Ausgabe 
8.8.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 184

Erscheint ISgttch außer Sonntags.

Dem Gießen er Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamllien- blittter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u.Ctein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schul st ratze 7.

Adresse für Depeschenr Anzeiger Gietzeu.

FrrnsprcchanschlußNr.51.

Erstes Blatt.

Freitag 8. August 1903

153. Jahrgang

GjehenerAnzeiger

w General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

VezugSprei-r monatlich 75 Ps.,oierte!« jährlich Mk. 2.20; durch Whole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Mk.2. viertel- jährt. ausschl. Bestellg« Annahme von Anzeige« für dre Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Ps* auswärts 20 Psg.

Verantwortlich: für den polit. n. allgem. Teil: P. Witiko: für .Stadt und Lcmd^ und Gerichtssaal': Curl Plato; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Auszug

aus der von Grl. Ober-Rechnungskammer abgeschlossenen Rechnung der Kreiskaffe des Kreises Gießen pro 1899/1900.

Einnahme

Rubr.

1. Beiträge der Gemeinden und Gemarkungen

3. Gebühren für Duplikate von Aiilitärpapieren

4. Strafen

6. Kapitalzinsen

7. Ersatzposten

8. Prozeßkosten

9. Bezüge für das Baupersonal

10. Beiträge zu den Unterhaltungskosten der Kreis­straßen

11. Beiträge zu den Kosten des Neubaues von Kreisstraßen

12. Aus Gras, Obst und anderen Naturalien, so­wie Recognitionsgebühren

13. Beiträge der Kreisslraßenmeister zur Witmen- versorgung

14. Ersatz der den Familien von einberufenen Mannschaften gewährten Unterstützungen aus Reichsmirteln

14^. Ersatz der unterstützungsbedürftigen Veteranen gewährten Beihilfen

15. Staatsbcitrag zu den Kosten der Landarmen- pflege

15^.. Staatsbeitrag zu den Entschädigungen für an Milz- und Rauschdrand gefallene Tiere

16. Kreisanlehen zu Gunsten der bei der Neben­bahn Grünberg - Londorf beteiligten Ge­meinden

17. Neu anfzunehmende Kapitalien

18. 3urü(fempfangene Kapitalien

19. Ausstände aus vorhergehenden Jahren

20. Kassevorrat aus vorhergehenden Jahren Gesamtsumme der Einnahme

Ausgabe

Rubr.

21. Kapitalzinsen

22. Besoldungen und Pensionen

23. Diäten und Gebühren

23L. Belohnungen des Polizeiaufsichtspersonals

24. Botenlohn und Verkündigungskosten

25. Für Blireaubedürfnisse und Gerätschaften

26. Kreisunterstützungen

26A.Unterftü§nng der Familien einberufener Mann­schaften

26S.Beihilfen an unterstützungsbedürftige Veteranen

27. Unterhaltung von Kreisslraßen

28. Neubau von Kreisstraßcn

29. Für den Lesezirkel der Lehrerkonferenzen

30. Beitrag zur Provinzialkasse

31. Beitrag zu den nach der Verordnung vom 25. Juli 1888 von den Kreisen aufzrtbringen- den Entschädigungsbeträgen und Verwal- tungskosten der Versicherungsanstalt der Hessen-Nassauischen Baugewerks - üöernfsge- nossenschaft

32. Für gemeinnützige Zwecke

33. Feuerlöschwesen

34. Für Untersuchungen des Oberhessischen chemi­schen Untersuchungsamtes

35. Entschädigungen für an Milz- und Rausch­brand gefallene Tiere

36. Uneinbringliche Posten und Nachlässe

36.4. Kreisanlehen 311 Gunsten von Gemeinden

37. Ausgeliehene Kapitalien

Gesamtsumme der Ausgabe

Abschluß

Gesamtsumme der Einnahme Ausgabe

Verglichen, bleibt Rest welcher in barem Vorrat besteht.

