Mittwoch 8. Oktober L««»
ISS. Jahrgang
Erstes Blatt.
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Nr. 836
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Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwerf.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Lrben) Rtbaftton, Expedition
GietzenerAnzeiger
M General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
jährlich Mk. 2JO; durch Abhole- u. Hweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePostNlk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bte Tagesnummer biS vormittags 10 Uhr. ZeilenpretS: lokal 12Pf, auswärts 20 Psg. verantwortlich:
für den polil. u. allgem. Leil: P. Wittko- für „Stadt und Land^ und -Gerichtssaal": ttutt P lato; für den Anzeigenteil: HanSBeck.
Hin ptiolicher polizeUtcher Mißgriff.
Das Reichsgericht Hot -war den Zeitungen das Recht abgesprochen, Anwalt der öffentlichen Meinung zu sein, indem es ihnen den Schutz des § 193 des Reichs ftrafgesetz- buches versagte, wenn sie Anlaß hatten, einen Vorgang der Oefsentlichkeit -u tadeln. Nun, die Blätter werden weiter unter dieser Rechtsprechung des höchsten Gerichtshofes leiden, sie werden aber darum nicht aufyören, Organe der Volksmeinung -u sein. Und als solche können sie gegenwärtig nicht umhin, sich mit der Staatseinrichtung zu befassen, die recht eigentlich für das Volk geschaffen und bis in die neueste Zeit vielfach, und namentlich in unserem preußisch enNachbarlande beim Volke am wenigsten beliebt ist.
Wir meldeten gestern bereits von einem höchst seltsamen Vorgänge gele-gentlich, des Wiesbadener Frauenkongresses. Tie dort versammelten Führerinnen der deutschen Frauenbewegung hatten just soeben eine Petition um Aushebung des § 361, Ziffer 6 des Strafgesetzbuches beschlossen, weil er „ein schmachvolles Ausnahmegesetz für das gan-e weibliche Geschlecht" bedeut«. Und gerade am Tage der Beratung über diesen Paragraphen, auf dem die Pon-eiverordnungen über die Festnahme gewisser weiblicher Personen basieren, wurde in dem Kongresse selbst eine zu dem Frauentag abgeordnete Tame infolge eines ganz seltsamen polizeilichen Mißgriffes verhaftet. Wir haben gestern eine kurze Notiz der „Frkft. Ztg." und einen etwas genaueren Bericht des in Wiesbaden erscheinenden „Rh. Courierö" veröffentlicht. Heute liegt nun folgende nähere Auslassung der „F-rkst. Ztg." vor:
Wiesbaden, 7. Oft Wie schpn gemeldet wurde, ist gestern nachmittag eine Teilnehmerin und Vorstands- dame deS Frauenkongresses, Frau Hilda von Decker aus Berlin, durch einen uniformierten Schutzmann zur Wache sistiert worden. Tie Dame, eine ziemlich große, kräftige Gestalt mit rötlicher Titusfrisur, trägt das Kostüm des Vereins für Kleiderreform, den fußfreien Rock, dazu einen Fitzhut ohne Putz und hatte gestern ferner ein dunkles, halbweites Mänteljaquet an. Die Tame war frühzeitig auf dem Wege zur Nachmtttaigs- sitzung des Kongresses im Kasinogebäude an der Friedensstraße, wo sich einige Häuser weiter auch das Pvlizei- vräsidium befindet, und ging an hem Versammlungshaus versehentlich vorüver. Im Begriff, langsam znrückKU- promenieren, wurde sie plötzlich von dem uniformierten Schutzmann Tröder halb von rückwärts am Arm gefaßt und im Uwteroffizierston aufgefordert: „Sie, kommen Sie mal mit!" Zu konsterniert, um gleich nach dem Grund zu fragen, oder ihren Namen &u nennen, und auch, weil sie kein Lttifsehen erregen wollte, folgte die Tame ohne weiteres. Natürlich sammelte sich alsbald, also nach der Festnahme, der übliche Menschenschwarm an. Tie Darstellung, die Sistierung sei erfolgt, weil vorher eine neugierige Menschenmenge der Tame gefolgt sei, ist nach den sehr ruhigen und bestimmten Aussagen der Betroffenen falsch Sie hat nicht bemerkt, daß ihr vorher eine größere Anzahl Leute gefolgt sei. Ter Polizist will nach seiner Aussage, ehe er die Sistierung vornahm, nach einem nicht uniformierten Kollegen gesucht haben und erst, als er keinen fand, selbst eingeschritten sein. Er habe die Tame für einen kostümierten Mmm gehalten. Daß diese Annahme falsch war, hätte
der Beamte schon auf zehn Schritte Distanz sehr leicht bemerken können. Dem Polizeipräsidium geht eine Be- schverdeschrift zu.
