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9.8.1902 Drittes Blatt
 
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Nr. 185

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesstfchen Landwirt die Gießener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schul st ratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gietzen.

FcrnsprechanschlUßNr.51.

Drittes Blatt.

152. Jahrgang

Samstag ». August RSOS

GietzenerAnzeiger

w General-Anzeiger " **'

Amts- und Anzeigeblatt für den Krets Gietzen

Bezugspreis: monatlich7bPs.,viertel- sährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2.viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bie Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Ps auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko: für ,Stadt und Land'' und .Gerichtssaal"' Eurt Plato; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Politische Tagesschau.

Das Gesundbeten und der preußische Kultusminister.

Gegen den Pastor Horst in M a n s b a ch (Hessen- Kassel) ist, wie wir in derDtsch. Ztg." lesen, ein Dis- zrpnnarverfahren im Gange, das jetzt von dem preußischen Kultusminister Stuüt in letzter Instanz zu erledigen ist. DieVolksztg." berichtet darüber:

Horst hat, wie wir aus den Mitteilungen seines orthodoxen Gesinnungsgenossen Stöcker ersehen, in seiner Gemeinde bei Vielen eine großeErweckung" herbergeführt, die jetzt statt ins Wirtshaus in die Kirche gehen. Trotzdem i/st er zur Strafversetzung, sowie in alle Kosten verurteilt und, wenn er sortsahre, die Mcmsbacher Bahnen zu wandeln, mit Amtsentsetzung bedroht. Er soll sich durch die Art seiner Seelsorge zu dem Patron und anderen Gemeindemitgliedern in ein unerträgliches Verhältnis gesetzt, der Sektiererei Vor­schub geleistet haben u. dgl. Aus der Apologie, die Herr Stöcker seinem orthodoxen Amtsbruder widmet, seien folgende Sätze mitgeteilt:

Die eine Stelle des Erkenntnisses ist sehr bezeich­nend. Sie lautet also:Es sei darauf hingewiesen, daß der Angeklagte bei einem Unglücksfall, bei welchem ärzt­liche Hilfe nach menschlicher Ansicht unbedingt geboten war, erklären konnte, ein Arzt sei nicht nötig gewesen: der Heiland heile heute noch Wunden aufs Gebet hin."

Die Rekursschrift bemerkt dazu:Dieser Mann, zu dem Pfarrer Horst nach der Heilung dies gesagt haben soll, ist ein armer Trinker. Pfarrer Horst weiß nicht mehr genau, in welchem Zusammenhänge er mit diesem armen, ungläubigen Manne von Gott als dem Erretter auch in Krankheitsnot gesprochen hat. Aber wenn Pfarrer Horst wirklich dies gesagt haben sollte, so hat er doch nur ganz biblisch geredet. Jedes Blich der Bibel redet von Gott als dem lebendigen Gott, der Gebete erhört. . . . Die Bibel redet doch in dieser Beziehung eine deutliche Sprache, z. B.: 2. Mose 15, 26: Ich bin der Herr dein Arzt (genauer: der dich heilt). Jak. 5, 1415: Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen und der Herr wird ihn aufrichten. Matth. 8, 16. Mark. 16, 1718: Auf die Kranken werden sie die Hände legen, und sie werden gesund werden. Psalm 103, 3. Psalm 91, 15. Jer. 33, 6. Wenn die Herren im Kirchen­regiment diesen Glauben an den Gott der Bibel, der aufs Gebet hin Kranke gesund macht, für überspannt halten, so ist das ihre Sache. Sie haben aber kein Recht, einen Pfarrer zu verurteilen, weil er glaubt und lehrt, was die Bibel klar bezeugt."

Die Darstellung ist auffallend, da Stöcker s. Zt. gegen das Gesundbeten öffentlich aufgetreten ist.

Kolonialpost.

