v. Messen, Kapttan v. Usedom, und Kapitän Gramme bewertet. Kaiser Nikolaus war am Vormittag bei d-em Gegenbesuch auf der „Hohenzollem" begleitet von dem Großfürsten Alexis, Marineminister Vizeadmiral v. Tyrtow, Admiral Mellon und anderem
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Die gefamte russische Presse bringt warme Be- tzrüßungsartikel, in denen sie namentlich auf den häufigen Austausch von Besuchen der beiden benachbarten Herrscher als eine Gewahr für den Frieden und die Wohlfahrt ihrer Volker Hinweisen. Die „Nowoje Wremfa" sieht in der ,Anwesenheit des Reichskanzlers Grafen v. Bülow einen Hinweis darauf, daß an Bord der kaiserlichen Dachten wichtige politische Fragen erörtert werden würden. Das der Politik Rußlands zu Grunde liegende Ziel ist, so führt das Blatt weiter aus, in vollemEinvernehmen mit demverbündetenFrankreichdie Au fr e ch t- erhaltung des Weltfriedens. Auch die übrigen Staaten strebten nach diesem hohen Ziele, darrmter auch Deutfchland, dessen Kaiser wiederholt in seinen Reden äußerte, daß alle seine unermüdlichen Sorgen um die Vergrößerung der Streitkräfte des Landes nur Mittel zur Sicherung des Friedens feien. Das Blatt weift ferner auf die Verschiedenheit der Ansichten der russischen und deutsch enRegie- >rung in wirtschaftlichen Fragen hin und sagt, die Beilegung der den Zolltarifentwurf betrejsen- den Streitfragen sei in hohem Grade erwünscht. Der Artikel schließt mit den Worten: Durch seine Persönlichkeit und vielseitigen Talente erwarb sich Kaiser Wilhelm laugst die Sympathien der russischen Gesellschaft. Die ver- wandschaftlichen Bande, die das Haus Hohcnzollern mit dem russischen Kaiserhaus verknüpfen, vergrößern diese Sympathien naturgemäß noch mehr. Die „N o w o st i" hofft, daß man in Reval die Grundlage schaffen werde für ein Abkommen auf wirtschaftlichem Gebiete und für einen Ausgleich der entgegengesetzten Interessen der beiden Mächte auf diesem Gebiete und wünscht, Kaiser Wilhelm möge aus Reval die allerbesten Erinnerungen mitnehmen. Die anderen Preßstimmen — uns liegen deren noch vier andere vor — decken sich im 'ganzen mit diesen.
Die Kuren nach dem Krieg.
Dr. Karl Peters schreibt in der Londoner „Fincmz- d^ronir:
Hochinteressante Nachrichten treffen aus Südafrika ein, die uns ermöglichen, über die Gestaltung der dortigen Verhältnisse in der nächsten Zeit eine deutlichere Anichauung zu gewinnen. In der Kaptolonie setzt sich die Bewegung g: Aufhebun g der Verfassung unter den Angern des verstorbenen Mr. Rhodes, trotz des negativen fcheides der brittschen Regierung, fort. Dies ist ein Zeichen dafür, wie wenig sicher sich die eigentlich englische Partei in Südafrika gegenüber den oppositionellen Elementen fühlt. Denn, wenn die Loyaliften es für nötig hatten, die kaptolonie von der Stellung eines sich selbst regierenden Gemeinwesens in die einer einfachen Krondependenz zur ückzus chr au den, so giebt dies kein gerade dösiges Bild von dem Selbstvertrauen dieser Partei in ihre eigene Vorherrschaft. Dazu kommt, daß über der Frage der Suspendierung der Verfassung eine Spaltung in ihren eigenen Rechen eingerissen ist. Sir Gordon Sprigg, der Premierminister, mit seiner Gefolg- fchaft ist bekanntlich ein Gegner der Verfassungsaufhebung und setzt sich damit in Gegensatz zur Mehrheit derierügen Partei, welche ihm die Führung der Geschäfte übertragen hat. Alles dies läßt darauf schließen, da ßd er Afrikander- Bond zum ausschlaggebenden Faktor in den Angelegenheiten der Kaptolonie für die nächste Zett werden wttd.
