bilbung der Adern, geräumige Brustentwickelung und feine trockene Glieder- Die Milchkuh muß weiter reichlich und zweckentsprechend ernährt werden- Die.Hoffnungen, welche man auf die Einführung der Melkmaschinen setzte, haben [M leider nicht erfüllt, und so müssen wir nach wie vor »nt den teuren und unbequemen menschlichen Hilfskräften Rechnen-
Ein sehr wichter Punkt ist demnächst die Kontrolle der L e istun g en, die durch regelmäßige Probemelkungen und Untersuchungen der Milch auf ihren Gehalt KU erfolgen hat- Daß durch züchterische Maßnahmen noch Pcrriz andere Leistungen erzielt werden können, wie sie heute geliefert werden, beweisen z- B. -Jersey-Kühe. Ist doch eine Angabe beglaubrgt, nach der solche Kühe Wochen lang täglich bis 2,86 Kilogramm Butter geliefert haben, und ^3 ist zu berechnen, daß hierzu 20—25 Kilogramm Milch [mit 71/9—6 Prozent Fett erforderlich sind- Nachdem wir [wissen, daß diese Fähigkeit der erb bar ist, muß die Technik der Züchter diese Gesichtspunkte verfolgen und durch Untersuchung der Milch der einzelnen Kühe derartiges .wertvolles Zuchtmaterial herausfinden und weiter zur [Zucht benutzen.
Die Gewinnung von Butter erfolgt auch in -kleinen und kleinsten Betrieben durch Anwendung der Zentrifugen, sei es durch Anschluß an eine Genossenschaftsmolkerei, sei es durch Gebrauch von Handzentrifugen im Kleinbetriebe- Die heutige Technik erlaubt es, den Fett- ,gehalt der Magermilch bis auf 0,15 Prozent herabzudrücken. Aus solcher Milch läßt sich natürlich kein schmackhafter Käse mehr gewinnen, da größere Fettmengen .hierzu erforderlich sind- Wo also neben dem Butter- Verkauf ein gut bezahlender Markt für Magermilchkäse vorhanden ist, haben auch ältere Ausrahmverfahren, namentlich solche mit Wasserkühlung, ihre Berechtigung- Doch bürste das nur in wenigen Fällen rechnerisch gerechtfertigt sein. Liegen für die Kraftzentrifugen verhältnis- mäßig wenig Neuerungen vor, so hat die Konstruktion von Handzentrifugen demgegenüber gerade in letzter Zeit eine gewaltige Ausdehnung erfahren- Nicht weniger als 63 Firmen vertreiben Zentrifugen in Deutschland, und es nehmen hieran nicht nur große, sondern kleine und kleinste Firmen teil- Leider ist dabei festzustellen, daß bas Angebot von Handzentrifugen für den Kleinbetrieb oft in überaus zudringlicher Weise erfolgt, und die Güte der Maschinen häufig in umgekehrtem Verhältnis mit dem Eifer ber Reklame steht- Unter keinen Umständen sollte ein Landwirt eine Handzentrifuge ohne fachmännischen Rat kaufen, und selbst die beste Konstruktion durch Probearbeiten auf die Leistungsfähigkeit prüfen- Milchanalysen sind dank der Fürsorge uird Unterstützung von Staat und Genossenschaften so billig (15 Pf- pro Analyse) zu haben^ daß auch der kleinste Wirt hic Kosten hierfür nicht zu scheuen braucht-
Hohe Beachtung verdient der Zentrifugenschlag, her sich bei dem Zentrifugieren der Milch abscheidet. Er ist Träger einer großen Zahl pathogener Bakterien, namentlich der Tuberkelbazillen, und sollte sorgfältig aus den Zentrifugen entfernt und verbrannt werden. Verordnungen hierüber sind teilweise schon erlassen.
