16. Mander - Ausstellung der deutschen Laud- wirtschasts-Kesellschast zu Mannheim.
(Originalbericht des „Gieß. Anz.") in.
n. Mannheim, 8. Jluni.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 9. Juni 1902.
** Packeteinfammluug. Im Publikum ist noch immer wenig bekannt, daß die Post auf Bestellung wie jeder Spediteur Packele aus den Wohnungen abholen läßt. Man braucht nur ein offenes Schreiben, eine starte oder einen Zettel mit den Worten: „BittePacket abholen bei (Namen und Wohnung)" unfrankiert in den nächsten Briefkasten zu werfen oder einem Briefträger mitzugeben, und die Sendung wird bei der nächsten Bestellfahrt gegen eine geringe Gebühr vom Hause abgeholt. Das Verfahren ist einfach und bequem. Man kann dabei die sehr viel größere Ausgabe für einen Gepäck
wörtlich:
„Man erzählt sich ganz allgemein, nicht nur in den betreffmüen Künstterkreisen, sondern auch im cheaterl,ebenden Darmstädter Publikum, von der großen Geschicklichkeit, mit der sich der Direktor vertragsmäßige Vorteile zu sichern weiß, wahrend er um aus- bedungene Gegenverpflichtungen, um derentwillen chm gerade jene Vorteile eingeräumt wurden. glatt hernmrommt. Gerade darauf sollen sich nicht zum geringsten Teile seine finanziellen Erfolge stützen. Es ivird, um von Dutzenden von Fallen nur zwei herauszugreisen, noch beute von dem Fall eines begabten Sangers mid Schauspielers gesprochen, der MitaU und Fall das hiesige Enaaacment verließ, ohne daß Herr Werner die .lndrohung der Vcrfolgiing wegen Kontraktbrnchs auch zu verwirltichen wagte. Ebenso der Fall der sehr beliebt gewesenen Koloratnriangerm Frau Pfeifser-Rißmann, der mündlich ein dreijähriger zur Pensionsberechtigung führender Vertrag zugesagt morden war, den sie im Vertrauen auf die Zusage »niterzeichiiete, der sich aber hinterher niit einer Kündignngsklanscl versehen erwies, von der in der That Gebrauch gemacht ivurde, sodaß die Runftlcrm rcS Vorteils, um desseiitivillen allem sie viel vorteilhafte Vertrage ausgeschlagen Halle, verlustig ging."
Die Anfrage meint dann noch, ob sich diese HandlungS» weise, wenn sic aud) streng formell rechtlich sein möge, mit den Grundsätzen vornehmer Leitung eines so reich subventionierten Kunstinstituts vereinbaren läßt, sei eine andere Frage. ,
Bad-Nauheim, 8. Juni. Unterhaltungen. Frühkonzert der Kurlapelle täglich vo,i 7—8 Uhr vormittags am Kurbrunnen. Dienstag, 10. Juni, nachmittags von 4'/,—6»/, und abends von 8—10 Uhr auf der Terasse Konzert der Kurlapelle. Bei gutem Wetter abends von 7 10 Uhr Kon- zert der Kapelle des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2 Großh. Hess.) Nr. 116 auf der Teichinsel. Von 8 Uhr ab* Lampionsbeleuchtung, gegen 10 Uhr Feuerwerk auf dem Seid). Eintritt frei. Die mittlere Terrasse ist abends nur gegen Vorzeigen großer Kurkarten zugängig. Mittivoch, 11. Juni, nachmittags von 4%—ßl/a und abends von 8—10 lU)i auf der Terrasse Konzert der Kurkapellc. Abends 8 Uhr
träger ersparen. .
