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08/07/1902 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

153. Jahrgang

Dienstag 8. Juli 1908

Nr. 157

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Keffischen Landwirt die Siebener Lamilien, blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag bc. Brüh l'sche- Untvers. Buch-u.Stei. btuderrt (Pietsch Erben) fkeOofnu. (Erpebttkm um Druckerei:

Schnlstratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Fcrnfprechanschluß Nr. 51.

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Awr * - _ _ für den poltt. u. allgenr

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ZWZ _____________________ aeiflentetl: Hans Beck.

Politische Tagesschau.

Die Wahlrechtsreformen in Bayern und Baden.

In der letzten Heit haben sich bekanntlich, außer bei nnö in Hessen, noch in zwei anderen süddeutschen Staaten die Lanbtaste mit Anträgen oder Gesetzentwürfen beschäf­tigt, die eine Aenderung dies Wahlrechts bezwecken. Die Hauptsache ist auch dort der Ersatz des indirekten Wahlrechts durch das direkte. In Bayern kam man am schnellsten zu einer Einigung, wenigstensim Prinzip". Beide Kammern haben einhellig einem An­träge z-ugestimmt, der von allen Parteien einen Verzicht auf gewisse Forderungen erheischte, aber alle Parteien haben auch ben Verzicht ausgesprochen, als sie sahen, daß nur da­durch etwas erreicht werden konnte. So mußten sich die Sozialdemokraten entschließen, darin zu willigen, daß die zur Teilnahme an der Wahl berechtigende Altersgrenze von 21 auf 25 Jahre hinausgeschoben werde. Zwischen den bayerischen Sozialdemokraten und denen um Bebel ist dann bekanntlich deswegen ein Streit entstanden, in dem Bebel den Kürzeren zog, da Bollmar uno seine Freunde im bayerischen Landtage erklärten, daß sie ohne Rücksicht auf dre Meinung Bebels und des Parteivorstandes oder auch der Partei selbst für das Gesetz eintreten würden, das die bayerische Regierung in Uebereinstimmung mit dem von beiden Kammern angenommenen Anträge in der nächsten Session einbringen wird. In B a d e n hat oie zweite Kammer den Antrag ihrer Verfassungskommission angenommen, der verlangt, daß an Stelle des indirekten Wahlverfahrens das direkte gesetzt werde, und statt der jetzt geltenden Vorschrift, nach der alle zwei Jahre die Hälfte der Kammer erneuert wird, die Bestimmung erlassen werde, daß alle vier Jahre eine Erneuerung der ganzen Kammer eintrete. Der StaatS- minister v. Brauer erklärte bei der Beratung des An­trages, daß die Regierung nicht mehr, wie bisher, un­bedingt an dem indirekten Wahlrecht sesthalte; die Regie­rung werde dem nächsten Landtage eine Vorlage unter­breiten, die unter gewissen Voraussetzungen das direkte Wahlrecht bringen und zugleich Vorschläge zur Reorgani­sation oer ersten Kammer enthalten werde. Es ist hier­nach freilich noch zweifelhaft, ob, wenn die Vorlage kommt, auch eine lVerständigung erzielt werden wird, da voraus­sichtlich die stärksten Parteien möglichst viel für sich heraus- zuschlagen suchen werden; indessen ist doch schon viel damit gewonnen, daß jener Antrag angenommen ist und die Re­gierung chm nicht ablehnend gegenübersteht.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 8. Juli 1902.

** Die hiesige Studentenverbindung Win­golf begeht, wie wir hören, vom 5. bis 8. August ihr 50 jähriges Stiftungsfest, zu dem auch von auswärts zahl­reiche Gäste zu erscheinen gesonnen sind.

** Stiftungsfest der Chattia. In diesen Tagen feiert die hiesige StudentenverbindungChcütia" das Fest ihres 20jährigen Bestehens. Schon am Sonntag abend be­gann dasselbe mit der Begrüßung der auswärtigen Gäste im Casö Royal, woselbst auch am Montag Morgen ein Frühschoppen stattfand. Nachmittagsf 6 Uhr wurde aus der Kneipe der offizielle Teil des Festes mit einem A. H.- Konvent eröffnet, woran sich um 8y2 Uhr im Saale des Cafe Leib der Festkommers anschloß. Bon den hier gehaltenen Reden teils ernsten teils heiteren Inhalts sei insbesondere die Sr. Magnificenz des Rektors Prof. Dr. Hansen erwähnt, die sich unter Hinweis aus den früheren Namen derChattia"" als Botaniker sowohl als auch des­halb, weil er bei der Umläufe der Verbindung ausBlüm­chen" inChattia" Taufpate gewesen sei, ganz besonders berufen fühlte, dem Geburtstagskinde die Glückwünsche des akademischen Lehrkörpers und der erschienenen Gäste dar- zubringen. Seine Wünsche gipfelten in dem Gedanken, daß

