Ausgabe 
8.10.1902 Erstes Blatt
 
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des ThoreS ist bereits bis zur Höhe von drei Meter oufge

Kastell Saalburg, 3. Oktober. Die Porta inißtra wird zur Zeit aufgebaut. Der eine Settenturm

Aus Stadt und Land.

Gießen, S. Oktober 1902.

** Kvnze rt-Verein. Anfang November nimmt der Konzert-Verein, feine, durch den Sommer unter­brochene Thätigkeit wieder auf und tritt lebensfrisch in sein Hl. Jahr ein. Der gute Ruf, den der Verein hinsichtlich einer musikalischen Leitung besitzt, hat es ermöglicht, daß trotz der immer steigenden Ansprüche der Künstler, eine Reihe ausgezeichneter Kräfte auch für das vorliegende Konzertjahr gewonnen werden konnte. Neben dem Alt­meister Heermann mit seinen auserlesenen Quartett- Genossen, finden wir die jugendfrische Violinistin Fräulein Str ach e vor, die beim Buff-Strauß-Konzert des vorigen Jahres außerordentlich gefiel. Zu dieser gesellt ich eine der bedeutendsten Sängerinnen Deutschlands, Frau Lili Lehmann, neben der wieder die jugendliche Frl. L e y d e ck e r, eine ausgezeichüete Altistin, zu nennen ist. Das Klavier wird durch zwei Künstler vertreten, der berühmte Pianist Lamont und Frl. Hedwig Meyer, eine hervorragende Beethovenspielerin. Orchester-Kon­zerte werden mit Kammermusik-Abenden und einer Choraufführung abwechseln, wodurch jede Ein­seitigkeit vermieden ist. Als Tage sind festgelegt der 9. und 30. November, 14. Dezember 1902, der 18. Januar, 1. Fe­bruar und 1. März (9. Symphonie) 1903. lieber das Mu­sikalische wird in allerkurze aus berufener Feder eine Würdigung der Hauptwerke folgen. Die Ve rl o s u n g der Sperrsitze findet am 14. Oktober statt. Neuanmeldungen nimmt Herr Challier jederzeit entgegen. Alles weitere wird demnächst der Inseratenteil bringen.

** Gast spiel des Wiesbadener Operetten- ensembles. Auf feiner erfolgreichen Gastspielreise wird das Wiesbadener Operettenensemble am 9. Oktober auch! unsere Stadt berühren und in Steins Garten eine Vor­stellung geben. Auswärtige Blätter, wie derRheinische

sprachen (Bro. Majestät cm beide christliche Konfessionen cte Erwartung aus, daß alle Geistliche und Laien aller­höchst Ihnen helfen werben, die Religion im Volle auf­recht zu erhalten. Wir wissen in beiden Bestrebungen mit Eurer Majestät uns von Herzen eins und geloben aufs neue, an unserem Teile in Treue gegen das GlaubenS- erbe unserer Väter an der Forderung wahrhaft christ­licher Frömmigkeit unermüdet zu arbeiten. Möge der allmächtige Gott auch Eurer Majestät Wirken für sein Reich segnen und alle dahin gerichteten Bestrebungen mit fteudigem Gelingen krönen. Graf Wintzingerode."

Heute vormittag fand int Vereinshcmse eine geschlossene Versammlung statt, in welcher der Schriftführer des Bundes, Professor Wttte, den Jahresbericht erstattete. Die Zahl der Bundesmitglieder beträgt einschließlich der Mitglieder der angeschlossenen Vereine 157 000. Direktor Fabasius von der Kolonialschule in Witzenhausen hielt einen Vortrag über die Ziele und Thätigkeit des evangel. Hauptvereins für deutsche Ansiedler und Auswanderer. Hieran an­schließend sand eine Konferenz der Diaspora-An­stalt en statt, gleichzeitig eine Konferenz des Gesamtvor- standes und der Abgeordneten der Zweigvereine, in welcher der Jahresbericht sowie der Vortrag des Direktors Fabasius besprochen wurde. Darauf sprach Lehrer Gurfing-Tessen- heim überUltramontanismus und Schule". Schließlich wurden die statutgemäß aus dem Zentralvorstande aus­scheidenden acht Mitglieder wiedergewählt.

