Ausgabe 
9.8.1902 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

Samstag 9. August 1903

Verantwortlich:

153. Jahrgang

Nr. 185

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Kamillen- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Notattonsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Untvers.-Buch- u. Stein- druckeret (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ZW

______ zeigenteil: Hans Beck.

Aie IweikaiserzusammenLunst.

Reval, 8. Wag.

Tie gestrigen Nachtschietzübung en dauerten bis 1 Uhr. Tie Ofsiziersmessen der dienstfreien russischen Kriegsschiffe hatten am Abend. die deutschen Kameraden an Bord ihrer Schliffe geladen. Heute vormittag 10 Uhr statteten Kais er Nikolaus und Großfürst Alexis der ,Lobenzollern" einen Besuch ab und wurden vom Kaiser Wilhelm am Fallreep empfangen. Sodann begaben sich die Majestäten zur Offiziersmesse der ,Hohenzollern", wo der erste Offizier, Kapitän v. Holleben, dem Kaiser Niko­laus für das ko schare Geschenk dankte und ein Hurra auf chn ausbrachte. Der Kaiser von Rußland erwi­derte in deutscher Sprache und schloß seinen Trink- spruch mit Hurrarufen auf den deutschen Kaiser. Die Monarchen und Prinzen begaben sich hierauf an Bord der YachtPolarstern" und wohnten von da aus einer Ruderregatta von Booten der russischen Kriegsschiffe bei. Nach Beendigung derselben geleitete Kaiser Nikolaus unter einem Ehrensalut von 33 Schuß und den Klängen der preu- schen Nationalhymne den Gast vomPolarstern" an Bord der ,Lohenzollern" zurück und fuhr selbst sodann nach dem Standart" hinüber.

Um 1 Ubr fand an Bord desStandart" ein F r ü h st ü ck statt. Vor dem Frühstück meldeten sich sämtliche deutsche Herren, die russische Orden erhalten hatten, an Bord des Standart" beim Kaiser von Rußland. Dieser überreichte dem deutschen Kaiser einen etwa dreiviertel Meter hohen, in Silber getriebenen, reich mit allen in Rußland vor- Lommenden Edelsteinen und kostbaren Perlen verzierten Bojarenhelm, dessen Inneres als Rauchservice in Gold gedacht ist, während Kaiser Wilhelm dem Kaiser Nikolaus zur Erinnerung an die Zusammenkunft in Reval ein Schreibzeug in Gold schenkte.

Nach Beendigung des Frühstücks auf demStandort" geleitete Kaiser Nikolaus den Kaiser Wilhelm unter den Klängen der preußischen Nationalhymne nach der ,Z»ohenzollern" und verweilte noch eine halbe Stunde daselbst. Sie hatten, wie der offiziöse Tele­graph sagt,eine längere eingehende Besprech­ung." Nachdem Kaiser Nikolaus sich auf das herzlichste vom deutschen Kaiser verabschiedet hatte, befahl Kaiser Wilhelm ein dreimaliges Hurra für den Kaiser von Ruß­land. Alle an Bord Anwesenden stimmten ein. Sodann beglettete Kaiser Wilhelm den Kaiser Nikolaus bis zum Fallreep, wo beide Monarchen sich nochmals auf das herz­lichste verabschiedeten, während die Kapelle derHohen- zollern" die russische Hymne spielte. Um 3 Uhr 45 Min. lichtete die ,Lohenzollern" die Anker. Der Kaiser von Rußland gab seinem Gaste mit demStandart" und dem Polarstern" Lis über die Insel Nargen hinaus das Geleit. Beide Kaiseryachten fuhren beim Verlassen der 3chede neben­einander. Die anderen Schiffe folgten. Die Mannschaften auf allen deutschen und russischen Schiffen standen in Pa­radeausstellung, die Kapellen spielten die russische und die preußische Hymne. Kaiser Wilhelm nahm von derHohen-

zollern" die Flottenparade ab, wobei alle russischen Schiffe einen Ehrensalut von 33 Schuß feuerten.