dieChattia"" so wie früher alsBlümchen"" bei schlichtem Aeußeren und innerem Werte wachsen, blühen und gedechen möge. Auch die Vertreter der auswärtigen Kartell- be^w. Freundschaftsverbindungen der Universitäten Würzburg, München und Berlin brachten ihre Glückwünsche dar. Um 12 Uhr war der offizielle Teil des Kommerses zu Ende, und der reiche Damenslor, der vorher die Galerie geziert hatte, nahm Abschied. Bis zum Tagesgrauen schwangen die Trinkfesten die Humpen immer noch wie sunst. Dienstag findet musikalischer Frühschoppen mit Damen und daran anschließend Festessen im Cafö Royal statt. Nachmittags ist photographische Aufnahme und Gartenfest im Philo­sophenwald. Am Mittwoch früh findet wieder Frühschoppen im Elges statt wie Dienstags, worauf nach einem gemein­samen Mittagessen ein Wagenausflug die Festteilnehmer nach Staufenberg bringt. Damit findet der offizielle Teil des Festes seinen Schluß.

0 Der WohlthütigkeitsvereinConten - tia" hielt vorgestern nachmittag auf derSchönen Aus­sicht"" ein Sommersest verbunden mit Jugendfest ab. Es wurde von den erwachsenen Festgästen ein Eintrittsgeld von 20 Pfennig erhoben, wofür zugleich die Kinder be­rechtigt waren, am Jugendfest, den Spielen und der daraus folgenden Preisverteilung und Beschenkung teilzunehmen. Um 5 Uhr wurde der Zug der Kinder aufgestellt, der sich dann mit Musik über den Festplatz nach den Spielplätzen bewegte. Für die Knaben begann hier ein Wettkampf im Klettern, Sacklaufen, Pistolenschießen, Laufen über den Schlagbaum usw., während die Mädchen Seil- und Ball­spiele und Reigen aussührten. 9tach den Spielen ver­sammelten sich sämtliche Gruppen auf dem Tanzboden Äur Verteilung der Preise. Bei schönstem Wetter nahm das Fest den denkbar besten Verlauf. Auch ein Preis­schießen für Erwachsene wurde veranstaltet.

** Der Briesverkehr in Berlin hat einen der­artigen Umfang angenommen, daß es zur Durchführung einer ordnungsmäßigen und unverzögerten Bestellung der Sendungen dringend nötig ist, in der Aufschrift der nach Berlin gerichteten Briefe außer dem Po st bezirk (N., N. O., W. rc.) auch die Nummer des Postamts anzugeben, von dem die Briefe bestellt oder abgeholt werden (z. B. Berlin W. 9, Berlin 9L W. 6). Selbstverständlich muß die Aufschrift auch die Angabe der Straße, der Haus­nummer, des Gebäudeteils und des Stock­werks enthalten. Die Adresse muß also beispielsweise lauten:An Herrn Kaufmann Wilh. Schulze in Berlin N. W. 6, Albrechtstraße 7, Hinterhaus, 3 Treppen links."" Das von der Poftverwaltung herausgegebene Verzeichnis der Straßen und Plätze Berlins, das an allen Postschaltern ein­gesehen werden kann, ergiebt des Näheren, zu welchem Bestellpostamt jede Straße und jeder Platz in Berlin gehört.

e. Heuchelheim, 8. Juli. Die hiesigen Gastwirte haben sich dahin geeinigt, die Kirmes schon am nächsten Sonntag und Montag abzuhalten. In früheren Jahren pflegte sie im August, gewöhnlich mitten in der Ernte zu sein. DieKinzenbacher Mühle", die in den letzten Jahren von verschiedenen Besitzern be­trieben wurde, ist von Herrn Schimmel aus Heuchelheim käuflich erworben worden. Er betreibt neben dem Mühlen­geschäft eine Bäckerei.