Heute abend sanden in der Lutherkirche und Johannis­kirche Festgottesdienste statt, die zahlreich besucht waren. In der Lutherkirche predigte Generalsuperintendent Tr. Nebe-Münster und schloß mit dem Wunsche, daß die Fest­tage die Gemeinde stärken mögen in Treue, vereinigt in Liebe und erhalten in Demut. In der Johanniskirche predigte Tr. Kaiser.

In der Abendversammlung im Weidenhof sprach Misswnsdirektor Buchner-Berthelsdorf über die inneren Gefahren des Missionsbetriebes für die evangelische Mission und Stadtpfarrer Weitbrecht-Wimpfen über die Gewinnung unseres Volkes für den Bund. Im Vereinshause behandelte Missionsinspeltor Schreiber-Barmen den Wettstreit der Kon­fessionen in den deutschen Kolonieen. Pfarrer Ney-Lixheim entwarf Bilder aus der evangelischen Kirche Lothringens und Pastor Fliedner-Madrid schilderte die Fortschritte des Evangeliums in Spanien. Die Versammlungen waren über» üllt.

schirkung der Mädchen ins Ausland verhindern und die Zurückbringung ermöglichen können.

Die Anträge von Mayr werden einstimmig angenom­men. Pastor Büttner-Bremen beantragt, das National­komitee solle dahin wirken, daß der Internationale Kongreß alle Scbifsahrtslinien ersuche, der Vernichtung des Mädchen­handels ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Auch solle man bestrebt sein, die Auswanderung über deutsche Seifen zu leiten. Professor von Mahr bat den Grafen Keller, dem Kaiser den Dank der Konferenz für die Unterstützung und Förderung der Bestrebungen auszusprechen. Ter Vor­sitzende schloß hierauf die Sitzung mit einem Hoch au ben Kaiser.

Heute abend fand imFrankfurter Host" ein von der Stadt Frankfurt veranstalteter Begrüßunas- abend der Mitglieder des Kongresses zur internationalen Bekämpfung des Mädchenhandels statt. Oberbürgermeister Adickes hieß die Erschienenen namens der Stadt Frankfurt willkommen. Das gute und edle Streben des Kongresses begrüße er als ein Zeichen des Idealismus, der in allen Nationen die Flügel regt und sich hier in einem Werke modernster Art bethätigt, modern nach der Empfindung, aus der heraus der Kongreß geboren, modern, da er die Nationen zusammengeführt habe, modern insofern, als auch Frauen sich dazu begeistert zufammengefunden hätten. Redner schloß mit der Hoffnung, daß den Verhandlungen des Konaresjes Erfolg beschieden fein möge. Kämmerchen- Graf v. Keller begrüßte die Versammlung im Auftrage des Kaisers, besonders die Delegierten des Auslandes. Es ge­reiche dem Herrscher zur besonderen Freude, hier auf deut­schem Boden Männer und Irguen aus der ganzen Welt versammelt zu sehen, um eine internationale Angelegen­heit von hoher Bedeutung zu fördern, die auch dem Kaiser am Herzen liege und der er dauernd seine Fürsorge widmet. Der Gruß des Kaisers gelte auch der Stadt Frankfurt. Hier sollen ernste Anregungen gegeben werden und in alte Lande hinausgehen; daß sie segensreiche Früchte zeitigen mögen, hofft d er Kaiser. Die Arbeiten des Kongresses seien ein Kampf, ein Bürgerkrieg, in dem die Regierten auf derselben Seite stehen wie die Regierenden, ein Bölker- krieg, bei dem der Sieg des einen Volkes nicht die Nieder­lage eines anderen bedeute. Redner schloß mit der Hoff­nung, daß der Kongreß dazu beitragen werde, die Stunde der Befteiung für die unglücklichen Mädchen zu beschleu- nigeii. Geh. Legationsrat v. Dirksen begrüßte die Ver­sammlung im Namen des Auswärtigen Amtes und im Auftrage des Reichskanzlers v. Bülow. Redner drückte; seine Freude aus, Vertreter Italiens und Spaniens, sowie den englischen Delegierten Mr. William Alexander Coote und den französischen Senator Verenger begrüßen zu dürfen, betonte das Wohlwollen der Regierung gegenüber den Bestrebungen des Kongresses und schloß mit der Mah­nung, nicht zu erlahmen trotz der Unterstützung der Re­gierung. Senator Verenger überbrachte die Grüße der französischen Republik und dankte namentlich dem Grafen v. Keller für die Grüße, die er im Auftrage des Kaisers überbrachte. Lord Aberdeen übermittelte Grüße des Königs von England und hob hervor, in England bringe man der Frage ebensoviel Teilnahme entgegen, wie in Deutsch- land. Er schloß mit feinem Danke an die Stadt Frank­furt für die freundliche Aufnahme. Tann verlas der russische Delegierte Saburoff das Telegramm an den Kaiser. Hiermit war die Begrüßung beendet. Es folgte ein Fest­essen von 200 Gedecken. Oberbürgermeister schickes brachte ein Hoch auf den Kaiser aus, der kommandierende Genera? v. Lindequist auf die Souveräne und Staatsoberhäupter der Nationen, die auf dem Kongreß vertreten sind.

