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08/09/1902 Erstes Blatt
 
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zur eichen, aber ich erklärte^ daß ich dies nicht tbun könne, weil rch gewissen Persöitlrchketten versprochen Hütte, hier zu bleiben. Man hat mich einfach vor die Thür gesetzt nach zwölfjichriger Arbeit im Dienste meines Landes unb der französisch-russischen Allianz."

Die Nachricht, die russische Regierung beabsichtige, ln Paris, Berlin und Wien eine Anleihe von einer Milliarde aufzunehmen, wird vom Ministerium des Aeußeren dementiert. Die russische Regierung habe der französischen Regierung niemals einen derartigen Plan mit­geteilt.

Madrid, 6. Sept. Ter Ministerrat beschloß, den Handelsvertrag in Portugal nicht zu kün­digen, aber über Verbesserungen des Vertrages zu ber» handeln.

Offiziös wird tAementiert, daß die plötzliche Reise des Pariser und des Londoner Botschafters nach hier mit internationalen Fragen in Verbindung stehe. In poli­tischen Kreisen ist man aber davon überzeugt. Ein Teil der Presse, namentlich der liberalen, warnt vor dem Ab­schluß eines Bündnisses mit Frankreich, da frühere Bündnisse stets sür Spanien ungünstig ausge­laufen seien.

Belgrad, 7. Sept. Von amtlicher Seite werden die über den Rücktritt des KabinettsWuitsch, also auch über eine Aenderung in der inneren wie in der äußeren Politik Serbiens verbreiteten Gerüchte für vollkommen un­begründet erklärt.

In der heute anläßlich der Agramer serbenfeind­lichen Exzesse unter dem Vorsitze des Staatsrats-Präsi­denten Georg Simitsch äbgehaltenen, zahlreich be­suchten Versammlung, an der auch Nicola Paschttsch, Alexa Iovanowitfch, Lubomir Kaljevitsch, Giga Gerschitch, Panta Sratowitsch, Jovan Avakumowitsch teilnahmen und die an­gesehensten serbischen Politiker und der Archimandrit Hila- rion Versitsch am Präsidententisch saßen und Simitsch Ava- kumovitsch, Gerschüsch und Universitütsprofessor Zujovitsch die Hauptredner waren, wurde eine Resolution eingebracht, in der die beklageriswerten Agramer Vorgänge aufs nach­drücklichste verurteilt werden unter gleichzeitiger Erklärung, daß das serbische Volt mit lebhafter Teilnahme das Wirken der Agramer Serben beklage, welches auf Stärkung des Nationalbewußtseius, sowie des ökonomischen und kultu­rellen Leberts der Serben im dreieinigen Königreiche ge­richtet sei. Während und nach der Versammlung herrschte musterhafte Ordnung.

Aurn Jode Kirchows.

Berlin, 6. Sept.

Der ,Lteichsanze iger" hebt in einem Nachruf auf Professor Virchow hervor, daß seine Einwirkung sich keineswegs aus einen engeren Kleis von Fachgenossen be­schränkte, sondern sich an den Jüngern der medizinischen Wissenschaft,, wie an den ausübenden Aerzten im weitesten Kreise anregend, fördernd und fruchtbringend erwiesen. Und neben seinem Wirken als Mitglied der Berliner Akademie, der wissenschaftlichen Deputation für das Medizinalwesen, sowie neben der Bethäiigung am öffentlichen Leben, machte er jederzeit durch Schrift und Wort, durch Zeitschriften, Vereinen, Versammlungen im In- und Auslande sein Wissen und Können Arideren zugänglich und durch Bekehrung nutzbar. Daneben war er überall bemüht, die wissenschaftliche Erkenntnis in das praktische Leben um­zusetzen. Vor allem aber bleibt der Wissenschaft sein Schaffen urwerloren. Ein an Besonnenheit und kritischem Scharf­blick unvergleichlicher Forscher, unablässig thätig bis in die neueste Zeit, entfaltete er, dem die Wistenscbaft vom Leben so viel verdankt, in immer gleichem, der Arbeit gewidmeten HandÄn, zugleich echte Lebenstunst. Unvergessen ist, wie er auch die Anstreiigungen der zum 80. Geburtstage ver­anstalteten prunkvollen Feier zu überstehen wußte. Tragisch muß eS berühren, daß er im Vollbesitz seiner körperlichen und geistigeii Kräfte au den Folgen eines Unfalls vor­zeitig das Leben einbüßte. Aber wenn die Wissenschaft mit der ihm engverbundenen Familie trauernd an dem Sarge steht, darf es ein Trost sein, daß die Früchte seines Schaffens erhallen bleiben und der Name Rudolf Virchow als Leuchte der Wissenschaft sortleben wird in fernere Zeiten.