Zum deutschen Vorrücken an den Tschadsee wird geschrieben: In der deutschen Interessensphäre am Schari und Bogone, unweit vom Tschadsee, scheint doch nicht alles so glatt Verläufen zu sein, wie es nach den ersten Berichten über das Borrücken der Schutztruppe vom Benutz aus nordwärts anzunehmen war. Der Kommandeur der Schutztruppe OberstleutnantPavelist mit seiner Ab­teilung Ende März von Garua nach Dikoa abgerückt. Da­mals berechnete er, daß der ganze Zug nach Norden und

der Rückmarsch bis Garua zwei Monate dauern werde; dar­nach hätte erEndeMaiwiederamBenue Eintreffen müssen. Das ist aber nicht geschehen und von ihm hat nichts wieder verlautet. Nachrichten von dort hätten um so eher hierher gelangen können, als sie nicht aus dem schwierigen und langsamen Landwege nach Bu oder Duala zu verschicken wären, sondern den Wasserweg über den Benne und Niger einschlagen würden, wo die Engländer schon lange einen raschen Nachrichtendienst eingerichtet haben. Schon mehr als zwei Monate sind bereits über die anfangs festgesetzte Frist verstrichen. Dort müssen also besondere Um st an de eingetreten sein, die den K o m - mandeurPavel f e st halten. Darüber lassen sich nur Vermutungen anstellen. Vielleicht hat das Vorrücken einer englischen Truppe bis nach Kuka am Tschadsee darauf ein­gewirkt. Aus den britischen Berichten ging hervor, daß die E n g l ä n d e r in den Haussastaaten bei ihrem Bormarsche verschiedene Kämpfe zu bestehen hatten und gegen wider­haarige Häuptlinge einschreiten mußten. Möglichcrweise hat diese Bewegung ihre Wellen bis in u n s e r G e b i e t hinein fortgesetzt. Dann aber wurde in englischen Zeitungen an­gegeben, man wollte das zerstörte Kuka, das übrigens int Lande selbst nur Kikua oder Kikaua genannt wird, wieder ausbauen, und den Emir von Boruu wieber dort ein - setzen, während er sich nach dem Tode Rabehs in Dikoa auf deutschem Gebiete niedergelassen hat. Es könnte also wohl eine gewisse Unruhe und Unsicherheit in die Verhältnisse gekommen sein, die den Kommandeur nötigen, dort mit einer größeren Truppenmacht längere Zeit zu verweilen. Von besonderem Einflüsse wird es überhaupt sein, wenn wir uns den Völkern am Tschadsee mit einer achtunggebietenden Macht zeigen, nachdem die Franzosen dort mit einer starken Truppe ausgetreten sind und Frieden gestiftet haben, und nachdem die Engländer mit mehreren Bataillonen am Tschadsee erschienen sind.

Aus Ktndt und Land.

Gießen, 9. August 1902.

** Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 21, ausgegeben am 6. August d. I., enthätt: 1. Öffent­liche Anerkennung einer edlen That. 2. Ordensverleih­ungen. 3. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen fremder Orden. 4. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Am 15. Juli wurde der Gerichtsassessor Friedrich Karl Fischer aus Bensheim zur Rechtsanwaltschaft am Amtsgericht Gernsheim, mit Wirkung vom 10. August an zugelassen. 5. Dienstnachrichten. Dem Schulamtsasptranten Karl Krug aus Friesenheim, Kr. Oppenheim, wurde eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dudenhofen, Kr. Oppenheim, übertragen; dem Geometergehilfen Friedrich Kaiseraus Storndorf wurde das Patent als Geometer 2. Klasse für den Kreis Alsfeld und dem Geometergehilfen Jakob Lutz aus Ober-Klingen das Patent als Geometer 2. Klasse für den Kreis Dieburg; dem Geometergehilfen Adam Masch- mann aus Albig wurde das Patent als Geometer 2. Kl. für den tei§ Alzey erteilt; dem Schulamtsaspiranten Richard Ulrich aus Nieder-Mockstadt, Kr. Büdingen, wurde die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Götzen, Kreis Schotten übertragen.