Noch interessanter ist, was wir aus den neuen Kolonien hören. Dorthin strömen die Buren von St. Helena, Ceylon und Bermudas, wie aus Lissabon und anderen Teilen der Erde fetzt zurück, und überall wird mit dem Wiederaufbau . von Farmen und der Neubeackerung der Ländereien begonnen. Es wird gemeldet, daß diese Elemente einen Teil chres früheren Rafsenstolzes verloren haben, und nur begierig seien, Hans und Hof wieder zu beschaffen. Einzelne von ihnen haben in der Kriegsgefangenschaft ihre alten Farmen unter dem Eindruck falscher Vorspiegelungen durch gewissenlose Spekulanten für Spottpreise verkauft. Andere hypothekisieren ihren Besch um mit dem Bargeld an den Börsen von Johannesburg und Kimberley zu spekulieren. .Die große Mehrheit aber benutzt die gebotenen Erleichterungen zu Anleihen von der britischen Regierung, für Weib und tfinb ein neues Heim zu schaffen. Die erstere Kategorie blickt über den Atlantischen Ozean, um in Argentinien oder Nordamerika eüie neue Heimat zu gründen. Die Anderen haben zur Zeit viel zu viel mit den Sorgen des fTages zu thun, um sich mit den Fragen der großen Pvltttt kbefassen zu können. Wo Häuser gegen die Unbill des südafrikanischen Winters zu errichten oder Felder für den >Ban von Getreide und Gemüse zu beackern sind, hat der Geist nicht viel Muße, sich mtt der Politik zu befassen.
Interessant im Zusammenhang dieser Arbeiten ist die 5tadytid)t, daß Lord Mchener, d. h. der Militärfiskus, seine sämtlichen Blockhäuser an Lord Milner, d. h. den Zivil- fiskus, für 10 Pfd. St. das Stück verkauft hat. Die Balken, das Wellblech- der Stacheldraht, so meint man mtt Recht, werden gute Dienste für die Neubebauung des Landes leisten. Bei dieser Gelegenheit erfahren wir die interessante Thatsache, daß im ganzen etwa 6000 Blockhäuser errichtet waren. Wenn die deutschen Leser sich eine Vorstellung von dem sozialen Zustand in diesen Ländern machen wollen, darf tdji an die Schilderung des Ausrvauberungszuges in Goethes „Hermann und Dorothea" verweisen. Einmal wieder haben wtt das pittoreske Bild einer wandernden und sich 'häuslich einrichtenden Gemeinde vor unseren Augen.
Nur müssen wtt nicht annehmen, daß in diesen Maßen die politischen Instinkte der niederderttschen Rasse erloschen seien. Die Burenführer fühlen sich nicht als endgiltig Besiegte. „Wtt haben unsere Waffen und unsere Flagge begraben", sagte Dewet in Kapstadt, „aber unsere Ueber- lieferungen haben mir nicht begraben." Louis Botha erklärte vor wenigen Sagen in Paarl: „Südafrika ist jetzt unter einer Flagge. Was sollen wir jetzt thun? Sollen wir sagen, wtt sind besiegt? Nein. Dunkelheit ist vor uns, aber Hoffnung und Vertrauen werden uns hindurch leiten." Solche Stimmungen und Ueberzeug ungen sind nur verständlich,; und wir dürfen ihnen rricht^ allzugroße polittsche Bedeutung beilegen. In gleichem Sinne äußerten sich, Gam- betta und fern Anhang nach dein Frankfurter Frieden. Aber ^Eincs tonnen wtt doch, daraus entnehmen, daß dieRassen - frage in Südafrika durch den dreijährigen Krieg keineswegs entschieden ist und daß cs eines staatsmännischen Aattes, ersten Ranges bedürfen wttd, um
die Flamme nicht von neuem aus der Asche emporlohen zu lassen. Dor dem Kriege lohnten es die Buren ab, sich dem Afrikcmder-Bond der Kaptolonie anzuschließen. Heute ist es klar, daß sie sich ebenfalls auf dieser Grundlage organisieren werden. Damit ist die Einheit des holländischen Elementes in Südafrika herge- 'tellt; und er steht heute geschlossener da, als vor drei Jahren Die Forderung kurzsichtiger südafrikanischer Jingos, man solle das Englische in Südafrika obligatorisch machen, verweht vor dieser neuen Wendung der Dinge. Davon ist auch bei den Chauvinisten in London nicht mehr die Rede. Die höfliche Art, wie General Lucas Meyer durch einen Vertreter Lord Kttcheners und einen Vertreter Mr. Chamberlains bei seinem Eintreffen in Southampton begrüßt ward, läßt darauf schließen, daß in den leitenden englischen Köpfen die politischen Erfordernisse der Situation ziemlich klar erfaßt werden.