*♦ Schau- und Wettschwimmen und Springen im Gi e ß e n e r V o l ks b ad e. Man schreibt uns- Ter Kreis Süddeutschland des Deutscheii Schwimm- Berbandes beabsickftigt, entfprechend seinem Zweck, das dem Körper wohlthätige und dienliche Saiwinimen überall hin zu verbreiten, in Gießen einen Sck) w im m v e r ei u ins Leben zu rufen. Um nun einen Belveis zu erbringen, in welcher außerordentlich vielseitigen Weise das Schwimmen und Springen betrieben werden ianii, werden eine Anzahl Mitglieder des seit elf Jahren bestehenden Ersten Frankfurter Schivimmllubs am Sonntag, deii 22. Ium, nachmittags Uhr im Bolt'sbade ein Sch Wimm fest veranstalten. Da der Kreis natürlich keinerlei materiellen Vorteil von dieser Feier haben, sondern nur die ideale Seite des SchwilliNiwesens vorführen will, so werden Freunde und Anhänger des Schwimmens, besollders auch Damen, gebeten, die interesfante Veraiistaltung recht zahlreich zu besuchen, und zu unterstützen. Was das Schwimmen selbst betrifft, so ist es ja eine betannte s,hal- suche, daß wohl keine lörperliche Ucbung mehr geeignet {ft, bei dem Menschen Krüstigung, Gesundheit und gelftige Frische zu erhalleii und zu fördern, als luic das ^chwim- mcii Leider wurde früher dieses Faltum zu luciug cm» gesehen, und erst seit 15 Jahren macht fick) eine bedeutende Bewegung bcincrlbar, das Schwimmen in richtiger und den Körper wirNich kräftigeiider Weise durch das Wirken der Schwimmvereilic, gicici) beni Turnen, zu einem Oe- mein gut des deutschen Volkes zu machen. Diese wb|id)t isi anll) im besten Aufschwung begrisfeu, denn die bis jetzt bestehenden Schwinimvereine, ea. 150 an der Zahl, haben sich die Ausgabe gestellt, nicht allein ihre Mitglieder zn tüchtigen, unerschrockeneii Schwimmern heran» zubilden, sondern auch die Jugend im Schlvimmen zn unterrichten, zn welchem Zwecke Zöglingsabteilnngen er» richtet wurden. Wer and eigener Anschauuug^beobachten kann, luve viele der Kinder durch fortgesetztes Schwimmen mit der Zeit zu kräftigen Gestalten mit breiter Brust und vollem pulsierenden Leben heranwachsen, wie sie abgehärtet werden, Wind und Wetter zu ertragen, der wird zugeben, daß das Wirken der Schwimmverellle ein segensreiches ist. — TaS Schwimmen, wozu auch Springen und Tauchen gehört, ist Turnen im Wasser. Es >si die vollendetste aller Turnübungen, da sie alle Muskeln des Körpers m Anspruch nimmt, uub in staubfreier Luft ausgeführt wird. Alles das wird aber nur bei einem regelmäßigen, Sommer und Winter auSgeübten Schwimmen erreicht, und dazu bietet Gießen vermöge seiner schönen Laynbadeaustalten und des herrlichen Volksbades die beste 6^legenheit.
*" T e r hessische Fech,tberein Waisen, chutz feierte gestern in Darmstadt sein IttjäyrigesGrüuduugS- fest, mit dem gleichzeitig die zehnte La n de sver sammln ng verbunden war . Vormittags 1/211 Uljr begann die ' Telegiertensitzung in der „Stadt Pfungstadt", zu der zahlreiche Delegierte aus allen Provinzen sowre viele {Säfte erschienen waren. Ter Vorsitzende des Zweigvereius Darm nabt, Burggraf, begrüßte die Erschienenen, besonders ben Beigeordneten Dr. Glüssing, und verlas hieran ' eine Anzahl Daul' und Eutschuldigungsschreibeu der in den Ehrenrat des Vereins ringe trete ne 11 Herren: Oberbürgermeister Dr. Gaßner Mainz, Beig. Dr. Glüssiug Darm- stadl, Medizinalrat Kirubergnei Mainz, Baurat und Beig. 5'uhn -'.'JtainÄ, Bürgermeister M e e um 'Gieß c u , tt'oni mervenrnt Melchers Mainz, Oberbürgermeister Morneweg Darmstadt, Kreisrat SckfliepHale-Erbach L O. Auch der Pro-