Tas Beileidstelegramm des Kaisers an Frau Geheimrat Wirchow lautet folgendermaßen:

Potsdam, 6. Sept.

Tie Kunde von dem Hinscheiden Ihres Gatten hat Mich mit aufrichtiger Teilnahme erfüllt und spreche Ich Ihnen und den Ihrigen mein wärmstes Beileid zu dem schweren Verluste aus. Aiöge Gott der Herr Sie in Ihrem großen Schmerz trösten und der Gedanke Sie aufrichten, daß den großen Forscher, Arzt und Lehrer, dessen Lebensarbeit der deutschen Medizin neue Bahnen erschlossen, mit der ganzen gebildeten Welt fein König in dankbarer Gesinnung betrauert." Wilhelm

Laut derdiordd. Allg. Ztg." lautet das Telegramm des Reichskanzlers au die Hinterbliebenen Virchows: Tief ergriffen durch das Hinscheideu des großen Gelehrten, welcher für den Fortschritt der Wissenschaft, wie für den Ruhm der deutschen Forschung Unvergängliches geleistet hat, spreche ich Ihnen und den Ihrigen mein herzliches Beileid aus."

Anläßlich des Ablebens Virchows fand heute vor­mittag eine außerordentliche Magistratssitzung statt, in welcher beschlossen wurde, die Beerdigung des Ehren­bürgers von Berlin am Dienstag vormittag 11 Uhr vom Rathause and auf städtische Kosten stattsinden zu lassen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 8. September 1902. Mitteilungen aus dem Publikum werden gern enlgegenßenonunen und angemessen honoriert.

** Hofnachrichten. Ter Großherzog traf gestern abend von Schloß Wolfsgarten in Darmstadt ein, besuchte die Tannhäuser"-Vorstellung im Theater und nahm daselbst in der Pause mit den Battenberg'schen Herrschaften ein Souper. Abends 10 Uhr 6 Min. fuhr der Fürst wieder nach Wolfs­garten zurück.

mr. Pfarrer Dr. Grein verabschiedete sich am gestrigen Sonntag nach zehnjähriger Wirksamkeit von seiner Gemeinde: Die Stadtkirche konnte kaum die Vielen fassen, die gekommen waren, um noch einmal den geliebten und verehrten Geist­lichen zu hören: sie war in allen Teilen überfüllt. Der Predigt, die einen sichtlich tiefen Eindruck auf die Zuhörer machte, lag das Apostelwort 2. Cor. 13, 13 zu Grunde; sie wird im Verlage der Ricker'schen Buchhandlung im Druck

erscheinen und, da sie die Eigenart beß Predigers treffend wiedergiebt, weiten Kreisen ein willkommenes Andenken sein. Zu bem vom Vorstand ber Markusgemeinbe, sowie bem evangelischen Arbeiterverein veranstalteten Familienabend hatten sich außerordentlich viel Teilnehmer eingefunden. Ter große Saal in Steins Garten wies fein leeres Plätzchen mehr auf; alles verlief harmonisch und schön. Reden und Dankesworte, Darbietungen des gemischten Chores des evang. Arbeitervereins, be§ Klein-Lindener Posaunenchores, des ZitherklubsAlpenröschen", sowie einzelner musikalischer Kräfte füllten den Abend aus. Nach einem kurzen Begrüßungs­wort des Direktors Dr. Rausch feierte Metzgermeister Pirr namens beß Kirchenvorstandes der Markusgemeinbe in längerer Rebe ben scheidenden treuen Seelsorger, Pfarrer Dr. Naumann sprach im Namen bes Pfarrkollegiums, sowie des Gesamtkirchenvorstandes herzliche Worte, worauf Kommerzienrat Georgi namens der städtischen Ver­waltung die hohen Verdienste heroorhob, die sich der Scheidende auf bem Gebiet ber Armenpflege erworben. Herr Ritsert, zweiter Vorsitzenber des evang. Arbeitervereins, brachte dem scheibenden, um den Verein hochverdienten Vor­sitzenden den herzlichen Dank sowie die besten Wünsche des Vereins bar, während Pfarrer Euler ber Familie des Ge­feierten gedachte. Pfarrer Dr. Grein dankte in bewegten Worten für all' die Liebe, Freundlichkeit und Anerkennung, die ihm zu teil geivorden, worauf ber allgemeine Gesang bes Bunbesliedes bes evang. Arbeitervereins gewissermaßen ben offiziellen Teil der Feier abschloß. Die große Mehrzahl fteilich blieb noch länger beisammen unter musikalischen Dar­bietungen mannigfacher Art. Kam auch in den Reden mannigfach ber Humor zu fernem Recht, so trug boch ber Abenb wie ja natürlich ein wehmütiges Gepräge, alle ühltens: Scheiben thut weh!

