gegeben! Eines muß zugegeben werden: Tie wirisch a. ft liche Erschließung des Landes wird unter Englands Herrschaft bedeutender und rascher werden. Wer den Krieg und seinen Frieden nur vom rein wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, muß mit dem Ausgang zufrieden sein. Die Buren werden von ihren Besiegern das, was ihnen gerade hierin fehlte, lernen; und wahrlich, sie haben keinen schlechten Lehrmeister gesunden.
Are tzhe des Jürsten von Monaco.
Vor mehreren Tagen hat, wie wir mirteilten, das Zivilgericht von Monaco in geheimer Verhandlung die T r e n n - ung der Ehe und die Aufhebung der Gütergemeinschaft desFür st envon Monaco und seiner Gemahlin zweiter Ehe, der Fürstin Alice, verwitweten Herzogin von Richelieu, ausgesprochen. Tie Gründe, die das Zivilgericht erörterte, sind nicht nur den Bewohnern des Landes der Roulette, sondern auch denen anderer europäischer Landschaften, dank dem Interesse, das dieWelt Angelegenheiten enlgegenzub rin gen pflegt, die sic nichts angehen, längst kein Geheimnis mehr.
Fürstin Alice von Monaco, war 31 Jahre alt, als sie, neun Jahre nach dem Tode ihres ersten Gatten, des Herzogs Armand von Richelieu, dem Fürsten Albert die Hand reichte. In New Orleans im Staate Lousiana als Angehörige der Familie Heinrich Heines geboren, wurde die Siebzehnjährige die Gemahlin eines Nachkommens des größten Staatsmannes des alten Frankreich. Der Herzog von Richelieu war so ungalant, seine junge Gattin in einem Alter als Witwe zurückzulassen, das man kaum als ein heiratsunfähiges bezeichnen kann. Mit ihrer amerikanischen Erziehung, ihrer großen Jugend, zwei kleinen Kindern im Alter von fünf und einem Jahre und dem doppelten Reichtum, den ihr und ihres verstorbenen Gatten Vermögen ihr bot, blieb sie nach seinem Tode in Paris zurück. Sie entdeckte nicht ihr Herz in den neun Jahren ihrer Witwenschaft, und so entschloß sie sich, ihre Krone mit der einer absoluten Monarchin zu vertauschen. Zwar war ihr Fürstentum keine halbe Quadratmeile groß, und Ihre Hoheit mußte auf der Hut sein, um nicht anläßlich eines Allerhöchsten Spaziergangs von monegaskischem Boden unversehens nach Frankreich hineinzustolpern, aber es war immerhin ein märchenhaft schönes Fürstentum in dem, umflutet vom zauberischen Licht der südländischen Sonne, die Abenteurer zweier Welten sich auf der Jagd nach dem Glück begegnen.
Ter Fürst dieses Ländchens, Albert Honorius Karl, war zudem ein liebenswürdiger grandseianeur, mild und weich, den weder Regierungssorgen noch Kanal- und Zoll- fragen irgend welcher Art bedrückten und der nur einer Leidenschaft frönte, der, sich wie ein Privatgelehrter bürgerlichster Provenienz bis an den Hals in ozeanographische Forschungen zu stürzen. Er interessierte sich für das Leben der Tiere in der Meerestiefe, er widmete der Sicherheit der Seefahrer in der Umgebung Spitzbergens eine Reihe von Arbeiten hydrographischer Natur, er unterzog die geologische Beschaffenheit des Meeresgrundes eingehenden Studien, er unternahm wissenschaftliche Reisen nach den arktischen Gegenden, kurzum, er benahm sich so unfürstlich und ungalant, wie man das von einem Monarchen, in dessen Spielsälen keine Cocotte untergeht, nicht voraus- zusetzen berechtigt wäre.
