Ausgabe 
9.1.1902 Zweites Blatt
 
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mit Eisenchlorid, und zwar empfiehlt er eine Lösnng von Io Proz. Eisenvitriol, 100 Liter pro Morgen. Wenn die Bespritzung frühzeitig genug ausgeführt wird, bevor die erste Blüte erscheint, bann genügt eine einmalige Bespritzung, in späteren Sradien muß bas Verfahren wiederholt werden. Bespritzungen mit Chilifalpeter haben keinen Erfolg.

Was die Frage der Viehhaltung anbelangt, so kommt dafür, abgesehen von der Pferdehalmng, auf die Redner nicht weiter eingeht, nur die Rindvrehhalturia, Schweinehaltung, event. für kleine Wirtschaften noch bie Ziegenhaltung in Frage. Die Wollpreise sind derartig ge­schädigt, daß die Wolischafhaltung nicht inehr in Betracht kommt. Ein Haupimoment für die Leistungsfähigkeit der Haustiere ist die Ernährung. In vielen Wirtschaften werden die Tiere nicht genügeuD reichlich oder nicht ge­nügend träftig ernährt. Richiiger ist es, eine kleine Anzahl Tiere gut §11 ernähren als eine größere Anzahl ungenügend. Ferner müssen die Tiere einen Stall haben, der in Be­ziehung auf Temperatur und Reinlichkeitsverhaltnisse allen Anforderungen entspricht. Ein zu warmer und ein zu kalter Stall sind in gleicher Weise unwirtschaftlich. Auch die Hautpflege muß in genügender Weise betrieben werden. Der Stall soll zweckmäßig sein. Dagegen soll man, wie überall in der Landwirtschaft, mit der Errichtung von Neu­bauten vorsichtig sein, weil alles Kapital, das in landwirt­schaftliche Bauten gesteckt wird, totes Kapital ist oder we­nigstens nur sehr geringe Zinsen trägt.

Unter den Tieren herrscht nun große Verschiedenheit in Bezug auf die Leistungsfähigkeit, was für die Zuchtwahl berücksichtig! werden muß. Die eine Art eignet sich besser zur Fleischproduktion, die andere für Lieferung von Milch u. s. w. Eine schlechte Milchkuh kann durch noch so gute Ernährung nicht zu großer Milchproduktion gebracht wer­ben. Auch hier gilt das Gesetz, daß Varietäten, die besondere Leistungen aufwersen, auch besonders reichliche Ernährung haben müssen. Auch innerhalb einer Rasse, ja einer Herde giebt es noch gewalrige Unterschiede. Jeder Züchter müßte eigentil.ch ganz genau über jedes einzelne Tier seiner Herde informiert sein. Leider ist das bis heute nur in sehr ge­ringem Maße der Fall. Redner empfiehlt deshalb die V i e h z u ch t v e r e i n e, die noch zu wenig verbreitet sind. Diese haben sog. Herdbücher, in denen über die ein­zelnen Tiere, über ihre Leistungsfähigkeit genau Buch geführt wird. Jeder Züchter sollte die Leistungsfähigkeit seiner Tiere von Zeit zu Zeit feststellen, um auf diese Weise eine Statistik zu erhalten, aus der er ersehen könnte, welche Tiere sich zur Fortzucht eignen. Schweine z. B. sollten in regelmäßigen Zwischenräumen gewogen werden, ob sie eine gleichmäßige Zunahme zeigen, event. wird man Tiere, die sich zur Mast nicht eignen, ausscheiden, bevor man durch Aufwendung großer Futterkosten Schaden erlitten hat. Zur Feststellung der Leistungsfähigkeit des Rindviehs giebt es nun 3 Methoden: 1. Ermittlung der Milchmenge. 2. Er­mittlung des Fettgehaltes der Milch. 3. Feststellung der Futtermenge für das betr. Tier.

