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Mittwoch 8. Oktober 1902
ISS. Jahrgang
Zweites Blatt.
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger w
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Eichen
ve»«goprei», monatlich 75 $1, viertel* jährlich Mk. LÄ); durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ausschb Bestellg. Annahme von Anzeigen kür bie TageSnummer bis vormittags 10 Uhr, ZeilenpreiS: total 1>P^ auSrodrtl 20 Pfg.
Verantwortlich» für den poItL u. allgem. keil: U Wittko: für .Stadt und Land" und .Gerichtssaal': 6nr1 Plato: für den Anzeigenteil: HanS Deck.
Nr. 236
•rfteint täglich außer Sonntag-.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siegener Kamilien. Hättet viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck tu Verlag der Brüh lsichen Unwerf^Buch- u.<Stetn- druckerei (Pietsch Erben) Redaktton, Expedition und Druckerei:
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3>ie heutige Yummer umfaßt 10 Seiten.
KandwcrKs- und Keweröefleiß In Kessen.
(Von unserer Darmstädter Redaktion.)
In den Tagen der heftigen Zollkämpfe und handelspolitischen Gegensätze hört man fortgesetzt von dem größeren oder geringeren Schutz der Landwirtschaft, von der Kräftigung und Hebung der Industrie und der Belebung des Exporthandels, aber ein anderer wichtiger Zweig unseres Erwerbslebens scheint dabei fast ganz in Vergessenheit geraten zu sein: das Handwerk. Und doch ist bekanntt, daß das Handwerk in Deutschland noch immer seine vier Millionen Menschen direkt ernährt, etwa eindreiviertel MiNionen als selbständige Erwerbsthätige im Handwerksbetriebe und zweieinviertel Millionen als Gehilfen; nach der letzten Berufszählung kamen auf 3 Meister etwa 4 Gehilfen. Tie Ursache dieses anscheinend zurückweichenden Interesses für dms Handwerk liegt aber nicht in der Verkennung der Bedeutung dieses wichtigen wirtschaftlichen Gliedes, sondern in der Thatsache, daß das Handwerk bei der Frage, ob Freihandel oder Schutzzoll und den vielen da hineinreichenden Spielarten nur in sehr beschränktem Maße in Betracht kommt. Das Handwerk hat früher in Deutschland die gesamte Situation beherrscht. Heute ist an seine Stelle die Großindustrie getreten, die ihre Produkte in großen Massen aus den Weltmarkt wirft.
Tas eigentliche Handwerk hat, wie das in unserem Zeitalter der maschinellen Erfindungen in der Natur der Sache liegt, vor den großen industriellen Unternehmungen Schritt für Schritt zurückweichen müssen; es ist zum Teil zu Grunde gegangen, zum Teil hat es eine völlige Umbildung erfahren and fast alle Zweige des Gewerbelebens machten eine Krisis durch, von der sie sich auch heute noch nicht wieder erholt haben. Tie legislativen Faktoren des Reiches haben sich zwar seit vielen Jahren redliche Mühe gegeben, dem bedrängten Handwerk mit Hilssmaßregeln aller Art beizuspringen, aber man ist doch auch in konservativen Kreisen mehr und mehr zu der Ueberzeugung gekommen, daß auf dem Wege des Gesetzesparagraphen wenig zu erreichen ist. Tas Handwerk muß sich wieder mehr auf sich selbst besinnen und durch eine thatkrästige Selbsthilfe das zu erreichen streben, was ihm der Staat nicht gewähren kann. Tenn er kann so wenig, wie irgend eine andere Macht, die Ewv- wickelung der Technik ausyatten oder die mannigfachen Verkehrsmittel zurückschrauben, die der Massenproduktion Thor und Thür öffnen. Was der Staat aber thun kann, und ivas er nach unserem Dafürhalten auch verpflichtet ist, zu thun, das i|t eine rationelle Hebung des Handwerkerstandes bunef) möglichste Verbesserung des gesamten Unterrichtsund Fortbildungs-Schulwesens. Und auf diesem Gebiete geht, wie wir offen zugeben müssen, die hessische Regierung allen übrigen deutschen Bundesstaaten mit gutem Beispiel voran.