Stber mit bloßen Höflichkeiten läßt sich keine Polttik tteiben England wird Südafrika in ganz eigener Art zu behandeln haben, wenn es nicht einen neuen südafrikanischen Krieg Hervorrufen will. In der Sprachenfrage steht der Dualismus ein für allemal fest; und das wird für eine friedliche Entwickelung in den neuen Gebieten, soweit die ideellen Interessen in Frage kommen, genügen. Mer wie steht es mit der Arbeiterfrage? Solange der Holländer im Transvaal und im Freistaate herrschte, bestand ein gesunder Arbeitszwang für die Schwarzen, und die Minen bezahlten. Jetzt kommen die Engländer, und damit Exeter Hall, und jeder Tag bringt uns neue Nachrichten über „the tabouc difficulty". „Zwang für die armen schwarzen Brüder?" Nein; das ist nicht britische Art. Schon geht es soweit ,daß die „schwarzen Brüder" an das englische Kolonralamt appelliert haben, um auch das Wahlrecht (sic!) in den neuen Kolonien zu erhalten. Sehr verständig von ihrem Standpunkt aus. Die Flaschen Schnaps, welche sie sich unter den Holländern Erarbeiten mußten, würden sie sich durch Ausnutzung ihres Wahlrechts erkaufen können. Die englische Regierung hat ablehnend geantwortet. Aber mit dem Arbeitszwang ist es vorläufig zu Ende im Transvaal, und wir wollen abwarten, wie die Randminen und die Farmer fahren werden unter dem neuen System. In dieser Frage liegt der Zündstoff für die zukünftige Auflehnung Südafrikas gegen Großbritannien, und diese Auflehnung wird sich nicht mehr auf die Holländer beschränken, sondern alle Nationalitäten im Süden des Zambesi werden sich daran beteiligen. Denn kein Mensch läßt sich den wirtschaftlichen Ruin durch eine kurzsichtige überseeische Kontrolle gefallen. In einem Lande, wo der Neger die große Mehrheit der Bevölkerung ausmacht, wo die Stellung des Weißen völlig von der Machtftage abhängt, von Gleichberechtigung der Rassen zu faseln, heißt einfach das Aufgeben der Herrschaftsstellung in absehbarer Zeit, und für jeden Einzelnen wirt- tchaftlicher Ruin. Bevor es sowett kommt, werden diese Beteiligten jedenfalls versuchen, sich solcher lebensgefährlichen Kontrolle zu entziehen. Hier liegt also die Kardinalfrage für die englische Staatsmannschaft. Hic Rhodus, hic falta! Wenn man dieses Problem in London nicht im Sinne der weißen Besiedelung lösen kann, dann wird es für Südafrika das werden, was die Zollfrage für Nordamerika gewesen ist.
Wir sehen also, die südafrikanische Frage ist durch den Frieden von Pretoria nicht etwa beendigt, sondern nur in eine neue Phase geleitet worden. Es liegen dort so viele Zündstoffe neben einander gehäuft, daß das „Quid novi ex Afrika?" der Geschichte dieses Eroteiles voraussichtlich auch für unser Zeitalter eigentümlich bleiben wttd.
