Ausgabe 
9.1.1902 Drittes Blatt
 
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Donnerstag 9. Jannar 1008

ISS Jahrgang

Drittes Blatt

Neueste Meldungen.

OittginaldrahLincldnngerr des Gießener Anzeigers.

Berlin, 9. Jam Die gestrige Sitzung der Medizini­schen Gesellschaft gestaltete sich zu einer Ovation für Virchow. Geheimrat v. Bergmann gedachte des Unfalls Virchows. Die Gesellschaft sandte em Huldigungstelegramm an Virchow und wählte ihn mit beträchtlichen Mitteln zum Präsidenten wieder.

Kopenhagen, 9. Jan. An der jütländischen Küste bei Harboore wurden 2 Leichen, anscheinend von Seeleuten, die bei einem Schiffsunfall verunglückt sind, gefunden.

Lissabon, 9. Jan. Robert Monsinho Albuquerque, früher künigl. Kommissar in Mozambique hat sich erschossen.

Gerichtssaal.

Berlin, 8. Jan. Wie dieNat.-Ztg." erfährt, machte im Krosigk-Prozesse der Staatsanwalt selbst als Hauptgrund für die Revision des Hickel freisprechenden Urteils neben zwei unbedeutenden Ausstellungen am Ver­fahren die Ungesetzlichkeit der Besetzung des Gerichtshofes geltend-

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Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Stehener Zamillen- blättcr viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u.Stein- druckerei (Piets ch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

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Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

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GietzenerAnMer

General-Anzeiger v

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Kunst und Wissenschaft.

München, 8- Jan. Gestern abend ist der bekannte Dichter und Litterarhistoriker Professor an der hiesigen Technischen Hochschule Dr. Wilhelm Ritter v. Hertz an einer Unterleibsentzündung im 67. Lebensjahre gestorben. Mit Hertz ist einer der letzten aus dem alten Münchener Dichter­kreise aus dem Leben geschieden.

Wien, 8- Jan. Die Zensurbehörde verbot die Auf­führung des StückesDie größte Sünde" von Otto Ernst im Deutschen Volkstheater.

Budapest, 8. Jan. Einige Künstler agitieren dafür, die ungarischen Künstler mögen den deutschen Kaiser in die Jury für das Königin Elisabeth-Denkmal wählen- Die große Majorität der Künstler opponiert hiergegen jedoch heftig-

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Sektion Giessen D. & Oe. A. V, SMlag dru b 12. Amoar: v Tour 1

Hof Bubenro - DiinÄerg-Krch B!ittaaeil'en mch- m Leremslokal «. Ab 8,15 Uhr 'Lahnbrücke. 347

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einer halben Minute war der Unglückliche eine Leiche. Lt. Thieme hatte eine leichte Wunde am Halse erhalten.

So ist denn wiederum ein blühendes Menschenleben vernichtet, was jedenfalls nicht eingetreten wäre, wenn das Duell mit Säbeln ausgefochten worden wäre.

Die Leiche des Studenten Held wurde Dienstagvormittag von der Halle des neuen Friedhofes zum Jenenser Bahnhof gebracht, nm nach Sangerhausen überführt zu werden, wo die Beisetzung im Erbbegräbnis der Familie Held erfolgen soll. Dem Verstorbenen gaben Prorektor und Senat der Universität, Mitglieder des Osfizierkorps und Vertreter der Studentenschaft mit ihren Fahnen das letzte Geleit.'

Aas Auell m Jena.