Redner führte nun verschiedene Beispiele an, um zu zeigen, wie groß der Unterschied zuweilen in der Leistungs- fähigteit von Tieren derselben Rasse ist, der im Jahre mehrere Tausend Kilogramm Milch ausmachen kann. Ebenso schwankt der Fettgehalt der Mllch, was für die Butterbereit- ung von größter Bedeutung ist. Durch fortgesetzte Zucht­wahl kann nun die Produktion einer Herde an Mllch, Fleisch u. s. w. sehr gesteigert werden. Erfahrungsgemäß kann man es dem Tiere manchmal schon anfehen, ob es sich mehr zur Arbeitsleistung oder zur Produktion von Mllch oder Fleisch eignet. Allein Sicherhell in der Beurteilung hat man nur, wenn man ein Tier eine ganze Zeit hindurch be­obachtet. Wichtig für die Zucht guter Milchkühe ist es, daß diese Fähigkeit auch vom Vatertiere in hohem Maße übertragen werden kann, wie jetzt mit Sicherheit festgestelll ist. Man muh deshalb bei her Zucht viel Gewicht auf bie Abstammung der Bullen legen.

Allgemein sollle nun eine der drei angeführten Me­thoden eingeführt werden. Einmal wöchentlich sollte eine jÄhebung der Milchmenge stattfinden, mindestens aber den Monat zweimal. Schneller und genauer als Messung der Milchmenge ist die Wägung. Bei der Wahl einer Wage hüte man sich vor Federwagen, well diese nach einiger Zell ungenaue Resultate liefern. Besser als diese Methode ist die zweite, wobei auch der Fettgehalt der Milch bestimmt wird. Obwohl diese Bestimmung mit dem Gerber'schen Appa­rat gar nicht schwer auszuführen ist, ist diese Methode bis jetzt noch viel weniger verbreitet als die erste. Am voll­ständigsten giebt die dritte Methode Aufschluß über die Leist­ungsfähigkeit der einzelnen Kühe, weil bei ihr auch noch die Futterverwertung in Betracht gezogen ist. Wegen chres Fortschrittes auf diesem Gebiete verdienen die dänischen Kontrollvereine weitgehendes Interesse. Wie sehr sie sich in der Landwirtschaft bewährt haben, geht daraus am besten hervor, daß seit der Gründung des ersten im Jahre 1895 bis heute über 300 derartige Vereine entstanden sind. Auch in Deutschland sinden sie allmählich Nachahmung. Es wird ein Beamter angestellt, der monatlich einmal mindestens jeden Hof besuchen muß. Hier beaufsichtigt er die 3 Melk­ungen des Tags über, stellt die Milchmenge fest und abends analysiert er die Milch auf ihren Fettgehalt. Ferner stellt er das Gewicht fest und kontrolliert dll Filltermengen. Sämtliche Angaben werden dann in ein Buch eingetragen. Der Besitzer hat den Beamten nach Möglichkeit zu unter­stützen, hat ihm alle Zwischenfälle in der Zucht mitzutellen oder hat sie selbst in das betr. Buch einzutragen. Die Leist­ungsfähigkeit einer Kuh wird am Schluß eines jeden Jahres nach Futter einhellen berechnet. Eine Fullereinhell ist gleich einem Pfunde Kraftfutter, gleich zehn Pfund Rüben, zwei bis vier Pfund Heu Ein Weidetag wird mll zehn bis fünfzehn Einheiten berechnet. Bei Jahresschluß wird nun bei jeder Kuh ausgerechnet, wieviel Futtereinheiten sie zur Erzeugung eines Pfundes Butter gebraucht hat Wenn auch die Rechnungsweise fehlerhaft ist, so ist doch das Prinzip der Methode jedenfalls richllg. Auch die Kosten dieser Einrichtung sind nicht sehr bedeutend, stehen jedenfalls in keinem Verhältnisse zu dem erzielten Erfolg. In Däne­mark bekommt der Beamte nach unserem Gelde 450 ML, hat auf den Gutshöfen, die er besucht, frells Logis und freie Beköstigung. Die Unkosten werden aber noch ver­ringert dadurch, daß der Staat einen Zuschuß leistet. Die Mitglieder dieser Vereine müssen sich auf fünf Jahre ver­pflichten. Wie gewaltig die Vorteile für die Zucht sind, wenn man derartig verläßliche Stallsllken zur Verfügung hat, geht aus mehreren Beispielen hervor, die der Redner an­führt So kamen z. B. bei einem Verein im ersten Jahre 18,9 Futtereinheiten, im zweiten 13,5, im dritten 12,3 Futter- ernhellen auf eine Kuh im Durchschnitt. Es erklärt sich dies eben dadurch, daß man durch die Stallstiken in stand gesetzt war, die für die Produktion zu ungünstig arbeitenden Tiere herauszufinden und auszuscheiden.

