Ausgabe 
8.2.1902 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Aus Stadt und Land.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." gestattet.)

Gießen, 8. Februar 1902.

- Kirchliche Dienstuachrichten. Der Großherog hat dem Oberlehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt Lic. theol. Waitz die neu errichtete zweite evangelische Pfarr­stelle an der Martinsgemcinde zu Darmstadt, Dek. Darmstadt, übertragen.

* * Pensionierung. In den Ruhestand wurde versetzt der Gerichtsvollzieher Weitzel in Bad-Nauheim auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Dienstnachfolgcrs.

* * Erlaubniserteilung. Der Kaiser hat dem Obersten oon Rothkirch und Panthen, Kommandeur der 29. Kavallerie-Brigade, die Erlaubnis zum Tragen des ihm verliehenen Komturkreuzes 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen erteilt.

* * Gemälde-Ausstellung. In der Gemälde - Ausstellung im Turmhaus am Brand sind neu ausgestellt von H. von Amstetter-BreslauPartie aus Alt-Hannover", von A. von Meysenbug-PotsdamFrühlingsstraße m Garmisch", von E. Klenckenburg-MerksleinGänselies'l". In der kommenden Woche findet wieder ein teilweiser Wechsel der Gemälde statt.

* * Konzert. Morgen findet in der Südanlage Prome- aadenmusik mit folgendem Spielzettel statt: 1. Kaiser- Ouoerture von Voigt. 2. Spinnbed a. d. Op.Die Hexe" von Enna. 3. Venus auf Erden, Walzer von Lincke. 4. Solo-Chor a. der Op.Euryanthe" von Weber.

* * Im Kaiser-Panorama ist in dieser Woche die Serie Bosnien, Herzegowina und Dalmatien ausgestellt, die sich durch die vielen landschaftlichen Schönheiten, die sie bietet, ganz besonders auszeichnet und auf ein hervorragendes Interesse seitens des Publikums Anspruch machen dürfte. Wir empfehlen dem Publikum umsomehr, sich die Serie an­zusehen, als sich nicht so bald die Gelegenheit bieten dürfte, jene Gegenden in dieser schönen naturgetreuen bildlichen Darstellung wieder zu betrachten.

* * Konzert Gernhardt. Man schreibt uns: Das am Donnerstag im Cafo Ebel veranstaltete Konzert des Zither­lehrers Gernhardt war trotz der ungünstigen Witterung stark besucht, so daß sich der Saal fast als zu klein erwies. Das Programm enthielt aber auch viel Schönes und Interessantes. Für Abwechslung war in reichem Maße gesorgt. Mandoline-, Violin-, Klavier- und Gesangsvorträge wechselten mit den Zithervorträgen ab. Die einzelnen Prograrnmnuinmern wurden tadellos ausgeführt. Selbst der Sänger, der einzige Nichtfachmann", verfügte über Stimmmittel und eine Schulung, um die ihn mancher Sänger von Beruf beneiden dürfte. Von den beiden anderen Herren (Musiklehrer Kasten hatte die Klavierpiecen übernommen), konnte man schon voraus- setzen, daß sie nur Gutes bieten würden. Der Konzertgeber Gernhardt machte uns u. a. mit einigen seiner Kompositionen bekannt. Sie gefielen allgemein. Besonders ernteten die beiden LiederHinaus!" undHeimwärts!", von denen das eine mehr schwermütigen Inhalts, das andere aber voll burschikoser Frohnatur ist, reichen Beifall. Auf die einzelnen Nummern näher einzugehen, würde zu weit führen. Daß trotz der Reichhaltigkeit des Programms die Zuhörer bis zum letzten Stück aushielten, ist das beste Zeugnis für das Können der Veranstalter. In dieser Form zu Gehör gebracht, dürfte sich die Zithermusik, wenn vielleicht etwas mehr Sparsamkeit angewendet wird, immer mehr Freunde erwerben.