Fürstin Alice wurde die Zeit etwas lang. Nachdem sie ihr Land im Laufe der ersten EhHahre einige tausend Mal durchfahren hatte — keine große Zerstreuung allerdings, wenn man bedenkt, daß der fürstliche Wagen im mäßigen Trab dazu einer Viertelstunde bedurfte sann sie auf Zerstreuungen anderer Art. Und da sie eine Tarne von Geist, Geschmack und Phantasie war, der die Mittel zur Seite standen, geschmackvolle Phantasien auch in Thaten umsetzen zu können, wurde sie eine eifrige Protektorin der Kunst, insbesondere der Bühne. Ihrer Initiative verdankt Monte-Earlo ein Theater, das in seiner äußeren unt> inneren Ausstattung und ganz besonders durch die Mtwirkung weltbekannter Künstler nächst den Spielsälen zu einer der größten Attraktionen des Fürstentums wurde. Wer auch ihre Rolle als Hülsen Monte- Carlos vermochte die lebensfrohe Frau, der die Sicherheit der Seefahrer in der Umgebung Spitzbergens und das Seelenleben der Tiere in der Meeres tiefe keine Migräne verursachten, auf die Tauer nicht zu befriedigen. Während der Fürst mit mehreren Gelehrten an Bord seiner Jacht sich von Tromsö aus nach der Nordküste seines geliebten Spitzbergen begab, um von dort durch mächtige Eismassen -einen Weg nach der Straße von Hinlopen zu suchen, auf der er nichts verloren hatte, fand ein anderer das Herz der Fürstin unter dem 51. nördlichen Breitengrad ohne alle ozeanographischen Instrumente.
Es war in London. Vielleicht an einem nebligen Tag, an dem die Fürstin mehr als je daran dachte, daß es nicht gut sein soll, daß Frauen allein seien, als ihr ein Künstler vorgestellt wurde: Senor de Lara. Er hieß zwar Isidor, aber cs war ein Portugiese mit abgrundtiefen Augen, iu die sie ab stürzte. Er war Komponist, fürs erste noch ein unverstandener, da kein Tirektor sich entschließen konnte, seine Opern aufzuführen. Er machte sie zur >Ver- trauten seiner seelischen Leiden; er schüttete sein verwundetes Künst'lerherz in sv barytonalen hörten vor ihr aus, daß sie der Versuchung nicht widerstehen konnte, der vor mehreren Jahren gleich ihr eine andere, Prinzessin Ehimay, erlag. De Lara ist eine Art verfeinerter Riga, nicht ganz so unbedeutend wie der Erkorene Clara Wards, aber feinen» falls ein Mann, dem eine Frau von der geistigen Bedeutung der Fürstin von Monaco ihre Stellung, ihren Ruf und sich selbst zum Opfer bringen könnte. iMais — li coeur a 868 ] aifeODa que la raison ne connait pas ....
Mährend der Fürst damit beschäftigt war, bei einer Temperatur unter Null, 2400 Lothringen und 4200 Messungen vorzunehmen, hatte die Neigung der Fürstin zu dem Künstler mit der Löwenmähne 37 Grad, die Maximaltemperatur der sieberlosen Freundschaft längst überschritten. Sie trat in seiner Begleitung die Rückreise nach ihrem Fürstentum an, sie bot ihm auf Sch,laß Monaco die weitgehende Gastfreundschaft, seinen unverstandenen Opern in ihrem Theater eine fürstliche Ausstattung und eine glänzende Wiedergabe und schuf schließlich für ihn selbst einen Jnten- dantenpostcn, der ihm 25 000 Francs Monatsgehalt ein» trug. Seine Opern blieben dessenungeachtet andauernd uxv verstanden, und selbst die aus Paris unter großen Kosten eingeladcnen Kritiker trugen die Schöpfungen des fürstlichen Schützlings zu Grabe, wenn auch mit Kranzspenden, die ihre Galanterie der fürstlichen Frau und liebenswürdigen Hausherrin schuldete.
