Ausgabe 
10.4.1902 Zweites Blatt
 
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Prinz und Prinzessin Heinrich von

nach Frankfurt.

In Haine St. Paul in bet?

31345, 33064, 33503, 40469, 40555, 44073; 100

auf Nr. 501, 3014, 3076, 11885,

Ein Rekrut, der

gestern

21275, 31792, 41834,

25473, 33803, 44461,

21728, 32481, 43931,

25667, 34083, 45824,

13530,

26030,

36117,

46218,

13659, 26398, 39200,

48852,

der elektrischen Leitung im? Die Gefahr wurde bald be*'

52040, 54670.

Ein Radaubruder.

Preußen werden am 15. in Wilhelmshaven eintreffen, um der Grundsteinlegung des dort in der Bismarckstraße zu errichtenden Seemannsh a uscs für die kaiserliche Marine beizuwohnen.

Mark 46025, 30560, Mark 15693, 27538, 40005, 50538,

* Ansbach, 9. April, brach infolge Kurzschlusses Maschinenrauni Feuer aus. eitigt.

* Brüssel, 9. April.

Nähe von La Louviere wurde eine Dynamitpatrone in den Garten des katholischen Ortsgeistlichen geworfen. Die Bombe verursachte lediglich Materialschaden.

* Mährisch-Ost rau, 9. April. Im Friedrichs-, Schachte erfolgte heute ein Wasser-Einbruch, wobei drei» Bergleute ertranken.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 10. April 1902.

** Militärisches. Die trigonometrischen Vermessungs­arbeiten des General st abes finden dieses Jahr in der Provinz Oberhessen statt.

** Bei den Frühjahrs-Kontrollversammlungen wird an die Reservisten die Frage gerichtet, wer bereit sei, als Ersatz in die ostasiatische Besatzungsbrigade einzutreten. Die Verpflich- tlng beträgt zwei Jahre bei Aussicht auf freie Ansiedelung. Vornehmlich werden ledige Leute gewünscht, die ein Bau­handwerk erlernt haben.

** Tas Großh. Regierungsblatt Nr. 19, aus- gegeBen am 7. April d. I., enthält, wie wir bereits mitteilten, u. a. eine Bekanntmachung, die Ausgabe von Schuldver- chreibungen auf den Inhaber durch die Stadt Friedberg betreffend, die folgenden Wortlaut hat:

Der Stadt Friedberg ist in Gemäßheit des § 795 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und des Artikels 67 des Hessischen Ausführungsgesetzes zu demselben vom 17. Juli 1899 mittels Entschließung des unterzeichneten Ministeriums vom Heutigen die Genehmigung zur Ausgabe der nach­bezeichneten 3i/2prozentigen Schuldverschreibungen auf den Inhaber erteilt worden: Lit. N. Nr. 1150, 150 St. zu je 1000 Mk. gleich 150 000 Mk., Lit. O. Nr. 1320, 320 St. zu je 500 Mk. gleich 160 000 Mk., Lit. P. Nr. 1250, 250 St. zu je 200 Mk. gleich 50 000 Mk., zusammen 720 Stück im Gesamtbeträge von 360 000 Mk.

** Der Zug WetzlarGießen, der sonst 9 Uhr 17 Min. abends in Dutenhofen eintraf, fiel bekanntlich im Winter aus. Seit dem 1. April ist er indessen wieder eingelegt worden, worauf wir unsere Leser hierdurch besonders aufmerksam machen. Die Wiedercinlegung dieses Zuges wird besonders den vielen Ausflüglern willkommen sein, die im Sommer den beliebten Ausflugsortzum Jagdschlößchen" aufsuchen.

Universitäts-Nachrichten.

Berlin, 9. April. Prof. Rudolf Pirchow wird demnächst! eine Erholungsreise antreten und sich vorerst nach Teplitz-Schönarp begeben.