zu sehen sei. Eine große Maschine speit Wasser usw. Da er die Ausstellung so sehr lobte, half ich ein. Die große wasserspeiende Maschine war die Lanz'sche stationäre Verbundlokomobile mit esfektiver Leistung von normal 170 Pferdekräften; sie hebt in der Minute 40 Kubikmeter Wasser einige Meter hoch, diese Wassermasse stürzt über einen dahingebauten Sandsteinfelsen und bildet einen ununterbrochenen gleichmäßigen Wasserfall. Als ich den Stammtisck)gästen noch dies und das Wunderbare von der großartigen Ausstellung und von der deutschen Landwirt- chaftsgeiellschast erzählt hatte, verabschiedete ich mich und wurde sehr freundlich entlassen. Es war inzwischen dunkel geworden, die Beleuchtung der Straßen begann, >er gewaltige Wasserturm erstrahlte in Rotfeuer, aus dem das elektrische Licht in zahllosen Flammen zuckte. Alle Anlagen waren durchleuchtet, die Menschen fluteten auf und ab, ich hatte Muhe, vorwärts zu kommen. Da Rufe: der Großherzog kommt, sofort war ich eingekeilt in der Menge. Ein paar berittene Gendarmen sprengten vorauf, dann folgten einige Equipagen mit offiziellen Persönlichkeiten, daran schlag der Wagen, in dem das großherzogliche Paar saß. Hurra-Ruse erschollen, die Fraueu hoben die Kinder über ihre Köpfe, das Großherzogspaar verneigte ich fort und fort, dankend für die begeisterten Jubel rufe. Mit Mühe erreichte ich endlick) mein Quartier um auszuruhen von den Anstreiigungen des Tages.
Tie Ausstellung ist sehr gut besucht, man ficht unter der großen Menge fetten einen Bekannten. Und will man einen solchen auffinden, so ist in der Regel alles Suchen vergeblich. , . .. , - ,
Heute nachmittag fand im großherzoglicheii Schloß ein Galadiner statt, an dem die großherzoglichen und erbgroßherzoglichen Herrschaften, Prinz Max von Baden, die Minister, sowie der württembergische ^taatsminifter v Pischeß die Spitzen der Behörden und zahlreiche Herren der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft teitnahmen. Der Großherzog hielt eine Ansprache, in der er den Herren der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft nochmals für bie Veranstaltung ihrer Tagung und Ausstellung in sJ)LaiinI)eini dankte, die Dhätigkeit der Landwirtschaftsgesellschaft und ihre Verdienste hervorhob und den Wunsci) ausfprach, Baden möge den Vorzug genießen, im Laufe der künftigen Jahre die Landwirtschaftsgesellschaft wieder zu begrüßen. Um 5 Uhr hatten die Militärvereine des Rhein-Neckärgou- Militär-Verbaudes im Schloßhof Aufstellung genommen. Der Großherzog, begleitet vom Erbgroßherzog, schrick die Front ab und sprach mit Einzelneri der Anwesenden freundlich.
vinzialbirektor Frhr. v. Gagern- Mainz hatte sich erttML- digt. Beig. Dr. Glas sing sprach hierauf seinen herzliche« Tank für die ihm gewordene Ehrung aus, die ihm wohl in erster Linie mit Rücksicht auf seine Stellung ocks itzender der Armendeputation der Stadt Darmsvadt geworden sei. Er wies darauf hin, daß Waisenschach und, Armenpflege eng verbunden in Fallen, wo die Familien^ bande fehlen, ihren Schutz ausüben und daß ein Vergleich beider oft nicht zu Ungunsten des Waisenschutzes ansfalle^ der bei der richtigen Auswahl der Bedürftigen meist em Vorteil sei; der Waisenschutz erleichtere die Aufgabe der Genieinwesen und habe mit Recht Anspruch auf Anercken-, nuna. Er beglückwünsche deii Verein zu seinem bedeutungs^ vollen Feste. - Ter Präsident I. Schrapenborg- Main- dankte für die herzlichen Worte Tr. Glässings