Politische Tagesschau.
Die Salpeterunternehmung
des Bundes der Landwirte hat sich, gebildet. Unter dem Namen „Deutsche Salpeterwerke in Hamburg" wurde am 30. Juli eine Aktiengesellschaft gegründet von der Landwirtschaftlichen ReichsgelrossenschaftAbank G. m. b. H. zu Darmstadt, der Ein- und Verkanfsgenossenschast für Kunstdünger G .m. b. H. zu Berlin, der Westfälischen Zentralgenoss en schäft für den Ein- und Verkauf landwirtschaftlicher Bedarfsartikel und Wirtschaftserzeugnisse G. m. b. H. zu Münster i .W., der Zentralgenossenschaft zum Bezüge landwirtschaftlicher Bedarfsartikel G. m. b. H. zu Halle a S. und der Hauptbezugsund Wsatzgenossenschaft des Rheinischen Bauernvereins G. m. b. H. zu Köln. Das vorläufige Aktienkapital von 3 Mill. Mark wurde voll gezeichnet. Sofort wurde in der gründenden Hauptversammlung das Akttenkapital auf 10 Millionen Mark erhöht. Den Anftichtsrat bildenReichstagsabg. Ha as- Darmstadt, Vorsitzender, Tr. Rösicke, stellvertretender Vorsitzender, Tirettor Dir. Ascheübrandt-Straßburg, Ritterguts- besitzer Beelitz-Garden, Major Endell-Posen, Direktor Hildebrandt-Hannover, Oberamtmann Lindner-H>alle a. Saale, Reichstagsabg. Lucke-Patershanfen, Rittergutsbesitzer Freiherr v. Twickel-Stovern. Der Aufsichlsrat wählte zum vor- läusigen Vorstand Direktor Biernatzki-Kiel und Direktor Schlieper-Berlin. Es handelt sich hier um die bekannten Ankäufe von Salpeter grub en in Chile.
Zenttalverbarro deutscher Kaufleute und Gewerbetreibender.
In der zweiten Sitzung der Generalversammlung zu Leipzig wurde beschlossen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, auf die gänzliche Aufhebung de,r Gerichtsferien hinzuwirken. Lebhafte Klagen wurden dann über die Wirkungen der neuen prenß. Gerichtsvollzieherordnung laut. Dann wurde dem Anträge stattgegeben: wegen Trennung des Betriebes der Produktiv ge- nossenschaften mit fre.iem Verkehr von den Geschäftsbetrieben der Konsum vereine, die nur an ihre Mitglieder verkaufen dürfen, zu petitionieren. — Ein Antrag des Vereins selbständiger Kaufteute zu Wiesbaden wegen Stellungnahme gegen die Heranziehung kaufmännischer Betriebe und kaufmännischer Geschäfte zu Betträgen für die Handwerkskammern mirb in der Form angenommen, daß der Zentralverband die Erwartung aus- jpricht, daß die Regelung der Frage in kürzester Zett vor sich geht, wie dies vom preußischen Handelsminister bereits in Aussicht gestellt ist. Mtt den Schritten, die der Vorstand des Zenttalverbandes zur Errichtung einer Alters-, Jn- validitäts- und Witwenversicherungskasse für die Mttglieder unternommen hat, erklärt sich die Generalversammlung einverstanden. Zu lebhaften Erörterungen giebt ein Antrag des Vereins Berliner Kolonial- warenhändlcr Veranlassung, der sich. gegen den Entwurf eines Flaschcnschutzgesetzes, wie er vom Lund der Industriellen gefordert wirv, ausspricht. Die Generalversammlung schließt sich dem Anttage an. Der nächste Punkt der Tagesordnung: „Stellungnahme gegen das Salz- syndikat" führt nach) längerer Debatte zu dem Beschluß: der Zeuttaioorstand möge bei dem Vorsitzenden des