* * 5. Hessische Landeslotterie. 6. Klasse. Aus Darmstadt erhalten wir telegraphisch folgende Gewinn­liste :

Eine Prämie von 100000 Mk. fiel auf ben letzten mit 2000 Mk. gezogenen Gewinn auf Nr. 36928 (nach Bad Nauheim),

Prämien von je 50000 Mk. fielen auf die vier letzten mit 1000 Mk. gezogenen Nummern 11127 50427 53454 53846,

Prämien von je 25000 Mk. fielen auf die acht letzten mit 400 Mk. gezogenen Nummern 8241 17340 38763 39066 41441 48119 49527 54333.

Es fielen ferner Gewinne von

5000 Mk. auf Nr. 16840,

3000 Mk. auf Nr. 18630,

je 2000 Mk. auf Nr. 1780 5393 7973 27644 42207, je 1000 Mk, auf Nr. 7207 21608 24936 25981 33096 41098. Ohne Gewähr.

* * Eisenbahn-Unfall. Der nachts 12.36 Uhr von hier abgehende Berliner Schnellzug stieß in der Nacht von Samstag auf Sonntag beim Durchfahren der Station Lollar auf einen im Fahrgleise stehenden Per­sonenwagen unb schleifte denselben ca. 100 Meter weil vor sich her, bis der Zug zum Stehen gebracht werden konnte. Verletzungen vonReisenden sind nicht zu verzeichnen, dagegen erlitt die Lokomotive bei dem Zusammenstöße schwere Beschädigungen und war zur Weiterfahrt nicht mehr ver­wendbar. Nachdem von hier aus eine andere Lokomotive entsandt unb ber Zug auf ein anbere» Gleis überführt wor­ben war, konnte derselbe mit ca. 1 Stunde Verspätung die Fahrt fortsetzen.

Der erste Septembersonntag war mit zu ben wenigen Sonntagen bieses Sommers zu rechnen, bie keinen Wetterstrich burch die geplanten Festlichkeiten machten. Sonnig unb boch nicht übermäßig heiß, trocken unb luftig, lub er chon am frühen Morgen bie Wanderlustigen zum Verlassen unserer jetzt im Zeichen der Ferien, Studenten- unb Solbaten- losigkeit stehenden Stadt ein. Diesseits der Lahn war wenn man von der zu Ehren des Weggangs des Herrn Pfarrers Dr. Grein veranstalteten unb angesichts ber Beliebtheit bes Genannten sehr stark besuchten unb an anberer Stelle be- onbers besprochenen Feierlichkeit in Steins Saalbau absieht wenig los. Dafür gab es jenseits berBach" Festlich­keiten in Hülle unb Fülle. Den Neigen ber Auszügler er­öffneten die Turner. Das von diesen veranstaltete Wett- turnen auf bem Dünsb erg war so stark besucht, wie selten ein berartigeS Fest vorher, wobei zu berück­sichtigen ist, baß bie sonst sich einfinbenbc Lanb- bevölkerung diesmal von ben Kirmessen in Anspruch genommen wurde und deshalb vollzählig fehlte. Als einwandfreier Maßstab für die Zahl derjenigen, die den Düntzberg er­klettert hatten, kann es gelten, daß die für das Besteigen des Aussichtsturmes erhobenen Nickel einen gewichtigen Sack füllten, daß die Vorräte an- und Trinkbarem bald ge­räumt und schon gegen 2 Uhr sämtliche Postkarten aus­verkauft waren. Gut Heil! den Absendern und Empfängern aller Geschlechter. Von den preußischen Kirmessen, bie nach wohlweislicher Anordnung hoher Behörden auf ein­mal gehalten werden, nahmen diejenigen in Krofdorf und Gleiberg die Mehrzahl der Besucher vornweg. In Gleiberg war das erste Mal der Tanzboden im Burghof aufgeschlagen; wer sich dort hinreichend vergnügt, stieg hinunter nach Krof­dorf, und wer dorthin zuerst seine Schritte gelenkt, nahm auf dem Heimwege noch ein Stück Gleiberger Kirmes- vergnügens mit. Wißmar, Kinzenbach, Odenhausen und wie bie jenseits der rot-weißen Grenzpfähle liegenden Orte alle heißen, hatten ebenfalls zahlreichen Besuch an Kirmesgäslen. Den Gießener Radfahrer-Verein 1885 befahl ber zum Preistouren-Kontrolltag erkorene Sonntagnachmittag in bie Pebale, und zwar zu einer Tour über Hausen und Steinbach. Besseres Nadlerwetter konnten sich die Teilnehmer an der Tour nicht wünschen. Der WohlthätigkeitsoereinCon- tentia" veranstaltete zu Ehren mehrerer Mitglieder, die demnächst einige in der Kaserne frei werdenden Stellen be­setzen sollen, am Samstag einen Familienabend auf der Schönen Aussicht". Die GießenerE. B.", Gesellschaft mit unbeschränkter Schwimmpflicht, veranstalteten am Samstag Abend in ihrem Gesellschaftshause an der Lahn das 5. Stif- iungsfest. Nachdem dem augenblicklich hier weilenden alten Aegir in ben kühlen Fluten ein Besuch abgeftattet, ließen sich die Schwimmer in der Festhalle zum fröhlichen, mit Neben unb Liedern gewürzten, sehr abwechselungsreichen Mahle