Davon gehören an:

1. Der Kreiskasse Gießen

2. Dem Fonds zur Gewährung von Beihilfen an Angehörige der Reserve und Landwehr

Gleiche Summe wie oben

Gießen, den 11. März 1901.

Der Kreiskaffenrechner:

(gez.) Kauß.

Mk.

Pf.

179 965

24

50

6 084

638

34

18 Oll

80

61

35

3 768

59

112 441

90

7112

98

4 782

49

2 496

42

1840

6 007

3 702

21680

93

_

38182

406 800

29

Mk.

Pf.

2 831

50

32 060

79

6 970

95

6 364

491

84

3 278

02

45 831

29

2 491

94

2 254

163 642

53

175

02

325

80

78 313

10

38

13

250

922

25

327

50

7 404

_

9

88

18 880

93

38

84

372 902

31

Mk.

Pf.

' 406 800

29

372 902

31

33 897

98

Mk.

Pf.

33 897

98

33 897

98

Revidiert, ohne daß sich für den vorstehenden Abschluß eine Aenderung ergeben hat.

Darmstadt, den 24. Mai 1902.

Großherzogliche Oberrechnungskammer:

(gez.) Lorbacher.

In Gemäßheit des Art. 43 der Kreisordnung wird der vorstehende Auszug zur öffentlichen Kenntnis gebracht.

Gießen, den 16. Juli 1902.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschuffes des Kreises Gießen: I. 93.: Dr. Wagner.

Rndolf v. Bennigsen f.

Hannover, 8. August. Der frühere Oberpräsident Rudolf v. Bennigsen ist in Bennigsen gestorben.

Kurz vor Redaktionsschluß erhielten wir heute dieses Telegramm, das Kunde giebt von dem Lebensende eines deutschen Mannes von nimmermüdem Pflichtgefühl, eines Mannes, der, ob er gleich bereits seit Beginn des Jahres 1898 aus dem politischen Leben geschieden ist, als hoher preußischer Staatsbeamter wie als Reichstagsabgeordneter, doch auch in den letzten Jahren noch zuweilen seine Stimme in die Wagschale des nationalen Gedankens legte, dem er

treu geblieben ist bis an sein Lebensende und dem er mehr als vier Jahrzehnte hindurch in wackerer Arbeit gedient hat.

Bennigsen's Leben er war geboren am 10. Juli 1824 zu Lüneburg als Sohn eines Generalmajors ist voller Mühe und Arbeit, also nach dem Bibelworte köstlich ge­wesen. Es ist reich gewesen an mancherlei Ehren, reich aber auch an Verdruß. Besonders in seiner amtlichen Stellung schuf ihm der nimmermüde Haß der Welsen Verdruß und persönliche Kränkung. Ein welsisch gesinnter Mann aus einer Familie, die in der Geschichte des Staates Hannover eine verhängnisvolle Nolle gespielt hat, erzählte es einmal als ein besonders gelungenes Stückchen, wie Bennigsens welsische Standesgenosscn ihngeschnitten" hätten, als der Oberpräsidcnt von Hannover 1893 an der Beerdigung des Grafen von Bennig,en teilnahm. Keiner der zur Beerdigung herbeigeeilten Gesinnungsgenossen jenes Grafen habe von dem Oberpräsidenten Notiz ge­nommen. In den Augen seiner Standesgenossen war eben der hannöversche Adel, der mit solchem Eifer den nationalen Gedanken verfocht, und der ein Amt von der preußischen Regierung aunahm, ein Verräter. Ein Ver­räter aber ist doch wohl nur der, der eine verlorene Sache verläßt, um sich dem Sieger zuzuwenden, und von ihm den Lohn des Verrates zu heischen. Bennigsen aber hat dem Welsentum nicht erst die Fehde angekündigt, als die Sache des hannoverschen Staates verloren war. Er hat von Anbeginn an den Standpunkt vertreten, daß Deutschland geeinigt werden müsse. Er hat dies zu einer Zeit gethan, da der welsische Staat noch stark und Preußen noch schwach war. Aber er hat auch keinen Lohn von dem Sieger verlangt. Er, der bereits in den fünfziger Jahren des vor. Jahrhunderts sein Amt aufgegeben hatte, um für die deutsche Sache wirken zu können, wäre gewiß be­rechtigt gewesen, ein hohes Amt zu beanspruchen, als das Deutsche Reich geeinigt war. Er hatte damals bereits anderthalb Jahrzehnte unermüdlich für diese Einigung ge­kämpft. Er war ein Mann von hoher Begabung, ein Ätann von Adel und stattlichem Grundbesitz, alt angesessen in der Provinz, die man gern versöhnen wollte, Führer der damals stärksten parlamentarischen Partei: wie hätte es da bei so vielen Vorzügen, wie sie sich selten in einer Person vereinigen, ihm schwer fallen können, eine hohe Stellung in dem neubegründeten Reiche zu erlangen ?