dikats dahin vorstellig w'erden, es möge ausgeschlossen ferch' daß nach ferner gelegenen Stationen Salz billiger geliefert wird, als nach vorherliegenden. Ter Antrag: „Der Zentral- verband deutscher Kaufleute und Gewerbetrerberrder spricht sein lebhaftes Bedauern ans, daß, nachdem der Minister wegen der vorjährigen Petttion bett. Einführung von Gewichtsstücken von 250 und 125 Gramm und einer Münze zwischen 50 und 10 Pfg. die Handelskammern zur Aeußerung ausgefordert hat, diese, entgegen den Wünschen der Detaillisten und ohne diese zu fragen, in der Mehrzadl sich ablehnend geäußert haben, und ersucht den Vorstanch falls der Minister die Petttion ablehnt, sofort durch eine neue die Regierung darauf hinzuweisen, daß in diesem Falle das Gutachten der 5^andelskammem nicht maßgebend sein darf, vielmehr der Zentralverband nochmals um volle Berücksichtigung der Petition bittet" angenommen. — Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder werden wiederaewähll und zum Versammlungsort für das nächste Jahr Witten gewählt. _______
Was aus einem Feldwebel werden kann, beschreibt im Anschluß an den Fall Löhning ein „früherer Feldwebel" in einer Zuschrift an die „Mt.-Ztg.": 1. der Vater und Begründer der Fabrik von l^zellenz zttupp in Essen war Obersenerwerker; 2. der Geh. Ober-Regierungsrctt und Direktor der Charite, Esse, war Oberfeuermerfer; 3. Polizei-Oberst Krause war Feldwebel beim 2. Garde- Regiment zu Fuß und ist später, weil er sich 1866 vor dem Feinde auszeichnete, Offizier geworden; 4. Geheimrat Happel, Bureaudirektor im preuß Abgeordnetenhause und später im Reichstage, ein allgemein beliebter und hochgeehrter Beamter, war Sergeant und Regimentsschreiber beim Gatt>e- Ulanen-Regiment. Einige andere preuß Geh. Regierungs». rate in der Stellung parlamentarischer Bureaudttektoreü sind auch aus dem Unteroffizierstande hervorgegangen. Sollten ihre Töchter, so fragt der frühere Feldwebel, darumj nicht einen Ofizfier oder Geh. Regierungsrat heiraten dürfen? Oder sollten ihre Söhne nicht Offiziere werden dürfen? Beispiele lehren das Gegentett. — Ein MMtär- Herr v. B., erklärt in einer Zuschrift an die „T. 3L", „daß man unter den Sübalternbeamten, die vielfach aus dem Untervfsizierstande hervorgehen, des öfteren Leute findet^ die sich in jedem gesellschaftlichen Kreise sehen lassen können." Er erinnert daran, daß „ein Chef des Generak- stabes der preußischen Armee, v. Reiber, Bataillvnsschreiber gewesen, und mehrere Generale aus dem Unteroffiziershande hervvrgegangen" seien.
Die Zolltarifkommisfiou nahm am Mittwoch unverändert die Pos. 860 bis 868, Zinn, Nickel, nebst ihren Legierungen an und begann den Wschnitt Kupferlegierungen. Zu Positttu 869, Rohkupfer, frei, beantragt Arendt einen Zoll von 6 Mk. im Interesse des Marisfelder Kupserschieferbaues. Kanitz beantragt 3 Mk. und erkennt die Schädlichkeit der Konkurrenz des amerikanischen Kupfersyndikates an. Bernstein (Soz.) beantragt Zollfreihett. Staatssekretär Graf Poscv- dowsty befürwortet die Vorlage in ausführlicher Darlegung. Die Kommission lehnt beide Anträge ab und nimmt unverändert Pos. 869, Rohkupfer frei, sowie 870 bis 873, Kupfersormstücke, Kupierdraht an. Inzwischen ging ein Antrag der Sozialdemo traten ein, der für die Pos. 907 bis 946 Zollfreiheit verlangt und zu Pos. 946 (Ki n d erspiel z e u g) die Anmerkung hinzusügt: Orden sind, auch wenn von Souveränen verliehen, nach der Beschaffenheit des Materials ohne Rücksicht auf Gewicht, keinesfalls unter 1000 Mk. pro Stück zu verzollen. Der Vorsitzende erklärt den Anttag für unzulässig und bemerkt, daß er ohne fein Wissen gedruckt worden fei. Nach längerer. Debatte lehnt es die Kommission ab, den Antrag überhaupt in Empfang zu nehmen. Danach nahm die Kommission die Pos. 874, Kupferwalzen und kupferne Druckplatten, an.