nieber unb ber Sonntagmvrgen fand bie Teilnehmer natürlich roieber in ihrem Element, unb zwar ba, roo am tiefsten ist.

* Die hohen Fleischpreise. Aus Karlsruhe wirb gemeldet: Im Hinblick auf das fortgesetzte Steigen ber Fleischpreise beschloß ber hiesige Stadtrat, bei ben übrigen ber Städteordnung unterstehenben Stabten eine gerne in­fame Erörterung der Schritte anzuregen, welche zur Beseitigung der einer ausreichenden Fleischversorgung der Städte entgegenstehenden Hindernisse zu unternehmen wären.

** Liebe Freunde, getreue Nachbarn und des gl. Ein Lbstgartenbesitzer in bem Torfe Gensungen war oft von Lbstdieben heimgesucht worben. Um sich nun diesmal vor ihnen zu schützen, wandte er ein etwas seltsames Mittel an. Er befestigte nämlich an einem 'Apfelbaume, um gerade dessen sehr schöne Früchte vor Tieben zu sichern, ein Schild folgenden Inhalts:War­nung! '2£uf diesem Baume sind etliche Aepfel tätlich vergiftet. Ter Unterzeichnete warnt hiermit- Pk. R, Station Gensungen." Tiefes veranlaßte nun einigegute Freunde" bes betreffenden R., den Baum beinahe voll­ständig zu plündern, die noch hängenden, nicht ganz reifen Früchte indes mit Farbe schwarz zu färben!

Babenhausen, 5. Sept. Ein ehemaliger Baben- Häuser Bürger, jetzt Farmbejitzer zu Chackwick in Amerika, sandte einen Bries hierher, der seines interessanten Inhalts wegen auch weiterhin bekannt zu werden verdient. Herr Farmer Lang schreibt: Seit acht Tagen versetzt und ein Ereignis, dessen Schauplatz so weit von meiner Farm ent­ern! ist, wie Babenhausen von Frankfurt, in die größte Aufregung. Sechs Räuber brachten in der Nacht durch Schwingeti einer Laterne einen Schnellzug zum Stehen, fünf prangen auf die Lokomotive, der sechste koppelte den Ex­preßwagen ab und fuhr mit demselben eine Strecke weiter. Tann hielten die Räuber an und erbrach en die Thür öesWagens, wobei der Beamte einen der Räuber nieber- choß. Tie Räuber banden den Beamten, traten ihm aber weiter nichts zu Leide. Hieraus bohrten sie den großen Geldschrank an und sprengten denselben mit Tynamit aus. Tie Deute, die sie machten, waren 100 000 Dollars. Ter angeschossene Räuber wurde von einem feiner Kame­raden vollends tot geschossen und aus bie Schienen ge­worfen. Man glaubt, daß die Räuber über den Mississippi entkommen sind. Nun muß man aber ja nicht glauben, wir wohnten in der Wildnis. Ties ist nicht der Fall. Die Ortschaften und Landstädtchen liegen gut so dicht wie zwischen Babenhausen und Groß-Umstadt .... Im wei­teren berichtet der Briefschreiber über die diesjährigen Felderträgnässe wie folgt: Es waren alle Erlvp.r> tungen zu einem gesegneten Jahre, aber wir können unseren Segen nicht Heimbringen. Tie biblischen 40 Regentage ind schon lauge vorüber, aber es regnet noch immer, und die Fruchthaufen auf dem Felde keimen und faulen. Uebcr drei Wochen haben wir Heu gemacht. Man glaubt hier, daß die vulkanischen Ausbrüche auf den westindischen Inseln Einfluß auf (unsere Witterungsver hältnisse hätten; eS sähe gerade so aus,als ob im Erdinnern ein Rädchen gebrochen oder im Weltall gar eine Schraube los sei." Dem mag nun sein, wie ihm will, ich wünschte, wir hätten unsere Frucht im Trocknen.