15. Geueral-Bersammlung des Evangelischen Bundes tur Wahrung der deutsch-protestantischen Interessen.

Hagen i. Wests., 5. Okt. Die Generalversammlung des : Evangelischen Bundes ist unter zahlreicher Beteiligung hier : zusammengetreten. Oberbürgermeister Cuno begrüßte die 1 Versammlung. An den Kaiser wurde folgendes H u l d i - ' gungstelegramm gesandt: <

Ew. Kaiserlichen und Königlichen Majestät bringt i die in Hagen tagende 15. Generalversammlung des Evan- l Bundes uiitertljdnigfte Huldigung dar. Ew. Majestät be­zeichneten in feierlicher Weihestunde als hohes Ziel Aller- < höchst Ihres Lebens unter Wahrung der berechtigten i Selbständiakeit für die Einigung der evangelischen Kirchen i Deutschlands zu wirken. In der alten Kaiserstadt Aachen j

Courier"" in Wiesbaden, äußern sich in den wärmsten AuS- 1 drücken der Anerkennung über die Leistungen des Ensembles. Daß diese in ihrer eigenartigen Zusammen­fügung hervorragend zu fein scheint, darf man wohl auZ dem Umstand schließen, daß das Ensemble von der Kur- direktion in Bad Nauheim mit immer steigenden Ec-

1 folge zu fünfmaligem Gasffpiele gewonnen wurde.

-- Die Wanderer &. 9t G. hielten kürzlich ihn; ordentliche Hauptversammlung ab. Der erste Vorsitzende, Hotelbesitzer Mund, gab zunächst einen ausführlichen Be­richt über die Thätiakett des Vereins im abgelaufenen Ver­einsjahr. Der Rechner, A Krieb, erstattete den Bericht über die Kasse, dem zufolge der Stand derselben ein recht guter ist, so daß die Versammlung beschloß, einen Drunk- schrant zu beschaffen, in welchem die von den Wanderern errungenen wertvollen Preise zur Ausstellung kommen sollen. Bei der Vorstandswahl lehnte der bisherige erste Vorsitzende, Herr Mund, seine Wiederwahl für diesen Posten ab. Infolge dessen war das Ergebnis der Wahl das Folgende: 1. Vorsitzender Aug. Wehn, 2. Vorsitzender Hotelier Mund, Schriftführer Ehr. Kron, Rechner H. Krieb. Es wurde weiter beschlossen, in diesem Winter ein größeres Winterfest abzuhallen, und eine Kom­mission damit betraut, die nötigen Arrangements do rur- bereiten.

