großh. Regierung plant eine Reform dieses Unterrichtsgegenstandes in der Volksschule derart, daß das Kumpa'sche System fallen und ein Zeichnen nach der Natur in den Vordergrund treten soll. Zu diesem Zwecke werden Zeichenkurse für Volksschullehrer in Darmstadt ab gehalten. Lehrer Fritzel hat einen solchen besucht und machte durch seinen Vortrag die Versammlung mit den diesbezüglichen Bestrebungen bezw.Neuerungen bekannt. Er behandelte int ersten Teile desselben die Forderungen, welche die Gegenwart an den Zeichenunterricht stellt, zeigte im zweiten Teile, wie die Schule diesen Forderungen gerecht werden kann und ging zum Schlüsse noch aus die Lehrpläne näher ein. Nach Beendigung dieses ebenso interessanten wie schönen Vortrages wurde die Konferenz durch den Vorsitzenden geschlossen und fand nun noch ein einfaches Mittagessen der Konferenzteilnehmer in Steins Garten statt.
* * Promenadenkouzett. Wie uns mitgeteilt wird, dauert das Sonntags-Konzert der Regimentskapetle in der Süd- anlagc von jetzt ab nicht mehr bis 1 Uhr, sondern nur noch bis V31 Uhr. Die Zahl der gespielten Musikstücke bleibt dieselbe; jedoch fallen die Pausen zwischen den einzelnen Stücken weg.
* * Uebcrbretil-Abend. Vor einigen Monaten hatten wir in Gießen Gelegenheit, ein wirkliches Uebcrbrettl', Fritz Ungers „Buntes Theater" zu sehen. Die Leistungen, die bei dem gestern Abend in Steins Garten von hiesigen jungen Leuten veranstalteten Uebcrbrettl - Abend geboten, wurde, brauchen einen Vergleich mit denen des Unger'schen Theaters nicht zu scheuen, ganz abgesehen davon, daß wir dort berufsmäßige Künstler, hier aber Dilettanten sahen. Alles was aufgcführt wurde, „klappte" vorzüglich. Die humoristischen Vorträge, hauptsächlich die Coupletts des Herrn Euler, verursachten förmliche Lachsalven, sodaß sich die Herren zu mancher Einlage genötigt sahen. Auch die prächtigen Ueber- brettl-Liedcr von Herrn Huber und Kantowsky fanden rauschenden, aber wohlverdienten Beifall. Den Veranstaltern war es geglückt, Fräulein Hohenfels, das geschätzte Mitglied unseres Stadttheaters, zur Teilnahme an den Vorträgen zu gewinnen. Ihr Talent, sich allen Lagen anzupassen, ihr wohllautendes, biegsames Organ, ihre prächtige Toilette ver- chalfen ihr wieder zu einem schönen Erfolge. Besser wäre es gewesen, wenn sie für ihre Vorträge keinen ernsten Stoff gewählt hätte. Das Thcaterstückchen: „Das Versprechen Hinterm Herd" wurde sehr flott gespielt. Auch die Schwierigkeit des Dialekts überwanden die Darsteller mühelos. Als „Ncmbl" errang Frl. Barni durch ihr impulsives, lebensvolles Spiel reichen Beifall. Einen so zahlreichen Besuch wie gestern Abenb hat der große Saal m Stein Garten wohl lange nicht mehr gesehen. Der Saal erwies sich that- sächlich als zu klein, so daß noch der Nebenraum zu Hilfe genommen werden mußte. Gerügt muß aber werden, daß hier und da im Saale geraucht wurde, trotzdem auf dem Spielplan ausdrücklich gebeten wurde, im Saal nicht zu rauchen. Ferner wurden die ab und zu aus dem Zuschauer- raum kommenden Zwischenrufe recht unangenehm empfunden. Die Veranstalter des Abends können mit ihrem Erfolge voll und ganz zufrieden sein.
- e- Ans dem Lahnthal, 9. Mai. Die über die Lahn führende Brücke bei N u t t e r s h a u s e u soll, wie wir hören, in aller Kürze dem Verkehr übergeben werden. Es ist dies jedenfalls mit Freuden zu begrüßen, da die Bevölkerung durch die seitherige Sperrung dieses so ungemein wichtigen Verkehrsweges arg geschädigt worden ist.
