war. Berm des WähllhLllgLrVbcczarS in Paris
<nn 4. Mai 1897 fand die Herzogin ein gar tranriges Ende, elf Jahre nachdem ihr ehemaliger Verlobter in geistiger Umnachtung sich nnd seinem ärztlichen Begleiter den Tod im, Starnberger See gegeben hatte.
Heer und Flotte.
,,Stadt nnd Land inr Heere". Zu diesem gestern von uns an leitender Stelle erörterten Thema schreibt ein Offizier: ,^Jchi stand Ende der 90 er Jahre bei der Feldartilleri e-Schi eßschnle. Diese ergänzt sich aus Mannschaften aller preußischen (ernschl. hessischen, badischen usw.) Feldartillerie-Regimenter, die bereits einige Zeit gedient haben. Als Fahrer werden natürliche bei der Artillerie meist die Leute ausgesucht, die vom Lande stammen, es müssen daher die Bedienungslente in der Mehrzahl oder doch Firm großen Teile sogenannte Stadtleute sein. Die intelligentesten von diesen Kanonieren werden nun als Richtkanoniere ausgewählt, wenn sie nebenbei gute Augen haben, doch ist diese letzte Forderung weniger maßgebend, da wir meist nur Leute mit guten Augen haben. Ich nahm nun früher als selbstverständlich an, daß diese Richtkanoniere meist aus größeren Städten stammten und machte nun zu meiner Ueberraschung die (Äfahrung, daß gerade der den Richtkanonieren der Prozentsatz der La.ndleute ein viel höherer war, als bei den übrigen Bedienrmgsleuten und daß gerade die besten und znd er lässigsten Richtkanoniere fast' durchweg Bauernjungen oder Landarbeiter waren, vielfach allerdings auch Kaufleute usw., die auf dem Lande gewohnt batten und das Feld des Vaters bestellt hatten. Daß die Lust und Liebe zu der Sache bei den vom Landekommenden Soldaten meist größer ist, als bei den andern, habe ich von jeher beobachtet".
Ausland.
London, 7. Aug. In der Guildhall fand gestern abend eine große Fr red ensseier statt, an der ungefähr 2500 Personen teilnahmen, darunter zahlreiche Kw- binetsmitglieder, der Premierminister der Kolonien, indische Fürsten und viele Generale, die sich in Afrika auszeichneten. Lord Roberts und Kitchener wurden Adressen überreicht, beide waren Gegenstand großer Huldigungen. (Sie sprachen sich sehr anerkennend über die Kolonialtruppen aus. Kitchener erllärte, so lange der Geist, der die Kolo- nialtruppen beseele, fortbesteht, werde England befähigt fein, den Reichsgedanken aufrecht zu erhalten. Die Führer müßten aber diesen Geist in der Weise bilden und lenken, daß er in wirksamer Weise dem Interesse der ganzen englischen Rasse diene.
London, 6. Aug. Ter König, die Königin und die Prinzessin Viktoria trafen heute nachmittag auf der Viktoria-Station ein. Der Bahnhof war festlich geschmückt. Der König ging leicht, aber etwas steif, was jedoch kaum bemerkbar war. Die ganze Haltung machte einen sehr günstigen Eindruck.
Haag, 6. Aug. Kurz vor 1 Uhr kam Krüger in Begleitung seines Adjutanten Bredel! und seines Leibarztes an. Er sah wohl in sich gekehrt, aber gesunder als früher aus und er ist auch etwas dicker geworden. Wolmarans begrüßte ihn mit einem einfachen: „Guten Tag Herr Präsident", worauf alle ihren Weg schweigend nach den beiden Wagen fortsetzten, mit lebhaften Hochs von der wartenden Menge begrüßt. Krüger fuhr zu der am Scheve- ninger Strand liegenden Villa de Ridders, wo .ihn Herr de Ridder und der weitere Vorstand der Proburenvereinigung empfingen. Krüger unterhielt sich in sehr angeregter Stimmung und suchte um vier Uhr den Präsidenten Steijn aus. Da Steijn leicht lebhaft auf jedes die Republiken betreffende Gespräch eingeht^ und auf die Bestimmung des Arztes jede Erregung vermeiden muß, so war aus vorherige Verabredung dieses erste Wiedersehen der beiden Präsidenten kurz; es dauerte eine knappe halbe Stunde.