In ErgLnzrmg unferer bisherigen kurzen Berichte über das Duell zwischen dem Leutnant Thieme und dem Stu­denten Held, in dem dieser gefallen ist, schreibt mau aus Jena: Fast zwei Menschenalter sind dahingeflossen, seitdem in der Atusenstadt im Saalethale das letzte Pistoleuduell mit tätlichem Ausgange eines der Paukanten ausgetragen wurde. 3u Anfang des Jahres 1845 wurde der Studirende v. Villers aus der Trießnitz bei Jena erschossen. Der krumme Säbel hat sich mehr und meljr als schwere Waffe einge­bürgert. Seitdem die deutschen Burschenschaften, sofern sie zum A D. C. gehören, das Pistolenduell im Prinzip abge­schafft haben, ist auch der S C. immer bemüht, nur im äußersten Notfälle die Pistole als Waffe zu genehmigen. Selten wurde in den letzten Jahren in Jena die Pistole als Waffe im Duell gebraucht und auch dann meist unter leichten Bedingungen. Blut ist sirÄ niemals geflossen, bis am 4. Januar ein jugendfrisches Menschenleben, der einzige Sohn seiner Eltern, in früher Morgenstunde auf demStern^ ein tragisches Ende fand.

Hebet die Veranlassung zu jener Pistolenmenfur zwischen dem Leutnant Wolf Thieme (10. Komp, des 3. hiesigen Bataillons des 94. Infanterieregiments) und dem Kandi­daten der Chemie Kstrl Held (Mitglied der hiesigen Burschenschaft Germania) geht derJenaischen Ztg." von beteiligter Seite folgender Bericht zu:

In der Silvesternacht, früh zwischen 5 und 6 Uhr, begegneten Stud. Held und Dr. H., beide Angehörige der Burschenschaft Germania, einer Gruppe von Herren, unter denen sich Lt. Thieme in Zivil befand. Hierbei wurden verschiedene Bemerkungen scherzhaften und, wie ins­besondere von den auf beiden Seiten zunächst Beteiligten zugegeben wird, harmlosen Inhalts ausgetauscht. Beide Teile schlugen denselben Weg ein und zwar so, daß Lt. Thieme mit seinen Begleitern vorausging. Kurz darauf überholten die Studierenden diese Gruppe, und hierbei er­folgte wegen der Enge des Trottoirs eine unbeabsichtigte Berührung zwischen Dr. H. und Lt. Thieme. Letzterer rief den nunmehr vorausgehenden beiden Studierenden etwas nach, das nach deren Auffassung über den bisherigen Ton des harmlosen Scherzes yinausging. Dr. H. wandte sich um unb wies diese Aeußerung zurück. Nach kurzem Wort­wechsel gab sich Lt. Thieme als Offizier zu erkennen. Er that dies in verletzendem Tone und fügte in demselben Tone noch weitere, nicht mehr festzustellende Worte hinzu.

Hier trat Stud. Held hinzu. Ob er dabei Namen und Stand des Offiziers in ironischem Tone wiederholt, oder lediglich gefragt hüt:Was sagen Sie da" oderWas wollen Sie?" hat ebenfalls nicht feftgeftellt werden können. Lt. Thieme antwortete mit einer stark beleidigenden Aeußerun g, weil er in Stud. Helds Worten, mögen sie gewesen sein, wie sie wollen, etwas Spöttisches zu bemerken glaubte. Sofort versetzt Stud. Held dem Leutnant Thiemeeinen Schlag ins Gesicht. Lt. Thieme will mit dem Stock auf Stud. Held eindringen; dieser faßt den Stock und zerbricht ihn. Jetzt treten die Begleiter dazwischen und der von Dr. H. veranlaßte Namensaustausch macht der Angelegenhett ein Ende.

Nachdem der Kartellträger seine Pflicht gethan hatte, soll ein ernsthafter Ausgleichsversuch gemacht worden sein. Jedenfalls ist man im Offizierkorps sich der Schwere der Sachlage und ihrer Konsequenzen vollauf bewußt gewesen, denn luir sehen den Oberst der 94er auf dem Bahnhofe zu Jena. In dem sogenannten gemischten Ehrengerichte saßen drei Offiziere und zwei alte Burschenschafter. Letztere haben sich dieallergtößteMühegegeben,diePistolen- forderung auf (Säbel herabzusetzen. Leider er­folglos ! Held war ein vorzüglicher Schlägerfechter und obendreinLinkser". Den Säbel wußte er noch besser zu führen, während er wohl kaum eine Pistole in der Hand' gehabt l)aben dürfte.