§ Butzbach, 9. Mai. Wie uns von zuständiger Seite mitgeteilt wird, ist die Nachricht, daß die Absicht bestände, die Gambrinusbrauerei in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, unzutreffend.
8. Darmstadt, 9. Mai. Morgen wird hier eine große Genossenschaftsbäckerei eröffnet, welche das Geschäft in großem Maßstabe mit Filialen ec. betreiben will. Es sind vier Teilhaber bekannt.
Mainz, 9. Mai. Ein schwerer Automobil-Unfall ereignete sich gestern abend auf der Landstraße in der Nähe von Amöneburg. Das Automobil, welches sehr rasch fuhr,
kam bei einer Wegbiegnng plötzlich zum Umfallen. Dabei wurde einer der Wagenführer auf die Straße geschleudert und erlitt erhebliche Verletzungen, während eine mitfahrende Dame m die zerschmetterte Glasscheibe siel und sich das ganze Gesicht zerschnitt. Unverletzt blieb nur der mitfahrende Mechaniker, welcher die Verwundeten dann nach Wiesbaden verbrachte.
Worms, 6. Mai. Das 2 6. Mittelrheinische Turnfest wird, wie nunmehr definitiv beschlossen ist, vom 2. bis 5. August d. I. hier abgehalten werden. Der in 19 Gaue zerfallene Mittelrhetnkreis vereinigt ungefähr 68 000 aktive Turner, die dem Großherzogtum Hessen, sowie den Bezirken Frankfurt, Aschaffenburg, Marburg, Wiesbaden, Neuwied, Koblenz, Trier unb Kreuznach angehören. Das gleiche Fest wurde zuletzt int Jahre 1886 in der alten Rheinstadt Worms mit bestem Gelingen unb schönstem Erfolge gefeiert. Seit geraumer Zeit sind alle Einzel-Aus- schusse emsig an der Arbeit, um die Vorbereitungen zu treffen, die auch in diesem Jahre ein würdiges und glänzendes Gelingen des geplanten Festes verbürgen.
* * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Alfred Held von Butzbach hat an der Technischen Hochschule zu Darmstadt das Examen als Regiernngsbauführer bestanden. — Der Leiter der Schlierbacher Steingutfabrik in Gelnhausen, Direktor Dr. König, zog sich bei den Laboratoriumsarbeiten eine Blutvergiftung zu, an deren Folgen er gestorben ist. — In einem Hotel in Wiesbaden hat sich ein Dr. Saffert aus Koblenz angeblich wegen finanzieller Schwierigkeiten durch Oeffnen der Pulsader zu töten versucht. Er wurde in das Krankenhaus gebracht. Man hofft, ihn am Leben zu erhalten. — Auf dem Bahnkörper zwischen den Stationen Seligenstadt und Hainstadt wurde von Streckenarbeitern int Gemar- kungsgebict Hainstadt die verstümmelte Leiche eines blutjungen Burschen aufgefunden. Der Leichnam, bei dem der Kopf vom Rumpfe getrennt lag, wurde als der am 15. Januar 1887 zu Hainstadt geborene Schlosserlehrling Georg Klein, Sohn der Wittwe des früheren Weichenwärters Michael Klein 4., identifiziert. Der augenscheinlich vorliegende Selbstmord ist aus Furcht vor Verhaftung und gerichtlicher Bestrafung begangen worden. Der 15jährige Selbstmörder hat sich an einem 4jährigen Kinde schwer versündigt. — In Wiesbaden ist dieser Tage ein Pensionär plötzlich gestorben, ein hochbetagter Mann, der in seiner Kleidung und seiner ganzen Lebensweise den Eindruck machte, als ob er sich mit seiner Pension recht kümmerlich durchschlagen müßte. Umso überraschter wurden seine Bekannten, als sie hörten, daß in dem Nachlaß des Betreffenden über 2000 Mark baares Geld und 141000 Mark in Wertpapieren gefunden worden. Dabei bestand die letzte Mahlzeit dieses „armen Reichen" aus Brod und Blutwurst.