Kaiser Nikolaus begab sich heute abend nach Kronstadt. Tie ,Hohenzollern" ging mit Kurs auf Wisby in See. Tie Zweikaiser-Begegnung war von herrlichem Wetter be- günsttgt und ist, wie der offiziöse Draht hervorhebt, in b e- friedigend st er Weise verlaufen. Bei dem stän­digen Zusammensein der beiden Monarchen hatte der Ver­kehr ein überaus herzliches und intimes Ge­präge.

Kaiser Nikolaus verlieh dem Prinzen Friedrich Heinrich von Preußen den Andreasordcn, dem deutschen Boffchaster v. Alvensleben und dem Staatssekretär v. Tirpitz den Aleran- der-Newskiorden, dem Grafen Hülsen-Häseler den Weißen Adlerorden, dem Chef des Marinekabinetts v. Senden- Bibran eine kostbare Dose mit dem Namenszug des Kaisers Nikolaus in Brillanten, dem Gesandten v. Lschirschky und Bögendorf den Annenorden erster Klasse und dem General­adjutanten v. Scholl die Brillanten zum Annenorden erster Klasse. In Anerkennung der vorzüglichen Leistungen des Artillerielehrgeschwaüers während der Anmesenhcit des Kaisers ernannte der Zar den Chef des Arrilleriegeschwa- ders, Kontreadmiral Rojdestewenski zum Admiral a la suite, eine Auszeichnung, die bisher nicht verliehen wurde. Ter deutsche Kaiser sprach dem Konrreadmiral ebenfalls allerhöchste Befriedigung und herzlichen Glückwunsch zu der ihm verliehenen besonderen Auszeichnung aus.

Auf die vom Deutschen Wohlthätigkeits- v e r e i n an die Kaiser Wilhelm und Nikolaus gerichtetenHul- digungstelegramme gingen beim Präsidenten Belg folgende Antworten ein:Se. Maj. der Kaiser und König lassen Ihnen und dem Deutschen Verein in Reval herzlich danken für das freundliche Bearüßungstelegramm und senden beste Wünsche für das Wohlergehen und Gedeihen der deutschen Kolonie. Tas Sr. Maj. zum Geschenk gemachte künstlerisch ausgestattete Album mit vortrefflichen Ausnahmen der Stadt bereitete Allerhöchstdemselben besondere Freude. Se. Maj. beauftragten mich auch dafür der Kolonie besonders zu danken. Reichskanzler Graf Bülow."Reval, Rhede. Seine Majestät der Kaiser ist gerührt durch die Begrüßung der in Reval wohnenden deutschen ReichBangehörigen und befahl, in Ihrer Person der ganzen Kolonie für die aus­gedrückten Gefühle herzlich zu danken. Minister des kaiser­lichen Hofes Baron F r e d e r i ks."

Politische Tagesschau.

Die Zolltarifkommlssioa

Aus Anlaß der gestrigen 10 0. Sitzung stand vor dem Platze des Vorsitzenden ein prächtiger Rosenstrauß, auf dem sich in Hellen Rosen die Zahl 100 heraushob. Davor lag, mit deutschen Farben und Fahnen geschmückt, ein Karton, der ein launiges Gedicht Beumers ent­hielt. Der Vorsitzende sprach seinen Tank aus, der auch dem Äbg. v. Kardorff und allen Mitgliedern der Kommission gebühre.

Die Verse Dr. Beumers lauten:

Zum hundertsten Male die Kommission Tritt heute zur Sitzung zusammen;

Hier schlugen Aum gütigen Himmel hinauf Der Rede zündende Flammen.

Dn hast uns geleitet mit freundlichem Sinn, Zum Dank nimm die Gabe, die duftende, hin: Auch ferner benimm hier so nett Dich Als Tarifpräside, Freund Rettich!'^