In der Rede gegen die Anträge auf Roh-Kupfern zoll führte Staatssekretär Graf Posadowsky aus, das Bestehen des Roheisenzolles sei keineswegs entscheidend für die Frage des Rohkuvferzolles, da die Verhältnisse beider Produktionszweige' kolossal verschieden seien. Staatssettetär Posadowsky hob sodann den geringen Wert der Massenpeti- tionen hervor und bemerkte gegenüber Bernstein, daß eine möglichst billige Produktion keineswegs stets im Arbetter- interesse liege, was die schauderhaft niedrigen Löhne beweisen, welche die billigen Verkaufspreise der K o n s e k t i o n s w a r e n begleiten. Graf Posadowsky fügte hinzu, die Zolltarifverhandlungenvermehrten außerordentlich die Menschenkenntnis, wenn man Personen, die einen frei händlerischen Standpunkt bekunden, insgeheim Prohibitivzölle für ihre speziellen Produtte zu erlangen suchen sehe. (Hört!) Die einheimische Produttion beae nicht ein Drittel des Bedarfs. Ein Zoll würde immer die elektrotechnische Industrie, die erste der Welt, schwer schädigen.
Die Kommission beschloß, den sozialdemottattschen Antrag ohne den Schlußpassus betreffend Orden neu drucken zu lassen, nachdem Mg. Stadthagen sich hiermit einverstanden erklärt und bemerft hatte, der Ordensantrag werde als Anmerkung zu Pos. 946 (Kinderzeug) zurückgezogen und als besondere Pos. 947 eingebracht werden. Im Laufe der Debatte hatte Staatssekretär Graf Posadowsky erklärt, die Regierungsvertteter nehmen nicht an der Beratung dieses das monarchische Gefühl beleidigenden Antrages teil. Die Kommission genehmigte sodann Pos. 875, Metalltuch für Gewerbezwecke, setzte in Pos. 876 kupferne Haus- und Küchengeräte die Zollsätze von 24 und 36 auf 18 und 30 Mk. herab und genehmigte sodann die Pos. 877 bis 880 (Schluß des Abschnittes Kupfer), 881 bis 888 (verschiedene Waren aus unedlen Metallen). Die Kommission beriet dann die zurückgestellte Pos. 848, Alummiumgespiunst, und setzte deren Zollsätze von 500 und 200 auf 250 und 150 herab.
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Dreißig Jahre Zuchthaus.
Rom, 6. Mgnst.
Der Prozeß Palizzolo, der am 9. September vorigen Jahres begann, ist, wie wir bereits vor ein paar Tagen in Kürze mitteilten, nab 10V2 Monaten endlich beendigt worden, und zwar mit der Verurteilung des Exdittators und des Exabgeordneten von Palermo zu 30 Jahren Zuchthaus. Ueberblidt man den Verlauf des ganzen Rechtshandels und vergleicht die Zeiten, da Palizzolo nach der Weise der mittelalttrlichen „Signori" oder der antiken Tyrannen die Hauptstadt Sizlliens unumschräutt beherrschte, die Zeiten, wo er, obschon seine Schandthaten allgemein bekannt waren, stets unbehellrgt blieb, weil er sich der Geheimgesellschaft Mäsfra bediente, die wie ein Alp auf Sizilien lastet, mit der heuttgen Zett, so genügt das, um zu konstatieren, daß die Periode der Heroen der läu»:


