Nr. 107 Zweites Blatt.
152. Jahrgang
Freitag 9. Mai 190»
Erscheint tSgklch außer Sonntags.
Dem löießener Anzeiger werden im Wechfel mit dem Btfflldft* Landwirt die Siebener Familien- blätter vierinal in der Woche beigelegt.
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GietzenerAnzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
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Z>ie heutige Kummer umfaßt IS Seiten.
Bekanntmachung.
Die Bleichstraße zwischen Südanlage und LubwigSstraße wird neu eingcdeckt und eingcwalzl und deshalb die Strecke zwischen Südanlage und Üöberstraße am 10., 11., 12. und 13. d. Mts. und die Strecke zwischen Löber- und Ludwig- straße am 14. und 15. d. Bits. für den Fuhrwerksverkehr gesperrt.
Gießen, den 9. Mai 1902.
Äroßherzogliches Polizeiamt Gießen.
Hechler.
Deutsches Deich.
Derlin, 8. Mai. Der Kaiser ist gestern nachmittag 3 Uhr 50 Min. in Straßburg eingetroffen. Zum Eni- vsange aus dem Bahnhöfe ivaren anwesend: der Statthalter Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, Staatssekretär v. Koeller, der kommandierende General Herwnrth o. Bittenfeld, der Gouverneur v. Sick und der Bürgermeister Back. Nach Begrüßung der Erschienenen fuhr der Kaiser mit dem Statthalter im offenen Wagen in die Stadt, in deren reichgeschmückten Straßen die Truppen der Garnison Spalier bildeten.
Um 4 Uhr nachmittags begann am Kaiserplcch der Vor- -eimarsch der Truppen vor dem Kaiser. Nach einer kurzen Kritik fuhr der Kaiser nach dem St-atthalterpalais, wo er von der Fürstin zu Hohenlohe-Langenburg begrüßt wurde. Um 8 Uhr fand Adendtafel zu 20 Gedecken statt. Der Kaiser wohnte heute dem Gottesidienste in der evangelischen Garnisonskirche bei und besichtigte alsidann in der Landesbibliothek die Papyrussammlung und die elsässischen Münzen. Um 4 Uhr machte er mit dem Statthalter eine Ausfahrt nach den Forts bei Oberh ausb er g en und besichtigte dort unter Führung des Gouverneurs v. Sick die in der Nähe des Forts Kronprinz neu angelegte Kirschbaumhöhenbatterie. Um 5 Uhr kehrte der Kaiser zurück. Heute abend 8 Uhr sand Diner beim Staatssekretär v. Koeller statt. — Der Kaiser verlieh dem Unterstaatssekretär von Sch raut den Kconenordcn erster Klasse.
' — Der B u ud esrat erteilte der Vorlage, betr. die
am 19. März 1901 in Paris vollzogene Uebereinkunft zum Schutze der für die Landwirtschaft n ü tz l i ch e n Vögel, ferner den Beschlüssen des Reichstags zum Entwurf eines Schaumweinsteuergesetzes, und den Äusschuß- anträgen zu dem Entwurf einer Verordnung zur Ausführung des Patentgesetzes vom 7. April 1902 seine Genehmigung.
— Der „Bert. Akt." hört an hiesiger zuständiger Stelle fei von irgend welchen von sächsischer Seite getroffenen Vorbereitungen für einen etwaigen Anschlußdes säch- sifcheu Eisenbahnnetzes an das preußische auf der Grundlage einer Finanz- und Betriebsgemeinschaft nichts bekannt.
— Die „Post" berichtet über das Verhältnis Deutschlands zu Venezuela: Die deutsche Forderung fei so bestimmt, daß auf einen Schiedsspruch nicht eingegangen werden könne. Sollte von Caracas aus ein solcher Vorschlag gemacht werden, so würde er sicher in Berlin auf Ablchn- ung stoßen. Anscheinend werde nichts anderes übrig bleiben, als daß die Negierung von Caracas durch einen äußeren Druck und Anertcnnuug unserer Ansprüche und zur Zahlung gebracht wird.