** Das Verordnungsblatt für die evange- lische Kirchedes Großherzogtums Hessen Nr. 7, ausgegeben den 31. Juli, enthält: 1. Ausschreiben

des Großh. Oberkonsistoriums an die evangelischen Kirchen­vorstände (Nr. 10) vom 18. Juli 1902:Der Vorstand des Evangelischen Kirchengesangvereins für das Großherzogtum Hessen richtet auf Grund eines bei seiner diesjährigen Hauptversammlung zu Schwabsburg gefaßten Beschlusses an uns die Bitte, die Kirchenvorstände veranlassen zu wollen, daß die Kirchengesangvereine von den Kirchengemeinden unterstützt werden, soweit es die Mittel der Gemeinden zulassen, und daß schon bei Beratung der nächsten Voranschläge ein entsprechender Ansatz erfolge. Wir halten diese Bitte für berücksichtigens­wert und empfehlen den Kirchenvorständen, soweit es die zur Verfügung stehenden Mittel erlauben, den in dieser Richtung an sie gebrachten, zu begründenden Wünschen der Kirchengesangvereine und Chorschulleiter ihrer Gemeinde Rechnung zu tragen und erforderlichen Falls schon int nächsten Voranschlag einen entsprechenden Betrag für diese Zwecke einzustellen." 2. Aus sch reib en des GroM. Oberkonsistoriums an die evangelischen Pfarrämter. Be'- treffend: Die Vorbereitung der Konfirmation und die gottesdienstliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts. Vom 25. Juli 1902. 3. Ausschreiben des Großh. Ober­konsistoriums an die evangelischen Dekanate und Pfarr­ämter (Nr. 12) vom 28. Juli 1902. 4. Verzeichnis der im 2. Vierteljahr 1901 genehmigten Schenkungen und Ver­mächtnisse für evangelisch kirchliche Zwecke. 5. Dienft- nach richt en. Ernannt wurden: Psarrverwalter Schultheis zu Wolfskehlen zum Pfarrverwalter in Langenhain, Dekanat Friedberg; Pfarrverwalter Vogel zu Dieburg zum Pfarrverwalter in Horchheim, Dekanat Worms; Pfarrvikar Osfenbächer zu Albig, Dekanat Alzey, zum Psarrverwalter daselbst. 6. Aufforderung zur Bewerbung. Zur Wiederbesetzung werden ausgeschrieben: die zweite evangelische Pfarrstelle zu Er­ba ch, Dekanat Erbach; dem Grafen zu Erbach-Erbach steht das Präsentationsrecht zu; die evangelische'Pfarrstelle'zu Wölfersheim, Dekanat Hungen; dem Fürsten zu Solms-Braunfels steht das Präsentationsrecht zu; die evangelische Pfarrstelle zu Maar, Dekanat Lauterbach; den sämtlichen Riedesel Freiherrn zu Eisenbach stelst das Präsentationsrecht zu; die evangelische Psarrstelle zu Grä­fe n h a u s e n, Dekanat Darmstadt.

** Schlechtes Deutsch.Die deutsche Sprak ist ein swere Sprak", sagt bekanntlich der samose Herr v. Riccaut in LessingsMinna", und mit Recht wird immer auss neue Klage über schlechtes Schriftdeutsch geführt. Man spottet häufig über dasZeitungsdeutsch", hat aber viel mehr Grund, das Kaufmannsdeutsch zu tadeln, das im Durch­schnitt ganz unerhört schauerlich ist. Viele jungen Kaufleute sind außerordentlich fleißig in der Erlernung aller möglichen fremden Sprachen, die Muttersprache aber malträtieren sie in der abscheulichsten Weise, während sie die tadellosesten eng­lischen, französischen, italienischen, spanischen, schwedischen rc. Briefe schreiben können, die bei keinem Sprachgelehrten An­stoß finden könnten. Celui wird niemand schreiben, aber der, wo uns die Ware liefert", sagen von hundert Hand­lungsgehilfen mindestens 90 täglich an die dutzendmal. HeberAmtsdeutsch" mokierte sich gestern dieFranks. Ztg." mit Recht, indem sie folgende geradezu grausamen Muster­beispiele von üblem Undeutsch aus dem Regierungsblatte anführte:

Plaudereien aus der Kaiserstadt.