In der Hauptversammlung des hessischen Landes- gewerbevereins, die am Sonntag in Tarmstadt tagte, wurde konstatiert, daß die Regierung im vorigen Jahre nichst: weniger als 186 000 Mk. für gewerbliche Unterrichtszwecke hergegeben habe und in den Debatten, an welchen sich auch bie Gießener Vertreter eifrig beteiligten, wurde das aufrichtige Bestreben der Regierung auf eine bessere Berufsbildung der Handwerker einmütig anerkannt.
Es finb aber auch sonst noch auf dem Gewerbetag Wünsche und Gedanken geäußert worden, de,ren eingehende Beachtung man den maßgebenden Stellen nur dringend anempfehlen tan». Mir meinen vor allem die verlangte bessere berufliche Vorbildung des Handwerkers. Es muß in der Schule mehr Gewicht auf das praktische Können, als auf das Wissen gelegt uni) dann in den gewerblichen Fortbilimugssckulen neben der technischen Vervollkommnung auch die praktische kaufmännische Ausbildung des Lehrlings mehr als bisher gefördert werden, damit der spätere selbständige Handwerker auch in der Lage ist, leicht den nötigen ileb erb lick über den Stand und die Ausdehnung seines Geschäfts zu gewinnen.
Ein sehr bedeutungsvolles Thema hat im Laufe der Beratungen noch der Genossenschaftsdirektor Paech berührt, der in einem instruktiven Vortrag den mangelnden Ge- zwssenschaftssinn des Handwerkers beklagte. .Von den 12 000 deutschen Genossenschaften gehörten nur 200 dem Gewerbestande an; in Hessen hätten sich dank der sympathischen Haltung der Regierung etwa 20 gebildet-. Tie Versammlung sprach sich einstimmig für tue wettere Förderung des genossenschaftlichen Zusammenschlußes der Handwerker in Hessen aus. Ter ganze Verlauf der diesjährigen dauptversammlung des Landesgewerbeverems, der ca. 400 Lehrer, 10 000 Mitglieder und 9600 Schüler umfaßt, hinterläßt in Verbindung mit der vortrefflich beschickten Ausstellung von Schülerarbeiten durchaus den Einbruch, daß sich Handwerk und Gewerbefleiß in Hessen auf einer günstigen Entwickelungsstufe befinden, an der auch das kaus- iräftige Publilum durch den Erwerb gediegener Arbeiten seinen Anteil hat.
politische Tagesschau.
Ein awerikanischer Fehlschlag.
Die durch den Grubenarbeiterstreik in Pen- sylvanien heroorgerufene Kohlen not Amerikas berührt die alte Welt insofern, als die Zufuhr amerikanischer Kohle fürs nächste in Fortfall kommt. Das Bild hat sich völlig verschoben: anstatt von „drüben" die schwarzen Diamanten za empfangen, liefert die alte Welt jetzt solche an die Vereinigten Staaten. Zunächst sind Bestellungen auf englische Kohle ergangen. Die Möglrchkeit, daß auch auf das
d eutsche Produkt zurückgegriffen wird, ist auS dem Grunde nicht von der Hand zu weisen, weil zurzeit auch in Frankreich ein Grubenarbeiterausstand besteht, der ebenso geringe Aussichten auf Beendigung bietet, wie der amerikanische. DaS Gebäude der kühnen Pläne Mr. MorganS und anderer Trustmagnaten, auf einer Flotte neuzuerbauender Frachtdampfer amerikanische Kohle in Masten an den europäischen Markt zu bringen, ist so gar schnell ins Wanken gekommen. Ein Beispiel, daß auch die Bäume der Dollars- Milliardäre nicht in den Himmel wachsen.
Deutsches Keich.