)( Jahn feier. Am 15. Oktober, dem 50. Todestag des Turnvaters Jahn, hält die hiesige Turnerschaft eine Jahnkeier ab. Auf dem Programm stehen: Stellen von lebenden Bildern und Dyramiden, Vortrage der GesangS- abteilung, Festrede und Familienunterhallung un Caft

** Gendarmerie-Station. In dem benachbarten Lützellinden ist am 1. Oktober eine GÖidarmerie- Station errichtet worden.

** Sein 25jähriges Tienstjubiläum feierU vor kurzem der Landvrief träger Löffler in Lützellinden.

** Ein beherzigenswertes Wort über Stadtbaupläne. Ter vor einiger Zett aus München nach Stuttgart übergesiedelle Architekt Prof. Theodor Fischer veröffentlicht in einem dortigen Blatt zur Stutt­garter Stadtbauplanfrage einen Aufsatz, der auch ander­wärts Beachtung verdient. Von allgemeinem Interesse find folgende Stellen feiner Ausführungen:Das ist doch zweifellos und in höchstem Grade bemerkenswert, daß die im 19. Jahrhundert freilich allgemeine Gerade- führung der Straßen den wesentlichsten Einfluß auf die unbefriedigende Wirkung der neuen Stadtteile ausübt... Es ist eine Eigentümlichkeit der alten Kunst, daß man alles Menschenwerk der Natur ein- und unterordnete. Heute ist's das Gegenteil: man will aus- und herausfallen wie es dem Parvenü geziemt. Wer beobachtete nicht schon das feine Zusammenklingen alter Städte mit der Natur. Ja, sagt man, das ist das Alter! Was die Patina anbelangt, so mag das ein wenig zutreffen. In allem übrigen ist's nichts anderes, als daß die Alten feinfühlig und trotz allen Stolzes be­weiben bet Natur sich an p a ßt en. Die Natur iber kennt keine Härten in Farbe und in Formen. Wir jagegen sind durch Schule und vieles andere so ver­bildet, daß wir die ins Endlose durchgeführte gerade Linie, >ie absolute Symmetrie, für das 9iatürliche, die freie, durch das Gelände und hundert andere Umstände bestimmte Kurve für das Willkürlichste ansehen. Wie sollte dieser Linealgeist, der in einem vollen Jahrhundert sich langsam herausgebildet hat, so schnell verschwinden, daß wir jetzt mit Zustimmung aller freigezogene ober, wie man das geschmackvoll ausgedrückt hat, wurst ähnliche Straßen bauen könnten? Ich habe zu so schnellen Rückkehr zu natürlicher Emvfindung lein Zutrauen und glaube, daß wettsichtige Behörden eben auf die Zustim­mungAller"" vorläufig verzichten müssen, wenn sie derartige Bahnen gehen wollen... In einem Briefe an Lavater nennt Goethe die gerade Linie die der Leb­losigkeit, die leichtgeschwungene die der Schönheit. Wie konnten wir nur im Laufe der Zett in eine so blinde Anbetung des Abstrakten verfallen, daß wir der Idee Zuliebe, die mathematische Genauigkett sei ein ästhetischer ' Wert, unsere Städte mit Lineal und Zirkel so ganz ver­darben! Kehren mir zur Natur zurück!""

Meister der geniale belgische Poet Maeterlinck") ist, dessen wunderfeine Dichtungen nachzucmpsinden wahrlich nicht Jedem gegeben ist, zu verspotten sich erlaubt, so verdient eine solche üble Unart eine angemessene Züchtigung.

Aber wer kann widerstehen, wenn er Reime vernimmt, wie:singt euch im Sonett an setzt Fett an"", oder studierte etwas Jura ich habe hier Prokura!""