Zum Schlafe kam der Redner auf hie. Buch^xAmg

in landwirtschaftlichen Betrieben zu sprechen. Ein richf- tiger lleberblick über die gesamten Verhältnisse eines Be­triebes ist nur bei regelmäßiger Buchführung in genossen­schaftlicher Weise durchgeführt. Es schlossen sich 20 Land­wirte zu einer Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht zusammen. Bis zum Schlüsse des Jahres bestaub die Ge­nossenschaft schon aus 46 Mitgliedern, ein Beweis, wie schnell die Sache Anklang fand. Sie engagierten einen Geschäftsführer, der den Mitgliedern im Zweifelsfalle in der Buchhaltung den richtigen Weg zeigte. Besser ist es natürlich, wenn der Landwirt seine Bücher selbst führt.

Den zweiten Vortrag hielt Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Paas ch e-Charlottenburg über:Die Reform der Spi- ritusstcuer und ihre Bedeutung für bie deutsche Land­wirtschaft" Die neue Branntweinsteuer hat den Zweck, die Spirllusproduktion zu Gunsten der Landwirtschaft zu regeln. Das Gesetz ist schon verschiedene Male reformiert worden. Jetzt ist es derartig kompliziert, daß es äußerst schwer ist, sich ein klares Bild von dem Ziel der Reform zu machen- Im Jahre 1887 war das Gesetz zum ersten Mal reformiert worden- Man wollte damals hauptsächlich den Verbrauch des Branntweins als Trinkbranntwein be­kämpfen. Das Gesetz vermochte aber nicht die Produktion zu beschränken aus dem Grunde, weil bei den damaligen Exportverhältnissen gute Abnahmequellen für die Mehr­produktion gegeben waren- Die ganze Weinernte Frank­reichs war von der Reblaus vernichtet worden, und von Spanien aus wurde der deutsche Spiritus in großen Mengen angekauft und ging von da denn nach Frankreich. Dies änderte sich aber bald dadurch, daß in Frankreich und in Spanien der eingeführte Spiritus hoch besteuert wurde. Der Export war dadurch verschlossen, trotzdem dauerte die Produktion fort. Da erschien 1895 eine Neu­gestaltung der Steuer. Diesmal wollte man den landwirt­schaftlichen Brennereien zu Hilfe kommen gegen die Groß­betriebe- Wohin das führt, wenn die Brennereien in die Hände der Großkapitalisten kommen, zeigt am besten England, wo die kleinen Brennereien vollständig ver­schwunden sind, während der ganze Brennereibetrieb in die Hände von drei großen Gesellschaften gekommen ist- Um nun den kleinen Betrieben zu helfen, verfuhr man so, daß man das Kontingent der Großen beschränkte. Es kam eine neue Brennsteuer auf, die in eine besondere Kasse gezahlt wurde. Je höher das Kontingent der Brenne­reien war, je mehr sie produzierten, um so höher war auch die Steuer. Sic. begann bei Betrieben von 300 Hekto­litern. Brennereien, die weniger produzierten als 300 Hekto­liter hatten überhaupt keine Steuern zu zahlen. Der sozial­politische Gedanke dieser Reform, die kleinen Betriebe zu entlasten und die großen zu belasten, war richtig, sodaß die Steuer viel Nutzen stiftete-