Vermischtes.
* Berlin, 8. Mai. Ein Kuppel ne st ist, wie wir bereits berichteten, in der Besselstraße, ausgenommen worden. Es werden nunmehr folgende Einzelheiten bekannt: In dem Hause Nr. 13, an der Ecke der Markgrafenstraße wohnte eine „Dame", die sich Rentiere nannte und in Wirklichkeit eine Mädchenhändlerin war. Fräulein Wurst, so heißt sie, stand mit einem Zuhälter Deppel in Verbindung. Beide handelten mit Mädchen, die bereits unter der Aufsicht der Sittenpolizei standen. Von Mädchen, die ihnen gefielen, schickten sie die Photographien nach Hamburg, unb wenn die „Ware" auch dort Anklang fand, so erfolgte der Abschluß des Geschäfts. Jedes Mädchen wurde für einen bestimmten Satz bis zu 150 Mark verkauft. Mit dieser Summe saßen nun die Verkauften bei ihren Käufern in Hamburg von vornherein in der Schuld. Daß da an ein Loskommen nicht mehr zu denken war, ist selbstverständlich. Die Kupplerin würbe jetzt von der Kriminalpolizei festgenommen, ebenso ihr Helfershelfer, der als Reisebegleiter der Mädchen auftrat.
* Königsberg i. Pr., 7. Mai. Wie die „Königsb. Hart. Ztg." aus Kor sch en meldet, wurden dort in einem Teiche unweit des Bahndammes die Frau eines Schneidermeisters und ein Telegraphenbeamter als Leichen vor- gefundcn. Die Frau hatte eine Schußwunde in der Brust, der Mann eine solche am Halse. Am Ufer lag ein Revolver. Anscheinend hat der Mann die Frau und darauf sich selbst erschossen.
* Esse n, 9. Mai. Gestern nacht brannte die Gummifabrik von Meiswinkel nieder. Der Besitzer und ein Dienstmädchen erlitten bei den Rettungsversuchen schwere Brandwunden. Der erstere ist seinen Verletzungen bereits erlegen.
* Leipzig, 9. Mai. Der Senatspräsident am Reichsgericht Dr. Bingner ist gestern gestorben. Seit 1879 war er in diesem Amte, vorher bekleidete er eine Ratstelle im badischen Justizministerium.
* Würzburg, 8. Mai. Vergangene Nacht erschoß sich der Student Paul Bock aus Kamburg. Als Ursache wird Lebensüberdruß angegeben.
* London, 8. Mai. In Jersey ist gestern Abend ein preußischer Unterthan Karl Semper, alias Major Paul Fischer in einem Hotel infolge einer Auslieferungsordre verhaftet worden; er ist angeklagt, in Christiania, wo er Direktor der Gourock Seilerei-Gesellschaft war, 35 000 Kronen unterschlagen zu haben. Bei der Verhaftung wurden mehrere hundert Pfund St. in englischen Banknoten und eine ansehnliche Menge wertvoller Juwelen bei ihm vorge- fnnden.
* New-York, 8. Mai. Schriftsteller Paul Leicester in Ford wurde von feinem Bruder erschossen; Letzterer verübte darauf Selstmord.
Gettchtssaat.
Marburg, 9. Mai. Der Studiosus der Jurisprudenz, Frhr. v. Dörnberg wurde heute von der Strafkammer wegen Zweikampfes zu 3 Monaten Festung verurteilt. Sein Gegner Gras Oberndorf wird sich vor einem Kriegsgericht zu verantworten haben.
Universitäts-Nachrichten.
Marburg, 9. Mai. Nachdem nun die Jmmatrikulattonen geschlossen sind, stellt sich heraus, daß der Besuch unserer Hochschule im gegenwärtigen Sommersemester der stärkste ist, den sie noch je gehabt hat. Die Anmeldungen zum Hören der Vorlesungen betragen bis jetzt ca. 1370. Da immer noch Anmeldungen erfolgen, dürfte die Zahl 1400 erreicht werden. Im verflossenen Winter
semester hatte die Universität 1138 Hörer und im Sommersemester 1901 1257. Tie Befürchtungen, die man anfangs wegen des Besuches unserer Universität hegte, und zwar wegen der neugegrünbeten Hochschule in Münster, sind also nicht eingetroffen.