Die Kommission nahm nach der Vorlage die Positionen 894, 904 und 906, Dampfmaschinen, Maschinen zur Verarbeitung von Metallen, Hölzern rc., andere Maschinen, an, und gleichfalls nach der Vorlage die Positionen 895, 896 und 897, Nähmaschinen, Strickmaschinen und Gestelle von Nähmaschinen, an, ebenso Pos. 898 bis 902 nach der Vorlage, nämlich Pos. 898, Maschinen, Maschinenteile in fester Verbindung mit Kratzenbeschlägen 20 Mk., Pos. 899, andere Maschinen für Vorbereitung und Verarbeitung von Spinnstoffen; Maschinen für Spinnerei, Zwirnerei, ein­schließlich Haspeln, Spulen, Wickeln und die Gespinnste be­wirkenden Maschinen, sowie Maschinen zur Vorbereitung von Gespinnsten für Weberei 6 Mk., Pos. 900, Webstühle, 5 Mk., Pos. 901, Gardinen, Spitzen, Tüllmaschinen, Wirk­maschinen, Stickmaschinen, ausgenommen Kurbelsttck- maschinen 10 Mk., Pos. 902, Zurichte- (Appreturmaschinen), Maschinen für Wäscherei und chemische Reinigung 6 Mk. Statt Pos. 905 des Entwurfs, Dampfdreschmaschinen und Mähmaschinen 9 Mk. nahm man die Fassung Herold: Pflüge für Kraftbetrieb, auch mit zugehöriger Kraft, Mähmaschinen 5 Mk. an. In der Unterabteilung elektrotechnische Erzeugnisse werden nach demi Entwurf genehmigt; die Positionen 907 Dynamomaschinen, Elektromotoren, Umformer, fertige Anker, Kollettoren, Transformatoren, Drosselspulen für den Doppelzentner von 5 Doppelzentner und weniger Reingewicht 9 Mk., über 5 bis 30 7 Mk., über 30 6 Mk. Pos. 908, Elektrizitätssammler, Ersatzplatten ohne Verbindung mit Celluloid und Hart­kautschuk 6 Mk., mit solchem 24 Mk., Pos. 909, Leitungskabel, infolge von Umschließung mit Schutzhüllen aus Metall, Blechen, Drähten, Bändern zur Verlegung in Wasser upd Erde geeignet, 8 Mk., Pos. 910, Bogenlampen, 40 Mr., voll­ständige Gehäuse in Verbindung mit Glasglocken, Schein­werfer, lichtstreuende Reflektoren, 20 Mk. In Pos. 911, elektrische Glühlampen, wird der Zollsatz auf Antrag Paasche von 120 Mk. auf 80 Mk. herabgesetzt. Die Unterabteilung Fahrzeuge wurde nach der Vorlage angenommen, näm­lich Pos. 913, Fahrzeuge für Schienengeleise in Verbindung mit Antriebsmaschinen außer Dampflokomotiven 10 Mk., ohne solche, Güterwagen, gedeckt und ungedeckt 5 Mk., Per­sonenwagen ohne Leder- und Polsterarbeit, Dienstwagen 7,50 Mk., Personenwagen mit Leder- und Polsterarbeit, Straßenbahnwagen zur Personenbeförderung, Wagen für einschienige Bahnen 12 Mk., sowie die Anmerkung: Wagen­kasten und Untergestelle werden wie fertige Wagen verzollt, wenn ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Art nicht erkennbar ist, wie Güterwagen, ferner Pos. 915, Fahrzeuge, nicht für Schienengeleise, außer Wasserfahrzeugen, mit An­triebsmaschinen, Motorwagen, Motorfahrräder im Gewicht

Feuilleton.

Offener Schreiöeöries der Iran Kukda KuliLe

an den Finauzminister Herrn v. Rheinbabeu.

Hochergebenster Herr Finanz!

Exzellenter Herr von Baben!

Recht haben Sie bis auf die Knochen I mit Ihrem Ein­tritt für die Gewerbs- und Standesunterschrede, namentlich bei den Heiraten und eventuellen Eheschließungen, roo es sich um die Rein­kultur von uns oberen guten Gesellschafts-Zehntausenden handelt! Daher sich Exzellentz denn auch mit allem Vorbedacht Rein-Baben ( noch schöner und präziser wäre vielleicht: Reinkultur-Baben) nennen, und ich mir oben nur das vertraulichereBaben" ge­stattet habe, um unsere beiderseitige Uebereinsttmmungsgleichheit der Standpünkte schärfer zu karackterisiren.