Hamburg, 7. Mai. In der heutigen Vormittagssitzung beschäftigte sich der Kongreß für gewerblichen Rechtsschutz mit der Frage betr. den unlauteren Wettbewerb uni) .faßte eine Resolution, welche eine weitere Ausgestaltung des Gesetzes vom 27. Mai 1896 frodert. Ferner wurde eine Resolution gefaßt, in die Gewerbeordnung Bestimmungen aufzunehmen, nach welchen die Verleihung von Medaillen von der Genehmigung der Behörde abhängig gemacht wird und die Benutzung von nicht genehmigten Auszeichnungen verboten wird. Angenommen wurde ferner ein Antrag, bem Paragraphen 8 des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes strafrechtliche Sanktion zu geben. — In der letzten Sitzung beschloß der Kongreß den Reichskanzler zu ersuchen, beim
Kammermusik.
Zu einer erhebenden Feier hatten am 7. d. M. die Herren Trautmann, Redner und Hegar das Musik liebende Publikum unserer Stadt in die große Aula der Universität geladen. Galt es doch, am Geburtstag von Johatrnes Brahms, dem Gedenken des vervlichenen, unvergeßlichen Meisters einige Stunden in dankbarer Erinnerung zu weihen und durch die Aufführung einiger seiner herrlichsten Kammermusikwerke sein Bild vor dem geistigen Auge seiner Verehrer wieder aufzu frischen. Zwei weitere ausgezeichnete Künstler aus Frankfurt, der Klarinettist Herr Ludwig Mohler uni) der hier bereits vorteilhaft bekannte Herr August Leimer in doppelter Eigenschaft aid Bratschist und Konzertsänger, waren zur Mitwirkung erschienen, und so war dieses vergrößerte Ensemble imstande, den Musikfreunden Gießens durch den Vortrag mehrerer kostbarer Perlen „Brahms- scher Kammermusik" einen Genuß zu bereiten, wie er schöner und edler kaum jemals geboten werden kann.
Interessant wegen der hier wohl noch neuen Besetzung war vor allen Dingen das Trio op. 114 in A--moll für Klavier ,^.lnr' - tte und Cello, das recht wohl zeigte, was für herrliche .ic.augwirkungen durch die Vereinigung der drei genaunien Instrumente hervorgebrachr werden können, Herr Mohler ist aber auch ein hervorragend tüchtiger Klari
Abschluß neuer Handelsverträge auf die Er Weiterung und Ausgestaltung des internationalen gewerblichen Rechtsschutzes Rücklicht zu nehmen und dabei speziell der Schweiz gegenüber die Interessen der chemischen Industrie in Bezug auf den Patentschutz zu beachten. Ferner wurde ein Antrag angenommen, in dem ersucht wird, darauf hinzuwirken, daß der Musterschutz eines Landes auch auf die übrigen Länder der internationalen Union ausgedehnt werde. Hieraus wurde der Kongreß geschlossen.
— Dr. Fe i l l, Vorsitzender der hanseatischen Anwaltskammer, ist gestorben.
— Im Monat April sind über Hamburg 13 865 Personen ausge w a ndert gegen 9175 im April des Vorjahres.
Königsberg L Pr., 8. Mai. Wie die „Königsberger Hartungsche Ztg." meldet, ist das Urteil im Prozeß Marten-Hickel am Mittwochabend rechtskräftig geworden, da der kommandierende General des 1. Armeekorps v .d. Goltz auf das Rechtsmittel der Revision verzichtete.
Ausland.
Kopenhagen, 8. Mai. In den letzten Tagen wurde unter der Firma „Estasiatique-Francais" eine Dampf- schiffahrts-Gesellschast gegründet. Die Gesellschaft hat ihren Sitz in Paris und har Den Zweck, eine Dampf - schiffahrtslinie zwischen Europa unb Opasien zu errichten. Das Aktienkapital ist auf 10 Mill. Francs feilgesetzt, von bent bie Hälfte in Schweden unb in Dänemark gezeichnet ist. Die Mesiageries Maritimes hat zwei Vertreter in der Leitung der Gejcllschast, ebenso die dänisch-ostasiatische Kom- pagtlie. Die Schisse sollen in Frankreich gebaut werden-
Berehaven, 8. Mai. Der Herzog von Connan g h i war gestern zur Abendtafel beim Prinzen He inrich an Bord des „Kaiser Friedrich III." geladen- Heute begaben sich der Prinz uiib der Herzog an Bord des Kreuzers „Furiosus" nach Bautrh, um in Corl bie Ausstellung zu besichtigen.