* * Alpenverein, Sektion Gießen. Auf den höchsten Gipfel des deutschen Vaterlandes und dann mitten in die gewal­tigste Gletschermasse Tirols führte Herr G. Münch-Wetzlar in seinem gestrigen Vortrage über eine vorjährige Alpentour die zahlreich erschienenen Zuhörer. Nach Ersteigung des Herzog st an des, wohl des lohnendsten Aussichtsberges in den bayerischen Voralpen, ging vom Walchensee die Wande­rung ins Jsarthal, bann nach Elmau, dem Ausgangs­punkte für die Besteigung des durch den Aufenthalt König Ludwigs II. bekannten Schachen, von da hinüber in das von der Partnach durchrauschte Rainthal und in diesem aufwärts den oft beschriebenen Pfad zum Grat und Gipfel der Zugspitze mit ihrem Unterkunftshaus und dem seit 2 Jahren bestehenden Observatorium. Ein unvergleichliches Panorama bot sich von dieser 2964 Meter hohen Warte dem entzückten Beschauer. Abwärts führte an steiler Bergwand der abwechselungsreiche Steig zur Wiener-Neustädter Hütte, dann ein bequemerer Pfad nach dem lieblichen Eh r- w ald. Von hier gings über den beschwerlichenHohen Gang" zu der am schönsten Punkte der Mieminger Gruppe erbauten und jüngst gerade eröffneten Koburger Hütte, dann abwärts zum Inn. St ams mit seinem reichen Zister­zienserkloster und den edlen Schätzen des Klosterkellers ge­währte gaslliche Aufnahme. Bei Imst wurde der Inn ver- lasien und durch das kürzeste seiner Seitenthäler, das erst durch die Thätigkeit der Sektion Braunschweig dem Touristen­verkehr erschlossene Pitzthal, wurde Mittelberg mit seinem berühmten Ferner und die im Angesichte der firnge- krönten Wild spi tz e und inmitten der großartigsten Gletscher­szenerie gelegene Braunschweiger Hütte (2712 Meter) erreicht. Freilich mußte die Wildspitzbesteigung bei der Un­gunst der Wetterverhältnisse schon am Taschachferner chr Ende finden, worauf dann derUebergang über das Taufkarjoch den Wanderer nach dem von Hochtouristen überfüllten V e n l brachte. Aber ein Besuch der Ramolalpe und des Ramol- j o ch e s entschädigte immerhin für die vorausgegangene Ent­täuschung. In Obergurgl, dem höchsten Dorfe Europas (1927 Meter), erwies sich der wackere Kurat als liebens­würdiger Wirt und trefflicher Gesellschafter. Durch das lang­gestreckte Thal der Oetzthaler Ache wurde der Rückweg genommen nach dem Inn und zur Arlibergbahn, wo die Fuß­wanderung ihren Abschluß erreichte.

Mänuer-Turu-Verein. Am Donnerstagabend vereinigten sich imCafo Leib" zahlreiche Mitglieder und Freunde des M. T. V." zu einem ungezwungenen, fröhlichen Masken- kränzchen. Freilich machte sich ein Uebelstand wieder be­merkbar, nämlich das Fehlen größerer Räume. Es war kaum ein Plätzchen vorhanden, das nicht besetzt gewesen wäre und es erwies sich wiederum als Notwendigkeit, daß wir endlich einen größeren Saalbau bekommen. Es herrschte ein humorvolles Treiben. Zusammengesetzt aus den

mannigfaltigsten Typen, wälzte sich der bunte Strom durch die Säle, in denen besonders die allerliebsten Blumen-, Post­karten- und Orangen-Verkäuferinnen auffielen. Als zeitgemäßer Scherz wirkte auch eine Truppe des Wolzogenschen Ueber- brettls, deren musikalisches Können jedoch in dem Wirrwarr ähnlicher, närrischer Veranstaltungen nicht ganz zur Geltung am. In dankenswerter Weise hatten die erlesensten Sterne )es Vereins chre Kraft in seinen Dienst gestellt. Außer den erwähnten Verkäuferinnen übte große Anziehungskraft die an­mutige Bedienung der Schieß-, Likör- und Schaubuden. So wähnte man sich denn in em kunterbundes Jahrmarktsrummel­gewirr versetzt, und viel zu früh kam den meilten die Auf­forderung zur Demaskierung. In den Tanzpausen wirkten etwas dämpfend die jedoch von vielen mit dem größten Bei- all aufgenommenen humoristischen Gesangseinlagen. Unge­zwungene Komik erreichte Herr Schwarz durch die Vorführung einersächsischen Rekruten". Und als die vorgerückte Stunde zum Aufbruch mahnte, trennte man sich nur ungern. Wohl alle Mitglieder und geladenen Gäste haben den Eindruck gewonnen, daß imM. T. V." em echtes, fröhliches Leben pulsiert, das ihm auch die Sympathie der dem Verein Fern- tehenden stets sichern wird.