Berlin, 7. Ott. Der Kaiser ist heute Mittag unter Salutschüssen in Königsberg i. Pr. eingetroffen. Der Kaiser ließ sich im Fürstenzimmer deS Bahnhofs gleich nach seiner Ankunst einen Vortrag über die geplante Königsberger Schloßsteiheit halten und nahm dort den Entwurf und die Photographien dieses Projekts entgegen. Sodann fuhr der Kaiser nach der Kaserne des Grenadierregiments „König Friedrich Wilhelm I.", zu dessen Chef sich der Kaiser bei seiner Anwesenheit zur Erinnerung an das 200jährige Bestehen des Königsreichs Preußen erklärte. Kurz nach 1 Uhr traf der Kaiser vor der Kaserne am] Steindammer Thore ein. Die Mannschaften des Regiments nahmen vor der Kaserne Aufstellung und begrüßten den Kaiser mit „Guten Morgen Majestät!" Der Kaiser begab sich sodann in das Innere der Kaserne, wo ein Frühstück stattfand, an welchem der kommandierende General und mehrere andere Generale, die Offiziere des Regiments sowie als Gast des Kaisers Fürst zu Dohna-Schlobitten teilnahmen. Der Kaiser verließ heute Nachmittag die Kaserne des Grenadier-Negts. „König Friedrich Wilhelm I." und fuhr nach (Sabinen.
— Prinz Eitel Friedrich trifft, wie aus Bonn gemeldet wird, am 28. ds. dort ein, um in der rheinischen Universitätsstadt seinem Studium obzuliegen. Bei der Immatrikulationsfeier wird der Kronprinz den Kaiser, der nicht nach Bonn reift, vertreten.
— Die Berliner Handelskammer hat beschlosten, den Handelsminister zu ersuchen, er möge doch seinerseits neben der vom Landwirtschastsministerveranlaßten Enquete eine Untersuchung über die Gründe der Fleischteuerung durch Befragen der preußischen Handelskammern und der diesen gleichgestellten Korporationen in die Wege leiten.
— Von der nationalliberalen Partei ist, wie die „Magdeb. Ztg." mitteitt, beschlosten worden, daß über die Getreidezollsätze de§ Tarifentwurfs von keinem Mitgliede der Partei EjinauSgegangen werden dürfe. Die „Deutsche Tagesztg." erinnert daran, daß mehrere Na- tionaäiberate sich für höhere Zölle bereits erklärt haben und daß es ein nationalliberaler Reichstagsabgeordneter war, unter dessen Vorsitz der hessische Bauerntag sich für einen Mindestzoll auf Brotgetreide in Höhe von 7,50 Mk. auSsprach.
Dre sden, 7. Ott. Der Rat der Stadt beschloß beim Ministerium des Innern die Ermächtigung zur Einführung von Schlachtschweinen au8 Oesterreich zwecks Verbilligung des Fleisches zu befürworten, gleichzeitig aber die Erwartung auszusprechen, daß im Falle einer dauernden oder teilweisen Aufhebung der österreichischen Grenzsperre die Preise seitens der Fleisch-Verkäufer eine wesentliche Hera bsetzung erfahren.
Kirche und Schule.
Berlin, 7. Okt. Die „Nordd. Allg. Zig." erklärt die Blättermeldungen, die Regierung habe an verschiedenen Orten die Errichtung städtischer Mäd chen - Gy m uasien oder Mädchenrealgymnasien genehmigt, für unrichtig. Es ist auf Antrag des Magistrats Charlottenburg und Schöneberg lediglich gestattet, dort den städtischen höheren Mädchenschulen unter bestimmen Bedingungen versuchsweise sechsjährige Lehrkurse anzugliedern, welche die Ziele des Realgymnasiums erreichen sollen. Außerdem ist es einem Privatoerein in Köln erlaubt, versuchsweise humanistische Lehrkurse für Mädchen über 12 Jahre einzurichten. Die Gewährung staatlicher Beihilfen zu solchen Einzelversuchen ist ausgeschloffen. Die Unterrichtsverwaltung hält daran fest, daß ein Bedürfnis zur Errichtung selbständiger Mädchengymnasien und Realgymnasien nicht vorliegt.