In seinem politischen Teile führt dann das Frankfurter Blatt il a. folgendes aus:
Woher hat sie (die Polizei) denn im vorliegenden Falle ihre Berechtigung zur Arretierung hergenommen? Tie verhaftete Tame hat nichts weiter gethan, als daß sie in R e f o r m t r a ch t langsam daherschritt. Dem Polizisten mag diese Tracht in seiner früheren Militärzeit nicht bekannt geworden sein; aber niemand kann und wird behaupten, daß sie irgendwie indecent sei und ein polizeiliches Einschreiten rechtfertige. Aber die Ansammlung von Neugierigen! so macht die Polizei gelteird. Sind wir denn soweit gekommen, daß jemand lediglich deshalb verhaftet werden darf, weil sich Neugierige um ihn gesammelt haben? Ter Polizist hätte ohne Arretierung sich überzeugen können, daß nichts Ungebührliches vorgekommen. war.
Heute kann die „Frkft. Ztg." melden, daß der Polizeipräsident v. Schenk g-rau. v. Decker zu sich bitten ließ, und sich für den Mißgriff entschuldigte. — Höflicher freilich und galanter wäre es von dem Herrn gewesen, er hätte selber die Tame ausgesucht, um ihre Verzeihung zu erbitten.
Wir erinnern uns eines Ausspruches von Bluntschli in seinem Allgem. Staatsrecht (Bd. II, S. 273 ff.):
„Ihr (der Polizei-) Beruf ist nicht zu strafen, sondern zu sorgen. Sie sollte ihrer Bestimmung nach die populärste der Staatsgewatten sein, und wir erfahren es täglich, daß sie die unpopulärste von allen ist."
Ter berühmte Staatsrechtslehrer sucht eine Erklärung aus der geschichtlichen Entwickelung der Polizei zu finden. Er führt uns ms Altertum und ins Mittelalter, und macht hierbei die folgende Bemrrning (S. 275): „Es kam ein System auf der allgemeinen Bevormundun g und der Vielregiererei, welches die Erwachsenen wie Kinder behandelte und die bürgerliche Freiheit auf allen Seiten einengte." Uns däucht, daß zur Zeit in Preußen wiederum ein solches „System der allgemeinen Bevormundung" Platz gegriffen hat. Kann die preußische Polizei sich, wundern, wenn sie bei solcher Handhabung ihrer Macht sich die Unbeliebtheit auch be£' ordnungsfreundlichsten Publikums zuzieht? Die preußische Polizei ist offenbar von ihrem höheren Beruf, für das Volk in dieser Richtung thätig zu fein, so durchdrungen, daß an an eine Besserung nicht zu denken ist. Wir sehen schon die Zeit kommen, wo im führenden Bundesstaate eine Verordnung ergehen wird, wonach wieder der upgrvßväterliche Nachtwächter umhergehen und ausrufen wird: „Die Glocke, die schlägt zehn, 's ist Zeit zum Schlafengehn." Das ist keineswegs eine Uebertreibung. Tenn zu den Gegenständen der ortspolizeilich^en Vorschriften gehört auch die Sorge für Leben und Gesundheit. Es wird nachgerade eine dringende und drängende Aufgabe, auch auf dem Gebiete der „öffentlichen Ordnung" zeitgemäßen Wandel zu schaffen.____________ ___
Die AeLämp-uug des Mädchenhandels.
