— 6) Die Zahl der verstorbenen Evangelischen betrug 13,910 (12,686), die Zahl der kirchlichen Beerdigungen 11,630, die Zahl der nach Herkommen still beerdigten Kinder 2093. Hiernach betrug die Zahl der unter Mitwirkung eines evang. Geistlichen beerdigten Personen in Prozenten aller Verstorbenen bei Abzug der nach Herkommen still beerdigten Kinder 98,4. — 7) Ehescheidungen kamen 67 (72) vor und zwar von rein evang. Ehen 44 (50), von Mischehen 23 (22). Unter letzteren waren 9 (15) solche, bei welchen der Mann und 14 (7), bei welchen die Frau evangelisch war.
** Audienzen. Ter Großherzog empfing u. a. am 9. April den Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Inspektor Z im - m ermann von der Großh. Hess. Betriebs-Inspektion zu Gießen, den Steueraufseher Fink vom Hauptsteueramt äu Gießen, den Finanzamtmann Schudt von Gießen, den Bürgermeister Sandmann, sowie die Beigeordneten Hi eronimus und Damm von Friedberg.
** Ernennungen. Ernannt wurde der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Herbstein Lepper zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Butzbach und der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Alsfeld Lein zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtsfitze zu Herbstein, beide mit Wirkung vom 1. Mai an. — Der Großherzog hat den Forstassistent Lautenschläger zu Gießen zum Oberförster der Oberförsterei Storndorf, den Forstassistent Schwörer zu Lich zum Oberförster der Oberförsterei Lich, den Forstassessor Groos aus Homberg a. d. Ohm und den Forstassessor Dr audt aus Konradsdorf zu Forstassistenten ernannt.
** Das Regierungsblatt Nr. 19 enthält: 1. Verordnung, die Abänderung der Verordnung von: 9. September 1879 über die Tagegelder, Reisekosten und Umzugskosten der Zivilbeamten betreffend. 2. Verordnung, die Bildung der Schöffengerichte bei der Neucrrichtung von Amtsgerichten betreffend. 3. Bekanntmachung, die Ausgabe von Schuldverschreibungen auf den Inhaber durch die Stadt Friedberg betreffend. 4. Bekanntmachung, Abänderung des Statuts für die Handwerkskammer zu Darmstadt betreffend. 5. Bekanntmachung, die Errichtung eines Amtsgerichts in Bensheim betreffend. 6. Bekanntmachung, das Statut für die Fürstlich Lciningische Stammgutskuratel betreffend. 7. Bekanntmachung, den Verkehr mit übergangssleucrpflichtigen Gegenständen, insbesondere die Befugnisse der Großh. Ortseinnehmerei Neckar- Steinach betreffend.
* Postanweisungen. Bekanntlich können den Land brief- träge rn unterwegs außer gewöhnlichen Briefsendungen und Telegrammen auch Postanweisungen, gewöhnliche und eingeschriebene Packcte, Briefe und Packete mit Wertangabe, sowie Briefe und Packete mit Nachnahme zur Einlieferung bei der Postanstalt mitgegeben werden. Auch die Posthilfs- ftellen-Jnhaber nehmen Sendungen zur Weitergabe an den Landbriefträger an, doch gehört die Annahme von Einschreibund Wertsendungen, sowie von Postanweisungen nicht zu den Verpflichtungen des Hilfsstellen-Jnhabers und die Nicder- legung dieser Sendungen bei der Posthilfsstelle ist lediglich Vertrauenssache der Absender gegenüber dem Posthilfsstellen- Jnhaber. Die Haftpflicht der Postverwaltung beginnt erst mit erfolgter Ablieferung der Sendungen an den Landbriefträger. Der Landbriefträger sowohl, wie der Hilfsstellen- inhaber führen jeder ein Einnahmebuch, in welches sie die angenommenen Gegenstände einzutragen haben. Da zu diesen Eintragungen indessen auch der Aufgeber selbst berechtigt ist, so kann dem Publikum nur empfohlen werden, die den Landbriefträgern mitzugebenden oder bei den Posthilfsstellen niederzulegenden Postanweisungsbeträge, Wertsendungen rc. thunlichst eigenhändig in das Annahmebuch des Landbriefträgers oder der Posthilfsstelle einzutragen oder wenigstens sich von der Buchung durch den Landbriefträger oder Posthilfsstellen-Jnhaber zu überzeugen. Hierauf wird das Publikum in seinem eigenen Interesse ganz besonders hingewiesen.
