Ausgabe 
9.5.1902 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

liche Bedingungen eingehalten werden, die an dieselbe ge­knüpft sind. _

Der Minister weist sodann auf die ständigen Storungen auf dem Balkan hin und erklärte, die Gestaltung der Dinge tn diesem Punkte des Weltteiles habe ein sehr unerfreuliches Aussehen uni) erheische eine konsequente und übereinstimmende Behandlung seitens der beiden an den dortigen Vorgängen zunächst interessierten Kabinete in Wien und Petersburg. Alle Bemühungen setzten indeß eine entsprechende Sanierungsmaßregel seitens der Türkei unbedingt voraus.

Ich kann nicht umhin, fährt der Minister fort, auf die großen Aufgaben Hinzuwelsen, die in allernächster Zeit unserer harren. Die anderthalb Jahren, die noch vor dem Erlöschen der gegenwärtigen Handelsverträge liegen, werden vollauf untere Thätigkeit in Anspruch nehmen. Wenn ich auch mich der Erkenntnis nicht ver- schlreße, daß die Verhandlungen zu deren Erneuerung auf manche Schwierigkeiten stoßen dürften, so glaube ich doch, daß dieselben bei einigem guten Willen nicht so unüberwindlich sein werden, um nicht endlich zu einem allseitig annehmbaren Vergleich zu führen. Dies setzt allerdings zwei Bedingungen voraus, einerseits einen gewissen Grad von Einsicht und Mäßigung in den wirt­schaftlichen Kreisen der verschiedenen in Betracht kommenden Staaten, andererseits, ,vas uns speziell betrifft, eine vollständige lieber ein st immuNg zwischen den beiden Teilen der Monarchie, um dem Auslände gegenüber als geschlossenes und somit kräftiges Ganzes auftreten ßu können. Daß von jeder Seite einige Opfer gebracht werden muffen, um zu einer billigen Ver­ständigung zu gelangen, scheiiit mir ziemlich einleuchtend, aber ebenso naheliegend ist, daß wir, roemi wir nicht Gefahr laufen wollen, in eine höchst ungünstige Lage zu geraten, unbedingt dafür sorgen müssen, eine gemeinsame Operationsbasis zu schaffen. Eine Vereinbarung über den autonomen Zolltarif, sowie die Perfektionierung des wirtschaftlichen Ausgleichs zwischen Oester­reich und Ungarn sind unausbleibliche Voraussetzungen der Aktion. , ,

In der sich anschließenden Debatte erklärte Golu- chowskr auf Aeußerungen des Dr. Kramarcz:Ich bin zwar nicht berufen, die Gedanken des Grafen Bülow zu erörtern und zu interpretieren, glaube aber, daß es unmöglich in feiner Absicht gelegen sein konnte, den Dreibund so zu bagatelifieren, wie es ihm Kramarcz zugemutet hat. Graf Bülow hat meiner Ansicht nach dasjenige gesagt, was jeder Staatsmann, der etwas . Selbstvertrauen besitzt und eine zielbewußte Politik führen nrill, sagen konnte und sagen mußte. Es wäre traurig bestellt, wenn ein Staat nur auf eine einzige Kombination angewiesen wäre. Wir sind wie Deutschland zu dem Schlüsse gelangt, daß die bewährte Grundlage, die seit 30 Jahren den Frieden Europas zu erhalten imstande war, aufrecht erhalten werden muß, und daß es im Interesse der einzelnen Kompariszenten gelegen ist, an dieser Grundlage nichts zu ändern.

Dem Wunsch des Delegierten Pergelt nach einer aus­führlichen Auslassung über die Frage der Han­delsverträge hält der Minister entgegen, daß sich über dieses Thema gegenwärtig nichts sagen lasse. So lange der österreichisch-ungarische Zolltarif nicht festgestellt sei, könne nicht einmal eine Aussprache mit fremden Staaten stattfinden. Dazu komme gerade bezüglich des wichtigsten Vertrages, nämlich desjenigen mit Deutschland die Schwierigkeit, daß auch dort der Zolltarif noch nicht perfekt sei. Was den deutschen Tarifentwurf an­lange, dürfe man nicht vergessen, daß derselbe ein Kamps­tarif sei, und es sei mit aller Bestimmtheit zu erwarten, daß man zu einem billigen Vergleich kommen werde.