Tie Verse wurden gestern im allgemeinen recht gut gesprochen und besiegelten den Erfolg des Abends, der wohl eine für Gießener Verhältnisse lange Reihe von Wie­derholungen des Stückes gewährleistet. Tas Publikum nal)m natürlich das Stückchen mit großem Wohlwollen auf. Die Darstellung war aber auch von Glück begünstigt- Tie Gräfin wurde von unserem Frl. Feige reizvoll und anmutig gespielt; die schwärmerische Richtung, die Caprice für Poesie, Hütte ja vielleicht noch um eine 9hiance mehr betont werden tonnen, aber alles in allem wars doch eine sehr hübsche und abgerundete Leistung. Frl- F. scheint die Ferien sehr trefflich benutzt zu hoben, sie trat uns gestern als eine wesentlich fertigere Künstlerin entgegen. Herr Ger lach sprach den Grasen mit robuster Natur- burschenhaftigkeit recht unkonventionell und ließ manche ihm antiertraute Pointe fallen. Den glücklichsten und ori- ginellsten Eindruck des Abends machte Herr v. Stahl als Eberhard. Just jetzt führt uns Petzet in einem Dortreff- lichen Buche die 1840 er politische Lyrik neu vor Augen. Herr v. Stahl trug die von jener tollen Zett litterar- geschichtlich gefärbte Maske des FreihettsdichterS, wie sie sich ein Spekulant des Märtyrertums wohl zurechtlegen mag, und hielt die Komik der angenommenen Schwärmerei ganz in den Grenzen des Glaublichen; er parodierte nicht und erreichte, daß man nicht über bie thörichten Poeten- matzchen, sondern über die schlauen Hochstaplerschliche des Paradepoeten lachte. Herr v. Stahl scheint uns nach seiner gestrigen in allen Stücken aufs beste gelungenen Talent­probe ein Künstler von gutem Geschmack zu sein, dessen diskrete Art schon am Eroffnungsabende für ihn einnabm und viel Erfteullches ermatten läßt.

Herr Ramseyer gab den kommentierenden und te-

). Die Werke Maeterlincks erscheinen z. Z. in einer vortreff­lichen deutschen Ausgabe im Verlage von Eugen Dtedenchs m Leipzig.

bensklug warnenden Baron mit allerbester Laune. Die klägliche Drolligkeit des kürbereichen Wendelin brachte Herr Z o d e r zu entsprechender knabenhafter Geltung. Er zeigte diesen egoistischen Wächter der Hausehre in einer Art von Geckerei, die durch Naivetät gemildert wird.

Die Nebenrollen, darunter eine Dame, die nach 35jähri- ger Ehe daspoetische Bedürfnis" kriegt, waren im ganzen gut besetzt, und die Regie des Herrn Ger lach hatte für recht hübsche Inszenierung man sah einen ganz ele­ganten größeren Salon und munteres Zusammenspiel geborgt. Nur hätte der gesamte Grundton um einige Stufen mehr nach der graziösen Melodie eines spanischen Menuetts gestimmt werden dürfen. Schließlich ist ja aller Reimlustspiele Obermeister Moreto, der Dichter derDonna Tiana". P. W.

Ter Frankfurter Intendant Emil Claar vollendete gestern das 60. Lebensjahr. Er ist am 7. Oktober 1842 zu Kemberg als Sohn eines Advokaten geboren. Wie die meisten seiner Beruss- genossen, ist auch er erst aus Umwegen zur Bühne gekommen; ur­sprünglich sollte er Arzt, dann Kaufmann werden. Unter einem angenommenen Namen betrat er endlich gegen den Willen seiner Eltern die Bretter. Sein Förderer war fein Geringerer als Laube, der ihn in's Burgtheater ausnahm und ihn später an das Leipziger Stadttheater, dann als Regiffeur an's Hoftheater in Weimar benef. 1872 wurde Claar Oberregisseur des Prager Landestheaters; 1876 übernahm er die Leitung des Berliner Residenztheaters, und seit 23 Jahren ist er der verdienswolle Intendant des Frankfurter Stadt­theaters. Auch als Schriftsteller hat er sich hervorgethan. Seme drei Gedichtsammlungen zeigen von einem beachtenswerten Talent. Dazu kommen eine Reihe von Dramen wie das Lustspiel.Siutson und Delila"', das Schauspiel ,Tie Schwestern"', die Trauerspiele .Shelley"' (1874) und .Königsleid"' (1895).