Te Lara wird, da nunmehr die Trennung des Fürsten- paares ausgesprochen ist, seine Werke nicht mehr in dem IHeater zu Mvnte-Carko dirigieren können; er wird fortan
nicht mehr von d er monegaskischen Armee, deren beträchtlicher Teil vor dem Eigangsthor zum Schloß Wache stand, mit fürstlichen Ehren begrüßt werden.
Mit der kürzlich ausgesprochenen Scheidung ist dw> Schlußtapitel der zweiten Ehe des Fürsten gesprochen, dessen erste Ehe bereits, und zwar nach elfjährigem Bestand, getrennt wurde.
Hessischer Landtag.
Zweite Hessische StändeLammer.
109. Sitzung.
Darmstadt, 7. Juni.
Präsident Haas eröffnet die Sitzung um 9i/2 Uhr.
Am Regierungstisch: Staatsminister Rothe, Geh.Staats- rat v. Krug.
Aus der Tagesordnung steht: die Regierungsvorlage, den Gesetzentwurf, die L a n d st ä n d e betr., owie die Bo rstellung der Gemeindevertretung von Bad-Nauheim in gleichem Betreff; in Verbindung hiermit die Anträge der Abgeordneten Dr. Schmitt und Genossen, die Wahlvorschrrften und die Einführung direkter Wahflen zum Landtage betr. sowie der Antrag des Abgeord^ neten Ulrich in Betreff der Waylvoxschriften.
Ter Ausschuß beantragt, der Regierungsvorlage zuzustimmen, die Vorstellung der Gemeinde Bad-Nauheim für erledigt zu erklären, sowie eine zweite Lesung über den Gesetzentwurf vorzunehmen, was nach kurzer Debatte zur Geschäftsordnung einstimmig beschlossen wird.
Auf Vorschlag des Präsidenten wird mit der Generaldebatte diejenige über den Artikel 4, der an Stelle der indirekten Wahl die direkte setzt, verbunden.
Staatsminister Rothe: Mit der Vorlage habe die Re- gierung eine Zusage erfüllt, die auf das Ersuchen des Hauses um eine eingehende Revision des Wahlgesetzes gegeben worden sei. Ter vorliegende Gesetzesentwurf berücksich- tige alle früher ausgeworfenen Fragen und Anträge und er enthalte alles davon geeignete. Mehr als eine Revision des Wahlgesetzes bedeute indes der Entwurf nicht. Ohne jede Uebereilung sei hierin jedes Wort wohl erwogen worden und man habe alles ausreckft erhalten, was aufrecht habe erhalten werden können. Wer den Entwurf genau studiert habe, der müsse sagen, daß alles darin wohl überlegt sei. Ta der Gesetzesentwurf im Ausschluß ruhig und sachlich behandelt worden und auch die Begründung durch die Regierung sachlich und objektiv gehallen sei, so könne man auch eine ruhige, objektive Debatte erwarten. Ueber die vorliegende Frage müsse man sich imr nach reiflicher Ueberlegung entscheiden. Der Schwerpuntt der Vorlage liege im Ersatz des indirekten Wahlrechts zur Zweiten Kammer durch das direlle. Wenn sich auch die Erste Kammer für das indirekte Wahlrecht ausgesprochen habe und anfangs in der Zwecken Kammer selbst eine Mehrheit für ein an die Regierung zu richtendes Ersuchen um dessen Einführung nicht vorhanden gewesen sei, so habe die Regierung die Vorlage trotzdem eingebracht, weil kein Grund vorliege, a priori das direkte Wahlrecht zurückzuweisen. Das seitherige System von Wahlmännern, die mehr und mehr zu parteilich abhängigen Personen geworden seien, habe sich im allgemeinen nicht sehr bewätzrt, sodaß im Lause der Jahrzehnte das Interesse an der indirekten Wahl verloren habe. Ferner sei es als Mißstand zu betrachten, daß