** Eine gefährliche Diebin. Am 25. v. Mts. hat in einem hiesigen Goldwarengeschäft eine unbekannte Frauens­person unter dem falschen Namen Konrad Kuhl Ehe­frau aus Dorfgill folgende Waren im Gesamtwerte von 125 Mk. herausgeschwindelt: 1 Fächerkette, 2 gold. Brachen, 1 Collierkette, 1 Herzchen, 1 versilbertes rundes Brettchen, 2 Flaschenuntersätze, 1 versilb. Kaffeelöffel, 1 Confekt-Korb, 2 Zuckerdosen, 2 Doubleketten, 2 Anhänger mit Kompaß, 2 Kragenknöpfe, 1 Garnitur Knöpfe, 1 Paar Manschetten- liöpfe, 2 Armbänder, 2 Sicherheitsketten und 1 versilberter Konfekt-Korb. In einem anderen Geschäft erschwindelte sich dieselbe Person einen Tafelaufsatz im Werte von 12,50 Mk., und in einem dritten Geschäft wußte sie sich 15 Mk. in Bar zu erschwindeln. In den beiden letzteren Fällen nannte sich die Person fälschlicherweise Georg Geißler Ehefrau von Lollar. Die Betrügerin war mit den Verhältniffen der Leute zu Lollar und Dorfgill bekannt. Es liegt daher die Ver- Nlutung nahe, daß sie entweder in der Umgebung wohnt, oder^ als Hausiererin umherzieht. Die Betrügerin ist etwa 40 Jahre alt, von großer schlanker Statur, hat dunkles Haar, dunkle Augen, schmales Gesicht, gelbliche Gesichtsfarbe und trug braunen Rock, graue Blouse, graues Capes und chwarze Kaputze. Das Gr. Polizei amt Gießen ersucht

um Nachforschung nach der Betrügerin und Mitteilrmg aller' Anhaltspunkte, die zur Feststellung ihrer Person führen könnten und event. um Festnahme und Drahtnachricht.

** Zum Ausverkaufswesen. Der Generalstaatsan, walt des Großh. O der l an d es g er ich ts hat durch neuer­liche Verfügungen Veranlaffung genommen, die Beamten der Staatsanwaltschaft auf die in letzter Zeit stärker hervor- tretenden Auswüchse des Ausverkaufswesens, im beson­deren auf die sog. Nachschübe von Waren bei Ausver­käufen hinzuweisen, und angeordnet, im öffentlichen Interesse in allen ihnen zur Kenntnis kommenden Fällen Anklage zu erheben. Auch die Konkursverwalter sollen, falls sie sich bei Veranstaltung und Durchführung eines Ausverkaufs der Konkursmasse unlauterer Mittel bedienen, angezeigt werden, damit die Gerichte für später in den Stand gesetzt werden, andere Verwalter zu bestellen.

8. Darmstadt. 9. April. Auf besondere Einladung des Großherzogs hatte sich u. a. Geh. Oberbaurat Professor Hoffmann der Fahrt des Großherzogs und des Prinzen und der Pinzessin von Preußen nach Worms angeschlossen. Hoffmann leitet bekanntlich die Restaurationsarbeiten am Wormser Dom. Während der Fahrt hielt er den hohen Herrschaften Vortrag. Nachdem die Herrschaften bei dem Frhrn. v. Heyl zu Herrnsheim auf Heilshof das Früh­stück eingenommen hatten, besichtigten sie die Restaurations­arbeiten, besonders die Neufundamentierungen am Dom und im Anschluß hieran das Paulusmuseum. Es folgte darauf die Besichtigung der Arbeiterwohnungen bei Worms. Be­sonderes Interesse erregte eine von Herrn v. Heyl errichtete Arbeiterwohnung. Auf der Rückfahrt fand eine Umfahrt um das Ludwigsdenkmal statt. Die Herrschaften nahmen bann in Heilshof den Thee ein. Um 6 Uhr 10 Min. abends trafen sie mittelst Sonderzuges wieder hier ein.

Darmstadt, 9. April. Prinz Max von Baden kehrte gestern Nachmittag 5 Uhr 27 Min. nach Karlsruhe zurück. Landgräsin Anna von Hessen fuhr um 6 Uhr 30 Min.