Handel und Verkehr. UÄkswirtschast
Die Festsetzung der Kokspreise, lieber die Festsetzung der Kokspreise schreibt die „Köln. Ztg.": Die Mitteilung, daß in der Ende dieser Woche stattfindenden Versammlung des Kokssyndikats bei Feststellung der Verrechnungspreise für die zweite Jahreshälfte voraussichtlich eine Ermäßigung der Preise für Hochofenkoks nicht in Frage kommen soll, hat in den Kreisen der Hochosenwerke erneute Verstimmung hervorgerufeu. Zwar wird anerkannt, daß der Absatz an Hochofenkoks im Vergleich mit den Zuständen am Schluß des vergangenen Jahres eine Besserung erfahren hat. Diese Besserung erstreckte sich jedoch vornehmlich auf die großen gemischten Werke am Niederrhein, an der Saar uub an der Achsel, die große Auslandsgeschäfte hereingenoinmen haben. Infolge der dadurch ermöglichten stärkeren Beschäftigung haben bei diesen Werken die Roheisenvorräte wesentlich abgenommen und der Koksbedarf ist bei ihnen wesentlich besser geworden. Im Gegensatz zu ihnen haben jedock die remen Hochofenwerke noch in der ilmfassenden Werse unter Absatzmangel zu leiden.
Kohlenaktien. Da die Aussichten für den ferneren Bestand des Kohlensyndikats sich gebessert haben, so hat auch das Interesse für Kohlenaktien wieder zugenommen und es war an der Freitagsbörse eine wesentliche Steigerung der Kurse der Kohlenaktien zu beobachten. — Am 12. d. 9)1 findet wiederum eine Sitzung des Ausschusses des Kohlensyndikats in Sachen der Bewilligung von Ausfuhrvergütungen statt.
— Bon der Rerchsbank. Ani2. Jirni wird inHattingen (Ruhr) eine von der Reichsbankstelle in Bochum abhängige Reichs- b a n k n e b e n st e l l e mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
Tabak. Während der Berichtswoche trat eine Besserung im Tabakgeschäfte nicht ein, dasselbe liegt nach rote vor sehr ruhig. In Seckenheim rourben einige Parthien von Produzenten an Händler zu Ä 27—28 verkauft. In loser pfälzer Einlage wurden einige kleinere Posten je nach Qualität zu Preisen von Alk. 78—85 umgefetzt. Lose pfälzer Rippen geschäftslos, lose feine Mk. 9—9,50, gebündelte Mk. 11—11.50.
Märkte.
Gießen, 10. Mai. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt fofteten: Butter pr.Psd. 1,10—1,20 All., Hühnereier 1 Stck. 5—6 Pfg., Gänfeeier 10—12 Pfg., Enteneier 6—0 Pf., Käse vr. Stuck 5—7 Pf., Käs ematte 2 Stck. 0—0 Pfg., Erbsen pr. Liter 19 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0,80—1,00 Alk., Hühner pr. Stück 1,00—1,50 Mk., Hahnen pr. Stück 1,20—1,80 2)tf., Enten pr. Stück 2,40—2,60 Mk., Gänse pr. Pfd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 66—70 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kar. 2,80—3,50 Alk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 7,50—8,50 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Äepsel per Pfd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg.
^llSjug ü«s deu ^lMörsgmlsrktzlstera ötr ätaöl Gießen.
Aufgebote.
Am 2. Mai. Heinrich Pempfer, Friseur in Lollar mit Anna Margarethe Lauber dahier. Am 3. Friedrich August Louis Wilhelm Peter Konrad Benk, Eisendreher dahier mit Auguste Frank hierfelbft. Am 7. Mai. Otto Franz Karl Ludwig Emil Repp, Pfarrverwalter in Mittel-Seemen mit Wilhelmine Karolme Henckel dahier. Am 9. Otto Potzernheim, Kaufmann dahier mit Rahe! Gans hierfelbft. Otto Paul Trinks, Sergeant-Hoboist dahier mit Lina Heß Hierselbst.
Eheschließungen.