Cork, 8. Mat Prinz Heinrich und der Herzog von Counaught sind heute nachmittag hier eingetroffen. Sie begaben sich zugleich nach der A u s st e l l u u g, loo dem Prinzen Heinrich von den überaus zahlreichen Besuchern ein enthusiastischer Empfang bereitet wurde. Die Musik spielte bie deutsche Nationalhymne. Nachdem der Prinz und der Herzog die Ausstellung mit regstem Interesse besichtigt hatten, weihte ersterer die Masserrutschbahn ein unb fetzte unter Hurrarufen ber Menge das erste Boot in Bewegung. Hierauf erfolgte ein Frühstück unter bem Vorsitze des Lordmayors, welcher aus die hohen Gäste toastete. Der Herzog sprach in seinem Toast die Hoffnung aus, daß die Ausstellung bie erwünschten Ergebnisse haben unb eine bessere Stimmung zwischen England und Irland herbeiführen werde. Unter erneuten Hochrufen der Menge begaben sich der Prinz und der Herzog ins Regicrungü- gebäube und reiften bann nach Dublin ab.
Washington, 7. Mai. In Erwidermtg aus den vom Hause gefaßten Beschlußantrag bezüglich ber Operationen auf Batangas und Samar erklärte. KriegSsekretär Roth, er billige daS Vorgehen ber Generale Bell unb Smith und betonte, ihre Kriegführung sei bie denkbar menschlichste unb wirksamste.
L o nbo n , 8. Mai- Dem „Stanoard" wird aus Tientsin telegraphiert, die aufrührerische Bewegung in der Provinz Tschili sei in ber Ausdehnung begriffen. Es seien wieder Angriffe auf christliche Kirchen und Mifsionare gemadji worden. Die Zahl der Aufständischen werde auf 40000 Mann geschätzt, die gut bewaffnet feiert. Bis jetzt sei es den Truppen des Vtzekönigs Iuanschitai durchaus mißlungen, die Erhebung niederzuschlagen- die Behörden seien nun bemüht, bie Aufständischen durch Geldgeschenke zur Ruhe zu bringen. — Nach einer Pekinger Depesche des Reuterschen Bureaus ist dem Bischof Favier bie Mitteilung zugegangen, baß an den Unruhen in Tschili 10 000 Bewaffnete mit einigen Geschützen teilnehmen.
Die Kröffnung der österleichich-unggrischcu Inegatiou.
Budapest, 7. Mai. Kaiser Franz Josef eröffnete die Delegationen mit folgender Thronrede:
In bernZeit der letzten Session der Delegationen verflossenen Jahre hat die allgemeine politische Lage keinerlei wesentliche Aen- derung erfahren. Nack wie vor ist das unausgesetzte Bestreben meiner Regierung aus die Pflege des engen Verhältnisses zu unseren Verbündeten soivie vertrauensvoller Beziehungen zu allen anderen Mächten gerichtet und trägt hierdurch zur Erhaltung und Konsolidierung des europäischen Friedens bei. Auch ist speziell unser stets s r e u n d s ch a f t l i ch e s E t n v e r »t e h in e n mit bem russischem Reiche bezüglich der Vorgänge im näheren Orient dem Fortbestände der Ruhe und Ordnttng in jetten Gebieten förderlich. Die im vortgen Jahre durchgeführte Unterdrückung des A u s st a n d e s in E h t n a hat die Rückberusung des größten Teiles der von den'Mächten dorthin enlsendetett Land- uttd Scestreitkräfte ermöglicht unb gereicht mir zur Genugihunng, der Haltung und den Leistungen ber bei diesem An lasse verwendeten Abteilung meiner Seemacht meine volle Atterkenitung auszu- sprechen, meine K r i cg ö v e r w a l t u tt g must diesmal Mehrforderungen ctnbrmgcn, zum Zwecke der Beschaffung von Artilleriematerial, zu Reorganisationen in der Artilleriewaffe und zur Ausbesserung der Ataunschastslost, meine Kriegsmarine solche für unvermeidliche Perjonalvermehrungen und -Lchisssbauten. Diese Mehrsorderiinaen sowohl als die sonstigen Ausgabeposten in dem Kriegs- und Marlnebudget sind in den engsten Grenzen des Notwendigen gehalten.