Der Ertrag der Brennsteuer wurde baiui zum Teil dazu verwendet, den Branntwein, der für technische Zwecke gebraucht wurde, zu verbilligen- Heute findet der Spiritus eine außerordentlich ausgedehnte Verwendung in chemi­schen und technischen Betrieben- Der Spiritus für tech­nische Zwecke war steuerfrei, desgleichen der Exportspiritus, sodaß sich auch der l^port wieder hob- Annähernd 90 Mark Steuern ruhten auf dem Hektoliter- Diejenigen, die denaturierten Spiritus verbrauchten, erhielten pro Hektoliter 6 Mark Prämie- Der Ueberschuß wurde ferner noch verwandt zur Förderung des Verbrauchs von Spiri­tus im Haushalte. Da das Gesetz von 1895 nur bis 1901 Giltigkeit hatte, hat die Regierung nun ein neues Gesetz vorgelegt. Darin ist zunächst das Kontingent in maximo auf 500 Hektoliter für Neugründung von Fabriken festgesetzt- Die betriebsgenossenschaftlichen Brennereien wer­den beschränkt- Die staffelförmige Abgrenzung der Steuer bleibt auch für die Dauer- Ferner enthält die Steuer dadurch, daß 15 Mark weitere Brennsteuer auf neue Kon­tingente gelegt werden, was bei Produktion vondena­turiertem Spiritus wegfällt, einen Denaturierzwang. Das Prinzip, das der neuen Steuer zu Grunde liegt, ist, eine Scheidung zwischen Genußbranntwein und Branntwein zu technischen Zwecken herbeizuführen. Der zu technischen Zwecken dienende Spirllus soll möglichst verbilligt werden, infolgedessen muß, wenn die Brennereien trotzdem zu Durchschnittspreisen arbeiten sollen, die Steuer auf Genuß­branntwein erhöht werden- Unser technischer Spiritus soll mit dem amerikanischen Petroleum konkurrieren- Bekannt­lich liegt das Petroleum-Monopol in den Händen einer einzigen Gesellschaft, der Standard Oil-Company, die ziem­lich alle Petroleumquellen der ganzen Welt in ihren Besitz gebracht hat, und infolgedessen auch ganz allein den Verkauf des Petroleums in Händen hat- An der Spitze der Gesellschaft steht der bekannte Milliardär Rockefeller- Diese Gesellschaft ist im stände, uns die Preise ganz nach Willkür zu diktieren- Auf diese Weise sind ihr ungezählte Millionen deutschen Geldes geflossen-

An Stelle des Petroleums soll nun unser deutscher Spiritus gesetzt werden- Das ist natürlich nur möglich, wenn dieser zu demselben Preise oder noch billiger ge­liefert werden kann wie das amerikanische Petroleum- Um unseren Spiritus nun so billig liefern zu können, muß der Genußbranntwein höher besteuert werden- Gleichzeitig sind die Fabriken gezwungen, um eben der Steuer von 15 Mark zu entgehen, einen bestimmten Bruchteil (ca- 22 bis 25 Prozent) zu denaturieren-

Das Bestreben, den Spiritus in den Haushalt ein­zuführen, scheiterte daran, daß Spiritus an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten ganz verschieden viel kostete, während Petroleum überall den gleichen Preis hatte. Hier hat nun die deutsche Spiritus-Zentrale ein- gegriffen- Die Zentralleitung hat überall ein Netz von Verkaufsstellen errichtet, die zu gleichem Preise ver­kaufen. Außerdem hat der Spiritus überall gleiche Qua­lität, während es früher oft genug vorkam, daß der Spi­ritus von den Händlern verwässert wurde- 90prozentig ist der Spiritus, den die Zentrale in versiegelten ober plom­bierten Flaschen in ben Hanbel bringt Mit 30000 Klein- hänblern bis jetzt hat bie Zentrale Verträge- Nebenher hat dieser Umschwung bebeutenben Einfluß auf bie Lam- peninbustrie gehabt, bie dadurch mächtig gefördert wurde, zumal sie von der Zentrale große Geldunterstützung er­hielt- Für die Beleuchtung ist Spiritus mindestens ebenso gut zu brauchen als Petroleum, desgl- für Heizzwecke und für Motoren- Im Motorbetrib bürgert er sich immer mehr ein- Die Zentrale hat sich verpflichtet, bis 1908 den Spiritus für Motoren zum Preise von 15 Pf. zu liefern. Die Zentrale hofft es noch so weit zu bringen, daß der Petroleum-Import gänzlich aufhört-

Aus Stadt und Kund.