Frankfurt, 7. Oft.
>Tie Deutsch-nationale Vorkonferenz zur internationalen Bekämpfung des LiLdchenhandels nahm heute in der
Frankfurt-Loge ihren Anfang. Als Vertreter der Regie, rungen waren u. a- anwesend: Regierungsrat Tillmann vom bayrischen, Ministerialrat Hilbert vom württembergi- schen Staatsministerium, Polizeirat Tr. ^opfs-Hamburg, Oberstaatsanwalt Tr. Hupertz vom preußischen Justizminr- sterium, Polizeipräsident v. Müffling vom preußischen Ministerium des Innern, Kanonikus Tr. Müller-Simonis von der Landesregierung von Elsaß-Lothringen usw. Kammerherr Graf v. Keller-Potsdam, der Vorsitzende des deutschen Nattonaltomitees, eröffnete dieselbe mit einer Begrüßung der zahlreich erschienenen Damen und Herren. Er betonte, daß die Besttebungen interkonfessionell und unpolitisch seien; alle Berufe und Stände Hütten das gleiche Interesse an der Bekämpfung des großen Uebels. Tre Erfolge verdanke man dem Kaiser und den Reichs- und Staatsbehörden. Tie ganze Gesellschaft sei in dieser Frage absolut einig. Hierauf wurde die Tagung eröffnet. Den Vorsitz übernahm Graf v. Bernstorff-Berlin. Weiter nahm die Versammlung die Berichte der Zweigvereine entgegen. Unterstaatssekretär a. D Prof. Dr. v. Mayr-München berichtete über die Thätigkeit des bayrischen Zweigvereins. Sanitätsrat Tr. Maretzki in Berlin sprach über die Thätig- keit des jüdischen Zweigkomitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels. Ter Verein hat besonders unter den Juden in Galizien gewirkt und Arbeit und Bildung dort verbreitet. 1000 Frauen und Mädchen wurden zu einer Beschäftigung verholfen.
Ter Westdeutsche Zweigverein war durch Pastor Dissel- Hof-Kaiserswert vertreten. Er hat hauptsächlich auf Holland und Belgien sein Augenmerk gerichtet. Auch in diesen Lindern wurde der Mädchenhandel von deutschen Staatsangehörigen betrieben, welche die Opfer durch Gesinde- vermietungs - Bureaus zunächst dem Kellnerinnengewerb« zuführen. Eine Ueberwachung des Grenzverkehrs nach Holland und Belgien sei erwünscht.
Für den badischen Zweigverein sprach Pfarrer Achtnich- Mannheim.
Sodann begannen die Vorträge. Pfarrer Burckhardd Berlin sprach über: „Das Nationalkomitee, die Zweig- lomitees und Vertrauenspersonen in ihren Aufgaben und ihren gegenseitigen Beziehungen". Redner empfahl die Anstellung eines tüchtigen Beruisarbeiters oder Agenten für jedes Nationaltomttee, der, mit juristischer und pvlv- zeilicher Sck)ulung, den einzelnen Fällen des Mädchenhandels nachgeht, sie bis in die betr. Städte verfolgt und dort die Freunde instruiert Redner stellte schließlich einen dahingehenden Antrag.
In der 'Diskussion sprachen Geistlicher Rat Dr. Werthmann-Freiburg i. B, Oberrabiner Dr. Werner-München, Frl. Heymann-Hambura usw. Schließlich wurde der Antrag deS Pfarrers Burckharbt angenommen.
