Nr. 34
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Zweites Blatt.
153. Jahrgang
Montag 10. tycbnmrlOOa
sietzeimAnzeiger
** General-Anzeiger ’’ **
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Ire Heutige Yummer umfaßt 12 Seiten.
Deutsches Deich.
Berlin, 9. Febr. Ter Kaiser schenkte zu den Kosten des Altars der neuen Annenkirche in Elbing 5000 Mk-
— Ter Ankunft des Kaisers und der Kaiserin und der kaiserlichen Kinder auf Schloß Urv i lle in Lothringen wird vom 9. zum 12. Mai entgegengesehcn.
— Tas preuß- Staatsministerium trat gestern unter dem Vorsitz seines Präsidenten Grafen v- Bülow zu einer Sitzung zusammen-
— Ter Redakteur der „Staatsb. Ztg.", H. O. Böckler, hat sich, lvie >vir mitteilten, mehrfach gegen ihn erhobenen Beleidigungsklagen durch Ausbleiben von den Verhandlungsterminen entzogen; in der letzten Klagesache war auch schon seitens des Gerichts der Erlast eines Steck brief es in Erwägung gezogen werden- Wie die „Antis. Korresp." jetzt inilteilt, hat Böckler seine Rcdaktionsstellung bei der „Staatsb.-Ztg." ausgcgeben und seinen Wohnsitz nach Wien verlegt-
— Tie sozialdcmolratis chen Mitglieder der Z o l l t a ri f k o m m i s s i o n haben folgenden Antrag als 8 10b eingcbracht: Aus den Erträgnisfen der Zölle, die bei der Einfuhr von Waren in das deutsche Zolleinfuhrgebiet erhoben werden, sind jährlich 60 Millionen zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kleinbauern, insbesondere durch Verbesserung und Bau von Landwegen und Kanälen, zu verivenden. Ueber die Art der Verwendung hat alljährlich der Reichstag zu beschließen.
— Im Verlause der Beratung der Branntweinsteuer ko ni miss io n des Reichstages erklärte Unterstaatssekretär v. Fischer, wolle man ein Gesetz auf Zeit, so sei der Antrag Arenberg das Beste, und die Regierungen seien bereit, aus dieser Grundlage mitzuarbeiten; wolle man ein dauerndes Gesetz, so bleibe die Regierungsvorlage das Beste- Eine gänzliche Umgestaltung der Branntwcinsteuer- gesetzgebung lväre verfrüht.
— In der gestrigen Sitzung des preuß. Abgeord- n e t e n h a u s e s ist von verschiedenen Seiten Verwunderung darüber geäußert worden, daß bei der Besprechung der Hilfs samuckungen des deutschen Buren-Hilfsbundes kein instruierter Vertreter anwesend gewesen ijst. Tie „Berl. N- Nachr." hören dazu, dsast regierungsseitig angenommen war, die Angelegenheit werde erst beim Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten zur Sprache gebracht werden, und daß die Nichtanwesenheit eines instruierten Regierungs- Vertreters dennoch lediglich auf einem Mißverständnis beruht.
— Dem preußischen Abgeordnetenhause ging ein Gesetzentwurf betreffend die Bewilligung weiterer S.aatsmittel für die Verbesserung der Wohnungsverhältnijse der Arbeiter in Staatsbetrieben und gering besoldete Staatsbeamte zu. Tie Vorlage fordert 12 Millionen.
— Der preußische Staatsanzeiger veröffentlicht eine neue Prüfungsordnung für Zeichenlehrer und Zeichenlehrerinnen.
— In der englischen Presse wird jetzt das Gerücht versiert, daß England beabsichtige, Weihaiwai an Deutschland abzutreten. In hiesigen Kreisen, die es wissen müßten, ist von einer derartigen Absicht der britischen Regierung bislang nicht das Geringste bekannt. Tas ganze Gerücht scheint sich auf die Dhatsache zu reduzieren, daß allerdings die Erwartungen, welche von englischer Seite seiner Zeit an den Erioerb Weihaiwais ge knüpft würden, sich nicht erfüllt haben.
— Heute hat hier eine Zusammenkunft von Vertretern der deutschen und österreichisch-ungarischen Zuckerindustrie stattgesunden, um einen Gedankenaustausch über die kritische Lage, in der sich die Zuckerindustrie m beiden Ländern gegenwärtig befiiidet, zu führen. Veranlassung zu dieser Besprechung boten die Nachrichten, die über die Brüsseler internationale Prämientonferenz verlauten und dahin gehen, daß England die bestehenden Aus- ftthrprämien und Zuckerkarrclle durch Strafzölle zu unter- brnden droht. Aach sehr reiflicher Erörterung sämtlicher Möglichkeiten, die sich auch bei Ausführung der englischen Drohung ergeben tonnten, gelangte die Versammlung zu dem einmul-.gen Cnlschlusie, alles aufzubieten, daß in der schweren M ri;1 v, die über der Zuckerindustrie hereingebrochen, jede Uenderung der bestehenden Prämien und Zolloerhält- mfse sowohl, als auch der inneren Organisationen der Zucker- rnduflrre vermieden werden muß, wenn nicht auf Jahre hinaus verhängnisvolle Folgen für Zuckerindustrie und Landwirtschaft heraufbeschworen werden sollen.