* * Der Gesangverein Heiterkeit veranstaltet morgen im Cafe Leib seinen großen Maskenball. Ter Vorstand hat auch dies­mal für Ueberraschungen und Kurzweil aller Art gesorgt, so­daß die Besucher sich gewiß and) nicht eine Minute lang­weilenwerden. U.a. sind einige sehr schöne Gruppenaufführungen vorgesehen. Ailck) an sonstigen Darbietungen, wie humoristische Gesangsvorträge tisiv. wird es nicht fehlen. Und so kann jedem, der einen heiteren, gemütlichen Abend üerleben will, der Bestich der Festlichkeit nur empfohlen werden.

* * Vier Jahreszeiten. Am Sonntag findet in den Vier- Jahreszeiten großer Maskenball statt. Vom 16. Februar ab tritt das urkomische Zwergtheater auf. (Siehe Inserat.)

* * Schlägerei. In der Wolfstraße kam es in der ver­gangenen Nacht zwischen Arbeitern zu einer Schlägerei, bei der auch das Messer eme Rolle spielte. Doch sollen die Verletzungen nur geringfügiger Natur sein.

* * Jagdvcrpachtungen. Die Wiesecker Gemeindejagd wurde für 1240 Mk. jährlich (gegen 975 Mk. seither) an Major Klößner und Fabrikant Mylius auf 6 Jahre ver­pachtet. Göbelnrod verpachtete seine Gemeindejagd an den seitherigen Pächter W. Peterntann-Frankfurt a. M. für jährlich 700 Mk. (gegen 268 Mk. bisher). Die Gemeinde Naunheim bei Wetzlar erzielte für die Jagd 951 Mk. das Jahr (gegen 655 Mk. bisher).

* * Besitzwechfel. Der ehemalige Besitzer des Frankfurter Hofes Georg Seipp erwarb für 54000 Mk. die Reiber'sche Besitzung, Bahnhofstraße 66.

* * Ausgrabungen. Unserem Artikel im heutigen 3. Blatte betr. die neuen Ausgrabungen ist noch hinzuzufügen, daß die beiden Grabhügel, wie sich aus Form und Verzierung der darin gefundenen Gefäße mit Sicherheit ergiebt, der ent­wickelten Hallstattzeit angehören, also der Zeit um etwa 700 bis 500 vor Chr.

h. Londorf, 7. Febr. Morgen veranstaltet der hiesige GesangvereinFrohsinn", wie alljährlich ein Konzert.

fc. Bad Nauheim, 7. Febr. Auf die neue Anleihe unserer ©labt von 1 Million Mark erhielt die deutsche Ge­nossenschaftsbank von Soergel Parrisius u. Co. in Frank­furt a. M. den Zuschlag zu 97.03 Prozent. Die Bank verpstichtet sich, den nicht abgehobenen Teil des Erlöses der Anleche mit 3^ Prozent zu verzinsen.

A. Nidda, 7. Febr. Infolge des nassen Wetters, ins­besondere der letzten Tage, ist die durch unsere Stadt fließende Nidda bQart an geschwollen, wie wir es glücklicherweise nur selten erleben. Der Fluß ist an vielen Stellen bereits aus den Ufern getreten, sodaß in den niedrig gelegenen Stadt­teilen das Wasser schon m den Straßen steht. Das ganze Niddathal nördlich bis Eichelsdorf und westlich bis in die Gegend von Vilbel gleicht einem großen See.

Auswanderung nach Peru.

Ein Unternehmer Namens Guillermo Speedie hat )ie Urbarmachung der Ländereien am Pachiteafluß durch Ansiedelung europäischer und nordamerikanischer Einwan­derer übernommen. Die Landstrecken, welche der Pachitea und die übrigen oberen Nebenflüsse des Amazonas durch­laufen, haben wegen der dort herrschenden Sumpffieber fast ohne Ausnahme ein sehr ungesundes Klima. Die Ein­wanderer haben von der Küste einen beschwerlichen Weg größtenteils zu Fuß durch Urwald zurückzulegen. Das Auf­treten von wilden Indianern in jenen Gegenden ist wahr­scheinlich. Ansiedler, welche dorthin gehen, wären der Willkür des Speedie preisgegeben uni) während der ersten Zeit auf die Lebensrnittel angewiesen, welche er ihnen in den Urwald senden würde. Es erscheint hiernach angebracht, vor der Auswanderung nach den Ländereien des Speedie zu warnen.