in den großen Städten die Zahl der Wahlmänner so groß sei, daß man dieselben unmöglich genau kennen könne. Bei der indirellen Wahl sei die Agitation nicht so sehr hervorgetreten und habe mehr hinter den Kulissen gespielt, besonders auf dem Lande. Dies werde jetzt wohl anders werden, namentlich in Bezug auf i>ie extremen Parteien. Anstelle der indirekten Wahl, durch die das Interesse an den Wahlen zweifellos verloren habe, solle die direlle treten, die volkstümlicher sei. Eine Einführung desselben sei jedoch nur unter gewissen Cautelen möglich Ein unbeschränktes, allgemeines Wahlrecht zu gebenseidieRegierungnichtgewillt. Ter Ausschuß habe die Wahlpflicht sowie das proportionale Wahlsystem in Erwägung gezogen. Was nun die Wahlpflicht an- lange, so sei das Wahlrecht eben immer nur ein Recht; aus dem Wahlrecht folge noch nicht eo ipso die Wahlpflicht. Hiergegen sprechen gewichtige Bedenken. Bei einer allgemeinen Wahlpflicht würden die extremen Parteien bei der Lauheit der anderen im Vorteil sein. Die bisherige Beteiligung der einzelnen Parteien an der Wahl sei leider nicht festzustellen. Der Stimmzwang bei größeren Wahlen sei in Deutschland noch nirgends eingefuhrt. Die Wahlpflicht würde Verdruß und Aergernis erregen und eine Menge lästiger Strafverfolgungen im Gefolge haben. Wenn man wählen müsse, so werde mancher aus Mißmut seine Stimme anders abgeben als er es sonst gethan hätte. Die träge Masse aufzurütteln sei nicht von Vorteil für den Staat; deshalb könne sich die Regierung mit der allgemeinen Wahlpflicht nicht befreunden, vielmehr sei die Regierung überzeugt, daß das.direkte Wahlrecht allein schon anspornend wirken werde. Die in Belgien und einzelnen Kantonen der Schweiz eingeführte Wahlpflicht, die an und für sich theoretisch sehr schön fei, habe sich nicht bewährt. Das proportionale Wahlsystem, das in Dänemark, der Schweiz rc. eingeführt sei, bedürfe erst noch der amtlichen Erhebungen; bei unseren kleinen Wahlbezirken sei es nicht einfüljrbor, und die Regierung könne sich in dieser Hinsicht auf Experimente nicht einlasscn. Abgesehen davon, daß dieses System die Selbständigkeit des einzelnen Wählers nicht genügend wahre, mute man auch der Wahlkommission zu viel zu und auch die dazu benötigte Berechnung bleibe der großen Masse unverständlich Außerdem würde durch das Proportionalwahlrecht die hinlängliche Vertretung lokaler Interessen im Landtage gefährdet, da nur von Parteien oder größeren Interessengruppen gewählt werde. Im Besitze des Stimmrechts solle nach dem Entwurf derjenige sein, der 25 Jahre all sei, seit 3 Jahren in Hessen wohne, seit 3 Jahren die Staatsangehörigkeit besitze, seit Anfang des Rechnungsjahres zu den diretten Staatssteuern bezw. zu der Kommunalsteuer herangezogen und mit deren Bezahlung nicht länger als zwei Ackmate im Rückstände sei. Alles dies sei durchaus gerechtfertigt, denn wer wählen wolle, von dem könne man auch verlangen, daß er seinen öffentlichen Verpflichtungen Nachkomme. Er bitte den Entwurf, bei bem cs sich nicht um ein neues Gesetz, sondern nur um eine Revision des alten Wahlgesetzes handele, in einer solchen Form anzunehmen, die die Regierung vertreten zu können in der Lage sei.