Gießen, 9. Januar 1902.

. Personalnachrichteu. S. K. H. der Großherzog hat, wie uns aus Darm^ta.d4 tetaphD^-iert wird, ge­

ruht, den a.-o. Prof, in der philos. Fakultät der Landes­universität Dr. Wilhelm Wetz auf sein Ansuchen vom 1. April d. I. ab aus dem Staatsdienst zu entlassen. (Prof. Wetz hat bekanntlich den Ruf als ord. Prof, der engl. Philologie nach Freiburg i. B. angenommen), und den Vorstand des Salinen- und Bergamtes sowie der Badedirektion von Bad- Nauheim, Bergcat Dr. Chelius, zum zweiten technischen Beamten der Oberbergbehörde mit dem Titel Oberbergrat ernannt.

** Vortrag. Am Sonntag deni 2. Februar ds. Js., nachmittags 4 Uhr hält Herr Handwerkskammer-Sekretär Engelbach aus Darmstadt bei Gastwirt Jakob Stein zur Eisenbahn in Lich einen Vortrag über:Die Bedeutung der Handwerkskammern für den Handwerker." Da dieser Vor­trag von großem Interesse für den Handwerkerstand ist, sind auch die Handwerker der Umgegend hierzu eingeladen.

** Ackerbauuntcrricht in der ländlichen Fortbildungsschule. Von beteiligter Seite geht uns folgende sehr bemerkenswerte Nachricht zu: Unter Bezugnahme auf den Anllag des Abg. Köhler-Langsdorf hat das Gcoßh. Ministerium, Abt. für Schulangelegenheiten, es genehmigt, daßin der Fortbildungs- schule zu Langsdorf ein praktischer Versuch mit der Durch­führbarkeit des dem Anllag des Abg. Köhler-Langsdorf zu Grunde gelegten Entwurfs eines Lehrplans' für den Unterricht in der Fortbildungsschule veranstaltet werde. Dieser Genehmigung entsprechend, hat nunmehr Lehrer L e i d i ch zu Langsdorf mit Anfang des Schuljahrs den Ver­such in der dortigen Fortbildungsschule begonnen und bereits so weit durchgeführt, daß er den am Sonntag den 5. Januar 1902 zum Zwecke der Inspektion herzugekommenen Herren Provinzialdirektor Geheimrat v. Bechtold, Kreisschulinspektor Pros. Dr. Lucius, Lehrer-Präparandenschul-Direktor Wag­ner, Landwirtschaftslehrer Direktor der landw. Winterschule zu Friedberg Dr. v. Peter und dem Präsidenten des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen, Oekonomierat Sch lenke ein Bild des bis jetzt Erreichten bieten konnte. Die Herren Sachverständigen waren von den erschauten Leistungen sehr befriedigt. Hiernach wird im Frühjahr also nach Schluß der Fortbildungsschule eine weitere Schlußprüfung stattfinden, der außer den vorgenannten Herren insbesondere Herr Ministerialrat Dr. Eisenhuth und wahrscheinlich auch der Ministerialrat für die Landwirtfchaftsabteilung im Großh. Ministerium Herr Braun, sowie Herr Seminardirektor Dr. Quentell von Friedberg anwohnen werden. Mll nächstem Jahre wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Ackerbautünde in allen ländlichen Fortbildungsschulen vorerst im Kreise Gießen obligatorisch erklärt werden.

):( Aus dem Theaterbureau. Am Sonntag, nachm. 4 Uhr, ist Kindervorstellung. Gegeben wird das Mär­chenRotkäppchen". Die Titelrolle spielt Fräulein von Aspernb'urg.