In den ersten Jahren, nachdem das Bataillon nach Jena in Garnison gekommen war, forderten Mitglieder einer hiesigen Korporation einen Offizier auf schwere Säbel. Auch damals bestand das Offizierkorps auf der Pistole und die Folge war, daß man letzteres wegen Satisfaktionsver­weigerung in Verruf steckte. Es wurde damals ,Holz- Comment" proklamiert und seitens der Jenenser Studenten­schaft einmütig durchgeführt. Viele Offiziere wurden damals versetzt; die neuen verhielten sich reserviert. Die alten Semester verließen im Laufe der Zeit Jena; der alte Groll verschwand, und seitdem ist das Verhältnis ein relativ gutes geblieben.

Die Bedingungen waren sehr schwere: Distanz: 10 Sprungschritte (etwa 13 Meter), Waffen: gezogene klein­kalibrige Hinterladerpistolen, Zielzeit: sechs Sekunden, und fünfmaliger Kugetwechsel. Beim dritten Kugelwechsel be­kam Held den tätlichen Schuß in die Lunge. Bereits nach

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Bezugspreis: monatlich 75Pftviertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Destellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 13 Pf^. auswärts 20 Psg.

Verantwortlich: für den pollt u. allgem. Teil: P. Wittko; für Stadt und Land" und Gerichtssaal': R.Ditt« mann; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 8. Jannar.

Am Bundesratstische besinden sich Staatssekretär Graf Posadowsky, Staatssekretär Frhr. v. Thielmann, Staatssekretär Krätke, der Präsident des Reichseisenbahn­amts Schulz, der Staatssekretär für Elsaß - Lothringen o. Köller u. a.

Präsident Graf Ballestrem eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 20 Min. und fügt hinzu: Ich erlaube mir bet Be­ginn des neuen Jahres die Herren auf das herzlichste zu begrüßen, und den Wunsch auszusprechen, daß das neue Jahr ein günstiges und gesegnetes sei für die gemeinsame Arbeit zum Wohle des Vaterlandes und auch für jeden einzelnen von uns. Das ist mein aufrichtiger Wunsch. (Bravo.)

Es folgt eine große Reche von geschäftlichen Mit­teilungen.

Das Haus tritt sodann in die erste Lesung des Reichs­haushaltsetats für 1902 in Verbindung mit der ersten Beratung des Etats für die Schutzgebiete ein.

Staatssekretär Freiherr v. Thielmann führt aus: Als ich im verflossenen Jahre die Finanzlage nicht günstig barftelfen konnte, wurde ich vielfach der Schwarzmalerei, beschuldigt. Zu meinem Bedauern habe ich damals Recht geHabt. Die Verhältnisse gestalteten sich sogar noch un­günstiger. Der Aufschwung in den letzten Jahren des ver­flossenen Jahrhunderts hat einer Depression Platz gemacht, welche die Reichsftuanzen nicht unberührt ließ Während im Jahre 1895 bis zum Jahre 1899 die Einnahmen stiegen, sind sie seitdem gefallen. Demgemäß mußte bei Aufstellung des neuen Etats Rücksicht hierauf genommen werden. Sie werden Ihre Anerkennung den von uns mit Einsicht ver­folgten Grundsätzen nicht versagen können. Die einzelnen Staaten können die Erhöhung der Matrikularbeiträge nicht mehr vertragen, sie haben schon schwer an der Regelung ihrer eigenen Finanzen zu arbeiten. Am schlimmsten steht es in dieser Beziehung mit den kleinen thüringischen Staa­ten. Die verhältnismäßig geringen Mehrbeiträge an das Reich bedeuten für diese kleinen Staaten unverhältnismäßig hohe^Pr ozentzuschläge zu den Einkommensteuern. Der Staats­sekretär geht nunmehr die einzelnen Einnahmequellen des Reiches von 1895 bis 1899 durch. (Er ist auf der Tribüne fast unverständlich. Im Hause herrscht Unruhe und Un- aufntertfamteit, Präsident Graf Ballestrem bittet wiederhol um Ruhe.)