Paris, 6. Aug. In Qnimper wurden zwei Schulen ohne Zwischenfall geschlossen. In den anderen Orffchaften des Departements Finistere sind die Landleute fortdauernd enffchlossen, dem Vorgehen der Regierung Widerstand zu leisten. Im Departement Lozere wurden gestern die Schulen ohne Zwischenfall geschlossen, nur in Aumont kam es zu Ruhestörungen, wobei zwei Personen verletzt wurden. In Snlly wurde die Marquise Mac Mahon mit anderen Schwestern aus der Ordensschule entfernt, indem ein Polizist sie am Arme packte und auf die Straße setzte. In Ravoire weigerten sich die Schwestern die Schule zu verlassen. Der Polizei-Kommissar ließ Maurer kommen, um das Schulgebäude njederreißen zu lassen. Die Bevölkerung drohte jedoch* den Maurern mit dem Tode, worauf diese sich weigerten, die Arbeit auszuführen. Im Departement Saone et Loire mußte der Polizei-Kommissar die Thüre der Schule mit Aexten einschlagen. In Ploermel fanden heftige Kundgebungen statt. Gendarmen zu Pferde drangen in den Schjul- hof ein, welcher mit Frauen und Kindern ungefüllt war. Mehrere derselben wurden verletzt, zahlreiche verhaftet und sofort zu je 100 Francs Strafe verurteilt.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 7. August 1902.
** Der Festzug des Gießener Wingolf gestern abend verlief programmmäßig. Durch ein großes schaulustiges Publikum hindurch nahm er seinen Weg nach Steins Garten, wo der Festkommers stattfand. Für heute lautete das Programm: 10 Uhr Phrlisterkonvent im Philosophenwald (anstelle des Frankfurter Philistertags), 11 Uhr Musik-Frühschoppen, 1 Uhr Mittagessen, und von 5 Uhr ab Konzert und Gartenfest in Steins Garten.
!? Ehrende Anerkennung für gewissenhafte und treue Dienste. Aus Anlaß des am 1. Juli d. I. vom Ver- waller Stork im Kollegienhause begangenen 50jährigen Dieustjubiläums hat das Professoren-Kollegium unserer Hochschule dem Jubilar nachträglich eine schwere goldene Uhr und Kette dedicirt.
** Person altem Der Großherzog hcrt am 6. d. Mts. den vortragenden Rat im Ministerium des Innern Oberregierungsrat August Weber mit der Vorsehung der Funktionen eines Ministerialrats in diesem Ministerium beauftragt. — Dem Pfarrer Adolf Clotz zu Wallernhcmsen ist die evang-elstche Pfarrstelle zu Holthausen, Dekanat Rodheim, übertragen worden (nicht HoH- heim, wie irrtümlich gemeldet wurde). — Ernannt worden sind der Fabrikant und Ergänzungsrichter Marl Georg Michel in Mainz zum Handelsrichter an der bei dem Land- gerächt der Provinz Rheinhessen gebildeten Kammer fiir
Handelssachen mit dem Sitze in Mainz, sowie Karl Di e g e l und der Kaufmann August Fe i n e zu Mainz zu Ergänzungsrichtern bei der genannten Kammer für Handelssachen mit Wirkung bis zum 31. Dezember 1903. — Ernannt wurden ferner: der Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Mainz Heinrich Sch aus zum Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Groß-Umstadt, der Gerichtsschreiber-Aspirant Joh. Krohmann in Mainz zum Hllfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Mainz, der Gerichtsschreiber-Aspirant Konrad Heinrich Koch in Bensheim zum Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Bensheim.