** E i ne P e r s o n e n t a r i f ä n d e r u n g, die für zahlreiche Reisende von Interesse ist, und wohl auch als Folge der Verlängerung der Giltigkeitsdauer der RücksahrLarten angesehen werden kann, ist am 1. April auf den deutschen Eisenbahnen in Kraft getreten. Die bisher im Interesse der öffentlichen Krankenpflege gewährten Fahrpreisermäßigungen bestanden darin, daß bei Benutzung der zweiten Klasse der Preis einer Fahrkarte dritter Klasse und bei Benutzung der dritten Klasse der frühere Militärsahptärten-Preis -(iy2 Pfennig für das Kilometer) erhoben wurde. Die gleiche Ermäßigung wurde auch für Ausflüge zu wissenschaftlichen und belehrenden Zwecken gewährt, die von Studierenden
10. Mai trat in Frankfurt das aus der Mitte der Käiser- partei hcrvorgegangene Reichsministerium Gagern zurück, und das neue Ministerium Grävell geriet sofort mit dem Parlament in offenen Konflikt.
Es nahte das Ende des großen Dramas von 1848/49. Die Gemäßigten schieden in immer größerer Zahl aus dem Frankfurter Parlament aus. Der radikale Rest verlegte am 30. Mai seinen Sitz nach Stuttgart, erklärte die Vollmacht des Reichsverwesers für erloschen und setzte eine Reichs-Regentschaft von 5 Männern ein, unter denen sich bekanntlich auch unser hochbegabter Karl Vogt befand. Am 18. Juni 1849 sah sich der württembergische Minister Römer genötigt, die ferneren Sitzungen zu verbieten. Das war das Ende des ersten deutschen Parlaments.
— 80 Spiet- und Kinderlieber von Marianne Naveau. (Tangers Taschen-Album, Band 17. Mk. 1.—) Dieses Bändchen enthält Lieder für verschiedene Jahreszeiten, Weihnachtslieder, Marschierlieder, Nachahmespiele, Bewegungsspiele für die Kleinsten, 2 Ballspiele, 4 Finger- und Gliederspiele, Salonlieder u. dergl. m. Diese Sammlung stellt eine wertvolle Bereicherung der Kinder- gartenlitteratur dar. Auch Eltern und Erzieher wissen, wie schwer das kleine Völkchen zufrieden zu stellen ist und wie es immer nach etwas Neuem verlangt.
— Das 7. deutsche Sängerfcst. Der Sängerbund und die Sängervereinigung von Frankfurt a. M. werden die deutsche Sängerschaft einladen, das 7. deutsche Sängersest, das frühestens 1906 stattfinden kann, in Frankfurt a. M. abzuhalten. Auf besonderes Ansuchen hin hat sich der Magistrat dieser Stadt bereit erklärt, dem Ersuchen im vollem Umfange zu entsprechen und die Finai^ierung des 7. deutschen SängerfesteS zu sichern. Man darf Leshalb seh«n mit Gewißheit «nnehmen, das; den Sangertagen von Graz, die für dieses Jahr bevorftehen, zweifellos die von Frankfurt a. M. folgen werden.