** Hessische Landeslotterie. Bei der heute stattgehabten Ziehung der 1. Klasse der Hess. Landeslotterie fiel eine Prämie von 30 000 Mk. auf Nr. 50 209, die mit 300 Mk. gezogen wurde, nach Worms; 1 Haupt-Gewinn von 20 000 Mk. auf Nr. 2385 nach Darmstadt; 5000 Mk. auf Nr. 27314 nach Mainz; 3000 Mk. auf Nr. 48801 rwch Oldenburg; 300 auf Nr. 4386, 14206; 200 Mk. auf 11070, 38440, 51986; 150 Mk. auf Nr. 11234, 16378, 18730,

M , morgen dem Alkohol zu sehr zugesprochen hatte, mußte, da er ruhe- törendcn Lärm verübte, verwarnt werden. Die Vermahnung nützte indessen nichts; er belästigte vielmehr die ihm begeg­nenden Personen weiter, verfolgte sogar Leute bis in ihre Wohnungen, weshalb er in der Schanzenstraße verhaftet wurde.

Bezirkes von Warschau entsendet habe, weiter aber nichts. Der Zar habe eines Tages diesen Bericht ge­wünscht und der Oberst Grimm, der chn kopieren sollte, machte ein Duplikat, das er nach Berlin v erkauf ' habe

Wien, 9. April. Der Herausgeber des tschechischen BlattesSlowan", Janen, fühlte sich durch ein vom Abg. Choc herrührendesEingesandt" in dem Organ der böhmi­schen Nationalsozialen in seiner Ehre verletzt und sandte während der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses dem Abg. Choc seine Zeugen. Abg .Choc erwiderte, er werde seinerseits heute drei Vertrauensmänner ernennen.

Die sozialistischen Abgeordneten wollen den Justiz­minister wegen folgender Angelegenheit interpellieren: F ü r st I s e n b u r g - B i r st e i n versuchte, als er in Geld- Verlegenheiten war, vom Geldverleiher Umlauf in Preß- bürg 30000 Gulden zu bekommen, dieser gab sie ihm aber erst, nachdem Erzherzog Franz Salvator an Umlauf einen Brief geschrieben hatte, in welchem er die volle Garantie für ein bis 30 000 Gulden reichendes Darlehen übernahm; Die Mutter des Fürsten Isenburg ist die Tante des Erz­herzogs. Als zum vereinbarten Termin der Fürst nicht bezahlte, bat Umlauf, den Konkurs über das Vermögen des Fürsten zu verhängen, wurde aber abgewiesen, weil der Beklagte deutscher Standesherr ist. Hieraus stellte Um­lauf das Verlangen an die Kammer des Erzherzogs, daß dieser gemäß der übernommenen Garantie die 30 000 sl. bezahle. Er bekam aber den Bescheid, daß der Erzherzog nur ein offenes Darlehen garantiert habe; da Umlauf den Fürsten aber Wechsel habe ausstellen lassen, sei der Erz­herzog zu nichts verpflichtet. Umlauf ging nun zum Ge­richt, seine Klage wurde aber in erster und zweiter Instanz abgewiesen. Erst in dritter Instanz wurde erkannt, der Erzherzog sei verpflichtet, die geforderten 30000 Gulden zu bezahlen. Die Interpellanten stellen an den Justiz­minister die Frage, was er zu thun gedenke, damit das Vertrauen der Bevölkerung in die unteren Instanzen der Gerichtsbehörden nicht erschüttert werde.

Melbourne, . April. Der zuständige Ausschuß des Bundesparlaments setzte den Zoll für baumwollene und leinene Sosse auf fünf Prozent des Wertes fest.

Arbeiterbewegung.

Mainz, 9. April. Schon seit Wochen schweben zwischen den Tapezier er gehilsen und den T a p i e r er m e i st e rrr Unterhandlungen wegen Herabsetzung der täglichen Arbeits- o e i r und Regulierung der L o h n o e r h ä l t n i s s c. Den Be­mühungen des Vorsitzenden des Ortsgerichts, Herrn Rechnungsrat Amend, ist es nunmehr gelungen, eine Verständigung dahin zu erzielen, daß eine, allgemeine E i n i g u n g zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Kürze zu Stande kommen dürste.