Also Babenchen, Sie haben in Posen einen Geheimen Ober­finanzrath blos vorwiegend darum aus Lohn und Brod gebracht, weil er die Tochter von einem früheren Feldwebel geheirathet hat? Sie sind mein Mann das heißt, ich meine blos so, da ich bereits einen habe und was für einen! Er paßt zu mir wie die Faust aufs Auge, indem wir beide demselben Kastengeist ange­hören : er Opernsufflör am Hoftheater zu Gnieritz an der Gnadder; ich dito für Alles am suppventionirten ständigen National-Theater zu Polkwitz, und früher Kohrpphäe beim hoch- seeligen Berliner Vicktoria-Theater, erste Kadrillje, drittes Paar links die kleine Diene Gott, Exzellentz, das müssen Sie ja noch wissen: Sie waren ja damals oft genug drin. Und mein ganzes Unglück war damals blos die Fußverstauchung in dem in­dischen Rabobsballet in derReise um Oie Welt in 80 Tagen", wo ich so schön aussah, daß der Reichsfreiherr von Bimmel-Bnmmcl- Tatterich (Aelteste Linie) mir gleich den ersten Abend das Mar- schall-Nie-Ell Bukett mit dein Brillant-Armband und Liebeser­klärung auf Heirath schickte--Sie müssen ihn ja auch noch

von damals kennen, Babenchen I Und dann nur der Fuß da­zwischen kam, weshalb er sich zurückzog, sonst wäre ich heute Reichs­freifrau von Bimmel-Bammet-'Tatterich (Aelteste Lmie) und säße irn eigenen Ahnenschloß statt im fremden Sufflörkasten, wo ich hingehöre. Denn, Exzellentz, wenn wir von den oberen Kunst- und Regierungszehntausend die Stammbäume nicht reinhalten wollten, wer soll es denn? Oder soll etwa die Schornsteinfegerstochter den Müllerssohn heiraten? Was würde denn da für eine entartete Rahenkreuzung entstehen? Etwa wie sie einmal auf der Stralauer Fischzugswiefe den Zwilling von einem Karpfenweibchen und einem Kaninchenvater für 1,05 Nickel zeigen wollten, er aber leider be­reits todt, und wir nur noch die Ellern zu sehen kriegten. Und dies bringt mich aus den eigentlichen Inhalt meiner Zeilen.

Geben Exzellentz doch den ganzen alten ekligen Finanz- Krempel auf,, wo Sie den kleinen verstorbenen Mikuell doch nicht bis an das Wasser reichen! Und begründen Sie ein Heirothsdüroh I mit garantirter Standesgleicbbeck unb '-»srr-nischter Reinlichkeit >

der Kulturen! Tas fehlt uns, das brauchen wir, und da sind Sie der sachverständlichste Angtreprenröhr davon! Es wäre sehr Schadchen, wenn öie hier den Anschluß versäumten! Und ich kann Ihnen auch schon ein Paar vorzügliche Geheime Oberfinanz wollte ich schreiben: Geheime Oberheiraths-Schlepper in Vor­schlag bringen. Da ist erstens der Barbier Knackstelze eine Schnauze, Exzellentz Babenchen! So was haben Sie noch nicht gehört! Und dabei nur Kundschaft in den ersten prima-primissima Hausern!

Und zweckens: Tie Massöhse Krawutschke kriegen Sie keinen Schreck, Exzellentz, wegen dem etwas polnischen Narnens- anklang! Sie ist zivar auch eine geborene Wirsebitzky aber trotzdem kein polnisches Aederchen: die Familie stammt aus dem deutschesten Theil von Germanisch-Rixdorf (Linie Her- mannsplatz). Und niemals auch nur das kleinste bischen Unter­offizier in cher Verwandtschaft geschweige denn Feldwebel!

Die Tochter, ein hochanständiges Gütes-Gesellschafts Mädchen, hatte mal ein kleines Verhältmß mit einem Sekonde von der Gardekavallerie; das Verhältniß ging auseinander das Kleine blieb.....Also, wie gesagt, Exzellentz Babenchen: Alles

feinste Nummer! Sie können es auf meine Beantwortung dreist- hin wagen!

Nehmen Sie Ihren Abschied mit oder ohne freiwilligen Pangsions-Antrag; lassen Sie Finanz Finanz, und Polen Polen sein--Glauben Sie Hulda Kulicken: es ist besser so!