Im Bud getausschusse der österreichischen Delegation gab der Minister des Äußeren, Graf Golu- chowski, ein Expose, aus dem wir Folgendes hervoc- heben:
Der Dreibund, dessen Giltigkeitsdauer im Mai 1903 ab- läuft, geht nunmehr der Erneuerung entgegen, nachdem die drei Kabinette formelle Zusicherungen hinsichtlich ihrer besten "Absichten auSgetauscht haben, den zwischen ihnen bestehenden Allianzvertrag in seinem vollen Werte aufrecht zu erhalten und ait die Unterzeichnung der einschlägigen Instrumente rechtzeitig zu schreiten. lLebhasler Beifall.) Auf der Grundlage sich gegenseina deckender Interessen aujgebaut und jeder aggresjiveit Tendenz nach was immer für enter Seite bar, wird somit der eminettt kon- ervatlve Bund der europäischeit Centralmächte auch weiter >te hehren Friedensziele, denen er fein Entstehen verdankt, mit um o größerer Zuversicht verfolgen, als er nach den von berufener Seue wiederholt abgegebenen Erkläruitgen über die nicht minder fried fertig eit Ziele des ihm gegenüber- stehenden Z w e l b ti ii d e s in dieser Gruppierung eine höchst wertvolle Ergänzung unb Förderung seiner eigenen Ausgaben wohl erblicken darf. Diese sozusagen parallel laufenden Aktionen trugen bereits ihre feg en »reichen Früchte in ausgiebigem Mage und diese werden sich gewiß auch in Zukunft gleich gut bewähren, zumgl ihr Wesen nicht allein für jeden Teilnehmer in der Siche» ung des eigenen Besitzstandes, sondern auch im Bestreben tulmtnirt, die schädlichen Rückwirkungen von den Ereignissen, die sich in den Qitbereit Gebieten abspielen würden, zu paralysiren, falls es überhaupt nicht gelänge, das Austauchen derselben zu verhindern. Es verdient hervorgehoben zu iverden, tute der Gedanke, welcher die Anregutig zu den fraglichen politischen Kombinationen gab, leicht Wurzel faßte, wie tvertvoll er sich in der lueitcrcu Ausführung erwies, wie rasch es ihm gelang, in der Gestaltung der iiilernatio- nalen Beziehungen sich das Bürgerrecht zu erwerben und sich einigermaßen zu einem System herauszubilden, welches heute selbst in den aiißereuropäischen Fragen Anwendung findet.