Gerichtssaat.

St Gießen, 7. Febr. Schöffengericht. Vor dem Schöffen­gericht hatte sich heute n. a. ein Bahnwärter aus Garben- t e i ch wegen Zuwiderhandlung gegen eine baupolizeiliche Verordnung zu verantworten. Er soll eine Kesselmauerung den einschlägigen Bestimmungen entgegen angelegt haben. Ta ihm in­dessen em persönliches Verschulden nicht nachgewiesen werden kann, so wird er freigesprochen. Ein hiesiger Handlungsgehilfe war wegen Diebstahls in Anklagezustand versetzt worden. Er wurde sreigesprochen, da das ihm zur Last gelegte Vergehen, aus einer hiesigen Restauration sich eine Studentenmütze rechtswidrig un­geeignet zu haben, nicht mit Sicherheit festgestellt werden tonnte. Auch in der Strafsache gegen einen hiesigen Dienstknecht wegen Diebstahls von 14 Mk. zum Nachteil seines Dienstherrn wird ein freisprechendes Erkenntnis gefällt.

M. Gießen, 6. Febr. Strafkammer. Den Vorsitz führte. Landgerichtsrat Müller, die Anklagebehörde vertrat Staatsanwalt Reuß. Das heute in der Strafsache gegen Dr. Schad aus Lich verkündete Urteil lautet aus Freispre ch u n g. Das Gericht ging davon aus, daß vorliegenden Falls nur eine wissentliche Verletzung der Anzeigepflicht der ansteckenden Krankheit zur Beurteilung stehe, da eine etwaige fahrlässige verjährt sei. Zur Annahme der Wissent­lichkeit aber sei der Nachweis erforderlich, einmal daß Wochenbett­fieber Vorgelegen und dann daß der Angeklagte dies gemußt habe. Das Gericht kam auf Grund der Sachverstäiidigen-Gutachten zu der Ansicht, daß zwar eine hohe Wahrscheinlichkeit, nicht aber eine unbedingte Sicherheit dafür vorliege, daß das fragliche Fieber Wochenbettfieber gewesen sei; andrerseits nahm das Gericht an, daß oer Angeklagte, auch wenn in Wirklichkeit Wochenbettfieber Vorgelegen habe, nicht Darauf diagnostiziert habe. Aus diesen Gründen würbe das schöffengerichtliche, freisprechende Urteil be­stätigt. Ter 17jährige Heinrich Seip aus Hattenrod ist der schweren Körperverletzung mittels eines Messers und der Bedrohung

beschilldigt. Er wird in eine Gesamtgefängnisstrafe von 2 Monaten 1 Woche verurteilt. Der wegen Diebstahls mehrmals vorbe­strafte Stephan Bingel aus Busenborii ist des Diebstahls eines Messers unt) der Bedrohung beschilldigt. Er erhält eine Gesamt- gefüngnisftraie von 3 Monaten 7 Tagen unter Aufrechnung der seil deni 21. Dez. 1901 verbüßten Untersuchungshaft. Der Philipp Friedrich Seyer aus Bergen, wegen des gleichen Delikts in eine Gefängnisstrafe von 5 Monaten, abzüglich einer einmonatlichcn Untersuchungshaft, verurteilt. Der Bürgermeister Conrad V ö l - z i n g von Groß-Felda wird beschuldigt, als Standesbeamter unter Außerad)tlasfung derVorschriften desB.-G.-B. eine Eheschließung voll­zogen zu haben (Vergehen gegen § 69 des Personenstandsgesetzes). Er vollzog im April v. I. eine Eheschließung, bei der eine Witwe mit 2 minderjährigen Kindern ans erster Ehe beteiligt, war. Nach § 1314 des Bürger!. Gesetzbuchs durfte die Eheschließung erst er= olgen, nachdem die Witive voii dem Vormundschaftsgericht ein Zeugnis erhalten hat, daß sie die im § 1669 B.G.B. bestimmten, zu Gunsten des Vermögens der Kinder erster Ehe dem Nupturienten auferlegten Verpflichtungen erfüllt hat. Ein solches Zeugnis war vom Vormundschaftsgericht nicht verlangt und nid)t_erteUt worden. In der heutigen Verhandlung wurde festgestellt, daß das gesamte Ausgebotsverfahren durch den Standesbeamten in Storndors er­ledigt und daß der Angeklagte erst nach deren Beendigung mit der Eheschließung befaßt ivordeil war. Nach Ansicht des Gerichtes diirfle der Staiidesbeamte in Storndors das Aufgebot nicht eher erlassen, als bis den Vorschriften des Bürger!. Gesetzbuchs Genüge geleistet war. Nur ihn träfe daher ein Verschulden; der Angeklagte ei zu einer Nachprüfung nicht verpflichtet gewesen. In Gemäß­heit dieser Auffassung gelangte das Gericht zn einem freisprechenden Erkenntnis.