—' Sie tiflicagoct „D«il» Ken«" erklären, die deutsche Äc- ,gierung kaufte ein Patent für einen Delephonumschalter, /welcher eine bedeutende Personalverringerung ermöglicht.
akademischer Anstalten sowie von Schülern von Fachschulen unter Leitung von Lehrern unternommen wurden. Bei Benutzung der 'ritten Klasse wurden zu dem Satze von li/2 Pfennig pro Kilometer auch mittellose Kranke, Blinde, Taubstumme und Waisen befördert, und dieser Preis auch der Berechnung des Fahrgeldes für Schulfahrten uni) Ferienkolonien zu Grunde gelegt. In allen diesen fallen wird nun vom 1. April die Hälfte des Fahr preis es der Einzelreise- oder Rückfahrkarten erhoben, und den Reisenden werden halbe Fahrkarten (Kindersahrkarten) übergeben. Bei den Schulfahrten und Ferienkolonien werden allerdings Beförderungsscheine ausgefertigt. Diese Tarifänderung zieht eine Erhöhung des Fahrpreises gegenüber dem bisherigen Verfahren nach sich, sofern nur Einzelreisefahrkarten dritter Klasse benutzt werden können. Denn für diese beträgt der Preis pro Kilometer bekanntlich bei Personenzügen 4 Pfg., also der halbe Preis 2 Pfg., während bisher iy2 Pfennig erhoben worden sind. Bei Benutzung von Rückfahrkarten tritt dagegen eine Preisänderung ein, da die Hälfte des tarifmäßigen Preises 3 Pfg. beträgt, sodaß die einzelne Fahrt je IV2 Pfennig pro Kilometer Lostet. Eine nicht unerhebliche Ermäßigung gegen früher zeigt sich aber bei der Benutzung der zweiten Klaffe. Bei der Einzel- reife beträgt der ermäßigte Preis jetzt 3, früher 4,Pfg., bei der Hin- und Rückfahrt dagegen 4y2 Pfg. gegen früher 6 Pfg. für das Kilometer. Bei der jetzigen langen Giltig- keitsdauer der Rückfahrkarten werden einfache Fahrkarten wohl nur in sehr seltenen Fällen für Reisen oben bezeich-- netcr Art benutzt werden. Die zugestandene Fahrpreisermäßigung ist auch ausgedehnt aus Mitglieder der Krankenkassen im Sinne der reichsgesetzlichen Besttmmungen über die Krankenversicherung, der Arbeiter und von Knappschasts- krankenkassen, die von diesen Kassen in Heilanstakten oder nach Erholungsorten oder zur ambulatorischen Behandlung in öffentlichen Kliniken oder öffentlichen Krankenhäusern entsandt werden.
** Sin direkten Staats steuern ist, mit Ausnahme der vom Kondominat Kürnbach zu zahlenden ständigen Steuern im Betrage von 186 Mk., für das Etatsjahr 1902/03 insgesamt der Betrag von 11511224,25 Mk. veranlagt worden, und zwar an Vermögenssteuer 3 050 208,75 Mk., an Einkommensteuer 8 461015,50 Mk. Auf die drei Provinzen entfallen: Starkenburg 1 145 641,50 Mk. Vermögens- und 3 559 735 Mk. Einkommensteuer, zusammen 4 /05 376,50 Mk.; Ober Hessen 752 683,50 Mk. Vermögens- und 1 438 951,50 Mk. Einkommensteuer, zusammen 2191635 Mk.; Rheinhessen 1 151883,75 Mk. Vermögens- und 3 462329 Mk. Einkommensteuer. Von den einzelnen Steuerkommissariateu haben die höchsten Beträge zu verzeichnen: bei der Vermögenssteuer Darmstadt 1 372195 Mk., Mainz I 358322,25 Mk., Worms 210141 Mk., Offenbach 198 439,50 Mk., Friedberg 168856,50 Mk., Gießen 135678 Mk. und Bingen 126143,25 Mk. Ten höchsten Ertrag an Einkommensteuer weisen auf die Steuerkommifsariate i>NoiinH I mit 1 738 260 Mark, Darmstadt I 1313125 Mk., Offenbach 994 444 Mk., Worms 662 686 Mk., Gpeßen 436453 Mk., Friedberg 359 972 Mk., Bingen 250 048,50 Mk. und Groß-Gerau 208424,50 Mk. Ter Gesamtsteuerertrag stellt sich im Steuerkommissariatsbezirk Mainz I auf 2 096 582,25 Mk., Darmstadt I 1685 320 Mk., Offenbach 1192 883,50 Mark, Worms 872 827 Mk., Gießen 572131 Mk., Friedberg 528828,50 Mk. und Bingen 376 191,75 Mark..