Professor v. Mayr stellte il a. Anträge, die Regierungen mögen ersucht werden, bei etwaiger Revision der Strafgesetzbücher gleichlautende Grundsätze aufzustellen über die Bestrafung der einzelnen Sittlichkeitsdelikte und ferner den Begriff der Rückfälligkeit derart zu konstruieren, daß auch in auswärtigen Ländern rechtskräftig gewordenen Urteile anzurechnen sind. Redner verlangt eine schärfere Bestrafung der Mädchenhändler. Oberstaatsanwalt Hupertz-Frankfurt a. M. sagt, die Konferenz solle sich darauf beschränken, die Regierungen zu ersuchen, administrativ e PolizeimaßregeIn zu schaffen, welche die Ver-
Gießener Madttheater.
Die Fee Caprice. •)
Lustspiel in 3 Akten von Oskar Blumenthal.
Als vor nahezu einem halben Jahrhundert Wilhelm Jordan in Frankfurt seine ersten .lyrischen Lustspiele" schuf, da glaubte er damit die deutsche Komödienlittercttur, die er .nichtsnutzigen und ost auch recht nichtswürdigen Schund" produzieren sah, zu reformiren. Aber lange waren seine schönen Versuche, für das deutsche Lustspiel in dem Bildersaale der Weltlitteratur einen dauernden Platz zu erobern, vergeblich. Jahrzehnte blieben seine geistig und formell so feinen kleinen Versspiele unbeachtet, und spät erst erstand ihm ein eifriger Schüler in dem Frankfurter Großkaufmannssohne Ludwig Fulda, der nach unstetem Herumtappen auf dem weiten Felde der Litteratur seine eigenste Domäne auf dem ihm von Jordan gewiesenen Wege erblickte. Dann kamen weitere Nachahmer, und selbst Bühnenroutiniers vom Schlage der Schönthan und Konsorten gingen in unseren Tagen der von Böctlin geschaffenen Neuromantik unter die Reimschmiede, natürlich ohne dem alten Frankfutter Meister auch nur das Waffer zu reichen.
Blumenthal hat bereits im Vorjahre auf den maßgebenden Bühnen Deutschlands mit seinem Reimlustspiel „Die Fee Caprice" einen starten und unbestrittenen Erfolg gehabt, und auch bei uns in Gießen waren die zahlreichen Freunde und Freundinnen des einst so „blutigen" Oskar gestern „entzückt" von den reizenden Versen dieser .doch zu netten" Komödie, und mancher unter ihnen mag eifrig die Frage erörtert haben, ob diese „^ee Caprice" oder Fuldas „Zwillingsschwester", die wir vor Jahresfrist beim Gastspiel der liebenswürdigen Wiesbadenerin Frl. Witte kennen lernten, netter, reizender oder entzückender sei. Wer nicht zum weiten Verehrerkreise Bbumeut!mls gehört und sich z. B. seinen fadesten Witzbold, den Berliner Glühstrümpfler Giesecke auf
*) Tie Buchausgabe erschien in der I. G. Eolläschen Buch- handlung Nachf. zum Preise von 2 Mk.
seiner Sommerfrische „Im weißen Rößl" nur dann allenfalls gefallen läßt, wenn er so unvergleichlich köstlich dargestellt wird wie von dem vottrefflichen Kaffeler Komiker Schmasow, der giebt wohl zu, daß die Chose von der „Fee Caprice" zwar wirklich ganz „nett" ist, sieht im übrigen aber keine Veranlassung, sich in den „litterarischen" Streit „hie Fulda, hie Blumenthal" zu mischen.