(Nachdruck verboten.)

Vorortschmerzen und fein Arzt. Tie Hohe der Kommunal- steuern. Cöpenick, der Waschfeste! Berlins. Das Schloß zu Cöpenick und seine Schicksale. Meister Tillemann und

Nachfolger.

Wer die rapide Entwickelung der Berliner Vororte; aus der Ferne verfolgt, wundert sich gewiß, daß diese Ge­meinden, die in ihrer Einwohnerzahl manche große Pro­vinzialhauptstadt überflügelt haben, so lange Dörfer bleiben. Ach, es geschieht nicht etwa, um das Gehalt für einen Bürger­meister zu sparen, wie viele kluge Leute denken. Der Haken sitzt ganz wo anders. Sie gleichen den armen Kerlen, die heiraten möchten, und die alte Geliebte nicht loswerden können. Diese alte Geliebte aber ist der Kteis, und ihr Anwalt der Larrdvat. Sie hängt sich mit tausend Ketten und Banden an den Ungetreuen. Bald zärtlich und bald rücksichtslos macht sie ihm klar, daß sie ohne ihn nicht existieren könne, und mit schlauen Rechenkünsten weist sie ihm sogar nach- daß sie für ihn keine Ersparnis bedeute. Aber wenn so ein veränderungssüchitiger Liebhaber losl- kommen will, so hat er sluchs andere Exempel mit ganz an­deren Resultaten bei der Hand, wie z. B. Neu-Weißen­see, das nun schpn drei Jahre veraeblich um die Stadt­rechte kämpft, und neuerdings dem Landrat bewiesen hat, daß es im ungünstigsten Falle immer noch um 100 000 Mk. jährlich besser abschneide als jetzt im Kreisverband. Ob's Helsen wird, bleibt abzuwarten. Der Minister scheint keine Neigung zu haben, die gewünschten Rezepte zu schreiben, und so werden die armen Patienten, zu denen außer Neu- Weißensee auch Rummelsburg, Lichtenberg, und vor allem Wilmersdorf zählen, wohl nach eine Weile weiter laborieren müssen, bis einmal ein anderer Mediziner kommt, der weniger homöopathisch in solchen Dingen ist. Bei den ziemlich hohen Kommunalsteuersätzen vieler unserer Vor­orte ist der Zusatz, den die Kreissteuer veranlaßt, von nicht unerheblicher Bedeutung. Denn nicht alle Gemeinden stehen so unglaublich günstig wie der VilleNvorort Grünewald, Der bekanntlich nur 15 pCt. Ortssteuer erhebt. Da ist

z. B. Weißensee, das mit 170 auswarten sann; da ist Rei­nickendorf mit 165, Rummelsburg mit 160, Rixdorf und Schmargendorf mit 150 pCt. Am wenigsten auf Rosen gebettet ist man in Britz, dem berühmten Rosenneste, das 2331/s Prozent Orts- und Kreissteuern einziehen muß, um seinen Etat zu bestreiten. Wo viel Rosen sind, sind auch viel Dornen! Im Interesse einer einheitlichen Entwickelung liegt es selbstverständlich, wenn alle diese Vororte mit Berlin selbst vereinigt würden; aber dieses Ziel liegt rroch in weiter, weiter Ferne. Tie verzwickten postalischien, kom­munalen und Verkehrsverhältnisse müssen noch verzwickter werden, ehe an ein gründliches Aufräumen zu denken ist! Wo dann freilich die Grenze gezogen werden wird, ist kaum abzuseheu. Tie Riesenarme der unheimlich wachsenden Groß­stadt dehnen sich und greifen nach allen Seiten aus; und wo noch vor fünfzig Jahren kaum zu durchdringende Jagd­gründe und Jahrhunderte alte Föhren waren, wachsen heute Ansiedelungen über Ansiedelungen, wie über Nacht, heraus, sodaß das bischen Wald dazwischen immer mehr zusammen­schrumpft. So geht es nach Potsdam und Teltow zu, nach Spandau und Cöpenick desgleichen.

