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10.4.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 83

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Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem kesflschen Landwirt die Siebener Familien« blätter viermal in der Woche beigelegt.

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Erstes Blatt.

153. Jahrgang

Donnerstag 10.2lpril 1903

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger v **

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bezugspreis: monatlich 75 Ps., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch, Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch! diePost Mk.2. viertelt jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr.^ Zeilenpreis: lokal 12 Pf, auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich: für den pol,!, u. allgem. Teil: P. Witiko- für .Stadt und L'anb* und Gerichtssaal': R.Dttt» mann; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

Politische Tagesschau.

Die Zolltarif-Kommission

des Reichstages beriet gestern zunächst die Position 47: Obst getrocknet oder gedörrt 5 bis 10 Mark. Die Regierungsvorlage mit einem vom Abg. Spohn ein- gebrachten Anträge geht dahin, für Aepfel und Birnen einen Zoll von 10 Mark, für Pflaumen unverpackt einen solchen gleichfalls 10 Mark, verpackt 15 Mart $u erheben. Tie Sozialdemokraten beantragen Zollfreihert. Tr. Müller-Sagan beantragt durchweg einen Satz von 4 Mk. v. Wangen he im beantragt für Aepfel, Birnen 15 Mk., Aprikosen 40, unverpackte Pflaumen 15, in anderer Ver­packung 25; er begründet seinen Antrag und verweist auf die Gefahr der amerikanischen Einfuhr. Antrick (Soz.) führt aus, Backobst sei ein Volksgenustartikel, man solle dasselbe nicht verteuern. Ministerialdirektor We r - m u t h hebt hervor, das konservierte Obst spiele bei den Handelsvertragsverhaudlungen eine Rolle. Serbien, Un­garn, Amerika seien <m dessen Einfuhr hervorragend be­teiligt. Er bitte den Antrag auf Zollfreiheit, und die über die Vorlage hinausgehenden Anträge abzulehnen. Ge­heimrat Blau führt aus, die Zollsäste der Vorlage ent­sprechen den Beratungen und Wünschen des wirtschaft­lichen Ausschusses, und seien nach gründlicher Prüfung ge­wählt. Müller-Sagan führt aus, ein so wichtiges Er­nährungsmittel wie Backobst, dürfe nicht verteuert werden. Tirektor We rmut warnt, zu hohe Zollsäste nach Art des autonomen Zolltarifs einzusetzen. Spahn empsliehlt feinen Antrag. Schrader sagt, Backobst sei ein Volts- oenußmittel, man möaf es bet den bisherigen Zollsätzen belassen. Graf Oriola befürchtet, daß die Verwertung des deutschen Obstes durch die ausländische Konkurrenz lahm gelegt werde. Nach einer Bemerkung Molkenbuhrs wird die Erörterung geschlossen. Bei ber Abstimmung werden die Anträge Antrick, Müller, Wangenheim abgelehnt, der Antrag Spahn wird angenommen. Position 47 demnach wie jolgt genehmigt: Aepfel, Birnen 10 Mk., Aprikosen, Pfirsiche 10 Mk., Pflaumen aller Art unverpackt 10, verpackt 15, anders getrocknetes, gedörrtes 8 Mk.