Berliner Arbeiterbewegung. Die Vertreter der Organisa- fioncit der Bäcker, Brauereihilssarbeiter, Konditoren, Müller und Tabakarbeiter haben gemeinsam beschlossen, ein engeres Zusammen­arbeiten dieser Verbände herzustellen.

Budapest, 9. Avril. In Hoedmezoe-Vasarhely im Crongrader Konutat stellten gegen 1000 Arbeiter der im Bau begriffenen Lokal-.

Vermischtes.

Im Deutschen Theater;

Grrichtssaal.

Darmstadt, 8. April. Ein heute vor der Strafkammer t verhandelter Fall unerlaubter Ausspielung zeigt, daß die. bezügl. Bestimmungen immer noch nicht genügend bekannt sind. Ade öffentlich veranstaltete Ausspielung bedarf nach § 286 des Strafgesetzbuchs obrigkeitlicher Erlaubnis und ist, falls der Betrag der Lose 100 Mk. übersteigt, nach dem Reichsstempelgesetz von 1900 auch stempelpflichtig. Tie von Vereinen öfters bet Festlichkeiten veranstalteten Ausspielungen, auch Tombolas, fallen fast stets unter- den Begrifföffentlich", also auch unter die fraglichen Bestimmungen,, wenn sie nicht blos auf die Mitglieder beschränkt sind. Der Vor- tand eines hiesigen Gesangvereins hatte bei seiner Weihnachts­bescherung, zu der jedermann gegen Entree Zutritt hatte, ohne Er­laubnis eme Tombola mit 560 Losen ä 20 Pfg. gehalten. Jedes der zwölf Vorstandsmitglieder wurde deshalb zu der Mindeststrafe von 3 Mk. event. 1 Tag Gefängnis verurteilt.

Berlin, 9. April. Wegen eines P i st o l e n z w e i k a m p f e s,, der vor einiger Zeit im Grünewald ausgewchten wurde, wurde' ein Mediziner F. von der Kaiser Wilhelms-Akademie zu drei Monaten Festungshaft verurteilt. Sein Gegner war ein Re­ferendar. Dieser kam eines Tages mit mehreren Bekannten in« denStrammen Hund", eine Kellerwtrtschaft, die vielfach oon jungen, Akademikern besucht wird, und hänselte den Mediziner, Den Erbsensuppe mit Schweinsohren verzehrte. Der Mediziner er­widerte, und in dem sich entspinnenden Streit ohrfeigte ibn ber Referendar. Die Folge war, daß der Mediziner ihn auf Pistolen orderte. Bei dem Zweikampf erhielt der Beleidigte einen Schuß n die B r u st. Die Verwundung ivar so schwer, daß der Ge­troffene 6 Wochen im Garnisonlazarett liegen mußte. Als er dann vollständig geheilt war, wurde er vor ein Militärgericht gestellt und zu 3 Monaten Festung verurteilt. Vorgestern trat er die Strafe in Weichselmünde an. Gegen den Referendar, der bei einem hiesigen Korps belegt hatte, ist vor dem bürgerlichen Strafgericht noch nicht verhaiidelt worden.

Verfälschung von Fleisch. Eine für die weitesten Kreise interessante Entscheiduiig über Verfälschung von Fleisch hat foeben das Reichsgericht nach einer Mitteilung der ZeitschriftDas Recht" gefällt, indem es beit Grundsatz cmssprach, daß Verfälschung eines Nahrungsmittels auch dadurch begangen werden kann, dan ihm der S ch e i n einer besser enBeschaffenhett bei» gelegt wird, z. B. durch Zusetzen von schwefligsaurem Natron zu Hackfleisch, um beit hellroten Farbstoff des Blutes länger zu er­hallen, als dies ohne den Zusatz der Fall sein würde. Die in Be-^ jug genommenen gesetzlichen Vorschriften bezwecken den Schutz des Verkehrs mit Nahrungsmitteln vor Täuschung, ohne daß es darauf ankommt, ob mit einer solchen Täuschung zugleich durch Minderung des Nähr- ober Genußwertes eine Vermögensbeschäbigung bewickt wird. Der Mehr- oder Minderwert eines Nahrungsmittels bemißt ich nicht allein vom physiologisch-chemischen Standpunkt aus, viel­mehr sind dafür wesentlich Rücksichten des Verkehrs maßgebend, und wird dieser Wert durch die mehr ober minder berechtigte Auf- assung des in Betracht kommenden Konsumentenkreises beeinflußt.