Die Magermilchverwertung bietet aus den Eingangs angeführten Gründen in der Milchwirtschaft Schwierigkeiten. Als Futtermittel fehlt ihr das Fett, das ihr durch das 2i/2fache an Stärke oder Zucker, namentlich bei der Mlberernähmng ersetzt werden könnte (Versuche hierüber sind erwünscht). Neuerdings stellt man Kun st - rahm her, indem Rübenöl mit kleinen Mengen Leimwasser versetzt wird. Mit 3,3 Pfg. Unkosten soll man Magermilch auf 3 Proz. festbringen können. Wie der Nährwert dieser Mischung ist, muß aber auch erst erwiesen werden. Bei der Buttergewinnung aus Rahm ist die Kontrolle des Fettgehalts von großer Wichtigkeit. Denn es konnte festgestellt roeti>en, daß auf der einen Seite Buttermilch mit nur 0,35 Prozent Fett, auf der anderen Seite mit 1 Proz. und darüber gewonnen wurde. Das bedeutet ganz erhebliche Einbußen an Butter, die sich bei mittleren Molkereien auf viele Hunderte von Mark im Jahre belaufen können. Es ist daher dringend notwendig, den Ausfall der Butterung durch Kontrolle des Fettgehalts in der Magermilch regelmäßig zu kontrollieren.
. Der Käsereibetrieb hat sich in Deutschland niclft in der erwünschten Weise entwickeln können. Versuche mit her Herstellung der wertvollen Hartkäse, namentlich mit Schweizerkäse, sind s. Z. gescheitert, zweifellos deshalb, weil die richtigen Gährungserreger nicht in der Milch vorhanden waren. Hier kann nur die Bakteriologie und die ziel- bewußte Herstellung von Reinkulturen und deren Anwend- ung Abhilfe bringen. Die daraus bezüglichen Arbeiten sind in sachkundigen Händen und werden mit Eifer gepflegt. Sichtbarer Erfolg ist schon bei dem Edamer käse, erzielt, und es ist zu hoffen, ja bestimmt zu erwarten, daß es der Technik gelingen wird, Lab käse aus pasteurisierter oder sterilisierter Milch herzustellen. Daß bisher bei der Behandlung der erhitzten Milch und deren Verarbeitung zu Hartkäse keine Erfolge erzielt werden konnten, liegt in der Schwierigkeit der Aufgabe. Die Schwierigkeiten sind aber nicht unüberwindlich. Sie werden überwunden werden, und damit wird der deutschen Milchwirtschaft ein neues erfolgreiches Arbeitsgebiet erschlossen werden.
So sehen wir die deutsche Milchwirtschaft in rührigem Fortschritt, landwirtschaftlich gefördert durch die Fortschritte in der Viehzucht, technisch unterstützt durch die Wissenschaft der Bakteriologie und Maschinentechnik, genossenschaftlich endlich durch die gemeinsame Verarbeitung der Milch und immer engeren Zusammenschluß der Landwirte und Molkereien, ein blühendes Glied unserer deutschen Landwirtschaft.