. -r — hat dem Kaiser anläßlich
deisen Mrlrtarjubiläums ein Handschreiben gesandt.
— Wre dce „Allg. Ztg." meldet, wird der Minister-
• ?UI nLaf Crailsheim sich am 13- d. M. zu einem ofttztellen Besuche nad) Stuttgart und Karlsruhe begeben. Ein besonderer politischer Anlaß hierzu liegt nicht vor; die Reise ist ein Akt der Courtoisie, wenn auch, wie auf der Hand liegt, sich dabei Gelegenheck zu einem ersprieß- nchen Meinungsaustausch zwischen den leitenden Staatsmännern der süddeutschen Bundesstaaten bieten wird-
Ausland.
Paris, 9. Febr. Testournelles, Abgeordneter und früberer Gesandter, ist gestern nach Chicago ab gereift, and wird dort der Feier des 17 0. Geburtstages Was hingt on s beiwohnen. Tie Amerikaner (?) haben beschlossen, das Fest zu einem franco-amerikanischen zu stempeln und den Mirtampfer Washingtons, La- fayette, ebenfalls zu feiern. Deswurnelles wird un Namen
Frankreichs sprechen. (Also eine Spitze gegen die Amerikafahrt des Prinzen Heinrich! D. Red.)
Paris, 8. Febr. Großes Aufsehen erregt hier die Haltung der Gattin des ersten Sekretärs der englischen Botschaft, die bei einem Diner beim Gouverneur der Ottoman Bank sich plötzlich erhob und ein dreimaliges Hoch auf Chamberlain ausbrachte. Die anwesenden Engländer kamen der Aufforderung nach, während die gleichfalls anwesenden Franzosen und ’ffen sitzen blieben. Das Tiner wurde infolge ses Zwischenfalles aufgehoben und die Urheberin desselben reiste noch am selben Älbend nach England ab.
— Der Erzbischof von Paris beschloß, keinem Jesuit e n p a te r zu erlauben, während der Fastenzeit in Pariser Kirchen zu predigen, indem er sich hierbei auf das Vereinsgesetz beruft.
Wien, 8. Febr. Der Zweck der Reise des Erz- herzogs Franz Ferdinand nach Petersburg beruht lediglich in der Festigung der öfter reichisch- ung arisch en-russisch en Beziehungen, aus Grundlage des Balkan-Uebereinkommens vom Jahre 1897, damit das zwischen den beiden Reichen bestehende sreund- schaftliche Verhältnis auch in der öffentlichen Meinung zum Ausdruck gelange.
Petersburg, 9. Febr. Bei dem gestern abend statt- gehadlen Galadiner zu Ehren des Erzherzogs Franz Ferdinand brachte Kaiser Nikolaus in sranzösischer Sprache folgenden Toast aus: „Glücklich, Sie in unserer Mitte zu sehen, trinke ich auf die Gesundheit Sr. Majestät des Kaisers und Königs Franz Josef und auf die Gesundheit Ew: Kaiserlichen Hoheit." Die Kapelle intonierte die österreichische Volkshymne, worauf sich Erzherzog Franz Ferdinand erhob und sagte solgendes: „Im Namen Sr. Majestät des Kaisers und Königs Franz Joses und in meinem eigenen Namen danke ich Ew. Kaiserl. Majestät aus ganzem Herzen für die soeben ausgesprochenen liebenswürdigen Worte. Ties gerührt von dem gnädigen Empfang, der mir zu teil wurde, trinke ich auf die Gesundheit Ew. Majestät und Ihrer Kaiserlichen Majestäten der Kaiserinnen Maria Feodorowna' und Alexandra Feodorowna und der ganzen kaiserlichen Familie." Hierauf fpielte die Musik die russische Hymne.
Vom Burenkrieg.
Nach einer letzten englischen V e r l u st l i st e wurden am 5. bl. M. bei Uitspansontein 14 Mann und bei Grnis- fontein 2 Offiziere und 5 Mann verwundet.
Aus Pretoria meldet Reuter: Tie Umsatzsteuer von unbeweglichem Eigentum wurde durch eine Proklamation auf,lyi pCl. abgeändert.