Auf Ausführungen des Grafen Sylvester erwiderte Graf Goluchowski, er glaube nicht, daß irgend ein Staat im süd­afrikanischen Krieg sich zur Vermittlerrolle hergeben werde, wenn er von vornherein wisse, daß die Vermittelung von dem einen der kriegführenden Teile nicht angenommen würde. Die englische Regierung habe aber wiederholt erklärt, daß sie eine Intervention nicht zulassen könne. Eine anfgezwungene Intervention hätte leicht zu weitgehenden Verwickelungen selbst zwischen europäischen Mächten führen können.

Das Budget des Ministeriums des Aenßeren wurde schließlich unverändert angenommen.

Iom Krankenlager der Königin WilHelmina liegen heute einige Meldungen vor, die erfreulicherweise besagen, daß die Besserung im Befinden der erlauchten Kranken anhält. Man begrüßt ja jedes Symptom, daZ günstig zu deuten ist, mit frohem Anteil; doch darf man sich nicht darüber täuschen, daß die Gefahr für das Leben der Patientin noch nicht völlig beseitigt ist. Eine ent­sprechende Bemerkung vermißt man, so erfreulich die letzten Krankheitsberichte der behandelnden Aerzte auch sind, immer noch darin. Die letzten Nachrichten lauten:

SchloßLoo,7. Mai. Der Krankheitsbericht von heute nachmittag 2 Uhr lautet: Bisher giebt der Zustand der Kö­nigin am heutigen Tage Grund zur Zufriedenheit.

Schloß Loo, 7. Mai. (Reuter.) Die heutigen Nach­richten, die andauernd eine Besserung in dem Befinden der Königin erkennen lassen, haben große Freude hervorgerufen. Die Besorgnis, die seit Sonntag herrschte, ist zum großen Teil beseitigt. Prinz Heinrich hat heute zum ersten Mal seit Sonntag das Palais auf kurze Zeit verlassen.

Schloß Loo, 8. Mai. Das heute früh ausgegebene Bulletin besagt: Gestern abend keine Temperatur­erhöhung. Nacht ruhig. Augenblicklich giebt die Lage Anlaß zur Zufriedenheit. Roessingh. Pot.

Schloß Loo, 8. Mai. Das Nachmittag-Bulletin be­sagt: Seit heute vormittag ist der Zu st and der Königin an b au er n d zufri ed enste l l en d.____________

Aus Stadl und Land.

Gießen, 9. Mai 1902.

** Himmelfahrt. Am Mittwoch nachmittag werden Wohl die meisten derer, die für den Himmelfahrtstag einen Ausflug geplant hatten, angesichts des Wetters resigniert die Köpfe haben hängen lassen mit den Wortenes wird nichts draus." Und in der That, nach den schönen, aber kalten Morgenstunden trat ein Wetter ein, das nichts weniger als schön war. Bald regnete es, bald schneite es; dabei war die Temperatur so kalt, daß man am liebsten die Mintersachen wieder Hervorgeholt hätte. Um so an­genehmer war die Ueberraschung, als am Donnerstag Morgen Sonnenschein zur Wanderung ins Freie einlud. Die Temperatur war freilich ebenso niedrig wie in den letzten Wochen. Nichtsdestoweniger belebten sich die Straßen und Chausseen bereits früh mit Ausflüglern. Und wenn der Tag auch nicht hielt, was er am Morgen versprach, so war er immerhin doch um vieles schöner als seine Vor­gänger. Die beliebten Ausflugsorte in der Umgegend waren denn auch am Nachmittag zumteil bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Namentlich ist für viele das Ziel für Himmel­fahrtsausflüge der Dünsberg und diedicke Eiche". Der erstere hatte sich denn auch gestern wieder eines regen Besuches zu «rfreuem Die ersten, die ihm in aller Frühe