Als letzter Redner sprach Oberlehrer Dr. Fr e y b e - Weilburg über die Frage „Wie kann die neuzeitliche wissenschaftliche Wettervorhersagung für die Landwirtschaft nutzbar gemacht werden?" Der Landwirt sei am meisten abhängig vom Wetter. In der Landwirtschaft hätten sich eine große Menge von Wetterregeln ausgebildet, die einen großen Schatz von Erfahrungen enthielten, die aber den Mangel hätten, daß man sie auf ihr Eintreffen resp. Nichteintreffen iricht geprüft habe. Praktischen Nutzen könne die Wettervoraussage für den Landwirt nur haben, wenn er schon am Mittag wisse, was am nächsten Tage für Wetter fein werde, um seine Bestimmungen treffen zu können. Gerade hier aber reiche die Erfahrung des einzelnen nicht aus. Denn er übersehe nur das Wetter in seinem Wohnort. Der Vortragende ging nun auf die Ergebnisse der Hamburger und dann der Weilburger Beobachtungen über, erörterte die Entstehungsart der Weilburger Nachrichten und stellte fest, daß die Weilburger Voraussagungen im vorigen Sommer mit 91 Proz. zugetroffen seien. Die wissenschaftliche Wettervoraussage habe also mit neun Zehntel Wahrscheinlichkeit für den nächsten Tag, aber nicht weiter. Es sei nun eine Umfrage bei den Landwirten nach dem tzrfoLge DeraujUnUet^
worden. Es habe sich ergeben, daß das Interesse gewachsen sei. Gleichzeitig habe man den Wunsch ausgesprochen, daß die Einrichtung eine dauernde werde. Nachdem zuletzt 366 Ortschaften mit Berichten versorgt worden seien, sei jetzt die dauernde Einrichtung vom Januar ab sicher gestellt. Auch die Schwierigkeit, die von den Vertrauensmännern am meisten betont worden sei, daß die Nachrichten zu spät auf die Dörfer kämen, würde gehoben dur chdas Entgegenkommen der Postbehörde, die die Versendung auf telegraphischem Wege zu bedeutend ermäßigtem Preise übernehmen wolle. Natürlich könne nur durch die Erfolge gezeigt werden, welchen Nutzen der Wetterdienst habe.
Am Nachmittag fand eine lebhafte Diskussion statt. Aus der Versammlung war u. a. die Frage aufgeworfen, wie hoch der Schutzzoll auf Getreide zu bemessen sei. Geh. Reg.-Rat Paasche lehnte es ab, sich auf einen bestimmten Zoll fest- sulcgen. Zu der Frage ergriff auch Recchstagsabg. Lucke das'Wort. Paasche streifte in feiner Antwort kurz die Ruhlandsche Theorie und kam auf das Depositenbankwesen zu sprechen, worauf Oekonomierat Schlenke die Diskussion hierüber schloß, da sie den Rahmen des Themas überschreite. Von anderer Seite wurde die durch die sibirische Bahn dem deutschen Getreidebau drohende Konkurrenz erwähnt. Paasche erwiderte darauf, daß, wenn auch Sibirien streckenweise sehr fruchtbaren Boden habe, doch von dort vorläufig keine Gefahr zu befürchten sei, da die Bahn lediglich zu militärischen Zwecken gebaut und für den Getreidetransport so gut wie unbrauchbar sei, und da es ferner an Bebauern des Landes fehle, Auswanderungslustige aber kaum sich unter dem strengen russischen Regiment würden niederlassen wollen.
Ans Stadt und Kand.
(Der Abdruckderunter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.)
Gießen, 8. Januar 1902.
* * Auszeichnungen. Der Groß Herzog hat dem Dr. Betz aus Mainz, Dolmetscher bei der Kaiserl. deutschen Gesandtschaft in Peking, das Ritterkreuz 1. Klasse mit Schwertern des Verdienstordens Philipps des Großm. verliehen. Der Großherzog hat ferner, nachdem das Ostasiatische Expeditionskorps aufgelöst ist, u. a. folgende Auszeichnungen verliehen : das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großm. dem Obersten Petzel, aggregiert dem Niederrheinischen Füsilier-Regiment Nr. 39; das Ritterkreuz 1. Kl. mit Schwertern dess. Ordens dem Major v. Hofmann im Generalstabe der 33. Division, das Ritterkreuz 1. Klasse dess. Ordens dem Stabsarzt Plagge; die Schwerter zum Ritterkreuz 1. Klasse dess. Ordens demHaupttnann v. Plön nies, Batteriechef in der Feldartillerie-Abteilung der Ostasiattschen Besatzungsbrigade; das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für Tapferkeit" den Musketieren Hamburger und Zirkel, ehedem im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116; das Allgemeine Ehrenzeichen dem Sanitäts-Sergeanten Scharmann, ehedem im 5. Großh. Jnf.-Regt. Nr. 168.