rt. Zölzberg bei Birstein, 6 Sept. Gelegentlich einer Schlägerei kugelten zwei Männer eine sehr abschüssige Stelle herab. Der eine, der am Ende dieser sonderbaren Fahtt das Glück hatte, oben zu liegen, bearbeitete feinen Gegner bann derart, daß ihm mehrere Rippen gebrochen wurden und edlere Teile verletzt wurden. Einem hinzueilenden Manne gelang es, die Gegner zu trennen. Beide mußten dann ihre Zuflucht zum Arzt nehmen.

Mainz, 6. Sept. Tas sehr bedeutende Kohlen^ lager der Rhederei und Kohlengroßhatidlung von Adolf Harloff auf ber Gustavsburg ist in Brand geraten. Seit einiger Zeit wurden sowohl hier als auch in Wiesbaden eine Reihe von Einbrüchen verübt. Gestern gelang es der Polizei, zwei der Einbrecher hier zu verhaften, und fast gletchzeittg wurden von der Einbrecherbande noch wettere zwei Kerle von der Wiesbadener Polizei in Haft genommen. Tie Verhafteten sind bekannte Tieoe und Ein­brecher, welche schon häufig hinter Gefängnismauern ge­sessen haben. Bei dem Emen wurde etti ganzes Arsenal von Brechwerkzeugen vorgesunden, darunter 36 Dietriche und Nachschlüssel, die der Einbrecher in einem eleganten schwarzledernen Reiselöfserchen bei sich führte. Außerdem wurden bei den Verhafteten verschiedene Schmuckgegenstände gesunden, welche von den Einbrüchen der letzten Zett her- rührten. Auch sind bereits mehrere Hehler in Hast ge­nommen, darunter eine Kellnerin.

. Worms, 7. Sept. Die diesjährige Landes­konferenz der Sozialdemokraten Hessens fand heute hier statt und wurde um ,/110 Uhr durch den Landtags­abgeordneten Ulrich eröffnet. Es wurden folgende Anträge angenommen: 1. Die Landeskonferenz ist mit der Haltung der Landtagsfraktton in allen Punkten, auch in der Wahl­rechtsvorlage einverstanden und beschließt, mit voller Energie in allen Landtagswahlkreisen, in denen Neuwahlen statt­finden, in den Kampf einzutreten, um eine bessere Zusammen­setzung der Kammer zu erzwingen. Wo die Aufstellung eigener Wahlmänner irgend möglich ist, da hat sie zu er­folgen, anderenfalls sind die gegnerischen Kandidaten zu unterstützen, die eine einwandfreie Zusicherung geben, in der Kammer für bie Einführung des allgemeinen, gleichen direkten Wahlrechtes, ohne reaktionären Kautelen einzutreten. Um ein einheitliches Vorgehen in solchen Fällen zu ermög­lichen, werden die Genossen der bett. Kreise verpflichtet, sich mit bem Landeskomitee unb der Fraktion in Verbindung zu setzen. 2. Tas Landeskomitee in Verbindung mit der Land­lagsfraktion wird beauftragt, zur Berichterstattung aus dem Landtage für die sozialdemokratische Presse einen eigenen Berichterstatter zu bestellen und sind die Kosten hierfür, so­weit sie nicht von den beteiligten Blättern getragen werden können, aus der Landeskasse zu bestreiten. Nach längerer Debatte wird ferner em Antrag von Offenbach auf Aende­rung der Statuten bett, der Beitragserhebung abgelehnt, em Antrag die Maifeier unter allen Umständen nur am l.Mai abzuhalten, angenommen. Ferner wird folgende Resolution angenommen:Tie in Worms tagende aus 86 Otten beschickte Landeskonferenz der Sozialdeuiokraten im Großherzogtum Öessen erhebt Protest gegen die von der Reichsregierung getroffenen Maßnahmen zur Erschwerung bezw. gänzlichen Verhinderung der Vie he in fuhr. Ter infolge der Grenz­sperre hervorgerufenc Mangel an Schlachtvieh hat bereits eine Fleischtheuerung herbeigeführt, die für breite Schichten des Volkes den Fleischkonsum zur Unmöglichkei