Abg. Freu al) (Ztr.): Ter vorliegende Gesetzentwurf erfülle frühere vom Hause geäußerte Wünsche. Ten ipringen- ben Punkt der Vorlage erblicke er in der Einführung des direkten Wahlsystems. Die Vorteile und Nachteile des in- diretten Wahlrechts seien bereit früher eingehend erörtert
worden. Diese Vorzüge seien iiides mehr theoretisch« Natur. Heutzutage könne man jedem Bürger soviel polü» tische Reife zutrauen, daß man ihm das direkte Wahlrecht geben könne. Alle Erwartungen erfülle indes die Vorlage nicht. Prinzipiell müsse er daran festhalten, daß das Pro* portionalwahlrecht das Richttge sei; dieses lasse allein die Minderheit ihre richtige Vertretung finden. Seine Zu* timmung zur Vorlage mache er indes angesichts der ablehnenden Haltung der Regierung nicht abhängig von dessen Einführung. Der Einführung der allgemeinen Wahlpflicht tehe er zwar sympathisch gegenüber, halte sie aber nicht ür durchführbar, die sie zur Voraussetzung die Einführung »er Verhältniswahl habe. Auch dies sei indes kein Grund ür ihn, der Vorlage seine Zustimmung zu versagen. Die Begrenzung der Wahlbezirke werde seines Erachtens großen Schwierigkeiten begegnen. Den Städten Alsfeld, Friedberg und Bingen solle nmn ihr Wahlrecht lassen und in den großen Städten die Zahl der Abgeordneten vermehren. Seine lolitischen Freunde stünden der Vorlage, die eine eminente Bedeutung für unsere Wähler habe, sympathisch gegenüber^
Abg. Heidenreich (natl.j: Seine politischen Freunde dien, obwohl der Staatsminister heute die Vorlage in ob* ektiver Weise vertreten habe, mit ihm darüber enttäuscht, )aß bei der Einfiihrung einer so hochbedeutsamen Vei> assungsfrage die Regierung ihren Standpunkt nicht in eingehenderer Weise motiviert habe. Tie badische Regierung )abe Denkschriften veröffentlicht, um das Publikum über )ie Bedeutung der Vorlage aufzullären. Ob das bestehende Wahlsystem zu so großen Mißständen geführt habe, müsse er bezweifeln. Der Landtag müsse in seiner Zusammensetzung ein Spiegelbild der sozialen und wirtschaftlichen Interessen des Landes fein. Aus dem Munde des Staatsministers Finger hätten sie im Jahre 1896 die Erklärung gehört, daß die Regierung mit dem Ergebnis des indirekten Wahlrechts wohl zufrieden sein könne. Grundfalsch sei, daß der Landtag ein Spiegelbild der politischen Parteien sein muffet Ter Wunsch Iper Bevölkerung nach Einführung des direkten Wahlrechts sei 'nicht in dem Maße verbreitet, wie man dies hinzustellen versucht habe. Nur gewisse Parteien hätten Interesse an dessen Einführung. Taß die Wahl- männer dem Einflüsse der Kreisräte zugänglich seien, treffe im allgemeinen nicht zu und im Odenwald werde man durch einen solchen Versuch die Wahlmänner veranlassen, erst recht das Gegenteil davon zu thun. Die Korruption nach unten sei heute viel größer, als die nach oben. Wir hätten in Hessen ein allgemeines, gleiches und geheimes Wahlrecht, das nicht so beschränkt sei wie das neue. Die mangelhafte Beteiligung an den Wahlen lasse den Rückschluß auf eine gewisse Wahlmüdigkeit zu, namenllich auf dem Laude, wo die exttemen Parteien nicht in dem Maße agitatorisch wirken könnten kvie bei dem direkten Wahlrecht. .Mit der Reichstagswahl sei diese Wahl nicht vergleichbar. Habe man einmal die direlle Wahl zum Lcmt>- tage eingeführt, so werde auch dieselbe zum Kreistag absl eine einfache Konsequenz kommen. Auf den weiteren Jn^ halt des Gesetzentwurfs wolle er nicht eingehen, sondern er habe nur seine den Entwurf ablehnende Stellung be^ gründen wollen. Durch die direlle Wahl werde an die Stelle des legitimen Einflusses des Mittelstandes und des Besitzes die Macht derejnigen treten, die die große Masse der Bevölkerung durch Agckatton und Presse beherrschten.