Wer nichts lag Bennigsen ferner als der Gedanke an seinen persönlichen Vorteil. Das bewies er auch, sieben Jahre später, als ihm Fürst Bismarck einen Platz im preu­ßischen Ministerium anbot. Auch damals dachte er zuerst nicht: an sich sondern an einige parlamentarische Mitstreiter, die ihm ebenso des Ministersessels würdig erschienen wie er selbst. Und als ihm der Eintritt seiner Kampfgenossen ins Ministerium verweigert wurde, lehnte Bennigsen den Eintritt in das Ministerium ab. Erst zehn Jahre später nahm er die Stelle eines Oberpräsidenten an, zu einer Zeit, da es ihm geraten erscheinen mochte, daß Männer von hohem Ansehen ihre Opferwilligkeit bewiesen, damit in dem neuen Regiment auch die Männer der alten großen Zeit nicht unvertreten seien. Die Hoffnung Bennigsens, daß er und der letzte Rest deralten Männer" noch einen Einfluß auf dieneue Zeit" würden ausüben können, erwies sich als trügerisch und er mag darunter mehr gelitten haben als unter mancher anderen Enttäuschung seines Lebens. Aber trotzdem hielt er nahezu zehn Jahre aus, und erst mit 75 Jahren vergönnte er es sich auszuruhen vom politischen Kampfe.

Ter greise Staatsmann, den noch kurz vor seinem Lebensende der schwere Schicksatsschlag heimsuchte, daß sein ältester Sohn aus entsetzliche Weise im Zweikampf sein Leben verlor, hatte schon in den letzten Jahren seiner parlamen­tarischen Thätigkeit manchmal den Vorwurf hören müssen, daß er alt geworden sei, auch innerlich. Er stecke noch immer in den Idealen, die nun doch schon längst erreicht seien, und er sei nicht mehr im stände, neue Ideale zu erfassen und ihnen nachzustreben. Es bleibe ununtersuchjt, inwieweit in diesem Vorwürfe ein berechtigter Kern steckt. Nur das eine sei gesagt, im Interesse unseres Vaterlandes wünschen wir, daß recht viele von denen, die über den alten Mann" zur Tagesordnung übergingen, das in ihrem Leben leisten möchten, was Rudolf v. Bennigsen geleistet hat. Stätte man ihn gefragt, ob er den Gedanken ertragen könnte, rasch in Vergessenheit zu geraten, um den Preis, daß in den nächsten Jahren hundert andere Männer auf­erstünden, die seinen Namen durch ihre Leistungen ver­dunkelten, so hätte er sicherlich ausgerufen:vivant seauen- tes!" Dem Nachwuchs/ der das Reich weiter in seiner Größe zu erhalten von den Vätern als kostbare Erbpslicht über­nimmt, wird er das Musterbild bleiben des selbstlosen, un­entwegt den Idealen der Nation dienenden, ädern Mate­rialismus abholden, auf schöpferische Mäßigung bedachten Parteiführers und echt deutsch fühlenden Staatsmannes.