Gerhard Hanptmann'S neue Dichtung: »Ter arme Heinrich" wird in den ersten Tagen des Dezember gleichzcüig auf den Bühnen des Deutschen Theaters m Berlin und des Hos- burgtheaters in Wien erscheinen.

Berlin, 7. Okt. Der Bezirksausschuß verhandelte heute auf die Silage Pani Heyses und des Direktors des Lesstng- theaters Neumann-Hofer über die Berechtigung des Verbots des Heyse'fchen Stuckes .Maria von Magdala" und ent­schied, daß dem Anträge bet Kläger gemäß das Verbot auf- zuheben ist.

Coita'schc Handbibliothek. Hauptwerke der deutschen und ausländischen schönen iiutetaxur in billigen Einzelausgaben. Stuttgart, Verlag der I. G. Eoualchen Buchhandlung Nachfolger,

G. m. b. H. Unter dem Sammeltitel .Eotta'jche Handbidliochek" hat die Cotta'sche Buchhandlung ein neues Unternehmen m'S lieben gerufen, das die Aufmerksamkeit der LiUeraturfreunde in besonderem Maße verdient. Ter Zweck desselben, die Verbreitung der Hauptwerke der schonen Litteratur durch billige Einzelausaaben zu fördern, ist freubig zu begrüßen, und schon in ben ersten Wum­mern wird eine Anzahl von Litteratursckätzen bedeutend leichter zugänglich gemacht, als cS bisher der Fall war. So sind Grill­parzers Dramen fortan durch diese Sammlung in einzelnen Heften äußerst wohlsell erhältlich. Anastasius GrünS Lenau- Biographie erfdjeint in dem neuen Unternehmen zum erstenmal als selbständige Schrift, vermehrt durch einen Anhang Briefe von und an Lenau, ausgewählt und erläutert von Johanne- Proelß. Des Grafen Schack Uebersehung der Strophen deL Omar Chajam soll in der hier gebotenen billigen Ausgabe dem geni­alsten uiid witzigsten «vpruchdichter, den bte orientalische Litteratur aufzuweisen hat, auch m Deutschland die gebührende Verbreitung verschaffen. Tte Namen Goethe, Heine rc. re., die außerdem in der Sammlung vertreten sind, sprechen im übrigen genügend für diese neue vortreffliche Handbibliothek. Große Schrift, scharfer Truck, holzfreies Papier und gute Heftung empfehlen schon äußer­lich. Die Sammlung soll fortgesetzt werden, und auch m Zukunft einzelne Schriften hervorragender Autoren, deren ausschließliches Verlagsrecht der Eotta'schen Buchhandlung zusteht, in billigen Einzelausgaben aufnehmen.

Die Ergebnisse der Lverdrnp'schen Rordpol»Expe« dttion. Tie ,St. James' ©OAette' veröffentlicht eine Unterredung mit Sir Elements Markham, dem Präsidenten der Geographifchen Gesellschaft und lllordpolfahrer, über die Resultate der Soerdrup- schen Expedüioil. Er sagt, dieselbe habe thatfächlich unsere Kennt­nis der nördlichen Polarregion vom geographischen Stanbvunkte aus vollständig gemacht. Die Expedition habe drei neue Inseln entdeckt; bte eine liegt parallel "zu Ellesmere-Lanb westlich, bie anderen beiben nördlich der Parray-Jnsel. Tiese Entdeckungen, meint Markham, bezeichnen die Grenzen des großen Polar-Lzeans. Die Expedition fand, daß Packeis von !)lorden her gegen die Inseln drückte, während auf der Südseite gewöhnliches einjähriges Eis war. Auf der neuen Insel westlich von Ellesmere fanden bie Entdecker ein Kohlenlager und sie brachten Abdrücke von Fossilien mit, bereit Prüfung man nut großem Interesse ent- gegensieht. Auch wurden Tiefsee-Sondierungen vorgenommen, welche Markham als äußerst werwoll betrachtet. Durch Soer- drup.- Expedition habe man jetzt alles vom geographischen Stanb- puiüte Wiffenstverte erfahren. Markham sagt, er jei überzeugt, daß jcnjeits nur Ozean ist.

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