Ausland.
Brüssel, 7. Okt. Die Burengenerale fuhren zum Justizpalaste. Dewet sagte zu einer Gruppe von Anwälten, die den Generalen vorgestellt wurden: „Mit Ihnen läßt sich nicht gut anbinden, Sie sind mir zu klug. Aus den Händen meiner Feinde bin ich entronnen, aus den Ihrigen würde ich jedenfalls nicht entkommen." Hierauf fuhren die Generale in das bois de la tembre. Unterwegs begegnete ihnen der belgische General Merkher, der sie militärisch grüßte, worüber sie sichtlich erfreut waren. Das Frühstück wurde in einem Restaurant eingenommen. Der für heute Nachmittag m Aussicht genommene Besuch des Schlachtfeldes von Waterloo ist fallen gelassen worden. Morgen besuchen die Generale das Grab Lucas Meyers, am Abend erfolgt die Abreise.
Paris, 7. Okt. Der Staatssekretär Tbomegcen
hat dem Redakteur Leroux vom Mattn seine Zeugen gesandt wegen eines ihn beleidigenden Artikels. — In dem heute abgehaltenen Ministerrate teilte Minister Delcaffs mit, er habe heute mit dem Gesandten SiamS den Vertrag unterzeichnet, der die zwischen Frankreich und Siam schwebenden Fragen regelt. Der Vertrag enthält u. a. folgende Bestimmungen: Frankreich erhält die Provinzen Melupre und Bassak, sowie das Gebiet am Großen See zwischen dem Prolurs- und dem Piccompomgthiam- Flusse. Die französischen Truppen verlaßen gleichzeitig Chantabun. Siam erhäll u. a. das Recht, Truppen nach verschiedenen Punkten des rechten Ufers deS Mekong zu entsenden, soweit es Siam verbleibt.
Konstantinopel, 7. Okt. Auf den Grafen 5)oU gorukow, der zur Suite des Großfürsten NikjolauS gehörte, wurde, als er in Pera im Palace-Hotel speiste, von der Straße aus ein Schuß abgefeuert. Dolgorukow blieb unverletzt. Der Sultan ordnete strengste Untersuchung an.
Schwurgericht.
P. Gießen, 7. Ott.
Verhandelt wurde heute gegen den 47jährigen, verheirateten Tagelöhner Philipp Loth von Nie der- Ohmen wegen Meineids. Die Anklage vertritt Gerichts- assessor Dr. Hetzel, während der Angeklagte von Justtzrat Hirschhorn verteidigt wird. In der Verhandlung waren zehn Zeugen zu vernehmen. Ter Angeklagte wird beschuldigt, vor dem Amtsgericht Grünberg in der Strafsache gegen Wilhelm Becker von Nieder-Ohmen wegen Körperverletzung am 25. Juni d- I. unter Eid wissentlich falsch ausgesagt zu haben.