Die ZweikaiserzusammenLunst.

Tie Schiffsmanöver nahmen gestern, wie aus Reval gemeldet wird, bei prächtigem Wetter ihren Fortgang. Zum Tiner waren Bürgermeister Hueck und Ritterschafts-Haupt­mann Dellingshausen geladen. Reden wurden nicht ge- wechsell. Aus guter Quelle wird gemeldet, daß die Ab­reise des Kaisers um 6 Stunden verschoben, werden soll, weil der Kaiser beschlossen habe, die Stadt zu besichtigen.

Der deutsche Kaiser und der Zar tauschten während der Entrevue als Zeichen ihrer persönlichen Freundschaft ihre Equitetten (Fangschnüre) aus. Beide Monarchen besuchten beit deutschen KreuzerPrinz Heinrich" und besichtigten ihn während dreiviertä Stunden. Kaiser Nikolaus ließ sich besonders das Lazarett und den Gesechtsverbandplatz zeigen. Gegen 3 jlhr nachMttags wohnten beide in Begleitung des

Großfürsten Mexis und des Prinzen Friedrich Heinrich von Preußen sowie der Gefolge einem Landunasmanöver bei, das das Lehrgeschwader gegen die Insel Carlee richtete. Vtann- schaften in Stärke von etwa zwei Bataillonen griffen die Insel in Barkassen und Ruderbooten an, während sie ein lebhaftes Feuer aus Bootskanvnen und Maschinengewehren eröffneten. Sanitätsboote folgten. Nach der Landung schwärmten die Mannschaften in Schützenlinien aus und richteten einen Angriff unter Vorgehen und starkem Ge­wehrfeuer gegen Jnsanteriefcheiben. Den Schluß der Uebung bildete ein Parademarsch des gesamten Landungs­korps vor den Fürsten, die erst in einem Boot, dann zu Fuß in lebhafter Unterhaltung mit einander und mit den anwesenden Fürstlichkeiten und Würdenträgern den Ma- növern gefolgt waren.

Aus Petersburg wird gemeldet, daß eine Deputation des 85. Wiborg'schen Infanterie-Regiments, dessen Chef der Kaiser ist, nach Reval zur Begrüßung des Kaisers abgereist ist. Ferner hat sich, der Wmiral Makanow nach Reval begeben, um dem Kaiser seinen Eisbrecher Iermak zu zeigen.

Kaiser Wilhelm verlieb dem Minister des Auswärtigen Grafen L a m s d 0 r f f und dem Minister des kais. Hofes Baron Frederick den Schwarzen Adlerorden und überreichte ihnen die Insignien persönlich

Am Mittwochabend versammelten sich im Revaler Klub die d e u t s ch e n R e i ch s a n g e h ö r i g e n und zahlreich andere Einwohner Revals, um die Anwesenheit der Kaiser zu feiern. Es wurde beschlossen, folgendes Huldigungs­telegramm abzusenden:

An K a i s e r W i l h e l m. In tteffter Ehrfurcht be­grüßt freudbewegten Herzens die reichsdeutsch Kolonie Ew. Majestät als Freund und Gast ihres erhabenen Schutzherrn, Sr. Maj. des Kaisers Nikolaus, vor Reval. Ruhe Gottes reichster Segen auf diesen Tagen zum Glück und Heil beider Völker! Gott schütze und behüte Ew. Majestät, unseres deutschen Volkes festen Schirm und Hort! Tie Hand des Allerhöchsten, die Ew. Maj. sicher über die Meereswogen in dieses Land geführt, geleite auch Ew. Maj. glücklich heim in unser heißgeliebtes deutsches Vaterland!