reuther auf getrenntes Ab stimm en zur Abstimmung bringt, beginnen dieAlldeutscheneinenohrenbetäuben- den anhaltenden Lärm und schlagen mit Eisen st äben,Büchern rc. auf die Pultdeckel, pfeifen und lärmen ununterbrochen. Sobald der Präsident die Glocke schwingt, um sich Gehör zu verschaffen, beginnt der Lärm aufs Neue. Die anderen Parteien ver­halten sich ruhig. Tie Szene dauert etwa zehn Minuten. Da hierauf der Präsident unter anhaltendem ohren­betäubendem Lärm über die nicht strittigen Reso­lutionen abstimmen läßt, protestieren nicht nur die All­deutschen, sondern auch die Teutschsortschrittler und die deutsche Volkspartei durch Zurufe gegen dieses Vorgehen. Einige Alldeutsche springen auf die Präsiden­tentribüne. Der Abg. Jro er greift die Präsi­dentenglocke und schlägt damit nnunter - b r och en auf d en Präsid enten tisch Plötzlich ent­gleitet ihm die Glocke und fällt, dicht am Kopfe des Präsidenten vorbeifliegend, zu Boden. Der Lärm dauert fort. Einzelne Partei­führer begeben sich zum Präsidenten und besprechen sich mit demselben. Auch innerhalb der einzelnen Gruppen wird die. Lage lebhaft besprochen. Da der Lärm fortdauert, verläßt der Präsident den Saal, nachdem er erklärt hat, daß die Sitzung aus eine halbe Stunde unterbrochen sei.

Tie Sitzung wurde um 5 Uhr 45 Min. wieder auf­genommen. Ter Präsident teilte mit, daß er die Verhand­lungen infolge der vorgerückten Stunde abbreche. Abg. Bareuther gab eine Erklärung ab, in welcher er neuerlich wiederholte, daß die Alldeutschen durch das Abgehen des Präsidenten von der üblichen Gepflogenheit, getrennte Ab­stimmung zuzulassen, gezwungen gewesen wären, zugleich mit der Abstimmung zu Gunsten der deutschen Staats­gewerbeschule für die Errichtung einer tschechischen Staats­gewerbeschule zu stimmen. Solange der PostenCilli" in deni Budget enthalten sei, würden die Alldeutschen niemals für die Errichtung einer tschechischen Anstalt stim­men. Das Vorgehen des Präsidenten habe daher die All­deutschen mit tiefster Empörung erfüllen müssen. So scharf nun auch die Form der Abwehr gewesen sei, so habe sich diese doch nicht gegen die Person des Präsidenten gerichtet. Darauf wurde die Sitzung geschlossen.

Preußisches Abgeordnetenhaus.

(Sitzung vom 9. April 1902.)

Nachdem der Präsident v. Kröcher dem verstorbenen Abg. Dr. Lieber einen ehrenden Nachruf gewidmet, tritt das Haus in die Beratung der Eisenbahnvorlage ein. In einstündiger Rede legt der E i s e n b a h n m i n i st e r den Etat vor. Die Krisis des Jahres 1901, die zu einem Mind er er tr ag von 80 Millionen Mark gegen­über dem Voranschläge geführt habe, zeige, daß unsere Eisenbahneinnahmen nicht unter allen Umständen als sicher anzusehen seien. Daher sei bei den Ausgaben große Vorsicht geboten. Trotz der Mindereinnahmen werde aber die Verwaltung ihre Baukredite voll ausnützen, um dem Wirtschaftsleben einen neuen Anstrich zu geben. Seiner persönlichen Ueberzeugung nach würden die a n g e s e tz t e n Einnahmen nicht erreicht werden, die Aus­gaben aberauch nicht. Das mache ihm keine Sorgen. Man werde auch über das Thal Hinwegkommen. (Beifall.)