Tie Kommission nahm sodann Position 60 an, welche für Kaffee und auf Kaffeeschalen, roh, einen Zoll von 40 Mark; gebrannt, geröstet oder gemahlen einen solchen von 60 Marl feslsetzt. Dr. Mülle r-Meiningen beantragt, die beiden Zollsätze je um 10 Mark herabzusetzen, die Sozialdemokraten beantragen Zollfreiheit. In der De­batte bittet Unterstaatssekretär Fischer um Ablehnung der Anträge. Das Reich könne nicht auf die Erträge des Kafseeozlles verzichten. Gras Kan ist bemerkt, man solle den Kasfeezoll als Kampfzolt gegen Brasilien und Guate­mala benutzen. Gras Posadowsky betont, der Kaffee- Preis sei seit 1891 um fast zwei Drittel herabgegangen. Schon deshalb liege kein Grund zur Ermäßigung des Kasseezolles vor, der mit einer Einnahme von 65 Mill, die dritte Stelle in äußeren Finanzzöllen einnehme. Schrader beantragt, die Zölle für ftajfee und dessen Ersatzstoffe, Kakao, Kakaoschalen und Thee jährlich durch den Reichshaushaltsetat festzusesten. Darauf wird die Re­gierungsvorlage angenommen. Position 61, fest­setzend für Cichorien 10 Mk., für andere Kaffeeersatz- stofse 40, wird nach der Regierungsvorlage angenommen. Position 62 wird entsprechend dem Anträge Müller-Mein­ingen angenommen. Sie setzt für Kakao roh in Bohnen, auch Bruch 20, für gebrannten, gerösteten, ungeschälte Boynen 35 Mark fest. Position 64 fordert für Thee einen Zoll von 100 Akark. Staatssekretär Thielmann spricht

sich gegen die Herabsetzung des Theezolles aus. Bei der Abstimmung wird ein Antrag Paasche-Kar do r ff, 25 Mark angenommen.

Einer parlamentarifchen Korrespondenz zufolge glaubt man in den Kreisen der Zolltarifkommission, daß die Be­ratungen ruhig ihren Fortgang nehmen werden, ohne das; die Vertreter der verbündeten Regierungen Veranlassung nehmen werden, sich über die Ergebnisse der Verhandlungen mit den süddeutschen Bundesstaaten zu äußern. Line solche Erklärung dürfte auch nur abgegeben werden, falls aus der Mitte der Kommission von maßgebender Seite eine dahingehende Anregung erfolgt.

Eine Handelskammer über das Karlellwesen.

Aus H a n d e l s l r e i s e n wird geschrieben:

Mit dem Einflüsse der Kartelle an; die wirtschaftlichen Verhältnisse beschäftigen sich jetzt auch mehr und mehr die Handelskammern in ihren Jahresberichten. So nimmt in ihrem Jahresberichte für 1901 die Handelskammer von Mainz aus der Thatsache, daß sowohl die Stein­kohlenförderung als auch die Roheisenerzeugung im ver­flossenen Jahre viel weniger zurüagegangen sind, ms man bei den ungünstigen Verhältnissen m Deutschland vieisach erwartete, den Anlaß zu einer Erörterung des Kartell­wesens. Tie Handelskanimer in Mainz ist durchaus nicht grundsätzliche Gegnerin der Kartelle, rühmt vielmehrdie Vorteile und in gewissem Sinne die Vorzüge der Kartell­bildung hinsichtlich einer stetigen Preisbildung und Arbeiter­beschäftigung", aber sie ist auch nicht blind gegen die Miß­stände des Kartellwesens. Sie giebt sogar zu, daß unter bestimmten Verhältnissen, d. h. wenn es sich um momentane Entlastung des inländischen Marktes handle, es zur Ver­meidung einer plötzlichen Stockung in der Produktion an­gezeigt sein könne, überschüssige Vorräte auch unter den Inlandspreisen in das Ausland zck werfen, erklärt sich aber dagegen, daß ein Industriezweig dem Auslande für seine Industrien fortgesetzt weit billigeres Material liefere als dem Jnlande, weil er dadurch die ausländische Konturrenz- sähigkeit gegenüber der inländischen Industrie begünstige und eine Schädigung nationaler Interessen herbeiführe.

Tas Verlangen nach staatlicher Einmischung in den Geschäftsbetrieb der .Kartelle bezeichnet die Handelskammer als v e r f e h l r, weil die staatlichen Organe zu solchen Eingriffen ungeeignet feien und die Auferlegung scharfer Bedingungen im Geschäftsbetriebe erfahrungs­gemäß denjenigen, die sie umgehen wollten, genug Hand­haben dazu bieten würden. Als einzige brauchbare' und durchführbare staatliche Maßregel erscheint der Kammer die von ihr schon früher empfohlene Einführung von Bestimm­ungen, welche den Syndikaten und Kartellen die Annahme einer der gesetzlichen Gesellschaftsformen, sowie die An­meldepflicht und die Veröffentlichung der Be­dingungen und Ergebnisse ihrer Geschäftsgebahrung vor­schreiben. Den Verbrauchern empfiehlt sie, soweit irgend möglich, den Kartellen gegenüber ebenfalls Ver­einigungen zu begründen,damit durch ein Gleichgewicht der Kräfte dem Mißbrauch einseitiger Gewalt nach Möglich­keit borgebeugt werde."