Grimberg, 8. Jan. Die hiesige Apotheke, die vor etwa vier Jahren von dem im verflossenen Sommer ver­storbenen Apotheker Schütz für 135 000 Mk. erworben worden ist, wurde gestern an den Apotheker Schäfer aus Hannover verkauft. Der Kaufpreis beträgt 145 000 Mk. Innerhalb der letzten 6 Jahre geht das Anwesen nun schon zum dritten- male in andere Hände über. Vor 6 Jahren betrug die Kaufsumme 120 000 Mk. Frau R. Prinz Ww. hat ihr Oekonomiegut nebst der am Marktplatz belegenen Hofraite für 99 500 Mk. an den Inhaber des GasthofsZum Bahnhof", Monom Weber, verkauft. Der Geburtstag des Kaisers wird diesmal am Vorabend von sämtlichen Vereinen der Stadt in der Turnhalle gemeinschaftlich gefeiert werden. Wie in früheren Jahren so bewilligte auch die letzte Haupt­versammlung der Spar- und Leiht ässe Grün berg die Mittel, die zum mehrwöchigen Kuraufenthalt skrophulöser Kinder unbemittelter Eltern des Kassebezirks im Elisabethen- haus zu Bad-Nauheim nötig sind. Auch werden wieder Dienstboten, welche 5 Jahre ununterbrochen und treu bei derselben Herrschaft in Dienst gestanden haben, mit Prämien im Betrage von je 10 Mk. bedacht.

rt. Friedberg, 8. Jan. Unter großer Beteiligung der Bewohner unserer Stadt wurde die Leiche des am Freitag in der Nidder ertrunkenen Lehrers Weckerling am Diens­tag Nachmittag zu Grabe getragen, nachdem die Schuljugend und fast sämtliche Bewohner von Altenstadt die mit dem hiesigen Totenwagen abgeholte Leiche bis an die Ortsgrenze begleitet hatten. Der so schnell dahingeraffte» Lehrer ist ein Sohn des hiesigen Schuhmachers Weckerling und wird als ein fleißiger, tüchtiger, hochbegabter, junger Mann geschildert. Die Gemeinde, in der er zuletzt wirkte, verliert in ihm einen tüchtigen bei Groß und Klein beliebten Erzieher ihrer Jugend. Das HotelTrapp" soll ganz umgebaut und mit allen der Neuzeit entsprechenden Einrichtungen versehen werden.'

Friedberg, 8. Jan. Die Stadt Friedberg beabsichttgt, mit dem am 12. Februar stattfindenden Frühjahrs - Pferdemarkt eine Verlosung von Pferden und Ge­brauchsgegenständen zu verbinden. Die nachgesuchte Erlaub­nis zur Veranstaltung dieser Verlosung wurde vom Ministerium des Innern unter der Bedingung erteilt, daß bis zu 12 000 Lose, zu 1 Mk. das Stück, ausgegeben werden dürfen und mindestens 50pCt. des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Lose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. Zugleich ist der Vertrieb der Lose im Großherzogtum ge­stattet worden.

Selters b. Ortenberg, 8. Jan. Zum dritten Male wurde heute unser Mitbürger Philipp Spahn III zum Bei­geordneten gewählt. Wie üblich, wurde dem Gewählten unter Gesang, Musik und Reden ein mächtiger Ehrenbaum gesetzt. Die Wahl erfolgte, ebenso wie die vor 4 Wochen stattgehabte dritte Wiederwahl des Bürgermeisters Rupp, einsttmmig.

Darmstadt, 8. Jan. Der von dem Vorstande des Hessi­schen Landesvereins vom Roten Kreuz in Verbindung mit dem Alice-Frauenverein für Krankenpflege veranstaltete, auf die Dauer von sechs Wochen berechnete Kursus zur Aus­bildung von Krankenpflegerinnen für den Kriegs­fall wurde gestern nachmittag in Anwesenheit der Vizepräsi­dentin des Aliee-Frauenvereins für Krankenpflege, Frau Staatsminister Rothe Exzellenz, durch den Vorsitzenden des Hessischen Landesvereins, Herrn Oberkonsistorialpräsidenten Dr. Buchner, mll einer Ansprache eröffnet. Herr Leibarzt Dr. med. Happel, der Leller des Kursus, der von 30 Teil- nehmerirmen auZ verlckrsdeneu Krsüm unserer Bevolkeruno