und toarf einen kurzen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte d^ nach Loslösung von der deutschen Reichsfechtschule am 20. gum 1892 gegründeten Vereins. Sein auf den Großherzog ouä* gebrachtes Hoch wurde mit Begeisterung ausgenommen. Daraus schritt man zur Bureauwahl. Es wurden Winn^ Gießen zum 1. Vorsitzenden, Schneider-Mainz zum 2. Vorsitzenden, Dressel und Ullrich zu Schriftführern rmd Appel-Bischofsheim, Michel unb Horn-ManiL, Wambach- Ohm und Stolze-Tarmstadt zu Beiräten gewählt. — Präsident Schrapenborg gab hieraus einen Bericht über die Entwickelung und den Stand des Vereins. Der Verein gedeiht gut und hat bisher sch.öue Erfolge onszuweisen. Tie Revisoren Heydt und Dressel berichteten hierauf übec die Kassensühruiig des geschäftsführenden Ausschusses, dem für seine Mühewaltung Tank und Entlastung erteilt wird. Ter Rechenschaftsbericht für 1901 schließt in Einnahme und Ausgabe mtt 6196,62 Mk. ab. Tie Bilanz ergiebt einen Vermögeilsbestand von 54 130,38 Mk. Der Voranschlaa wird mit 3240 Mk. pro 1902 gutgeheißen. Zum ersten Male tritt der Verein an die O e ff en t lichte i t, indem er für bie Verpflegung von 6 Waisen 1200 Mk. vorgesehen hat. , Bei der Voranschtagsdebatte wurde dem Bedauern darüber Ausdruck gegeben, daß in W 0 r m s nichts für die Zwecke des Vereins geschehe, da der dortige Polizeivorstel-er einen Verein im Interesse der Stadtarmen gegründet habe und darauf sehe, daß diesem alles zugewiesen werde. — Bei der hierauf folgenden Neuwahl des Präsidiums und der Mitglieder der Oberfechterei wurden der Präsident Schra- penborg, sowie die Herren Degenhard, Strecker und Horn- Mainz wiedergewählt. Ullrich-Mainz tritt neu in den Vorstand ein. Als Beiräte wurden die Herren Hauck,; Schneider, PolizeftKomm. Filsinger, alle aus! Mainz, g«vählt. Es folgte der Bericht des Preßausschusses durch Dressel- Mainz. Tie beiden Revisoren Drescher und Heydt wurden wiedergewählt. Als nächstjähriger Versammlungsort wurde Mainz bestimmt. — Auf Antrag des Vereins Darmstadt beschloß man, an das Ministerium eine Vorstellung zu richten, die von den Zweigvereinen zu üeranftaUaibcn Verlosungen ein für allemal steuerfrei zu belassen. Ferner wurden noch ernannt: Zu Fechträten Degenhard, Reisert und Köhler in Mainz; zu Generalsechtwarteu Horn und Strecker-Mainz, zu Hauptfechtwarten Michel und Ullrich- Mainz. Nachmittags fand im Stadt-Saalbau ein Festessen mit Gesangsvorträgen und Konzert statt. Daran schloß lich eine Verlosung. Dem Präs. Schrapenborg wurde von dem Fweigverein Mainz ein Lorbeerkranz sowie ein fiUknteri Becher Überreicht. Ein sollener Festball beschloß das Fest.
* • Mißgeburt. Aus dem Jeldbacherhof bei Dillenburg wurde ein ausgewachsenes Fohlen tobt geboren, besten beide Augen in einer Augenhöhle auf bet Mitte ber Stirn lagen unb nur durch eine Naht non einander getrennt waren. Nase unb Oberkiefer fehlten vollstänbig. Kopf unb Hals ber Mißbildung wurden dem Gießener veterinär-pathologischen Institut zugesandt.
* * Diebstähle. In der vergangenen vcacht wurde m einem hiesigen Geschäftshaus (ungebrochen. Dem Dieb fielen gegen 100 Mk. aus der Labenkaste in bie Hände. Er ist burd; ein Kellerfenster in bas Innere bes Hauses gelangt unb hat dann die Ladenthür und bie Käste gewaltsam geöffnet. Man ist bem Thäter auf der Spur. — Ein hiesiger junger Mensch, der kaum aus ber Schule entlassen ist, entwendete gestern in einer Gartenrestauration hier einen wertvollen Stock. Er wurde zur Anzeige gebracht.
* * Die Darmstädter Oper vor dem Parlament. Der Zweiten Kammer ging eine Anfrage des Abg. Köhler- Langsdorf über bie Führung der Geschäfte im Hostheater zu, bie Bezug nimmt auf die Behandlungen ber Oper „Meister Martin unb seine Gesellen" von Weißheimer. Angeblich ließ der Generaldirektor es nicht bis zur fünften Aufführung dieser Oper kommen, obgleich sie große Erfolge hatte, anscheinend deshalb, weil dann das Werk nack; dem Kontrakt hätte erworben werden müssen. Eine Stelle in ber Anfrage lautet
Immer wieder muß ich auf die großartige Ausschmückung der Stadt zurückkommen. Der Großherzog mit Gemahlin, der Erbprinz und Gemahlin residieren hier. Die Bevölkerung ist auch tagsüber in lebhafter Bewegung. Gegen abend bis tief in die Nacht hinein sind die Straßen nut Menschen angefüllt, und wenn uns Fremden die landwirtschaftliche Ausstellung nicht so sehr anziehen würde, so würden wir in der Stadt bleiben und Unterhaltung genug finden. Boregstern abend fand im Stadtpark Konzert statt, zu dem die Mibalieder der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft mit Eintrittskarten versehen wurden.
Wir bermtzeu die frühen Abendstunden, nachdem die Ausstellung geschlossen ist, die in Bezug auf Dekoration besonders bevorzugten Straßen uns anzufeheu. Boni Bahn- Hose führt der Kaiserring am Wasserturm mit feinen präch? ttgen Anlagen vorbei und geht über in den Friedrichsring. Diese Straßenanlagen find wohl in den Städten Deutschs lauos ohne Gleichen. Sie werden gebildet durch zwei parallele Straßendämme mit Bürgersteigen, die getrennt sind durch präckftig unterhaltene Anlagen. Tie Ringe werden begrenzt durch reichgeschmückte , meist in den letzten 20 Jahren aufgeführte Häuser, die jeder Großstadt zur Zierde «reick-en können. Einer Dekoration bedürfen diese Straßenanlagen etguentlich gar nicht, trotzdem ist alles geschehen, um die natürliche Dekoration, die der Frühling in diesen reizenden Anlagen und Vorgärten zu Wege gebracht, durch die Kunst iwch so viel als möglich zu verstärken. Vom Wasser- tiarm sührt die Prachtstraße die „Planken" quer durch die Mitte der Stadt in der Richtung auf den alten Zoll- Hasen. Und diese Straße ist wundervoll dekoriert. Daß die Dekoration einzelner Häuser und GeschästSauslageii auch einmal etwas komisch wirkt, fommt ja immer mal vor. So hak ein Herr Strauß, der frische und andere Eier importient, sein sonst sehr schönes S<l)aufenster dekoriert, indem cir darin eine große goldene Krone statt mit bem sonst Üblichen Perlen, mit kleinen und großen Hühnereiern hat einfassen lassen, elbenso einen Namenszug in großen goldenen Buchstaben. In den Vordergrund her mit grünen Xaniieureiferu geschmitttten Auslage hat Herr Strauß ein ganz großes rundes Ei gelegt, jedenfalls ein Straußenei. Alle Welt scheint es mit mir dafür zu halten,, denn man betrachtet die ganze Dekoration mit beifälligem Schmunzeln.
Heute früh wanderte man wieder zur Ausstellung, das Wetter ist wolkig, aber ziemlich heiter und ganz trocken. Tie Wasser in der Ausstellung haben sich verlaufen, die. größten Pftchen werden mit Kies zugefahren. Tie höher gelegenen Wege sind trocken. Durch die niedrigeren führen durch die Pafsanten feftgetretene Pfade, die ängstlich eingehalten werden. Denn „ein Schritt vom Wege" — und der leuchtende Glanz der F-rifch'-gewichsteii ist hin. 3d)i bemühe mich, alles zu sehen und ordentlich zu sehen, es ist unmöglich, man muß einzelnes herausgreifen, was besonderes Interesse erweckt. Ausgezeichnet ist die SchweiueauSstellung, und sie erregt die Aufmerksamkeit noch besonders der Frauen der Landwirte. Wir züchten in Hessen nur das sogenannte deutsche weiße Edel- schwein. ES genügt unseren Zwecken vollständig, da es srüh- reif, inastfähig unb von ziemlich derber Konstitution ist. Hier werden uns außer dieser Rasse noch vorgeführt das Berkfhire-Schwein, unveredelte Landschweine aus Bayern und Hannover, veredeltes westfälisches Laiidschwein, eine schwarz und weiß gesprenkelte Schweinerasse, Tigerfchwein genannt, das bekannte Meißener Sck)wein, veredeltes Marschschwein rc. 2c. Es ist ein Verzeichnis der Züchter aller dieser verschiedenen Schweinerafsen vorhaiiden, wer kann sie alle aufzählen! — Unter den Ziegen nehmerw wieder die ungehörnten weißen Ziegen aus dem Saunen- ihal die erste Stelle ein. Die ausgestellten Schafts so edlen Rassen sie auch angeboren, erregen hier wenig Juteresse, die Hühnerrassen find sehr reichhaltig vertreten unb bie, dienen au öftcUung wirb wohl in einer Fachzeitnng ausführlich vehanbelt werben. Für mich waren sie heute nicht zu sprechen, es war ihnen zu iühl unb zu spät geworden.