r. R o d h e i m a. d. B., 7. Juli. Aus Anlaß des stetig zunehmenden Wirtshausbesuches junger Mäd­chen hat sich die hiesige Ortspolizeibehörde veranlaßt ge­sehen, ein erneutes schärferes Verbot an die Gastwirte von Rodheim und Bieber ergehen zu lassen. Während bis dahin der Wirtshausbesuch nur an Sonntagabenden ver­boten war, ist er in diesen Tagen überhaupt, außer bei Festlichkeiten, untersagt. In dem Schreiben an die Wirte heißt es:Diese Aufforderung beziehungsweise dieses Verbot soll, wie Ihnen ausdrücklich bemerkt wird, den sonst­wo nicht üblich>en Besuch der Wirtschaften durch junge Ättid- chen verhindern, um Ausschweifungen und Unsittlichleiten vorzubeugen."" Allein es ist kaum anzunehmen, daß hier­

durch etwas geändert wird, denn die jungen Leute besuchen nunmehr am Sonntag mit Vorliebe Wirtschaften, die außer­halb liegen.

mx. Grün berg, 7. Juli. Ein Kunstwerk ersten Ranges hat der Kunstschlosser Bürgermeister Sann in Weitershain angefertigt. Er hat nämlich das Bildnis' des verewigten Kaiser Friedrich aus einer Eisenplatte ge­trieben, was ihm ganz vorzüglich gelungen ist. Das Ganze ist als Brustbild gehalten und mit einem ebenfalls kunst­voll gearbeiteten Eichenlaubkranz umgeben. Die Zeichnung dafür hatte Lehrer Gompf in Bernsfeld entworfen. Herr Sann gedenkt das Kunstwerk in co. 14 Tagen mit nach Düsseldorf zu nehmen, um es daselbst auszustellen, und wird es alsoann dem Gewerbemuseum in Darmstadt über­geben.

-n. Ranstadt, 7. Juli Unter Beteiligung von 24 auswärtigen Vereinen fand bei dem günstigsten Festwetter gestern die Fahnenweihe des hiesigen Gesang­vereinsEintracht"" statt. Auf dem Feschlatze be­grüßte der hiesige Bürgermeister in markigen Worten die Vereine und die überaus zahlreich erschienenen Festgäste. Pfarrer Wolf von hier hielt sodann die Wecherede, der er die Inschrift des n euen VereinsbannersDem Wahren, Guten, Schönen" zu Grunde legte. Mit passendem Gedichte überreichte hieraus Fräulein Goll die neue prachtvoll gearbeitete Fahne dem Vereine.

o. Aus dem Vogelsberg, 7. Juli Gewöhnlich wird unser Vogelsberg besonders von Leuten, die ihn chr Lebtag noch nicht gesehen, verschrieen, als sei es eine Gegend, in welcher sogar uider Kornernte die Spatzen verhunger­ten"". Daß dem nicht so ist. und daß sich, un Vogelsberg sogar ein recht gesunder Menschenschlag entwickelt, will ich Ihnen an zwei Beispielen zeigen. In dem Dorfe O.-S. schickten vor einiger Zeit drei. Schulvorstandsmitglieder allein die respektable Anzahl von 17 Schülern zur Schule. In Kirch^Bracht ließ am vergangenen Sonntag Schneide- meister Jung seinen 17. Sprößling zur Taufe tragen. Alle 17 sind frisch und gesund. ______________________________

Der Leipziger Bankprozetz.

XIV.

Leipzig, 7. JuÜ.