** Ter amtliche Plan für die nächste Hessische Thüringische Staatslotterie (Mitteldeutsche Statslotterie), liegt jetzt gedruckt vor. Tanach gelangen 100 000 Lose (bisher 55 000), 40 000 (22 000) Gewinne und 7 Prämien (wie bisher) zur Ausspielung. Die Einnahme und Ausgabe balanzieren mit 12006 000 Mk. (bisher 6 590 250 Mk.). Es finden wieder 6 Ziehungen statt, und zwar die erste am 5. und 6. November, die zweite am 5. und 6. Dezember 1902, die dritte am 6. und 7. Januar, die vierte am 28. Januar, die fünfte am 14. Februar und die sechste vom 4. bis 27. März 1903. In den drei ersten Ziehungen kommen je 3500 (bisher 2000), in den beiden folgenden je 2000 (1000) und in der letzten 25500 (14 000) Gewinne zur Ausspielung. Die Gewinne sind teils erböht, tells vermehrt worden. Die Prämien betragen in oen einzelnen Ziehungen 40000 Mk. (bisher 30000 Mk.); 50 000 Mk. (40000 Mk.); 50000 Mk. (wie bisher); 50000 Mk. (55 000 Mk.); 60 000 Mk.; 300000 Mk. und 200000 Mk. (wie bisher); die höchsten Gewinne in der ersten und zweiten Ziehung je 20000 Mk. (wie bisher), in der dritten 30 000 Mk. (20 000 Mk.), in der vierten 40 000 Mk. (20000 Mk.), in der fünften 40 000 Mk. (wie bisher) und in der sechsten 200 000 Mk. (wie bisher). Bei der letzten Ziehung gelangen 9 582 400 Mk. (bisher 5153 000 Mk.) zur Ausspielung, Die Preise der Lose bleiben unverändert. Die bisherigen Bestimmungen über die Prämien (§ 8 des Plans) bleiben bestehen, nur fällt die Prämie von 200 000 Mk. in der 6. Ziehung erst den Gewinnen von 50 000 Mk. (statt bisher 40000 Mk.) ab zu.
** Ein starkes Gewitter ging heute nacht über unsere Stadt nieder, das von starken Regengüssen begleitet war. Aus Berlin liegen uns telegraphische Gewitternachrichten von der vergangenen Nacht vor. Dort hat der Regen sogar starke Straßenüberschwemmungen verursacht.
** Die 6. Sitzung der Handwerkskammer findet am 18. August in Darinstadt statt. Die Tagesordnung bringt u. A. Beratungen über Befähigungsnachweis im Baugewerbe, Antrag auf Abänderung des Statuts und der Wahlordnung der Kammer, Genossenschaftswesen, Errichtung neuer Gesellenprüfungsausschüsse, Umbildung der Fortbildungsschulen in fachlicheFortbildungsschrilen, Alters- und Jnvaliditätsversicherung der selbständigen Handwerker, Lehrzeit im Uhrmachergewerbe, Leitfaden für die Meisterprüfung, Submissionswesen, Lehrvertrag zwischen Vater und Sohn und Verschiedenes.
** Interessantes Datum. Am Samstag, den 9. August dieses Jahres, früh morgens eine Minute und eine Sekunde'nach 1 Uhr wird ein interessantes Datum zu verzeichnen sein. Es wird nämlich dann sein: Die zweite Sekunde der zweiten Minute der zweiten Stunde des zweiten Tages der zweiten Woche des zweiten Monats der zweiten Hälfte des zweiten Jahres des zwei Mal zehnten Jahrhunderts. Keiner aller jetzt lebenden Menschen hat jemals ein ähnliches Datum erlebt, noch wird er Gelegenheit haben, ein solches nochmals zu erleben.
*• Kerne Bürgermeisterkrisis. Wir erhielten heute aus einer Nachbarstadt folgende Zuschrift unter Bezugnahme auf eine gestrige Lokalnotiz:
„Die Befürchtung einer schweren Bürgermeisterkrise erweist sich glücklicherweise als unbegründet, indem es sich lediglich um einige zwischen Stadtverordnetenversammlung und Bürgermeister entstandene Mißhelligkeiten bandelte, die zu beioerseitiger Befriedigung bereits erledigt sind."
Das ist erfreulich zu hören. Doch erfahren wir andererseits, daß zur Scheidung der Ehe des Bürgermeisters ein Prozeß bei dem zuständigen Landgericht in Schwebe ist.
ff Professor Belin g. In unserem gestrigen Artikel zum Scheiden des Professor Belina ist eine sachliche Unrichtigkeit enthalten. Prof. Beling hat nicht gemeinsam mit Prof. Bennecke ein Lehrbuch über Reichsstraftecht geschrieben, sondern das von Prof. Bennecke begonnene und durch dessen Tod unterbrochene Lehrbuch über Reichsftraf prozeß recht weiter und zu Ende geführt.
(:) Großen-Bus eck, 6. Aug. Sonntag, den 10. Aug., feiert der hiesige Turnverein in den Räumen des Gastwirt Brück' sein drittes Stiftungsfest, verbunden mit einem Schau- und Preisturnen. Der noch junge Verein hat auch in diesem Jahre im freien Wettkampfe schon mehrfache Erfolge erzielt, was wohl als Zeichen dafür gelten kann, daß die Landbevöllerung sich immer mehr diesem gesunden Sport zuwendet.
-xu- Langsdorf, 6. Aug. Die heute hier stattgehabte Tagfahrt zur Abstimmung über Einleitung des Feld- bereinigungsverfahrens in hiesiger Gemarkung ergab 165 Stimmen dagegen. Trotzdem erscheint das Unternehmen als gesichert und zwar aus folgenden Gründen: 1. Die 165 da gegen Stimmenden haben nur geringes Grundeigentunu 2. Die Ehefrauen der gegen den Antrag stimmenden Ehemänner waren bis auf zwei Ausnahmen sämtlich — aus Unkenntnis des Gesetzes — zur Abstimmimg nicht erschienen und müssen darum als dafür stimmend angesehen werden. 3. Ein während der Abstimmungstagfahrt gefaßter Gemeinderatsbeschluß auf Ablehnung des Antrags seitens der 2—300 Morgen Aecker und Wiesen besitzenden Gemeinde Langsdorf (erfolgt gegen die eine Stimme des Bürgermeisters Köhler) erscheint aus gesetzlichen Gründen unzulässig und darum unwirksam.
(—) Hung en, 7. Aug. (Eig. Drach tbericht.) Gestern wurde zwischen Hungen und Trais-Horloff ein frecher Straßenraub begangen. Der ALmtrer Wilhelm Schwinn aus Kohden b. Nidda, der einige Tage auf der Grube Friedrich in Trais-Horloff gearbeitet hatte, seit Sonntag sich aber umhertrieb und die Nächte auf dem Felde kampierte, war gestern in einer Wirtschaft in Trais- Horloff eingekehrt. Hier hörte er, daß die Frau des Gastwirts mit einem Geldbeträge von 200 Mark nach Hungen gehen wollte. Er folgte der Frau, überfiel fte auf dem Felde und knebelte sie. Dann raubte er ihr den Hand- lorb, indem er jedoch nur fünf Mark fand, da die Frau die 200 Mark zu Hause gelassen hatte. Schwinn flüchtete nun mit seinem Raube, wurde aber schon bei Hof Graß ergriffen und in Haft gebracht.
?? Grebenhain, 5. Aug. Einen eig en tftm- lichen und seltenen Fund machte gestern der hiesige Wagnermeister und Müchleübesitzer Georg Beyer. Derselbe legte ein neues Wasserrad an und mußte daher den
sogenannten Mühl>Prater tief ausräumen. Dabei fand er unten einen schön gezimmerten (beschlagenen vierseitigen kantigen) Eichen stamm in einer Länge von 7 Meter, 46 Ctm. breit und 36 Ctm. hoch. Es wird angenommen, daß dieser Stamm schon etwa 300 Jahre hier gelegen hat, da daS Holz so fest wie Eisen ist. Ter Eichenf- stamm wurde auS der Tiefe heraus auf eine Wiese geschleift wo er die Bewunderung aller Fremden erregt Für Fachleute und Liebhaber soll dieses Stück Holz einen recht erheblichen Wert haben.