Ein Schmerzenskind der Steuergesetzgebung ist der Börsen stempel- Bis 1900 war die Gesamteinnahme aus den Stempeln langsam gestiegen, 1900 ergab sie etwas über 54 Millionen. Für das laufende Jahr können wir nur auf 49 Millionen rechnen und für 1902 haben wir 55 Mill, eingestellt. Ob aber diese 55 Millionen auch sicher ein­kommen werden, kann heute noch niemand sagen, dazu muß die Gestaltung der Verhältnisse an der Börse erst abge­wartet werden. Besser ist es mit dem Lotteriestempel be­stellt, und hier tritt die Erhöhung des Stempels auf das Doppelte ziemlich voll in Kraft. Wir haben ans dem Lotteriestempel, der früher zwischen 16 und 18 Millionen brachte, für das lausende Jahr 38 Millionen zu erwarten und können für 1902 rund 39 Millionen einfteffen- Es ist das eine Bethätigung des Grundsatzes, daß diejenigen nicht alle werden, die in der Lotterie ihr Glück ver­suchen. Traurig sieht es aber aus mit den Postein- ii a h m e n- Die gewährten Verfehrserleichterungen, von denen man in großen Kreisen annahm, daß sie sich durch Steigerung des Verkehrs bald wieder in ihren finanziellen Ergebnissen einbringen würden, haben das nicht gethan. 1900 kam ein Rückschlag auf 14 Millionen, als ein Verlust von fast dreiviertel der Einnahmen, allerdings zum Teil, nämlich in Höhe von 7i/2 Millionen, beeinflußt durch die. einmalige Auszahlung an die Privatpostanstalten- Gleich- ' wohl bleibt nach Absetzung dieser ?i/2 Millionen ein reiner Ausfall von 26 y2 Millionen zu verzeichnen, der also lediglich auf die Verbilligung der Tarife zurückzuführen ist, und welcher zeigte, daß man mit der Verbilligung von Tarifen, sei es bei der Post, sei es bei den Eisenbahnen, nur dann Vorgehen soll, wenn man darauf gefaßt ist, einen größeren Ausfall durch mehrer^ Jahre zu ertragen. Für das laufende Jahr wird sich sich der AussÄl auch noch stark fühlbar machen. Wir können die Post-, Telegraphen- und Reichs­druckerei-Einnahmen nur auf 29 Millionen Mark veranschlagen. Das ist weniger, als wir 1895 schon gehabt hatten. Erst 1902 werden wir die Ziffern von 1899 wieder erreichen, sogar um ein Geringes überschreiten, allerdings nur mit einem kleinen Kunststück, indem wir 20 Mill, für die Fernsprechleitungen auf die Anleihe nehmen. Das ist aber zu rechtfertigen; denn die schnelle Ausdehnung unseres Tele­graphenbetriebes blickt weit in die Zukunft hinaus, und das Anlagekapital, das darin steckt, wird sich zum Teil erst in der Zukunft nutzbar machen. Die Haushaltsübersicht für 1900 liegt Ihnen vor. Sie ergiebt bei den Reichsein- nahmen eine Mehreinnahme von sieben Millionen. Der steht nun aber gegenüber eine Mehrausgabe in Höhe von 9 Millionen. DerEtat für 1900 schließt also mit einem Fehlbetrag von 2 Millionen ab, der erste Fehlbettag seit einer Reihe von Jahren. Die Mehreinnahmen 1900 werden hauptsächlich be­dingt durch das sehr günstige Ergebnis der Zuckersteuer und durch die starken Mehreinnahmen aus dem Bankwesen 11 Millionen, ihnen steht aber gegenüber die große Minder­einnahme bet der Post, und infolge dessen schließen wir, wie gesagt, mit einem Fehlbetrag von 2 Millionen ab. Auch bei den Ueberweisungssteuern wäre ein kleiner Fehlbettag zu

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* Pv sem, 8. Jan. Der bekannte Major a. D. Endell soll die vermutlichen Urheber der gegen ihn erhobenen An­schuldigungen zum Duell gefordert haben, darunter Herrn v. Tiedemann-Seeheun. Dieser hat jedoch! die For­derung abgelehut. Das Weitere wrrd die Untersuchung ergeben.