Von einer Befolgung der beiden Vorschläge darf man wohl nicht viel erwarten. Tie wirklichen Ver­braucher, d. h. diejenigen, welche die der allgemeinen Benutzung dienenden Fabrikate in Gestalt von Nahrungs­mitteln genießen, oder als Werkzeuge usw. in ihren Be­trieben ausbrauchen, werden sich durch Vereinigungen gar nicht oder doch nur in sehr beschränktem Maße schützen können; gerade sie werden vielmehr, wenn sich die Noh-

eifenproduzenten gegen die Kohlen- und Kokssyndikate, Die Gießereien gegen die Stahlfabrikanten zusammenthun, am letzten Ende die Kosten tragen müssen. Gesetzliche Be­stimmungen über die Form der Kartelle, die Anmelde­pflicht und die Veröffentlichung von Bedingungen und Gescljäftsergebnissen werden praktisch keinen Nutzen bringen; da die Mitglieder der Kartelle in der Regel sämtlich das größte Interesse haben, möglichst wenig über die Geschäfts­führung in die Öffentlichkeit bringen zu lassen, so kann die Gesetzgebung mit formalen Bestimmungen nichts er­reichen. In zweiter Sicnie meint die Mainzer Handels­kammer:

daneben sollten die gerügten Mißstände eine Mahn­ung dahin bieten, daß der Staat nicht durch Maß­nahmen auf anderen Gebieten die Monopolstellung der großen Syndikate noch verstärkt, wie dies durch eine protektionistische Zollpolitik, durch hohe Eisenbahntarife und durch Zurücksetzung oder sogar direkte Benachteiligung der Schiffahrt geschieht."

Ans Stadt und Sand.

Gießen, den 10. April 1902.

* Statistik der evang. Kirche im Eroßherzogtum Hessen im Jahre 1900. Nach denMitteilungen der Großh. Hess. Centralstelle für die Landesstatistik" sind 1) im Jahre 1900 zur evangel. Landeskirche üöergetreten: von der katholischen Kirche 140 (im Vorjahre 113), von anderen christlichen Kon­fessionen 30 (25), Sonstige 9 (21), zusammen 179 (159); aus der eoang. Landeskirche ausgetreten: zur kathol. Kirche 13 (8), zu anderen christlichen Konfessionen 30 (44), zu anderen Religionen 1 (5), ohne Ueberiritt 1 (2), zusammen 45 (59). 2) Die Zahl der Kommunikanten war: im öffent­lichen Gottesdienst 390 530 (385 164), privatim 7015 (6981), zusammen 397 545 (292 145) oder 53,6 (57,2) auf 100 eo. Bewohner; in Starkenburg 35,5 (39,0), in Oberhessen 82,2 (83,9), in Rheinhessen 46,2 (49,0). Wird der Berechnung der Prozentzahlen die Zahl der Erwachsenen zu Grunde ge­legt, so erhöhen sich, da nach den Ergebnissen der Volks­zählungen etwa zwei Drittteile der Bevölkerung aus Er­wachsenen (Personen von 14 Jahren und darüber) bestehen, die angegebenen Prozentzahlen der Kommunikanten um bei­läufig die Hälfte. 3) Auf 100 bürgerliche Eheschließungen kamen 87,3 (86,6) kirchliche Trauungen durch evang. Geist­liche; in Starkenburg 87,6 (87,3), in Oberhessen 97,6 (98,3), in Rheinhessen 74,3 (71,9). Die Zahl der durch Geistliche anderer Konfessionen vollzogenen Trauungen von Evange­lischen, also namentlich von Mischehen, ist hierunter nicht be* griffen und konnte in zuverlässiger Weise nicht angegeben werden. Ebenso war die Zahl der nur bürgerlich ab­geschlossenen Ehen iin Jahre 1900 nicht zu ermitteln. 4) Auf 100 Lebendgeborene kamen 87,0 (87,7) von eoang» Geistlichen Getaufte: in Starkenburg 87,7 (89,3), in Ober­hessen 93,1 (93,2), in Rheinhessen 78,8 (78,4). Auch hier fehlen die Angaben der von Geistlichen anderer Konfessionen Getauften aus Mischehen. Ferner kommt hier in Betracht, daß die Verhältniszahlen der Getauften zu den Geborenen höher sein würden, wenn die in den ersten Wochen nach der Geburt ungetauft gestorbenen Kinder außer Berechnung ge­lassen werden könnten. 5) Konfirmiert wurden: aus rein evang. Ehen 12,663 (12,766), aus Mischehen 1011 (947), unehelich Geborene 355 (313), zusammen 14,029 (14,026).