Redner weist auf den englisch-sapanischeu Vertrag bezüglich Chinas und Koreas hin, dem bic rnsflsch-französische Vereinbarung auf dem Fuße gefolgt sei, die auch von konservativem Geiste beherrscht sei und betont, daß auch hier das Bestreben zum Ausdruck founne, den Gefahren vorzubeugen, dte sich aus den ostasiatischen Fragen für den allgemeinen Frieden ergeben könnten. Tie Vorteile dieser internationalen Konstellationen würden aber noch dadurch prägnanter, daß letztere nicht im mindesten spezielle Vereinbarungen zivischen den einzelnen Mächten und den uer‘|d)icbcncn Gruppen ausschlössen über ihre spezifischen Interessen. Tas beweise ebenso das vertrauensvolle Verhältnis, ivelchcs gegenwärtig zivischen Italien und Frankreich herrsche, als auch die überaus günstige Ausgestaltung der eigenen Beziehungen zu Rußland. Damit würden vielfach Gefahren e(n gedämmt, die zu dem ständigen Iilventar der Bemiruhigung auf bem europäischen Kontinent gehörten. Bon dem Augenblick an, wo ailtorltativ sestgeftellt werden tonnte, daß weder wir noch Rußland selbstsüchtige Zwecke im nächsten Cricnt verfolgen, mußte in logischer Weise das Alißtrauen, wodurch das Verhältnis beider Reiche jahrelang schwer belastet wurde, von der Bildfläche verschwinden unb einer freundlichen Meinung Platz ntacheil, die wir nunmehr zu verzeichnen haben. — Andererseits ist ober der Umstand nicht zu überseyeii, daß die Ziele der Politik beider Lailder im starken Gegensätze zu den Ajpiratiolien einer Reihe unlauterer Eie mellte stehen, die keine Mühe scheuen, um durch tendenziöse AuSstretiungen und Lerdächtigungen das Cinvernebmen zu untergraben. Desto gewichtiger drängt sich die Pflicht atst, dafür Sorge zu tragen, daß die Verständigung auch für die weitere Zukunft unversehrt erhalten bleibe. Es ist dazu aber vor allem notwendig, dast beiderseits mit gleicher äZeivisseuhaftigkeit sämt-
nettist, der seiner A-Klarinette wundervolle Töne zu entlocken verstand mtnb durch geschmackvolle Durchführung feiner Partie sich als würdiger Partner der Herren Trautman n und Hegnr, die ihre Instrumente mit gewohnter Meisterschaft behandelteu, erwies.
Herr Redner, der mit Herrn Trautntann die Sonate in T-nioll op. 108 für Violine und Klavier vortrug, erbrachte damit den Beweis, daß für ihn das Sprichwort „Stillstund ist Rückschritt" nicht gilt; was uns, abgesehen von der glänzenden Technik in diesem Konzert, an seinem Spiel besonders angenehin aufsiel, war die schöne, edle Tongebung, in der er unseres Erachtens namentlich im vergangenen Winter noch erfreuliche Fortschritte gemacht hat. Freilich ist hierbei ein gutes Instrument, wie es Herr Rebner zweifellos besitzt, eine wesentliche Unterstützung.
Einen herrlichen Schluß des Konzerts bildete das Quartett op. 23 in G-moll für Klavier, Violine, Viola und Celbo, eine Tondichtung, reich cm musiralischen Schönheiten, aber auch geladen mit großen Schwierigkeiten in allen vier Sätzen, zu deren eimvandfreier Wiedergabe nur gunz vorzügliche Künstler gehören, die mit größter Aufmerksamleit und £>i- zebung sich an die Lösung ihrer Aufgaben machen.
$4catm Jiit, Rebncr, Leimer und Hegar in bicjce Beziehung vorgestern auch dem verwöhntesten Geschmack gerecht geworden sind, wird ' 3-er Konzertvesuchev
gern zugeben, unb die Kritik rann nach einer so vollendeten Wiedergabe, die die Aufmerlsamieit des Publikums bis zum Schluß zu steigern vermochte, nichts Besseres thun als schweigen.
Tie Liedkompositionen von Brahms sind fast alle als schwierig bekannt, und werden mit geringen Ausnahmen nur von Berufssängern vorgetragcn. Aber auch hier ae- gewannen wir oorgestern den Eindruck, baß nur Künstler ersten Ranges sich an derartige Sachen wagen sollten, und konstatieren mit Freuden, daß wir Herrn Leimer als Sänger gern zu diesen Beborzugten rechnen.
Mit seinem herrlichen voll tonenden Baryton verbindet Herr Leimer troy eines organischen Fehlers, der ihm aber schwerlich schaden wird, eine beuiiia . Textaussprache, und seine Auffasstmg der Lieder beweist, daß'er nut richtigem Verständnis in den Geist der Dichtungen und der Kompo- tionen einzudringen versteht.
Wenn ein Sänger nur mit Liedern von Brahms ein Publikum so begeistern kann, daß es ihn ohne Zugabe nicht riehen läßt, so muß er nur Vorzügliches leisten tonnen: freilich gehört auch ein kunstberständiges Publikum dazu das solche DarLietungen richtig zu würdigen versteht. Daß letzteres der Fall war. werden bic geehrten Künstler an-, genehm empfunden haben. 1 Pr