Holzminden, 6. Febr. Ter Redakteur desKreisblattes", Schroff, gegen den un Zeugniszwangsverfahren soforttge Haft angeordnet mar, wurde heute e n t h a f t e t, da der V e r f a s s e r des bett. Artikels sich selbst gemeldet hat.

Handel und Herkchr. Volkswirtschaft.

Gießener Pferdemartt. Am J. April findet aus oen städtischen Marttanlagen zu Gießen Frühjahrs-Pferdemartt statt. Der vorjährige Markt war mit etwa 440 Pferden befahren und von Händlern uni) Landwirten sehr gut besucht, sodaß recht be- deutende Käufe abgeschlossen werden konnten. Auch in diesem Jahre erhofft man einen guten Markt. Mit dem Markt ist eine Prämiierung verbunden, für welche 1545 Mk. zur Verfügung stehen. Die Prämiieruiigskommission besteht aus den Herren Oekonomierat Schlenke-Hardthof b. Gießen (Vorsitzender), Oberstleutnant v. Nor- maml-Gießen (stellvertretender Vorsitzender), Gutspächter Bene- Cberweimar, Oekonomierat Hoffmann-Hofgüll, Schlachthofdirektor Lie^e-Gießen und Gutsbesitzer Alüller-9ceuhof. An Preisen find die folgenden vorgesehen: 1. Abteilung: Reitpferde 1. Preis 50 Alk., 2. Preis 30 'Mk. 2. Abteilung: Wagenpferde, paarweise zu prämiieren: 1. Preis 100 All., 2. Preis 70 Mk., 3. Preis 50 Alk. 3. Abteilung : Arbeitsschläge (paarweise zu prämiieren): a. schwere: 1. Preis 80 Mk., 2. Preis 60 Mk., 3. Preis 40 'Mk.; b. leichte: 1. Preis 60 Mk., 2. Preis 40 fDlt, 3. Preis 20 Mk. 4. Abteilung: Arbeitsschläge (einzeln zu prämiieren): a. schwere: 1.Preis 30All., 2. Preis 20 All.; b. leichte: 1. Preis 30 Mk., 2. Preis 20 Ack. 5. Abteilung (einzeln zu prämiiren). Diese Pferde müssen nach­weisbar 6 Monate im Besitz von Landwirten sein, die Mitglieder des Landespferdezuchtvereins ober der landwirtschastl. Proomzial- oereine des Großherzogtums sind. 1. Preis 50 Mk., 2. Preis 30 Mk^ 3. Preis 20 Mk. 6. Abteilung: Fohlen kalten und warmen Schlages: a. dreijährige: 6 Preise von 50, 40, 30, 30, 20, 20 Mk.; b. zwei­jährige : 6 Preise von 40,30,30,20,10,10 M. In den Abteilungen 16'werden für int Privatbesttz befindliche Pferde, die auf diesem Markt nicht um Geldpreise konkurrieren, Ehrenpreise gegeben. Ter Prärniirungsplan, welcher die näheren Bedingungen enchält, wird von Herrn Oekonomierat Schlenke-Hardthof b. Gießen auf Nachsuchen übersandt.