* St. Etienne, 7. Jan. Nach einer heftigen Eifer- fuchtsszene hat der hiesige Konditor Tantole seine Fkrau durch einen Revolver schuß getötet und die Lerche im Back­ofen verbrannt. Danach verübte er Selbstm or d.

* New York, 8. Jan. Heute vorncitdag fand in dem Tunnel der New York Zentraleisenda^r bei 56. Straße und der Parkavenue ein Znsammenstoß zwischen einem von Norwall kommenden Personen zu ge der NewyorL-New- hafen-^rrtford-Eisenbahn und einem Lokal^uge der Strecke Newyork-Herlern, Zweiglinie der Zentraleisenbahn, statt. Letzterer Arg fuhr auf den ersteren auf. Die Wagen schoben sich ineinander, die zertrümmerten Wagen gerieten in Brano. Nach den fetzten Meldungen beträgt die Zahl der Getätscen 17, der Verwundeten 40.

* Das Ende eines Familienskandals. Unge­heures Aufsehen erregt im Westen Berlins eine Affäre, die in der Nacht von Samstag zum Sonntag ihren Abschluß fand. Bankier B., Mitinhaber eines sehr bekannten Bank-- instttutes, besitzt in der Nähe des Nollendorfplatzes ein Haus. Else B., die 18jährige Tochter des Bankiers, ist tagsüber mit dem Dienstpersonal allein im Hause, da ihr Vater sich in dem Geschäftsbureau befindet. Von einem entlaßenen Dienstmädchen erhielt B. vor 14 Tagen die briefliche Mit­teilung, daß seine Tochter mit dem Diener, einem ehemaligen Ulanen-Gestecken, ein Liebesverhältnis unterhalte. Beide in Frage kommenden Teile besttckten dies natürlich ganz energisch, und B. leckete daher zur Ehrenrettung seiner Tochter gegen die vermeintliche Verläumderin die Beleidigungsklage ein. Inzwischen müssen ihm aber doch Bedenken auf gestiegen sein, denn er ließ die Beiden von einem Detektiv, den er als zweiten Diener ins Haus nahm, beobachten. Samstag Nacht saß B. mck Bekannten in einer Weinhandlung, als er plötz­lich von feinem Beauftragten herausgewinkt wurde. Im Galopp ging es nach Hause, wo man Fräulein B. im Zim­mer des Dieners fand. Da nicht sofort geöffnet wurde, rannte B. gemeinsam mck dem Detektiv die Thür ein. In demselben Augenblick sprang Else B. zum Fenster hinaus. Sie blieb im Vorgarten mit einem doppelten Beinbruch hegen. B. konnte nur mit Mühe zurückgehalten werden, den Diener zu erschießen. Fräulein B. ist nach derselben Klinck gebracht worden, in der ihre Mutter liegt._____________________________

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Hamburg, 8. Jan. In der heutigen Sitzung des Aufsichtsrates und Vorstandes der Waren-Kredit- a n ft a 11 in Hamburg wurde die Dividende für das Jahr 1901 auf 7 Prozent festgesetzt, wie in den beiden Vor­jahren-

Kassel, 8- Jan. In der heutigen Gläubiger-Ver­sammlung des Konkurses der Aktiengesellschaft fürTreber- trocknuug teilte der Konkursverwalter mit, bis jetzt seien 1245 000 Mk. bar Geld ein gegangen. Mit den 769 457 Mark betragenden sicheren Außenständen beträgt die Aktien­masse rund zwei Mcklionen- Hiervon fordert der Konkurs- Vermatter für feine Thätigkeit vom 4. Juli bis 31. Dezember 1901 75 000 Mk- und die hier wohnhaften Mttglieder des Gläubiger-Ausschusses 50 000 Mk. Honorar.