einen Besuch ab statteten, waren die Gießener Burschen­schaften. Gegen Mittag langten zahlreiche Ausflügler aus Wetzlar und Gießen an, und am Nachmittag stellte sich auch die Landbevölkerung aus der Umgebung ein. Zahl­reiche Besucher des Dünsverges kehrten auf dem Heimwege imAbendstern" ein, wo nach hergebrachter Weise lustig zum Tanz aufgespielt wurde, der im Freien stattfand. Bei derdicken Eiche" wurde auch gestern, wie seit einer Reihe von Jahren schon, wieder eine kirchliche Ver- ammlung ab geh alten. Diesmal wurde die Feier noch da­durch verschönert, daß der neu gebildete Po saun euch or aus Rodheim mitwirkte. So sind wir denn immerhin besser >aran gewesen, als die meisten anderen Gegenden unseres deutschen Vaterlandes. Fast aus allen Teilen Deutschlands kommen Meldungen über Schneefälle. So werden aus dem Odenwald, dem Taunus, dem Westerwald, dem Knüll heftige Schneefälle gemeldet. Das Wachstum der Vegetation stockt, die Obstbäume haben sehr gelitten. In Darmstadt, Hep­penheim a. d. B., Erbach i. O., Worms, Ems schneite es, zum Teil heftig. Im Hunsrück hat es anhaltend ge- chneit. Aus verschiedenen Teilen des Unterelsaß, res Weilerthales, Leberthales, aus Markirch, Wangenburg und Umgebung, aus Metz, Freiburg i. Br. wird Schneefall gemeldet, In der Nähe von Markirch und Mangenburg sind die Vogesen bis zur Thalsohle dicht mit Schnee bedeckt. Im Ausland ist es nicht anders. So wird aus Bern gemeldet, daß in verschiedenen Lan­desteilen durch den starken Frost die glänzenden Obst­aussichten zerstört worden sind. Die gleiche Meldung kommt aus Zürich.

* * Der Himmelsahrtsmarkt, einer unserer besten Krämer­märkte, hatte infolge des schlechten Wetters einen geringeren Besuch aufzuweisen, als erwartet worden war. Zwar brachten den Marktleuten und besonders den Geschäften, welche Nationaltrachten verkaufen, die Mittagszüge aus Kur­iesfen und aus der Wetzlarer Gegend etwas Kundschaft, auch rasen am Nachmittag aus den Dörfern unserer nächsten Um­gegend zahlreiche Marktbesucher ein, so daß sich gegen 3 bis 4 Uhr auf Oswaldsgarten ein lebhafter Verkehr entwickelte. Im Großen und Ganzen aber war das Geschäft nicht gerade befriedigend.

* * Turnverein. Der gestrige Turngang des Gießener Turnvereins erfreute sich einer sehr guten Beteiligung, was allerdings in Anbetracht des Zieles, der Saalburg, vorauszusehen war. Die Tour wurde wie folgt ausgesührt: Von Bad-Nauheim ging es über den Johannesberg nach dem Forsthaus Winterstein. Nachdem hier das Frühstück eingenommen war, ging es den steilen und steinigen Weg hinaus nach dem Wink er st ein, von wo man eine groß­artige Fernsicht hat. Vom Winterstein marschierte man bergab nach der im vorigen Jahre freigelegten Capers - bürg, von der nur noch die Grundmauern vorhanden sind, alsdann den Pfahlgraben entlang nach der Lochmühle unterhalb der Sa al bürg, wo schnell zu Mittag gegessen wurde. Nun wurde zur Saalburg emporgestiegen. Die An­kunft war fteilich nicht sehr angenehm; denn es ging ein etwa 20 Minuten anhaltendes Hagelwetter nieder. Doch war das nicht imstande, die ftöhliche Stimmung der Turner zu trüben. Nach Besichtigung der Saalburg, insbesondere der noch gut erhaltenen Grundmauern der früheren Römernieder- lasiungen wanderte ein Teil der Turner nach Homburg v. d. H. Der andere zog es vor, die elektrische Bahn dorthin zu be­nutzen. Nachdem hier die Lebensgeister durch einen guten Trunk wieder ausgefrischt waren, wurden noch die Kuranlagen besichtigt, woraus mit der Bahn die Heimreise angetreten wurde. 1/210 Uhr langten die Turner wieder an. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß 2 Turner es unternahmen, den Weg bis zur Saalburg von Gießen aus zu Fuß zu machen.

* * Der GesangvereinHeiterkeit" machte seinen Himmelfahrtsausflug nach Lich, wo er im hol­ländischen Hof" rastete. Von da ging es in den großen Heilanoschen Saal. Der Licher GesangvereinCäcilia/' ließ es sich nicht nehmen, vollzählig dem Bruderverein zu Ehren am Platz zu sein. Unter Liedervorträgen und sonstiger Kurzweil verflossen die Stunden nur allzu rasch. Prä­sident Schmitt von Lich begrüßte den Gesangverein Heiterkeit". Er betonte die freundschaftlichen Beziehungen, die zwischen den beiden Vereinen beständen, und brachte ein Hoch auf den GesangvereinHeiterkeit" aus. Seide­wand-Gießen dankte mit herzlichen Worten und schloß mit einem Hoch auf den Lahnthal-Sängerbund.