Zu Beginn der Sitzung wird der Zeuge Hermann Sumpf-Kassel vernommen. Er giebt an, er habe von den Tochtergesellschaften im allgemeinen wenig Kenntnis, bekommen. Schmidt habe chn über alles unterrichtet. Ob er chm aber die Wahrheit gesagt, habe er nicht wissen können. Der Zeuge giebt zu, Accepte an die Trebergesell- schaft gegeben zu haben, die zum Dell aus dem Kauf von Tochteraktien herruhrten. Gegen die Forderung Schmidts, in das Solidar-Vorschuß?-Konto einzutreten, habe er sich anfangs gewehrt, sei aber von Schmidt doch noch dazu bestimmt worden. Der Zeuge schätzte seiner Zell die Ver- bindlichkeiten der Trebergesellschaft bei der Leipziger Bankauf 36 Millionen, bei den hohen Engagements erblickte Schmidt hierin eine Gefahr. Wie der Zeuge sagt, sollte diese große Schuld aus den Büchern der Trebergesellschaft beselligt werden, der Kasseler Auf­sichtsrat sollle die Schuld übernehmen. Der Zeuge vermag nicht annähernd die Summe seines Besitzes an Treberwerten anzugeben. Sumvf erklärt weiter, er habe die bestimmte Meinung, daß Exner über alle Vorgänge bei der Trebergesellschaft, auch Äer deren Stand unterrichtet gewesen sei, bis zuletzt. Sumps habe die Höhe des Obligos Kassels bei der Ämk auf 35 Millionen geschätzt, einschließlich der Wechselobligos der Tochtergesell­schaften. Eine Fusion wäre nur mit Hilfe der Kasseler Aufsichtsräte zu machen gewesen, deshalb hätten sich diese auch zur Uebernahme der Treberschuld bewegen lassen. Vom Eintritt Exners in den Aufsichtsrat, wie dieser wünschte, sei allerdings die Rede gewesen, doch, habe sich die Sache zerschlagen. Seine Kollegen waren nicht sehr erbaut, wenn sie sahen, daß die Tanttöme eine Schum-

Feuilleton.

Neue Vorträge vom Ueberbrettl und aus Berliner und Pariser Cabarets, sowie aus dem ^Repertoire der ganz famosen If Scharfrichter" in M ü n ch en, ferner zahlreiche Por- Irails, Bilder. Aufsätze und ein Preisausschreiben, Beiträge von Bierbaum, Wedekind, Rideamus, Etzel und Ewers, Weigert, Cotta, Hyan re., sowie eine Notenbeilage: das Ueberbrettl-ChanfonDer Gauklerin Lied", enthält die neueste Nummer der Bunten Theater- und Brettl-ZeitungTas moderne Brettl" (Ueberbrettl), die bei der VerlagsgesellschastHarmonie" in Berlin erschienen ist. Uebri- aens möchten wir Jedem, der nach München, reist, empfehlen, die Elf Scharfrichter, die ihre Vorstellungen im Hirsch an der Bauer­straße geben, zu besuchen. Frank Wedekind, der Dichter des Kammersängers" (Verlag von Alb. Langen m München), tritt dort als Bänkelsänger auf. Er begleitet seine ungemein witzigen und geistvollen Vorträge selbst auf der Mandoline. Seine Vortragsart ist ganz unvergleichlich. Scheinbar leiert er seinen Text mit fabel­hafter Zungenfertigkeit gleichförmig und eintönig herunter, für das feinere Ohr dagegen zeigt seine Rezitationskunst meisterhaft geglie­derte und auf das geistreichste pointierte Rhythmik. Man ist ver­blüfft, hingerissen, kommt aus der angenehmen Erregtheit und aus dem inneren behaglichen Lachen garnicht heraus. Frank Wedekind ist der einzige deutsche Ueberbrettl-Künstler im wahren oiiuie dieses Wortes. Ihn au hören ist ein ganz eigenartiger, nirgends wieder anzutreffender Genuß. -tt-

Auto» Springers berühmtes Handbuch der Kunst- gefchichte erscheint z. Zt. in einer neuen, 6. Auflage im Verlage von E. A. Seemann in Leipzig. 1896 kam die 4., 1899 die 5. heraus, also innerhalb 6 Jahren haben sich drei Auflagen dieses Werkes nötig gemacht, deren erste aus dem Jahre 1855 stammt, aus der Bonner Zeit des vortrefflichen Kunsthistorikers, der von .1873 bis 1891, seinem Todesjahre, in Leipzig lebte und lehrte und