* * Pensionierung. Der Großh erzog hat den Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen Dr. Möbius auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zu dem Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
* * Bestätigung. Der Großherzog hat der am 6. Dezember 1901 durch die Stadtoerordneten-Versammlung zu Friedberg erfolgten Wahl des Hofzimmermalers Hieronimns und des Buchdruckereibesitzers Damm zu Friedberg zu Bürgermeisterei-Beigeordneten der Kreisstadt Friedberg die Bestätigung erteilt.
* * Ernennung. Der Kaiser hat den Oberlandesgerichtsrat Seriba in Darmstadt zum Mitglied der Kaiserl. Dis- ziplinarkammer daselbst ernannt.
* * Ernennung. Der Gerichtsassessor Jöckel hier wurde zum Vertreter des z. Zt. erkrankten Staatsanwalts Z i m m e r- mann ernannt.
* * Vortragskurs für praktische Landwirte in Gießen. Am heutigen zweiten Vortragskurstage war der Besuch wiederum ein sehr guter. Es sind nunmehr bereits 220 Teilnehmerkarten ausgegeben. Die Herren Vortragenden, Professor Dr. Hansen-Bonn und Geheimrat Prof. Dr. Paasche- Charlottenburg, erzielten reichen Beifall mit ihren Vorträgen. Ein Haupttag wird noch der Freitag werden, an welchem Herr Geh. Hofrat Professor Dr. Wagner-Darmstadt über „Einige Zeit- und Streitfragen aus dem Gebiete der Dung- lehre" sprechen und Reg.-Baumeister Schiller-Berlin seinen Vortrag über die landwirtschaftliche Maschinenfrage fortsetzen wird.
* * Zugverspütung. Der V-Zug nach Frankfurt a. M., der um 8.02 Uhr von Gießen abgeht mußte am Montag, nachdem er die hiesige Station bereits eine viertel Stunde verlassen hatte, wieder zurückkehren. Die Ursache war der Bruch einer Schreberschubstange an der Maschine. Nachdem eine andere Maschine vorgespannt war, konnte der Zug mit einhalbstündiger Verspätung Gießen wieder verlassen.
* * Schon wieder ein Eisenbahnunfall auf der Strecke Friedberg—Homburg. Wie der „Taunusbote" meldet, entgleiste ein heute früh 6 Uhr von hier nach Koeppern abgegangener leerer Zug auf dem Bahnhofe Friedrichsdorf infolge falscher Weichenstellung. Der Hintere Teil des Zuges riß ab und stürzte um. Personen wurden nicht verletzt. Der Verkehr nach Usingen ist gesperrt, nach Friedberg muß umgestiegen werden.
* * Der Verein zur Züchtung reiner Hunderasieu beabsichtigt, sich in einen Jagdhund-Klub umzuwandeln. Maßgebend für diesen vom Vereinsvorstand vorgeschlagenen Schritt ist die Thatsache, daß die Hauptthätigkeit des Vereins bisher schon darauf gerichtet war, die Zucht von Jagd- und Erdhunden zu fördern und auszubreiten, wozu die Veranstaltungen von Schliefen, Preissuchen 2c. dienten. Auch bei den vom Verein veranstalteten Ausstellungen kamen in erster Linie Jagdhunde in Bettacht und nur nebenbei wurden auch Luxushunde vorgeführt.
* ' Schnelle Aburteilung. Auf dem gestrigen Viehmarkt tarn es zwischen einem Händler aus Nauborn und dessen Kollegen aus Siegburg zu einem Streit, bei dem der Stock eine große Nolle spielte. Nach Erledigung der Angelegenheit suchten beide Parteien nach Augenzeugen, um ihren Streit gerichtlich auszutragen. Aus den Zeugen aber konstituierte sich schnell ein Gerichtshof, der entschied, daß der Marm au£.