Aus Wunsch der Abgeordneten wird hieraus die Sitzung abgebrochen. Die nächste Sitzung wird auf Dienstag 10 Uhr anberaumt Zunächst soll die Debatte über die Main- Neckarbahn-iBorlage beendet werden; die Abstimmung wird auf geäußerten Wunsch um 12i/2 llhr erfolgen. Es steht $u hoffen, daß die Vorlage mit geringer Majorität angenomi men werden wird. Des weiteren steht auf der Tagesordnung die Fortsetzung der Debatte über das Wahlgesetz.
Schluß liy2 Uhr.
Aus Stadl und Saud.
Gießen, den 9. Juni 1902.
* * Personalnachrichten. Der Großherzog hat am 7. Juni den Gerichtsassessor Fritz Hoos aus Lauterbach zum Staatsanwalt am Landgericht der Provinz Oberhefsen, den Amtsrichter in VilbelDr. Karl Langsdorf zum Amtsrichter in Langen, den Gerichtsafseffor Hermann Müller aus Schaafheim zum Amtsrichter in Vilbel, beide mit Wirkung vom 12. Juni ernannt — Der Kaiser hat dem Fürstlich Solms-Braunfels'schen Oberkammerrat Stephan zu Braunfels die Erlaubnis zur Anlegung des demselben verliehenen Ritterkreuzes 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen erteilt. — Oberleutnant Kortegarn im Jns.- Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, ist unter Belassung in seiner Etatsstelle als Adjutant des Transpott- führers der gegen Mitte Juni auf dem Truppenübungsplatz Senne zusammentretenden Ablösungsmannschaften für die Ost- asiatische Besatzungs-Brigade kommandiett.
* * Eine neue Regierungsvorlage. Die Regierung fordert von der 2. Kammer die Genehmigung dazu, daß sie mck dem Reichs-Postamt eine Vereinbarung wegen Zahlung einer Bauschsumme für Porto- und Gebührenbeträge bezüglich der portopflichtigen, von Staatsbehörden und Beamten fcanfiert abzusendenden, nach Orten innerhalb des deutschen Reichs gerichteten Sendungen tnfft, welcher Vereinbarung die auf Grund der stattgehabten Probeermittelungen rechnungsmäßig noch definitiv festzustellende Jahressumme und späterhin diejenige Jahressumme zu Grunde zu legen rst, welche bei vereinbarungsgemäß neu vorzunehmenden Probeermittelungen festgestellt werden wird.
* # Französische Vorträge und Rezitationen. Morgen Dienstag wird Lector Goetschy das Thema besprechen: „Victor Hugo et la legende napoleonienne.“ Am 17. wird er eines der berühmtesten Lustspiele A. de Musset’a zur Rezitation bringen; es ist betitelt: eün c aprice.“
* * Der Laudesausschuß der hessischen Zentrumspattei beschloß. wie wir bereits kurz meldeten, dem demnächst zu einer Beratung über die bevorstehenden Landtagswahlen zufammen- tretenden Landeskomitee der Pattei die Abhaltung eines allgemeinen hessischen Katholikentages für die Monate September oder Oktober in Vorschlag zu bringen. Die Hess. Katholikentage und besonders die in Mainz abgehaltenen zeichneten sich stets durch starke Teilnahme der latholifchen Bevölkerung aus. Der zuletzt in Mainz abgehaltene Katholikentag war von 10 000 Personen besucht. Das große Interesse, das die hessischen Katholiken an dem Ausfall der diesjährigen Landtagswahlen nehmen, wird zweifellos auch dem I)curigen Katholikentag eine starke Teilnahme der katho- Irschen Bevölkerung sichern.