** Die Delegierten-Versammlung des Vereinsbundes Deutscher Zahnärzte, hie am 1. und 2. April in Berlin tagte, beschloß einstimmig die Gründung einer Zentralhilfskasse Deutscher Zahnärzte. Die bestehende Witwenkasse und Waisenkasse, sowie die kürzlich begründete Sterbekasse des Vereinsbundes Deutscher Zahnärzte treten als Unterabteilungen in die Zentralhilfskasse em, deren Sitz T ar m stad t sein wird.
() Lollar, 9. April. Tie B a u t h ä t i g k e i t wird in unserem Orte auch in diesem Jahre wieder rege sein; mehrere Neubauten find bereits in Angriff genommen. Mit anderen wird demnächst begonnen werden. Auch ein früherer Plan, von dem man jedoch in dm letzten Jahren nur wenig gehört hat, ist wieder ausgenommen worden: nämlich die Anlage einer Wasserleitung. — Bei den hier bestehenden schlechten Wasserverhältnissen dürfte dieses Projekt, wenn es endlich zur Ausführung käme, in unserer Gemeinde großen Beifall finden. Die Kosten für die erforderlichen Vorarbeiten sind seitens unserer Gemeindeverwaltung bereits bewilligt worden.
)(Aus dem Lumdathal, 8. April. Ter Termin zur Eröffnung der Bahnstrecke Lollar-Londorf ist vom 1. Mai auf den 1. Juni verschoben worden. Tie Züge der Nebenbahn sollen nach dem Entwurf des Fahrplanes über Lollar bis nach Gießen gehen; nur der e rste Zug, welcher von den Arbeitern benutzt werden könnte, soll leider in Lollar liegen bleiben. Für den Personenverkehr wäre es zu wünschen, daß in dem unteren Teile unseres Thales mehr Züge verkehrten als in dem oberen.
f Grebenhain, 8. April. Ein Landwirt aus Bannerod wollte gestern einige Stämme Holz nafchs dem Darnpf- fägewerk I. LUppes II. in Bermuthshain fahren. Oberhalb Bermuthshains kam an einer ziemlich steilen Stelle der Wagen ins Rollen. Die Schere brach ab und das Pferd war nicht mehr im stände, den Wagen zu halten. Der Wagen neigte sich auf die rechte Seite und erfaßte einen Straßenbaum : das rechte Vorderrad zerbpach, der Wagen wurde seitwärts auf die Wiesen zu gestoßen und das Pferd stürzte neben den Waagen. Nur mit Mühe konnte das Pferd aus seiner Lage befreit werden, nachdem das Geschirr zerschnitten war. Glücklicherweise ist das Pferd wie auch der Fuhrmann unversehrt davon gekommen.
Salzschlirf, 9. April. Hier wurde in 310 Meter Tiefe eine neue Heilquelle erbohrt. Tas Wasser enthält ca. 5 Prozent Salze und übertrifft an Kohlensäuregehalt das des Bonifaziusbrunnens etwa um das Vierfache.
Büdingen, 9. April. Am Sonntag sand hier eine Versammlung des Oberhes fischen Obstbauvereins statt. Tas Vereinsmitglied Hofbuchhändler Hrch. Eberling- Büdingen sprach über die Frage: „Welche Obstsorten sind für Büdingen und Umgegend zur Anpflanzung zu em- vfeylen". Bei der Diskussion hielt man es für angezeigt. Die als Mirtschaftsobst in Betracht kommenden Aepselsorten festzustellen. Nach eingehender Besprechung gelangte die Versammlung zu folgendem Ergebnis: In Büdingen und Umgebung gedeihen in jeder Lage gleich gut: Schafsnase, Boikenapfel und Luykeuapsel. Letztere Sorte ist aber um deswillen wenig rentabel, weil sie erst spät zu tragen an- fä-ngt. Der große Rheinische Bohnapfel und Der rote Eierapfel ist für unsere, Gegend eine vorzügliche Wirtschafts- sruchl. Während diese beiden Sorten sich hauptsächlich zur Anpflanzung auf der Nord feite empfehlen, ist der purpur
rote Cousmot für Südlage vorzuziehen. Für rauhe Höhenlage ist der rote Trierische Weinapfel besonders geeignet Zum Veredeln auf ältere Bäume haben sich die große Casseler Reinette und der rote Winter-Kronenapfel bewährt.