Am 3. Mai. Johannes Rudolph Korrell, Korrespondent in Dortmund mit Ottilie Mickel dahier. Adam Horny, Dienstknecht auf Hof Albach mit Margarethe Diehl dahier. Wilhelm Waden- psuhtz Glaser dahier mit Louise Josephine Henriette Marie Elisa bethc Philippine Belloff hierfelbft.
Geborene.
Am 26. April. Dem Handelsmann Georg Gustav Bender eine Tochter, Sophie. An: 28. April. Dem Bahnarbeiter Karl Weber eine Tochter. Am 30. April. Dem Lokomotivhilfsheizer Karl Hammel eine Tochter, Marie Franziska. Am 2. Mai. Dem Bierbrauer Edmund Helbing eine Tochter, Anna Minna Florentine Elise Helene. Am 6. Dem Lackierer August Kramer ein Sohn. Am 9. Mai. Dem Maurer Wilhelm Steinmüller ein Sohn, Ernst Gustav.
Gestorbene.
Am 5. Mai. Katharine Wien, geb. Becker, 76 Jahre alt, Witwe des Leinwebers Konrad Wien dahier. Emilie Hensel, geb. Reitzel, 76 Jahre alt, Rentnerin dahier. Johann Lorenz Settegast, 49 Jahre alt, Agent dahier. Heinrich Sieglinger, 24 Jahre alt, Gemüsehändler dahier.
Gingejandt.
(Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt bie Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Es ist bereits des öfteren darauf hingewiesen worden, wie notwendig die Einrichtung einiger Bedürfnisanstalten für Damen in unserer Stadt ist. Leider hort man jetzt nichts mehr davon; es scheint, daß der angeregte Gedanke wieder eingeschlafen ist. Je größer aber unsere Stadt wird, um so dringender wird es, daß diesem Mangel abgeholfen wird. Es ist ja für manche andere Sache Geld da. Sollten die Kosten, die der Bau unb die Unterhaltung einiger solcher Bedürfnisanstalten erfordert, nicht auch »roch zu erschwingen fein? Ich hoffe, daß diese Zeilen dazu beitragen, daß der Frage der Einrichtung einiger Bedürfnisanstalten für Damen endlich ernstlich näher getreten wird.
Einer für viele.
Neueste Meinungen.
Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.
New-Uork, 9. Mai. Der amerikanische Konsul in Point- ä-Pitre telegraphierte an Staatssekretär Hag, daß gestern früh 7 Uhr St. Pierre in Feuer, Dampf und Ranch gehüllt gewesen sei. 20 Personen hätten sich retten können, 18 Schiffe seien verbrannt und uut allen an Bord befindlichen Personen gesunken. Der amerikanische Konsul von St. Pierre und seine Familie sollen nmgekommen sein.— Die West- india and Pana Telegraph Company teilte der Western Union Telegraph Company mit, 2 Dampfer, welche nach Unterbrechung des Kabels Depeschen für Martinique an Bord hatten, seien zerstört. Die Gesellschaft sei nicht im Stande, festznstcüen, ob die Depeschen vorher abgeliefert seien. Diejenigen Depeschen, welche durch den gestern Abend abgegangenen Kabeldampfer befördert seien, hätten über ihren Bestimmungsort hinausgebracht werden muffen, da das Schiff nicht im Stande war, Martinique an- zulaufen.
New-Aork, 10. Mai. Eine Depesche ans St. Thomas meldet: Dir Kreuzer „Suchet" kam morgens in Point-ä-Pitre an. Der Kommandant berichtet, daß am Donnerstag 1 Uhr nachmittags St. Pierre vollständig in Flammen stand. Er habe von den Wracks im Hasen ungefähr 30 mehr oder weniger Verbrannte gerettet. Eine Abteilung wurde in Booten ausge- sandt, um nach Ueberlebenden zu suchen. Sie konnte nicht in die Stadt eiudringen, sah aber auf den OnaiS Leichen liegen. Man glaubt, daß Niemand, der sich wirklich im Augenblick der Katastrophe in der Stadt aufhielt, entkommen ist. Der Gouverneur, der vor dem Unglück in St. Pierre ankam, ist