Einem Telegramm des Brüsseler „Petit bleu" aus dem Haag zufolge haben die Buren jede Hoffnung auf fremde Intervention aufgegeben. Sie zählen nur noch auf sich selbst. Sie fragen nicht einmal, wie viel Zeit erforderlich )cin wird zu einem cndgiltigen Triumph und find entschlossen, den Krieg solange fort- z u s e tz e n, wie notwendig ist. Lebensmittel haben )ie im Ueb er sluß, da sie int Norden Transvaals so viel Getreide gesät haben, daß es den Engländern unmöglich wird, in alle Verstecke einzudringen. Die Witterung hat keinen Einfluß mehr auf sie, da sie durch den langen Krieg gegen jedes Wetter abgehärtet find. Als Nachfolger des gefangenen und verbannten Viljoen ist der Kommandant de Jong ausersehen, ein ftüherer Handelsgehilfe in Johannesburg, der große taktische Kenntnis,e an den Tag gelegt hat- Wie weiter verlautet, ist der deutsche Erfinder eines neuen Mittels zur Sprengung der Panzerzüge verwundet den Engländern in die Hände gefallen und sofort erschösse n worden- — Hierüber dürsten doch wohl noch zuverlässigere Meldungen abzuwarten sein-
Ter französische Minister des Aeußeren Telcasse hat den Abg. Berry, der ihm mitgeteilt hatte, daß er ihn über die Haltung Frankreichs bei den mit England zu Gunsten der füdafrrkanischen Republiken emgeletteten Unterhandlungen befragen werde, wissen lassen, daß er, da er den von ihm in der Sitzung der Teput.ertenkammer vom 20. Januar abgegebenen Erklärungen nichts hinzuzufügen habe, Berrys Frage nicht annehmen könne.
Aus dem öste<reichischen Abgeordnetenhaus.
Wien, 8. Febr. Tas Abgeordnetenhaus setzte die Verhandlung über die Vorlage betreffend die Bewillig- ung des Rekrutenkontingents fort. Im Einlaufe befindet sich eine Interpellation Toetz betreftend die Gerüchte über eine zollpolitische Annäherung zwischen Oesterreich-Ungarn unb Rußland und die Oefsnung der österreichischen Grenze für die Bi eh einfuhr aus Rußland. Tie Abgg. Zazoorta und Formanek bringen eine Reihe von Beschwerden gegen die Kriegsverwaltung vor und wenden sich gegen den Dreibund, der Die Ursache der allzugroßen militärischen Lasten fei. Sie beschweren sich über die mangelhafte Berücksichtigung der Landwirtschaft und des Kleingewerbes, über harte Bestrafung derjenigen, die sich bei Kontrolloersammlungen mit „Zde" melden, und erklären, sie würden gegen die Vorlage stimmen. Während der Rede des Abg. Zaz- vorka entsteht in der Umgebung des Redners wegen des Gerüchts, daß der Landesverteidigungsminifter mit dem Präsidenten über einen vorzeitigen Schluß der Debatte verhandle, heftige Erregung. Abg. Fresl ruft ununterbrochen „das ist ein Skandal, eine Komödie, das ist kein Parlament, sondern ein Sklaven Haus". Der Präsident ruft Fresl zur Ordnung. ScSann erteilt er dem Abg. Zazuona, der gelegentlich einiger Aeußerunaen über daL Duell die Person des Monarchen in die Debatte ge
zogen hatte, wegen unqualisizierbarer Aenßernngen über die Krone einen Ordnungsruf. Abg. Daszynski erörtert dje Notwendigkeit einer endlichen Reform des Militär- strasverfahrens unter Anführung zahlreicher Beispiele von Verurteilungen Unschuldiger. Er beklagt sich namentlich über die schwere Bestrafung bei Meldungen von Reservisten in polni|euer Sprache anstatt in deutscher, und unterzieht die Verhältnisse des 10. Armee lvrps einer scharfen Kritik wegen zahlreicher Svldaten- Mißhandlungen und gesundheitsschädlicher. Uebun g en. Generalredner Marik fordert gleichfalls eine durchgreifende Reform der Militärgesengebung und beschwert sich über den Export ö st e r r e i ch i s ch e n P f e r d e Materials nach Südafrika, wodurch die Schlagfertigkeit der Armee leide.