feinen Schülern eine anbetende Bewunderung der Kunst Raffaels und Michelangelos tief in die Herzen legte. Uns liegen vorerst die beiden ersten Bände des großen Sprmger'schen Werkes vor, die das Altertum (XU, 378 S. m. 652 Abbildungen und 8 Farben­drucke, geb. 8 Mk., und das Mittelalter (VIII, 414 S. m. 529 Abb. und 6 Farbendr., geb. 7 Mk.) behandeln. Springer war nicht ein Forscher im Sinne der strengen deutschen Akademik, sondern mehr Publizist von Weltbildung und umsassender Lebensbetrachtung, als Kunstkenner und Kunstgenießer naheAU ebenso universell, wenn auch ein besonderer Freund der Renaissance, mit ihrem vollblütigen, lebensprühenden Gestaltengeivimmel, sodaß er ihren Kunstgrößen den echten historischen Himergrund zil geben vermochte^ auf beni sich die glänzende Gesellschaft der Üalienischen Kulturblüte abhebt. Die antike Kunst lag ihm, dem Weltmanne, ferner, unb darum ist es nur zu begrüßen, daß jetzt die Verlagsbuchhandlung einem mit diesem Stoffgebiete Vertrauteren die Bearbeitung des ersten Bandes über­tragen hat, dem Straßburger Professor Ad. Atichaelis, der nut dem Ernst, der Sachkenntnis und Gründlichkeit eines Spezial- gelehrten seine Arbeit ausgeführt hat, ohne sich jedoch in strenge stilkritische Untersuchungen zu verlieren, die ja noch weit über den von Springer gegebenen Rahmen des Werkes hinaus ge­gangen wären. Hier galt es, die Werke der antiken 5iunst aus ihrer Beit heraus verständlich au machen, unb das hat Michaelis gethan. Im Zusammenhänge gelesen, bietet der erste Band zwar eine etwas schwer verdauliche Kost für den, der die antike Kunst nur ge­nießen, und nicht studieren will; im einzelnen aber findet gerade der Laie auch hier reiche Anregung und Belehrung. Der erste Band zeigt besonders schlichte Darftellungswetse, der zweite, der von dem Wiener Prof. Neuwirch neu bearbeitet worden ist, ist in der Form anziehender jene ist vielleicht um einiges knapper und leichter einprägbar, diese gefälliger für die Lektüre, ohne Geistreichelei unb Uebcrschivang, aber warm und fesselnd. Der überreiche Stoff des zweiten Bandes ist vorzüglich gegliedert. Hier empfindet man mehr als ün ersten Bande das feine Vsrständnis des gesamten Kultur­lebens der gefchlldetten Kunstperiode. Das JllustrationSmaterial

ist gegenüber den früheren uns bekannten Auflagen, namentlich gegenüber der 4., wesentlich verbessert und auch bereichett, unb heute durchaus mustergiltig. Springer's Kmistgeschichte nimmt in dieser neuen Auslage einen noch höheren Rang em unter allen ähnlichen Werken als sie es bisher schon that. Das schöne Werk sei Kunstfreunden und Kunstjünaern, namentlich Studenten, aber auch unseren strebsamen Kunsthandwerkern warm empfohlen.

Christiania, 4. Juli. Das ungewöhnlich lange Ausbleiben der Swerdrnpsche« Rordpolexpedlliou hat die norwegische Re­gierung veranlaßt, in der Frage der Staatsunterstützung, die Ka­pitän Swerdrup bezieht, einen Beschluß zu fassen. Als ©roerbrup mit dem Plan auftrat, mit derFram" eine Expedition nach Nord- Grönland zu unternehmen, bewilligte ihm das Storching auf fünf Jahre eine jährliche Unterstützung von 3000 Kr., vom L Juli 1897 ab gerechnet. Da diese Zeit jetzt abläuft, will die Regierung Unterstützung weilerzahlen, bis das Storthing abermals in der Sache beschließen kann. Auch die Bierbrauer Gebr. Ringner und Konsul Heiberg, die Swerdrups Unternehmen unterstützten, wollen der übrigen Maimschast bis auf weiteres die Löhnungen roeiter gewähren. Seit der Abreise der Swerdrupschen Expedition aus Christiania waren am 24. Juni gerade vier Jahre oerfloffen, eine Zeit, die zu Bedenken Anlaß geben kann, besonders ün Hin­blick darauf, daß die Expedition in Gebieten weilt, die schon so mancher Expedition ein trauriges Schicksal bereitet haben. >L>wer° drups letzte Nachrichten tarnen aus dem Smithsund, wo er gegen Mitte August 1899 mit der Pearyschen Expedition zusammentraf, deren Hilssschiff die Post nach New-Pork brachte. Seitdem fehlt jede Spur von Swerdrup. Für Peary^ der gleichfalls den Som­mer 1898 zum Smithsung ging, liegt die Sache günstiger, da chm im Sommer 1900 eine Hilssexpedition nachgefchickt wurde, die ün vorigen Jahr mit Nachrichten von Peary zurückkam. In wenigen Tagen geht von New-Hork aus abermals eine Hilfsexpedition zum Smithfuno, um Peary zu suchen.