Darmstadt, 9. April. Der Großherzog und PriMl und Prinzessin Heinrich von Preußen begaben sich, einer Einladung des Frhrn. Hehl zu Herrnsheim folgend, um 12 Uhr 10 Min. mittags mit Sonderzug nach Worms und kehrten um 6 Uhr 10 Min. abends hierher mit Sonderzug wieder zurück. In ihrer Begleitung befinden sich: Kapitänleutnant v. Egidy, Hofdame Frl. v. Plänckner, Oberstallmeister Frhr. v. Riedesel Exz., der funktionierende Generaladjutant Oberst v. Wachter.
T a r m st a d t, 9. April. Dem „D. T. 2L" wird auS Chicago gemeldet: In der Waffenhalle des 1. Regiments, in der am 3. März die Feier zu Ehren des Prinzen Heinrich stattfand, wurde gestern die von dem Prinzen Luitpold von Bayern gestiftete Fahne des Bayerisch-amerikanischen Vereins feierlich geweiht. Bei der Feier waren etwa 6000 Deutsche anwesend. Das Podium war mit den Fahnen aller deutschen Vereine geschmückt, unter denen sich auch die Fahne des Kriegervereins, ein Geschenk des Kaisers Wilhelm L, die von Kaiser Wilhelm II. geschenkte Fahne des Zentralverbandes der Militär vereine und die von dem Großherzog von Hessen dem Verein der Hessen zum Geschenk gemachte Fahne befanden. Die neue Fahne wurde von dem deutschen Konsul überreicht, der ein Hoch auf den Präsidenten Roosevelt ausbrachte.
Darmstadt, 9. April. Dieselbe Wohlthaterin, welche kürzlich dem Hoftheatersingchor eine Stiftung von 10 000 Mark spendete, hat neuerdings der Pensions- Anstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller den Betrag von 2000 Mark gespendet.
Boppard, 8. April. Ein schreckliches Nach en - un glück ereignete sich hier. Zwei junge Leute, 18 und 16 Jahre alt, Söhne des Wirtes H ö h l e r auf dem „Wart- tnrm" dahier, die in Coblenz in Stellung sind, unternahmen am Sonntag eine Kahnfahrt von Boppard nach Camp. Des Fahrens unkundig, und ohne Nachenführer, schlug der Kahn um sind beide Insassen ertranken. Die beiden Verunglückten wurden am Sonntag zum Besuche bei ihren Eltern erwartet.
** Kleine Mitteilungen aus Hesien und den Nachbarstaaten. Tie Stadt Darmstaot hat eine gemeinsame Statistik aller ihrer Krankenkassen für den 1. Diärz aufgestellt. Hanau beabsichtigt fortan ein gleiches zu thun. — In Mainz wurde ein Artillerist, dessen Pferde scheuten, abgeworfen und überfahren. Schwerverletzt wurde er ins Lazarett geschafft, wo er alsbald starb. — In Griesheim a. M. stürzte sich die in den 30 er Jahren stehende Ehefrau des Kassenboten Mohr aus dem Fenster chrer im 2. Stock telegenen Wohnung und starb alsbald an den Folgen. Sie soll an der Schwindsucht gelitten haben. In Zwingenberg suchte und sand die Ehefrau des dortigen Apothekers . O. Sonntag abend, offenbar im Zustand geistiger Umnachtung, den Tod durch Ertränken in einer Wassergrube in der Nähe des Städtchens. Der tragische Tod seiner Frau ging dem in den 70 er Jahren stehenden Gatten so zu Herzen, daß er sich am Montag nachmittag in der Verzweiflung erschoß. — In Bad Soden (Taunus) wird am Pfingstdienstage der Mittelrhei-, nische Aerztetag abgehalten werden.