Ter Thatbestand der Anklage ist kurz der folgende". Der Tagelöhner Philipp Loth hat im M-ril d. I. der Gendarmeriestation Ruppertenrod eine Anzeige dahin erstattet, daß ihn am 7. Avril nachts um 11 Uhr, der Maurer Wilhelm Becker von Nieder-Ohmen ohne jede Veranlassung mit einem Lattenstück in der Hand überfallen und chm einen Schlag auf den Kops versetzt habe, sodaß er stark geblutet habe und zusammengestürzt sei. Hieraus entwickelte sich ein Strafverfahren gegen Becker, und dieser stand am 25. Juni d. I. vor dem Schöffengericht Grünberg unter der Anklage der Körperverlettung mittels gefährlichen Werkzeugs. In dieser Verhandlung wurde der Verletzte, der heutige Angeklagte Loth, als Belastungszeuge vernommen. Er wurde vom Vorsitzenden sehr eingehend vor Meineid verwarnt. Loth deponierte damals unter Eid: Er sei am 7. April d- I. in der Langohrschen Wirtschaft in Nieder- Ohmen gewesen und habe sich mit dem Bruder des Maurers Becker ruhig unterhalten. Als er nach Hause habe geben wollen, sei der Maurer Wilhelm Becker mit den beiden Schellhaas, welche sich in einem anderen Wirtszimmer auf- gehalten hätten, aus der Wirtschaft herausgekommen. Wilh. Becker habe ihn einen „^unbefänger" genannt Loth hat weiter vor dem Schöffengericht Grünberg erklärt, er sei an dem fraglichen Abend nicht betrunken gewesen. Er habe am Vormittag desselben Tages in der Langohrschen Wirtschaft nur leinen Schnaps getrunken, am Abend habe er Schnaps und Bier getrunken. Es fei damals noch Tag gewesen, als er die Wirtschaft betreten, bie er erst spät abends wieder verlassen habe. Er sei allein aus der Wirtschaft gekommen und habe auf dem Wege in seine Wohnung nicht bemerkt, daß hinter ihm jemand hergekommen sei; er habe auch nicht wahrgenommen, daß jemand vor ihm die Langohrsche Wirtschaft verlassen habe. Ob er unterwegs nach feiner Wohnung stehen geblieben sei, wollte Loth bei feiner Vernehmung in Grünberg nicht mehr wissen. Er bestritt, an jenem Wend beleidigende Aeußerungen gegen dritte Personen gethan zu haben, auch habe er niemand bedroht. Loth har weiter bekundet, daß, als er vor seiner Wohnung angekommen sei und die Gosse habe überschreiten wollen, Wilhelm Loth gekommen sei und ihm zwei Schläge mit einem Lattenstück über den Kopf versetzt habe; in dem Lattenstück habe ein Nagel gesteckt, den der Angeklagte damals in dunkler Nacht gesehen haben will. Weiter hat der Angeklagte unter Eid bekundet, er hätte den Becker nicht früher gesehen, als bis derselbe vor ihm stand und auf ihn einschlug; er fei nicht auf diesen losgegangen und habe denselben ebensowenig bedroht. Loth hat weiter mit aller Bestimmthett unter Eid in Grünberg erklärt, er sei wohl an jenem Wend etwas angetrunken, aber nicht so betrunken gewesen, um seiner Sinne nicht mächtig gewesen zu sein. Tie Aussage des Angeklagten ist auf Antrag des Amtsanwalts in der Schöffengerichtssitzung sofort zu Protokoll genommen und von dem damaligen Zeugen als richtig anerkannt.
Diese Darstellung der Affaire auf der Torfstraße in Nieder-Ohmen in jener Nacht soll in mehreren wesentlichen Punkten nach der Anklage von Loth wissentlich falsch gemacht sein. Der Angeklagte bleibt dabei, es sei so gewesen, wie er gesagt habe, wenigstens wisse er nicht, daß es anders gewesen sei; denn er sei in jener Nacht stark betrunken gewesen. Nach der Darstellung der als Zeugen des Vorfalles heute vernommenen beiden Becker und Schell- Haas hat der Angeklagte, der mit Georg Becker in einem Nebenzimmer der Langohrschen Wirtschaft an jenem Abend saß, sich mit diesem laut gestritten und dabei ziemlich erregt häufig den Ausdruck „Hundefänger" gebraucht. Nach der Bekundung des Wirtes Langohr hätten gegen 1/2U Uhr abends die beiden Schellhaas und der Maurer Wilhelm Becker die Wirtschaft verlassen. Diese hätten den Wend über in einem anderen Zimmer gesessen und bei ihrem Abgang das Hauptgastzimmer passiert. Sie forderten hier den bei Loth sitzenden Georg Becker auf, mttzugehen, und verließen kurz darauf alle mer zusammen das Haus. Eine