Büdingen, 6. Aug. Die Fürstin-Mutter zu Stol-- berg-Roßla hat sich mit dem Grasen Kuno zu Stolberg-Roßla verlobt.
Darmstadt, 8. Aug. Der Großherzog empfing am 6. August u .a. den Major z. D. Morneweg, Bezirks- ossizier beim Landwehrbezirk Gießen, den außerordentlichen Professor Tr. Horn von der Landes-Universität Greß en und den evangel. Pfarrer Gustav M en cke von Dortelwell.
Darmstadt, 6. August. Eine Sektion des'christlichen Holzarbeiterverbandes Deutschlands ist kürzlich hier mit 20 Mitgliedern ins Leben getreten, damit haben die anderwärts so stark verbreiteten christlichen Gewerkschaften nunmehr auch in unserer Stadt Wurzel gefaßt.
Mainz, 6. Aug. Wie dem „Mainz. Journ." aus Düsseldorf telegraphisch gemeldet wird, reift Kaiser Wilhelm am 15. August dort bereits so frühzeitig ab, daß der Monarch am nämlichen Tage noch in Mainz eintrifft und hier im Großherzoglichcn Palais übernachten wird. Am 16. August findet die Truppenschau statt.
m. Worms, 5. Aug. 2 6. Mittelrheinisches Kreisturnfest. (5. Tag.) Der Höhepunkt des Festes ist nun überschritten. Heute war der Besuch trotz der interessanten Veranstaltungen (Fechten, Ringen, Wettspiele) nur mäßig und kann mit dem des vorgehenden Tages nicht verglichen werden. Sehr viele von den Turnern sind schon ab- gcreift — beim Abschiednehmen gestern Abend gings hier und da etwas laut zu — und die festlichen Tage haben auch bei den Wormsern einige Ermüdung hinterlaßen. Immerhin hat das prächtige Feuerwerk am Abend noch ungeheuer viel Leute (10—12 000) auf den Festplatz gelockt! Ani Sonntag (10. Aug.) schließt das Fest mit einer großen volkstümlichen Veranstaltung ab.
Frankfurt a. M, 6. Aug. Ein schwerer Automobil-Unfall ereignete sich heute mittag kurz nach 2 Uhr an der Wilhelmsbrücke. Das Automobil geriet zwischen zwei elektrische Straßenbahnwagen und wurde vollständig zertrümmert. Von den Insassen, einem Herrn und einer Dame, blieb der Herr unverletzt, die Dame Namens Anna M a t h e i n, Breitegasse hier wohnend, erlitt eine Kopfwunde und wurde in bewußtlosem Zustande aufgehoben.
Kleine Mitteilungen au's Hessen und den "Nachbarstaaten. Aus Hessisch-Oldend orf wird telegraphiert: Im Nueggeschen Gasthaus explodierte nachts ein Kessel der Acetilengas-Lichtanlage. Das Haus wurde völlig verwüstet, die Nachbarhäuser stark beschädigt. Drei Personen wurden verletzt, davon zwei tätlich.
Vermischtes.
* Ein Dummerjnngen st reich. Wir melheteit neulich nach den „M. N. N", daß der Münchener Schriftsteller Otto Müller, der eine Besteigung der Zugspitze beabsichtigt hatte, vermißt werde. Gestern erst veröffentlichte das genannte Blatt eine längere Notiz in dieser Angelegenheit, die die Unterschrift des „beklagenswerten Vaters" des Vermißten, eines Oberst Müller trug. Heute dagegen schreibt Herr Otto Müller in Oberammergau selber an die „M. N. N" fein Vater sei schon längst tot. Es wäre das Ganze wohl nur „ein ganz schlechter Witz eines seiner Freunde" gewesen! Die „M. N. N." fügen in geredeter Entrüstung dieser Erklärung folgende Worte hinzu: Angesichts solcher „Witze" bedauert man wirklich auf das Tiefste, daß die Prügelstrafe nicht mehr zu Recht besteht, denn dieser „Freund" verdiente wirklich ob seiner bodenlos niederträchtigen Handlungsweise eine tüchtige Portion ungebrannter Asche. Wir 6ef)alten uns in dieser Angelegenheit weitere Schritte vor" und wollen nur erwähnen, daß wir einen bestimmten Verdacht nach einer Richtung haben, so daß dem „Freunde" die Mystifikation nicht geschenkt bleiben dürfte.