Viel besucht wird die Fi s ch a u ö ft c 11 un g, die uns die Fische vom Beginn ihrer Entwickelung bis zu einer Größe zeigt, in der man sie auch oft noch lieber gesotten ober gebacken kennen lernt.
Am Spätnachmittage war ber große Ring vor ber Tribüne genugsam abgetrodnet, baß man nach Den preisgekrönten Rindern auch die Pferde vorführen konnte. Den Reigen eröffneten Remonten der roten und gelben Dragoner. Sie wurden vorgeritten von Unteroffizieren jener Regimenter, jungen, blühenden Leuten, die im Sattel faßen wie angegossen unb mit sichtlichem Stolze ihre Reitkunst zeigten. Es war eine Freude, bie edlen Tiere bei ben Klangen einer entsprechenden Weise über den Platz traben unb gallopieren zu sehen. Sic zierlichen Hufe berühren kaum ben Boden unb das Feuer ber schönen Tiere können die Reiter kaum bändigen. Unter lautem Beifall des Publikums — die Tribünen sind dicht besetzt und Hunderte von Menschen umstehen den Ring — verlassen die Reiter den Ring. Unmittelbar folgen die Hengste des kaiserlichen Gestüts aus Straßburg, auserlesene Tiere des warmen unb 1 alten Schlages. Daun folgen bie Stuten unb Füllen ber brutschen Edelzucht, warmblütige Pserbe aus Mecklenburg, Hannover, Baben, -Ostpreußen, Elsaß Lothringen unb an bereu deutschen Gebieten . Artilleristen führen Remonten für die Geschützgespanunug aus den Depots in der Alsi- mark unb in Hannover vor, bann folgen wieder prämiierte Zuchtpferbe und Füllen deutscher Landwirte in großer Zahl, und nach alledem Gefehenen muß man zu dem Glauben kommen, daß es mit ber Hochzucht edler Pferde in Tentschlaud rascher als bisher vorwärts gehen must
Als ich heute abend die Ausstellung müde von dein oiticn Sehen verließ, suchte ich int Kaiserring eine Bi erwirtschaft auf, um zu Nacht zu essen. Dieselbe war vor- zugsiveise von Mannheimern besetzt, die ihren geliebten Großherzog in ihren Mauern wissend, es zu Hanse nicht auShaltcn können unb mit Weib und Kind bis nach Mitternacht beim Bier anSzuholten pflegen. Es war wenig Platz da, als ich an einem schon fast ganzbesetzten Tische um einen Platz bat, wurde mir ein solcher eingerüumt. Dann erst fay ich, baß ich an einen Stammtisch geraten war, ich wollte daher wieder aufstehen, würbe aber zu- rückgehaiten. Unb nun hörte ich zu, wie einer ber Herren, der in der landwirtschaftlichen Ausstellung gewesen war, den anderen Wunderbinge erzählte. „Uff den Tribunen war Euch alles schwarz von Menschen unb in der großen Ave na, da wären Euch ßfetbc, so was habt'ei C et eb n nit gesehen. Was Menschen und was Pferde, an mir Publikum, mir staune brum rum." Daun erzählte er vor. per Großartigkeit ber ganzen Ausstellung, was da alles