* Bor einem halben Jahrhundert.

Ein alter Gießener, der seit 1868 fern von uns und z. Z. in Bingen lebt, hat unter seinen Papieren ein ver­gilbtes Flugblatt aus einer stürmischen Zeit gefunden, das er uns freundlichst auf den Redaktionstisch legt. Wir halten e§ für gut, dem Blatte ein paar Worte historischer Erläuterung vorzusetzen. König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen hatte am 21. April 1849 die deutsche Kaiserkrone, die ihm die Frankfurter Nationalversammlung angetragen hatte, ebenso abgelehnt roie die Reichsverfassung. Diese Ablehnung war nicht nur das Signal, sondern eine der Hauptursachen der Revolutionen, die im Frühjahr 1849 an vielen Orten aus­brachen. Nach zwei Seiten übte die Kunde diese Wirkung. Einmal brach sie das Ansehen des Frankfurter Parlaments, das bisher der beste Schirm gegen alle anarchistischen Be­wegungen gewesen war, und sodann rief sie noch unmittelbar die Vorstellung wach, jetzt könnten die widerstrebenden Fürsten nur noch durch Gewalt gezwungen werden. Wir haben eine Revolution gemacht, um eine Reichsoerfassung zu stände zu bringen; jetzt werden wir durch die legitimistischen Bedenken und die Schwäche deS preußischen Königs gezwungen, eine neue Revolution zu machen, um sie durchzuführen: das war der Gedanke, der sich überall aufdrängte. Der König von Württemberg hatte erklärt, er wolle die Reichsoerfassung an­erkennen, abereinem Zoller könne er sich nicht unterwerfen." Dafür mußte er im Frankfurter Parlament die bitterste Kritik über sich ergehen lassen. Karl Vogt, der bekannte Gießener Professor und demokratische Abgeordnete, rief am 24. April ihm nach:Diese Worte sind der Ausfluß jenes Gottes- gnadentums, das in Selbstüberschätzung sich nicht daran er­innert, daß die Krone ihm und feiner Familie von einem Sprößlinge der Volkssouveränetät, nämlich von Napoleon, aufs Haupt gedrückt wurde". Während in Frankfurt so ge­sprochen wurde, hatte der König von Württemberg schon dem

Willen seines Landtags und seines Ministeriums weichen muffen. Arn 25. April ließ er der Kammer mitteilen, daß er die Reichsverfassung annehme, und zwar mit Einschluß des Kapitels über das Neichsoberhaupt. In Dresden aber brachen dann in den ersten Tagen des Mai heftige Unruhen aus. Es tarn zu einem erbitterten Kampfe, der die Stadt mit Ruinen be­deckte, und in Frankfurt brachte die Linke Anttäge ein, die das Volk unter die Waffen rufen und die Revolution in ganz Deutschland organisieren wollte. Prof. Karl Vogt sprach in Frankfurt mit aller Schärfe den Gedanken aus, daß nur so einer allgemeinen Anarchie vorgebeugt werden könne. Diese aufreizende Rede hatte ihre Wirkung, wenn auch nicht in Frankfurt dort wurde der Antrag der Linken von der Kaiserpartei abgelehnt, so doch namentlich in Rheinpreußen, wo sich am 8. Mai Vertreter mehrerer Städte in Köln zu dem Beschlüsse vereinigten, ihre Mittel der Reichsgewalt zur Verfügung zu stellen, und auch bei uns in Gießen. Hier hatte sich einVerteidigungsausschuß" gebildet, der am 9. Mai folgenden Aufruf erließ, eben jenes eingangs er­wähnte Flugblatt:

Mitbürger!

Zum Schutze der mit schweren Opfern errungenen Freiheit und ihres gesetzlichen Bodens, der Reicksverfassung, gegen den schändlichsten Verrat, den die Geschichte kennt, sind 400 Männer Gießens entschlossen, ihr Leben einzusetzen und dahin zu ziehen, wo Hllfe No: thut. Sie wissen, daß es ein heißer, blutiger Kamps sein wird, aber sie vertrauen auf den Sieg der gerechten Sache.

Mitbürger, Ihr sollt diesen Männern die Mittel geben, daß sie mit aiUer Rüstung in den Kampf gehen. Dies rufen wir Euch zu, die Vertreter aller politischen Meinungen, nunmehr eng verbunden m einem ernsten Zwecke. Wenn die Streuer aus dem Feld der Ehre gefallen sind, roenn dann Ihr und Eure Kinder nach dieser schweren Zeit die erfäin.ue j-reiheit und den goldenen Frieden ge­nießet, als Bürger eines mäd)tigen Staates, möget Ihr Euch dann sagen können: Wir haben unseren Brüdern b:e Waffen in die Hand gegeben, es ist auch unserer Arbeit Frucht, die wir gemeßen.

Damit Gießen seine Patrioten kennen lernt, sollen die Namen

der Geber öffentlich bekannt werden. Wir sind überzeugt, unsere Mitbürger werden luetteifem. Aber auch der soll genannt werden, der jetzt im Stande iväre, seine Hilfe zu verweigern.

Ter unterzeichnete Ausschuß ladet die hier verzeichneten Männer ein, sich der Geldsammlung von heute an zu umerziehen; er ist überzeugt, daß ihrem Patriotismus dieses Amt willkommen fein wird.

Für das Wallthor:

G. Noll. Stud. IZeiftner. Voftmeister Kemps. L. Petri.

Für die Neustadt:

Reiber, Bürgermeister. F. Peppier. K. Rolloff. K. Gail. D. Wirth. Für Seltersberg:

Dr. Zamminer. Tr. Knapp. Stud. Trevermann. Stud. Kuhl. A. Becker.

Für Seltersweg, Kreuz u. Mäusburg:

Ehr. Noll. A. Noll. H. Ferber. Großmann. Labroisse.

Für Neuenbäue und Neuenweg:

K. Busch. PH. Möhl. Herzberger. Stud. Bauer.

Die Sammlungen sollen wo möglich bis zu Sonntag dem 13. Mai beendet fein.

Gi en, am 9. Mai 1849.

Der V erteidigungSaus schuß.

In dessen Auftrag: Schmtlkhenner, PräsideM. Koch. Zamminer.

Man findet hier manchen wohlbekannten Gießener Namen. Aber zu irgend welchem besonderen Ereignis ist es damals meber hier noch sonst wo gekommen. ImGieß. Anz." aus jener Zeit findet sich über jene Tinge nichts vor, nur eine polizeiliche Bekanntmachung, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung betreffend, wird in der Nummer vom 12. Mai 1849 veröffentlicht, als eine Folge von Ruhestörungen, über die lauteste Klage von den Be­wohnern gesi'ihrt werde.

Tic Urheber der Bewegung, die, wie hier in Gießen, in Baden, in der Pfalz und verschiedenen rheinisch-westfäli­schen Orten vorbereitet wurde, hatten nicht die Kraft, die Grundlagen einer neuen Ordnung zu schaffen. Schon am