Universitäts-Nachrichten.
Berlin, 6. Aug. Der „Vorwärts" erzählt, vor etwa erneut Jahre veröffentlichte ein Berliner Student in der „Berliner Hoch- schulztg." einen Artikel: „Wo bleibt die deutsche Studentenschaft?", indem die deutschen Studenten zu einer Sympathiekundgebung für die „getmiteten" russischen S t u d e n t e n aufgefordert wurden. (£r wurde vor den Universitätsrichter zitiert Als strafverschärfend bezeichnete es derselbe, daß sich der „Vorwärts" der Sache bemächtigt und „einen Speech daran geknüpft habe". Ter Student kam allem Weiteren zuvor und machte sich, wie das sozialdemokratische Blatt bemerkt, von der akademischen „Freiheit" schleunigst frei.
Das ,,Einpauker»", d. h. die Vorbereitung auf die juristische Prüfung durch einen Repetitor, ohne die — wie die „Köln. Ztg." meint — der normale cand. jur. von heute kaum die Prüfung zum Referendar bestehen zu können glaubt, ist ein von den juristischen Fakultäten schon vielfach beklagter Mißstand. Die mit dem Wintersemester ins Leben tretende neue rechts- und staatswiffenscbaftliche Fakultät der Universität Münster scheint dem Unwesen der Repetitorien von vornherein die Spitze abbrechen zu wollen. Tie Fakultät richtet nämlich selbst ein Repetitorium ein, das in drei Semestern den gesamten rechts- und staatswissenschastlichen Unterrichtsstoff behanüeu, sodaß ein im vierten Semester beginnender Student mit Abschluß seines Sttwiums neben seinen sonstigen Vorlesungen ein vollständiges Repetitorium durcbgeführt haben kann, wobei in» deß regelmäßige Voraussetzung ist, oaß er die betreffende Vorlesung bereits gehört hat. Solche repetitorische Hebungen finden im nächsten Wintersemester statt über das System des römischen Privatrechts und römische Rechtsgeschichte, über deutsche Rechtsgeschichte und Deutsches Privatrecht, sowie über das Bürgerliche Gesetzbuch, letzteres in drei Teilen, non denen der erste den allgemeinen Teil und das Schuldrecht, der zweite das Sachenrecht, der dritte das Familien» und Erbrecht umfaßt.
— Professor Dr. Fritz V o i t in München ist zum Vorstand der Münchener Medizmischen Poliklinik an der Sonnenstraße ab Herbst ausersehen. — Ter frühere Leiter des reichsländischen Unterrichtswesens Ministerialrat Dr. Baumeister in Rtünchen feierte dieser Tage sein 50jähriges Doktor-Jubiläum. Dem Jubilar wurden viele Ehrmrgen zu Teil. — Der Unterrichts-Dirigent der kgl. Turnlehrer-Bildungsanstatt, Prof. E ck l e r in B e r l i n begeht am 28. d. Mts. seinen 70. Geburtstag. — Bei der medizinischen Fakultät der Berliner Universität ist Dr. med. Gustav Brüht als Privatdozent der Ohrenheilkunde uni) Dr. med. et. rer. nat Franz Müller als Tozeltt für Arzneimittellehre zugelassen worden. — Die Zulaffung des Dr. O. Grosser als Dozent für Anatomie und des Dr. R. Graßberger als Dozent für Hygiene aa