Nauborn mit den Tätlichkeiten begonnen habe, obwohl er hierzu keine Veranlassung gehabt hätte und daß er daher sofort an Ort und Stelle dem blutenden Kollegen 50 Mk. zur Verwendung für wohlthätige Zwecke auszuhändigen habe, wogegen.beide Parteien sich verpflichten mußten, die alte Handelsfreundschaft unter einander weiter bestehen zu lassem Der Vorschlag wurde angenommen und damit der Justiz eine Arbeit erspart.
n . Mendorf a. d. Lahn, 7. Jan. Am Montag feierte Kaspar Heep mit seiner Ehefrau das Fest der Silbernen Hochzeit. Die Mitarbeiter des Jubilars in der Betriebswerkstätte der Main-Weserbahn schenkten dem Jubelpaar zwei Tassen mit der Widmung: „Dem silbernen Bräutigam" „der silbernen Braut".
§ Ruppertenrod, 7. Jan. Wie wir in unserer Nr. 4 mitteilten, wurde hier durch Lehrer Strack eine Sammlung für die Buren veranstaltet. Es kamen 32.85 Mk. (nicht 22,85 Mk., wie es in Nr. 4 u. Bl. heißt) zusammen.
R, Ni cd er-Ofleiden, 6. Jan. Am Freitag Abend wurde hier durch Vertreter des Amtsgerichts Homberg die Verhaftung eines hiesigen Einwohners vorgenommen. Es mag dies für ihn um so schmerzlicher gewesen sein, da seine Mutter gerade auf dem Totenbette lag. Man vermutet, daß die Verhaftung mit dem plötzlichen Ende der hochbetagten Frau im Zusammenhang steht.
ob. Nieder-Ofleiden, 6. Jan. Heute war die Staatsanwaltschaft hieranwesend, umwegen eines Sittlichkeitsvergehens Untersuchungen anzustellen. — Darauf erfolgte die Sezierung einer Leiche, lieber das Ergebnis ist bis jetzt nichts Bestimmtes bekannt geworden.
Hungcn, 7. Jan. Gestern wurden die neugewählten Gemeinderatsmitglieder verpflichtet. Bürgermeister Buttron wies in einer Rede darauf hin, daß die Pflichten eines Gemeinderats gar vielfältig seien; er hoffe, daß der Gemeinderat auch in seiner neuen Zusammensetzung stets zum Wohle der Gemeinde seine Kräfte einsetzen werde.
p. Bad Nauheim, 7. Jan. Hier wurde ein Kupplernest ausgehoben, das sich in einer Wirtschaft befand. Der schon in vorgerückten Jahren stehende Wirt sowie seine Frau wurden verhaftet.
Bingen, 7. Jan. Der D-Zug 164 Köln -Basel, in Bingerbrück fällig um 2 Uhr 50 Min., ist auf der Fahrt von Trechtlingshausen nach Bingerbrück (linksrheinische Strecke) nicht weniger als dreimal entgleist Der erste Unfall fand bei Trechtlingshausen, der zweite an der Klemenskirche und der dritte am Schlößchen Rheinstein statt, und zwar entgleiste jedesmal die letzte Tenderachse, die, nachdem sie auf die Schienen gehoben war, immer wieder vom Geleise absprang. Erst um 7 Uhr 10 Min. abends setzte der Zug seine Reise über Mainz fort, während nachmittags bereits em Sonderzug ab Bingerbrück über Münster a. St. nach Basel abgelassen worden war. Schaden oder Verletzungen von Personen hatten die Entgleisungen nicht zur Folge.
** Kleine Mitteilungen aus Hesien und den Nachbarstaaten Ein 16 jähriger Bursche aus Hungen verunglückte im Walde bei den Holzhauern schwer, indem ihm ein etwa 3—4 Kilo schwerer Seilhaken auf den Kopf fiel. Der Verletzte wurde ins Krankenhaus verbracht, wo eine Verletzung der Hirnschale festgestellt wurde.