* * Deutscher Flottenverein. Wir machen hier­durch nochmals auf die Hauptversammlung des Flotten­vereins der Provinz Ob er Hessen aufmerksam, die am Samstag abend im Cafe Ebel stattfindet. Auf der Tages­ordnung steht: 1.. Rechenschaftsbericht; 2. Entlastung für die Jahresrechnung 1901; 3. Neuwahl von Vorstandsmit­gliedern; 4. Mitteilung eines Rundschreibens der Zentrale des Flottenvereins. Am Sonntag darauf findet die Landes­versammlung der im Großherzogtum Hessen wohnenden Mitglieder des Deutschen Flottenvereins uachmmittags 4 Uhr im Kaisersaale zu Darmstadt statt. Auf der Tagesord­nung steht außer dem Jahresbericht des Vorsitzenden und der Rechnungsablage des Schatzmeisters die Neuwahl des Landesausschusses für die Jahre 1902/05, sowie Be­ratung und Beschlußfassung über die gemäß den Beschlüssen der Berliner Hauptversammlung vom 20' .Februar ab ge­änderte neue Satzung, wobei eine Reihe wichtiger Organi­sationsfragen des Vereins ihre definitive Regelung finden soll.

ON. Kirchgöns, 7. Mai. Eine höchst erfreuliche Nachricht ist dieser Tage unserer Gemeinde und den benach­barten Orten dadurch geworden, daß die Bahnbehörde zu der schon seit mehreren Jahren für hiesige Gemarkung erbetenen Haltestelle der Main-Weser-Bahn ihre Genehmigung erteilt f)at. Die Opfer, die hierdurch unserer Gemeinde auferlegt werden, sind allerdings be­trächtlich, immerhin aber fühlt sich unsere Einwohnerschaft den Mitgliedern unseres Ortsvorstandes zu Dank verpflichtet, daß sie, die hohe Bedeutung einer Haltestelle für uns er­kennend, die bezüglichen Mittel sofort bereit gestellt haben. Das Verlangen nach einer derartigen Verkehrsanlage machte sich hierorts und auch in den umliegenden Gemeinden schon seit Jahren immer mehr geltend, sodaß die Bahnbehörde durch die Berücksichtigung unserer Bitte einem dringlichen Bedürfnisse abhilft. Großen Dank verdient ferner unser bewährter Reichstagsabgeordneter Graf Oriola, indem er unsere Bitte, die Angelegenheit bei dem Eisenbahnminister in Berlin befürwortend zu vertreten, in bereitwilligster Meise nachgekommen ist. Auch das wohlwollende Entgegen­kommen der Bahnbehörden in Frankfurt und Gießen bei her Berücksichtigung unserer Wünsche verdient hervorgehoben zu werden. Hoffen wir, daß die Halte­stelle, welche am 1. Oktober dem Verkehr übergeben werden

Kl, unserer Gemeinde und den interessierten benachbarte» ten zum Segen gereichen möge.

Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Die amtlicheDarmst. Ztg." enthält ein Ausschreiben des Landgerichtsprästdenten Lippold von Mainz, nach dem durch Beschluß der Disziplinarkammer für Notare der Großh. Notar Willenbücher in Pfeddersheim vorläufig eines Amtes enthoben ist. _

Vermischtes.

* Breslau, 8. Mai. Wie derBrest. Gen.-Anz." meldet, stieß heute Nacht auf dem Bahnhofe Düdersbach ein rangierender Güterzug auf einen anderen Güterzug, wo­bei ein Rangierer ums Leben tarn. Zwei Wagen wurden zertrümmert und eine Maschine beschädigt. Der Verkehr ist nicht gestört.

* Geestemünde, 7. Mai. Auf Tecklenborgs Schiffs­werft lief heute Mittag das für die Rhederei von Laeisz in Hamburg erbaute 8000 Registertons große Fünfmastoollschiff Preußen", das größte Segelschiff der Welt,, vom Stapel.

* Paris, 8. Mai. In dem nahen Pouteaur wurden die Weichen der Dampfstraßenbahn frevelhafterweise zer­kört. Eine Reihe Wagen, welche in das Depot einlaufen ofiten, rannten infolgedessen auf andere Wagen und zer- ummieden diese. Hierbei wurden 13 Personen verletzt.

* Petersburg, 7. Mai. In der Stadt Bobruisk im Gouvernement Minsk wurden durch eine Feuersbrunst 972 Wohnhäuser und 650 Kaufläden eingeäschert. Mehrere Personen werden vermißt und dürften in den Flammen um- gekommen sein.

Gerichtssaat.