Abg. Macco (natl.) wünscht andere Regelung des Ver­hältnisses der Eisenbahnverwaltung zum Finanzministerium, vielleicht auf dem Wege jährlicher fester Abgaben und be­mängelt, daß sich die Verwaltung zu sehr durch Juristen ftatt durch die praktisch erfahrenen Techniker leiten lasse.

Minister von Thielen entgegnet, an eine solche sei beamten in Schutz. Dieselben würden in besonderen Vor­lesungen schon auf der Universität vorgebildet und für ihre Brauchbarkeit spreche, daß die Privatindustrie gerade aus ihnen mit Vorliebe ihre leitenden Kräfte nehme.

Abg. Gamp (freik.) verlangt weitere radikale Ver­billigung der P e r f o n e n t a r i f e.

Minister von Thielen entgegnet, an eine soleche sei nicht zu denken. Was die UnfallVerhältnisse bei den Dahnen betreffe, so sei die Zahl der Fälle nicht gestiegen, obwohl der Verkehr sich ganz bedeutend gesteigert habe.

Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben führte aus, daß für eine Ermäßigung des Personentarifes, für die eine Reihe von Abgeordneten ein getreten fei, kein -An laß vorliege. Die Frage der Herabsetzung der Gütertarife zu prüfen, behalte er sich von Fall zu Fall vor.

Um 41/4 Uhr wurde die Beratung abgebrochen und die Fortsetzung auf morgen vertagt. Um den Etat bis zum 19. fertig zu stellen, sind Abendsitzungen in Aussicht ge­nommen.

Tie Mindereinnahme beträgt 3 5 Millionen gegen das Vorjahr. Ties Ergebnis steht in der Geschichte der letzten zwei Jahrzehnte ohne Beispiel da. Herr v. Thielen sprach zwar die zuversichtliche Hoffnung aus, daß die De­pression überwunden werde, aber nur mit der äußersten Vorsicht in Bezug auf alle nicht unbedingt notwendigen Ausgaben. Von Tarifermäßigungen darf also leider bis auf weiteres feine Rede sein! Bemerkenswert ist, daß die Pointe der Ausführungen, die Darlegung über den voraus­sichtlichen Minderertrag von 35 Millionen bereits in einer Auseinandersetzung derBerl. Pol. Nachir." enthalten war. Der Gedankengang war ein ähnlicher wie in der Rede des Herrn von Thielen. Demnach scheint das einstige Organ Miquels nunmehr den Anschluß an Herrn von Tbielen ge­sunden zu haben.

Dem preußischen Landtag ist ein Entwurf zur Abände­rung des Handelskammergesetzes zugegangen so­wie ein Gesetzentwurf betreffend die Erweiterung des Ruhr- orter Hafens.

Oesterreichisches Abgeordnetenhaus.

Wien, 9. April.

Tas Abgeordnetenhaus hatte heute wieder eine Sturm sz en e s chlimmster Art und zwar bei der Abstimm­ung über die Resolution betr. die Errichtung einer czechi- fchen Staatsgewerbeschule in Budweis, Abg. Bareuther beantragt die Einschiebung des Wortes bmtsch vorGe­werbeschule". Abg. Ploj (Slovene) beantragt einen Zusatz- antrag auf Errichtung einer tschechischen Staatsgewerbe- fchulc in einer geeigneten tschechischen Stadt des Budweiser Hanvelskammerbezirks und einer deutschen Staatsgewerbe- fchule in einer geeigneten Stadt des' Egerer Kamm erb ezirks. Kreuther beantragt namentliche, getrennte Abstimmung über den Antrag Ploj. Der Präsident erklärt, er könne Dem Antrag Bareuther auf getrennte Abstimmung nicht vertreten und werde das Haus befragen. (Lärmende .ßroteftc auf Seiten der Alldeutschen.) Die abgg. üer](i)ntta unb Bareuther erheben gegen die Auf- fasfung des Präsidenten Einspruch und verlangen qe- tramtt Abstimmung. Als der Präsident den Antrag Ba-