Und fangen wir zusammen dasHeirathsbüroh auf ftandesge- mäßigter Gleichheit vor dem Gesetz" an!

Mein lahmes Ballet-Bein könnt' ich mir vor Freude au§- reißen, wenn aus der Sache was wird--und Sie sollen sehen,

Babenchen, es wird was!

In Ehrfurcht und Einverständnis

Euer Exzellentz tiefachtungsoollst

Hulda Kulicke,

Gegenwärtiger Kastengeist am Polkwitzer Nazionaltheccker untcrm Podium. (Ulk".)

Laureutiusthräncu. Der morgige Sonntag, der 10. August, ist der Tag des hl. Laurentius, eines frommen Mär­tyrers der kath. Kirche, der im 3. Jahrhundert in Rom lebte, und, als die heidnische Behörde ihm anfann, die Schätze der christlichen Kirche, die er als Tialon verwaltete, auszulieferu, und er als solche die versammelten kirnten und Kranken Oer Gemeinde nannte, an einem langsamen Feuer zu Tode gemartert wurde. In den Nächten um den 10. August findet bekanntlich alljährlich ein Stern- schiiuppenfall statt, der weniger stark ist wie der in den Nove-., oernächten, immerhin aber ein reizvolles Schauspiel bietet, dessen bereits in altenglischen Kirchenbüchern als der feurigen Thränen des hl. Saurentius gedacht wird. Wilhelm Jordan hat über diese Naturerscheinung ein gedankentiefes Gedicht ge­schrieben, da» in seinenStrophen und Stäben" enchacken ist. Wir wollen hier nur ein paar Strophen dieses Gedichtes wieder­geben :

Mein Auge trank die stille Pracht Der heiligen Laurentiusnacht.

Da schießt und rennts, da blitzt und brennts Im Ruheglanz des Firmaments, Als spalt' ein Stern zu Spähnen.

Die lichte Kielspur ihrer Trift Verschlingt sich mir zur Runenschrift Und Urgeheimes offenbart Die scharenweise Niederfahrt Der Himmelsfeuerthränen.

Weil uns mit treuem Mutterarm, Tas Hanpt gekehrt jum Sternenschwarm Die Erde an den Füßen hält, So sagen wir, das Himmelszelt Umwölb' uns hoch dort oben.

Besinnet Euch und glaubet mir: Wir steh'n auf höchstem Gipfel hier Und schau'n hinab den Raumesschlund, Wo bis zum tiefst erreichten Grund Millionen Höllen toben.

So nutzet wohl die Spanne Zeit Stets mehr zu werden als Ihr seid. Schon wissensreich und wunderstark Beginnt Euch selbst Gestalt und Mark Su steigern und verklären.

en blind und stumm im Sternenreich Gefang'nen Gott erlöst in Euch Und macht ihn frei aus Streit und Not! So laute nun das Heilsgebot Anstatt der Kindheitsmären.

Viele unserer Leser werden wohl anderer Ansicht sein als der ruhmgekrönte greise Nibelungensänger Jordan. Niemand aber wird in Abrede stellen, daß Jordan die abstraktesten Dinge in poetische Form zu kleiden weiß und durch feine Poesien den Leser ziim Nachdenken über die höchsten Fragen anregt.

Wilhelm Jordan. Heute wird uns von dem Dichter nahesteheilder Seite aus Frankfurt a. M. geschrieben, daß es dem alten Nibelungensänger jetzt wesentlich besser geht, und daß er voraussichtlich ivieder den Grad von Wohlbefinden erreichen wird, den er vor dem letzten Schlaganfall besessen.

Eine Wilhelm Busch-Fälschung. Durch eine Anzahl Blätter ging neulich ein Konglomerat von miserablen Versen, die dem Dichter des Maler Klexel und desTobias Knopp" zugeschrieben wurden. Wir fanden die Reime fo geschmacklos, daß wir sie unseren Lesern vorenthielten. Jetzt stellt ein Btud. phil Hochstetler in Heidelberg durch eine Zuschrift an dasBerl. Tagebl." fest, daß nach einer Anfrage, die er an Busch selber richtete, jene Verse iin Fremdenbuch der Schneekoppe keineswegs von ihm, sondern von einem gewissen Hirsch oder Hersch stammten.