L: Gießen, 7. Mai. Schöffengericht. Ein hiestg-t Schreibgehilfe, der einen Geldbetrag von etwa 60 Mk. nicht ab- geliefert hat, erhält wegen Unterschlagung eine Gesängnis- trafe von 2 Wochen. Je 10 Tage Gefängnis erhalten em Land­wirt und ein Zimmermann aus Staufenberg, welche sich des Ver- gehens der Pfand Veräußerung schuldig gemacht haben. Handel unOüdreljr. Volkswirtschaft.

Neue Wiener Stadtauleihe. Der Wiener Bürgermeister hat in der letzten Gemeinderatssitzung Mitteilung von dem Sub- kriptionsresultate gemacht. In Oesterreich, Deutschland, Belgien und Holland und der Schweiz sind auf die aufgelegten 100 Mill. Kronen 7391 Mill., also mehr als 7 Milliarden gezeichnet worden. 6.2 Milliarden yitfafien auf Oesterreich und der Rest auf die üb­rigen Länder.

Bichmarktbericht. Der Ochsenmarkt am Mittwoch war wohl tark von Käufern besucht, die Fahrvieh zu kaufen beabsichtigten, aber Waare, um einen regelrechten Handel vornehmen zu können, war nicht aufgefahren. Im Ganzen standen 5 Paar Gangochsen zum Verkauf, die sehr schnell Abnehmer fanden. Ein anderes Bild zeigte aber der Schweinemarkt, hatte dieser doch einen Auf­trieb, wie er der Zahl der vorhandenen Tiere nach lange nicht da­gewesen ist. Heber 2000 Schweine aller Sorten standen zum Ver­kauf, um die sich sehr bald ein recht lebhafter Handel eMwickelte. Die Verkäufer ließen auch gestern im Gegensatz zu sonst wegen des Preises der Waare mit sich reden, sodaß die einzelnen Verkäufe sich schneller abwickelten. Die Tendenz des gestrigen Marktes ließ em langsames Weichen der immer noch sehr hohen Preise für Zucht­schweine erkennen, dies gab auch wohl dem Markt das flotte Ge­präge, welches er offensichtig zeigte. Es wurden gehandelt pro Paar Ferkel 810 Wochen alt 3645 All., 1214 Wochen all 50 bis 70 Mk., 1820 Wochen alte Läufer 80100 Mk. Einlegschweinü gingen pro Stück je nach Qualität mit 80120 Mk. fort. Schlacht­tiere waren nur vereinzelt am Markt. Der Markt wurde geräumt Nächste Markttage am 3 und 4. Juni.

Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde.

Sonntag Exaudi, den 11. Mai. Gottesdienst.

In der Stadtkirche.

Vountttags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Grein.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgememde.

Vormittags 9/2 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst.

Pfarrer Dr. Grein.

Nachmittags 2*/3 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Schlosser.

Am 1. Pfingstfeiertag findet im Hauptgottesdienst Beichte und heil. Abendmahl für Mätthaus- und Markusgemeinde gemeinsam statt. Anmeldungen dazu werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

In der Johauneskirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten au§ der Lukas^ gemeinde.

Vormittags 9l/2 Uhr: Professor D. Drews.

Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes- gemeinbe. Pfarrer Dr. Ngumann.

Am 1. Pfingstfeiertag findet Beichte und heil. Abendmahl für Lukas- und die Johannesgemeinde im Hauptgottesdienst statt. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Am 1. Pfingstfeiertag nach allen Gottesdiensten Sammlung für die Hessische Luther- Stiftung.

Am 2. Pfingstfeiertag besondere Sammlung für die A r m e n.

Katholische Gemeinde.

Samstag den 10. Mai.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.

Sonntag den 11. Mai

6. Sonntag nach Ostern.

Vormittags von 6Vs Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kom­munion.

8 Uhr: Die zweite heil. Messe.

9'/, Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 2*/2 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht.

Dienstag und Freitag abend um 61/, Uhr ist Mai-Andacht.

Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast.

Sabbathfeier am 10. Mai 1902.

Freitag abend 780. Samstag vormittag 800. Nachmittag 400. Sabbathausgang 860.

Wochengottesdienst: morgens 680 Uhr, abends 8 Uhr.

Gottesdienst in der Synagoge Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde.

Samstag, den 10. Mai 1902.

Vorabend: 7°° Uhr. Morgens: 8'° Uhr. Mchmtttags: 4 Uhr. Sabbathausgang: 8" Uhr.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

M ainz, 9. Mai. (Privattelegramm desGieß. Anz.") Bei einer Nachenfahrt auf dem Rheine f enterte heute ein Nachen und die Insassen, zwei junge Leute, verschwanden in