Älbg. Daszynski nahm auch Veranlasfung, Die bekannte Skandalaf faire der Prinzessin Luise von K,o b u r g und des Oberleutnants M a 11 a s i ch - Kcglewich in die Debatte zu ziehen und Mattasich als ein Opfer der sozialen Verhältnisse hinzustellen. Tas Unglück, von einer Königstochter geliebt yitlucrben, koste Mattasich die Ehre und sechs Jahre schweren Kerkers. Mat- tasich sei unschuldig. Tas Ganze sei ein Ergebnis der In triguen des Prinzen Philipp von Coburg, Die sogar beit obersten Llriegsherrn gezwungen hätten, einzugreifen. Ter Redner geht Dann aus die Tetails der angeblich gefälschten Unterschriften der Prinzessin Luise und der Kronprinzessin-Witwe Stephanie ein. Er kritisiert in heftiger Weise den angeblichen G e s e tz e s m i ß b r a u ch, der zur Verhaftung des Mattasich geführt, wozu wiederum die Vollmacht des Kaisers mißbraucht worden sei. Thatsächlick, sei die Spur des wirkltchen Fälschers absichtlich vertuscht worden. Ehe man zur Verhaftung Massasichs geschritten fei, habe man ihm angeboten, ihn sicher fliehen zu lassen, wenn er sich nur verpflichtet, von der Prinzessin abzulassen.
Aus Stadt und Kund.
(Ter Abdruckderunler dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Onellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet).
Gießen, 10. Februar 1902.
'* Fastnacht haben wir morgen, lasset uns freuen und fröhlich sein! Schon seit Wochen hat der Fasching bei uns seine Herrschaft angetreten. Unsere Musenstadt ist ein günstiger Boden- für die regierende Majestät des Karneval, und auch Musik und Tanz haben bei uns immer gute Freundschaft gehalten, und an Gelegenheit zu tanzen mangelt es bei uns wahrhaftig in feinem Gesellschaftskreise. Jugendreiz und Schönheit gibt es allenthalben, und morgen werden wir in unseren Straßen eine Fülle von kleidsamen, farbenreichen und malerischen, ebenso wie von jokosen, grellbunten, tollen Ulk- Trachten sehen, und jeder wird sich in gemütlichster Ungezwungenheit ergehen. Wir werden Strudeln sehen, wie sie Meister Defregger nicht lieblicher zu malen vermöchte, und alle Berufszweige, Stände und Gesellschaftsklassen m saschings- froher Einigkeit. — Wenn früher von Zunftwegen Kurzweil und Mummenschanz betrieben werden sollte, so schob man solche geselligen Zusammenkünfte gern bis zum „Fasslabend" auf, wozu die Junggesellen vorher in einer lustigen ^Verkleidung Würste eingefamnielt hatten. Dabei durste em besonderer Wurstreim nicht fehlen: „Unsre vorigen Alten haben's so gehalten, haben's uns besohlen, wir sollten uns eine Bratwurst holen. Wör's keine Bratwurst, so wär's cm Stück Geld, was uns Brüdern auch gefällt." Die Böttcher in München veranstalteten alle 7 Jahre um die Fastnachtszeit ihren „Schäfflertanz", während ihre Kollegen in Frankfurt a. M. ein ähnliches Fastnachtsvergnügen nur bann aus- führten, wenn der Main fest zugefroren war; in letzterem Falle mußte zunächst auf der Eisdecke unter Musikbegleitung ein Faß gebunden werden.
* • Versteigerung. Am Mittwoch, dem 12. ds., mittags 12 Uhr, wird auf der Polizeiwache ein zugelaufener Hund (Foxterrier) meistbietend versteigert werden.
* * Eissport. Wie man uns mitteilt, ist die Eisbahn heute wieder geöffnet.
• * Turnverein Gießen. Die karnevalistifchen Der- a n ft a 11 u n g e n des Turnvereins Gießen (gegr. 1846) bürgern sich von Jahr zu Jahr immer mehr ein und auch die Beteiligung an ihnen steigt stetig. Auf dem Dtaskenballe sah man eine große Anzahl sehr schöner Niasken. Besonders wirkten auf die Zuschauer die gut ausgeführten Gruppen, ebenso der von Turnern und Turnerinnen schneidig aufgeführte Tanz ungarischer Jokeys, sowie das bunte Treiben einer Rekruten- gruppe und der als Affen Verlleideten, die mit ihren munteren, flinken Sprüngen und Späsen viel zur Erheiterung dar Anwesenden beitrugen. Auch das gestrige karnevaliliische Konzert gab Zeugnis davon, wie sehr Die Turner an echter Freude und Fidelitas Geschmack finden. Man glaubte sich nicht inmitten einer munteren Tumerschar, sondern man wähnte sich in das bunte Karnevalsleben einer Großstadt versetzt. Tas 34 Nummern answeisende Programm brachte eine solche Fülle turnerischer, Karnevals- und gesanglicher Leistungen, daß man bei der schönen, exakten Ausführung der einzelnen Nummern nicht weiß, wem man zuerst Beifall zollen soll, den Mitwirkenden ober den Leitern. Es genügt, hervorzuheben, baß sie sämtlich auf ihrem Posten waren, und baß bic zahlreich Erschienenen mit ihrem Beifall nicht geizten. — Nur ein Uebelftanb machte sich bemerklich. Trotz der bedeutenben Vergrößerung der