Vermischtes.
* Kaiser Wilhelm und die Fremdwörter. Ein Kaiserwort macht zur Zeit in Künstlerkreisen die Runde, das geeignet ist, auch weitere Kreise zu interessieren. Kaiser Wilhelm fragte vor kurzem einen Maler, wie ihm die Ausführung seiner Bilder in einem größeren Prachtwerke gefiele.; „Die Reproduktionen sind, glaube ich, sehr gut, Majestät"' antworte der Künstler, worauf der Kaiser unmittelbar fragte:! „Warum sagen Sie nicht Wiedergabe?" Diese Frage soll bereits vielfach ihre Wirkung gethan haben.
* Anekdotisches aus Alt-Frankfurt. Als im\ Jahre 1833 am 3. April die Studenten die Haupt- und Konstablerwache stürmten, besetzten nach deren Wiedereroberung abwechselnd preußische, österreichische, Frankfurter Linientruppen und Stadtwehr die Hauptwache. Die beiden erstgenannten Truppenteile waren vom Bundestag von Mainz her beordert worden. Am Sylvestertag 1833 hatte die Stadtwehr mit einem Leutnant die Hauptwache bezogen. Abends um 7 Uhr brachte eine Patrouille ein „verdächtiges" Individuum. Der Leutnant befahl, ihn auf die Pritsche im Innern der Hauptmacht zu setzen und zog sich in den „Pariser Hof" zurück, um seinen Schoppen zu trinken und sein Spielchen zu machen, nicht ohne seinem Feldwebel eingeschärft zu haben, auf das verdächtige Jndividuuni ja Acht zu geben., Um Mitternacht kommt der Leutnant herüber aus dem „Pariser Hof" zurück. „Prosit Neujahr!" sagte er, und dann: „Wo ist denn der Kerl?" — „Denke Se an, Herr Leutnant, nier hawwe uns, weil's doch Neujohr is, Punsch gemacht, Hamme dem auch zu trinke geiue, gutmütig, wie mer is, und als des Oos e Bisse in'n Kopp krieht Hot, Hot er angefange, uf Frankfurt zu raisonnieren. Da Ham roe mer'n aber genomme und hoben ihn 'nausgeschmisse!" Die punsch- seligen Bürgermehrlcute hatten nämlich vergessen, daß sie auf der Hauptwache waren, sie dünkten sich im Wirtshaus. — Von einem Herrn namens P . . ., der an der Börse thätig war, erzählt man sich folgende Geschichte: Als P . . ., der viele Reisen machte, einst von einem längeren Aufenthalte in München zurückkehrte, fragte ihn ein Bekannter im Laufe des Gesprächs:
„Warst Du auch oft in der Pinakothek?"
„O, ja."
„Und in der Glyptothek?"
„Aach."
„Was hat Dir da eigentlich besser gefallen?"
„No, ich glaab, wenn ich mich recht entsinn, so hat's des besser Bier in der erste Thek (im Frankfurter Dialekt soviel wie Ladentisch) geroroe, die De genannt hast, und bic bessere Würscht in der anner ..."
(„Frankfurter Zeitung".)
* Ter Gatten Mörder Beck, der sich bekanntlich durch Selbstmord seinen irdischen Richtern entzog, hat aus Frankfurt a. M. an die „K. Hart. Ztg." folgendes Schreiben gesandt: „Zeitungsnotizen, die ich heute las, und die sich zum Teil auf dortige Quellen beziehen, veranlassen mich, an Sie diese Zeilen zu richten: Mit diesem geht ein genauer Bericht über die Veranlassung zu meiner That und Über beten Verlauf an die dortige Staatsanwaltschaft ab. Ich habe gebeten, daß der Bericht unver-sehri -erössentlicht wird, was sicher durch Ihre