Dieses Cöpenick, das eigentlich erst so recht bekannt durch die chemischen Wäschereien, Spindlers geworden ist, hat für Berlin eine große Bedeutung. Es ist der Waschf- kessel der Metropole, in der man das in kleinen Städten auch nicht gerade sehr beliebte Familienfest dergroßen Wäsche" nur noch in kleineren Haushaltungen kennt. Tie ganze Anlage der großen Berliner Miethäuser rechnet schon damit, daß wenigstens die Hälfte der Bewohneraus­wärts" waschen läßt. Und dasauswärts" ist neben Plötzen­see, Steglitz rc. vor allen anderen Cöpenick. Hunderte von Wäschewagen durchrollen tagtäglich den Weg von der alten, grauen Stadt her, die sich rühmt, mindestens ebenso alt zu sein, wie Berlin; und viele Familien gewinnen ihren Unterhalt aus dieser Beschäftigung mit dem Berliner Leinen, Shirting und Dowlas. Derrn hier werdenMänner zu Waschfrauen", und hantieren mit Seife, Bürste und Chlor, obgleich die beiden letzteren Hülssmittel natürlich abge- ftritten werden. Tie armen Weber wollen eben auch leben. Aber was sie Cöpenick alles zu danken haben, wissen sie sicher nicht! Cöpenick ist wendischen Ursprungs und bedeutet

etwabie Insel" (ähnlich wie Werder) oder ,chas Dorf an den Gräben". Es war der Sitz wendischer Fürsten, was durch Münzen eines Jakza von Copnic noch bewiesen wer­den kann. Im Laufe der Zeiten erfuhr die ursprüngliche alteBurg" natürlich manche Umwandlung, wenngleich das Grundgemäuer in einzelnen Teilen immer wieder Ver­wendung gefunden haben mag. Wenn Steine reden könnten! Sie würden erzählen von den Anhaltinern, vom falschen Waldemar, der hier Hof hielt; von den verschwenderischen Luxemburgern, und den energischen Hohenzollern! Im alten Schlosse noch schrieben märkische Raubritter Joachim dem Ersten ihr drohendes:Joachimken, hüte dy!" mit Kreide an die Schlafzimmerthür, was ihnen allerdings nicht gerade gut bekommen ist; in dem von Joachim II. erbauten Jagdschloß, das an die Stelle der alten Burg trat, weilte dereinst Gustav Adolf, der gewaltige Schwedenkönig; unter dem Großen Kurfürsten wurde es zur Werkstatt eines Adepten, der hier Gold machen sollte. Ter erste Preußen­könig führte einen dritten Bau auf und residierte hier eine Zeit lang. Friedrich Wilhelm I. berref nach hier das! berühmte Kriegsgericht zur Aburteilung seines desertierten Sohnes; in der Mitte des vorigen Jahrhunderts war das Schloß sogar einmal Gefängnis, vis es seit nunmehr fünfzig Jahren zur Herberge und Lchrstatt künftiger Volksbildner geworden ist. Die Eöpenicker selber sind natürlich mit Ausnahmen nicht gerade eine feine Sorte, und die Ber­liner Kriminalpolizei fängt hier manchen Vogel, der sich im Bereiche der Lberspree und in der Hauptstadt selbst unnütz gemacht hat. Ein bischen gewaltthätig und kratz­bürstig scheinen die Eöpenicker übrigens immer gewesen ju sein; wenigstens existiert in Rostocker Privatbesitz ein Tezelscher Ablaßbrief, der einen Eöpenicker Handwerks­meister, Namens Trllemann, vom Totschlage seines Lehrlings absolviert, nachdem erGebühren nach seinem Vermögen zum Bau der Peterskirche in Rom gezahlt" hat. Leider hat der industrielle Tezel keine ^kachfolger gefunden, dieaus Barmherzigkeit" ,-aufs Vollkommenste" abfolnier» ten, sobald das Geld im Kasten klang. Ab und zu hätten ihnen die Eöpenicker wohl auch heute noch etwas zu ver­dienen gegeben! .... A. R.