Im ersten Akte macht „die Fee Caprice" aller Welt viel Vergnügen. Die Verse sind thatsächlich ganz fein geschliffen, oft mit epigrammatischer Schärfe und behendem Witz zugespitzt; sie lesen sich sogar ganz gut, was Mehrwert ist, und unterhalten gut, zumal sie, nach Jordans klassischem Muster, in moderner Kleidung vorgetragen werden. Aber leider ist auch in den beiden weiteren Akten nicht viel mehr zu hören als glattes Versgeklingel und geschickte Reimspielerei, und so läßt denn füglich die Aufmerksamkeit der anspruchsvolleren Zuhörer mehr und mehr nach. Die Mehrheit aber geht natürlich mit dem Poeten bis zu Ende mit und wird nicht müde, trotz der dünnen, fadenscheinigen Handlung. Blumenthal versteht es aber auch gar geschickt, wenn das Interesse infolge dieses offensichtlichen schweren Mangels zu erlahmen droht, es durch ein niedliches Witzwort, eine überraschende, blendende Wendung oder auch nur durch einen schwcmkattigen Scherz neu zu beleben. Die schwächste Seite ist, wie so oft bei Blumenthal, der ja darum auch zumeist einen phantasiebegabteren Hilfsarbeiter bei der Hand hat, die Ersindung. In dieser Hinsicht fällt ihm merkwürdig oft nichts ein und er behilft sich mit Anleihen an anderen, und da es entschieden als am wenigsten strafbar vom Kunstrichter angesehen wird, wenn der Poet sich selber plagüett, so blätterte er in seinen alten Manuskripten nach und holte aus seinem „Probepfeil", den ja s. Z. die Kritck am besten aufgenommen hatte unter allen seinen 30—40 Komödien, zwei Hauptfiguren, den „überlegenen" Raisonneur und Letter der „Jnttigue" und den Klavierspieler Krasinski. Diesen mas- kiette er flugs zu einem symbolistisch-sezessionistischen Wellschmerzdichter um, der sich mit dem Nimbus eines verbannten Freihettshelden zu umgeben weiß und den Damen die Köpfe
verdreht, und zwar „haupt"sächlich den der Gräfin Lund. Durch ihre Launen — daher der kapttziös anspruchsvolle. Märchenhaftes verheißende Titel, der übttgenS einem äderen Stücke Feodor Wehls nachgebildet ist, — treibt Gräfin Marion ihren nominellen Herrn und Gebieter zur Verzweiflung. Der Fall wird kritffch, Herr Dr. Blumenthal aber behandelt ihn nach bewährten Rezept. Er schickt den leidenden Ehemann ganz einfach zum Kuckuck in das Land, wo die Zittonen blühn, läßt ihn aber vorher den an allen Ecken und Enden der Weltlitteratur handgreiflich Herumliegenden Rat eines weiseren Freundes befolgen und die Konttole über die Gräfin während der Zeit seiner Abwesenheit einem jener unmöglichen Schwankjünglinge übertragen, die laut Blumenthals „Großstadtluft" die unbequeme Eigenschaft haben, daß ihr Verstand fünf Minuten nachgeht. Der vom Verfasser in kritischer Zeit zum Reisen oerurteitie Graf sagt sich, dieser Fant ist der beste Elefant für meine Frau, die allzusehr unter dem faszinierenden Einfluß des Symbolisten steht. Und er behält Recht. Die possierlichste Obhut wird während der Abwesenheit des Grafen über die schöne Frau ausgeübt und schließlich fechten die beiden kutiosen Verehrer einen Zweikampf mit einander aus. Der angeblich mutige Märtyrer der Freiheit wird als Memme und siebenfacher Familienvater entlarvt, und die Gräfin sinkt reumütig in die rechtmäßigen gräflichen Arme.
Das niedliche Geschichtchen, das van einem Gewebe flotter und blinkender Verslein umsponnen ist, würde auch auf den ernsteren Beobachter sympathischer wirken, wenn es nicht wiederholt und namentlich in der sehr prätenziösen, dem Dichter-Grafen Platen nachgeahntten „Schlußparabase" mit der recht deplazietten Pose hoher dichterischer Ueberlegenhett gegen „die Helden der tönenden Phrase", gegen die „wolkigen Scheinpoeten, die verstiegenen Unsinn orakeln", zu Felde zöge. Wenn ein selber mit „papierncn Rosen" Gauklerkünste treibender Schwankfabrikant wie Dr. Blumenthal mit den unter sauberer Hülle verborgenen unsauberen Mitteln der Verdächtigung und Beschuldigung der Gesinnungslumpen eine ganze ihm unverständliche Kunstrichtung, deren oberster