Vermischtes.
* Kattowitz, 6. Jan. Zwei Schmuggler, die bei der Grenze Spiritus nach Rußland schmuggeln wollten, wurden von der russischen Grenzwache erschossen.
* Triest, 7. Jan. Der Anarchist Nigris hat sich in seiner Gefängniszelle erhängt.
* Olmutz, 7. Jan. Großes Aufsehen erregt die Verhaftung des Paters Rimls in Rudelzau, die man mit dem am Sonnabend erfolgten Tode seiner früheren Wirtschafterin in Verbindung bringt.
* Budapest, 7. Jan. Josef Deutsch, Chef eines Großhandlungshauses hat sich auf feiner Besitzung Vamo im Colnauer Comitat erschossen. Deutsch, der u. a. Eigentümer des Jodbades Lipik war, galt noch vor wenigen Jahren als Millionär. Der Zusammenbruch einer Firma, mit deren Inhaber Deutsch in verwandtschaftlichen Beziehungen stand, verursachte seinen finanziellen Ruin. — Heute Nacht ist hier eine internationale Diebesbande verhaftet worden. Die Diebe hatten gerade versucht, die Kaffe der Detinfciuftrie« gesellschaft anzubohren. Ihnen fällt wahrscheinlich auch ein bei dem Ohrenarzt Tomka während dessen Abwesenheit verübter Einbruch zur Last, wobei 16O OOO Kr. Kronenrente und 20000 Kr. in Effekten gestohlen und wertvolle Gemälde und Präparate vernichtet wurden.
* Ein Vokksschullehrer Reserveleutnant. Der erste Reserveleutnant aus der Berliner Lehrerschaft ist Herr Fritz Unnasch an der 35. Gemeindeschule. Derselbe war Abtturient eines Realgymnasiums und ist jetzt definitiv als Gemeindeschullehrer angestellt. Er diente als Einjährig- Freiwilliger im Infanterie-Regiment v. Grolman (1. Pos.) Nr. 18 zu Osterode in Ostpreußen und machte dort die vorschriftsmäßigen Hebungen. Das Offizierkorps des Landwehrbezirks Berlin wählte chn zum Reserveoffizier. Jetzt veröffentlicht das „Militär-Wochenblatt" amtlich seine Ernennung.^
* Ein Ehedrama- In Conigliano bei Genua hat sich ein schreckliches Ehedrama zugetragen. Ein reicher Wagen-Fabrikant, Namens Galliano, überraschte seine Gattin beim Ehebruch mit dem Bruder des Bürgermeisters. Er stach den Verführer nieder- Die Frau flüchtete und warf sich unter eine Lokomotive-__________
Universitäts-Nachrichten.
— In ber „Augsb. Postztg." erzählte jüngst ein Gewährs» mann allerlei Protektionsgeschichtchen aus deutschen Universitäten. U. a. schreibt er: Viel besser traf es ein Mann der reinen Chemie an einer anderen Universität. Der war dereinst bei seinem heutigen Schwiegervater im Doktorexamen durchgesallen. Mtt vieler Mühe seiner selbst und anderer erlangte er endlich an einer preußischen Universität den Doktortitel. Dann verlobte er sich mit der Tochter seines ehemaligen Examinators. Und siehe da, dieser Mann (hier folgen abfällige Aeußerungen über ungenügende Lehrthätigkett) wurde furxe Zett daraus durch bte Hufe seines Schwiegervaters Universitätsvrofesfor.
Wien, 7. Jan. Zu Beginn der Vorlesungen de? Hofrats Exner fanden wegen der neuen Rigorosen-Ordnung lärmende Stubenrenszeneu statt, sodaß Professor Exner die Vorlesung sisttqxen mußte.