Mannheim, 7. Febr. Pfälzer Tabak. Jrn Tabakeinkauf in der Rheinpfalz machte sich in letzter Woche wieder einiges Leben geltend, und gelangten mehrere 1000 Ztr. zum Absatz, so daß jetzt nur noch kleine Partien unverkaufter Ware vorhanden sind. Nach den jetzt vorliegenden amtlichen Zusammenstellungen wurden in den Gemeinden des Amtsbezirkes Germersheim im letzen Jahre rund 49 000 Ztr. Tabak im Werte von 1 200 000 Mk. geerntet, im Bezirke Landau wurden in 1901 34 500 Ar und im Bezirke Ludwigs­hafen 4310 Ar mehr als int Vorjahre angepflanzt. Dte neuen Tabake finden hauptsächlich von auswärtigen Fabrikanten gute Nachfrage. Die für Sandblätter angelegten Preise schwankten zwischen 2832 Mk. der Zentner für geringere und zwischen 34 bis 39 Mk. für bessere Sachen. In H a u p t t a b a k e n ist bis jetzt -nod) wenig gehandelt worden. Der Verkehr in alten Tabaken war sehr schwach. Obgleich die Nachfrage nicht gerade unerheblich war, so fehlte es dod) an genügenden Angeboten in den begehrten Sorten. In Pfälzer losen Rippen kam weniges in der Preislage von 1,802,00 Mk. die 50 Kg. zum Verkauf. Trotz der billigen Preis- forberungen fehlt es an größerem Interesse für die Ware, die reich­lich angeboten wird. Gebündelte feine Rippen hielten sich im Preise zwischen 1111,25 Mk., während lose seine Sachen 8,75 bis 9 Mk. die 50 Kg. bedangen.

Tabak. JmLaufe der Bericbtswoche wurde in Herxheim der Tabak bis auf ca. 1000 Ztr. in der Preislage von 2326 Mk. verkauft. In Landau wurde ein größerer Posten 1901er rheinbayerischer Tabak zu Mitte bis Ende 30 Mk. von Spekulanten an Händler per Jnli verkauft, ebenso ein größerer Posten Vorbruchsandblatt von 3436 Mk. Ferner wurde ein kleinerer Posten 1900er Gundiblatt versteuert von Produzenten an Häitdler zu 62 Mk. verkauft. Im übrigen liegt das Geschäft ruhig, und finden fast wenig Umsätze statt. Der Verkauf nod) außen läßt viel zu wünschen übrig, was bei der heutigen Lage der Zigarreitbranche nicht zu verwundern ist. In losen psälzer Rippen geschäftslos, lose feine 89 All., ge­bündelte 10.5011.50 Mk.

Geldmarkt. Die Bank von England hat gesterndte offizielle Rente von 8*/e pCt. auf 3 pCt. h e r a b g e f e tz t. Bei der Bank von Frankreich besteht derselbe Satz fast ununterbrochen, ebenso wie in Brüssel und Amsterdam. An den kontinentalen Geld­märkten beträgt nun, abgesehen von der russischen Reichsbank, nur noch bei der österr.-ungarischen Bank und bet der deutschen Reichs­bank die Bmikrate 3/i pCt. Die letztere dürfte indessen bald folgen und ebenfalls auf 3pCtt heruntergehen.

Essen, 7. Febr. Der Auffichtsrat der Maßener Berg- b a u - G e s e l l s ch a s t beschloß 7 Proz. Dividende gegen 11 Proz. im Vorjahre vorzuschlagen.

Wolffs Bureau meldet aus Peking vom 6. Februar: Hier schweben Verhandlungen über Bergwerkskonzessionen in der Provinz Fukien an französische Unternehmer.

"Eingesandt"

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 8. Februar 1902. Cousetti.

Die rasch eingebürgerte Sitte des Confetti-Werfens scheint be­rufen zu sein, immer mehr Liebhaber zu gewinnen. Wie uns scheint, mit Recht. Denn nur der verstockteste Philister wird sich der Schön­heit dieses harmlosen, reizvollen Treibens verschließen können. Aber wir wollen hier den klemen Papierflocken nicht länger ein Lob fingen. Was uns bewegt, ist die Thatsacbe, daß man hier in Ge­schäften Konfetti zum Veckauf feilbietet, die ^unter dem dringenden Verdacht" stehen, schon auf den Straßen irgend einer Großstadt, wie Paris z. B., herumgeflogen zu sein.

In Paris würden Sie sich schön dafür bedanken, wenn Ihnen ein Camelot verschiedenfarbige Confetti in einem Säckchen offerierte. Man kaust dort nur einfarbige, bald blau, bald rot :c. je nach Be­lieben, um sich dagegen zu schützen, von den Straßen aufgelesene Ware zu bekommen. Es soltte deshalb aud) jedem Kavalier einer Kleinstadt, der seine Dame mit Konfetti traktieren will, daran ge­legen fein, fick) einigermaßen appetittiche Konfetti zu verschaffen. Das ist, wie wir bereits gesagt, nur möglich, indem man von den Verkäufern nur einfarbige Papierchen annimmt und alle Mischware zurückweist. X. X. X.