An Kaiser Nikolaus. In diesen denkwürdigen Tagen, an denen die Stadt Reval und mit ihr ganz Esth- land durch den Besuch Ew. Maj. so hoch beehrt und beglückt wird, sendet vereint mit den Bewohnern der Stadt und des Landes auch die deutsche Kolonie, getrieben von dem ttef empfundenen Gefühl unauslöschlicher Dank­barkeit gegen den erhabenen Friedensfürsten, unterdessen Szepter die deutsche Kolonie glücklich eine zweite Heimat gefunden, ihre heißen Gebete zu Gott empor, er wolle Ew. Maj. segnen und behüten! Er schütze und bewahre die Majestäten, die Kaiserinnen Maria Feodorowna und Alexandra Feodorowna, seine kaiserl. Hoheit den Grv^- sürsten-Thronfolger Michael Alexandrowitsch und das ge­samte kaiserl. Haus.

Beide Telegramme wurden von Dr. Belg, bem Bor> sitzenden des deutschen Wohlthätigkeitsverern in Reval unterzeichnet.

Ter PetersburgerSwett" stimmt der Behauptung der Nordd. Allg. Ztg." bei, daß feit der Danziger Zusammen­kunft in der verflossenen Zeit keine Mi ßhelli gleiten zwischen Rußland und Deutschland vorgekommen sind. Die,^bir- f h e w i j a W j e d p m 0 st i" besprechen ebenfalls den Ar­tikel derNordd. All. Ztg." und führen an, daß es außer den politischen Fragen im engeren Sinne des Wortes noch! wirtschaftliche Beziehungen gäbe. Zubehaupten, daß zwischen den beiden Nachbarstaaten aud), die letzteren gut seien, hieße, sich von altbekannten Thjatsachen ewußt ab wenden. Die persönlichen Berührungen der leitenden Staatsmänner in Reval jedoch würden das gute Einvernehmen zwischen Rußland und Deutschland be­festig en und förderm Sodann behandelt das Blatt noch den Zolltarif und einige Handelsvertragsfragen und schließt mit der Versicherung, daß die Revaler Beratungen von günstiger Bedeutung für die beiden NachbarreüHe wie überhaupt für das gesamte internationale Leben sein würden.

In Bezug auf die Zusammenkunft sagt ein französisches Blatt,Petit Parisi n": Es würde Frankreich schlecht anstehen, die Zusammenkunft zu kritisieren, die den euro­päischen Frieden festigt und daher seinen eigenen Absichten dient. Die Annäherung Rußlands und Deutschlands fällt mit der Wieder­aussöhnung Frankreichs und Italiens zu­sammen. Diese Thatsachen beweisen den innigen Wunsch nach, Frieden, der fb ie Nationen bewegt. Wenn es auch kindlich wäre, zu glauben, daß jeder Konflikt unmöglich geworden ist, so ist unleugbar, daß die Aussichten für den Krieg sehr vermindert erscheinen."Figaro" stellt fest, daß Rußland und Deutschland einig sind, das europäisch^ Gleichgewicht zu erhalten, aber es beständen zahlreiche Fragen, die sie tr e nn t en, namentlich die Handels­vertragsfrage, die nicht in Angriff genommen werden könnte, so lange .der Zolltarifentwurf nicht erledigt fei Republique Francaise" glaubt, daß die Revaler Zusammenkunft für die allgenreine Polittk ohne Wichtig­keit sei, aber Gelegenheit zu Besprechungen über die Han­delsverträge und die P 0 l e n f r a g c geben werde. Das PariserJournal" meint im Gegensatz dazu, daß Kaiser Wilhelm und Kaiser Nikolaus Zeit finden werden, um An­sichten über die internationale Politik auszutauschen, und daß der Besuch nicht eine einfach durch die Etikette gebotene Zusammenkunft sei.

Tie Kaisertage in Reval verlaufen also programmgemäß. Aus den offiziösen Berichten ist nichts zu entnehmen, das auf eine politische Aktion großen Stiles, eine Vereinbarung, schließen läßt. TieZeichendeuter" scheinen leer ausgehen zu sollen. Bon dem Prunkmahl an Bord der DachtHohen-;